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Mittwoch, 11. März 2026

*Bambino* von Marco Balzano - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung , Rezensionsexemplar*

Verlagslink


INHALT/KLAPPENTEXT: 

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.


Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello. Mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega, in Italien und im deutschsprachigen Raum war das Buch ein großer Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Auszeichnungen

 Ich bleibe hier für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2020

 ›Premio Bagutta‹ für Resto qui, 2019

 ›Prix Méditerranée étranger‹ für Je reste ici (Resto qui), 2019

 ›Premio Asti d’Appello‹ für Resto qui, 2018

 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix du roman FNAC‹, 2018

 2. Platz des ›Premio Strega‹ für Resto qui, 2018

 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix Femina‹, 2018

 ›Premio Campiello‹ für L’ultimo arrivato, 2015 

Meine Meinung zum Buch: 

Und wieder führt mich ein Buch in das Jahr 1920 und ich werde mit einem unangenehmen und doch aktuellem Thema konfrontiert. Dem FASCHISMUS !

Was bringt einen Menschen dazu sich seinen düsteren, dunklen, brutalen Seiten zu öffnen und seinen Mitmenschen Unbeschreibliches anzutun? Diese Überlegungen haben mich über zweihundertundvierzig Seiten begleitet und nicht mehr losgelassen . Von der ersten bis zur letzten Seite des Buches. 

Mattia Gregori hat schon als Kind grausame Wesenszüge gehabt, die von seinen liebevollen Eltern nicht verstanden, sondern einfach ignoriert wurden. Als Erwachsener Mensch wendet er sich dem aufkommenden Faschismus zu, quält, bedroht, bestiehlt und tötet am Ende sogar ohne Skrupel seine Mitmenschen. Er verliert Freunde durch diesen Wesenszug  - und fühlt sich allein, im Stich gelassen, unverstanden. Das alles beginnt und spielt sich in einer Grenzregion zwischen Italien, Slowenien , Kroatien in den 1920er  Jahren ab, in der Stadt und Region um Triest.  Eine dunkle Zeit Italiens wird über die Geschichte dieser Region vermittelt. 

Ich habe mich durch dieses Buch gequält und musste es oft aus der Hand legen um die unbeschreiblichen, grausamen Schilderungen und Handlungen des Mattia Gregori zu verarbeiten. Der Autor hat mit diesem Roman die Schwelle zur Horrorliteratur fast erreicht. Das Seelenleben von Mattia wird erbarmungslos in einem kaum auszuhaltendem Schreibstil geschildert. So habe ich diese Thematik beim Lesen noch nie erlebt. Trotzdem hat sich mein Eindruck von dieser Lektüre zum Ende des Buches hin gemildert. Mattia hat sich verändert durch die Härte des Krieges, die auch ihn nun betroffen hat, durch die Liebe zu einer Frau, durch die Suche nach seiner leiblichen Mutter, deren Existenz ihm sein Vater ein Leben lang vorenthalten hat. Nur seine Ziehmutter Tella hat ihm dieses Geheimnis auf ihrem Sterbebett noch verraten. 

Eine Lektüre die durch den Schreibstil des Autors beeindruckt,  von der Thematik nicht schön ist, aber am Ende eine Versöhnung mit Mattia und seinem Verhalten anbietet. Keine Lektüre für zart besaitete Leser*innen. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

DANKE an den Autor und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 



Dienstag, 24. Februar 2026

*Im Herzen der Nacht * von Rebecca West - erschienen im btb-verlag


 *unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

 Neu erschienen und aufgelegt am 15.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Die Wiederentdeckung eines Klassikers - Band 2 der Aubrey-Familiensaga, die vollständig und neu übersetzt bei btb erscheint

London in den 1910er Jahren: Aus den drei Schwestern der Familie Aubrey sind junge Frauen geworden. Die Korsetts und Kleider sind enger, die Frisuren raffinierter und der Müßiggang der Sommertage ist nur noch eine sanfte, ferne Erinnerung. Nach dem Verschwinden ihres charismatischen, aber unzuverlässigen Vaters müssen sich Rose, ihre Schwestern und ihr kleiner Bruder Richard Quin nun der Welt der Erwachsenen, ihren Geheimnissen und Konventionen stellen. Doch ein Ereignis droht die hellen Tage der Unbeschwertheit bald endgültig vergessen zu machen: Ein Krieg, der alles, was ihm in den Weg kommt, mit sich zu nehmen droht, und sich ausbreitet wie eine endlose Nacht.

„Im Herzen der Nacht“ nach „Die Familie Aubrey“ zweiter Teil der Aubrey-Romantrilogie, aber als unabhängiger Roman geschrieben, ist ein perfekter Einstieg in das außergewöhnliche Universum der Rebecca West – ein Meisterwerk, das fast vierzig Jahre nach seinem Erscheinen endlich auf Deutsch entdeckt werden kann.

