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Mittwoch, 2. April 2025

*Hier Draussen* von Martina Behm - erschienen im dtv-verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Verlags Link

Erschienen am 13.3.25

INHALT/KLAPPENTEXT: In Fehrdorf scheinen alle zu wissen, wo sie hingehören. Nur Ingo und Lara, die mit den Kindern von der Großstadt aufs holsteinische Dorf gezogen sind, haben Schwierigkeiten. Vor allem Ingo strapaziert die Pendelei zu seinem Start-Up nach Hamburg. Als er eines Abends eine weiße Hirschkuh anfährt, bringt das die gesamte Dorfgemeinschaft aus dem Gleichgewicht. Denn wer so eine tötet, heißt es, hat nur noch ein Jahr zu leben. Und plötzlich fragen sich auch der Dorfjäger, die Vorzeige-Landfrau und die Überbleibsel einer Öko-WG, ob sie das Landleben wirklich glücklich macht.

Martina Behm ist ausgebildete Journalistin, hat Volkswirtschaftslehre in Konstanz und Oxford studiert und lebt nach Stationen in Santiago de Chile und Hamburg wieder dort, wo ihre Wurzeln sind: in Schleswig-Holstein. Sie ist international als Strickdesignerin bekannt und Mutter zweier Teenager. ›Hier draußen‹ ist Martina Behms erster Roman.

Meine Meinung zum Buch:

Fehrdorf - ein fiktives Dorf, welches überall in Norddeutschland liegen könnte. Und doch ist dieser Ort absolut real bei mir im Kopf angekommen. Ich kenne ihn genau - aus Besuchen, Gesprächen mit Dorfbewohnern, persönlichen Verwandten, Beobachtungen der Natur, dem Verhalten und Denken seiner (meist) liebenswerten Einwohner. Ich bin gerne dort - im Urlaub - möchte aber irgendwann wieder abreisen in mein städtisches Lebensumfeld. Weg von unausgesprochenen Zwängen und Problemen, den dunklen Seiten eines anscheinend heilen Dorflebens, dem dort immer noch grasierenden Aberglauben, den Heimlichkeiten, den bösartigen Gerüchten und Nachreden. 

Die Autorin hat einen authentischen Roman geschrieben, den Leuten sozusagen  *aufs Maul geschaut* in ehrlicher und glaubhafter Recherche. Die Stimmen der Protagonisten hallen mit ihrer Ausdrucksweise immer noch in meinem Kopf wieder - es klingt fast so, als ob sie mit mir im Dialog sprechen würden. Viele Dorfbewohner sind mir ans Herz gewachsen, die junge Familie aus der Stadt mit ihren romantischen Vorstellungen von Lebenshilfe - die auch teilweise erfüllt werden. * Eine Hand wäscht eben die andere* . Man hilft sich im Notfall, steht zusammen für die Allgemeinheit, beim Helfen auf den Höfen bei Krankheit und Tod, beim Ausrichten von Festen für Kinder und die alten Dorfbewohner*innen. Da ist der gutmütige und stille, ledige Bauer Uwe Hennemann, der eine Freundschaft mit dem geschäftigen und gestresstem Städter und Start Up Unternehmer Ingo aufbaut, welcher die meditativen Ruhepausen mit Uwe auf dem Hochstand dringend braucht und geniessen lernt. Beide verbindet ein einschneidendes Erlebnis mit einer weissen Hirschkuh. Doch traurige Lebens-Schicksale und Ehen gibt es auch im Dorf. Thove leidet unter dem grobschlächtigen Bauern Enno, der sie einfach nicht wahrnimmt als Mensch,Ehefrau und Mutter seiner Kinder.

Das sind nur einige Charakter-Beispiele.  Der Roman ist sehr reich ausgestattet mit Lebensweisheit und Verständnis für alle Facetten unseres *Menschsein*. 

Diese vielen unterschiedlichen Charaktere hat die Autorin wunderbar und stilsicher ausgearbeitet und man fiebert und leidet mit ihnen, freut sich und empfindet Glücksgefühle bei kleinen gelungenen Lebensszenen. 

Ich gebe sehr gerne eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen und bedanke mich herzlich bei der Autorin und dem dtv-verlag für dieses bereichernde Leseerlebnis.           


Montag, 20. November 2023

*Herbstleuchten in den Highlands* von Christine Bode - erschienen im Penguin Verlag


 *Werbung, unbezahlt* 
ORIGINALAUSGABE
Taschenbuch, Broschur, 400 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-328-10732-3
Erschienen am  13. September 2023

HIGHLAND LOVE REIHE, BAND 2




INHALT/KLAPPENTEXT: Eine leuchtende Herbstlandschaft. Ein malerisches Schloss in den Highlands. Und eine beinahe vergessene Liebe, die neu erwacht.
Betty ist eine passionierte Konditorin und genießt ihr ruhiges Leben mitten in den schottischen Highlands. Nur die Liebe fehlt zu ihrem Glück. Als sie von ihrer Freundin Claire zu einem Backwettbewerb angemeldet wird, weigert sich Betty zunächst teilzunehmen. Doch als sie hört, dass das Finale in Hallion Castle ausgetragen wird, dem Schloss ihrer heimlichen Jugendliebe, wird sie neugierig. Als sie Richard nach all der Zeit wiederbegegnet, spürt sie sofort die alte Vertrautheit. Während des Wochenendes, umgeben von der romantischen Landschaft der Highlands, entsteht eine zarte Liebe zwischen den beiden. Doch dann erfährt Betty etwas, was ihr Bild von Richard ins Wanken bringt …


Christine Bode, geboren 1967, verliebte sich sofort in Schottland, als sie während eines längeren Aufenthalts auf den Britischen Inseln das Land in einem alten klapprigen Auto bereiste. Neben der wundervollen Landschaft, die nicht nur von Regen, sondern auch von Historie durchtränkt ist, sind es vor allem die unkomplizierten, liebenswerten Menschen, die Schottland für sie so einzigartig machen. Heute lebt sie mit ihrem Lebensgefährten und drei Katern in Berlin.

Mein Leseeindruck: Das hübsche Cover des TB hat meine Erwartungen an diesen zweiten Roman der *HIGHLAND LOVE* Reihe voll erfüllt. Angenehme und unbeschwerte Lesestunden haben mich aufgeheitert und auf eine zweite Reise in das kleine Dorf Glenbarry geschickt. Bekannte Dorfbewohner*innen aus dem 1. Band  *Wo unsere Herzen sich finden* wie der Tischlermeister Eric, seine Freundin Claire und der Pubbesitzer Fred finden sich im Freundeskreis der schüchternen, bescheidenen und sympathischen Konditorin Betty (Elizabeth Cleary) wieder zusammen. 

Der ca. vierhundertseitige Roman liest sich schnell und unbeschwert, leicht verständlich , auch ohne dass man den ersten Band kennen muss. Die Autorin schreibt flüssig und entführt stimmig in die herrliche Natur der schottischen Highlands, die zu jeder Jahreszeit eine andere, aber immer besondere Ausstrahlung haben. 

Betty hat als junges 16 jähriges Mädchen zufällig Richard,  den Earl of Hallion Castle  auf seinem Stammsitz kennengelernt und sich Hals über Kopf in den jungen Mann verliebt. Er ist der Spross einer alten englischen Familie, die seit dreihundert Jahren  auf dem Schloss ansässig ist, allerdings von den eigensinnigen  schottischen Highlandern nicht wirklich anerkannt wird. 
Zwanzig Jahre träumt sie anschließend von diesem romantischen Gefühl der ersten jungen Liebe, führt zufrieden ihre kleine Konditorei in Glenbarry und scheut sich eine andere Liebesbeziehung einzugehen. Richard erging es ähnlich, aber er hat sich durch eine unbedachte Heirat ablenken und trösten lassen. Durch einen witzigen Backwettbewerb, der auf Hallion Castle durchgeführt, auch dort vom TV begleitet wird , kommt es zu ungeahnten Verwicklungen und Situationen, die auch Betty und Richard betreffen. Es kommt zu einer Annäherung der beiden und das Schicksal  ihrer alten, neuen Liebe nimmt seinen Lauf ;-) !

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für diesen sympathischen Roman aus dem Genre Liebe. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar. 


Mittwoch, 8. Februar 2023

*60° Nord* von Mallachy Tallack - erschienen im btb -Verlag

 

*Rezensionsexemplar, unbezahlte Werbung*

Verlagslink

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Übersetzt von Klaus Berr

Originaltitel: 60 Degrees North. Around the World in Search of Home

Originalverlag: Polygon, Imprint von Birlinn Ltd.

Paperback , Klappenbroschur, 288 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

Bei den Abbildungen handelt es sich um Illustrationen

ISBN: 978-3-442-71917-4

Erschienen am  14. Dezember 2022

INHALT/KLAPPENTEXT: Malachy Tallack begibt sich auf eine Reise entlang des 60. nördlichen Breitengrades, einmal rund um die Welt, und er beginnt und endet in Shetland, wo er den Großteil seines Lebens verbracht hat.

Das Buch erzählt von den Landschaften – in Grönland, Alaska, Sibirien, Finnland - und den Menschen dort, ihrer Geschichte und der wechselseitigen Prägung durch Mensch und Natur. Es ist jedoch auch eine intime Reise: Malachy Tallack hat den Verlust seines Vaters zu betrauern, und er hadert mit seiner Heimat. Durch die Auseinandersetzung mit den Themen Wildnis und Gemeinschaft, Isolation und Dialog, Exil und Gedächtnis, durch seinen klaren, kritischen Blick und die offene Selbsterforschung wird der Reisebericht des schottischen Autors zu einem anschaulichen, spannenden und sehr persönlichen Memoir.

Malachy Tallack ist Schriftsteller, Singer-Songwriter und Journalist. 2014 gewann er den New Writers Award des Scottish Book Trust und 2015 die Robert Louis Stevenson Fellowship. Mit seinem ersten Buch »60º Nord« kam er auf die Shortlist des Saltire First Book Award, das zweite, »Von Inseln, die keiner je fand«, wurde 2016 bei der Verleihung der Edward Stanford Travel Writing Awards als Illustrated Travel Book of the Year ausgezeichnet. Beide Bücher beschäftigen sich mit Nature Writing, Geschichte und Memoir. Sein Debütroman »Das Tal in der Mitte der Welt« kam 2018 auf die Shortlist des Highland Book Prize und wurde für den Royal Society of Literature Ondaatje Prize nominiert. Malachy Tallack ist in Shetland aufgewachsen und lebt zurzeit in Stirlingshire.

Mein Leseeindruck: Einen Reisebericht der ganz besonderen Art hat Mallachy Tallack mit diesem Buch den Leser*innen dieses Genre geschenkt. Er hat sich auf eine Weltreise begeben - immer entlang auf dem 60. Breitengrad unserer Erde, an Kontinenten, Städten und Landschaften vorbei verlaufend. Diese Idee an sich hat mich schon begeistert und beim Lesen wurde ich total fasziniert von dieser Reise in den *Norden*. 

Der 60. Breitengrad zieht sich durch Tallacks Heimatinsel Shetland, aber auch durch Grönland, Kanada, Alaska, Sibirien, Finnland, Åland, Schweden und Norwegen.

Der ruhige Schreibstil  des Schriftstellers , oft sachlich gehalten , immer mit persönlichen Eindrücken bildhaft ausgeschmückt, gefiel mir ausnehmend gut.  Seine fast poetischen Gedanken und Eindrücke,  sind ehrlich, unvergleichlich und absolut beeindruckend und fesselnd. Er setzt sich mit dem Begriff * Heimat* auseinander , versucht objektiv zu erklären, vermittelt aber dennoch durch seine autobiografischen Zeilen ein intimes Bild auch zu seiner Person, den  negativen Verlusten und  positiven Emotionen seines Lebens.  

Mallachy Tallack schafft es in seinem grossartigen Buch eine Verbindung der Landschaften, Kontinente und letztendlich zu den dort lebenden Menschen lebendig darzustellen. Durch diese Schilderungen lernt man unglaublich viel über Land und Leute sowie über aktuelle Klimaveränderungen, ohne einen Fuss aus seiner persönlichen Komfortzone zu setzen. Eine gelungene Abenteuerreise auf dem Sofa,,,,,,

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne , eine absolut lehrreiche Reise.   





Sonntag, 31. Oktober 2021

*Das Dorf und der Tod* von Christiane Tramitz - erschienen im Ludwig Verlag

 

*Werbung unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Paperback , Klappenbroschur, 288 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

ISBN: 978-3-453-28124-0

Erschienen am  13. September 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Eine furchtbare Entscheidung, die hundert Jahre zurückliegt. Eine ausgelöschte Familie. Und ein Dorf, das bis heute schweigt.

1995, ein idyllisches Dorf in Oberbayern. Kurz vor Weihnachten geschieht dort ein bestialischer Mehrfachmord. Drei Menschen sterben, der Täter begeht Suizid, die Polizei kommt zu dem Schluss, dass „Hass“ das Mordmotiv gewesen ist, und stellt die Ermittlungen ein. Doch woher kommt dieser unbändige Hass? 

Christiane Tramitz, selbst in diesem Ort aufgewachsen, macht sich auf die Suche und stößt auf furchtbare Ereignisse, die über hundert Jahre zurückliegen: Alles begann mit einer jungen Frau, einer unglücklichen Liebe und einer tragischen Entscheidung, die sich über zwei Generationen hinweg auswirkte und in die ebenso grauenhafte wie verzweifelte Tat mündete. Basierend auf dieser wahren Geschichte und ihren eigenen Recherchen hat die Bestsellerautorin einen True-Crime-Roman geschrieben, der den alten Fall neu aufrollt – abgründig, erschütternd und packend.

Christiane Tramitz wuchs in Oberbayern in einem kleinen Dorf auf, zeitweise auch in den rauen Ötztaler Alpen. Zudem sammelte sie während ihrer Berliner Zeit ausreichend Großstadterfahrung. Ihre Leidenschaft gilt dem Reisen, den Menschen und, seit über 30 Jahren, dem Schreiben. Nachdem die promovierte Verhaltensforscherin zahlreiche Sachbücher über menschliches Verhalten verfasst hatte, wandte sie sich vermehrt dem Genre True Crime bzw. Tatsachenroman zu. Neben den Erfolgstiteln »Irren ist männlich« und »Unter Glatzen« verfasste sie auch den Spiegelbestseller »Harte Tage, gute Jahre«. Für ihre Veröffentlichung über Straßenkinder erhielt sie den Karl-Buchrucker-Förderpreis. Die Autorin hat zwei Kinder und lebt in Oberbayern.

Mein Leseeindruck:  Auch hinter der scheinbar heilen Idylle eines Dorfes, in einer wunderbaren Landschaft, lauern oft die Grausamkeit , das Verbrechen, die Unmenschlichkeit! So geschehen nach einer wahren Begebenheit. Intelligent und offen aufgegriffen von der Autorin Christiane Tramitz.  Der Lesesog ist magisch und fesselnd, da ihr Schreibstil ein wenig der bayrischen Mundart angeglichen ist. Aber doch lesbar, packend und verständlich für jede*n Leser*in. 

Sie beschreibt die Atmosphäre eines  kleinen, hübschen Dorfes in Oberbayern sowie die Beziehungen  seiner Bewohner zueinander während eines Zeitraums von ca. einhundert Jahren. Neben den Genres Kriminalroman, Heimatroman hat sie damit auch ein Stück Zeitgeschichte des 20. Jahrhundert aufgeblättert. Die Armut nach dem 1. Weltkrieg,  der aufkommende Faschismus in der NS - Zeit unter den *kleinen Leuten* im dörflichen Leben  bekommen einen wichtigen Raum im Buch. Und doch geht sie in ihrem Roman zu Beginn sehr auf die  Liebes - Beziehungen der Protagonisten Vroni Zinsmayer und des Lenz Binder ein. Mit ihrer unglücklichen Liebe zueinander beginnen alle  Beziehungs-Verwicklungen und die darauf folgenden unglücklichen Ereignisse im Dorf. Die Zeiten ändern sich im Verlauf des Buches. Nur die Charaktere der Menschen nicht. Sie werden mit ihren negativen und positiven Eigenschaften im Roman der jeweiligen Zeitströmung angepasst. Psychologisch scharf und genau von der Autorin gezeichnet.  


 Alois Trachsler, der alte Kräutermann  beobachtet und sinniert darüber, spielt eine unheimliche Rolle im Dorf, wird von allen bewundert, akzeptiert und doch für verrückt gehalten. Sein plötzliches Verschwinden in der NS-Zeit klagt offen an. 

Mich hat dieses Buch beeindruckt, da es das Grauen und die Unmenschlichkeit unter der heilen Oberfläche des Lebens anprangert. Nicht nur auf dem Dorf. Offen einsehbar, für jeden aufmerksamen  Leser*in fassbar und erschütternd. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen True Crime Roman.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!


Dienstag, 5. Oktober 2021

*Wenn ich wiederkomme* von Marco Balzano - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

320 Seiten 

erschienen am 29. September 2021 


Inhalt / Klappentext: Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern – die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Als ihrem heranwachsenden Sohn etwas zustößt, muss sie eine Entscheidung treffen.

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello, mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Auszeichnungen
 ›Prix Méditerranée étranger‹ für Je reste ici (Resto qui), 2019
 ›Premio Bagutta‹ für Resto qui, 2019
 2. Platz des ›Premio Strega‹ für Resto qui, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix Femina‹, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix du roman FNAC‹, 2018
 ›Premio Asti d’Appello‹ für Resto qui, 2018
 ›

Mein Leseeindruck: Habt ihr schon einmal von dem Begriff  *Italienkrankheit* gehört?

Nach der Lektüre oben genannten Buches vom Bestsellerautor Marco Balzano hat sich dieser Ausdruck in meinem Kopf festgesetzt und ich versuche ihn zu erklären. Der Autor schreibt in seinem Buch über Menschen aus Osteuropa,  die aus finanziellen Zwängen ihre Heimat verlassen, um ihre Familie durchzubringen. Hier ist es die Familie Matei aus einem kleinen Ort in Rumänien. Die Mutter Daniela, liebevoll  von den Kindern Angelica und Manuel Moma genannt , verlässt die Familie um in Italien als Pflegende von alten Menschen , Kranken und/oder Familien mit Kindern, Geld zu verdienen. Sie macht es heimlich, um der eigenen Familie den Abschiedschmerz zu ersparen. Doch was sie mit ihrer oft jahrelangen Abwesenheit und schleichenden Entwurzelung der eigenen Familie antut, beschreibt der Autor in dramatischen Worten und den folgenden Geschehnissen jedes einzeln Familienmitgliedes.  Daniela leidet wie viele ihrer rumänischen Freundinnen während ihrer Abwesenheit unter Depressionen, Burn Out und Schuldgefühlen. Die eigene Familie leidet ebenso - sie können alle kaum noch aufeinander eingehen. Doch was passiert wenn eigene Kinder die Mutter dringender brauchen als je zuvor? Sei es durch einen Unfall oder/und durch eine Krankheit verursacht? 

Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen, übt einen fesselnden emotionalen  Sog auf den Leser*in aus und öffnet die Augen zusätzlich auch für das Leid der zu pflegenden alten Bevölkerung und Familien der reichen Länder in Westeuropa, die es nicht schaffen für ihre eigenen Angehörigen zu sorgen. Das Buch zeigt auch scharf die Unterschiede in den Familienstrukturen zwischen Ost - und Westeuropa auf. 
 
Manuel, Angelica und Daniela erzählen jeweils in der Ich-Form in drei Teilen von ihrem Empfinden, ihren Wünschen, Hoffnungen, Verletzungen und Wunden, die dem jahrelangen , zeitlichem Auseinander Reißen der Familie geschuldet sind. Sie leben sich auseinander, haben sich trotz täglicher Videotelefonie nicht mehr viel zu sagen. Es fehlt das reale Zusammenleben und auch die Ehrlichkeit zueinander. Die Mutter versucht ihre Abwesenheit mit vielen zusätzlichen Geschenken zu verschleiern, erzählt gleichzeitig nicht, dass sie auf viele Annehmlichkeiten eines normalen Lebens verzichtet, um dieses ihren Kindern zu ermöglichen. Der Vater Filip verlässt ebenso die Familie um als Kraftfahrer im Ausland Geld zu verdienen. Die Jugendlichen sind auf sich allein gestellt. Ihr Freundeskreis verkleinert sich, das Dorf wird durch den immensen Wegzug der Bewohner nach Westeuropa entvölkert.  Nur die alten eigenen Grosseltern bieten noch Halt und Trost im Dorf.......

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen hervorragenden Roman!

Vielen Dank an den Autor und den Verlag für die Zusendung des im typischen Diogenes Stil gestaltete Cover zugesandte Rezensionsexemplar. 



Donnerstag, 3. September 2020

*ELBWÄRTS* von Thilo Krause, erschienen im Hanser Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erscheinungsdatum: 17.08.2020
208 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-26755-8

Inhalt/Klappentext: Ein junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft, aber auch mit einer neuen Fremdheit. Der Erzähler erinnert sich: an den Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern sein Bein verlor. An den öffentlichen Tadel in der Schule beim sozialistischen Fahnenappell. Thilo Krauses erster Roman erzählt vom Versuch der Heimkehr in ein fremdgewordenes Land. Es gibt nicht nur Apfelbäume und Elbwiesen, es gibt auch das Sommercamp der Neonazis, und am Misstrauen des Dorfes droht auch das Paar zu scheitern. Ein intensiver Roman über unser Land und unsere Zeit.

Thilo Krause, geboren 1977 in Dresden, lebt und arbeitet in Zürich. Seit 2005 veröffentlicht er literarische Texte in Zeitschriften (u.a. Akzente, Sinn und Form), Zeitungen (u.a. Die Zeit, Zürcher Tagesanzeiger) und Anthologien. Für seine Gedichte wurde Thilo Krause 2012 mit dem Schweizer Literaturpreis und 2016 mit dem Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg sowie dem ZKB Schillerpreis ausgezeichnet. Bei Hanser erschien 2018 sein Gedichtband Was wir reden, wenn es gewittert, für den er den Peter Huchel-Preis erhielt. 2020 erscheint sein neuer Roman Elbwärts, der mit dem Robert Walser Preis ausgezeichnet wurde.

Meine Meinung: Heimweh, Fernweh, Sehnsucht sind Begriffe , die ich mit dem neuen Roman von Thilo Krause verbinde. Der Autor erzählt poetisch als Ich-Erzähler, in wunderschönen lyrischen Satzfragmenten von seiner Suche nach sich selbst, der vergangenen Kindheit, den Beziehungen zu Freunden und der engsten Familie, die aus seiner Kleinen, einer vierjährigen Tochter und seiner Ehefrau Christina besteht. Er beschreibt diese Erlebnisse bewegend und das Herz berührend und man mutmasst als Leser, daß diesem Roman vielleicht  autobiografische Züge des Autors zu Grunde liegen. Das beeindruckende Elbsandsteingebirge, die Heimat aller Protagonisten, spielt mit seinen Riffen eine tragende Rolle in der Erzählung. Man spürt die Wärme der sandigen Felsen fast an den eigenen Füssen, wenn der Ich-Erzähler als Kind  und später als junger Vater und Ehemann barfuss durch diese geheimnisvolle und bezaubernde Landschaft streift und sich sehnsüchtig an seine Kindheit erinnert.  Seine romantischen Vorstellungen, durch den Umzug in ein kleines , im ersten Moment anheimelndes Dorf, seiner Wiederkehr *nach Hause* und zu den Apfelbäumen und dem endlosen Himmel zurückzufinden, erfüllen sich leider nicht. Seine geliebten Riffs wurden in der Zwischenzeit von Neo-Nazitreffen und deren Schmierereien am Fels besudelt und verschmutzt. Dieser Aspekt, der am Ende des Buches eine wichtige und zentrale Rolle im Geschehen einnimmt , hat mich besonders erschreckt und verstört.  

Aber unser Ich-Erzähler findet neue und alte Freunde wieder. Da ist sein Kinder- und Jugendfreund Vito, mit dem ihn ein tragisches Kletterunglück verbindet und sein liebenswerter tschechischer Freund Jan, den er oft bei dessen Touristenführungen begleitet in  *die Stadt-die keine ist*.  Beide Männer spielen eine wichtige Rolle in seinem Leben, führen den Träumer sanft zurück in die reale Welt und vor allem zu seiner kleinen Familie. Aber dieses reale Dorfumfeld erscheint nicht mehr liebevoll als Heimat, sondern zeigt sich feindlich in der schweigenden Ablehnung der Dorfbevölkerung gegenüber der neu zugezogenen jungen Familie und deren Freunden. Dann übernimmt der Fluss, die Elbe in der Geschichte des Buches die Hauptrolle und bringt alle in einen beängstigenden Gemütszustand der existentiellen Bedrohung,,,,,

Meine Bewertung für dieses Buch: Absolut lesenswert mit Fünf ***** Sternen! 

Herzlichen Dank an den Autor und den Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar!