Posts mit dem Label Berlin Verlag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Berlin Verlag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 5. September 2017

*Nach Onkalo* von Kerstin Preiwuß, erschienen im Berlin Verlag

Werbung
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :01.03.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 01.03.2017
  • Verlag : Berlin Verlag
  • ISBN: 9783827013149
  • Fester Einband 240 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Autorin Kerstin Preiwuß
  • Leseprobe

Rezension

INHALT: 
Hans Matuschek, ein vierzigjähriger  einfacher , bodenständiger Mann , der noch immer bei seiner Mutter lebt und dort von ihr fürsorglich betreut wird, treffen einige schwere Schicksalsschläge. Seine Mutter stirbt plötzlich und er vermisst sie sehr - zwar nicht in jeder privaten Lebenslage ( beim Telefonsex verwünschte er oft ihre Anwesenheit im Haus, da sie ihn wegen der Kosten gern kontrolliert hat und schweigende Vorwürfe tätigte ) - aber da sind noch seine geliebten Tauben, um die er sich seit Kindertagen  verantwortungsvoll und mit Hingabe kümmert und die russischen Nachbarn Galina und sein Angelfreund Igor, der Matuschek  oft nachsichtig und belehrend mit dem Kosenamen Towarischtsch anspricht. Auch der alte, eigenbrötlerische Taubenzüchter Witt, ein ehemaliger Mitarbeiter im Kernkraftwerk Lubmin, hat immer ein Auge auf den unpraktischen Junggesellen Matuschek. Hans Matuschek ist zwar ein ungelernter Arbeiter, hat aber einen Job als fleissiger Wetterbeobachter auf einem russischen Flugplatz. Sein kleines, privates Glück findet er in seiner Liebe zu Irina. Doch als sie ihn verlässt (die Nachbarn verlassen ihn auch, Igor stirbt, Galina zieht fort und der windige Internethändler Lewandowski zieht in deren Haus ein) , bricht für ihn die Welt zusammen und er gibt sich verwahrlosend seiner Trauer und Verzweiflung hin. Zu allem Unglück verliert er auch noch seinen Arbeitsplatz, auf den er immer  sehr stolz war,,,,

Zitat auf Seite 104 über die Heimkehr von Matuschek's Tauben: 
Aber darum geht es ihm nicht, sondern da ist dieses Gefühl , das sich stumm in ihm ausweitet und ihn für alles entschädigt, was sonst fehlt. 
Wenn sie aus dem Himmel stürzen. Wenn sie die Flügel anlegen und zack, einfach da sind. Zu wissen, dass die Tauben kommen, dass sie immer wieder kommen , egal von wo, und sein Haus ist das Zentrum der Welt. Solange er sie fliegen lässt, kommen sie zurück. Das ist es, was er braucht, dafür kriegt er das Flattern, und langsam wird er nervös, weil Witt sich noch nicht gemeldet hat. 

MEINE MEINUNG: 
Die fast lyrisch anmutende, sprachgewaltige Ausdrucksweise von Kerstin Preiwuß hat mich ausserordentlich gepackt und mit einem unwiderstehlichem Sog immer wieder schnell zum Buch greifen lassen. Sie beschreibt ergreifend wie Matuschek unaufhaltsam in eine Depression abgleitet, sich selber nicht mehr wertschätzt , verwahrlost und sich auch noch vom neuen aggressiven  Nachbarn Lewandowski manipulieren lässt. Es macht eigentlich keine Freude diesen Absturz zu beobachten und zu lesen, aber das Buch beiseite legen oder gar zu vergessen, funktioniert überhaupt nicht. Kerstin Preiwuß versteht es meisterhaft die Einsamkeit, Hilflosigkeit und den Zweifel an sich selber bei Hans Matuschek zu beschreiben. Das Buch ist ein starkes Psychogram vom Hauptprotagonisten und seiner Mitmenschen , auch von der abgeschiedenen , ländlichen Umwelt an einem See. Die Idylle dieser Landschaft steht in krassem Gegensatz zum Denken und Handeln dieses zurückgelassenen, einsamen Menschen in Ostdeutschland. Ich empfand ihn nicht als sympathischen oder anziehenden Mann, aber seine naive Verzweiflung und Denkweise haben sehr an mein Mitleid appelliert. Er ist EINFACH NUR EIN MENSCH mit allen möglichen und unmöglichen Fehlern und Verhaltensweisen, die man sich nur vorstellen kann. Aber er hat auch Stärken und wie er es schafft, diese wieder zu aktivieren - das ist ein spannendes und am Ende doch wieder ein erschreckendes Erlebniss für den Leser…..

