*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar* https://www.kiwi-verlag.de/buch/martina-bogdahn-mirabellentage-9783462013542
Meine Meinung zum Buch:
Ein unbeschwertes Dorfleben, irgendwo im fränkischen Bayern am Brombachstausee gelegen: Die Autorin zeichnet ein buntes Bild einer heilen Welt. Blühende Obst- und Gemüsegärten, der Duft von frisch gebackenem Brot sowie fleißige, ehrliche und gottesfürchtige Menschen spielen in dieser stimmigen, wenn auch etwas weltfremd dargestellten Gemeinde die tragende Rolle.
Inmitten dieser behüteten Gemeinschaft steht als moralische Instanz der Pfarrer Josef Heubeck zusammen mit seiner Haushälterin Anna Nass, die er seit Kindertagen kennt und schätzt. Anna ist die gute Seele der Gemeinde: Sie sorgt für den Pfarrer und organisiert unermüdlich Gruppenangebote für Kinder, Jugendliche und Senioren. Doch als der Pfarrer eines Morgens nach dem Genuss einer Schwarzwälder Kirschtorte tot in der Küche aufgefunden wird, bricht für die 55-jährige Anna ihre wohlgeordnete Welt zusammen. Plötzlich muss sie sich völlig neuen Herausforderungen stellen – von der Organisation der Beerdigung bis hin zur Einführung des neuen Pfarrers Fridtjof, der von der Nordseeküste stammt und Plattdeutsch spricht.
Doch geht es in dieser Dorfgemeinschaft tatsächlich so harmonisch und friedlich zu, wie es den Anschein hat?
Die 336 Seiten konnten mich davon leider nicht überzeugen. Zwar lässt sich das Buch durch den naiven, recht einfachen und gefälligen Schreibstil sehr zügig lesen, doch der Inhalt blieb hinter meinen Erwartungen zurück. Wir erfahren viel über Annas Herkunft, ihre Eltern und ihre lebenslange Freundschaft zu Josef. Durch die häufigen Rückblenden beschlich mich jedoch laufend das Gefühl, einem altbackenen Denken der 1950er-Jahre beizuwohnen – obwohl die Handlung im Jahr 2010 spielt.
Zudem gab es für meinen Geschmack zu viele übertriebene, skurrile und beinahe abstruse Ereignisse mit Tieren und Menschen, die beim Lesen eher Unbehagen als Freude auslösten. Aus Spoilergründen möchte ich hier nicht zu tief ins Detail gehen, aber diese merkwürdigen Begebenheiten drängten den eigentlich ernsthaften und guten Ansatz – nämlich Annas Neuanfang und ihre Lebensplanung – völlig in den Hintergrund.
Ihre tiefe Verbundenheit zur Natur, zum Wald und zu ihrem geliebten Marillenbaum im Pfarrgarten hätte eine schöne Basis gebildet. Auch die Anekdoten über die originellen Dorfbewohner wirkten auf mich oft zu überzeichnet. Ein Beispiel: Das Aufbewahren von Leichenasche in einer alten Kakaodose (auch wenn es dem Wunsch des verstorbenen Pfarrers entsprach) gab meinem Lesevergnügen einen herben Dämpfer. Das entspricht schlicht nicht meiner Vorstellung von Humor.
Fazit:
Ein leicht zu lesender Roman mit einer sympathischen Grundidee, der sich für mich jedoch zu sehr in skurrilen Übersteigerungen verlor.
*** DREI STERNE
Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars.
Martina Bogdahn, geboren 1976 in Weißenburg, ist auf einem Einödhof in Mittelfranken aufgewachsen und hat in Nürnberg Kommunikationsdesign studiert. Sie lebt und arbeitet als Fotografin in München. Ihr Debütroman »Mühlensommer« stand monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.