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Mittwoch, 14. Januar 2026

*Unser kleiner Hof in den Hügeln* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag


 *unbezahlte Werbung*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Als Junge lernte James Rebanks von seinem Großvater, das Land auf traditionelle Weise zu bewirtschaften. Der Familienbauernhof in den Hügeln des Lake District war Teil einer uralten Agrarlandschaft: ein Flickenteppich aus Äckern und Wiesen, Weiden und Hecken, in denen es von Wildtieren wimmelte. Doch als James den Hof erbte, war er kaum noch wiederzuerkennen. Die alten Steinscheunen waren verfallen, und am Himmel fehlten die Vögel und ihr vom Wind verwehter Gesang.

Dieses Buch erzählt davon, was es bedeutet, an einem Ort wirklich verwurzelt zu sein und für ihn Verantwortung zu übernehmen. Es handelt von jahrhundertealten Traditionen, die verloren zu gehen drohen, vom Arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten und der Witterung, vom Zusammenleben mit der Natur und von der Gemeinschaft der Menschen auf dem Land. Es ist die hoffnungsvolle Geschichte eines jungen Farmers, der beschließt, der Zerstörung der Landschaft etwas entgegenzusetzen und eine winzige Ecke Englands zu retten.

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).


Maria Andreas lebt und arbeitet seit über dreißig Jahren als freie Übersetzerin in München. Unter anderem hat sie Penelope Lively, Julian Fellows und Rachel Joyce ins Deutsche übertragen.

Meine Meinung zum Buch: 

Hinter dem verspielten Titel und dem idyllischen Cover von James Rebanks' Werk verbirgt sich eine schonungslose Analyse der Agrarwirtschaft. Der Autor schildert realistisch den Wandel der europäischen Landwirtschaft über die letzten sieben Jahrzehnte . Die Gliederung des Buches spiegelt diesen Weg wider:

1. Der Pflug und die Möwen 

2. Nostalgie 

3. Fortschritt 

4. Utopie 

Die Würdigung der Vergangenheit

Dieses Buch ist eine tiefe Verbeugung vor der Lebensweise unserer Großeltern auf den kleinsten Höfen Englands und Europas. Rebanks beschreibt seine Kindheit auf der Farm seines Großvaters als eine prägende Zeit voller Tierbegegnungen  und Naturerlebnisse in Wäldern und Wiesen . Diese Erinnerungen sind heute sein innerer Kompass: Auf seiner eigenen Farm setzt er sich für ökologische Veränderungen ein – selbst wenn dies wirtschaftliche Einbußen bedeutet.

Der globale Blick und die industrielle Realität

Rebanks beschreibt die Entwicklung der Landwirtschaft nicht nur als lokales Ereignis, sondern als globale, oft erschreckende Transformation. Besonders seine Reisen nach Australien und in die USA (Iowa)  scheinen ihn tief erschüttert zu haben. Er skizziert das Bild einer Branche, die sich von der Natur entfremdet hat. Ein  Zitat  auf Seite 183 verdeutlicht den massiven wirtschaftlichen Druck:

" Der amerikanische Durchschnittsverdiener gab 1950 etwa 22 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus; dieser Anteil ist heute auf 6,4 Prozent gesunken. Gewinn machen eine Handvoll riesiger Konzerne, die etliche Politiker und Abgeordnete aller Parteien in der Tasche haben. "

Dieser Wandel hin zu einem rein auf Produktivität getrimmten Industriezweig führt zu immer größeren Höfen, riesigen Monokulturen und extremer Massentierhaltung  – eine Entwicklung, die Rebanks zutiefst enttäuscht.

Zwischen harter Arbeit und familiärer Bindung

Trotz der harten Kritik bleibt das Buch zutiefst menschlich. Rebanks erzählt schnörkellos von körperlicher Schwerstarbeit und existenziellen Sorgen. Doch dem gegenüber stehen die Momente puren Glücks: die Geburt eines Lammes  oder die Dankbarkeit über eine gute Ernte . In diesen Zeilen spürt man eine liebevolle Würdigung seines Vaters und Großvaters. Auch seine eigene Familie bildet das emotionale Rückgrat und unterstreicht die Verbundenheit, die das bäuerliche Leben trotz aller Widrigkeiten ausmacht.

Poetische Schönheit als Hoffnungsträger

Rebanks' Schreibstil wechselt oft in schwärmerische, fast poetische Formen . Diese Momente der schlichten Schönheit belohnen die Leser*innen mit einem harmonischen „Kopfkino“ von Wald und Wiese .

Sein Buch ist jedoch mehr als eine bloße Rückschau. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Wertschätzung unserer ländlichen Umwelt und für den Konsum ehrlicher, gesunder Lebensmittel . Inspiriert von den Ideen seiner Vorbilder Rachel Carson und Jane Jacobs, fordert er uns auf, unser Verhältnis zur Natur grundlegend zu überdenken. Denn unsere Nahrung sollte von gesunden Böden erzeugt werden, wie es Menschen seit Jahrtausenden getan haben.

FÜNF ***** Sterne.