Dame Rebecca West (1892-1983) wurde als Cicily Isabel Fairfield geboren und wählte ihren Künstlernamen nach einer starken Frauenfigur in einem Ibsen-Drama. West war Journalistin und Reiseschriftstellerin. Sie schrieb unter anderem für The New York Herald Tribune und Harper's Bazaar. Als Berichterstatterin für den Daily Telegraph nahm sie an den Nürnberger Prozessen teil. Sie pendelte zwischen London, New York, Rom und Florenz. Neben ihren journalistischen Texten verfasste sie mehrere erfolgreiche Romane und Erzählungen. »Die Familie Aubrey« ist der erste Teil einer dreibändigen Familiengeschichte. Erstmals 1956 veröffentlicht, wurde der Roman mit dem Originaltitel »The fountain overflows« zum Verkaufshit. »Im Herzen der Nacht« und »Rosamund« erschienen posthum. Die Aubrey-Trilogie ist von Wests eigener Familiengeschichte inspiriert und umfasst fast das gesamte 20. Jahrhundert.

Editorische Notiz , eingefügt am Endes des Buches: Dieser Roman spielt in einer Zeit , in der Vorurteile und Anfeindungen gegen Menschen aller Ethnie, Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion zum Alltag gehörten. Dem Verlag ist bewusst, dass es sich bei einigen der verwendeten Ausdrücke und Schilderungen um Diffamierungen beziehungsweise Stereotype handelt, deren Verwendung und unverfälschte , nicht beschönigende Übersetzung jedoch zur Charakterisierung der Figuren gehört.

Meine Meinung zum Buch: 

Dieser unabhängige zu lesende Roman hat mich tief in die  psychische Familienstruktur der Familie Aubrey geführt. Die Autorin hat autobiografische Züge ihrer eigenen Familiengeschichte eingefügt und so mit Sicherheit vieles aus ihrer bewegten  Kindheit und dem Erwachsenen-Leben aufgearbeitet. 

Die Geschichte wird aus der Sicht von Rose erzählt, eine der Aubrey-Töchter.  Die Musik spielt in ihrer Familie eine grosse Rolle, da die Mutter Clare eine begabte Konzertpianistin war und diese Karriere zugunsten der Familie und ihrer vier Kinder aufgegeben hat. Rose und ihre Schwester Mary,  beide musikalisch sehr begabt,  werden streng erzogen um auch den Weg einer professionellen Pianistin  gehen zu können. Ihr Bruder Richard Quiz ist der absolute Familienliebling, dem vieles nachgesehen wird. Die grosse Schwester Cordelia dagegen hat in der Familie die Rolle des *Sorgenkindes* inne. Sie glaubt fest an ihre musikalische Begabung, die ihr allerdings voll abgeht. Vater Piers, ein  erfolgreicher Journalist ist allerdings ein Glücksspieler und unzuverlässiger Versorger. Er bringt die Familie immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten und glänzt durch Abwesenheit.  

Der Roman beleuchtet  genau die abhängige Position der Frauen und Kinder in der damaligen Gesellschaft und beschreibt den finanziellen und emotionalen Abstieg einer Familie. Die Gedankenwelt der Kinder wird  von der Autorin sehr gut aufgezeigt. Ihre Verzweiflung und ihre immer wieder aufkeimende Hoffnung auf eine Besserung der Situation bilden einen grossen Teil des Romans. 

Das Buch lässt sich nicht leicht und schnell herunterlesen. Die Autorin benutzt einen intellektuell geprägten, sehr aussagekräftigen und anspruchsvollen Schreibstil, der manche Leser*innen bald langweilen  und überfordern könnte. Die psychologischen Hintergründe aller Familiencharaktere werden sorgfältig entwickelt und dargelegt . 

Dieses Buch lässt sich geniessen, doch sollte man keine langen Lesepausen einlegen , da man schnell den roten Faden und den Bezug zu den Personen verlieren könnte. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an den btb-verlag für diese Neuauflage eines wertvollen Buches. 


Dienstag, 17. September 2019

*Graue Bienen* von Andrej Kurkow, erschienen im Diogenes Verlag


*Werbung*  Unterstütze den lokalen Buchhandel!
Hardcover Leinen
448 Seiten
erschienen am 01. August 2019

978-3-257-07082-8

Verlagsinfo

Der Autor Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Sein Roman ›Picknick auf dem Eis‹ ist ein Welterfolg. Kurkow lebt als freier Schriftsteller in Kiew und arbeitet auch für Radio und Fernsehen.

Inhalt/Klappentext: Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen in eine Gegend bringen, wo sie wieder in Ruhe Nektar sammeln können.


Meine Meinung: Sergej ist ein völlig unpolitischer Invalide und einfacher Mensch mit einer Staublunge, der eigentlich nur für seine Bienen da sein möchte, nachdem Frau und Tochter ihn verlassen haben. Aber er hat Pech. Er lebt in der *Grauen Zone* , dem Niemandsland zwischen zwei kämpfenden Kriegsparteien. Zurückgeblieben, nur die Gesellschaft seines *Feindfreundes* Paschka aus der Kinderzeit bietet ihm etwas Abwechslung. Alle anderen Bewohner des Dorfes sind vor den Kriegswirren geflüchtet.

Zitat Seite 228 : " Interesse hatten die Bienen nur eines - Honig zu sammeln."


Der ruhige und bedächtige Schreibstil des Autors führt in eine völlig fremde  und einfache Welt. In das Leben eines Mannes, für den nur eines wichtig ist. Das Überleben seiner geliebten Bienen in diesen täglichen Kriegswirren, die aus Einsamkeit, vielen Entbehrungen und doch auch kleinen Alltagsfreuden bestehen. Zum Beispiel wenn Paschka am Gartentor auftaucht, zu einem Tee oder Wodka , meist beidem, zu einem Schwätzchen bleibt. Lange begleitet der Leser diese beiden Männer, ohne sich zu langweilen. Es ist eine unbekannte Welt ohne Strom, TV, Nachrichten, voller Entbehrungen und ohne ein typisches Dorfleben. Nur der Gefechtsdonner und einzelne Granat-Einschläge schrecken die Männer - und die Leser*innen auf!


Doch plötzlich verwandelt sich der Roman in ein aufregendes Roadmovie, quer durch die Ukraine bis auf die Krim. Sergej geht auf eine unvorhersehbare Reise mit seinem  Auto, dem grünen Schiguli und dem Bienenanhänger. An jeder Passierstelle muss er sich ausweisen, gerät in den Einflussbereich unterschiedlicher politischer Parteien, findet Zuflucht und Zuneigung bei der Ladenbesitzerin Galja, fährt tatsächlich bis auf die Krim um einen Bienenfreund aus früheren , besseren Zeiten zu besuchen. 

Die Atmosphäre in diesem Buch lebt von den inneren Eindrücken und Gedanken des Sergej, die er sich über die Obrigkeit, das Leben, die unterschiedlichsten Menschen und nicht zuletzt über die Ordnung seiner Bienen als Staat macht, die er der menschlichen Gesellschaft immer vorzieht. Er liebt sie, sie heilen ihn, sie sprechen zu ihm . Sie sind die wahren Kommunisten - glaubt er. Dieses Buch verzaubert, trotz des ernsten, aktuellen Kriegshintergrundes. Vor allem durch die Schilderung der menschlichen Begegnungen des Sergej in der Ukraine und auf der Krim , und von seinen Bienen, die jedes Abenteuer tapfer miterleben, immer bis zur nächsten Bienenweide........

 Ein kleiner, heller Hoffnungsschimmer auf baldige Beruhigung und Verbesserung der allgemeinen politischen Lage bleibt beim Leser nach dem Genuss dieses interessanten und grossartigen Roadmovies zurück. Und das ist gut so.  

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen Roman!

Danke an den Autor und den Diogenes Verlag für dieses Leseerlebnis!   



Dienstag, 23. Juli 2019

*Der Wind in meinem Herzen* von Francesca Diotallevi, erschienen im Wunderraum Verlag


*Werbung*
Info zum Buch und Verlag!

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Italienischen von Barbara Neeb, Katharina Schmidt
Originaltitel: Dentro soffia il vento
Originalverlag: Neri Pozza
Hardcover, Halbleinen, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-336-54803-3
Erschienen am  10. Juni 2019

Inhalt/ Klappentext: 

Ein einfühlsamer Roman über eine junge Außenseiterin in einem italienischen Bergdorf Anfang des 20. Jahrhunderts.

St. Rhémy, Aostatal, während des ersten Weltkriegs: Die junge Fiamma, die sich mit Heilkräutern auskennt, wird von den Dorfbewohnern als "Hexe" gemieden. Nur mit dem jungen Raphaël verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Bis Raphaël im Krieg fällt. Und ein junger ehrgeiziger Pfarrer in den Ort kommt, um die Seele der „Hexe“ zu retten.

Francesca Diotallevi wurde 1985 in Mailand geboren. Sie hat Kulturwisschenschaften studiert und arbeitet in einer Rechtsanwaltskanzlei. Ihr Roman »Der Wind in meinem Herzen« wurde mit dem Premio Neri Pozza ausgezeichnet.


Meine Meinung:

Die schöne Aufmachung der Bücher aus dem Wunderraum Verlag hat es mir ja angetan. Und die Themen-Inhalte und Autoren haben mich bisher nicht enttäuscht. So erging es mir auch mit diesem Band einer jungen italienischen Schriftstellerin, deren Schreibstil einfach und klar ist, wie das Quellwasser eines Gebirgsbaches. Wir befinden uns in der kargen Gebirgslandschaft des Aosta-Tals während des 1.Weltkriegs. Die Menschen dort leben von der Arbeit ihrer Hände, sind sehr religiös, hängen aber trotzdem immer noch ein wenig alten, abergläubischen Vorstellungen an. Eine Kräuterfrau, die im Wald weitab von der Dorfgemeinschaft lebt und sich nicht eingliedert , wird von ihnen als *Hexe* bezeichnet. Das hält die Dorfbewohner aber nicht davon ab , sich heilende Hilfe dort zu holen und als Gegenleistung die *Hexe* mit Lebensmitteln zu versorgen.

Bis zur Hälfte des Buches bin ich schnell und leicht durch die Seiten geflogen und ich wurde durch den Eindruck einer Jugenderzählung gefesselt. Aber dann entwickelt sich eine überraschende Änderung der Schreibweise und vor allem des Inhalts. Er wird tiefgründiger, mit sehr viel Gefühl und Verständnis verfasst. Erklärungen über alte Ressentiments gegenüber fahrenden Leuten, den sogenannten Roma, oder Zigeuner, wie die Autorin diese Menschen nennt, schildert sie warmherzig und mit Sachkenntnis der damaligen Lebensumstände im alpinen Raum. Diese *Kesselflicker* stehen außerhalb der Gesellschaft wie Fiamma. 
Auch der junge Raphael, ein Kinder und Jugendfreund der * Hexe* Fiamma  passt mit seiner Klugheit, dem sanften Wesen und seiner Belesenheit nicht gut in das harte Leben im Dorf Saint Rhémy. Er wird einberufen, zieht in den1.Weltkrieg und wird schmerzlich vermisst. Sein wahrscheinlicher Tod und sein Leiden werden für Fiamma und Raphael's Familie immer deutlicher ....aber es lebt ja noch der Bruder Yann, der nun den Bergbauernhof führt und eine zarte Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf.....

Der Roman ist zwar fiktiv und verfremdet , aber es gab diese Kesselflicker oder Zinn-Zigeuner tatsächlich in der Gemeinde Saint Rhémy en Bosses in den Jahren 1919/1920 . Eine Inschrift auf einem Gedenkstein besagt dieses: 

Für die Zinn-Zigeuner, verloren in ihrem Nomadenleben, umherziehend aus harten Lebensnöten, die hier der reinweiße Sturm aus todbringendem Schnee traf und besiegte.

Wanderer, gedenke ihrer und bete für sie. 



Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Roman im Genre Liebe und historischer Roman!
Vielen Dank an die Autorin und den Wunderraum Verlag  für dieses schöne Rezensionsexemplar!

 


Montag, 25. März 2019

*Annas Rückkehr*von Rose Philipps, erschienen im Bookspot Verlag

Buchdetails
Aktuelle Ausgabe
ISBN:
9783956691164
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Buch
Umfang:
392 Seiten
Verlag:
Bookspot Verlag
Erscheinungsdatum:
28.02.2019
*Werbung*
Info zum Buch und der Autorin


REZENSION

Klappentext/Inhalt/Verlagsquelle:

Berlin, 1935. Elli genießt als Frau eines hohen NS-Funktionärs ein privilegiertes Luxusleben. Durch Zufall lernt sie Grete kennen, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern in einer ärmlichen Hinterhofwohnung lebt. Damals ahnen die Frauen noch nicht, dass das Schicksal ihre Leben eng miteinander verknüpft hat.

Als Gretes behinderte Kinder unter der Führung von Ellis Ehemann in das Visier des NS-Regimes geraten, steht die Frau, die sich nichts sehnlicher als Nachwuchs wünscht, vor einer schweren Entscheidung. Soll sie ihre Nähe zum Regime nutzen, ihren Mann verraten und damit sich selbst in Gefahr bringen? Schnell ist das Fadenkreuz der Behörden auf sie gerichtet und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Meine Meinung: 

Entsetzt, erschüttert und bewegt habe ich die Geschichte von Annas Rückkehr auf über 330 Seiten verfolgt. Denn es ist eher eine Reise in ein dunkles Stück deutscher Geschichte gewesen. Es geht um das Euthanasie-Programm des nationalsozialistischen Regimes im sogenannten dritten Reich. Die kaltblütige Vernichtung von Kindern, Menschen, die an einer geistigen oder körperlichen Behinderung litten. DIESE MENSCHLICHE -GRAUSAMKEIT und Verfehlung tritt dem Leser in jeder Seite deutlich vor Augen. 
Die Autorin nimmt uns in verschiedene Zeitstränge mit und berichtet auch über Tagebucheintragunen der Protagonisten. Ihr Schreibstil ist einfach, gut zu verstehen und doch hat mich dieses Buch nicht als  fiktiver Roman gefesselt, sondern eher als ein Tatsachenbericht über eine unentwegte Abfolge von Schilderungen unserer deutschen Vergangenheit. 

Die Verbindung von häuslicher Gewalt, Dummheit und Brutalität gegenüber sich selber , aber hauptsächlich gegen Frau und Kind , ausgeführt von einfachen Menschen ihrer Zeit und Sprache, war recht beeindruckend und sehr an der Basis des einfachen Lebens der damaligen Zeit  angesiedelt, verbunden mit der schlimmen Verblendung durch die Politik! Zusätzlich hat sie die Protagonisten im Bayrischen und/oder Berliner Dialekt sprechend dargestellt, was mir überhaupt nicht zugesagt hat. Dieser Schreibstil, natürlich eine persönliche Beurteilung von mir,  spricht aber sicher viele Leser*innen gut an.  
Ein Kritikpunkt  für mich ist das schnell herbei gezauberte Ende dieses fiktiven Romans, welches ich als geschmacklos und als  sehr einfach konstruiert empfand, wie einen grossen Teil der ganzen Geschichte.

In diesem Roman wurden so viele Tatsachen aus der NS-ZEIT angerissen, die noch ganz vielen Büchern Stoff bieten würden.  Vielleicht hat die junge Autorin ja auch vor, sich weiter mit diesen brisanten Themen zu beschäftigen!

Meine Bewertung für dieses Buch: DREI *** gute Sterne. Lesenswert!  

Dienstag, 20. November 2018

*Die kleinen Wunder von Mayfair* von Robert Dinsdale, erschienen im Knaur Verlag

Hardcover, Knaur HC
01.10.2018, 464 S.
ISBN: 978-3-426-22672-8
*Werbung*
Verlagsinfo
















Rezension

Zum Autor:

Robert Dinsdale, Jahrgang 1981, wuchs in North Yorkshire auf. Er lebt mit seiner Tochter in Essex und arbeitet als Literaturagent. Wenn er sie nicht gerade zur Schule fährt, geht er am Meer spazieren, arbeitet am Computer oder besucht die örtliche Bibliothek (das kann er sehr empfehlen!). »Die kleinen Wunder von Mayfair« ist sein dritter Roman.

Inhalt/Klappentext: 

Entdecken Sie mit Robert Dinsdales "Die kleinen Wunder von Mayfair" Londons einzigartigen Spielzeug-Laden und einen ergreifenden Liebes- und Familien-Roman zum Anfang des 20. Jahrhunderts. 

Alles beginnt mit einer Zeitungsannonce: »Fühlen Sie sich verloren? Ängstlich? Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben? Willkommen in Papa Jacks Emporium.« Die Worte scheinen Cathy förmlich anzuziehen, als sie nach einer neuen Bleibe sucht. Denn im England des Jahres 1906 ist eine alleinstehende junge Frau wie sie nirgendwo willkommen, zumal nicht, wenn sie schwanger ist – und so macht Cathy sich auf nach Mayfair. In Papa Jacks Emporium, Londons magischem Spielzeug-Laden, gibt es nicht nur Zinnsoldaten, die strammstehen, wenn jemand vorübergeht, riesige Bäume aus Pappmaché und fröhlich umherflatternde Vögel aus Pfeifenreinigern. Hier finden all diejenigen Unterschlupf, die Hilfe bitter nötig haben. Doch bald wetteifern Papa Jacks Söhne, die rivalisierenden Brüder Kaspar und Emil, um Cathys Zuneigung. Und als der 1. Weltkrieg ausbricht und die Familie auseinander reißt, scheint das Emporium langsam aber sicher seinen Zauber zu verlieren …

Nostalgisch, rührend und zauberhaft romantisch erzählt Robert Dinsdales "Die kleinen Wunder von Mayfair" von einer jungen Frau, zerrissen in ihrer Liebe zu zwei Männern mit einzigartigen magischen Talenten. 

Meine Meinung: Bei diesem Buch hat sich mein Herz beim Lesen etwas zweigeteilt und ich habe bei dieser Lektüre tatsächlich zwei unterschiedliche Meinungen im Kopf, die sich sehr widersprechen und mich irritieren. Auf der einen Seite gefällt mir der erste Teil des Buch bis zur Seite 224 ganz wunderbar. Ich bin in eine magische Spiel- und Kinderwelt eingetaucht, deren so fantasievolle und bunte Beschreibungen man selten in zumindest mir bekannter Literatur findet. Spielzeuge in allen erdenklichen Formen und Funktionen erfreuten mich, die Londoner Bevölkerung, und nicht zuletzt auch die Hersteller wie Papa Jack und seine Söhne Kaspar und Emil. Es sind Papiervögel, die durch alle Räume flattern, magisch wachsende Wälder aus Papier, geschnitzte Holzballerinen, Patchworkhunde, die sich bewegen und reagieren, aber immer wieder auch Spielzeugsoldaten und ihre Armeen. 

 Ich habe an eigene Spielerlebnisse denken müssen und hatte ein nostalgisches Glücksgefühl im Kopf. Nur die kleinen Kriegssoldaten, von denen Emil so fasziniert ist, wurden von mir nicht besonders gemocht. Krieg bleibt Krieg , auch im Spiel kann ich dem keine Faszination abgewinnen. Durch das Eintreten in das Emporium der jungen , schwangeren Cathy habe ich auf eine liebevolle Familiengeschichte gehofft, wobei ich zu einigen Protagonisten wie Cathy, ihrer Tochter Martha und den Spielzeugmachern leider keine wirkliche gute Lesebeziehung aufbauen konnte. Die Schilderungen Ihrer Charaktere durch den Autor blieben für mich schwach, unfassbar, seicht und uninteressant. Die laufenden Eifersüchteleien beim Spielzeug-Erfinden zwischen Kaspar und Emil waren nervend und die Buhlerei um Cathy Liebe auch! Warum der allmächtige Papa Jack und Cathy diesen schwelenden Konflikt nicht gesehen haben  und eingegriffen haben, bleibt mir unverständlich, war sicher vom Autor wohl so gewollt.  Meine Begeisterung wurde nur durch die Beschreibungen des Emporiums genährt und seine mystischen und geheimnisvolle Funktionen, die mit dem realen London kaum vereinbar waren. Die bitteren  Lebens-Erfahrungen in Sibirien aus Papa Jack's Erzählungen haben mich erahnen lassen, dass noch ein unschönes Ende auch für die Geschichte des Emporiums folgen wird. 

Und so kam es auch. Der erste Weltkrieg spielt nun eine ausufernde Rolle bis zum Ende des Buches und die Aussage, dass auch jeder bösartige Kriegsteilnehmer diese heile Kinderwelt in sich bewahrt hat, konnte mich nur mässig trösten. Für mich war es einfach zu viel Krieg. Krieg zwischen den eifersüchtigen Brüdern und der Krieg in der Welt waren mir einfach zuviel. Mich haben weder die Briefwechsel zwischen Cathy und Kaspar begeistert, noch die Beschreibungen der Frontlinien. Es war fast langweilig, vorhersehbar , ein modernes Märchen mit einigen interessanten philosophischen Vergleichen über das Leben an sich , aber letztendlich für mich als Leserin : ZU VIEL KRIEG ab der Mitte der Lektüre! Die Liebesgeschichte tritt zunehmend trocken in den Hintergrund des Buches.
Vielleicht ist es aber auch ein typisches Buch für Spielzeugsoldaten-Fans? 

Meine Bewertung: Drei gute *** Sterne für dieses rätselhafte, etwas fiktive, etwas reale Buch über das Spielzeug-Emporium und seine Macher - und den Kriegen überall auf der Welt! 

Vielen Dank an den Verlag und Autor für das gebundene Rezensionsexemplar!  


Dienstag, 19. Dezember 2017

*MUDBOUND Die Tränen von Mississippi*, erschienen im Pendo Verlag

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  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :02.11.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 02.11.2017
  • Verlag : Pendo Verlag
  • ISBN: 9783866124561
  • Flexibler Einband 384 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Rezension

INHALT:  
In Mississippi, am Ende des 2. Weltkrieges spielt dieses mitreissende Südstaaten-Drama. Die etwas spröde, schon ältere Laura heiratet den Kriegsheimkehrer Henry McAllan. Sie verlässt ihr wohl behütetes Elternhaus und folgt ihrem Ehemann auf eine abgelegene Baumwollfarm mit dem bezeichnenden Namen *MUDBOUND*, was soviel wie Schlammloch bedeutet. Das Leben auf der Farm verlangt einiges von Laura ab, doch Florence, die Frau des farbigen Land-Pächters Hap steht ihr im Haushalt und bei den Geburten ihrer Kinder zur Seite. Wäre da nicht der liebenswerte und freundliche , immer mit guter Laune auftretende Bruder Jamie, auch ein Kriegsheimkehrer, der bei der Luftwaffe gedient hat, würde sie an dem für sie ungewohnten primitiven und  hartem Alltag verzweifeln.So erträgt sie alles klaglos, tapfer und verliebt sich sogar in ihren Schwager. Schwüle, brütende Hitze , Insektenplagen , immer wiederkehrendes Hochwasser, kein fliessendes Wasser und kein Strom erschweren das tägliche Leben der weissen Familie.  Grossvater Pappy, der mit auf der Farm lebt, ist keine Hilfe , sondern terrorisiert auf gerissene und unsympathische Art seine beiden Söhne , die Schwiegertochter  und Enkeltöchter. 
Hap’s Sohn Ronsel kehrt auch aus dem Krieg heim. Er war bei einem Panzerbataillon in Europa und hat dort eine weisse Frau lieben gelernt und leidet darunter, dass er zu Hause als Afroamerikaner wieder abschätzig behandelt wird. 
Ronsel und Jamie freunden sich an - und ein dramatisches Geschehen bestimmt das Schicksal der beiden Familien,,,,,

MEINE MEINUNG:
Atemlos  habe ich dieses dramatische Südstaatenepos verschlungen.
Die Autorin bedient sich eines mitreissenden, sehr bildhaft beschreibenden Schreibstils. Sie lässt die sechs Protagonisten Laura, Henry, Jamie, Hap, Florence und Ronsel jeweils aus ihrer Sicht diese schlimme Atmosphäre der damaligen strikten Rassentrennung von *Schwarz* und *Weiss* erzählen. Diese katastrophalen Zustände haben abstruse Gesellschaftsnormen hervorgebracht. Zum Beispiel durfte ein Farbiger nicht neben einem weissen Menschen vorne im Auto sitzen. Farbige wurden auf die Ladefläche verbannt. Die Autorin spricht packend unser  Herz und Mitgefühl an mit ihrer Geschichte. Sie erzählt eindrucksvoll von Freundschaft, Liebe und Mut, seelischen Verletzungen und Verzweiflung , vor allem aber von der Hilflosigkeit der Betroffenen, diese Unmenschlichkeiten zwischen Farbigen und Weißen zu verhindern oder gar zu besiegen.  Es ist ein sehr dunkles Thema der amerikanischen Geschichte, welche auch heute immer noch krasse und bösartige Auswüchse von Diskriminierung  und Rassismus in der Gesellschaft hervorbringt.
Hillary Jordan hat übrigens in ihren Roman vieles aus den Erzählungen ihrer Grosseltern geschöpft, die auf einer einfachen Farm in Arkansas gelebt haben. Sie hat ihre Grossmutter als die Protagonistin Laura in ihrem Buch verewigt. 
Erst durch das Auftauchen des farbigen Ronsel nahm dieser Roman wohl einen dramatischen, ganz eigenen Verlauf. 
Dieser Roman wird mich innerlich noch lange Zeit beschäftigen.

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für diese grossartige Lektüre!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Pendo Verlag bei PIPER für dieses Rezensionsexemplar.

    Sonntag, 28. Mai 2017

    *Anschlag von Rechts* von Reiner Engelmann, erschienen im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag

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    Buchdetails

    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :22.05.2017
    • Aktuelle Ausgabe : 22.05.2017
    • Verlag : cbj
    • ISBN: 9783570174371
    • Fester Einband 192 Seiten
    • Sprache: Deutsch
    Infos zum Autor:

    Reiner Engelmann

    Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Nebenher veröffentlichte er Bücher, vorwiegend zu sozialen Brennpunktthemen. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert Reiner Engelmann regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz. Bei einem dieser Aufenthalte lernte er auch Wilhelm Brasse kennen.

    Rezension

    Zitat: Gewalt bedroht unser Menschsein. (Arno Gruen)

                                
    INHALT:  Der bekannte Autor Reiner Engelmann beschreibt in seinem neuen Buch minutiös seine Meinung über die Motive und Lebensumstände der Menschen, die sich erdreisten einen Gewalt/Mordanschlag auf Flüchtlinge in unserem Land (einschliesslich deren Unterkünfte) aus aller Welt zu begehen. Es sind keine Entschuldigungen, die er sucht, sondern ganz nüchterne Tathintergründe. Schuldzuweisungen bringen niemandem etwas und können diese Probleme gegen die Menschlichkeit sicher  nicht verhindern.

    MEINE MEINUNG:
     Wie steht auch gerade die junge Generation, die in unserem Land nie Krieg erlebt hat , zu diesen Ereignissen? Der Autor lässt in seinem Tatsachenbericht jeden zu Wort kommen! Die Opfer , die Täter und den Rechtsstaat! Das stabil gebundene Buch (es möge noch durch viele Hände gehen) enthält 184 Seiten und das Coverfoto eines zerstörten Fenster  macht sofort betroffen und der Leser ahnt , dass es um Feuer und Gewalt in diesem Buch geht. Das Buch ist in drei Teile aufgestellt. Ein informatives Glossar über symbolträchtige Zeichen ist hinten angefügt.
    Im ersten Teil lesen wir (stellvertretend für viele Nationen), Beschreibungen von Menschen während ihrer Flucht  aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Der zweite Teil schildert TAT und TÄTER, Ihre Rechtfertigungen für diese Tat, ihre Entschuldigungen und beschreibt ihr soziales Umfeld.
    Im dritten Teil können wir die spannend geschilderte Gerichtsverhandlung und das abschliessende Urteil erlesen.
    Ich bin schnell und angespannt durch dieses Buch geflogen. Es lässt sich gut und flüssig lesen. Die Ausdrucksweise ist einfach , aber ausdrucksvoll und gerade auch für Jugendliche ansprechend. 
    Ich war entsetzt und betroffen über den Blick in die Denkstrukturen der Täter und der Menschen ihres sozialen Umfeldes. Der Autor hat sehr gut recherchiert und die dunklen und egoistischen Seiten in uns dargestellt , ohne zu deutliche Wertung. Dieses Buch regt dazu an, seinen eigenen Gedanken und Wertungen über dieses Geschehen zu folgen.

    Das empfand ich als sehr wertvoll und ich kann dieses Buch unbedingt als Schulbuchlektüre für Kinder, vielleicht sogar ab 10 Jahren empfehlen. In diesem Alter reagieren Jungen und Mädchen noch  sehr sensibel gegen Unrecht und Gewalt, ergreifen gerne Partei, sie denken aber doch schon teilweise in Erwachsenen-Strukturen und solch eine Lektüre ist ihnen in unserer medienbeeinflussten Welt durchaus zuzumuten.

    Dieser wertvolle und grossartige Tatsachenbericht  bekommt von mir unbedingt fünf *****Sterne und ich wünsche ihm sehr viele Leser!

    Herzlichen Dank an den cbj Kinder- und Jugendbuchverlag für die Bereitstellung dieses informativen und wichtigen Rezensionsexemplar!

    Hier eine weitere Rezension http://www.nisnis-buecherliebe.de/2017/05/jugendroman-anschlag-von-rechts-von.html

    Sonntag, 5. März 2017

    *Als die Sonne im Meer verschwand* erschienen im Diana-Verlag

                                                                     



                                                                             
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    Buchdetails


    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :18.05.2015
    • Aktuelle Ausgabe : 11.10.2016
    • Verlag : Diana
    • ISBN: 9783453359147
    • Flexibler Einband 400 Seiten
    • Sprache: Deutsch


    Rezension

    KLAPPENTEXT/INHALT: In einem malerischen Dorf (Beit Daras) in Palästina wachsen die Geschwister der Familie Baraka auf. Doch an einem Tag im Jahr 1948 geht ihre Kindheit jäh zu Ende. Israelische Soldaten stecken ihr Haus in Brand und zwingen sie gewaltsam zur Flucht. Nazmiyya versucht, dem Leid der Flüchtlingslager zu trotzen, Mamduh zieht bis ans andere Ende der Welt. Sie verlieren ihre Familie, ihre Heimat und einander – nie aber die Hoffnung. Und Hoffnung ist es auch, die sechzig Jahre später Mamduhs Enkelin aus Amerika nach Gaza führt …

    MEINE MEINUNG:
    Drei bis vier Generationen habe ich die Geschichte dieser zersprengten Familie in Flüchtlingsheimen ,Kinderheimen,Pflegefamilien, im Ausland, im Gaza-Streifen verfolgt. Der Roman war nicht immer einfach zu lesen, da von der Autorin sehr viele arabische Namen für Gefühlsbeschreibungen, Verwandtschaftsbeziehungen und Handlungen verwendet werden. Der Nahostkonflikt zwischen Palästinensern und Israelis wird sehr einseitig und mit  einem absoluten Feindbild, nämlich den Israelis, geschildert. Ohne das hinten im Buch stehende Glossar hätte ich mir auch kein gutes Bild des Geschehens vom Roman machen können. Ab der Mitte des Buches wurde es mir einfach zuviel. Zuviel beschriebene Grausamkeiten, zuviel Tod, zuviel Angst, zuviel Vertreibung, zuviel Demütigungen, zuviel aufeinander folgende Schicksalsschläge für die Familie, die neben Krieg, Flucht, Missbrauch, Verbannung, Gefangenschaft und Tod auch noch Krankheiten beinhalteten. Abmildernd wirken dann wieder die mystischen Erzählungen von Dschinns, Träumen und poetischen, blumigen Sätzen und kleinen Erzählungen am Beginn jedes neuen Kapitels . Die starken, einfachen Familiencharaktere der Frauen und die Beziehungen von Geschwistern, Eltern, Tanten, Onkel und Cousins zueinander werden herzlich und berührend beschrieben. Ein undurchdringliches Geflecht von Gefühlen und auch Abhängigkeiten der verschiedensten Familienmitglieder zueinander zeigt sich immer wieder beim Lesen. Die Autorin schreibt zwar flüssig und gut lesbar, aber durch immer wieder kehrende Zeitsprünge muss man sich im Kopf zusätzlich eine eigene Geschichte des Geschehens zusammenschreiben.
    Diese Lektüre hat mein Herz sehr berührt und das Schlimme an diesem Roman:
    Der Konflikt ist noch lange nicht beigelegt und alle Menschen leiden - auch die Israelis! Die Menschlichkeit und Menschenrechte werden mit Füssen getreten.


    Vielen Dank an den Diana-Verlag und die Autorin für die Bereitstellung des Leseexemplar. Ein gutes Buch, welches ich mit drei Sternen bewerten möchte.