Mittwoch, 27. Mai 2020

*Labyrinth* von Burhan Sönmez, erschienen im btb Verlag

*Werbung, unbezahlt. Rezensionsexemplar*
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Originaltitel: Labirent
Originalverlag: İletişim Yayınları
Hardcover mit Schutzumschlag, 160 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75838-8
Erschienen am  02. März 2020

Inhalt /Klappentext:

Boratin, ein junger Musiker öffnet nach einem Selbstmordversuch in einem Istanbuler Krankenhaus die Augen. Er kann sich an nichts erinnern, nicht einmal an seine eigenen Lieder. Für ihn besteht kein Zweifel daran, dass die einzige Wahrheit sein geschundener Körper ist. Nicht wissend, ob das Vergessen nun Fluch oder Segen ist, begibt er sich nach draußen, auf die Suche nach sich und seiner Geschichte, mitten hinein in die flirrende Metropole am Bosporus, die ihm in ihrer Gebrochenheit und ihrer Geschichtsvergessenheit zum Erschrecken ähnlich ist. Wir folgen Boratin auf seiner Suche, und wissen dabei nie mehr, als er selbst. Seine unbeantworteten Fragen werden zu Fragen, nach deren Beantwortung wir selbst suchen.

Burhan Sönmez wurde 1965 in Zentralanatolien geboren und wuchs sowohl mit der kurdischen als auch der türkischen Sprache auf. Er studierte Jura in Istanbul. Sönmez war Mitglied des türkischen Menschenrechtsvereins IHD und Gründungsmitglied der demokratischen Stiftung TAKSAV. Bei einem Übergriff durch die Polizei wurde er 1996 in der Türkei schwer verletzt und anschließend dank der Freedom-from-Torture-Stiftung in England medizinisch versorgt. Er unterrichtet an der Middle East Technical University in Ankara, schreibt für verschiedene unabhängige Medien und ist aktives Mitglied des türkischen und englischen PEN. Burhan Sönmez lebt mit seiner Familie in Istanbul und Cambridge. Seine preisgekrönten Romane erscheinen inzwischen in über zwanzig Ländern.



Meine Meinung: Es war eine packende Reise durch die MEGA CITY ISTANBUL, erlebt durch eine Ich-Erzählung, die Gedanken, Erinnerungen und Begegnungen mit Menschen des früheren Lebens eines jungen Musikers. Er erinnert sich NICHT an seine Persönlichkeit und Erlebnisse, wachte im Krankenhaus auf, wo ihm gesagt wurde, dass er von der Bosporus-Brücke, mit ausgebreiteten Armen, freiwillig und gedankenverloren in die tiefe Dunkelheit des Wassers geflogen ist. Ich bin teilweise in den Worten des Autors versunken, habe jeden Satz genossen, der poetisch und melancholisch, mit einer spürbar tiefen inneren Trauer erzählt. Philosophische Gedanken treiben den jungen Musiker um, während seiner Suche nach der Vergangenheit seines Lebens und dem Gedächtnis. Einige Menschen bieten ihm Halt in seiner Verlorenheit. Da ist sein Freund Bek und die Schwester aus der fernen Heimat auf dem Land, die er drei Jahre nicht besucht hat. Sagt sie zumindest, nach einigen Telefonaten. Boratin kann es kaum glauben, hört aufmerksam ihren Erzählungen aus seiner Kindheit auf dem Dorf zu. Auf Seite 115 kommt mir allerdings der Verdacht, dass seine Trauer und der versuchte Suizid auch noch andere Gründe hat, die im Buch nur unterschwellig und vorsichtig genannt, eher angedeutet werden. 


ZITAT Seite 115 "Was hat das A auf den Plakaten zu bedeuten, fragte ich. Ich meine, warum ist es auf das Gesicht eines Sultans gemalt, der vor hundert Jahren gelebt hat? Sie brechen in Gelächter aus. Glauben, ich hätte einen guten Scherz gemacht. Sie haben recht, sagen sie, der Mann steht JETZT an der Spitze des Staates, aber er trägt den Kopf von vor hundert Jahren. Deshalb haben wir seinen Kopf übermalt. Ihr habt das getan? Ja, letzte Woche bei den PROTESTEN." 

Dieses Buch und das obige Zitat haben mich überrascht durch die wunderbar poetische Ausdrucksweise des Autors.  Und zwar durch seine leisen Zwischentönen und die fesselnden, atmosphärischen Schilderungen einer Millionenstadt mit der Buntheit und Lebenslust ihrer teilweise sehr jungen Bevölkerung.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses Buch im grossartigen Schreibstil und in atmosphärischer Dichte verfasst.

Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  





Dienstag, 19. Mai 2020

*Zwei Wochen im Juni* von Anne Müller, erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

ISBN: 978-3-328-60109-8
Erschienen am  27. April 2020

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Wenn das geliebte Elternhaus verkauft werden muss - und die eigenen Träume zu leben beginnen

Ada liebt ihr Elternhaus an der Ostsee mit dem herrlichen Bauerngarten, doch nun heißt es, Abschied nehmen. Nach dem Tod der Mutter muss Gragaard verkauft werden. Zusammen mit ihrer Schwester Toni räumt sie Haus und Bootsschuppen aus, und eine Reise in die Vergangenheit beginnt: Da sind die Abendkleider der Mutter, die die rauschenden Sommerfeste wiederaufleben lassen und die glücklichen Tage, bevor der Vater die Familie verließ. Und da sind die Ölporträts, die der russische Maler Maxim, um dessen Aufmerksamkeit die Mädchen buhlten, einst von ihnen angefertigt hat. Als sie im Sekretär einen Brief der Mutter an sie beide finden, fasst Ada endlich den Mut, sich ihren Sehnsüchten zu stellen, und aus dem Abschied wird Aufbruch.