Meine Bewertung : Fünf *****Sterne für ein grossartiges Buch!

 Ein herzliches Dankeschön an die Autorin und den Berlin Verlag bei Piper für die Bereitstellung des Leseexemplars.

*Gemeinsam lesen*

Eine Aktion von Schlunzenbücher

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Werbung

Ich lese zur Zeit zwei recht unterschiedliche Bücher und habe sie fast beendet. Beide Geschichten haben männliche Hauptprotagonisten. Matuschek, aus *Nach Onkalo* ist ein einfacher vierzigjähriger, in der Provinz lebender  Mann aus Ostdeutschland, der mit zwei Dingen fertig werden muss. Mit dem Verlust der Mutter und seines Jobs. Er verzweifelt am und im Alltäglichen Leben....

*Oxen* ist ein demnächst erscheinender Thriller, der über einen ehemaligen dänischen Elitesoldat erzählt, der mit vielen Auszeichnungen aus dem Balkankrieg zurückgekommen ist und unter einem Trauma durch seine dortigen Erlebnisse leidet,,,,


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
*Nach Onkalo* : Es ist Zeit, Matuschek muss raus. Seite 219
*Oxen*: Es würde erst in gut einer Stunde dunkel werden. Seite 166

3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?
Ein Thriller wie *Oxen*, Autor Jens Henrik Jensen, gehört nicht unbedingt zu meinem beliebtesten Genre, ich werde vom Buch nicht magisch angezogen und mache immer wieder Lesepausen.

*Nach Onkalo* beeindruckt durch die sprachgewaltige Ausdrucksweise der Autorin Kerstin Preiwuß. Mit Matuschek kann ich mich nicht unbedingt identifizieren oder gar anfreunden. Er tut mit nur leid,,,,
4. Pausiert ihr schon mal euren Blog? Oder sollte ein Buchblogger gar mal ein bisschen Abstand zu seinem Hobby suchen? (Der Büchernarr Frank)
Ich pausiere natürlich mal beim Posten, zum Beispiel bei Krankheit, Urlaub oder Unlust. Wobei der dritte Grund noch nicht wirklich eingetreten ist!

Samstag, 26. August 2017

*Nach Onkalo* von Kerstin Preiwuß, erschienen im Berlin Verlag

Werbung
Dieses Buch hat mich heute vom Berlin Verlag  erreicht! Ich freu mich riesig darüber! Herzlichen Dank!
Es wurde auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2017 gesetzt.
Über den Inhalt und die Autorin habe ich einige Infos für Euch!

Inhalt mit fortführender  Leseprobe:  Matuschek ist vierzig, als seine Mutter stirbt, mit der er sich das Haus teilte. Ohne ihre Fürsorge weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Eine Frau hat er nicht und von dort, wo er wohnt, geht man weg, wenn man kann. Aber Matuschek ist einer, der bleibt, Bewohner des Hinterlands, einer von anderen längst aufgegebenen Welt. Zum Glück gibt es Nachbarn. Igor, der Russe, wird zum Freund. Den alten Witt kennt er seit seiner Jugend. Und dann sind da die Tauben, die Matuschek als Junge bekam und seitdem züchtet. Das kann schon reichen fürs Leben. Als Matuschek Irina kennenlernt, winkt das Glück. Aber dann geht etwas schief und er beginnt von neuem.
"Nach Onkalo" zeigt eine Welt am Rand, in der sich die großen Fragen nicht weniger deutlich stellen: wie man sein Leben aushält und dabei glücklich wird. Matuschek will nur seinen Alltag meistern. Doch vielleicht befähigt ihn genau das zur Erkenntnis "ob das Leben die Mühe lohnt".







Mittwoch, 7. Juni 2017

* Das Herz kommt zuletzt* von Margaret Atwood, erschienen im Berlin Verlag

Werbung

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :03.04.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 03.04.2017
  • Verlag : Berlin Verlag
  • ISBN: 9783827013354
  • Fester Einband 400 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Rezension



INHALT:
Ein junges Ehepaar in Amerika hat ALLES verloren. Stan und Charmaine sind ohne Job, ohne Wohnung, sie leben von der Hand in den Mund in einem Auto, sind laufend auf der Flucht, da die gesellschaftlichen Zustände einer Katastrophe ähneln. Der grösste Teil der arbeits- und wohnungslosen  Bevölkerung hat sich in Banden organisiert und jeder begibt sich auf Raubzug um zu überleben. Gewalt, Verbrechen und unglaubliche Armut machen das Leben zur Hölle.
Doch es zeigt sich ein Ausweg aus dieser schrecklichen Situation an. 
Die beiden bekommen ein Angebot , bei einem *sozialen Experiment*, dem  sogenannten Positron-Projekt ( gesponsert von privaten Investoren) mitzumachen. Sie würden abgeschieden, geschützt , eher gefangen,  in der Stadt Consilience mit Job, Haus und allen verlorenen Annehmlichkeiten des Lebens  wohnen dürfen. Danach folgt ein vierwöchiger Aufenthalt in einem modernen, sehr gut geführtem Gefängnis namens Positron. Ein  turnusmässiger, vierwöchiger  Wechsel von Freiheit und und Gefängnis-Aufenthalt wird ihren Lebensrhythmus bestimmen. 
Eine interessante kleine Nebensächlichkeit kommt hinzu. Ein anderes Ehepaar wird ihr Haus auch bewohnen dürfen und alle wechseln sich mit dem Status eines *Freien* und  eines*Gefangenen* ab. Zwei Bedingungen müssen sie noch erfüllen.  Sie werden Consilience nie wieder verlassen und  die beiden Ehepaare werden sich nie begegnen dürfen,,,,,

MEINE MEINUNG: 
Diese unheimliche  Dystopie von der berühmten kanadischen Autorin Margaret Atwood  hat mir unglaubliches Unbehagen verursacht und gleichzeitig  ein sehr aufregendes  und spannendes Lesevergnügen.Das Buch hat mich total gefesselt und ich konnte es zwei Tage nicht aus der Hand legen. Es war mein erstes Buch von ihr und ich bin von ihrem brillantem  und unvergleichlichem Schreibstil total begeistert. Die Charaktere der Protagonisten sind sehr sorgfältig und einprägsam gezeichnet. Diesen Untergang der uns bekannten Welt  hat sie im Roman mit einer bitterbösen Sexkomödie, den menschlichen Haupt-Begierden wie hemmungsloser Kampf um Nahrung,  Sicherheit und das Streben nach Macht und Anerkennung ausgestattet. 
Ich habe beim Lesen das dumpfe Gefühl empfunden, dass dieses furchtbare Zukunftsszenario gar nicht so weit von uns entfernt ist. Es geht auch um Kontrolle durch Behörden , ihre Vertreter , und um Autoritätsgläubigkeit, absoluten Gehorsam und auch die Erfindungsgabe des Menschen all dieses auf intelligente Art und Weise zu umgehen und auszuschalten.. Die beiden Hauptprotagonisten Stan und Charmaine haben mit ihren Handlungen und vor allen Dingen moralischen Verfehlungen nicht immer meine Zustimmung gefunden. Ich war oft entsetzt und total sauer auf Stan und Charmaine . Margaret Atwood hat alle Personen des Buches  sehr klug und mit viel Menschenkenntnis um ihre Schwächen dargestellt. 
Dieser Roman hat mich aufgeschreckt, fasziniert, verstört und zum Nachdenken über vieles aus unserer technisierten Gesellschaft und Welt gebracht. 

Das Schlimme, dieses Buch ist kein spannender Krimi, kein Thriller aus der Feder eines Phantasten , sondern womöglich ein Teil unserer Zukunft - nur in überzogener Darstellung einer Dystopie. 
Dieses Buch rüttelt den Leser wach, unsere Mediengläubigkeit  und die Hoffnung auf unendlichen technischen Fortschritt werden in Frage gestellt. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Berlin Verlag bei Piper für dieses fesselnde und herausragende Rezensionsexemplar.
Meine Bewertung : FÜNF ***** STERNE 

 Mehr Infos : https://www.piper.de/verlag/berlin-verlag-hardcover

Montag, 22. Mai 2017

*Die Taufe* von Ann Patchett, erschienen im Berlin Verlag

Werbung
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :02.05.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 02.05.2017
  • Verlag : Berlin Verlag
  • ISBN: 9783827013446
  • Fester Einband 400 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Ich bin total begeistert von dieser Lektüre, lasse alles *stehenundliegen* um weiterlesen zu können. Das Buch ist keine Schmusefamilien-Geschichte und doch so menschlich erzählt, bereichernd, spannend und lebendig und so ganz anders und besonders,,,,

Beste Erzählkunst von der Autorin Ann Patchett.



INHALT/KLAPPENTEXT:
Wem gehört eine Geschichte eigentlich? Und wer darf sie erzählen?
Wäre Bert Cousins nicht uneingeladen auf der Taufe von Franny Keating erschienen, all das wäre nicht passiert. Aber noch bevor der Abend hereinbricht, haben er und Frannys Mutter sich geküsst und damit das Ende ihrer jeweiligen Ehe eingeläutet - und beide Familien für immer miteinander verbunden. Die Keating- und Cousinskinder werden zukünftig die Sommer gemeinsam in Virginia verbringen. Sie schmieden über die Jahre ein dauerhaftes Bündnis, sowohl aus Enttäuschung über die eigenen Eltern, als auch aus echter, stetig wachsender Zuneigung. Bis es zwanzig Jahre danach ein neues Familiendrama gibt: "Täufling" Franny hat eine Affäre mit einem berühmten Schriftsteller. Sie erzählt ihm die Keating-Cousins-Story, und plötzlich wird ihrer aller Kindheit die Grundlage für einen unglaublich erfolgreichen Roman. Die unerwünschte Öffentlichkeit zwingt die Geschwister, sich ganz neu mit ihren Verlusten, ihren Schuldgefühlen und ihrer Loyalität auseinanderzusetzen.

Rezension
Zitat Seite 95 : Das Bemerkenswerteste an den Keating-Kindern und den Cousins-Kindern war: Sie hassten einander nicht , und so etwas wie Stammesbindungen gab es nicht bei ihnen,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,
Die Kinder verband ein überbrückendes Prinzip, das ihre potenzielle Abneigung gegeneinander erst gar nicht aufkommen liess: Sie mochten die Eltern nicht. Hassten sie regelrecht. 


MEINE MEINUNG:

Ich habe diese mit so viel Herzenswärme, Klugheit und Esprit  geschriebene Geschichte von Ann Patchett ausserordentlich genossen und fand den Schreibstil grossartig, sehr ansprechend und sympathisch.
Die zehn Personen, sechs Kinder und vier Eltern, die man als Leser während eines sehr langen Zeitraums begleiten darf, ( innerhalb von 50 Jahren), wuchsen in meinem Kopf von Kindern zu sympathischen Menschen mit  einprägsamen Schwächen, wunderbaren Stärken, verständlichen Verhaltensfehlern im Umgang miteinander  und auch liebenswerten Charakterzügen. Es war nicht immer einfach, sich in der Zeit und den dazugehörigen Personen und Orten im einzelnen Kapitel  zu orientieren, aber Ann Pratchett schaffte in jedem Abschnitt  nach einigen Zeilen das erkennende AHA-Erlebnis im Verstehen hervorzuzaubern. Sie schildert zum Beispiel die  in Erwachsenen-Augen brutale Vorgehensweise der grösseren Kinder mit dem kleinen Albie klar und eindeutig, ohne Wertung und Urteil. Ebenso das Verhalten von Albert Cousins, der, aus einer Laune heraus, um dem anstrengendem Familienalltag zu entfliehen , mit seinem Verhalten  auf der Tauffeier von Franny Keating,  eine Folge von Lebens-Katastrophen auslöst. Diese zusammengewürfelte Patchworkfamilie findet im Laufe der Jahrzehnte erstaunliche Verhaltensmechanismen um zu einer grossen, sich akzeptierenden  Familie zusammenzuwachsen. Die unterschiedlichen Portraits und Entwicklungen dieser Menschen zeigen auch ein Gesellschaftsbild  auf, welches sehr real und oft verstörend erscheint, nicht nur auf Harmonie, Anpassung und Normalität ausgerichtet ist. 
Ann Patchett ist eine tolle Geschichtenerzählerin, die ihre Leser emotional in das Geschehen einbezieht und trotzdem Raum für eigene Gedankenspiele lässt. Man steht als Leser nicht ausserhalb des Buches, sondern wird voll und ganz in die faszinierenden Sichtweisen und Beschreibungen der Autorin hineingesogen. Sie zeigt auch sehr geschickt  auf, wie sich Erinnerungen von Menschen an Kindheit und Bezugspersonen verändern und ein Eigenleben während der Jahrzehnte entwickeln können.


Für mich war das Lesen dieses  schon ernst geschriebenen Buches ein anregendes und sehr anspruchsvolles Erlebnis, welches trotzdem teilweise auch vergnüglich, mit viel Witz und Humor,  leicht und unterhaltsam erscheinend daher kam.
Ich möchte es mit ausserordentlich grossartigen fünf ***** Sternen bewerten.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Berlin Verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar.