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Freitag, 14. November 2025

*Deine Wille wohnt in den Wäldern* von Mattias Timander - erschienen im Allee Verlag

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am 15.September 2025 im Allee Verlag

INHALT: Ein Dorf am Ende der Welt, ein junger Mann, der bleibt, während alle anderen gehen: In seinem Debüt entwirft Mattias Timander ein eindringliches Porträt des Lebens in einem abgelegenen nordschwedischen Dorf. Die karge Landschaft wirkt zugleich faszinierend und bedrohlich, die Menschen sind eng verwoben und doch voller unergründlicher Risse – eine Welt, in der schweigende Geheimnisse lauern und die Wahrheit sich nur schemenhaft offenbart.

Erst als der Protagonist zu lesen beginnt, eröffnet sich ihm eine neue, faszinierende Wirklichkeit. Die Literatur wird zum Strom, der seine Gedanken mitreißt und ihn schließlich in die große Stadt trägt. Dort begegnet er einer manischen Literatin und taucht ein in das pulsierende Leben der Bohème. Doch die Antworten, nach denen er sucht, bleiben vage – bis ein unvorhergesehenes Ereignis die Weichen neu stellt und ihn zum Handeln zwingt.

Dein Wille wohnt in den Wäldern ist eine stille, unerschrockene Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und der Sprache als Grenze und Brücke. Der Roman ist zugleich eine fiktionale Verarbeitung der Geschichte von Timanders verstorbenen Großeltern und ihrer tornedalischen Herkunft.

Im Original ist das Werk ein faszinierendes Geflecht aus nordschwedischem und tornedalischem Dialekt sowie der Minderheitensprache Meänkieli, das die Vielschichtigkeit von Herkunft und Identität lebendig widerspiegelt. Hanna Granz hat diese sprachliche Vielfalt mit großer Sensibilität und sprachlichem Feingefühl ins Deutsche übertragen – wobei ihr insbesondere die Wiedergabe des eindringlichen Schweigens, das im Roman eine zentrale Rolle spielt, hervorragend gelungen ist.


Mattias Timander (* 1998 in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens) gehört der ethnischen Minderheit der Tornedaler an. Heute lebt er in Stockholm, wo er als Kulturjournalist und freier Autor tätig ist. Er studierte Literaturwissenschaft in Stockholm und war zwischen 2018 und 2020 mit 20 Jahren der jüngste Bürgermeister in der Geschichte Schwedens. Anschließend arbeitete er bis 2022 für die Bonnier Verlagsgruppe, wo er Autorengespräche moderierte.

Auszeichnungen & Nominierungen:

De-Nios-Jul-Preis (2024)

Nominierung Katapult-Preis (2024)

Nominierung Adlibris-Preis für das Debüt des Jahres (2024)

Nominierung Norrlands Literaturpreis (2025)

Nominierung Borås-Tidnings-Preis (2025)


Meine Meinung zum Buch: 

Die ruhige Waldlandschaft Nordschwedens mit seinen dörflich geprägten Menschen hat mich für lange und schöne Lesestunden in seinen Bann gezogen. Doch auch das perlende und quirlige Grosstadtleben mit seiner vielfältigen Bevölkerungsstruktur kam in diesem ruhig verfassten Roman nicht zu kurz. 

Ein junger Mann, der nach seiner Identität sucht, spielt in diesem Debüt Roman von Mattias Timander die Hauptrolle. Er ist in der abgeschiedenen Dorf - und Familiengemeinschaft Nordschwedens zeitweise aufgewachsen, hat seine Eltern verloren und nun das Ferienanwesen, eine kleine, gemütliche Hütte geerbt. Die Menschen dort sind schweigsam und leben zurückgezogen. Ein aktiver Lebensmittelpunkt besteht für den jungen Menschen aus den Kaffeestunden  und Gesprächen mit den Freund*inen Tage und Viola in der Storstuga. Er schläft viel, beobachtet die Natur, spaltet fleissig das Holz für die kalte Jahreszeit und entdeckt für sich das LESEN und eine vielfältige Literatur, die ihn fasziniert und tatsächlich auch zu einem zeitweisen Leben in der Grossstadt führt. Dort beginnt er einen lebhaften Austausch mit Buchmenschen, Verlagen, Zeitungen und begegnet sogar der Liebe zu einer Frau. 

Dieser unbedingt leidenschaftlich zu nennende Drang  des Protagonisten und Ich-Erzählers zur Literatur wird vom Autor sanft und stetig  gesteigert und erinnert an eigene Leseabenteuer - Erlebnisse, die sich im Lauf eines Lebens von seiner Struktur und den Inhalten natürlich verändert haben. Bekannte Autorennamen tauchen auf und stärken diese AHA-Momente für den Lesenden.  Der junge Mann möchte sich mit anderen Leser*innen austauschen - schafft es auch in der Grossstadt und dennoch vermisst er irgendwann seine kleine Hütte. 

Ist es die Suche nach Heimat, Geborgenheit, sicheren menschlichen Bindungen und Beziehungen die ihn wieder spontan der Stadt den Rücken kehren lässt?   Ist es seine enge Verbundenheit mit der Natur, die grosse Sehnsucht nach Frieden, Ruhe und Beständigkeit des dörflichen Lebens? Sind es seine familiären Wurzeln, die er glaubt dort wiederzufinden?

Die Antwort muss sich jeder Leser*in nach der Lektüre dieses Textes selber geben , finden und auf sich wirken lassen. Der Roman regt zum Nachdenken über verlorene und/oder neu zu findende Lebenswege an und ist ein kleines Schatzbüchlein. Er ist eine absolute Leseempfehlung !

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE.

Mein Dank gilt dem Autor, dem Allee Verlag und Birgit Böllinger für die Vermittlung der Lektüre !



















Dienstag, 28. Oktober 2025

*Moscow Mule* von Maya Rosa - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 13. August 2025 

INHALT / KLAPPENTEXT: Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig 

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer              Familie in Berlin.

Meine Meinung zum Buch: 

In diesem interessanten Roman begegnen wir Tonya und Karina, zwei jungen russischen Studentinnen im Moskau vor ca. zwanzig Jahren. Es ist die Zeit in der die Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2006  vor ihrem Haus durch mehrere Schüsse getötet wurde. Es ist auch die Zeit der Luxusautos im Strassenbild  und der armen, älteren Mütterchen , die mit Strassenverkäufen ihre dürftige Rente aufbessern.

 Karina und Tonya geniessen ihre Studienzeit an der Universität, nehmen jede Party, jedes Vergnügen und viele Männerbekanntschaften mit in ihr Leben. Tonyas Lebenstraum besteht aus einem seriösen Leben mit Familie, Haus und Garten. Karina weiss es nicht genau , ist unstet, schlägt sich in Moskau durch mit Übernachtungen bei Freund*innen und zufälligen Bekanntschaften, da sie in einem Vorort mit ihrer geliebten Großmuter lebt. Zwei Stunden Fahrzeit für eine Tour bis zur Universität sind ihr einfach zu lang. 

Der spritzige und und sehr oft witzige Schreibstil der Autorin, geschrieben in der Ich-Form aus Karina's Sicht hat mir sehr gut gefallen. Das Buch war unterhaltsam zu lesen, hat mir viele  Einblicke in die Jugend  und Denkweise einer Generation der jetzt ungefähr 40 jährigen Frauen und Männer gegeben. Vor allem aber auch Einblicke in die Atmosphäre der damaligen Zeit in Moskau, für mich ein Eindruck, der von Kälte, grauem Schnee,  heissen Banjas auf dem Land, unkomplizierten und offenen Beziehungen, sowie herzlichen Familienfeiern mit Wodka  geprägt wurde. Europa und Deutschland erschienen  der jungen Generation wahnsinnig weit weg, aber  eben doch das erstrebenswerte Reiseziel für viele junge Menschen dort;  ein Studium und Aufenthalt im europäischem Ausland an einer Universität.  

Die innige Freundschaft und deren Entwicklung  zwischen den beiden jungen Frauen, die sich seit Kindertagen sehr nahe stehen, ist auch ein emotional sehr berührendes Thema in dieser Geschichte, welches die Autorin in ihrem Debüt Roman dargestellt hat.  

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und einen tiefen Einblick in das damalige Land mit seinen liebenswerten  und herzlichen Menschen bekommen.  Die Themen Freundschaft, und das Streben nach persönlicher Freiheit nehmen einen grossen Raum im Buch ein. Danke dafür !

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen Debüt Roman von Maya Rosa. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


 



Sonntag, 19. Oktober 2025

*Aga* von Agnieszka Lessmann - erschienen im Gansverlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 8.10.2025 im

Gansverlag

Inhalt/Klappentext: Zwei Mal schon hat sie mit ihren Eltern die Kontinente gewechselt und den Namen gleich dazu. Nun zieht Aga ins »Land der Mörder«, so hat sie es aufgeschnappt. Angekommen in einem Haus der jüdischen Gemeinde, macht sich das kleine Mädchen auf die Suche nach ihnen. Erik Ode, der Kommissar, den sie im Fernsehen kennenlernt, hilft ihr dabei. Lessmanns autobiografisch gefärbter Roman erzählt subtil, wie das Schweigen der Überlebenden den Nachkommen zur Last wird – und wie ihre heranwachsende Hauptfigur in gewitzter Selbstbehauptung die Hoffnung auf Heilung nie aufgibt. Nach der antisemitischen Hetze der Kommunistischen Partei Polens im Jahr 1968, die ihre Eltern zwang, ihre Heimat zu verlassen, kommt Aga über Israel nach Deutschland. Es ist etwas Merkwürdiges mit dem Haus, in dem sie nun wohnt. Es steht neben einer Kaserne, auf deren Tennisplatz amerikanische Soldaten ihre Freizeit verbringen, und dem Garten eines ehemaligen Klosters, in dem Hippies Bäume pflanzen. Dazwischen wuchern die kindlichen Fantasien. Das Verschwiegene bricht sich schließlich Bahn in einem tatsächlichen Mord. Schritt für Schritt beginnt Aga die leeren Stellen in den Erinnerungen zu füllen. Dafür aber muss sie erst ihren richtigen Namen wiederfinden. Mit der Hauptfigur reifen ihre Sprache und ihr Verständnis.

