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Samstag, 29. August 2026

*Der Raum, der bleibt* - von Harry Kämmerer

*Werbung, unbezahlt*

Mein Leseeindruck: 
*Ein Buch, welches mich nicht begeistern konnte* !
Leider steht die obige Aussage für die gesamten dreihundertundneunundvierzig Seiten des Buches. Der interessante Klappentext verspricht eigentlich eine intensive Familiengeschichte mit viel Herz und imposanten,  liebenswerten Protagonist*innen aus Südtirol.  Diese Aussage  konnte ich nicht wirklich  beim Lesen erkennen. 

Stattdessen haben mich  Tagebuchaufzeichnungen aus Kriegstagebüchern, emotionslos und nüchtern vom Schreibenden Anton Nero verfasst, irritiert, enttäuscht und entsetzt. Über den 2. Weltkrieg, der ganz Europa erfasst und am Ende zerstört hat,  wird dort aus der Sicht des jungen Südtiroler Anton Nero (  im Roman eine fiktive Figur, der wohl nach den Recherchen des Autors eine reale Persönlichkeit war ) berichtet.  Anton Nero , der Vater und erfolgreiche Unternehmer des erzählenden Sohnes Thomas Nero im Buch, hing dem faschistischen Hitler Regime mit Begeisterung an  und hat sich sogar freiwillig  der deutschen Armee als Soldat angeschlossen. 

Der Autor Harry Kämmerer hat mich mit seinem kompetenten  Schreibstil, der leider zu oft in kleine Familien Episoden und Nebenschauplätze abglitt, nicht auf Dauer fesseln können. Die recht aufregend geschilderte, politische und dramatische Geschichtsentwicklung der heutigen Autonomen Provinz Südtirol (Alto Adige) Italiens wurde von ihm sachlich und konkret dargestellt und hat mir gut gefallen.  Der ganze Roman war allerdings eher wie ein Tatsachenbericht angelegt und hat mich recht emotionslos zurückgelassen und nicht in einen Lesesog gezogen. 
Das ist schade für diese Thematik. Es wurde auch nicht deutlich aufgezeigt wie der Sohn Thomas Nero sowie die gesamte Familie mit den neuen, bisher unbekannten Erkenntnissen über den Lebensweg des Verstorbenen umgehen konnte,,,,,  

DREI *** Sterne !    

Inhalt/Klappentext: 

Wenn Eltern gehen, gerät das eigene Leben auf den Prüfstand 

Als Anton Nero stirbt, hinterlässt er eine erfolgreiche Druckerei, seine Familie jedoch steht vor einer großen Lücke. Bald wird Antons Sohn Thomas bewusst, dass der Vater mehr war als der zupackende Geschäftsmann, der aus dem Nichts ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut hat. Dann stößt Thomas auf die Kriegstagebücher des Vaters und taucht ein in die Biografie eines Menschen inmitten der wechselvollen Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert, als die Region zum Spielball zwischen dem faschistischen Italien und dem nationalsozialistischen Deutschen Reich wurde. Auf den Spuren des Vaters lernt Thomas immer mehr über sich selbst, und seine eigene Rolle, als Sohn, Bruder, Ehemann, Vater. 
Harry Kämmerer erzählt in seinem neuen Roman ein Stück europäische Geschichte, die vertrauensvoll in die Zukunft blickt.

Harry Kämmerer, Jahrgang 1967, lebt in München und arbeitet in einem Buchverlag. Er ist Autor zahlreicher Kurzgeschichten und hat zwei Hörspielserien fürs Radio geschrieben und produziert. Zu seinen Kriminalromanen zählen die Bände mit dem Ermittlerteam rund um den Münchner Kriminalrat Karl-Maria Mader, die mit »Isartod« beginnen. Weiterhin gibt es die Krimireihe »Mangfall ermittelt« und die Romane »Drachenfliegen« und »Oh, Mama!«. Harry Kämmerers Liebe zu Musik und Kabarett prägt seine Bücher und seine Lesungen mit Livemusik.


Vielen Dank an den Autor und den Verlag  für das gebundene Print-Leseexemplar!


Bozen


 

Mittwoch, 1. Juli 2020

*Ich bleibe hier* von Marco Balzano, erschienen im Diogenes Verlag

*Werbung, unbezahlt*
Verlagslink

Inhalt/Klappentext:

Ein idyllisches Bergdorf in Südtirol – doch die Zeiten sind hart. Von 1939 bis 1943 werden die Leute vor die Wahl gestellt: entweder nach Deutschland auszuwandern oder als Bürger zweiter Klasse in Italien zu bleiben. Trina entscheidet sich für ihr Dorf, ihr Zuhause. Als die Faschisten ihr verbieten, als Lehrerin tätig zu sein, unterrichtet sie heimlich in Kellern und Scheunen. Und als ein Energiekonzern für einen Stausee Felder und Häuser überfluten will, leistet sie Widerstand – mit Leib und Seele.


Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Mit seinem letzten Roman, ›Das Leben wartet nicht‹, gewann er den Premio Campiello, mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.




Mein Leseeindruck: 
In ergreifender und berührender Erzählweise zieht uns der bekannte Autor Marco Balzano in die vergangene Zeit der versunkenen Südtiroler Bergdörfer Reschen und Graun im Vinschgau. Der Autor erzählt das private Schicksal von Trina, die sich ein Leben lang auf die Suche nach ihrer Tochter Marica begibt, welche als junges Mädchen, fast noch Kind, ihre Heimat und Eltern mit Verwandten heimlich verliess.Aber hauptsächlich ihr Widerstand gegen verschiedene Staatsmächte und ihre Unterdrückungsmechanismen prägen dieses Buch und seine erzählte Geschichte. 
Die grossen und überragenden Themen, die Marco Balzano in seinem neuen Buch aufgreift, sind die tragischen Jahre des Faschismus unter dem Diktator Mussolini, die Zeit des Nationalsozialismus dort im Dreiländereck von Österreich, der Schweiz und Italien.Südtirol wurde von diesen Ereignissen überrannt und fand sich plötzlich in Italien wieder. Die deutsche Sprache wurde verpönt und die ruhigen kleinen Bergdörfer mit ihrer bäuerlich geprägten Bevölkerungsstruktur verstanden ihre Welt nicht mehr.Der Widerstand gegen die politische italienische Vorherrschaft wächst allgemein in der Bevölkerung und auch die Hauptprotagonistin Trina und ihre Familie, finden sich plötzlich inmitten komplizierter weltpolitischer  Verwicklungen wieder. 
Nach einer unbeschwerten Jugend, hatte sie in den 20er Jahren zusammen mit zwei engen Freundinnen eine Ausbildung zur zweisprachlichen Lehrerin absolviert, brav die italienische Sprache erlernt - und musste in ihrer Muttersprache Deutsch nun plötzlich heimlich und unter Repressalien unterrichten.
Diese neue Zeit bringt zusätzlich auch andere komplizierte Probleme. Der Energiehunger der grossen Konzerne wächst ins Unermessliche. Für den Bau eines Staudammes sollen zwei Dörfer einer intakten Kulturlandschaft dem Wasser geopfert werden. Heute kann man immer noch im Reschen See einen versunkenen Kirchturm betrachten, der auf dem Cover des obigen Buches beeindruckend abgebildet ist.
Diese Geschichte hatte auf mich einen unglaublichen Einfluss beim Lesen, von Seite zu Seite stieg der Spannungsbogen kontinuierlich.Ich war gefangen und erschüttert von Trina's harten Erlebnissen beim Lehren, während des Krieges, auf der Flucht mit ihrem Ehemann in die Berge vor den Nationalsozialisten. Schreckliche Erlebnisse  auf Leben und Tod während ihrer Flucht vor dem Krieg prägen sie und erschüttern sie und ihren Ehemann aufs Äusserste. 
Der angenehme  Schreibstil des Autors ist klar, deutlich, voller Emotionen und absolut spannend verfasst.Ein wichtiges Buch, welches vom Widerstand gegen  politische Diktaturen und wirtschaftlichen Machthunger, sowie von der damaligen Skrupellosigkeit der Energie-Konzerne berichtet. Bitte unbedingt lesen!


Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für dieses herausragende Buch!


Vielen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar!