Donnerstag, 18. Juli 2019

*Grashalme* von Walt Whitman, erschienen im Diogenes Verlag

Taschenbuch
432 Seiten
erschienen am 24. April 2019
*Werbung*Verlagsinfo!

Walt Whitman, geboren 1819 in Long Island, arbeitete als Journalist und später Chefredakteur, bis sein Engagement gegen die Sklaverei seine Karriere beendete. 1855 veröffentlichte er unter dem Titel ›Grashalme‹ einen Gedichtband mit zwölf Gedichten. Entgegen der Kritik und dem finanziellen Misserfolg, dem nur Emersons Enthusiasmus entgegenstand, wuchs die Zahl der aufgenommenen Gedichte von Auflage zu Auflage auf fast 400. 1873 verlor Whitman seine Arbeitsfähigkeit infolge einer Lähmung. Er zog nach Cambden, wo er 1892 starb.

»Buchdrucker, Lehrer, Zimmermann und Zeitungsschreiber; ein Hymniker zeitgenössischen Lebens; unerschütterlicher Optimist, Lobredner der Demokratie.«
Hanns W. Eppelsheimer / Handbuch der Weltliteratur
Info zum Autor!

Inhalt/Klappentext:

Nachdichtungen und Übersetzung von Hans Reisiger

›Grashalme‹ ist eines der bedeutendsten Meisterwerke der Literatur. Es bricht mit den bestehenden Traditionen und erfasst die Seele der amerikanischen Gesellschaft in ihrem Kern. Ein Loblied auf Demokratie, Natur, Liebe und Freundschaft, das bis heute nichts von seiner Schönheit und Menschlichkeit eingebüßt hat.

Meine Meinung:  Die Menge der aufgeführten Schriften und Lyrik in dem gebundenen Büchlein hat mich sehr überrascht. Ich sah mich ausserstande diesen Schatz in einem fortwährenden Lesefluss zu geniessen, sondern taste mich nun ganz langsam, Tag für Tag, an diese ausserordentlichen Aufzeichnungen des berühmten Literaten heran. So viele Gedanken, so viele Anregungen zum eigenen Nachdenken animierend. Dieses Buch wird einen Ehrenplatz im Regal kommen, das bedeutet: ich werde es oft und immer wieder in die Hand nehmen und mir eine Perle zum Lesen aussuchen.
Meine Bewertung: natürlich ***** FÜNF STERNE! 


Zitat Seite 39, aus dem Abschnitt *Gesang von mir selbst* : 

Ein Kind sagte: " Was ist das Gras?" und pflückte es mir

mit vollen Händen.

Wie könnt ich dem Kind antworten? Ich weiss nicht

besser als das Kind, was es ist.


Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für das Leseexemplar!


Mittwoch, 17. Juli 2019

*Bella Ciao* von Raffaella Romagnolo, erschienen im Diogenes Verlag

Hardcover Leinen
528 Seiten
erschienen am 01. April 2019

978-3-257-07062-0
*Werbung*

Info zum Buch und Verlag

Raffaella Romagnolo

Raffaella Romagnolo, geboren 1971 in Casale Monferrato. Sie unterrichtet Geschichte und Italienisch an einem Gymnasium. Seit 2007 schreibt sie auch Romane – mit Erfolg. Für ›La figlia sbagliata‹ war sie für den Premio Strega nominiert. Ihr neuer Roman ›Bella Ciao‹ sorgt international für Aufmerksamkeit und wird in zahlreichen Sprachen erscheinen. Raffaella Romagnolo lebt heute in Rocca Grimalda im Piemont.

INHALT/KLAPPENTEXT: 1946 kommt Mrs. Giulia Masca in einer Limousine mit Chauffeur nach Borgo di Dentro zurück. Fast ein halbes Jahrhundert zuvor hatte sie als Fabrikarbeiterin die piemontesischen Hügel hinter sich gelassen – allein, schwanger und ohne eine Lira –, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Während für Giulia der American Dream wahr wurde, machten die Leute in Borgo di Dentro zwei Weltkriege durch, erlebten das Aufkommen des Faschismus und den Befreiungskampf gegen das Regime. Nach und nach erfährt Giulia, wie es ihrer Freundin Anita Leone und deren Familie ergangen ist und wie dem Verlobten, den Giulia damals ohne eine Erklärung zurückgelassen hat. Es sind Geschichten von Krieg und Leid, aber auch von Mut und Liebe, die sie zu hören bekommt – Geschichten, wie sie das 20. Jahrhundert schrieb.


Meine Meinung:  Das Schicksal hat es mit Mrs. Giulia Masca doch noch gut gemeint. Aus der armen Fabrikarbeiterin aus dem Piemont hat sich durch ihre Emigration vor fünfzig Jahren ihr Leben in einem amerikanischen Lebensumfeld zu Wohlstand und einer gewissen Zufriedenheit entwickeln können. Diese packende und inhaltsschwere Erzählung eines italienischen Frauenlebens aus dem 20. Jahrhundert hat mich vollends gefesselt und sehr beeindruckt. 

Die Autorin erzählt nach und nach in zwei Zeitsträngen diese Lebensgeschichte, die mit der Kindheit in einem ärmlichen Dorf im Piemont begonnen hat. Ungeliebt von ihrer Mutter Assunta schliesst sie sich eng an ihre Freundin Anita Leone und deren Familie an. Aber nach einer persönlichen, grossen Enttäuschung verlässt Giulia heimlich und allein ihre Heimat und wandert nach New York aus. Gleichzeitig und zeitnah verfolgt der Leser auch das Schicksal der Familie Leone aus dem Dorf Borgo di Dentro im Piemont. Der italienische Titel dieses Buches lautet tatsächlich auch *Destino* Schicksal. Der packende, dramatisch und angenehm zu lesende Schreibstil hat mich fasziniert und nicht los gelassen. Die damalige Zeitgeschichte , das Aufkommen des Faschismus und des Industriezeitalters, die zwei Weltkriege wurden sorgfältig und mit sehr guter Recherchearbeit beschrieben. Die Stimmung im Land und auf den Dörfern hat die Autorin wohl sehr gut nachempfunden und mir dadurch viel neues Wissen über die italienische Geschichte vermittelt. Der Roman ist eine fiktive und spannende Familiensaga und wurde von Raffaella Romagnolo sehr perfekt in die historische Vergangenheit eingearbeitet und mit ihr bildhaft und kraftvoll verbunden. Die harte Arbeit der Frauen in der Seidenspinnerei Salvi in Borgo di Dentro wird eindringlich geschildert, ebenso wie die Jagd der faschistischen Schwarzhemden auf die aufkommende sozialistische Bewegung, deren Zeitung„L’Emanzipazione“ und die grausame Ermordung der Partisanen im Piemont. Das feudalistische Gutsherren Regime im ländlichen Raum wird auch genauestens dokumentiert mit seiner verlogenen und menschenverachtenden Organisation und Knechtung der Dorfbevölkerung. Der Übergang vom Feudalismus in eine Industriegesellschaft bekommt immer mehr Einfluss auf das Leben der einfachen Menschen.  Die Begeisterung eines grossen Teils der italienischen Bevölkerung für Benito Mussolini, ihren *Duce* wird schonungslos und offen dargestellt. Wir lernen in dieser fulminanten Lektüre viele interessante Charaktere und Originale der italienischen Familie Leone und der amerikanischen Familien Masca, Manfredi und Dubois kennen, deren Zusammenhänge  zum besseren Verständnis in einem Stammbaum am Beginn des Buches aufgeführt werden. 

Für mich war es ein grossartiges, abwechslungs - und lehrreiches  Leseerlebnis und ein Highlight der letzten Monate. 

Meine Bewertung: Fünf *****Sterne für dieses grossartige Buch!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für dieses schön gebundene Rezensionsexemplar!

 

*Meine besten Tipps bei Beschwerden über die man nicht spricht* erschienen im Bassermann Verlag.


Originaltitel: Gesundheit kennt keine Tabus
Originalverlag: Südwest
Paperback , Flexobroschur, 192 Seiten, 12,0 x 17,0 cm
durchgehend farbig illustriert
ISBN: 978-3-8094-3858-8
Erschienen am  27. August 2018
*Werbung*
Info zum Buch und Verlag!

Der Autor Prof. Hademar Bankhofer, international anerkannter Medizinjournalist auf dem Sektor Naturheilwesen, ist durch seine zahlreichen TV-Auftritte, Kolumnen und seine Bücher einem großen Publikum bekannt. Er versteht es, schwierige medizinische Probleme verständlich zu erklären. Aufgrund seiner engen Zusammenarbeit mit medizinischen Koryphäen ist er stets auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und genießt Anerkennung nicht nur bei einem breiten Publikum, sondern auch in medizinischen Fachkreisen.


Inhalt:

Jetzt spricht Professor Hademar Bankhofer über all die Krankheiten, über die man eigentlich nicht spricht. Er gibt praktische und einfache Tipps, wie sich Mundgeruch vermeiden lässt, was bei Inkontinenz und Blähungen zu tun ist oder wie Warzen zu behandeln sind. Sie erfahren außerdem, warum man beim Nasenbohren, Rülpsen, Pupsen und Gähnen kein schlechtes Gewissen haben sollte, sondern etwas für die eigene Gesundheit tut.



Meine Meinung: Die Lektüre dieses kleinen lustigen , mit Comic Bildern versehenen Büchlein, hat mir gute Laune und öfter ein herzhaftes Lachen beim Lesen verschafft. Unterhaltsam und für jeden Leser verständlich , gibt der Autor einfach umzusetzende Tipps und kleine Überlebenshilfen für den geplagten, vielleicht etwas kränklichen und vorsichtigen Patienten bei verschiedenen Übeln, wie Nasenbohren, Rülpsen, Gähnen u.s.w. 

Er hat seine Ausführungen in sieben Kapitteln
verfasst , die da heissen:
Vieles, was sich nicht gehört , ist gesund

Wenn Haare gehen und Läuse kommen

Nix hören, nix sehen, nix merken

Heute schon geschnarcht? &Smells like hell:

Wenn's tröpfelt und brennt

Von wegen Schokoladenseite: Verstopfung & Co.

Ekzeme, Pilze & C0.: wirklich igittigitt?

In lustigem und ansprechendem Plauderton führt der Autor den Leser sanft und behutsam in verschiedene Tabu-Themen ein, über die man nicht gerne mit anderen Menschen spricht, die aber dennoch jeden angehen. Diese kleinen Verfehlungen unseres Körpers betrachtet er nüchtern und immer in Hinblick auf seine  Natürlichkeit und die körperliche und seelische Gesundheit. Von Mundgeruch bis Inkontinenz ist fast alles dabei, was den Menschen so plagen könnte. Man erfährt so,  schöpfend aus seinem ernstem und medizinisch fundiertem Wissen, spielerisch vieles über einige Funktionsweisen unseres Körpers und seine angeblichen Fehlfunktionen, die einen Grund haben. 

Ein leicht zu lesendes, mit viel Wissen angereichertes Buch für jeden Leser. Mit Humor und Leichtigkeit hat der Autor flüssig und unterhaltsam berichtet!

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne ! 


Vielen Dank an den Autor und den Verlag für das nette Rezensionsexemplar!


Montag, 1. Juli 2019

*Willkommen im Fairvale Ladies Buch Club* von Sophie Green.

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Claudia Franz
Originaltitel: The Inaugural Meeting of the Fairvale Ladies Bookclub
Originalverlag: Hachette Australia
Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48784-4
Erschienen am  18. Februar 2019

Infolink zum Buch und Verlag
*Werbung*

Die Autorin: Sophie Green

Sophie Green ist Autorin und Verlagsleiterin. Sie hat, teilweise unter Pseudonym, bereits einige Romane und Sachbücher verfasst. Bei einem Besuch in Australiens Northern Territory verliebte sie sich in die Landschaft und die Bewohner. Weitere Aufenthalte dort inspirierten sie schließlich zu dem Bestseller »Willkommen im Fairvale Ladies Buchclub«. Sophie Green lebt in Sidney.

Inhalt/Klappentext:Mit ihrem Buchclub trotzen fünf Frauen der Einsamkeit.

Über Bücher finden sie zusammen, und ihre Freundschaft verändert ihr Leben.

Australiens Northern Territory verlangt seinen Bewohnern viel ab. Doch fünf Frauen finden einen Weg, mit dem harten Alltag und der Einsamkeit umzugehen: Sibyl, die mit ihrem Mann die Farm »Fairvale Station« leitet, ruft einen Buchclub ins Leben, dem sich vier Frauen anschließen: Sibyls Schwiegertochter Kate, ihre Freundin Rita, die abenteuerlustige Della und die dreifache Mutter Sallyanne. Jede der Frauen bringt ihre Träume und Sorgen zu den Treffen mit, und im Lauf der Jahre werden sie zu besten Freundinnen, die Schicksalsschläge, Neuanfänge, Liebeswirren und Verluste zusammen meistern.


Rezension

Meine Meinung: Bücher laden uns immer in eine Reise in eine andere Welt ein. So ist es mir mir auch mit dem gelungenem Roman von Sophie Green ergangen. Mein Trip führte mich in die Vergangenheit der Jahre 1978-1981 nach Australien in die heissen, staubigen und abgelegenen  Northern Territorys, wo das tägliche Leben sehr mühsam, immer auf der Hut vor den Launen der Natur, verlaufen kann. Die Farmarbeit auf dem Lande war hart und unbarmherzig. Es gab als ständigen Kontakt zur Aussenwelt nur das Telefon, welches leider und oft immer viele Mithörer hatte. Kein Wunder, dass die fünf Frauen, von ihrer Lebensbiografie recht unterschiedlichen Freundinnen, mit Begeisterung einen Buchclub gründen und sich auch über ihre derzeitigen Lebenssituationen austauschen und Ratschläge erteilen.  Als sehr interessant für mich persönlich  empfand ich die zusätzliche Auflistung populärer Weltereignisse aus jedem erzähltem Jahr vor einigen Kapiteln.  

Der Roman liess sich sehr gefällig und flüssig lesen, der warmherzig erzählende Schreibstil gefiel mir sehr gut, es war eine wahre Wohlfühllektüre zum Entspannen bei heissem Wetter im Lesegarten. Die fünf Hauptprotagonistinnen wurden von der Autorin charaktermässig sorgfältig und sehr unterschiedlich ausgearbeitet und ihre Emotionen und Handlungen standen  immer in einem verständlichen Zusammenhang.

Ich gebe dem Buch gern eine Bewertung von Fünf  *****  grossartigen Sternen im Genre schicksalshafte Frauen - und Liebeslektüre. 

Mein Dank geht auch an die Autorin und Verlag für die Zustellung des Rezensionsexemplar!

Dienstag, 25. Juni 2019

*Niemals ohne sie* von Jocelyne Saucier, erschienen im Insel Verlag

Info zum Buch und Verlag

NEU
Erschienen: 11.03.2019
Gebunden, 255 Seiten
ISBN: 978-3-458-17800-2
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Die Autorin: Jocelyne Saucier, geboren 1948 in der Provinz New Brunswick, lebt heute in einem abgeschiedenen Zehn-Seelen-Ort im nördlichen Québec. Sie arbeitete lange als Journalistin, bevor sie mit dem literarischen Schreiben begann. Ihr vierter Roman Ein Leben mehr, der 2015 bei Insel erschien, war ein Bestseller und wird derzeit verfilmt.

Inhalt / Klappentext: Die Cardinals sind keine gewöhnliche Familie. Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden, sie haben Angst vor nichts und niemandem. Und sie sind ganze dreiundzwanzig. Als der Vater in der stillgelegten Mine eines kanadischen Dorfes Zink entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn – und dem Ende eines kargen Daseins. Aber beides wird den Cardinals verwehrt, und so schmieden sie einen explosiven Plan, der, wenn schon nicht die Mine, so wenigstens die Ehre der Familie retten soll. Doch der Befreiungsschlag scheitert und zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird.


Rezension

Meine Meinung: Zwei Menschen gründen eine Familie und die Mutter versorgt nun jeden Tag 23 Menschen aus ihrer kleinen Küche, mit wenigen finanziellen Möglichkeiten, sorgt sich - kümmert sich - liebt ihre Kinder - und sie lieben ihre stille Mutter, die all ihre Ängste, Sorgen, Nöte und auch Freuden kennt. Unglaublich, aber doch absolut faszinierend. Die Mutter kümmert sich mit ihrer Leidenschaft für das Kochen fast nur um das leibliche Wohl in ihrer kleinen Küche, nimmt sich aber nachts die Zeit bei jedem Kind am Bett nach dem Rechten zu schauen und zu reden.  Der Vater, ein leidenschaftlicher Erzsucher verschwindet meist im Keller und geht seinen Forschungen nach. Dynamit, zum Sprengen des wertvollen Erzes benötigt, spielt eine ganz besondere Rolle in den Beziehungen des Vaters zu seinen Kindern. Er bringt ihnen spielend den Umgang damit bei und die Kinder terrorisieren teilweise ihre Nachbarschaft mit ihren Experimenten. 

 

Dieses Buch, spielend in Kanada, in einem kleinen Ort namens Norco, gelegen an  einer stillgelegten Erzmine hat mich derartig beeindruckt, dass ich es in zwei Tagen durchlesen konnte. Ich habe zwar einige Seiten gebraucht um mich in den faszinierenden und eigenwilligen Erzählstil der Autorin einzulesen, aber dann empfand ich ihre Schreibweise ganz besonders prägnant, interessant und flüssig. Sechs Kinder erzählen, man erfährt ihre Spitz- und Taufnamen, kann das sehr schnell miteinander verbinden. Sie berichten in den Kapiteln von ihren Erfahrungen und Empfindungen aus ihrer wilden unbeaufsichtigten Kindheit. So entsteht ein kompliziertes Puzzle der Gefühle und Geschehnisse aus derFamilie. Durch die eindringlichen kurzen Sätze und  Schilderungen entstand trotz der vielen Personen in meinem Inneren das bunte Bild eines ungewöhnlichen Familienlebens, geprägt durch die vollkommene Freiheit der Kinder. Sie erziehen sich gegenseitig, die Grossen kümmern sich um die Kleinen - oder auch nicht. Manchmal hat mich das Buch vom Inhalt ein wenig an *Herr der Fliegen* von William Golding erinnert. Die Kinder waren meist auf sich gestellt. Die älteste Tochter bekommt schon mit sechs Jahren das erste Geschwisterchen von der Mutter zur Betreuung in den Arm gelegt  und so ging es mit jedem Baby weiter. Eine absolute, fast diktatorische Familienhierarchie entstand, nach Alter gestaffelt und dem jeweiligen Kind mit seinen Stärken und Schwächen angepasst. Ein erwachsenes Kind , eins nach dem anderen zieht in die Welt, aber sie treffen sich wieder während einer Ehrung des Vaters - ein Familiengeheimnis um ein besonders anderes Kind der einundzwanzig kommt endlich offen zur Sprache.... 

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für dieses interessante und ungewöhnliche Buch.

Mein Dank gilt der Autorin und dem Insel Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!


Montag, 24. Juni 2019

*Ein Sommer in Brandham Hall* von L.P. Hartley, erschienen im Eisele Verlag

ISBN:
9783961610549
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Fester Einband
Umfang:
400 Seiten
Verlag:
Eisele Verlag
Erscheinungsdatum:
02.05.2019

*Werbung*

Link zum Buch und Verlag


Die Vergangenheit ist ein fremdes Land.
EINER DER SCHÖNSTEN ROMANE
DES 20. JAHRHUNDERTS

ERSTMALS IN ADÄQUATER ÜBERSETZUNG

»AUFWÜHLEND UND MAGISCH.«
THE INDEPENDENT

Leo Colston ist ein Mann fortgeschrittenen Alters, als er in einem alten roten Karton auf sein Jugendtagebuch stößt. »Tagebuch für das Jahr 1900« steht darauf, und dieser Fund lässt Leo Colston in Gedanken zurückgehen in jenen Sommer, als er dreizehn war: Während der Ferien auf dem Landgut der Eltern seines Schulfreundes wird Leo zum Überbringer heimlicher Liebesbotschaften zwischen Ted, dem Pächter, und Marian, der schönen Tochter des Schlossherrn, deren Verlobung mit Lord Trimingham kurz bevorsteht. Gegen seinen Willen zieht es Leo immer tiefer in den Strudel des gefährlichen Spiels von Verlangen und Verrat, von versprochener und verbotener Liebe, und schließlich steht er vor der ersten großen Gewissensentscheidung seines jungen Lebens.

Ein Sommer in Brandham Hall ist ein nostalgisch-poetischer Roman über die Strapazen des Erwachsenwerdens und die Gefühlswirren der Jugend, eine fein beobachtete Gesellschaftsanalyse und eine wunderbare Liebesgeschichte.


Leslie Poles Hartley, 1895 in Whittlesey in England geboren, studierte neuere Geschichte in Oxford und machte sich einen Namen als Literaturkritiker, bevor er sein preisgekröntes Debüt Das Goldregenhaus schrieb. Der eigentliche Durchbruch gelang ihm jedoch erst 1953 mit Ein Sommer in Brandham Hall, einer der schönsten englischen Romane des 20. Jahrhunderts. 1972 starb Hartley im Alter von 76 Jahren in London.

Rezension

Meine Meinung:  Die Darstellung einer Jungen-Kindheit in einer starren und von Konventionen geprägten Feudalherrschaft wird vom Autor in diesem wunderbaren Roman ehrlich und anschaulich geschildert. Sein poetischer, anregender Schreibstil, locker und oft im Plauderton verfasst, hat mich gefangen genommen und ohne eine einzige langweilige Seite in diese längst vergangene Zeit gezogen. 

Wie, wann und wodurch geschieht die Wandlung vom naiven, alles glaubendem Kind zum verstehenden erwachsenen Menschen, der komplizierte Zusammenhänge begreift, gerade auch im sozialen Miteinander? Das ist eine Frage, auf die der Autor ausführlich eingeht. Das Auf und Ab von Leo's Innenleben, seine Gedanken, deren Folgerungen und auch Taten waren für mich gerade auch in Hinsicht darauf, dass er einmal zum Mann werden wird, sehr aufschlussreich. Leo schwärmt, liebt fast ein wenig die kapriziöse Marian, die Schwester seines Freundes Marcus. Er kann ihr keinen Wunsch verwehren, lässt sich manipulieren und verfällt völlig seinem persönlichen Wunschdenken von Liebe und Zuneigung , ohne das reale Leben der Erwachsenen einschätzen zu können. Er ist ein Bote, ein Überbringer von Nachrichten zwischen der Adelstochter Marian und  dem Pächter und Bauern Ted, glaubt sehr lange an eine geschäftliche Beziehung. Nur kann er noch nicht abschätzen, was es mit diesen Nachrichten , die sich zwei Menschen, aus unterschiedlichen Schichten stammend, auf sich haben könnte. Dieses rätselhafte Puzzlespiel dieser Jungen- Gedanken hat der Autor perfekt niedergeschrieben mit der Erkenntnis , dass auch Kinder, die an der Schwelle zur Pubertät stehen,  feine Antennen für Schwingungen und Gefühle im sozialen Miteinander gerade auch zwischen den beiden Geschlechtern haben. "Herum poussieren" wird es verharmlosend von den Erwachsenen für die Kinder genannt. 

Mystische Kindheitsträume des kleinen Jungen Leo über persönliche  Verwünschungen und Flüche, die unheimliche Macht der Natur, hier verkörpert durch eine giftige Pflanze, die Tollkirsche, finden auch Raum in diesem Hitzesommer, dessen Temperaturentwicklung von Leo Colston akribisch beobachtet wird. 

Die kumpelhafte Darstellung der Freundschaft zu seinem Internatskollegen Marcus besteht auf ganz anderen Vorstellungen  wie Konkurrenzdenken und dem Vertrauen in die absolute Verschwiegenheit des Freundes. Die Kopie einer kleinen , jungen, zarten Männerfreundschaft tritt dem Leser entgegen. Die Beschreibung der gesellschaftlichen Zustände um 1900 in England empfand ich als sehr aufschlussreich und interessant. Es gab sicher unzählige Anwesen in England, auf denen diese lässige und mit Bediensteten gefüllte Lebens-Art, ähnlich wie in Brandham Hall, verwirklicht wurde. Damals war Grossbritannien auch in ein Kriegsgeschehen mit den Buren in Südafrika verwickelt.  Der herrschende Patriotismus hat auch die Internatskinder beeinflusst, aber auch der natürliche Hang zu Demokratie und absoluter Gerechtigkeit in einer sich im Aufbruch befindlichen Gesellschaft .

Für mich war dieser grossartige Roman ein herausragendes Leseerlebnis und ich bedanke mich herzlich beim Eisele Verlag für das Rezensionsexemplar!

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne!

  

Dienstag, 11. Juni 2019

*Die Frauen von Salaga* von Ayesha Harruna Attah, erschienen im Diana Verlag

ISBN:
9783453292192
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Fester Einband
Umfang:
320 Seiten
Verlag:
Diana
Erscheinungsdatum:
11.03.2019

Info zum Buch und zur Autorin

Die Autorin Ayesha Harruna Attah wurde in Ghana geboren, studierte in den USA u.a. an der Columbia University und der NYU und lebt heute mit ihrer Familie im Senegal. Ihr Roman »Die Frauen von Salaga« ist von dem Schicksal ihrer Ururgroßmutter inspiriert.

Inhalt/Klappentext:Westafrika, Ende des 19. Jahrhunderts. Aminah, ein verträumtes junges Mädchen, wird brutal aus ihrem Zuhause gerissen und als Sklavin verkauft. Wurche ist eine privilegierte Frau, doch ihr Vater zwingt sie, eine ungewollte Ehe einzugehen. Als Aminah und Wurche sich auf dem Sklavenmarkt von Salaga begegnen, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander. Beide hadern mit den Grenzen, die ihnen Zeit und Gesellschaft auferlegen. Beide riskieren ihr Leben. Und beide verlieben sich in denselben Mann.


Rezension

Meine Meinung: Das wunderschön illustrierte Cover und der Klappentext hatten mich sofort begeistert, neugierig gemacht und ich wollte das Buch unbedingt lesen.  Die Schilderungen von Frauenschicksalen, die auf dem afrikanischen Kontinent spielen sind relativ selten auf dem europäischen Buchmarkt zu finden. Schon nach den ersten Seiten war ich etwas befremdet vom nüchternen und nicht sehr gefälligem Schreibstil der Autorin, der keine Emotionen beim Leser weckt, allerdings aber Wissbegier und viel Interesse darauf, wie sich diese besondere Geschichte nun weiter entwickeln wird. Es geschehen grässliche Dinge auf dem Weg in die Sklaverei für Aminah. Sie wird psychisch und physisch an den Rand der Verzweiflung getrieben und immer noch liest sich dieses Buch wie ein Tatsachenbericht, was ja auch tatsächlich stimmt. Ich hatte leider oft das Gefühl, dass dieses Buchgeschehen ohne ein leider fehlendes Glossar über Begriffe, Zeit und Orte des damalige Afrika , seine politischen Machtverhältnisse und  Gegebenheiten,  für Europäer kaum nachzuvollziehen sind. Aus der Lektüre heraus konnte ich jedenfalls den Zeitrahmen zum Beispiel nicht identifizieren. Zum Glück wurde er im Klappentext vermerkt. Viele afrikanische Begriffe und Worte im Roman blieben mir unverständlich und ich konnte nur eigene Vermutungen anstellen. Die Liebesgeschichte der beiden Frauen Aminah und Wurche zu dem gleichen Mann wird auf keinen Fall lebendig erzählt, gewinnt kaum Bedeutung, sondern ist ein fader Nebenstrang des Buches. 

Die Königstochter Wurche lebt zwar in einem gewissen materiellem Reichtum im Gegensatz zu den Sklaven, muss sich dennoch stark unterordnen, da auch vornehme Frauen in ihren persönlichen Rechten von der männlichen Dominanz im öffentlichen Leben stark beschnitten wurden. Leider begegnen sich beide Frauen erst im letzten Drittel des Buches. Auch das war eine herbe Enttäuschung für mich. 

Eigentlich ist es ein gutes, wichtiges Buch über das Frauendasein im damaligen Westafrika, aber dieser spezielle, nüchterne Schreibstil der jungen Autorin weckt einfach keine Begeisterung und Leidenschaft bei den Leser*innen. Sehr schade ist das in meinen Augen. 

Meine Bewertung: DREI *** Sterne für dieses gute Buch, welches mich leider nicht fesseln konnte. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar !

Donnerstag, 6. Juni 2019

*Raureifzeit* von Cornelia Briend, erschienen im Knaur Verlag

*Werbung*
Info zum Buch und Verlag
Taschenbuch, Knaur TB
01.03.2019, 748 S.
ISBN: 978-3-426-21700-9

Die Autorin Cornelia Briend wurde 1966 in Greifswald geboren und studierte Romanistik, Slawistik und Erziehungswissenschaften. Die erste Anstellung führte sie 1990 nach Frankreich, wo sie zusätzlich einen Germanistikabschluss und die Lehrbefähigung für Deutsch als Fremdsprache erwarb. Danach blieb die Bretagne ihre Wahlheimat. Die keltische Kultur und Geschichte inspirieren sie bei ihren Schreibprojekten.

Inhalt/Klappentext:

Historischer Roman

Die dramatische Fortsetzung des spannenden historischen Romans »Brombeerblut« von Cornelia Briend. Die Geschichte Cearas, die in der Normandie begann, setzt sich nun in Irland fort. 

Normandie, Frühjahr des Jahres 985: Zuversichtlich besteigt der junge Normanne Ivar in Begleitung zweier Gefährten ein Handelsschiff. Sein Auftrag lautet, einige fränkische Schwerter nach Irland zu schmuggeln. Es ist die letzte Bewährungsprobe, die Ivar noch von seinem Traum trennt: Gefolgschaftskrieger des Herzogs der Normandie zu werden. Doch der Auftrag scheitert und Ivar sieht sich in Irland dem Zorn des dänischen Plünderers Sigdan ausgesetzt. 

Ceara, als Ivars Ziehschwester in der Normandie aufgewachsen, lebt seit zwei Jahren als Witwe beim Stamm ihres Vaters in Irland. Ihr einziger Trost ist ihre kleine Stieftochter Crón. Als diese entführt wird, nimmt Ceara die Verfolgung auf. Schon bald steht sie Ivar gegenüber. Um Crón zu retten, muss sie zwischen Misstrauen und alter Verbundenheit wählen, während Ivar vor der Entscheidung zwischen alten Träumen und neuen Zielen steht.

REZENSION

Meine Meinung: Fast siebenhundertfünfzig Seiten lang hat mich die Autorin  Cornelia Briend mit ihrem zweiten historischen Roman an die packenden Seiten des Print-Buches gefesselt. Sie hat eine längst vergangene Zeit der Geschichte Irlands auferstehen lassen, nämlich die des Frühmittelalters. In einem dramatischen Roman erzählt sie von Machtspielen, Herrschern, einfachen Bauern und Menschen der grünen Insel. Von einfallenden Normannen, die der irischen Urbevölkerung durch ihre kriegerischen Raubzüge sehr zugesetzt haben. Persönliche Schicksale mit all ihren menschlichen Verwicklungen, Stärken und Schwächen wie Liebe, Neid, Missgunst, Eifersucht und Hass ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman. Das Buch wird von der ausgezeichneten Recherche und besten Geschichts Kenntnissen  der Autorin fein geprägt. Fiktion und verbürgte Vergangenheit vermischen sich ideal, sind perfekt konstruiert, so dass ich als Leserin oft das Gefühl hatte, mitten im Geschehen dabei zu sein. Ich habe mich an der flüssigen, angenehmen und bildhaften Schreibweise der Autorin sehr erfreut, habe mich in keinster Weise gelangweilt oder wurde durch geschichtliche Erklärungen im Lesefluss nie gestoppt oder gar aufgehalten. Viele Hauptprotagonisten, wie die zarte Zeichenkünstlerin Ceara entwickelten sich in ihrer Persönlichkeit und Darstellung des Charakters lebendig und nachvollziehbar. Auch der ehrliche und aufrechte Connor, Claras Ziehbruder Ivar und der schillernde Kämpfer Sigdan lebten lange Zeit in meinem Kopf und haben mich in meinen Alltag begleitet, wie auch die tragischen Lebensgeschichten der beiden entführten Kinder-Geiseln. Ein abscheuliches Verbrechen, welches auch in damaliger Zeit streng verurteilt wurde.  

Zauberhaft poetische Beschreibungen der Autorin des wunderschönen Irland mit seinen mystischen, keltischen Sagengestalten aus mündlich überlieferten Legenden haben der Atmosphäre im Buch noch einen ganz besonderen Reiz verliehen. Die Macht der Kirche, ihrer Klöster und Mönche befand sich damals ungebrochen in ihrer Blütezeit und hat das Leben der einfachen Bevölkerung zusätzlich stark beeinflusst.

Diese hervorragend erzählte Geschichte enthält alles, was man als Leser von einem lebendigen und guten historischem Roman erwartet. Machtspiele der Herrschenden, Liebe, harte Kampfszenen, Intrigen, Wahrhaftigkeit und die atmosphärische Darstellung der damaligen Zeitströmungen, sowie die Beschreibungen interessanter Menschen mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Lebens Geschichten.

Dieses Buch gehört zu meinen Lese-Highlights des Jahres 2019!

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für diesen grossartigen Roman!

Danke dafür liebe Cornelia Briend!     


Montag, 27. Mai 2019

*Die Farbe von Milch* von Nell Leyshon, erschienen bei Random Audio

Audio CD
Verlag: Random House Audio; Auflage: Ungekürzte Lesung (11. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3837142760
ISBN-13: 978-3837142761
Originaltitel: The Colour of Milk (Penguin Books London)

Ungekürzte Lesung mit Laura Maire

Info zur Audio CD und zum Verlag

INHALT/KLAPPENTEXT:

Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.

Mary ist an harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch als sie fünfzehn wird, ändert sich alles. Mary zieht in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten. Bei ihr, einer zarten, mitfühlenden Kranken erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Für Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.

Die Autorin: Nell Leyshons erster Roman Black Dirt stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Für ihren zweiten Roman *Die Farbe von Milch* wurde sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.

Die Sprecherin Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie "Verdammt verliebt". Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in "Raum" (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der "Twilight"-Reihe. Daneben war sie immer wieder in "How I Met Your Mother" zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller "Schattengrund" von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr "virtuoses Sprach-Spiel" noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.

Rezension

Meine Meinung: Wir befinden uns im Jahre des Herrn 1831 und mein Name ist M.A.R.Y. 

 Dieses  fantastisch erzählte Frauenschicksal ist eines von vielen ähnlichen Geschichten, die in der Vergangenheit in abgewandelter Form vielleicht Tausenden junger Mädchen passiert ist. Die Stimme der erzählenden und ausgezeichneten Hörbuch Preisträgerin Laura Maire hat sich meinem Kopf ganz tief eingeprägt mit ihren vielen beeindruckenden Nuancen, die sie wiedergibt.  Alles ist hervorragend verbunden mit dem einfachen, schlichten Text der Geschichte. Diese Stimme und der zugehörige Inhalt des Buches der Autorin Nell Leyshon hat ganz tiefe Empfindungen in mir ausgelöst, wie teilnehmende Freude an der Natur, Verständnis für das einfache und harte Bauern Leben der damaligen Zeit. Bedauern, Entsetzen und Trauer, welche sich ganz langsam und bedrohlich in mir aufgebaut haben standen im krassen Gegensatz zu Mary's heiterem und ehrlichen Wesen. Die Autorin hat die Geschichte in einfachen, vielen kurzen Satzwiederholungen dargestellt, welche mich am Anfang etwas verstört haben, die aber dann doch irgendwie passend waren. 

Die Gesellschaftstrennung der verschiedenen Klassen wurde im 19. Jahrhundert noch streng durchgeführt. Viele Bauern Familien kämpften um das nackte Überleben, auf Bildung und Erziehung nach heutigen Schul Maßstäben wurde nicht viel Wert gelegt. Die Kinder wurden als volle Arbeitskraft benutzt, um das Überleben der Familie zu sichern. Lesen und Schreiben konnte aus dieser Gesellschaftsschicht kaum jemand.  Doch die Familien verfügten über eine Herzensgüte und ein Zusammengehörigkeitsgefühl , welche in entscheidenden Situationen zu Tage traten. Mary wurde durch ihren hart erziehendem Vater durch diesen verordneten Dienst aus materieller Not in das Pastoren Haus, in eine andere Welt  der geistigen Bildung geworfen. Sie durfte mit glühenden Wangen den Prozess des Lesens und Schreibens erlernen und erarbeitete sich dadurch eine für sie ganz neue Ausdrucksmöglichkeit.... und doch verlor sie ihre positive, einfache Einstellung zum Leben. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese beeindruckend aufgenommene Audio CD. 

Herzlichen Dank für die Zusendung dieser Audio CD an die Autorin und den Random House Audio Verlag. 

Dienstag, 21. Mai 2019

*Der Rosengarten am Meer* von Nele Jacobsen, erschienen im atb Verlag

*Werbung*

Infos zum Buch und Verlag

Broschur, 320 Seiten
Aufbau Taschenbuch
978-3-7466-3432-6

INHALT/KLAPPENTEXT:
Der Duft der Rosen am Meer.

Nachdem ihr Mann sie verlassen hat, sucht die Landschaftsarchitektin Isabel einen Neuanfang. Aus der Enge Wiens zieht es sie an die Ostsee, wo sie dem Künstler Alex beim Wiederaufbau eines prächtigen Schlossgartens helfen soll. Schnell stellt sie fest, dass der Garten ein Geheimnis birgt: Er scheint die Kopie eines legendären Rosariums aus dem zwanzigsten Jahrhundert zu sein. Isabel begibt sich auf eine Spurensuche, die sie bis an den Rand der Karpaten bringt – und auf die Fährte einer außergewöhnlichen Frau. Sie entdeckt eine die Zeiten überdauernde Liebe und kommt ihrem eigenen Glück ein ganzes Stück näher ...

Die Autorin Nele Jacobsen, geboren 1976 in West-Berlin, ist Diplom-Politologin und Journalistin und arbeitete jahrelang für Print und Fernsehen. Mit ihrer Familie lebt und schreibt sie in der Nähe von Dresden. In ihrem Garten am Elbhang blüht ihre Lieblingsrose, eine „Eliza“, jedes Jahr ab Juni in silbrig schimmerndem Pink. Bei atb ist außerdem ihr erster Roman „Unser Haus am Meer“ lieferbar. 

Rezension

MEINE MEINUNG:  Diesen wunderschönen Wohl-fühl Roman für Frauen habe ich mit einem süssem und betäubendem Rosenduft in der Nase, an einem Tag durchgelesen. Der Schreibstil der jungen Autorin ist lebhaft, angenehm zu erkunden, zaubert Bilder in den Kopf und man fliegt durch das Buch. Die Handlung spielt in zwei Zeitebenen, einmal im HEUTE und JETZT, erzählt das schmerzhafte Auseinander brechen einer jungen Ehegemeinschaft, sowie die Suche der Landschaftsarchitektin Isabel nach einem beruflichen und privaten Neubeginn, weitab gelegen von ihrer Heimatstadt Wien. Ein neuer Auftrag zieht sie in das einsame Gut Lundwitz, in der Mecklenburgischen Schweiz, einer im Aufbau befindlichen romantischen Künstleroase an der Ostsee. 

Der zweite, historisch belegte  Erzählstrang, den ich als sehr viel interessanter und bunter empfand als die Gegenwarts Geschichte, entführt den Leser in die vergangene Zeit der Österreich-Ungarischen Monarchie des 20. Jahrhundert in das Donauhügelland am Fuße der Kleinen Karpaten. Die Hauptprotagonistin Marie Henriette Chotek, eine außergewöhnlich eigensinnige und starke Person hat tatsächlich gelebt und ist für die damalige Zeit in ihrer Rolle als Gräfin einen ungewöhnlichen Lebensweg gegangen. Ihr Lebensinhalt war die Neu-Zucht und Pflege von Rosen und die Gestaltung eines eigenen Rosariums auf ihrem Gut Dolná Krupá. Das hat sie mit Bravour und als ledige Frau mit Kraft und Fleiss gemeistert und der Nachwelt wunderschöne neu gezüchtete Rosenarten hinterlassen. Vor und mit diesen beiden Hintergründen hat Nele Jacobsen einen packenden und bezaubernden Roman erdacht und geschrieben. Geschickt hat sie verbürgte Fakten mit fiktiven Elementen wie der Liebe von Marie Henriette Chotek zu Georg von Schwanburg verknüpft. Die realistisch anmutenden Beschreibungen der damaligen Gesellschaftsstrukturen und Konventionen geben diesem Roman ein ganz besonders wertvolles Flair.

Es ist ein Buch zum Träumen, Wohlfühlen an warmen Juniabenden, dem perfekten Rosenmonat des Jahres. Ein erklärendes Nachwort über das Thema *Rosen* und drei schöne Nachkochrezepte wie *Rosiges Sorbet*, *Rosige Marzipanpralinen* und ein *Rosiger Happy Hour Cocktail* bereichern diese schöne Taschenbuchausgabe.

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE im Genre Frauen Lektüre, Liebe und Geschichte.

Herzlichen Dank an die Autorin und den atb Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar. 

  

Montag, 20. Mai 2019

*Die 48 Briefkästen meines Vaters* von Lorraine Fouchet, erschienen im Atlantik Verlag

*Werbung*
Autor:Lorraine Fouchet
Titel:Die 48 Briefkästen meines Vaters
ISBN:978-3-455-00542-4
Verlagsbereich:Atlantik - Belletristik
Einband:Klappenbroschur
Produktart:Buch
Seiten:304
Erscheinungsdatum: 06.05.2019
Übersetzung:Katrin Segerer

Infos zum Buch und Verlag

Lorraine Fouchet
Lorraine Fouchet, geboren 1956, arbeitete als Notärztin, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie ist Autorin zahlreicher Romane und lebt in der Nähe von Paris und auf der Île de Groix in der Bretagne. Bei Atlantik erschien von ihr Ein geschenkter Anfang (2017) und Die Farben des Lebens (2018).

INHALT/KLAPPENTEXT: Auf der Suche nach ihrem unbekannten Vater reist Chiara aus Rom in die stürmische Bretagne. Sie ist bei ihrer Mutter in dem Glauben aufgewachsen, ihr Vater sei vor ihrer Geburt gestorben, bis sie eines Tages erfährt, dass sie womöglich die Tochter eines bretonischen Matrosen ist. Doch wie soll sie ihn auf der Insel Groix finden, wo sie nicht einmal seinen Namen kennt? Als ihr eine Stelle als Inselbriefträgerin angeboten wird, hat sie einen perfekten Vorwand für ihre Nachforschungen. Auf Groix kommen die Überraschungen nämlich mit dem Postschiff, und die Briefkästen haben ihre eigenen Geheimnisse. Hier findet Chiara eine zweite Familie. Und sie lernt den undurchschaubaren Schriftsteller Gabin kennen. Aber wird Chiara auch erfahren, wer tatsächlich ihr Vater ist?

Rezension 

MEINE MEINUNG:  Ich habe mich an Chiara's Fersen geheftet und bin mit auf die bretonische  Insel Croix gereist und habe es auf dreihundert interessanten Seiten nicht bereut. Welcher junge Mensch hat sich nicht schon einmal auf die Suche nach seiner Identität und den eigenen Wurzeln gemacht? So erging es auch Chiara Ferrari, die Vaterlos, nur von ihrer ungeliebten und nicht liebenden Mutter Livia und der Patentante Viola betreut und erzogen wurde. Die Autorin erzählt die Geschichte  diese Fahndung nach der Herkunft, den tragischen Todesumständen des verlorenen Vaters, der am Tag der Hochzeit ihrer Eltern verunglückt ist und nur noch in Erzählungen der beiden Frauen präsent ist und die Suche nach einem ganz anderen, vielleicht sogar noch lebendem Vater.  Chiaras's Reise nach dem Glück und dem Finden einer eigenen Liebe bringt den Leser zusätzlich in Rückblicken zu einer anderen Geschichte, dem Leben eines jungen Mann, der einmal eine wichtige Rolle im Leben von Chiara Ferrari spielen wird.  Diese ziemlich komplizierte und spannende Darstellung  hat mir viele Fragen gestellt, die sich am Ende des Buches aber sehr gut auflösen. Die Atmosphäre der bretonischen, familiären Ferieninsel hat ein ganz besonderes Flair in diesem Roman eingenommen. Liebenswerte Familienmenschen fangen Chiara auf und helfen bei ihrer Suche , auch schrullige Charaktere , wie die beiden Brüder Kilian und Brendan Tonnerre, kreuzen ihren Weg, denen sie witziger weise als Postausträgerin der Insel begegnet. 

Die Briefkästen spielen einen lustige Rolle im Roman, haben ein Eigenleben, sprechen und denken, welches die Autorin phantasievoll und kreativ beschreibt. Ihr Schreibstil ist flüssig zu lesen, ist allerdings oft kapriziös und extravagant, mit vielen französischen und italienischen Begriffen versetzt und beinhaltet sogar poetische und romantische Züge.  Ich habe das Buch genossen, nur mit dem Ende der Geschichte war ich nicht ganz zufrieden. Es erschien mir zu einfach und ein wenig unglaubwürdig. Kann eine schlechte, lieblose Mutter-Tochter-Beziehung sich nach kurzen Annäherungen von Grund auf in das Gegenteil verkehren? Ich denke nicht, es ist eventuell ein Wunschdenken, vielleicht aus einer grossen Sehnsucht heraus von der Autorin mit in das Buch aufgenommen. Aber das ist meine ganz persönliche Interpretation.

Meine Bewertung: VIER ****STERNE für dieses schöne Lesevergnügen!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 8. Mai 2019

*NACHTLICHTER* von Amy Liptrot, erschienen im btb Verlag

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :09.10.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 09.10.2017
  • Verlag : btb
  • ISBN: 9783442757336
  • Fester Einband
  • Sprache: Deutsch
  • Werbung


Infos über die Autorin Amy Liptrot






Amy Liptrot (Autorin)

Amy Liptrot ist auf den Orkneyinseln aufgewachsen. Als Journalistin schreibt sie für verschiedene britische Magazine. Das Memoir NACHTLICHTER, ihr erstes Buch, begeisterte Leser wie Presse gleichermaßen, stand wochenlang auf den britishen Bestsellerlisten und wurde u.a. mit dem Wainwright Prize for Best Nature and Travel Writing sowie dem PEN Ackerley Prize für autobiografisches Schreiben ausgezeichnet.






REZENSION

INHALT:
Die über 30 jährige  Autorin Amy Liptrot nimmt den Leser mit auf eine bewegende Reise in die Alkohol - und Drogensucht und ihren verzweifeltem, aber am Ende doch teilweise erfolgreichen Kampf gegen diese heimtückische Krankheit.
Aufgewachsen in der bäuerlichen Abgeschiedenheit der Orkney Inseln, mit einem manisch-depressiven Vater und einer religiösen Mutter verlässt sie als sehr junges Mädchen ihre Heimat und verlebt eine aufregende Zeit der Partys und des Chillens in London. Sie beschreibt schonungslos ihr Abdriften in diese Welt des Glamours und dann ihre Rückkehr nach zwölf Jahren und dem damit verbundenen schweren  Neuanfang auf den Orkney Inseln….

MEINE MEINUNG:
Gebannt habe ich die fesselnden  Erzählungen aus der Londoner Zeit miterlebt und ich habe Amy bedauert und mitgelitten. Ohne Rücksicht auf sich oder den Leser , und absolut ehrlich hat sie diese im Nachhinein für sie schlimmste Zeit ihres Lebens geschildert, bis zum völligen körperlichen und seelischen Zusammenbruch. 

Zitat Seite 227 „ Ich will mich unbeschwerter fühlen. Mein Problem ist nicht körperlicher Natur . Und selbst wenn ich das Verlangen loswerden würde, bleibt immer noch die Frage, warum ich das Bedürfnis überhaupt entwickelt habe - und was die Leere füllen kann.

Die Aufarbeitung dieser Frage in ihrem Buch hat meine Geduld beim Lesen ziemlich beansprucht. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm , manchmal allerdings zu oft mit sich immer wieder ähnelnden Beschreibungen von Empfindungen überfrachtet. Sie ist in ihrer Erzählung über ihr Leben auf Orkney nach der aktuellen Suchtzeit in London im Text zu oft und zu schnell, nach kurzen Sätzen, in unterschiedlichen  Themen, hin und hergesprungen. Sie hat sich mit schlimmen Erinnerungen an die Londoner Zeit gemartert und hat im gleichen Atemzug ebenso exzessiv über Sternenbilder am Nachthimmel von Orkney, die*Merry Dancer* (Nachtlichter), die Geschichte der Insel , ihre Tier-Natur-Beobachtungen und dem Schwimmen und Tauchen im eiskalten Atlantik berichtet. Diese vielen Betrachtungen und Eindrücke über ihre Heimat, die Orkney Inseln, lesen sich fast wie ein  attraktiver Reiseführer und nehmen einen  sehr grossen Teil des Buches ein. 
Ich wurde den Verdacht nicht los, dass sie extreme Situationen (das Schwimmen im eiskalten Meer bis zum Erreichen der Schmerzgrenze) gerne und immer wieder sucht , um diese diffus empfundene innere Leere zu füllen und um sich selbst zu verletzen. Man hat das Gefühl, dass sie ihre Sucht gegen eine andere ( in diesem Fall ihre Kommunikations- und Internetsucht beim Austausch über Wind, Wetter, Sterne, die Insel mit gleichgesinnten Freunden) ausgetauscht hat.
Zitat Seite 236 :
„Hinter dem Begriff *Cross-Addiction* steht die Vorstellung , dass Alkoholiker ihr Suchtverhalten in Ermangelung von Alkohol auf etwas anderes übertragen. Gewöhnlich sind dies Dinge wie Essen, Sport, Shopping oder Glücksspiel. Bei mir sind es Coca-Cola, Rauchen, Beziehungen und das Internet.“ 

Mit sehr viel Interesse und Mitgefühl bin ich  all diesen Ausführungen gefolgt und bedanke mich bei der Autorin und dem btb-Verlag für das Rezensionsexemplar. Die faszinierenden Beschreibungen über die Orkneyinseln haben mich begeistert und einen Inselbesuch für mich attraktiv dargestellt.
Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diese Lektüre.

Aus aktuellem Anlass zeige ich Euch noch einmal meine  Rezension zum Buch. Karla Paul hat es in ihrem Literatur-Podcast Long Story Short empfohlen.


*Geschwister als Team* von Nicola Schmidt, erschienen im Kösel Verlag

*Werbung, da Rezensionsexemplar*
Hardcover, Pappband, 240 Seiten, 13,5 x 21,5 cm, 1 s/w Abbildung
2. Aufl. 2018
ISBN: 978-3-466-31104-0
Erschienen am  29. Oktober 2018
Infos zum Buch und zur Autorin

Die Autorin Nicola Schmidt, zweifache Mutter, ist Gründerin des artgerecht-Projekts, Wissenschaftsjournalistin und Autorin erfolgreicher Familienratgeber. Sie bietet Aus- und Fortbildungen für Fachleute und Wildnis-Camps für Familien an.

Inhalt / Klappentext: Endlich Frieden in der Familie


Mit jedem Geschwisterchen steigt der Trubelfaktor in einer Familie exponentiell. Warum? Aus Sicht der Evolution sind Geschwister Rivalen, die um Nahrung und Sicherheit konkurrieren. »Ich will zuerst Apfelsaft! Nein, das ist mein Platz! Ich will vorne sitzen!« Wenn Eltern dieses Buch gelesen haben, wissen sie, worum die Kinder wirklich streiten. Und auch, wie sie am besten reagieren, um sie beim Zusammenwachsen zu unterstützen. Nicola Schmidt zeigt genial einfache Wege, schlimmste Rivalen zu starken Teams werden zu lassen. So wird es leicht, konstruktiv zu reagieren, wenn alle Kinder gleichzeitig »Ich zuerst!« schreien.

9 Regeln für garantierten Geschwisterstreit
Halten Sie sich aus Konflikten ganz raus oder stürmen Sie beim leisesten Geräusch das Kinderzimmer – am besten abwechselnd.
Entscheiden und verändern Sie Familienregeln willkürlich, situationsunabhängig und ohne Absprache mit den anderen Beteiligten
Vergleichen Sie die Kinder bei jeder Gelegenheit miteinander und fordern Sie Reife: »Du bist doch schon groß!«
Verhängen Sie häufig Strafen wie Hausarrest und Fernsehverbot, das fördert Wut und Rachegefühle am zuverlässigsten.
Fragen Sie stets »Wer war das?« und entscheiden Sie dann völlig willkürlich, welches Kind Recht hat oder eine Strafe bekommt.
Stellen Sie Regelbrecher vor allen anderen zur Rede und beginnen Sie jeden Satz mit »Du«, gefolgt von negativen Zuschreibungen.
Verwenden Sie die Wörter »immer«, »nie« und »schon wieder« so oft Sie können.
Sorgen Sie mit Ihrer Autorität dafür, dass die Kinder Ihrer Lösung des Streits schnell zustimmen, auch wenn offensichtlich keines zufrieden ist.
Spielen Sie auf keinen Fall mit einem Kind allein.

Meine Meinung: Der oben beschriebene Geschwisterstreit ist sicher jeder jungen Familie bekannt und die Reaktionen der Eltern sind in vielen Situationen nicht gut durchdacht, oft zu impulsiv und wertend. Der vorliegende Ratgeber der jungen Autorin und Mutter zeigt sehr gute Ansätze und Überlegungen um diese brisanten, familiären Situationen zu entschärfen und um ein gutes Miteinander herzustellen. Die Autorin entwirft sechs sogenannten Bausteine in ihrem Buch, in die sie ihre interessanten Tipps und Meinungen über Kindererziehung und Familienpädagogik eingebaut hat. Diese lauten wie folgt:

Der erste Baustein: Wie Eltern verstehen was jedes Kind braucht.

Der zweite Baustein: Wie wir gute Grundlagen legen

Der dritte Baustein: Wie Eltern die Rollenverteilung verstehen und Problemkinder vermeiden

Der vierte Bausein: Wie Geschwister lernen , Konflikte zu lösen

Der fünfte Baustein: Wie Geschwister lernen, zu sich selbst zu finden

Der sechste Baustein: Wie Geschwister ein Team werden
Zu jedem dieser Bausteine gibt es viele drängende Fragen und Erklärungen zur Familien Stellung der Geschwister in unterschiedlichen Altersgruppen.

Interessant fand ich auch die Übungen und Impulse am Ende des Buches mit ganz einfachen Fragen nach Befindlichkeiten an sich selber und an die Kinder.
Das allein reicht schon beim Durcharbeiten um viele Konflikte im Familien Alltag klarer und verständnisvoller zu überblicken. 

Die grossen und allerwichtigsten ihrer Botschaften und Ratschläge lässt die Autorin auf jeder Seite dieses sinnvollen und realistischem Ratgeber durchscheinen, die da lauten:

Machen sie sich immer wieder klar was für kleine , zauberhafte Wesen von Ihnen, ihrer Liebe und Zuneigung abhängig sind. Begegnen sie ihnen und sich immer wieder  mit der Kraft und Stärke einer sich ewig erneuerbaren Liebe. Haben Sie Verständnis für die Bedürfnisse dieser kleinen hilflosen Menschenkinder, hören und schauen sie Ihnen zu. 

Meine Bewertung für diesen wertvollen Ratgeber: Fünf ***** Sterne!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Kösel Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars. 



Dienstag, 7. Mai 2019

*Bin im Garten* von Meike Winnemuth, erschienen im Penguin Verlag

*Werbung*
Hardcover, Pappband mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
Mit Illustrationen und Fotos, durchgehend 4-farbig
ISBN: 978-3-328-60045-9
Erschienen am  25. März 2019

Info zum Buch und Autorin Meike Winnemuth

Inhalt / Klappentext:

Das Jahr des großen Wachsens – Meike Winnemuths neues Abenteuer

»Ein Jahr im Garten leben. Gemüse anbauen. Bäume pflanzen. Blümchen natürlich auch. Wurzeln schlagen. Boden unter den Füßen finden, und zwar einen, den ich persönlich dorthin geschaufelt habe.« Weltreisende sucht Ort zum Bleiben: Mit Tempo und Witz erzählt Meike Winnemuth in ihrem Tagebuch von ihrem neuen Abenteuer – dem ersten eigenen Garten. Vom Träumen und Planen, Schuften und Graben, Säen, Pflanzen, Ernten, Essen. Vom großen Wachsen (Muskelkater!) und Werden (plötzlich: geduldig!). Und entführt uns dabei an einen paradiesischen Ort wahren Lebens, mit Radieschen und Schnecken, mit Rittersporn und anderen blauen Wundern. Das Buch wird nach höchsten ökologischen Standards (Cradle to Cradle) hergestellt und nicht in Folie eingeschweißt.

Meine Meinung:

Dieses wunderschön gestaltete Buch , auf zart grünem Papier gedruckt, fast jede Seite mit tollen Gartenbildern verziert, und/oder mit verspieltem Design gestaltet, hat mich zum Schmunzeln und Lächeln gebracht - einfach erfreut und amüsiert. Ein echter *Knaller* für mich ,,, solche witzigen und lebensnahen Ausdrücke benutzt die Autorin sehr gern in ihrem leicht zu lesenden, informativen und unterhaltendem Schreibstil. *Einfach machen* gehört auch dazu und bestätigt mich in meinen eigenen Gartenerfahrungen, die ich während einiger Jahrzehnte schon machen durfte. Ihr Enthusiasmus schwappt zum Leser und man möchte sofort mit den Händen in der Gartenerde wühlen und etwas *machen*. Am liebsten natürlich sofort eine der vielen neuen Samen, Blumen, Pflanzen setzen, mit denen sie ihren Garten gefüllt hat. Mein Lerneffekt war ziemlich gross, was auch botanische Bezeichnungen angeht. Ich habe durch ihr Buch zusätzlich eine tolle APP (Flora incognita) entdeckt, die mir das Mitführen eines botanischen Print-Führers bei meinen Waldspaziergängen in Zukunft erspart. Man fotografiert den unbekannten, botanischen Waldfindling und bekommt über die APP sofort den zugehörigen Namen und die Erkennungsmerkmale gesendet.

Das Buch ist kein Ratgeber im üblichen Sinn, sondern es ist ein Gartentagebuch, in zwölf  12 Kapitel / Monate und deren Tage eingeteilt! Man könnte natürlich Monat für Monat , passend zur jeweiligen Zeit lesen, aber die entstandene Neugier auf die Weiterentwicklung des Gartenprojektes macht das einfach unmöglich. Ich habe jeden Tag , von dem sie akribisch und liebevoll erzählt, genossen, auch wenn es grad Sommer, Herbst oder Winter war.  

Die Autorin plaudert liebevoll auch über Begegnungen mit anderen Gartenfreunden, Gartengestaltern , Helfern und über ihre neu gewonnenen Lebens-Ein-Ansichten betreffend Achtsamkeit und Wertschätzung von Nahrungsmitteln, die man mit Mühe , Schweiss und Behutsamkeit zum Wachsen und Gedeihen bringt. Das hat mir besonders gut gefallen und imponiert. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige und amüsante Gartentagebuch!

Vielen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das zugesandte Rezensionsexemplar!


Samstag, 4. Mai 2019

*Das Glück findet dich dann, wenn du es nicht suchst* von Khenpo Sodargye, erschienen im Lotos Verlag

*Werbung, da Rezensionsexemplar*
Info zum Buch

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Karin Weingart
Originaltitel: Tales for Transforming Adversity
Originalverlag: Wisdom Publications
Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 8 s/w Abbildungen
Mit Lesebändchen
ISBN: 978-3-7787-8281-1
Erschienen am  03. September 2018

Über den Autor:  Khenpo Sodargye, geboren 1962 in Tibet, ist ein tibetischer Lama und buddhistischer Gelehrter. Bevor er zur Schule ging, verbrachte er seine Kindheit als Yak-Hirte. 1985 erhielt er seine Weihe im berühmten Kloster-Institut Larung Gar. Mittlerweile gilt Khenpo Sodargye als einer der bedeutendsten buddhistischen Lehrmeister unserer Zeit. Er hält weltweit Vorträge, in denen er zeigt, wie die Lehre des Buddha mit der globalisierten Welt vereinbart und in den modernen Alltag integriert werden kann.

Inhalt/Klappentext:
Schon Buddha wusste: Eine gute Geschichte erreicht Herz und Verstand der Zuhörer viel besser als so manche weitschweifende Lehrrede. In dieser Tradition steht auch Khenpo Sodargye, der buddhistische Erzählungen geschickt mit modernen, lebensnahen Themen verknüpft. Ob es um die Beziehung zu unseren Mitmenschen geht, um den Umgang mit eigenen Fehlern und Schwächen, um Gesundheit, Alter, Geldsorgen oder Stressbewältigung – einfühlsam und mit leichter Feder zeigt der tibetische Lama, wie wir trotz aller unvermeidlichen Schwierigkeiten glücklich und erfüllt leben können. Eine Fülle bereichernder Einsichten und ein großer Lesegenuss!

Meine Meinung:

Eine liebe Buchfreundin hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht, ich fand es - und war glücklich schon beim Anblick des gebundenen Buches mit dem geschmackvollen Cover und einem blauen Lesebändchen. Dieses habe ich auch sehr intensiv nutzen können, denn nur einige von diesen tiefsinnigen Gedanken, Geschichten und buddhistischen Weisheiten konnte ich am Tag verarbeiten. Sie haben mir sehr viel zum Nachdenken und Überlegen gegeben und sind keineswegs nur eine Lektüre für überzeugte Buddhisten. Der Schreibstil und die Botschaften sind klar, einfach und bieten doch so unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten, je nachdem in welcher Phase seines Lebens der jeweilige Leser sich grad befindet. 

Das Buch ist in acht Gliederungen aufgeteilt mit folgenden Titeln:

1. Wie können wir leben, ohne zu leiden?
2. Sein wie der Buddha
3. Sicher ist nur der Verlust
4. Vom Nutzen des Unglücks
5. Meditation durch achtsames Sprechen
6. Eltern
7. Glückseligkeit in Geburt, Alter Krankheit und Tod
8. Warum ist das Leben so schwer?

In jedem dieser acht  Aufteilungen finden sich kleine Weisheitsgeschichten über Achtsamkeit, Geduld, Mediatationserfahrungen, Unglücksmomente , welche zum Beispiel unerlässlich sind um das wahre Glück zu würdigen und zu erkennen! Diese kurzen Gleichnisse und/oder Geschichten sind aber nicht zu speziell und zu spirituell gefärbt, sondern passen zum alltäglichen Leben eines jeden Menschen unserer Zeit. Sie regen zum Nachdenken an  und geben keine festgesetzten starren Regeln vor!! 

Dieses Buch hat sich zu einem Herzensbuch für mich entwickelt und ich habe es gerne in Reichweite liegen um immer mal wieder etwas Tröstendes und Herzerwärmendes nachzuschlagen. Es eignet sich auch sehr gut als Geschenk und Mitbringsel für liebe Freunde, denen Achtsamkeit und Liebe gegenüber sich selbst und der Welt ein wichtiges Anliegen ist..... 

Danke an den Autor und den Lotos Verlag für die Bereitstellung dieses wertvollen und wunderschönen Ratgeber!

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für diese grossartige Lektüre ! 




  

Dienstag, 30. April 2019

*Der Wald* von Nell Leyshon, erschienen im Eisele Verlag

*Werbung*
Aus dem Englischen von Wibke Kuhn

Originaltitel: The forest

ca. 336 Seiten

Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen

Erschienen am 15. März 2019

Info zum Buch

Die Autorin

NELL LEYSHONs  erster Roman Black Dirt stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Im Eisele Verlag erschien zuletzt mit großem Erfolg bei Presse und Publikum Die Farbe von Milch, ihr zweiter Roman, für den sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert war. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.

Inhalt/Klappentext:

Warschau im Zweiten Weltkrieg: Der kleine Pawel wächst wohlbehütet in einem bürgerlichen Haushalt auf. Doch als der Krieg kommt und sein Vater sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert, ändert sich alles. Die Familie lebt in ständiger Gefahr. Eines Nachts bringt der Vater einen schwer verwundeten englischen Kampfpiloten mit nach Hause, um ihn in Würde sterben zu lassen. Doch entgegen jeder Wahrscheinlichkeit überlebt der Pilot und löst damit eine Kette folgenschwerer Ereignisse aus ... England, viele Jahre später: Pawel führt ein Leben als freier Künstler. Tief in sich trägt er die Erinnerung an die Erlebnisse seiner Kindheit – daran, wie er mit seiner Mutter in den Wald fliehen musste und dort Monate verbrachte, jenseits von allem, was er kannte, allein inmitten der Natur. Die Geschehnisse dieser Zeit haben beide ganz unterschiedlich geprägt und für immer aneinander gebunden; doch in der Gegenwart stellen sich Mutter und Sohn Hindernisse in den Weg, die es ihnen schwer machen, wieder zueinander zu finden ...


Meine Meinung: Das ist mein erstes Buch dieser Autorin  und ich bin total berührt von dem feinen, poetischem, leisen und hintersinnigem Schreibstil der Autorin. Man sollte es lesen, nicht hören, denn ich habe den Text und die inhaltsschwere Bedeutung einiger Aussagen oft erst beim Nachlesen wirklich begriffen. Es ist die Geschichte einer innigen Mutter-Sohn-Beziehung, die durch ein gemeinsam erlebtes Schicksal eng und für immer aneinander gebunden wurden. Der Roman ist in drei Teile untergliedert, führt ein im ersten Teil in die Zeit der Besetzung Warschaus durch die deutschen Truppen im 2. Weltkrieg. Eindringlich erlebt man diese traurige Zeit durch den Blick einer wohlhabenden Familie, die durch diese Tragödie auseinandergerissen wird. Kein Dienstpersonal, kein Kindermädchen stehen mehr zur Verfügung. Hunger und Verzicht auf viele normale Annehmlichkeiten des täglichen Lebens prägen den Alltag. Die Mutter findet Trost in ihrer Cello Musik und dem plötzlich nahen Umgang mit ihrem kleinen Sohn sowie ihrer eigenen Mutter und Schwester Joanna. Ihr Kontakt zu dem Kind ist oft widersprüchlich, manchmal gar ablehnend, da der kleine Pawel ein sehr neugieriges,  nachdenkliches und anstrengendes Kind ist und alle Erziehungsarbeit nun ihr allein und den Frauen der Familie überlassen wird. Karol, der Vater entfernt sich immer weiter aus dem Familienleben und geht im Kampf der Widerstandsbewegung auf. Die Schwester Joanna und die Grossmuter der Familie, eine Ärztin werden verschleppt, deportiert und ihr Schicksal verliert sich in den Wirren des Krieges. 

Über die Flucht in den Wald von Mutter und Sohn, im zweiten Teil der Geschichte erzählt, erfahren wir sehr viel über die Belastbarkeit der menschlichen Psyche unter einfachsten Lebensumständen. Der kleine Pawel beweist unglaubliche Stärke, sorgt für seine passiv dahin dämmernde Mutter. In der Einsamkeit des Winterwaldes und durch den Kontakt mit einer alten Frau, Baba Jaga genannt, findet er Trost und Hilfe. Er entdeckt für sich die Liebe zur Natur, zum Gärtnern und und zu sich selbst in seiner kreativen Traumwelt. Dieser wichtige Lebensabschnitt, gezeichnet durch  den Verlust der Familie, den nicht  normalen Alltag im einsamen Wald und den allgegenwärtigen Hunger binden Zofia und Pawel mit einem undurchsichtigen Band für immer aneinander. Der Ehemann und Vater Karol spielt weiterhin keine grosse Rolle im Leben von Mutter und Sohn. 

Im dritten Teil leben Pawel, nun Paul genannt und Zofia, nun Sofia nach dem Kriegsende in England. Paul hat einen kreativen künstlerischen Beruf ergriffen und Sofia kämpft mit dem Alter und ihrem Schicksal , aber die Liebe endet nie. Was für ein schöner und tröstender Abschluss dieser ergreifenden Familientragödie..... 

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für dieses ungewöhnliche Buch.

Vielen Dank an die Autorin und den Eisele Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Sonntag, 28. April 2019

*Das wilde Herz* von Andrea de Carlo, erschienen im Diogenes Verlag

*Werbung*
Paperback
464 Seiten
erschienen am 01. April 2019

978-3-257-30074-1

Info zum Buch

INHALT / KLAPPENTEXT:
Mara liebt ihr altes Haus in Ligurien. Im Sommer arbeitet sie dort an ihren Skulpturen, die international hoch gehandelt werden. Ihr Mann hingegen, ein Anthropologe, mag weder Haus noch Dorf und zieht sich in die Welt der Wissenschaft zurück. Als das Dach einstürzt und ein mysteriöser Typ aus dem Dorf anbietet, es zu reparieren, kann Mara nicht nein sagen, obwohl sie damit ihre Ehe aufs Spiel setzt.
Die Bildhauerin Mara Abbiati und ihr Mann, der berühmte Anthropologe Craig Nolan, haben ein kleines Ferienhaus in Ligurien, zwischen Meer und Apennin. Nach einem Gewitter klettert Craig aufs Dach, um die Stelle zu finden, durch die es ins Schlafzimmer regnet, kracht durchs morsche Gebälk und verletzt sich. Auf der Suche nach einem Dachdecker gerät das Ehepaar an Ivo Zanovelli, einen Aussteiger mit dunkler Vergangenheit – und das Leben aller Beteiligten verändert sich von Grund auf. Andrea De Carlo lässt in dieser flirrenden Geschichte über Liebe und Verführung jede seiner drei Hauptfiguren – die Künstlerin, den Wissenschaftler und den Aussteiger – zu Wort kommen, mit ihren Zweifeln, Fragen und Hoffnungen und mit ihrer Sehnsucht nach mehr Echtheit im Leben.




REZENSION

MEINE MEINUNG:

Auf Grund des Klappentextes und Titel des Buches hatte ich mich auf eine aussagekräftige, romantische Liebesgeschichte mit italienischem Flair gefreut. Ein wenig enttäuscht bin ich nun schon von dieser emotionalen Dreiecksgeschichte, die sich recht vorhersehbar und teilweise Langeweile verbreitend, entwickelt hat.  

Mara, die impulsive und leidenschaftliche Bildhauerin mit Herz hat zwar auch mein Herz stückweise erobert, was aber eher an ihrem  impulsiven Temperament, dem verschlafenen Ort in Ligurien und am italienischen Flair, den sie in dieser Geschichte verbreitet, liegt.  Sie ist in einer Ehe gefangen, die von Kühle, Analysen ihres hochgebildeten Ehemann Craig Nolan, einem anerkannten Anthropologen und Wissenschaftler gedanklich regelrecht negativ seziert wird. So einer unsympathische Charakterdarstellung begegnet man als Leser*in recht ungern und ich konnte mich einfach an ihn und seine wissenschaftlich aufbereiteten  Analysen über Liebe, Anziehung der Geschlechter in anderen Kulturen etc. gar nicht gewöhnen, oder gar Sympathie entwickeln.  Er hat sich zwar durch den Dacheinbruch eine schlimme Sprunggelenk Verletzung zugezogen , aber mein Mitleid mit ihm hat sich in Grenzen gehalten. Dagegen hält Ivo Zanovelli an, der junge und dynamische Jungunternehmer mit langem Haarzopf , Goldkettchen und einer Vorliebe für schnelle Autos und Motorräder,  ausgestattet mit einem erfrischend anders auftretendem Benehmen und Gebaren. Sein widersprüchlicher Charakter und seine Gedankenwelt, die der Autor für den Leser zögerlich  entwickelt, haben mein Interesse geweckt. 

 Genervt und verstört wurde ich beim Lesen durch die immer wiederkehrenden Nachahmungen  und Aufzählungen von merkwürdigen Geräuschsilben wie woosh, stok, wam, skate-stak-tank und ähnlichen undefinierbaren Lauten , die beim Bau und Abbruch eines Daches zwar entstehen können, die man aber so nicht ansprechend in einen Roman einbringen kann. Vielleicht war es ja als Metapher gedacht, um das Zerbröckeln und Scheitern einer Beziehung darzustellen? Hier hat sich der Autor für mich in seinem Schreibstil eindeutig vergriffen und nervt damit auf vielen Seiten. 

Ich habe lange im Buch auf andere Aktionen als die Darstellung und Entwicklung von diesen drei Charakteren gewartet, aber es passiert nicht sehr viel mehr, wenn man von einem Ausflug in die ligurischen  Berge zu einem Steinbruch von Mara und Ivo absieht.  Und das auf vierhunderfünfundfünfzig  -455-   Seiten!!  Das ist sehr schade und etwas deprimierend!

Meine Bewertung: DREI *** Sterne für diese Lektüre!

Danke für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!