Anne Müller wuchs in Schleswig-Holstein auf und lebt heute in Berlin. Nach dem Studium der Theater- und Literaturwissenschaften arbeitete sie zunächst als Radiojournalistin, dann als Drehbuchautorin. »Sommer in Super 8« ist ihr erster literarischer Roman, der viele begeisterte Leserinnen und Leser gefunden hat.


Meine Meinung: 

Das wunderschön illustrierte Cover, im herrlichen Himmelblau und Orange gestaltet,  fällt sofort ins Auge und verspricht ein traumhaftes und romantisches Lesevergnügen, welches auch eingehalten wurde. Das blaue Cover, mit weißen Blütenständen verziert, mit festem Einband und in angenehmer Lesegrösse, stellt eine gelungene Beziehung zur künstlerisch begabten Ada, dem Meer und Himmel dar. Als Malerin liebt sie diese Farbkombination und stellt sie gerne in ihren Bildern dar. 

Zitat Seite 9 " Ich habe was, was du nicht hast. Ihr Spiel auf Autofahrten. Toni, die immer hinter dem Beifahrersitz und der Mutter saß, gehörte die rechte Hälfte der Welt, ihr, Ada, die linke. "

 Die Geschichte von Toni, Ada und ihren Eltern, wird in Gegenwart und mit  Rückblicken in das Kindheitserleben der Schwestern erzählt. Die Autorin lässt die jüngere Ada eindrucksvoll aus ihren Erinnerungen in zwei Ebenen aus der Ich-Erzählweise sprechen. Dies gelingt ihr mit einem ganz besonders zauberhaften und klarem Schreibstil, der berührt und viele Emotionen bei den Leser*rinnen weckt. Eigentlich ist es eine ganz unromantische Angelegenheit,  zu der sich die inzwischen erwachsenen Geschwister im Elternhaus an der Ostsee treffen. Die Mutter ist plötzlich verstorben und der Haushalt muss aufgelöst werden.  Die lebhafte, ältere Toni ( Antonia) , mitten im Leben stehend als Lehrerin , Ehefrau und Mutter einer pubertierenden Tochter perlt mit ihren aktiven Ideen und  stürmischen Handlungen durch das Buch. Im Gegensatz dazu steht die stillere, künstlerisch begabte jüngere Schwester Ada, die als Single in einer Grossstadt lebt. Beide Geschwister verbindet eine enge Beziehung an die Erinnerung von Familienleben und Kindheit im Ostseeort Gragaard. 


Die vierzehntägige Zeit, die sich die jungen Frauen  zum Aufräumen und Auflösen des Hausstandes genommen haben, wird auch eine Zeit des Aufarbeitens der vergangenen Tage und eine Reflexion ihrer jetzigen Lebenssituationen werden. Die Beziehung der Schwestern zueinander und das Verständnis füreinander vertiefen sich und führen die beiden in ganz neue Lebens-Ansichten und zu neuen Handlungswegen. Behutsam öffnet die Autorin mit ihrer bildhaften Schreibweise die Erinnerungen der vergangenen Jahre und auch Schmerz und so manche  Verletzung aller Familienmitglieder  treten zu Tage, bedingt durch die Trennung des Vaters von der Mutter nach 17 Ehejahren. Erschüttert begreifen die Geschwister, dass auch ihre Mutter nicht immer so glücklich war, wie sie geglaubt hatten als Kinder und Jugendliche. Sie kommen einem Geheimnis auf die Spur und sehen ihre Mutter nun auch klarer in ihrer Ganzheit einer weiblichen Persönlichkeit, die zugunsten der Familie und Ehe ihre künstlerische Laufbahn als Musikerin aufgegeben hatte.  Die Autorin erzählt all das in leisen Tönen und  tiefgründigen Ausführungen, die den/die Leser*rinnen zu eigenen Gedanken und Emotionen führt. 

Es ist eine stille, feine Lektüre der leisen Töne, in der nicht viel passiert, die aber dennoch voller Lebensweisheit und Klugheit steckt. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE !

Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das schöne, gebundene Rezensionsexemplar!


Mittwoch, 13. Mai 2020

*Die Insel der Leuchttürme* von Lily Graham, erschienen im Diana Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Inhalt/Klappentext:

 Ein altes Haus im warmen, mediterranen Licht auf einer balearischen Insel. Ein Ort, von der Zeit vergessen, der von lange vergangenen Sommern, sonnengeküssten Erinnerungen und einem schrecklichen Verrat erzählt … 

Ihr verstorbener Mann James hinterlässt Charlotte ein unerwartetes Geschenk auf Formentera: das wunderschöne alte Haus mit dem klingenden Namen Marisal, das einst ihrer Großmutter gehörte. Als Charlotte dorthin reist, kommt sie der verborgenen Geschichte ihrer Familie, die eng mit dem dunklen Geheimnis der Insel verwoben ist, auf die Spur. Und sie erfährt von einer verhängnisvollen Liebe, die viele Leben in Gefahr brachte und von zwei Schwestern, die ein tragischer Verlust entzweite …


Lily Graham wurde in Johannesburg, Südafrika geboren. Daher stammt wahrscheinlich auch ihre Sehnsucht nach dem Meer, die sie immer begleitet. Heute lebt sie mit ihrem Mann und der Bulldogge Fudge in England und lässt ihre Liebe zum Meer in ihre Bücher einfließen. »Die Insel der Leuchttürme« ist ihr erstes Buch im Diana Verlag.

Meine Meinung: 

Das wunderschön gestaltete Cover weist sofort auf einen Wohlfühl-Roman hin, der Sommer, Sonne und Meer verspricht. So liest sich diese Geschichte auch zu Beginn. Schnell, beschwingt, mit viel Esprit. Gebannt bin ich durch die Seiten geflogen und wurde  durch den einfachen und bildhaften Schreibstil der Autorin in meiner Annahme bestätigt. Der Roman beginnt sehr traurig und bleibt auch lange deprimierend, denn die englische Hauptprotagonistin Charlotte, hat ihren geliebten Ehemann zu früh durch eine Krebserkrankung verloren. Aber er hat etwas Wunderbares für sie erstanden und ihr ein altes Haus, gelegen auf der Insel Formentera mit dem romantischen Namen Marisal, überschrieben. Sie lernt neue , auf der Insel ansässige Menschen kennen  und da ist natürlich noch ihre heutige Familie.  Ihr Bruder Alex und ihre Tochter Stage stehen ihr tapfer nach dem Verlust von Ehemann James zur Seite. 


Das Buch spielt in zwei Zeitsträngen , der Gegenwart und im 18. Jahrhundert , beginnend im Jahr 1718 auf Formentera. Das Thema ist sehr interessant gewählt und erzählt eine spannende Familientragödie. Es geht vor allem auch um eine geheime jüdische Gemeinschaft der damaligen Zeit, die sich  auf diese kleine Insel zurückgezogen hat und sogar zum Schein zum Christentum konvertiert ist. Die jüdische Gemeinde schottet sich stark ab, besucht  den christlichen Gottesdienst und besitzt sogar geheime Räume unter der Kirche, nämlich eine eigene Synagoge. 


Leider hat mir der zweite wichtige Teil aus dem 18. Jahrhundert, geprägt von einem unscheinbaren und plötzlich langweiligen  Schreibstil der Autorin gar nicht gefallen. Ihre Protagonist*innen dieser Zeit bleiben seltsam uninteressant. Sie benutzt die gleiche moderne Ausdrucks- und Schreibweise wie im beginnenden Teil des Buches und grenzt die beiden Erzähl Stränge in keiner Weise schreibtechnisch voneinander ab.  Der ganze Roman wirkt durch diesen  Schreibstil-Fehler (in meinen Augen)  plötzlich oberflächlich und nichts sagend, langweilig und ist überhaupt nicht mehr ausdrucksstark. Das ist sehr schade, vor allem um das spannende Thema der Judenverfolgung auf den Balearen, von dem ich bisher nicht viel gewußt hatte. Ich war doch sehr enttäuscht und meine anfängliche Lesefreude plätscherte leise dahin und verflog mehr und mehr von Seite zu Seite.


 Aus diesem Grunde möchte ich dem Roman mit diesem eigentlich wichtigen  Themenansatz , aber der atmosphärisch verfehlten Beschreibung einer  Historien Zeit leider nur DREI *** STERNE geben. 

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!  

Montag, 4. Mai 2020

*Im Zeichen des Löwen* von Daniel Wolf, erschienen im Goldmann Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Historischer Roman
Friesen-Saga 1
Erscheinungstermin: 17. Februar 2020

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext: 

Friesland 1351: Schiffe zu bauen – das war schon immer der Traum des junge Zimmermanns Jann Wilken. Mit seinen genialen Ideen will er die Seefahrt revolutionieren und sich in den Häfen der Hanse einen Namen machen. Aber Jann hat es nicht leicht. Er ist der uneheliche Sohn des mächtigen Wilke Tammen Osinga, der den Bastard verabscheut und täglich erniedrigt. Der jähzornige Wilke führt eine Blutfehde gegen seinen Erzfeind Enne Rycken und zieht seine Söhne in den Konflikt hinein. Jann ist seit langem heimlich in seine Jugendfreundin Jorien verliebt. Doch als er ihr endlich seine Gefühle gestehen will, wird sein Dorf von Enne angegriffen, und es kommt zur Katastrophe ...


Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen »Das Salz der Erde«, »Das Licht der Welt«, »Das Gold des Meeres« und »Die Gabe des Himmels« gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer.


Meine Meinung: Dieser fast eintausend (1000) lange Seiten verfasste historische Roman hat mich lange in seinen magischen und spannenden Bann gezogen und gefesselt. Ein ungewöhnliches und für mich relativ neues Thema hat der begabte und junge Autor Daniel Wolf damit aufgegriffen. Es handelt sich um die ersten Anfänge der Hanse-Bewegung im 13. Jahrhundert. Er verfolgt in seinem Buch die Entwicklung eines germanischen Volksstammes an der Nordseeküste gelegen, FRIESEN genannt. Von den heutigen Niederlanden bis Dänemark am Meer beheimatet, hat er diese Volksgruppe mit seinem nie langweiligen, vielfältigen und packendem Schreibstil mitsamt einer hervorragenden Recherche-Arbeit, dem interessierten Leser*rinnen zur Information und vergnüglichem Geschichtsunterricht beim Lesen geschenkt. Karten des Ortes Warfstede , im heutigen Haarlinger Land gelegen, ein fachlich sehr kompetentes Glossar über Schiffbau sowie damalige friesische und maritime Ausdrucksweisen, vervollständigen das Buch aus dem Wissen vom faszinierenden und schwierigen Handwerk der Zimmerleute rund um den Bau der Holzkoggen. 


Die Protagonisten heben sich durch charaktervolle und sehr typische Denkweisen der damaligen Zeit hervor und beeindrucken zusätzlich durch gesunden Menschenverstand und Herzenswärme. Aber der Autor erzählt  auch von unnachgiebiger Härte gegen Natur und Mitmensch, die von den harten und oft bedrohlichen Lebensumständen an der rauen  und unberechenbaren Nordseeküste gefordert wurde. Die Friesen waren immer souverän und fühlten sich frei von Autoritäten, hatten keine Könige, sondern Häuptlinge, die im kleinen Kreis ihre Regierungsgeschäfte führten. 


Diese opulente und farbige Familiensaga entführt den Leser in eine vergangene Welt, die von den Anfängen des Hansebundes geprägt wurde. Vom Handel der Kaufleute und der weiteren Entwicklung der Hanse erfahren wir zwar nicht allzuviel, doch die Familienfehden, Liebes - und Hassgeschichten füllen den Roman mit ausreichendem Leben und spannenden Wendungen. 


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen historischen Roman über die Friesen und das Leben an der stürmischen und unberechenbaren Nordseeküste. 


Herzlichen Dank an den Autor und den Goldmann Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 29. April 2020

*Leben* von Uwe Laub, erschienen im Heyne Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (13. April 2020)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453439635
ISBN-13: 978-3453439634

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext:

Antilopenherden in Südafrika und Fledermauskolonien auf der Schwäbischen Alb: Weltweit verenden innerhalb kürzester Zeit große Tierpopulationen, ganze Arten sterben in erschreckendem Tempo aus. Experten schlagen Alarm, denn das mysteriöse Massensterben scheint vor keiner Spezies Halt zu machen. Der junge Pharmareferent Fabian Nowack stößt auf Hinweise, dass selbst der Fortbestand der Menschheit unmittelbar bedroht ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, an dessen Ende unsere Erde nie wieder so sein wird wie zuvor.

Uwe Laub wurde 1971 geboren, arbeitete zunächst als Market Maker an der Deutschen Terminbörse, danach mehrere Jahre im Pharma-Außendienst, bevor er 2010 schließlich den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Heute hat er eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau und seinem Labrador "Marley" in München und Fort Myers/USA. 2013 erschien "BLOW OUT". Der Thriller entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg, der es zum Buchtipp im SAT1-Frühstücksfernsehen brachte. Laubs zweiter Roman "STURM" erschien 2018 im Heyne-Verlag, kletterte bis auf Platz 14 der SPIEGEL-Bestseller Liste, wurde von der ZDF heute-Redaktion als einer von zehn lesenswerten Romanen für 2018 ausgewählt und für den Deutschen Phantastikpreis 2019 in der Kategorie "Bester deutscher Roman" nominiert. Laub ist Mitglied im Club der fetten Dichter, einer illustren Runde erfolgreicher Autoren, für die er einen Teil der Mysteryserie "THE WALL" geschrieben hat. Laubs dritter Roman "LEBEN" wurde am 13. April 2020 veröffentlicht, ebenfalls bei Heyne.


Meine Meinung: 

Eine Phiole *Leben* überreicht uns der Autor mit Hilfe einer spannenden und fiktiven Story, so dass es den Leser oft gruselt und er unweigerlich Parallelen zu unserer derzeitigen Realität in der Corona Krise ziehen kann. Der Roman erzählt von folgenden Protagonisten und gliedert sich in drei Teile. Da wären:

Fabian Nowack, der Pharmareferent, der von der neuen Gelbaugen-Krankheit, einer weltweiten Pandemie betroffen ist.

 Mark Brenner,  ein undurchsichtiger Charakter, erledigt diverse Aufträge für Philipp von Cronberg

Philipp von Cronberg,  der Vorsitzender von VC-Pharma

Davina De Boni,  eine Botanikerin und Pharmakologin 

Im ersten 'Teil des Buches wird der erschreckende Ausbruch einer weltweiten Pandemie geschildert, die millionenfaches Sterben von Tieren und Menschen zur Folge hat. Im zweiten Teil begleiten wir Davina de Boni, eine taffe Wissenschaftlerin , bei ihren Erlebnissen im südamerikanischen Dschungel. Und der dritte Teil des Romans bringt uns wieder zurück nach Deutschland in erschreckende Lebenssituationen. 

Ich bin durch das Buch geflogen , angetrieben und angelockt vom sehr gut zu folgendem und flüssigen  Schreibstil des Autors. Manchmal empfand ich seine Beschreibungen als fast zu reißerisch, dann hat er mich wiederum  mit seiner nüchternen und realen Sicht - und Schreibweise gefesselt und überzeugt. Erst erfolgt ein langsames Artensterben, die Natur kapituliert und zieht sich zurück, verändert sich. Dann, im heutigen Zeitalter des Menschen stirbt auch dieser, verliert die Grundlagen zum Überleben auf unserem Planeten. 

Dieser Wissenschaftsthriller ermöglicht kein gemütliches Abtauchen in eine ferne Lesewelt, sondern rüttelt auf, öffnet dem Leser die Augen und lässt eine unheimliche Uhr im Kopf ticken. Es ist fünf Minuten vor 12 Uhr. Ein Wandel des Lebens für alle Erdenbewohner kommt unweigerlich auf uns zu. 


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen  und aufrüttelnden Wissenschaftsthriller. 


Danke an den Autor und den Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar. 

 


Mittwoch, 8. April 2020

*Wild Game - Meine Mutter, ihr Liebhaber und ich * von Adrienne Brodeur, erschienen im Droemer Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink
Erschienen am 1. April 2020

Inhalt / Klappentext:

Adrienne / Rennie  hat eine umwerfende, strahlende Mutter, die der Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft ist. Schon ihr Name Malabar strömt reine Exotik aus. Doch Malabar ist auch eine große Egozentrikerin, und als sie sich in den besten Freund ihres Mannes verliebt, macht sie ihre Tochter zu ihrer engsten Vertrauten und stellt auf diese Weise das Mutter-Tochter-Verhältnis auf den Kopf. Bald schon lebt Adrienne ganz für die aufregende Liebesgeschichte ihrer Mutter, statt ihre eigene Jugend auszukosten. Erst als erwachsene Frau ist sie in der Lage, die Mechanismen zu erkennen, die ihr Leben geprägt haben. Und es gelingt ihr, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen, die ihr die Jugend gestohlen hat.

Adrienne Brodeur hat acht Jahre als Lektorin bei dem renommierten New Yorker Verlag Harcourt Houghton Mifflin gearbeitet und leitet jetzt ein Programm zur Förderung schriftstellerischen Nachwuchses. Zusammen mit Francis Ford Coppola gründete sie das Magazin Zoeptrope: All story. Adrienne Brodeur ist Autorin des Romans "Man Camp" und schreibt nebenbei für die New York Times. Sie lebt in New York und auf Cape Cod.



Meine Meinung zum Buch: 

Der ungewöhnliche Titel des Buch hat mich sofort magisch angezogen und mein Interesse geweckt. Zudem habe ich in der letzten Zeit immer gute Erfahrungen mit Büchern gemacht, die von einem Lektor*rin verfasst wurden. Adrienne Brodeur hat einen ausgereiften, klaren und fesselnden Schreibstil. Das Buch erzählt autobiografisch, beginnt in einem leichten, ansprechend charmanten Schreibstil, fast in Jugendsprache verfasst, und endet mit einer psychologisch sehr tiefen, bedrückenden und ergreifenden Selbstanalyse des Lebensverlaufes der Autorin. Adrienne Brodeur beschreibt mit offener Ehrlichkeit ihre Mitbeteiligung an einem Betrug. Ihre exzentrische Mutter Malabar betrügt ihren kranken, zweiten Ehemann Charles jahrelang mit seinem Freund Ben. Er ist ein Vertrauter der Familie. Ben und Charles sind seit Jahrzehnten durch eine innige Freundschaft eng miteinander verbunden. 


Die verschiedenen Charaktere der Hauptprotagonisten wurden schlüssig, realistisch und sehr anschaulich dargestellt. Da ist die schillernde, in der Öffentlichkeit stehende Mutter Malabar, egoistisch, und fast kindlich naiv dargestellt in ihrem Wesen. Sie wurde ihrerseits geschädigt durch eine schwierige Kindheit im Dunst einer exotischen Familie und ähnlich geprägten Mutter, die im Indien der Kolonialzeit gelebt hat. Diese Vorstellung nährt Malabar mit Schilderungen ihrer Kindheit gegenüber ihrer Tochter. Der Besitz eines wertvollen Schmuckstückes aus diesem exotischem Land spielt eine grosse Rolle in der ungesunden Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rennie bewundert kritiklos, verzückt und unreflektiert die Geschichten der Mutter um dieses Collier. Lebenslang.

   

Mit einem Kuss zwischen Ben und Malabar beginnt diese Affäre. Malabar vertraut sich sofort ihrer jungen 14 jährigen Tochter ohne Hemmungen an und macht sie bewusst zur Mitwisserin. Malabar missbraucht das Vertrauen, die Bewunderung sowie die absolute Liebe ihres Kindes Adrienne/Rennie, indem sie die pubertierende Rennie zur Vertrauten und Mitspielerin ihres Betruges verführt. Anstatt ihre Jugend und ihr eigenes Liebesleben zu er-leben, tut Rennie alles um die Affäre ihrer Mutter zu be-schützen. Sie dient freiwillig mit persönlichen Alibifunktionen für Ben und Malabar, obwohl sie ihren Stiefvater Charles sehr liebt. Gewissensbisse ihm gegenüber spült sie mit ihrer Schwärmerei für die romantische, neue Liebe ihrer Mutter hinweg. 


Charles erscheint dem Leser lange Zeit unwissend über dieses Geschehen. doch im Rückblick als erwachsene, reife Frau sieht Rennie sein Leben und Verhalten schon aus einer anderen Sichtweise. Alles was nicht ausgesprochen wurde - erschien ihr nun im Rückblick als unterschwellig, schwer benennbare unheilvolle Schwingung im Familienleben. Je älter Rennie wird, desto mehr belasten sie diese alten Geheimnisse,  zumal sie nun zunehmend ihr Verhältnis zur Mutter differenzierter und objektiver sehen kann. Das ist eine sehr interessante Entwicklung für den Leser und baut sich immer stärker auf.  Interessante und genau beschriebene Nebenprotagonisten wie Ben's Ehefrau Lilli, Ben selber und Rennie's Bruder runden das Bild der beteiligten Personen  in diesem Familiendrama gut ab. Alkoholexzesse im Familienleben, die Lage des gemeinsamen Heimes am Meer,  sowie eine Feinschmecker Küche geben dem Buch Esprit und Atmosphäre, da Malabar auch auf diesem Fachgebiet absolut brilliert. 

Die Lektüre ist unglaublich spannend, wandelt sich und hat mich in einen enormen starken Lesesog gezogen. Nach dem Beenden fühlte ich mich angestrengt, ausgelaugt aber trotz allem sehr gut unterhalten - fast wie in einem Krimi. So muss Belletristik sein: ehrlich, unterhaltend und spannend - eben aus unserem reichen und buntem Leben mit allen Schattierungen, Höhen und Tiefen versehen!


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen Roman!

Vielen Dank für diesen absoluten Lesegenuss an die Autorin und den Droemer Verlag.      


 


Montag, 6. April 2020

*Ausgemustert* von Susanne Fröhlich, erschienen im Knaur Verlag

*Werbung, unbezahlt*
Infolink zum Verlag

Erscheinungstermin: 03.02.2020

Inhalt/Klappentext: Was tun, wenn der Mann nach zwanzig Ehejahren plötzlich für eine viel Jüngere das gemeinsame Leben verlässt? Wenn einem mit Ende Vierzig, einer halbwüchsigen Tochter und einem Teilzeitjob ein Single-Dasein aufgedrängt wird, das man sich so ganz sicher nicht freiwillig ausgesucht hätte? Wenn Nachbarinnen plötzlich auf Distanz gehen, weil man als Venusfliegenfalle für brave Ehemänner gilt? Und nicht mal die eigenen Eltern Mitleid haben? Da hilft nur der Kaltstart in ein neues Leben und den Zumutungen des alten die Stirn zu bieten. Mit einem Tinder-Account und Männern, die die Suche nach dem Glück auch noch nicht aufgegeben haben.

Susanne Fröhlich ist eine der bekanntesten Autorinnen Deutschlands. Die Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin arbeitet unter anderem für den hessischen Rundfunk. Seit 2005 moderiert sie die MDR-Literatursendung „Fröhlich lesen“. Sowohl ihre Sachbücher wie "Fröhlich fasten" und Romane, zuletzt "Verzogen", wurden alle zu Bestsellern, darunter das „Moppel-Ich“ mit über 1 Million verkauften Exemplaren. Susanne Fröhlich lebt in der Nähe von Frankfurt am Main.



Meine Meinung zum Buch: 

Kann ich ein Buch ausmustern , welches mir nicht besonders gut gefallen hat, welches mich nicht begeistert oder gar berührt hat? 

Ich kann!  Denn diese vielen Fragen, die auf jeder Seite des Buches auftauchen, in denen die Hauptprotagonistin Uli Vorwürfe an sich, die Welt im Allgemeinen und an ihren Ehemann stellt, sind sicher berechtigt, aber sie haben mich auf Dauer irritiert, meinen Lesefluss gestört und haben dem Schreibstil der bekannten Autorin in meinen Augen nicht gut getan. Das Buch liest sich trotz diesem Kritikpunkt locker, flockig, schnell und gefällig in kurzen und einfachen Satzgebilden. Es stellt keine schwierigen Anforderungen an den Leser, ausser dass es vielleicht einiges an Geduld fordert. Der Jammerton, indem Uli von ihrem Ungemach, dem plötzlichen und unerwarteten Ausbruch ihres Mannes aus ihrer Ehe berichtet, ist sehr verständlich,  appelliert voll an das Mitgefühl und die Solidarität aller Frauen (und Männer). Sie hat mir sehr leid getan und ich konnte ihre ungestümen Zornesausbrüche und Alkohol Exzesse in der Öffentlichkeit gut nachvollziehen. 


Zum Glück für den Leser und die Protagonistin, befreit sie sich von dem Einfluss und  Forderungen ihres dominanten Ehegatten, findet langsam aus ihrem Dilemma heraus, wobei die schöne Insel Mallorca sowie neue Bekanntschaften, die sie dort knüpft, ihr aus ihrem Stimmungstief hoch helfen. Ein bekanntes Dating Portal  im Internet eröffnet ihr eine ganz neue Sicht auf die Partnerfindung und sie (er)lebt so halbwegs immer mehr ein freies , aber eben doch ungewohntes Single-Dasein. Ihre psychisch sehr labile Gemütsverfassung und das verletzte Gefühl in das Vertrauen und die Sicherheit einer Ehe werden durch diese neuen Erfahrungen etwas abgemildert und geheilt. 

  

Ich habe mich mit dieser Lektüre ganz nett amüsiert und gebe diesem guten und humorvollen Buch eine Leseempfehlung von  DREI *** Sternen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Knaur Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.   

Donnerstag, 2. April 2020

*Der Ring des Lombarden* von Petra Schier, erschienen im rororo Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Link zum Rowohlt Verlag

Die Lombarden-Reihe

Köln im Mittelalter – aufregend, abwechslungsreich und gefährlich. Ein extrem spannender und hervorragend recherchierter Roman über eine starke Frau und schmutzige Geldgeschäfte im 15. Jahrhundert.
Köln, 1423. Der Tod ihres Mannes, des Lombarden Nicolai Golatti, hat Aleydis de Bruinker zu einer sehr jungen und sehr reichen Witwe gemacht. Und zu einer Frau mit vielen Feinden: Konkurrenten, die sie als unfähig verleumden, die geerbte Wechselstube zu führen. Angeblich ehrenwerte Männer, die an die Mitgift ihrer Mündel wollen. Und eine unsichtbare Bedrohung aus der Schattenwelt, dem Netz aus Intrigen und Erpressung, das ihr Mann zu Lebzeiten gewoben hat. Als ein Brandanschlag auf Nicolais Mörderin die Stadt erschüttert, muss Aleydis etwas tun, das ihr überhaupt nicht behagt: Gewaltrichter Vinzenz van Cleve um Hilfe bitten, den Mann, der ohnehin schon zu viel Platz in ihren Gedanken einnimmt …
Nach «Das Gold des Lombarden» der zweite in sich abgeschlossene Roman über die Lombardenwitwe Aleydis de Bruinker.

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet seit 2005 als freie Autorin. Ihre historischen Romane, darunter die Reihe um die Apothekerin Adelina, vereinen spannende Fiktion mit genau recherchierten Fakten. Petra Schier ist Mitglied des Vorstands der Autorenvereinigung DELIA.


Meine Meinung: Dieser zweite Band der Lombarden Reihe, aus dem mittelalterlichen Köln schliesst nahtlos an den ersten Roman an, aber man findet auch als Neueinsteiger sofort Zugang zu den Zeilen aus der Feder der bekannten Schriftstellerin. Dieser historische Roman hat alles was sich ein Leser dieses Genre nur wünschen kann. Die Autorin hat die damalige Atmosphäre mit ihrem bildhaften und abwechslungsreichen Schreibstil, der sich gefällig leicht lesen und verstehen lässt, perfekt eingefangen. Von der Beschreibung prunkvoller Gewänder der oberen Gesellschaftsschichten bis zu schrecklicher Armut , sowie grauenvollen und brutalen Geschehnissen einer Stadt dieser Zeit , ist alles, ähnlich wie im ersten Band reichlich vorhanden. 


Die junge , hübsche Witwe Aleydis ist nun auf sich und ihr kluges Handeln allein angewiesen. Ihr verstorbener Gatte Nicolai fehlt ihr sehr im Alltag, doch die dunklen mafiösen Machenschaften, die ihr Mann zu seinen Lebzeiten gewoben hat, machen ihr den Einstieg in das Geschäftsleben einer Wechselstube sehr schwer und undurchsichtig. Alessandro, ein ihr bislang unbekannter Halbbruder ihres Ehemannes taucht auf und möchte der attraktiven Aleydis innerhalb der Familienbande in allen Belangen beistehen. Sie schwebt oft in fast für sie undurchschaubaren Gefahren und wird sogar öffentlich angefeindet und bedroht. Doch der Gewaltrichter Vinzenz van Cleve hält schützend seine Hand über sie und eine leise Liebesgeschichte zwischen ihm und der jungen, reichen Witwe bahnt sich an. Ein altes Sprichwort bekommt Bedeutung beim Umgang miteinander und zwar * Was sich neckt, das liebt sich*.  Sympathisch kommen diese bunten Dialoge beim Leser*rin an und lockern den Text auf witzige und charmante Weise auf. Der ganze Roman wirkt sehr romantisch und positive Charaktereigenschaften von Aleydis bekommen immer mehr Gewicht von der Autorin. Sie hat, für das Mittelalter sehr ungewöhnlich, in Aleydis eine willensstarke und tatkräftige Frauenfigur entwickelt, die uns heute begeistert und sehr moderne Züge annimmt. Aleydis wehrt sich mit Händen und Füssen gegen eine neue Verheiratung durch die Verwandtschaft, was zur damaligen Zeit ungewöhnlich war. 

 

Nun bringt ein Brandanschlag auf das Beginenhaus sehr viel Unruhe in die Stadt und Vinzenz van Cleve beginnt mit seinen Nachforschungen über die Täter.  Auch ein *Ring*, im Titel erwähnt, spielt eine neue unheilvolle Rolle im Leben von Aleydis, deren Romanleben sicher von der Autorin weiter entwickelt wird. Dieser Roman bietet mit der Kulisse des 15. Jahrhundert angenehme Lesestunden, die sehr abwechslungsreich dahinfliegen.


Beide bisher erschienenen Bände dieser Reihe sind für mich mit einer Bewertung von VIER **** Sternen lesenswert.

Hier der Link zu meiner Rezension von Band 1 *Das Gold des Lombarden*!


Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 1. April 2020

*Grenzenlos an Deiner Seite* *und wo das Glück zu finden ist* von Sebastian Würdinger

*Werbung, unbezahlt*

124 Seiten
Verlag: tredition; Auflage: 2 (12. Februar 2020)
Sprache: Deutsch

Inhalt/Klappentext:

Sind wir nicht ständig auf der Suche nach etwas Besonderem? Auf der Suche nach Anerkennung und dem gewissen Glück? 

Der Jugendliche Johann ist auch ständig auf der Suche nach dem Besonderen. Seitdem sich seine Eltern getrennt haben und seine Mutter mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, ist nichts mehr wie vorher. In der Schule wird er wegen seiner Behinderung gemobbt und auch von seinen Mitmenschen bekommt er wenig Anerkennung. Als er eines Tages auf der Brücke eines Weihers steht und in Gedanken versunken auf das Wasser blickt, stellt er sich die Frage, was der Sinn des Lebens ist. Und nur eine einzige Begegnung verändert sein ganzes Leben.


Meine Meinung: Diesen Debüt Roman hat mir der Autor Sebastian Würdinger freundlicherweise kostenlos zum Lesen und Rezensieren zugeschickt. Herzlichen Dank dafür!


Es war eine Lese-Überraschung für mich, denn er hat unbeliebte Themen in seinem Buch zur Sprache gebracht. Auf einhundertvierundzwanzig Seiten hat er es geschafft Themen wie Mobbing zwischen Jugendlichen, Ausgrenzung von behinderten Menschen und die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber alkoholkranken Mitmenschen aufzuzeigen und anzuprangern. Der Hauptprotagonist Johann hat mit seinem inneren Preisgeben seiner Verzweiflung und Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung mein Herz berührt. Doch es gibt Hoffnung. Keine Situation im Leben eines Menschen ist hoffnungslos und niederschmetternd. 


Diese Hoffnung liegt in uns selber - und manchmal braucht es nur einen kleinen Anstoss , um sie auch durch die Hilfe unserer Mitmenschen zu finden. Schnell und gerührt bin ich durch diese einfachen, leicht zu lesenden, aber sehr emotional geschriebenen Seiten geflogen und bin während des Lesens auf mancherlei eigene Überlegungen zu diesen Themen gestossen. 

Danke dafür Sebastian Würdinger! 

Meine Bewertung: Vier **** Sterne für dieses emotionale Leseerlebnis. 


Montag, 30. März 2020

*UNSERE GLÜCKLICHEN TAGE* von JULIA HOLBE, erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Link zur Verlagsseite

Inhalt / Klappentext: Lenica, Marie, Fanny und Elsa verbringen einen nicht enden wollenden Sommer an der französischen Atlantikküste. Wie ein Versprechen liegt die Zukunft vor ihnen, so ausgelassen und unbeschwert sind sie, dass sie gar nicht merken, wie das Leben seine Weichen stellt. Als sie sich viele Jahre später wiedersehen, erkennen sie, dass ihre Träume sie noch immer wie eine schicksalhafte Kraft verbinden. Trotz allem, was geschehen ist, seit jenem Abend, als Lenica ihren Freund Sean mitbrachte. Und die unaufhaltbare Geschichte ihren Lauf nahm...

Die Autorin Julia Holbe, Jahrgang 1969, ist Luxemburgerin. Sie lebt in Frankfurt am Main und in der Bretagne. Zwanzig Jahre arbeitete sie als Lektorin für internationale Literatur im S. Fischer Verlag. »Unsere glücklichen Tage« ist ihr erster Roman.


Meine Meinung: Endlich habe ich wieder einen neuen Liebesroman entdeckt, der anspruchsvoll, voller Sehnsucht nach der Liebe und nach einem guten und erfülltem Leben daherkommt. Die Professionalität der Autorin ist dem Werk sofort anzumerken. Schon nach den ersten Seiten habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt.  Die Autorin hat zwanzig Jahre als Lektorin in einem grossen deutschen Buchverlag gearbeitet und ihrem wunderbaren Debütroman kommt das sehr zugute. Ihr Schreibstil besticht durch klare Formulierungen und Aussagen, unverschachtelte Sätze, wunderbar nacherzählten Empfindungen und Emotionen, sowie durch ganz viel Lebensweisheit und Erfahrung in Bezug auf (Liebes)-Beziehungen.


Atmosphärisch dicht in einem alten Ferienhaus am Atlantik, einem grossen, verwildertem  Garten, immer mit einer  frischen, salzigen Meeres Brise  in der Luft, bezaubert und vermittelt der Roman sommerliche Ferienstimmung. Durch die Darstellung unbeschwerter junger Mädchenfreundschaften hat mich dieses Buch begeistert und in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig vermitteln die Zeilen der Autorin aber auch oft Wehmut und Trauer, sowie Sehnsucht nach der vergangenen Jugendzeit, den verpassten Chancen des Lebens und der Liebe. Denn nur drei Freundinnen treffen sich nach zwei Jahrzehnten der Funkstille wieder im Ferienhaus am Meer. Eine Frau fehlt, die charismatische Lenica, geliebt und bewundert von allen, hauptsächlich aber von ihrem Seelenverwandten, dem irisch stämmigen Sean und besonders von Elsa. Elsa und Lenica waren in ihrer Jugend eng miteinander verbunden, unzertrennlich, haben sich oft Zimmer und Bett während der Zeit am Meer geteilt. Beim Radeln zum Felsen am Meer, beim Picknick mit kühlem Weisswein am Strand, im wilden Garten und bei tiefsinnigen Gesprächen und Fantasien über ihre persönliche Zukunft, tauschen sich die jungen Freundinnen herzlich und liebevoll untereinander aus. Wünsche und Vorstellungen an das Leben lagen damals verdeckt, geheimnisvoll verborgen, wie unter einem weissen Leintuch versteckt, vor ihnen.  


Sean spielt eine grosse Rolle im Leben jeder dieser vier jungen Frauen, für jede allerdings auf einer persönlich anderen Ebene. Diese Beziehungen und Verbindungen aus dem Blickwinkel von aussen als Leser*in zu verfolgen war ungemein interessant und in keinem Moment langweilig.

Mit der Charakterdarstellung von Elsa hatte ich allerdings ein kleines, emphatisches Problem. Ich empfand sie als besessen, überbordend in ihrem Gefühls - und Liebesleben, anstrengend  - und sie hat geklammert, strebte immer nach Kontrolle und Bestätigung durch ihre Liebespartner. Aber so ist das Leben und sie durchstand auch diesen schmerzhaften Lernprozess und versuchte sich zu mässigen. Das Alter und die verfliegende Lebens-Zeit schützen vor Torheit nicht - auch nicht in der Liebe. Das erfährt sie auf tragische Art und Weise. Das Thema Altern, Neubeginn einer Beziehung  in dieser Lebensphase nehmen einen grossen Raum in diesem wunderbaren Roman ein.  


Dieses Buch war eine absoluter Lesegenuss für mich und ich empfehle es gerne mit FÜNF ***** Sternen.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!