 



Samstag, 27. September 2025

*Insel am Rand der Welt* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

ERSCHIENEN AM 27. 8. 2025

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Drei Monate verbringt James Rebanks auf einer norwegischen Insel, wo im Frühjahr schwere Stürme toben, wo im kurzen Sommer die Sonne das Meer Tag und Nacht leuchten lässt, wo die Gezeiten das Leben bestimmen. Hier, auf der letzten Insel vor dem offenen, wilden Atlantik, begegnet Rebanks der alten Norwegerin Anna: einer zähen Frau, die ganz im Einklang mit der Natur lebt und sich weigert, sich von der Hektik der modernen Zeit vereinnahmen zu lassen. Im Lauf der Monate entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen ihnen, und James lernt von Anna, dass es sich lohnt, für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. 

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).
Aus dem Englischen von Henning Ahrens.

Meine Meinung zum Buch: 
Für Tage bin ich abgetaucht in eine faszinierende Welt , bestehend aus Eindrücken der vergangenen Jahrzehnte, gar Jahrhunderte voller Traditionen, die der Autor James Rebanks in seinem neuen Buch den Leser*innen präsentiert. 
Sein poetischer, leiser und eindringlicher Schreibstil über das Leben  auf einer norwegischen Insel am Rand des Atlantik hat mich unglaublich beeindruckt und gefesselt. Man spürt förmlich die rauen Stürme und Winde vom Atlantik, die über das Meer peitschen. Das fast nie endende Leuchten der Sonne während der Sommermonate streichelt die Seele und überbringt Ruhe und Zufriedenheit.Diese wunderschönen Beschreibungen beinhalten eine überraschende Sanftheit,Poesie und vermitteln eine stimmige Meeresatmosphäre.  

James Rebanks erzählt von seinem dreimonatigem Leben auf einer Eiderenteninsel mit den zwei alten norwegischen Frauen Anna und Ingrid. Sie zeigen ihm wie man mit dem Einklang der Gezeiten, der Natur und vor allem auch mit sich selber in Zufriedenheit und Ruhe leben kann. Denn dort beginnt alles. 

Anna und Ingrid sind sogenannte *Entenfrauen*. Sie leben zu Beginn des Frühling drei Monate auf den kleinen Inseln vor der  norwegischen Küste von Vega, oberhalb des Polarkreises und richten die Brutnester der Eiderdaunenenten für die kommende Saison her.Sie befreien diese Nester vom Unrat unserer Zivilisation, bauen sie auf aus Holz und Steinen, und polstern sie mit trockenem, frisch geschnittenem Seetang gemütlich aus. Anna ist die Erfahrenere der beiden Frauen, hat ein feines Gespür für die Bedürfnisse der scheuen Tiere. Sie hat es geschafft die Eiderentennester dort wieder neu anzusiedeln. Anna lehnt die Anwesenheit von Männern und ihren lauten sogenannten Zivilisationsgeräten auf der Insel während dieser sensiblen Zeit für die Tiere ab. Nur bei James Rebanks macht sie eine Ausnahme nach seiner Anfrage. Nach einem kurzen gegenseitigem Kennenlernen verbringt er diese drei Monate mit Anna und Ingrid auf der Insel.Diese drei Menschen wachsen zu einem freundschaftlichen Team zusammen, umsorgen die Tiere, beobachten und bestaunen die grandiose Natur mit dem Auftauchen von Walen und vielen verschiedenen Vogelarten. Und Anna vermittelt den beiden eine traurige Erkenntnis am Ende ihres  siebzigjährigem Leben inmitten dieser anscheinend intakten Natur: alles hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten, es sind weniger brütende Enten geworden, weniger Vögel, weniger Walschulen -  und was besonders Besorgnis erregend ist: es schwimmt immer mehr Zivilisationsmüll an den Inseln vorbei, von dem was sich verborgen in den Tiefen des Atlantik versteckt, ganz zu schweigen......

Dieser schön geschriebene Roman ist eine absolute Leseempfehlung, dem ich gerne FÜNF***** STERNE gebe. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Penguin Verlag für das schöne, klassisch gebundene Rezensionsexemplar. 
      





Sonntag, 6. April 2025

*Pearly Everlasting* von Tammy Armstrong - erschienen im Diogenes Verlag

*Rezensionsexemplar, unbezahlte Werbung*

Erschienen am 26.3.25 

Verlags Link

INHALT/KLAPPENTEXT: Kanada, 1934: Das Mädchen Pearly Everlasting, zu Deutsch Silberimmortelle, ist fünfzehn und in einem Holzfällercamp mitten im Wald aufgewachsen – zusammen mit dem Bären Bruno, der seit ihrer Geburt ein Teil der Familie ist. Doch dann beschuldigt man Bruno, einen Mann getötet zu haben. Der Bär wird weggebracht, niemand weiß, wohin. Verzweifelt und entschlossen macht Pearly sich zu Fuß auf den Weg durch die tief verschneite kanadische Landschaft, um Bruno zu suchen.

Tammy Armstrong, geboren 1974, ist eine kanadische Lyrikerin und Autorin. Sie studierte Creative Writing an der University of British Columbia und hat in Literatur und Critical Animal Studies promoviert. Sie lebt in einem Hummerfischerdorf an der Südküste von Nova Scotia.

 Peter Torberg ,geboren 1958 in Dortmund , studierte in Münster und in Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er als freier Übersetzer , u.a. der Werke von Patricia Highsmith, John Irving, Michael Ondaatje, John le Carré, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde. 


MEINE MEINUNG ZUM BUCH: 

Ein anrührend erstaunliches, sehr altes kanadisches Foto aus dem Jahr 1903, indem eine Frau ein Bärenjunges an der Brust stillt, bildet die Grundlage dieser fiktiven Geschichte der jungen kanadischen Lyrikerin Tammy Armstrong.

Wir befinden uns tief in den kanadischen Wäldern in einem Holzfällercamp während der 1930er Jahre. Das Leben dort ist hart, beschwerlich und gefährlich für die Arbeiter und ihre Angehörigen. Strenge Winter mit eisigen Temperaturen,  heftigen Schneefällen, Windbruch und die gefährliche Waldarbeit verlangen den Männern alles ab. Sie sind Unfällen, Krankheiten und Trennungen von ihren Familien durch die weiten, unwegsamen Entfernungen in der Wildnis fast hilflos ausgeliefert. Edon, der Koch, seine Frau Eula, eine Heilerin und deren gemeinsames  Baby *Pearly Everlasting*, zu Deutsch *Silberimmortelle* ist die einzige junge Familie im Camp. Sie bietet den Waldarbeitern menschliche Wärme, Verpflegungssicherheit im Kochhaus, sowie ärztliche Hilfe durch die Naturheilerin Eula. Als der Vater ein hilfloses Bärenwelpen Junges auf seinen Streifzügen durch den Wald findet und es zu seiner kleinen Tochter in die Wiege legt, wird das von den Holzfällern gleichmütig akzeptiert. Das passiert im *falschen Frühling* 1918 , der sehr kalt daherkam. Eula betreut den kleinen Bären Bruno wie ein eigenes Kind, legt ihn sogar an die Brust. Er wird sozusagen Pearl'ys Bruder und Spielgefährte von klein auf. 

Alle mögen Bruno und seine Bären-Streiche, wie das Erhaschen von Nahrung und übermütige Herumtollen im Camp 33.  Mensch und Tier verbinden sich durch eine gemeinsam gefundene Körpersprache, Lieder und Worte. Nur *Swicker* , Leiter des Camp 33 kann Bruno nicht ausstehen. Er ist der Meinung dass ein Bär nicht in menschliche Gesellschaft gehört. Es kommt zur Katastrophe. Swicker wird ermordet im Wald aufgefunden und Bruno dieser Tat verdächtigt und gewaltsam aus dem Lager entfernt. Für Pearly ist das unfassbar. Das inzwischen 15 jährige Mädchen macht sich auf die Suche nach seinem besten Freund und Spielgefährten Bruno.

In vielen Kapiteln beschreibt Tammy Armstrong die Kindheit von Pearly in der Ich-Form, die Spiele und das emotionale Zusammenwachsen von Pearly und Bruno in einer anrührenden und zärtlichen Sprache, die immer wieder von Mythen aus der Wildnis und poetisch beschriebenen Naturbeobachtungen aufgelockert wird. Der Zusammenhalt der jungen Familie, verbunden mit den Schicksalen der Holzfäller fasziniert und unterhält die Leser*innen  mit den unterschiedlichsten Schicksalen und Gewohnheiten der zusammengewürfelten Arbeiter. Eula und Ivy verarzten die kranken und verletzten Männer, Ansell hilft Edon im Kochzelt und über allen schwebt der immer gegenwärtige *Old Jack* über dem Camp 33 und den Wäldern - ein nicht fassbares Naturwesen des Waldes, welcher für alles , Gutes, Böses, Unheimliches, Schrecken und Wunder verantwortlich ist. Mythische und poetische Betrachtungen des Waldes und der Natur erwachen in diesem Roman immer wieder durch den lebendigen, zärtlichen und sehr bildhaften Schreibstil der Autorin zum Leben. Pearly hat für Bruno sogar ein *Bärenlied* komponiert, mit dem sie ihn immer zu sich locken kann. Die Ethnologin und Lieder-Fängerin Ebony nimmt dieses mit ihren Geräten auf und macht es so für die Nachwelt unvergessen.  

Doch als die junge  15 jährige Pearly aufbricht um ihren Freund Bruno zu suchen, begibt sie sich in das gefährlichste Abenteuer ihres jungen Lebens - in einen  Kampf mit den vereisten Elementen der Wildnis und Natur - und den Mitmenschen der sogenannten Zivilisation. 

Das Buch ist grossartig geschrieben , ein echter Coming-of-Age und Abenteuer Roman in bester Ausstattung ! Ich möchte aus diesen Gründen eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** STERNEN aussprechen. 

Vielen Dank an die Autorin Tammy Armstrong und den DIOGENES VERLAG für das gebundene Print Rezensionsexemplar.