Ein Roman über das Schweigen nach der Shoah, und eine Geschichte darüber, was nötig ist, um es zu überwinden. Und auch eine Liebesgeschichte.

Agnieszka Lessmann, aufgewachsen in Polen, Israel und Deutschland, lebt als freie Schriftstellerin in Köln. Sie ist Autorin von acht Hörspielen und wurde für den Prix Europa und mehrfach für den Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert. Im Jahr 2020 erschien unter dem Titel »Fluchtzustand« ihr erster Lyrikband im Elif Verlag. Ihre Gedichte und Erzählungen wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Ihre Arbeit wurde mit zahlreichen Stipendien gefördert, zuletzt im April 2025 mit einem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds.


Meine Meinung zum Buch: 

Dieser autobiografisch verfasste Roman von Agnieszka Lessmann hat mich unglaublich berührt und mich oft beim Lesen innehalten lassen. Manche Sätze und Abschnitte musste ich öfter nachlesen. Er hat mich sehr betroffen zurückgelassen.

Aga lernt in jungen Jahren in drei Ländern drei Sprachen kennen und sucht lange nach ihrer ganz persönlichen Identität. Diese ist verloren, verschwiegen und geheim gehalten worden – von ihrer engsten jüdischstämmigen polnischen Familie, aber auch durch ihre Umgebung und das Aufwachsen in der westdeutschen Gesellschaft. Die Familie verlässt Polen, weil sie dort unter Repressionen der kommunistischen Partei leidet, die gegen Juden hetzte. Sie wandert zu Verwandten nach Israel und anschließend nach Deutschland aus.

In Deutschland wird sie Agnes genannt, in Israel trug sie den Namen Ilana. Ihre Familie und Freund*innen nennen sie AGA / AGI oder die polnische Version Agnieszka. Ihr neues Leben in Deutschland beginnt in der Obhut der jüdischen Gemeinde einer Großstadt. „Es ist DAS LAND DER MÖRDER“, erklärte ihr Pawel, ein gleichaltriger israelischer Freund.

Im Alter von zwölf Jahren erfährt Agnes von der Shoah. Die Eltern versuchten, ihre kleine Tochter durch Schweigen und Ablenkung vor der grausamen Wahrheit und den Geschehnissen zu beschützen. Doch Kinder haben feine Antennen, auch für Unausgesprochenes. So erahnt Aga diese dunklen Schwingungen und füllt die Leerstelle mit kindlichen Ängsten und Fantasie.

Die Erzählweise der Autorin hat mir sehr gut gefallen. In prägnanten, kurzen Sätzen, die die kindliche Denkweise widerspiegeln, führt sie die Leser*innen in Agas kleine Welt ein. Ihr Vater, ein Journalist, und die Mutter, eine Buchhalterin, lieben das Kind über alles und kümmern sich rührend und liebevoll.

Aga lernt im Laufe ihrer Kindheit viele Freund*innen kennen, verliert sie aber auch schnell wieder, wie etwa ihre geliebte Kinderfreundin Sara aus dem Obergeschoss des Gemeindeshauses. Die beiden Kinder beobachten den undurchsichtig und unheimlich erscheinenden Jäger öfter, verfolgen ihn sogar auf Spaziergängen und ahnen noch nicht, welch dramatische Rolle er einmal in ihrem Leben spielen wird.

Der Schreibstil der Autorin wächst mit dem Älterwerden des Kindes mit, passt sich an und wandelt sich am Schluss des Buches zu einer zärtlichen Liebesgeschichte. Doch das ist nicht der einzige Hauptaspekt. Wir erfahren von den traumatischen Erlebnissen der Verfolgung und Ermordung von Agas Familie und Vorfahren in den Konzentrationslagern des Nazi-Regimes. Denn das ist ein Hauptanliegen von Aga: endlich diesen dunklen, unausgesprochenen Wörtern und Vermutungen ihrer Kindheit Namen und Gesichter zuzuordnen.

Ich empfehle diese Lektüre uneingeschränkt mit FÜNF ***** Sternen und kann sie mir auch als Schullektüre für die oberen Jahrgänge vorstellen. 

Herzlichen Dank an die Autorin, dem Gansverlag und Birgit Böllinger für die Zusendung des Presseexemplar. 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

*Wohin du auch gehst* von Christina Fonthes - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am 23.7.2025 im 

Diogenes Verlag

INHALT/KLAPPENTEXT: Aus dem Englischen von Michaela Grabinger

Bijoux wird nach Unruhen in Kinshasa als Teenager zu ihrer Tante Mira nach London geschickt. Hier verliebt sie sich zum ersten Mal – in eine Frau. Vor ihrer religiösen Tante muss sie das verbergen, doch sie ahnt nicht, dass auch diese ein Geheimnis vor ihr hat: den wahren Grund dafür, dass sie vor vielen Jahren von Afrika nach Europa kam, in ein Land, in dem sie sich immer noch nicht zu Hause fühlt. Bijoux weiß: So wie Tante Mira will sie nicht enden. Und trifft eine Entscheidung.

Mehr zum Inhalt

Kinshasa, 1980er-Jahre. Mira ist die Tochter einer aufstrebenden Familie und verliebt sich ausgerechnet in einen mittellosen Musiker. Die Eltern verbieten die Verbindung. Zwanzig Jahre später und Tausende Kilometer entfernt, in London, sieht sich die junge Kongolesin Bijoux mit einem ähnlichen Verbot konfrontiert. Ihre Tante verlangt von ihr, dass sie sich trennt von der Frau, die sie liebt, und einen Mann heiratet. Der Debütroman von Christina Fonthes lässt den Kongo und seine Diaspora in London lebendig werden und verwebt die Geschichten von Bijoux und Mira über zwei Kontinente und zwei Generationen hinweg. Beide müssen sich für oder gegen die Liebe entscheiden. Und das ist schwieriger als gedacht.

Christina Fonthes, geboren 1987 in Kinshasa, Kongo, lebt heute in London als Autorin und als Gründerin von Rewrite, einer Schreibakademie für PoC-Autorinnen. 2021 gewann sie den von Bernardine Evaristo ins Leben gerufenen Royal Society of Literature Sky Arts Writers Award. ›Wohin du auch gehst‹ ist Christina Fonthes’ erster Roman.


Meine Meinung zum Buch: Christina Fonthes’ Debütroman *Wohin du auch gehst* zeigt, wie Menschen die kulturellen Wurzeln ihrer Kindheit, die Einflüsse des Heimatlandes, der Eltern und von Freund*innen tief verinnerlichen und mit in die Welt hinaustragen.

Der informative und tief bewegende Roman über afrikanische Bräuche und Lebensgewohnheiten erzählt in zwei Handlungssträngen die Geschichte zweier Kongolesinnen. Ihre Leben führen sie zwischen Kinshasa, Gombe, Paris, Brüssel und London. Tantine Mireille (Mira) erlebt in ihrem Elternhaus eine glückliche, heitere, fast sorgenlose Kindheit mit ihrer Schwester Ya Eugénie in den 1970er-Jahren in Zaire, wo ihr Vater ein hohes politisches Amt bekleidet. Zunehmende Unruhen erschüttern das Land, und die kleine Mira wird Zeugin von Tragödien: Sie sieht brennende Frauen am Straßenrand, die wegen gleichgeschlechtlicher Liebe von der Bevölkerung verachtet und ermordet wurden. Diese Bilder prägen sich bei ihr unauslöschlich ins Gedächtnis ein und verfolgen sie ein Leben lang. Ihre weitere dramatische Lebensgeschichte als Migrantin in Europa wird kapitelweise ausführlich beleuchtet.

Auch Bijoux, geboren in den 1980er-Jahren in Afrika, lernt Europa kennen. Als Zwölfjährige wird sie von den Eltern nach London zu Tante Mira geschickt, besucht dort die Schule, vermisst die Eltern und ihre Heimat und verbringt lange Jahre in Großbritannien. Als Teenager entdeckt sie ihre gleichgeschlechtliche Orientierung und wird dafür von ihrer stark religiös geprägten Tante Mira strengstens verurteilt.

Der Roman hat in mir eine emotionale *Achterbahn der Gefühle* geweckt und mich tief beeindruckt. Angst vor Verlust, Liebe, Vergeltung,Mitleid, Hass, Scham und Lügen spielen eine bewegende Rolle bis zum Ende der fesselnden Lebensbeichten in einer zerrissenen Familienstruktur.  

Eine uneingeschränkte Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen vergebe ich sehr gerne!

Vielen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für das zugesandte, schöne im *Diognes Stil* gebundene  Print-Rezensionsexemplar . 




Montag, 22. September 2025

*Bis wir Wald werden* von Birgit Mattausch - erschienen bei Nagel und Kimche

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

INHALT / KLAPPENTEXT: »Wir sind aus dem Frühling gekommen«, sagt Babulya, und die junge Nanush weiß, dass ihre Urgroßmutter nicht nur von ihnen beiden spricht. Schon immer ist Babulyas Küche der Mittelpunkt aller Geschichten, der Ort, wo das Leben passiert für alle Menschen im Haus. Für Oma Elsa, die weder Hochdeutsch noch Russisch spricht, Felek, die aus Kurdistan geflüchtet ist, Vitali, der sich von seinem Hund beschützen lässt, oder Gregorij, der weiß, wie man Sonnenblumenkerne im Mund schält. Doch Babulya ist alt geworden, einst hat die Urgroßmutter ihre Urenkelin von Sibirien nach Deutschland getragen, nun deckt Nanush die alte Frau abends mit einer Steppdecke zu. Babulya verlässt kaum noch ihr Bett, die Hüterin der Erinnerungen ist still geworden, und die Hausgemeinschaft muss sich fragen, was es bedeuten könnte, wenn sie eines Tages nicht mehr da ist ...


Birgit Mattausch hat Germanistik und evangelische Theologie studiert. Zehn Jahre lang war sie Pfarrerin in Süddeutschland , seit 2017 arbeitet sie als Referentin in der pastoralen Aus- und Weiterbildung. Sie arbeitete mehrere Jahre in einer Gemeinde, der viele Aussiedlerinnen und Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion angehörten, und wohnte mit ihnen in einem Hochhaus. 

Meine Meinung zum Buch: 

Dieses kleine Büchlein von einhundertundvierundsiebzig Seiten ist ein wahrer Schatz aus unserem allgemeinen Menschsein, welches hier in allen positiven, aber auch negativen Facetten von der Autorin beobachtet und dann zu einem Buch – ich würde eher sagen, zu einem ehrlichen und wahren Tatsachenbericht in Romanform – verarbeitet wurde.

Es sind Minderheiten, Aussiedler*innen, alte Menschen mit deutschen Wurzeln, die eine völlig andere Lebensgeschichte erzählen können als Deutsche, die in der BRD der Nachkriegszeit oder in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Das Flüchtlingsdurchgangslager Friedland war ihr erster Sammelpunkt, an dem sie mit anderen Migrant*innen anderer Nationen sowie anderen deutschstämmigen Aussiedler*innen Kontakt aufnehmen konnten.

In diesem Bericht erzählt die Autorin vom friedlichen Zusammenleben in einem Hochhaus, nahe am Waldrand gelegen. Gemeinsam erkunden sie ihre neue Heimat Deutschland mit seinen Menschen. Sie nennen sie die Hiesigen.

Die Autorin lässt die alte Babulya und die junge erwachsene Nanush von dem neuen Leben im Hochhaus, von ihrer eigenen Vergangenheit und dem Aufwachsen in Sibirien, Kasachstan, den erbarmungslosen Vertreibungen vor Jahrzehnten bildgewaltig und emotional sprechen. Babulya und ihre Familie hatten herkunftsmäßig deutsche Wurzeln. Es sind Erfahrungen, Erlebnisse mit vertriebenen Menschen aus vielen Nationen, die doch ein Schicksalsmoment gemeinsam erlitten haben: Die Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat mit politischen und/oder rassistischen Hintergründen.

Nanush, die liebevoll von ihrer Urgroßmutter auch mein Kätzchen oder Nanushkinia genannt wird, spricht von Erinnerungen und Fragen an die Urgroßmutter aus ihrer Kindheit.

Wir begegnen beim Lesen Oma Elsa, mit ihrem unverwechselbaren Dialekt der älteren deutschen Sprache aus vergangenen Zeiten. Der vermissten Mome. Sie ist die Mutter von Nanush und Tochter von Babulya. Der vermissten Großmutter, Mutter von Babulya und dem verschleppten und vermissten Ehemann von Babulya, dem sie ein Leben lang hinterhertrauert. Sie tröstet sich über diesen großen Verlust damit hinweg, dass er ihr immer wieder als starker Bär im Traum und im Leben erscheint. Der sibirische Wald mit seinen hellen Birken, der unberührten Natur mit seinen Tieren, einem naturnahen und glücklichen Leben dort, stehen oft im Vordergrund der Erzählungen für die kleine Nanushkinia, die mit ihren Fragen und ihrem Dasein ein großer Trost, Hoffnung und Lebensstütze für Babulya ist.

Der schöne und poetische Schreibstil der Autorin, auch durch die Sprache von Babulya ausgedrückt, bezaubert, vermittelt einen liebevollen und humorvollen Charme. Babulyas Denkweise erscheint oft kindlich naiv, herzlich, liebevoll in ihren Aussagen – dann wieder voller Lebensweisheit mit philosophischen Ansätzen. Babulyas Küche mit den Gläsern voll eingemachter Salzgurken, getrockneten und frischen Kräutern, Tomatenpflänzchen, ist ein Treff- und Mittelpunkt für alle Hochhausbewohner. Für den jungen Vitali, den Sonnenblumen kauenden Gregorij, die junge Kurdin Felek wie auch für die betagte Oma Elsa und ihre gleichaltrigen Freund*innen und Familien aus der ehemaligen Sowjetunion.

Diese mehr oder weniger genau erzählten Lebensgeschichten enden irgendwann auch für eine altersschwache Babulya unter einer warmen Steppdecke, liebevoll von Nanushkinia umsorgt – mit Phantasie-Bären, Blumen und einer heilen sibirischen Waldwelt.

Für dieses kleine Büchlein möchte ich eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen aussprechen und bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin und der HarperCollins Verlagsgruppe für die Zusendung des Taschenbuches.

Donnerstag, 28. August 2025

*Schmetterlinge brauchen keine Überholspur* von Aljoscha Long und Ronald Schweppe - erschienen im Kösel Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am 1.5.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Ronald Schweppe und Aljoscha Long verraten, wie wir wieder mehr Leichtigkeit und Unbeschwertheit in unserem Alltag finden. Gerade weil viele Dinge um uns herum passieren, auf die wir keinen Einfluss haben und die uns belasten, ist es wichtig, den Kontakt zu unserer inneren Lebensfreude nicht zu verlieren. Aber wie schaffen wir es, negative Gedanken und Gefühle loszulassen und mehr Gelassenheit zu finden?

Mit kurzen Texten zeigen die Erfolgsautoren tiefgründig und anschaulich, wie wir uns von belastendem seelischem Gepäck befreien und neue Energie gewinnen. Sie beantworten dabei Fragen wie diese: Welche Gedanken hindern mich daran, mehr Vertrauen zu entwickeln? Wie kann ich wieder zu meiner kindlichen Freude zurückfinden?

Auf der Reise zu mehr Leichtigkeit und Gelassenheit begleitet uns ein Schmetterling. Affirmationen, Aphorismen, Dialoge und zauberhafte Illustrationen lockern jedes Kapitel zusätzlich auf und bieten weitere Inspiration.

Ronald P. Schweppe ist Orchestermusiker und Autor zahlreicher Bücher im Bereich Spiritualität und Lebenskunst. Ausbildung in NLP und MBSR (Stressbewältigung durch Achtsamkeit). Seit etwa 40 Jahren beschäftigt er sich praktisch und theoretisch mit fernöstlicher Philosophie und Zen-Buddhismus. Er lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in München.

ALJOSCHA LONG: 1961 wurde ich in Bonn geboren. Seit meinem sechsten Lebensjahr wohne ich allerdings in München. Nach der Schule habe ich als Co-Therapeut an einer psychosomatischen Klinik gearbeitet und studierte dann in Kanada und München Psychologie, Philosophie, Linguistik und Musikpädagogik (Cello). Während meines langen Studiums arbeitete ich als Kampfkunst- und Akrobatik-Lehrer, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie, Komponist, Dozent und Übersetzer.

1989 begann ich mit Ronald Schweppe, mit dem ich Musik produzierte und komponierte, Bücher zu schreiben: zunächst über östlich geprägte Übungswege wie Yoga oder Taijiquan, dann interessierten wir uns für ganzheitliche Heilkunst und arbeiten heute vor allem an Büchern, die Spiritualität und Psychologie miteinander verbinden. 

Seit 2008 heiße ich, nachdem ich in China geheiratet habe, Long.

MEINE MEINUNG ZUM BUCH:

Dieser kleine Ausflug in die Welt der Achtsamkeit und Stressbewältigung hat mir im Moment einer Lebenskrise (Krankheit) sehr gut getan. Ein kleiner Schmetterling mit dem hübschen Namen Kallamarandi hat mich an die Hand genommen und viele schöne Facetten eines erfüllenden und achtsamen Lebens anhand von vielen Beispielen und  netten Zeichnungen gezeigt. Seine Argumente , Tipps und Lebensansichten beruhigen und können unseren Geist in neue unbekannte Dimensionen und Denkweisen führen und leiten. Kallamarandi trifft im Buch unterschiedliche Menschen, auch Tiere, führt mit ihnen Gespräche, stellt mitfühlende Fragen und stellt neue Lösungen und Wege für die jeweiligen Probleme vor. 

Das Buch lässt sich sehr leicht und angenehm  lesen, beruhigt und lenkt ab von Vergangenheit und Zukunft des Lesenden. Es lebt im Augenblick. Sichtweisen und Sätze wie *Tu, was DU liebst* und/oder *Liebe, was Du tust*  und/oder *Das ist leicht, das schaffe ich locker* tauchen immer wieder als Ermunterung in den Texten auf und sind sicher nicht ungewöhnlich für diese Art in einem spirituellem Ratgeber. Sie lenken  aber doch unser Denken in andere Bahnen und können neue Impulse für Achtsamkeit , Stressbewältigung und neue Lösungswege für grundsätzliche Fragestellungen setzen.  Sicher hat man vieles schön gehört und gelesen, doch die Konsequenz der Umsetzung fehlt oft. Eine inspirierende Motivation wird beim Lesen des Buches von den beiden Autoren ehrlich und liebevoll vermittelt. Sie haben das mit einer spielerischen Leichtigkeit getan,  auch in den Zeichnungen, die beim wiederholten Durchsehen immer wieder neue Freude und Kraft schenken.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne im Genre *Lebens-Ratgeber für spirituelle Achtsamkeit und Problemlösung*. 

Herzlichen Dank an die Autoren und den Kösel Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.   

Donnerstag, 14. August 2025

*Die Königin von Dirt Island* - von Donal Ryan - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung unbezahlt, Rezensionsexemplar* 

Verlags Link

Erschienen asm 23.7.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Nach dem Tod ihres Mannes bringt Eileen ihre Tochter allein durch und verzweifelt fast, als sich die Geschichte wiederholt und auch ihre eigene Tochter jung und unehelich Mutter wird. Doch in den Frauen der Familie Aylward stecken Kraft und Mut, und es reicht ihnen längst nicht, nur eine Nebenrolle im Leben zu spielen.

Donal Ryan, geboren 1976 in Nenagh, Tipperary, studierte Bauingenieurwesen und Jura und unterrichtet Creative Writing an der Universität von Limerick. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Castletroy, Limerick. Seine Romane ›Die Gesichter der Wahrheit‹ und ›Die Stille des Meeres‹ waren auf der Longlist des Booker Prize.

Auszeichnungen

 ›Orwell Prize for Political Fiction‹ für Heart be at Peace (Follow-up von Die Gesichter der Wahrheit), 2025

 From a Low and Quiet Sea auf der Longlist des ›Man Booker Prize‹, 2018

 ›European Union Prize for Literature‹ für die zwölf vielversprechendsten jungen Schriftsteller Europas (als Vertreter von Irland), 2015

 ›Bord Gáis Energy Irish Book Awards‹ in der Kategorie ›Short Story of the Year‹ für A Slanting of the Sun, 2015

 ›Guardian First Book Award‹ für The Spinning Heart, 2013

 The Spinning Heart auf der Longlist des ›Man Booker Prize‹, 2013

 ›Irish Book Awards‹ Best Irish Newcomer und Book of the Year für The Spinning Heart, 2012

Übersetzerin des Buches aus dem irischen Englisch: Anna-Nina Kroll, 1988 in Essen geboren, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und übersetzt seitdem aus dem Englischen.Sie ist die deutsche Stimme von Carmen Maria Machado, Donal Ryan und Anna Burns. 2021 erhielt sie den Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW. 

Meine Meinung zum Buch: 

Eileen ist eine junge irische Mutter, die  ungewollt schwanger, nach dem plötzlichen, dramatischen Tod ihres Freundes,  ganz kurz verheiratet, ihre kleine  Tochter allein gross ziehen muss. Ihre  eigene Familie hat sie verstoßen, da die Tochter Saorise unehelich auf die Welt kam. Im konservativ geprägtem Irland der 1980er Jahre war das immer noch ein gesellschaftliches Tabu - gerade wenn die Eheschliessung erst nach der Geburt des Kindes erfolgte.  Doch ihre Schwiegermutter und die Brüder Ayward  aus der Familie des Kindsvaters  stehen ihr jahrzehntelang helfend und warmherzig zur Seite. Saorise wächst behütet auf und wird mit siebzehn Jahren auch ungewollt schwanger. Sie ist ledig, jung, naiv, und hat nur eine vage Erinnerung an den jungen Mann und den Beginn der Schwangerschaft. Mutter und Grossmutter stehen ihr ohne Vorwürfe  liebevoll  unterstützend zur Seite, verteidigen die junge Frau gegen jegliche bösartigen Angriffe und Verleumdungen aus der Dorfbevölkerung und Eileen's Ursprungs-Familie.

Der Roman ist eine  berührende Familiengeschichte, wie sie immer wieder vorkommen mag.  Doch durch die charakterstarken und eigensinnigen Frauen und ihren innigen Zusammenhalt in dieser ungewöhnlichen Familienkonstellation  bekommt sie eine eindrucksvolle und prägende Ausstrahlung auf die Leser*innen und ist kein seichter Wohlfühlroman für einen Nachmittag. Der Autor Donal Ryan hat dennoch auch lockere und unterhaltende Episoden in die Rahmenhandlung  eingefügt und verschafft durch seine feinsinnige und treffsichere Auswahl der Aussagen seiner Protagonist*innen eine ganz besonders stimmige Atmosphäre, die auch das irische Gesellschaftsleben - und Denken dieser Zeit spiegelt. Beeindruckend empfand ich sein Beschreiben über das Fühlen und Denken der so altersmässig unterschiedlichen Frauen der Familie, des Kindes Saorise, deren Entwicklung von einem jungen Mädchen zu einer erwachsenen, verantwortungsvollen und liebevollen Mutter. Die Frauencharaktere wurden teilweise rau, zärtlich, eigensinnig, stark , aber immer mit viel positiver Empathie  und Humor  füreinander gezeichnet.

 Eine tolle Leistung des Autors, der mich in den letzten Jahren schon mit  seinen vorherigen Büchern begeistert hat. Sein Schreibstil kommt in diesem Buch ohne *mündliche Rede*  aus und ist trotzdem absolut verständlich, schnell und flüssig zu erlesen. Er hat die ca. dreihundertundsiebzig Seiten in angenehm zu lesende, kurze Kapitel verfasst und eingeteilt. 

Diese ganz besondere  Familiengeschichte  ist eine absolute Leseempfehlung und gehört nun zu meinen Highlights des Jahres 2025. Eine einstimmende Leseprobe ist auf der Verlagsseite des Diogenes Verlages (siehe oben) zu finden.  

Meine Bewertung: FÜNF***** STERNE.   

Herzlichen Dank an den Autor und Diogenes Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar !  


 


Dienstag, 29. Juli 2025

*Mittsommer* von Lucy Foley - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21.5.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Es ist Mittsommer an der Küste von England. Im kühlenden Schatten eines uralten Waldes versammeln sich die Gäste zum Eröffnungswochenende des neuen Luxushotels The Manor. Die opulent gedeckte Tafel biegt sich unter köstlichen Speisen und der Champagner fließt in Strömen, während die Sonne im Meer versinkt, um einer unvergesslichen Party die Bühne zu bereiten. 


Doch schon früh stören Jugendliche aus dem Dorf das Fest; immer lauter wird der Unmut der Dorfbewohner, die das Hotelgelände für sich reklamieren. Die Feier eskaliert. Wahre Identitäten werden aufgedeckt und Geheimnisse gelüftet. Feindschaften treten zutage, die unter dem Deckmantel alter Freundschaft daherkamen. Noch bevor die Nacht zuende ist, steht das Gebäude lichterloh in Flammen, und am nächsten Morgen wird an den meterhohen, steil abfallenden Klippen eine Leiche gefunden. Zwischen ihren Fingern klebt eine ölig schwarze Feder. Die Feder eines Rabenvogels. Etwas Dunkles hat sich geregt unter der Mittsommersonne …

Lucy Foley, 1986 in Sussex, England geboren, hat Englische Literatur in Durham studiert und ihren Masterabschluss in Moderner Literatur an der Universität London gemacht. Sie arbeitete einige Jahre als Lektorin bei Hodder & Stoughton und schrieb währenddessen ihren ersten Roman »Die Stunde der Liebenden«. Lucy Foley lebt in London, wenn sie nicht gerade auf der Suche nach neuen Romanstoffen die Welt bereist.

Meine Meinung zum Buch: 

Wer noch einen spannenden Thriller, gewürzt mit ein wenig Mystik, für diese verregneten Sommertage sucht, ist vielleicht mit dem neuen Roman von Lucy Foley ganz gut bedient.

Ich bin schnell und ungebremst durch die fast vierhundertundachtzig Seiten geflogen und durch den jeweils anderen, abwechselnden Schreibstil der vielen PROTAGONIST*INNEN immer eng am roten Faden der Geschichte geblieben. Obwohl die Autorin zu Beginn nur häppchenweise mit  unterschiedlichen Informationen die Leser*innen lockt, steigert sich die Spannung  stetig und unaufhörlich.
 
Wir begleiten in der Gegenwart die exzentrische Hotelinhaberin Francesca von *The Manor*, Bella, den Kellner Eddie, Francescas Ehemann Owen, den Detektive Inspector Walker in ihrer persönlichen Erlebnis- und Gedankenwelt. Sie beschreiben alle ihr Erlebtes aus Gegenwart und Vergangenheit in Kapiteln, verfasst in der ICH-PERSPEKTIVE. Zusätzlich lesen wir im SOMMERTAGEBUCH aus dem Jahre 2010, über das Geschehen im herrschaftlichen Anwesen *The Manor* über die damaligen Jugendlichen Francesca, ihre beiden Brüder, Alison, Cora und einigen anderen Kindern des  umliegenden Dorfes und angrenzenden Campingplatzes.

Über dem ganzen Buch liegt die Erzählung einer unbekannten, mystische Sagenwelt des dunklen Waldes, gespickt mit Erscheinungen von unheimlichen schwarzen, riesigen Rabenvögeln. Diese Geschichte wird  den Kindern des Dorfes von kleinauf erzählt und soll sie vor dem Betreten des dunklen Waldes abhalten und warnen. Auch die erwachsenen Einwohner des Dorfes lassen sich von dieser alten Sagenwelt beeinflussen und ängstigen.  

Doch der helle Glanz des Mittsommers, der während eines prunkvoll gestalteten Festes, von der erwachsenen, bildschönen Francesca im nun frisch renovierten Nobelhotel *The Manor* zelebriert wird, soll alle Schatten einer düsteren Vergangenheit voller Geheimnisse verdrängen und einem zahlungskräftigen Publikum aus der ganzen Welt ein unvergessliches Fest am Meer schenken..... 

Meine Bewertung: Vier **** Sterne im Genre Thriller/Mystik !

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des PRINT-Rezensionsexemplars.        

Dienstag, 20. Mai 2025

*Dein Herz, ein wildes Tier* von Jardine Libaire - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung,  Rezensionsexemplar*

Erschienen am 23.4.25

Verlags Link

Aus dem amerikanischen Englisch von Eva Regul

Inhalt/Klappentext: Vier Außenseiter auf der Flucht: Staci, Ray, Ernie und Coral hauen mit geklautem Drogengeld ab nach Texas, wo sie in einem abgelegenen Haus etwas finden, das sie nie zu träumen gewagt hätten: Zugehörigkeit, Vertrauen und Liebe. Und je länger sie in dieser vom Schicksal zusammengewürfelten Gemeinschaft leben, desto mehr wächst jede und jeder über sich hinaus. Doch die Tage ihres zerbrechlichen Glücks sind schon lange gezählt.

Jardine Libaire, geboren 1973 in New York, ist Absolventin des Skidmore Colleges und hat einen MFA in Creative Writing der University of Michigan. Sie lebt in Austin, Texas, wo sie ehrenamtlich für Truth Be Told arbeitet, ein Hilfsprogramm für Frauen im Gefängnis.


Auszeichnungen

 ›Dorothea Lange-Paul Taylor Prize (Honorable Mention)‹, 2016

 ›Hopwood Award‹, 1997

 ›Glascock Poetry Prize‹, 1995


Meine Meinung zum Buch:

Drei Biker im mittleren Lebensalter, ziellos in ihrem halb kriminellem Leben verankert, verlassen nach einem Unglück und Brand beim Drogen kochen ihr angestammtes Camp und ziehen mit der jungen Coral durch verschiedene amerikanische Staaten, bis sie in Texas stranden. Coral ist erst siebzehn Jahre alt, gehörlos und stumm. Sie wurde von ihrer Familie vernachlässigt und im Camp der Drogenkocher einfach abgegeben. Staci, Ray und Ernie fühlen sich für die Kleine verantwortlich und bilden einen familienähnlichen Halt für das in sich gekehrte Mädchen. 

Diese vier unterschiedlichen Menschen begeben sich mit gestohlenem Drogengeld aus dem Camp auf eine Flucht vor den Behörden und einer Strafverfolgung, quer durch verschiedene Bundesstaaten der USA. 

Was sich für mich zu Beginn wie ein krimineller Road-Trip beim Lesen darstellte, veränderte von Seite zu Seite meinen Blick auf das innere Wesen dieser vier Biker. Die Autorin hat unterschiedliche Charaktere geschaffen und sie ziemlich wertfrei und neutral, aber doch mit Wohlwollen und Akzeptanz dargestellt. Der Text liest sich flüssig, spannend, in keiner Situation langweilig. 

Nach einer Odyssee durch viele Staaten der USA finden die Vier ein kleines Farmhaus in Texas und schaffen sich dort eine Lebensidylle mit Garten,Pflanzen sowie Liebe und Fürsorge vor allem für das junge Mädchen Coral. Ihre Charakterzeichnung hat die Autorin geheimnisvoll und voller aufkommender Fragen und Rätsel dargestellt. Das macht dieses Buch so aufregend und spannend. Alle Gedanken und das Handeln der erwachsenen Biker kreisen irgendwann nur noch um Coral, ihr Wohlergehen,ihre Entwicklung und ihren stetig wachsenden Selbsterhaltungstrieb. Auch die persönlichen Vorstellungen von Zukunft und Lebenssinn der drei Biker geraten dadurch ins Wanken.

Coral lebt in ihrer Welt der Natur mit ihrem gewählten tierischem Freund , einem halb gezähmten Geparden. Sie ist die geheime Haupt-Protagonistin dieses interessanten Romans. Das Buch besticht durch viele wertfreie Schilderungen der halb kriminellen Biker und wirbt um Verständnis für ein Suchen nach neuen Lebensinhalten - und Werten.

Es ist ein ungewöhnlicher Road Trip, der sich in eine Herzen Geschichte verwandelt.

Eine Leseempfehlung von VIER **** Sternen spreche ich gerne aus!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar                   


Mittwoch, 9. April 2025

*Wild Wuchern* von Katharina Köller - erschienen in der Penguin Verlagsgruppe

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink Erschienen am 26.2.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Marie rennt panisch einen Berg hinauf. Auf der Flucht vor einer Welt, in der vieles aus dem Lot geraten ist, sucht sie Schutz bei ihrer Cousine Johanna. Ausgerechnet bei Johanna, die seit Jahren wie eine Eremitin auf einer entlegenen Tiroler Alm lebt. Marie und Johanna, sie könnten nicht unterschiedlicher sein: die scharfzüngige Wienerin, Luxusgeschöpf aus einer Luxuswelt, zugleich verwöhnt und verachtet von Ehemann Peter – und das »wilde Tier im Körper von einem Menschen« (Marie über Johanna), das beim Erwachsenwerden scheinbar die Sprache verloren und die Gesellschaft hinter sich gelassen hat. Für die beiden Frauen beginnt ein ungewöhnliches Kräftemessen, ein Ringen um ihr Selbstverständnis, aber auch um einen gemeinsamen Weg. 

Katharina Köller wurde 1984 in Eisenstadt, Österreich geboren, hat Philosophie und Schauspiel studiert und ist seit 2011 freiberuflich als Autorin, Schauspielerin und Theatermacherin tätig. 2020 erschien ihr Debütroman »Was ich im Wasser sah«, der mit dem Phantastikpreis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet wurde. Katharina Köller lebt mit ihrer Familie in Wien und Innsbruck.

Meine Meinung: 

Mit einer rasanten Flucht der erwachsenen  Marie in den Tiroler Alpen, hinauf auf den Berg, auf der Suche nach ihrer dort in einer Hütte allein  lebenden Cousine Johanna, beginnen zweihundert  spannungsreiche Seiten einer Beziehungsgeschichte zweier junger Frauen, deren Kontakt nach Beendigung der Kindheit zueinander abgerissen war.


Ihre Mütter waren Zwillinge , wollten  die Freundschaft  in der Kindheit der Mädchen immer schon beeinflussen und lenken. Aber das gelang nur mässig. Äusserlich wie innerlich im Charakter waren die Kinder immer schon  zu unterschiedlich. Die dunkelhaarige Johanna, still, schüchtern und spröde im Umgang mit ihrer Familie und Freund*innen lebt schon als Kind zurückgezogen in ihrer eigenen Welt mit Tieren und den Naturgewalten. Sie scheut den Kontakt zu Menschen. Das völlige Gegenteil ist die lebhafte, hübsche,  blonde Marie. Offen, aufgeschlossen , leicht manipulierbar spaziert sie durch ihre Kindheit und wird von beiden Müttern immer wieder dazu animiert auf Johanna aufzupassen, sie mitzureissen in ihren eigenen fröhlichen Lebensstrudel . Goldmarie und Pechmarie  sollen zusammen glücklich werden in ihrer gemeinsamen  Familie. Das hat jedoch nicht funktioniert und gepasst. 


Die Autorin hat diese unterschiedliche  Entwicklung der beiden Kinder im Laufe der Geschichte  behutsam nach und nach erhellt. Und zwar in ihrem besonderen Schreibstil,  einem österreichischem Heimatdialekt, der aber für jede*n verständlich zu erlesen ist. Ich bin durch die Seiten geflogen , angetrieben von meiner Neugier und der angenehmen und bildhaften Ausdrucksweise der Autorin.  


Was treibt Marie plötzlich wieder zu Johanna? 

Es ist die Angst vor sich selber, vor ihrem Ehemann, vor ihrem Leben, welches plötzlich eine dramatische Wende durch viele Gewalterfahrungen bekommen hat. Instinktiv sucht sie Halt und Hilfe bei Johanna, hat sie ihrer Cousine doch so viel damals, in der Kinderzeit, gegeben. Doch Johanna geht nicht auf dieses Spiel vom *Geben und Nehmen* ein. Sie liebt ihre Unabhängigkeit in den Bergen, die Einsamkeit, die Natur, das harte, einfache Leben mit ihren Ziegen. Diese neue, plötzliche Nähe zu Marie ist für sie nicht zum Aushalten. Marie muss vom Berg gehen. Finden die beiden, nun erwachsenen Frauen, zueinander?


Das solltet ihr euch selber erlesen! Das  großartig geschriebene Buch ist eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen von mir.      


Vielen Dank an die Autorin und die Penguin Randomhouse Verlagsgruppe für das gebundene Rezensionsexemplar. 



Mittwoch, 2. April 2025

*Hier Draussen* von Martina Behm - erschienen im dtv-verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Verlags Link

Erschienen am 13.3.25

INHALT/KLAPPENTEXT: In Fehrdorf scheinen alle zu wissen, wo sie hingehören. Nur Ingo und Lara, die mit den Kindern von der Großstadt aufs holsteinische Dorf gezogen sind, haben Schwierigkeiten. Vor allem Ingo strapaziert die Pendelei zu seinem Start-Up nach Hamburg. Als er eines Abends eine weiße Hirschkuh anfährt, bringt das die gesamte Dorfgemeinschaft aus dem Gleichgewicht. Denn wer so eine tötet, heißt es, hat nur noch ein Jahr zu leben. Und plötzlich fragen sich auch der Dorfjäger, die Vorzeige-Landfrau und die Überbleibsel einer Öko-WG, ob sie das Landleben wirklich glücklich macht.

Martina Behm ist ausgebildete Journalistin, hat Volkswirtschaftslehre in Konstanz und Oxford studiert und lebt nach Stationen in Santiago de Chile und Hamburg wieder dort, wo ihre Wurzeln sind: in Schleswig-Holstein. Sie ist international als Strickdesignerin bekannt und Mutter zweier Teenager. ›Hier draußen‹ ist Martina Behms erster Roman.

Meine Meinung zum Buch:

Fehrdorf - ein fiktives Dorf, welches überall in Norddeutschland liegen könnte. Und doch ist dieser Ort absolut real bei mir im Kopf angekommen. Ich kenne ihn genau - aus Besuchen, Gesprächen mit Dorfbewohnern, persönlichen Verwandten, Beobachtungen der Natur, dem Verhalten und Denken seiner (meist) liebenswerten Einwohner. Ich bin gerne dort - im Urlaub - möchte aber irgendwann wieder abreisen in mein städtisches Lebensumfeld. Weg von unausgesprochenen Zwängen und Problemen, den dunklen Seiten eines anscheinend heilen Dorflebens, dem dort immer noch grasierenden Aberglauben, den Heimlichkeiten, den bösartigen Gerüchten und Nachreden. 

Die Autorin hat einen authentischen Roman geschrieben, den Leuten sozusagen  *aufs Maul geschaut* in ehrlicher und glaubhafter Recherche. Die Stimmen der Protagonisten hallen mit ihrer Ausdrucksweise immer noch in meinem Kopf wieder - es klingt fast so, als ob sie mit mir im Dialog sprechen würden. Viele Dorfbewohner sind mir ans Herz gewachsen, die junge Familie aus der Stadt mit ihren romantischen Vorstellungen von Lebenshilfe - die auch teilweise erfüllt werden. * Eine Hand wäscht eben die andere* . Man hilft sich im Notfall, steht zusammen für die Allgemeinheit, beim Helfen auf den Höfen bei Krankheit und Tod, beim Ausrichten von Festen für Kinder und die alten Dorfbewohner*innen. Da ist der gutmütige und stille, ledige Bauer Uwe Hennemann, der eine Freundschaft mit dem geschäftigen und gestresstem Städter und Start Up Unternehmer Ingo aufbaut, welcher die meditativen Ruhepausen mit Uwe auf dem Hochstand dringend braucht und geniessen lernt. Beide verbindet ein einschneidendes Erlebnis mit einer weissen Hirschkuh. Doch traurige Lebens-Schicksale und Ehen gibt es auch im Dorf. Thove leidet unter dem grobschlächtigen Bauern Enno, der sie einfach nicht wahrnimmt als Mensch,Ehefrau und Mutter seiner Kinder.

Das sind nur einige Charakter-Beispiele.  Der Roman ist sehr reich ausgestattet mit Lebensweisheit und Verständnis für alle Facetten unseres *Menschsein*. 

Diese vielen unterschiedlichen Charaktere hat die Autorin wunderbar und stilsicher ausgearbeitet und man fiebert und leidet mit ihnen, freut sich und empfindet Glücksgefühle bei kleinen gelungenen Lebensszenen. 

Ich gebe sehr gerne eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen und bedanke mich herzlich bei der Autorin und dem dtv-verlag für dieses bereichernde Leseerlebnis.           


Sonntag, 16. März 2025

*Die Stunde der Mauersegler* von Margarethe Adler - erschienen bei C.Bertelsmann

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Verlags Link

Erschienen am 16.10.24 

INHALT/KLAPPENTEXT: Januar 1988. Als Familie Simon-Hauschke Ost-Berlin im Morgengrauen verlässt, liegt mehr als ein Jahr der Ausgrenzung hinter ihnen. Der größte Schlag: Sie dürfen nur zu dritt ausreisen, denn für Sohn Christian gilt der Ausreiseantrag nicht mehr … Viele Jahre nach der Wiedervereinigung kommt es auf einer Familienfeier zum Eklat: Zu viele Geheimnisse und Lügen haben sich in den Jahren der DDR, zur Zeit des Mauerfalls und in der Nachwendezeit angestaut, zu groß ist die Last des Schweigens. Erst Urenkelin Lou, die Journalistik-Studentin, beginnt, kritische Fragen zu stellen. Dabei muss sie erkennen, wie schwer es ist, den eigenen moralischen Ansprüchen gerecht zu werden.

Margarethe Adler, Jahrgang 1971, studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und absolvierte eine Drehbuchausbildung. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen. Seit 2011 veröffentlicht sie sehr erfolgreich historische Romane, in deren Mittelpunkt selbstbewusste, autarke Frauen stehen.

Meine Meinung zum Buch:

Bei Familienfeiern treffen oft Personen aufeinander , die nur  einen bestimmten Lebensabschnitt miteinander geteilt haben. Jede*r sieht die Vergangenheit aus seiner Sicht und es kommt auch zu neuen Erkenntnissen und im besten Fall zu einem freundlichen  und liebevollen Austausch von Erinnerungen. 

Doch wie ergeht es  Familie Hauschke-Simon bei einem solchen Treffen, die in einer Diktatur vor Jahrzehnten zwei verschiedene Leben führen mussten? Damals gab es (hier in der ehemaligen DDR)  eine fast unausgesprochene Regel, dass nichts aus dem privaten Familienleben an die Öffentlichkeit dringen darf. Doch im öffentlichen Gesellschaftsleben verhalten sich die gleichen Familienmitglieder in einer Diktatur staatskonform , kritisieren das politische Leben und System nie und legen sogar ihre inneren Familienstrukturen dem Staat offen dar. Die Repressalien, denen Familien , die einen Ausreiseantrag vor der Maueröffnung gestellt haben, waren grausam, ungerecht und menschenfeindlich. Familie Hauschke-Simon ist diesen schweren Weg gegangen - aus Liebe zur Freiheit und Selbstbestimmung. Fast wären Familienmitglieder daran zerbrochen.  Finden sie nach Jahrzehnten wieder ehrlich und vertrauensvoll zueinander?

Dieser Thematik unserer deutsch - deutschen Vergangenheit hat sich die Autorin mit sorgfältiger, genauer Recherche und aus dem Hintergrund vieler Zeitzeugenbefragungen in ihrem Roman befasst. Ihr Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, flüssig und kam sehr authentisch bei mir an. Sehr gut hat die Autorin dargestellt, daß Verhaltensweisen wie Schweigen, Lüge und Verdächtigung die Meinungs - und Redefreiheit, die Gedankenwelt auch im privaten Familienleben negativ beeinflusst haben. Von Generation zu Generation wurden  diese unguten Verhaltensweisen im privaten Familienleben weitergegeben.

Wie geht nun die Urenkelin Lou, in westlicher Freiheit und ohne staatliche Repressalien aufgewachsen,  mit diesen vergangenen Ereignissen um, die ihre Familie in Ost - und Westfragmente zerstört hat?  Sie erfährt wie schwer es ist während ihrer Recherchearbeit in alten Stasi Akten objektiv zu bleiben und die sogenannte Wahrheit zu erkennen. Gibt es sie überhaupt?

Dieser Roman ist eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen.

Vielen Dank an die Autorin und den C.Bertelmann Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar!


 

Donnerstag, 6. März 2025

*Wildhonig* von Jodi Picoult und Jennifer Finney Boylan - erschienen bei C.Bertelsmann

*Werbung, unbezahlt*

Verlags Link 

Erschienen am 30.5.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Olivia McAfee hätte nie gedacht, je wieder in ihre verschlafenen Heimatstadt in New Hampshire zurückzukehren, in das Haus ihrer Kindheit. Doch als ihr Mann, ein brillanter Chirurg, seine dunkle Seite offenbarte, war die Flucht dorthin für sie und ihren Sohn Asher die einzige Wahl. Sie fassen schnell Fuß, Olivia übernimmt den Imkereibetrieb ihres Vaters, und Asher verliebt sich in Lily, die wie er neu an der Schule ist. Lily erwidert seine Liebe, allerdings trägt sie ein Geheimnis mit sich herum, und sie ist sich nicht sicher, ob sie Ash wirklich alles anvertrauen kann. 


Doch dann geschieht das Unvorstellbare: Lily ist tot, und Asher wird von der Polizei verhört. Olivia ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt. Aber in Ash schlummern auch Anteile seines Vaters. Als sich der Verdacht gegen ihn verhärtet, merkt sie, dass er etwas verbirgt ...

Jodi Picoult, geboren 1966 in New York, studierte in Princeton und Harvard. Seit 1992 schrieb sie neunzwanzig Romane, von denen viele auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste standen. Die Autorin versteht es meisterhaft, über ernste Themen unterhaltend zu schreiben. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem renommierten New England Book Award. Jodi Picoult lebt mit ihrem Mann in Hanover, New Hampshire.

Jennifer Finney Boylan schrieb zahlreiche erfolgreiche Romane und Artikel für die New York Times. Sie war Anna Quindlen Writer-in-Residence am Barnard College und von 2022 bis 2023 Fellow an Radcliff Institute for Advances Study der Harvard University. Zudem ist sie eine bekannte Menschenrechtsaktivistin und Kuratorin des PEN America. Mit ihrer Frau Deedie und ihren beiden Kindern lebt sie in New York City und in Belgrade Lakes.


Meine Meinung zum Buch:  

Olivia McAfee kehrt mit ihrem Sohn Asher in ihr Elternhaus in New Hampshire zurück und kümmert sich dort um die Bienen, wie sie es seit ihrer Kindheit gewohnt ist und  immer geliebt hat. Die beiden fliehen aus einer gewalttätigen Familienbeziehung, ausgelöst durch Olivias Ehemann, einen erfolgreichen Chirurgen, den Vater von Asher.  Der junge Asher findet sofort Anschluss in einem Eishockey Team  und verliebt sich in die Schulkameradin Lily. Plötzlich gerät Asher in eine gefährliche Situation. Lily wird tot aufgefunden und Asher wird in diesen Tötungsdelikt verwickelt. Olivia glaubt an die Unschuld ihres Sohnes. Es folgt ein dramatisches Gerichtsverfahren. Auch der Vater von Asher , ein bekannter Chirurg taucht wieder auf. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter diesem Mord an Lily? Diese Ereignisse beschreiben die beiden Autorinnen aus unterschiedlichen Sichtweisen und sehr genau. 

In schöner Regelmässigkeit erschienen in den letzten Jahren, ja gar Jahrzehnten,  die packenden  Romane von Jodi Picoult und ich habe sie meist mit Begeisterung gelesen. Doch diesmal war etwas ein wenig anders bei diesem Buch und ich habe mit Erstaunen wahrgenommen, dass die Autorin diesen Roman in einer Gemeinschaftsarbeit mit Jennifer Finney Boylan erstellt hat. Beide haben diesen Roman gemeinsam während der Pandemie verfasst - jeweils eigene Motive und Gedanken dazu finden sich im Anhang des Buches. Nette Rezepte aus *Olivias Notizbuch* und *Ashers Rechenheft* füllen die letzten Seiten. 

Ich habe mich etwas schwer getan die fünfhundertachtundfünfzig Seiten immer aufmerksam und begeistert zu verfolgen. Es geht um die Imkerei, deren Ausführungen  und Erklärungen  dazu liegt wohl eine sehr sorgfältige Recherche zu Grunde - für mich fast ein wenig zu ausschweifend, wobei ich diese Thematik, vor allem Honig , sehr gerne mag. Das Buch hat zusätzlich einige Längen, die man bewältigen muss. Die Geschichte wird abwechselnd aus Olivias und Lily Sicht geschildert. Ein Geheimnis wird angedeutet und nur Asher wird es durch die enge Freundschaft zu Lily aufklären können. Das folgende Gerichtsverfahren erinnert zuverlässig an viele bekannte Romane der Jodi Picoult, in denen auch jemand angeklagt wurde. Trotzdem schafft sie es immer die Leser*in durch ihre flüssige und nie langweilige Schreibkunst an ihre Bücher zu fesseln. So war es auch in *Wildhonig*. 

Lasst euch in diese Geschichte  hineinziehen - aktuelle Themen wie  die sexuelle Orientierung junger Menschen und Geschlechtsumwandlungen bieten trotz einiger Längen im Buch ein spannendes Leseerlebnis. 

Meine Bewertung : VIER **** Sterne !

Herzlichen Dank an die beiden Autorinnen und den C.Bertelmann Verlag für das Rezensionsexemplar.  



 

Freitag, 7. Februar 2025

*Stadt der Hunde* von Leon de Winter - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Hardcover Leinen

272 Seiten 

erschienen am 22. Januar 2025 

978-3-257-07281-5 

Verlags Link

INHALT/KLAPPENTEXT: Der renommierte niederländische Gehirnchirurg Jaap Hollander ist im Ruhestand, aber Ruhe findet er nicht. Seit seine Tochter zehn Jahre zuvor in Israel verschwunden ist, kehrt er jedes Jahr nach Tel Aviv und in die Wüste Negev zurück. Diesmal wird er dort unversehens gebeten, eine äußerst riskante Gehirnoperation durchzuführen. Er sagt zu, obwohl die Erfolgsaussichten verschwindend gering sind. Nicht nur das Leben seiner mächtigen Patientin hängt von der Operation ab, vielleicht eröffnet sie ihm sogar eine neue Spur zu seiner Tochter.

Leon de Winter, geboren 1954 in ’s-Hertogenbosch als Sohn niederländischer Juden, arbeitet seit 1976 als freier Schriftsteller und Filmemacher und lebt in den Niederlanden. 2002 erhielt er den ›Welt‹-Literaturpreis, 2006 die Buber-Rosenzweig-Medaille für seinen Kampf gegen Antisemitismus, und 2009 wurde er mit dem Literaturpreis der Provinz Brabant für ›Das Recht auf Rückkehr‹ ausgezeichnet. Seine Romane wurden in 20 Sprachen übersetzt, zuletzt erschienen bei Diogenes ›Ein gutes Herz‹ (2013) und ›Geronimo‹ (2016).

Auszeichnungen

 Literaturpreis der Provinz Brabant (›Schrijversprijs der Brabantse Letteren‹) für Das Recht auf Rückkehr, 2009

 Buber-Rosenzweig-Medaille, 2006

 WELT-Literaturpreis für sein Gesamtwerk, 2002

 ›Welt-Literaturpreis‹ für Leon de Winter: »Die Jury ehrt Leon de Winter für seine so komplex wie spannend angelegten Romane, die am Beispiel meist jüdischer Protagonisten hochkomisch und psychologisch einfühlsam vom Getriebensein des modernen Menschen erzählen. Sein Schreiben zeichnet sich durch einen souveränen Wechsel von Nähe und Distanz im Hinblick auf seine Figuren aus, durch ein meisterliches Gespür für pointierte Dialoge, durch die gekonnte Verknüpfung verschiedener Haupt- und Nebenhandlungen, die seine Bücher so komplex wie spannend machen. Er wird für sein Gesamtwerk geehrt.«, 2002

 ›Reina Prinsen Geerlings-Preis‹ für De (ver)wording van de jongere Dürer, 1978

Verfilmungen

 SuperTex, Jan Schütt, 2003

 Der Himmel von Hollywood, Sönke Wortmann, 2001

 Hoffmans Hunger, Leon de Winter, 1993


Meine Meinung zum Buch: 

Jaap ist ein begnadeter Arzt und Wissenschaftler. In der Neurochirurgie weltweit einfach der Beste! Im Privat- und Familienleben läuft es allerdings nicht so gut und glatt  für ihn, den Sohn des Ölhändlers aus Holland.  Seine Emotionen gegenüber Frau und Tochter Lea sind kühl, abgeklärt - er tut sich schwer mit einer warmherzigen und ehrlichen Liebe  und Beziehung zu ihnen. Er begehrt viele attraktive Frauen und sie begehren ihn - den berühmten  Gehirnchirurgen. 

Das Ehepaar verliert die Tochter tragisch und unerwartet in der Wüste Negev in Israel  durch einen Unglücksfall, als Lea mit einem Freund dort auf der Suche nach ihren jüdischen Wurzeln war. Die Ehe zerbricht, Jaap ist nun im Ruhestand. Er reist jedes Jahr nach Tel Aviv  und in die Wüste Negev, in der vagen Hoffnung eine lebende Tochter wiederzufinden. Plötzlich bekommt er trotz Ruhestand die medizinische Anfrage eines arabischen Herrschers . Jaap wird gebeten der Tochter und jungen Prinzessin Noora einen komplizierten Hirntumor zu entfernen. Jaap sagt zu - der israelische Staat ist auch involviert und unter grösster Geheimhaltung beider, eigentlich verfeindeter Staaten,  wird der Eingriff in die Wege geleitet. 

Diese Lektüre hat mich unglaublich gefesselt und ich habe sie fast ohne Pause gelesen. Die anfängliche Beschreibung des Charakters von Jaap hat einen grossen Raum eingenommen und war sehr wichtig zum Verstehen des weiteren Geschehen. Jaap war mir zu Beginn des Romans nicht sympathisch. Seine kühle Denk - und Lebensweise wurde vom Autor klar, ehrlich, nicht wertend dargestellt. Diese Wahrheiten und unausgesprochen Ereignisse sowie die Entwicklung des Romans  so zu beschreiben, dass man vieles klar nur zwischen den Zeilen erlesen kann - ist eine grossartige Schreibkunst. Der Einblick in die Neurochirurgie war spannend und ich habe um das Leben von Noora gebangt - doch dann geschahen so viele dramatische Ereignisse, die ich nicht schildern möchte und kann, um hier nicht zu Spoilern. Geld-Vermögen sowie die politische Situation in nahen Osten zwischen Israel und den arabischen Staaten spielen eine beeindruckende Rolle. Das kann ich andeuten. Aber ist das Fiktion oder Wirklichkeit ? Oder gar beides? Oder trifft es gar nicht zu? Viele neue Fragen sind  mir beim Lesen des Buches in den Sinn gekommen und die Antworten fallen bestimmt für jeden Menschen anders aus.  

Die bunten Einblicke des Autor's in das lebhaft sprudelnde Grossstadtleben von Tel Aviv haben mich begeistert. Die Suche nach der nun doch schmerzhaft vermissten Tochter Lea in Jaap's letztem Lebensabschnitt des Ruhestands  nimmt einen wichtigen und bedeutenden  Raum im Roman ein.  Die aufkommende Freundschaft zwischen Jaap und dem Hund Avi bringt diesen Roman weiter in eine ganz neue , fast spirituelle Dimension.......

Es ist ein fantastisch verfasstes Buch und  ich spreche gerne eine absolute Leseempfehlung mit fünf ***** Sternen aus. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar!   


Samstag, 11. Januar 2025

*Ganz entspannt vegan* Das Jahreszeitenkochbuch von Carina Wohlleben - erschienen im Heyne Verlag

 

*Werbung , unbezahlt*

Verlagslink , erschienen am 11.12.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Wer sich vegan ernährt, achtet häufig auf einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil – dazu gehört auch, saisonal und regional zu kochen. Carina Wohlleben zeigt, wie das mit leckeren Rezepten für jede Jahreszeit gelingt. Dieses Kochbuch versammelt für jede Saison die passenden Hauptgerichte, Salate, Suppen, Desserts und Snacks. Die Rezepte kommen mit einfachen Zutaten aus, und mit den leicht verständlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen gelingen sie garantiert. 


Mit hilfreichen Infos zur Jahreszeitenküche und übersichtlichem Obst- und Gemüse-Saisonkalender. Die perfekte Ergänzung zu Ganz entspannt vegan – Das Kochbuch.

Carina Wohlleben, geboren 1991 in Adenau (Eifel), studierte Geografie sowie Naturschutz und Landschaftsökologie in Bonn und ist seit 2017 Teilhaberin der von ihrem Vater gegründeten Waldakademie. Im Jahr 2021 schloss sie eine Weiterbildung zur veganen Ernährungsberaterin ab und bietet seither neben Ernährungsberatungen auch vegane Kochkurse und Onlinekurse an. Ihre Erfahrungen und Rezepte teilt sie mit einer wachsenden Zahl an Followern auf Instagram (@vegan.wohl.leben), zudem ist sie Mitgründerin der veganen Onlineplattform Herbivora. Carina Wohlleben lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Sauerland.


Meine Meinung zum Buch: 

Nach dem Motto *So geht das* meines kleinen Enkel konnte ich ganz entspannt und freudig das neue vegane Kochbuch von Carina Wohlleben aufschlagen, lesen und schon einige Rezepte ausprobieren.  Passend zum *Januar der neuen Vorsätze* hat sie für die kommenden  vier Jahreszeiten insgesamt achtzig Rezepte aufgeführt, jeweils zwanzig Gerichte für jede Jahreszeit. Es werden vegane Suppen,Salate, Dips, Hauptgerichte, Kuchen und Desserts empfohlen.  


Alle  Rezepte sind schnörkellos und sehr gut beschrieben, innerhalb der  jeweiligen vier Jahreszeiten aufgeführt. Die Zutaten können frisch in fast jedem Supermarkt , besser vielleicht noch von regionalen Anbietern auf einem Markt erworben werden. Die Koch- und/oder Backvorgänge werden genauestens beschrieben, regen zum Nachmachen an und bestechen durch schöne Abbildungen. Ein Pürierstab oder ein Mixer werden öfter gebraucht, aber sie werden in jeder gut ausgestatteten Küche sicher vorhanden sein. Angenehm empfand ich,  dass es für jedes Gericht  genaue Nährwertangaben gab zur Orientierung. Der Eiweissgehalt war für mich interessant, da ich ja bei diesen Gerichten auf Fleisch verzichte. Hülsenfrüchte spielen eine grosse Rolle als Ersatz. 

Ich habe zum Beispiel  gern die Champignon-Maronen-Suppe  nachgekocht und war begeistert. Für die nächstfolgenden Monate werde ich mir jetzt aus den Winterseiten immer wieder Rezepte heraussuchen.  


Vielen Dank  liebe Carina Wohlleben für diese schönen Anregungen zum veganen Kochalltag. 


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 


Herzlichen Dank auch an den Heyne Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 




 




Dienstag, 7. Januar 2025

*Das Herzflorett* von Marica Bodrožić - erschienen im Luchterhand Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 11.9.24

Inhalt/Klappentext:

Pepsi liebt das Leben und den flimmernden Schlaf des Sommers. Ihre Eltern arbeiten in Hessen und tauchen nur in den Sommerferien auf dem einsamen Hof des Großvaters in Dalmatien auf. Zeitweise kommt sie auch bei anderen Verwandten unter, doch wo immer sie ist, bleibt sie fremd. Nur in der Natur fühlt sie sich aufgehoben, verbringt, fasziniert von der Sprache der Vögel am Himmel, ihre Tage barfuß im Gras. Als die Eltern sie zu ihren Geschwistern in die Einzimmerwohnung in einem Dorf im Taunus holen, will Pepsi sofort wieder weg. Die vom Putzen rissigen Hände der Mutter sind zu keiner Zärtlichkeit fähig. Der Vater beginnt seine Tage mit Schnaps. Das neue Leben hält aber zugleich Dinge bereit, zu denen das Mädchen sich wie magnetisch hingezogen fühlt. Die Welt der Bücher und Buchstaben, die deutsche Sprache, in die sie sich so plötzlich und heftig verliebt wie später in Aleksandar. Doch als sie Abitur machen und studieren will, wird ihr das verboten, weil sie kein Junge ist. Es ist wie ein Stich ins Herz, ein Abschied - und zugleich ein Neubeginn.

Marica Bodrožić wurde 1973 in Dalmatien geboren. 1983 siedelte sie nach Hessen über. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays, die in über sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Für ihr bisheriges Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis, dem Manès-Sperber-Literaturpreis für ihr Gesamtwerk sowie dem Irmtraud-Morgner-Preis. Marica Bodrožić lebt mit ihrer Familie als freie Schriftstellerin in Berlin und in einem kleinen Dorf in Mecklenburg.

Meine Meinung zum Buch:
Pepsi ist ein träumerisches, glückliches Sonnenkind, geboren im warmen mediterranen Klima des ehemaligen Jugoslawien. Behütet wächst sie auf dem Bauernhof des Grossvaters in Dalmatien auf und geniesst ein ursprüngliches und einfaches  Leben mit und in der Natur. Ihre Eltern sind als Gastarbeiter nach Hessen ausgereist und sehen Pepsi und ihre Geschwister nur noch an wenigen Urlaubstagen. Pepsi zerreißt es vor Sehnsucht nach den Eltern das Herz und sie bittet darum auch in Deutschland leben zu dürfen. Die Eltern holen sie und ihre beiden Geschwister in ihre kleine Wohnung in ein hessisches Fachwerkhaus. 

Der Roman trägt mit Sicherheit sehr viele autobiografische Züge und besticht durch seine Ehrlichkeit und Beschreibung einer inneren, sicheren Welt, die Pepsi bei allen äusseren Problemen in Deutschland und mit der Familie stützt und hilft. Pepsi ist fasziniert von der Welt der Buchstaben, erobert sich durch die Lektüre eines Lexika die unbekannte Aussenwelt. Sie hat kaum freie Zeit dazu, denn sie muss viele Dinge für die Eltern verrichten. Der überarbeiteten und überforderten Mutter ständig im Haushalt helfen, dem alkoholkranken Vater die Pizza besorgen, die er ohne Rücksicht auf die Kinder alleine verspeist. Das ist nur ein Beispiel für das lieblose, egoistische Handeln der Eltern, deren wichtigstes Erziehungsziel für ihre Kinder absoluter Gehorsam heisst. *Geld verdienen* ist eine strenge und lebensnotwendige Pflicht und zerbricht die Charaktere der Eltern sowie den Familienfrieden.  Strafen für Ungehorsam gibt es oft, zum Beispiel das Knien auf harten Reiskörnern, die wie Nadeln die Kinderkörper quälen.  Pepsi zieht sich innerlich zurück, leidet mit ihrer kleinen Schwester Herzmandel, die sich gegen die herzlose Gewalt und Bedrohung nicht zur Wehr setzen kann. Der stille Bruder wird immer bevorzugt im Familienleben - weil er ein Junge ist.  Doch Pepsi ist stark, sie schafft es sich dem Einfluss der Eltern zu widersetzen. 

Der sehr eigenwillige und blumige Schreibstil der Autorin hat mich sofort beeindruckt durch die  langen und verbindenden Ausführungen der Gedanken des kleinen Mädchen Pepsi. Es war sicher nicht einfach im Rückblick einer erwachsenen Frau auf das Erlebte aus der Sicht eines Kindes zu schreiben und zu schauen. Das wurde eindringlich und ergreifend geschildert. Beharrlich verfolgt das Kind, die junge Frau  seinen/ihren Weg und geht ihn selbstbewusst und zielgerichtet.  

Wir begleiten Pepsi in einem Zeitraum von ca. 1990-2001 und erleben durch die Erzählkunst der Autorin auch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte über die Nuklear Katastrophe von Tschernobyl, den Jugoslawienkrieg und den Wegfall des sogenannten * Eisernen Vorhangs* . 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aussergewöhnliche Lektüre. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Luchterhand Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar!



 

Donnerstag, 5. Dezember 2024

*Christmas Cake und Glitzerschnee* von Ursi Breidenbach - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 18.9.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Mitte Dezember wird Jenny für ein wichtiges Forschungsprojekt nach Edinburgh geschickt. Die Dreiunddreißigjährige, die sich noch nie viel aus Weihnachten gemacht hat, ist absolut überfordert vom festlichen Trubel. Überall Weihnachtsmusik, Mistelzweige und Menschenmassen - Jenny fährt in den beschaulichen Stadtteil Morningside, in dem ihre Großmutter wohnt, die sie noch nie zuvor getroffen hat. Zögerlich steht sie vor dem geschmückten Haus, als sich die Tür öffnet und ihre Großmutter sie gerührt in die Arme schließt. Bei ihr trifft Jenny auch auf den kreativen Bühnenbildner Callum, einen waschechten Schotten. Er ist so weihnachtsverliebt, dass er es nicht verstehen kann, warum Jenny die schönste Zeit im Jahr ablehnt. Wird er es schaffen, Jenny rechtzeitig zum Fest mit Weihnachtsstimmung zu verzaubern? Christmas Cake, glitzernde Lichter und magische Wintererlebnisse … wer könnte da widerstehen?

Ursi Breidenbach studierte Kunstgeschichte und Kulturmanagement in Wien. Nach Stationen im Ausstellungs- und Museumswesen in Österreich und Bayern sowie einer kunstjournalistischen Tätigkeit arbeitet sie seit 2009 als freie Autorin. 2023 wurde sie mit dem DELIA-Literaturpreis ausgezeichnet. Sie lebt in der Steiermark/Österreich. Neben ihren gefühlvollen Romanen schreibt Ursi Breidenbach erfolgreich Sachbücher. Zusammen mit Heike Abidi veröffentlichte sie den Bestseller »Eine wahre Freundin ist wie ein BH«. Zuletzt erschienen von den beiden Autorinnen »Geschwister sind wie Gummibärchen« und »Großeltern sind wie Eltern, nur mit Zuckerguss«.

Mein Leseeindruck zum Buch:
 Jetzt in der schönen Adventszeit habe ich diesen heimeligen Liebes-Roman in einigen gemütlichen Lesestunden genossen und berichte hier gern über dieses Leseerlebnis. 

Jenny, eine junge Münchner Wissenschaftlerin wird in der Vorweihnachtszeit von ihrem Institut  nach Edinburgh/Schottland  geschickt, um sich dort weiterzubilden. Sie mag Weihnachten und Advent nicht besonders und hat keine Probleme mit der Durchführung einer anstrengenden Reise in dieser Zeit. Die  nette Nachbarin Christine hat ihr eine Edinburgher Adresse überraschend in ihren Sachen zugesteckt  mit der Adresse ihrer Grossmuter väterlicherseits. Ihr Vater lehnt seit Jugendzeiten jeden Kontakt zu seiner Mutter ab und hat auch seiner Tochter Jenny diese Kontaktadresse vorenthalten. Jenny ist überrascht, neugierig, sucht das Haus im Stadtteil Morningside auf. Dort trifft sie auf die Grossmutter Ingrid , die dort mit ihrem schottischen zweiten Ehemann John und seiner Familie lebt. Das Kennenlernen entwickelt sich positiv, Jenny sieht Grossmama Ingrid sehr ähnlich, fast wie aus dem Gesicht geschnitten. Die achtzigjährige Ingrid nimmt Jenny mit offenen Armen auf und ist begeistert und entzückt von ihrer jungen Enkelin Jenny.  Nun entwickelt sich eine reizende Liebesgeschichte zwischen Jenny und dem jungen, rothaarigen, schottischem  Enkel Callum von John. 

Das Buch ist ein warmherziger und berührender Wohlfühlroman, mit dem  man dank der sympathischen und reizenden Schilderung des Lebens in einer schottischen Grossfamilie sofort warm wird. Schottische Weihnachtsbräuche und das Alltagsleben in Edinburgh  werden von der Autorin sehr genau und liebevoll beschrieben. Das Buch liest sich angenehm und flüssig. Man fliegt durch die Seiten und verliebt sich in die markanten und liebenswürdigen Protagonist*innen. Ein schönes Rezept für * Ingrid's heisse Schokolade* rundet den Schluss gelungen ab. 

Die Autorin hat dieses Buch auch ihrer eigenen Mutter gewidmet, die sie immer liebevoll zum Schreiben ermutigt hat. Deren Liebe , Wärme und Zuneigung hat die Autorin perfekt mit in diesen schönen Liebes-Roman transportiert. Danke dafür ! 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne im Genre Liebesroman !

Herzlichen Dank an die Autorin und die Penguin Random House Verlagsgruppe für dieses stimmungsvolle Rezensionsexemplar.