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Mittwoch, 10. September 2025

*Moonlight Mile* von Dennis Lehane - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21.Mai 2025

INHALT/KLAPPENTEXT: Patrick Kenzie und Angela Gennaro sind verheiratet und Eltern einer vierjährigen Tochter. Vier Jahre alt war auch Amanda McCready, als sie entführt und schließlich von Angela und Patrick wiedergefunden wurde. Nun ist Amanda ein Teenager und erneut verschwunden. Ein weiteres Mal macht sich Patrick auf die Suche nach ihr. Doch in welche Abgründe ihn diese Suche führen wird, kann nicht einmal ein abgeklärter Ermittler wie Patrick Kenzie erahnen.

Mehr zum Inhalt

Amanda McCready ist eine überdurchschnittlich intelligente junge Frau, und der 16-Jährigen stehen die besten Colleges des Landes offen, als sie plötzlich verschwindet. Ihre Tante Beatrice wendet sich an Kenzie & Gennaro, die sich, widerwillig zunächst, dann geradezu obsessiv auf

die Suche nach ihr machen. Der Fall McCready hatte sie vor zwölf Jahren, als Amanda schon einmal verschwunden war, an den Rand ihrer Kräfte gebracht: körperlich versehrt, am Ende ihrer Beziehung und der gemeinsamen Detektei. Bei ihren Ermittlungen öffnet sich vor ihnen eine Schlangengrube aus Drogenmafia und Kinderhändlern. Mitten darin Amanda McCready, die alles andere als das bedauernswerte Opfer einer Entführung ist.

Dennis Lehane, irischer Abstammung, geboren 1965 in Dorchester, Massachusetts, schrieb für ›The Wire‹ und war Creative Consultant für ›Boardwalk Empire‹. Er unterrichtet Creative Writing u.a. in Harvard. Seine erfolgreich verfilmten Bücher ›Mystic River‹ und ›Shutter Island‹ sind Weltbestseller. Dennis Lehane lebt in Kalifornien und Boston.

Peter Torberg, geboren 1958 in Dortmund, studierte in Münster und Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er als freier Übersetzer, u.a. der Werke von Patricia Highsmith, John Irving, Michael Oondatje, John le Carré, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde.

Meine Meinung zum Buch:

Für mich war es das erste Buch dieses erfolgreichen Schriftstellers mit den beiden Ermittlern Kenzie und Gennaro.

Entführungen von Kindern und/oder Jugendlichen vermitteln oft eine ganz besondere, bedrückende und erschreckende Stimmung. So habe ich auch diese Suche nach einer verschwundenen Person empfunden, zumal es die zweite Entführung desselben Kindes ist. Aber nun ist die junge Amanda McCready ein Teenager. Etwas widerwillig und gezwungen durch Geldprobleme, nimmt das Ermittlerpaar diesen Fall an.

Der spannende Schreibstil des Autors hat mich gefesselt und tagelang an dieses Buch gebunden. Immerhin sind dreihundertzweiundachtzig Seiten zu bewältigen. Diese Seiten beinhalten alles, was diese Geschichte aus dem heutigen Mainstream zu bieten hat. Es geht um soziale Medien, die exzessive Nutzung eines Handys, die brutalen Machenschaften einer Russenmafia, die allerdings vom Autor einen humorvollen Anstrich bekommen hat und aus diesem Grund etwas lächerlich daherkommt. Jugendämter und Betreuer*innen kommen in diesem Roman ebenfalls nicht gut weg, genauso wenig wie die amerikanische Gesellschaft! Der Roman erschien vor fünfzehn Jahren im Original und die Beschreibungen über den sozialen Niedergang eines Landes passen damals wie heute. Diese Vermutung spreche ich allerdings sehr verhalten aus und maße mir nicht an, das objektiv beurteilen zu können. Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne !

Vielen Dank an Autor und den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar.     

     



Dienstag, 10. September 2024

*Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland* von Sarah Brooks - erschienen im C.Bertelsmann Verlag

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am:

24.07.2024

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Es ist das Ende des 19. Jahrhunderts, und nichts fasziniert die Menschen so sehr wie die geheimnisvollen und angsteinflößenden Wunder des Ödlands. Nichts berührt diese riesige, verlassene Wildnis zwischen China und Russland außer dem Transsibirien-Express, der jeden befördert, der es wagt, das Ödland zu durchqueren. Es gibt jedoch Gerüchte, dass der Zug nicht mehr sicher ist. Wer sich nun auf diese Reise begibt, hat seine ganz eigenen, verborgenen Gründe dafür: eine trauernde Frau mit fremdem Namen, ein Kind, das im Zug geboren wurde, und ein in Ungnade gefallener Naturforscher. Doch mehr und mehr scheint es, als würden die Gefahren des Ödlands ihren Weg ins Innere finden … 

Sarah Brooks hat in China, Japan und Italien gearbeitet und ist nun an der Universität von Leeds tätig. Für ihren Debütroman »Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland«, der schon vor Veröffentlichung für große Begeisterung gesorgt hat, wurde sie mit dem Lucy Cavendish Fiction Prize ausgezeichnet. Der Roman erscheint in über 15 Ländern.


Meine Meinung zum Buch: 

Die ungewöhnlich schöne Ausstattung des Covers und auch die Abbildung des interessanten Zuges im Innenteil  des gebundenen Buches hatten mich sofort begeistert und ich wollte das Buch unbedingt lesen. Ich hoffte auf einen spannenden Reisebericht, vielleicht eingebunden in einen aufregenden Roman. 

Doch es kam beim Lesen ganz anders wie erhofft. Ich fand mich wieder in einer fiktiven Fantasy Geschichte mit  unheimlichen Horrorphasen, oder war es ein Abenteuerroman oder gar ein Kriminalroman? Ich kann es immer noch nicht sagen, denn es war eine obskure Mischung aus allen drei Gattungen, die mich nicht vom Schreibstil der Autorin in ihrem Debüt Roman überzeugen konnten. Der Text lässt sich zwar ganz flott lesen, doch die Erzähl Perspektiven von drei wichtigen Reisenden wechseln laufend und verwirren immens. Der Roman lebt von unheimlichen Gerüchten, Angstvorstellungen vom Tod auf der Reise, den man erleidet, sobald man den Zug verlässt, der übrigens hermetisch nach der Abfahrt verschlossen wird.  Der Zug darf nie halten! Niemand kann und darf nach der Abreise im Ödland ein- oder aussteigen. Imaginäre *schwarze Krähen* als Wächter der Eisenbahngesellschaft eingestellt,  spionieren jedes Geschehen und das Verhalten aller  mitfahrenden Personen aus.  Und das auf einer Strecke von China bis Moskau im Jahr 1899. Die Zuggäste fahren in drei Klassen, wobei die Gäste der dritten Klasse dahinvegetieren und kaum einen Raum in der Geschichte einnehmen. 

Sympathisch erscheint WEIWEI, ein sogenanntes Zugkind, dessen Mutter bei der Geburt im Zug verstarb. WEIWEI hat den Zug nie verlassen wuchs dort auf, vom Zugpersonal verhätschelt und verwöhnt. Sie weiss alles, kennt alles im Zug und beobachtet alles.  Ihre beste Freundin ist eine echte Bewohnerin und mysteriöse Gestaltwandlerin des Ödlandes mit Namen Elena, die sich in den Zug geschmuggelt hat. Wir lernen Henry Grey kennen, ein Wissenschaftler, der den Geheimnissen des Zuges auf die Spur kommen möchte, allein schon um sich und seine verkannten Forschungen zu rehabilitieren. Und da ist noch die trauernde Marya Petrovna, die sich heimlich eine neue Identität verschafft hat. 

Das Entsetzen steigt bei allen Reisenden, als sie merken, dass der Zug auch Einfluss auf ihre Psyche nimmt und jeden verändert. Mystische Halluzinationen und Ohnmachtsanfälle befallen die Reisenden wie eine Pandemie. Die Aussenwelt hinter den Scheiben stellt sich immer bedrohlicher dar, zum Beispiel mit wechselnden schaurigen Tierhorden und Fantasymonstern, die neben dem Zug daherjagen. Die Landschaft verändert sich unheimlich, unvorhersehbar. Sie liegt öde und verlassen oder auch mit einer unbekannten Pflanzenwelt dar vor den Augen der Reisenden. Ein Trinkwassermangel bringt alle Reisenden an den Rand der Verzweiflung, den auch die Zugführerin *CAPTAIN* gennant,  mit ihren Bemühungen kaum beheben kann. Eine Katastrophe jagt die nächste,,,,,,

Für mich war es kein traumhaftes Lesevergnügen, sondern eher ein wirrer Albtraum, den ich zum Glück immer wieder mit Lesepausen an die Seite schieben konnte. 

MEINE BEWERTUNG : DREI *** STERNE für dieses ungewöhnliche Buch. 

Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das äusserlich schöne, aber ansonsten unheimliche und ungewöhnlich geschriebene  Rezensionsexemplar.



 

Dienstag, 30. Mai 2023

*Francobaldi Das Geheimnis der Illuminaten* von Elisabeth Schinagl - erschienen im Allitera Verlag


 *Werbung, unbezahlt*

Herausgeber ‏ : ‎ Allitera Verlag (3. März 2023)

Sprache ‏ : ‎ Deutsch

Taschenbuch ‏ : ‎ 244 Seiten

ISBN-10 ‏ : ‎ 3962333657

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3962333652

INHALT / KLAPPENTEXT: Eichstätt, 1787: Die Französische Revolution wirft bereits ihren Schatten voraus, als Enrico Francobaldi aus Wien in das beschauliche Fürstbistum Eichstätt kommt. Dort möchte er einen Neuanfang wagen, fernab von den schmerzhaften Erinnerungen an seine verstorbene Frau. In seiner neuen Heimat soll Francobaldi das Schulwesen aufbauen. Doch es kommt anders …

Als ihn der Landesherr kurzerhand mit der Aufklärung eines mysteriösen Mordfalls betraut, gerät Francobaldis Leben aus den Fugen. Immer tiefer verstrickt er sich in Politik und Intrigen.

Nach einem Anschlag auf sein eigenes Leben scheint er dem Mörder gefährlich nah zu sein. Und welche Rolle spielt der rätselhafte und mächtige Geheimbund der Illuminaten in diesem Fall? Dessen Ziel ist eine radikale Umwälzung der Gesellschaft – zu jedem Preis?

Ein packender, bestens recherchierter Krimi und eine Zeitreise ins Bayern des 18. Jahrhunderts zwischen Absolutismus und Aufklärung.

Elisabeth Schinagl, geboren 1961 in München, studierte in Eichstätt und Regensburg Latein und Germanistik. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittellateinische Philologie an der Katholischen Universität Eichstätt. Nach ihrer Promotion war sie zunächst als Gymnasiallehrerin und anschließend als Referentin im Bayerischen Landtag tätig. Seit 2018 ist sie freie Autorin. In ihren Romanen und Erzählungen befasst sie sich vorwiegend mit historischen Themen. Sie lebt in Eichstätt und München.

Mein Leseeindruck: Enrico Francobaldi möchte nach dem schmerzlichen Verlust seiner geliebten Ehefrau Clara einen gänzlichen Neuanfang wagen. Er ist ein gebildeter Wiener Grossstadtmensch der kurz vor der französischen Revolution um das Jahr 1787 gelebt hat. Im kleinen Fürstentum Eichstätt in Bayern soll er das Schulwesen neu aufbauen. Doch der Landesherr hat ihn zusätzlich zu einer delikaten Aufgabe berufen. Francobaldi soll einen mysteriösen Mordfall aufklären. 

Der Titel hatte mich neugierig auf diesen Roman gemacht , obwohl ein Kriminalroman nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Genres gehört. Doch ich wurde vom ausgereiften und sehr anspruchsvollen Schreibstil der Autorin angenehm überrascht. Sie entführte mich durch ihre Zeilen tatsächlich in die Vergangenheit einer bayrischen Kleinstadt. Ihre Ausdrucksweise entspricht wohl  unserer heutigen Vorstellung von Sprache, Gesellschaftsregeln  und Verhältnissen des ausgehenden 18. Jahrhundert. Stimmig und  behutsam wurde ich in diese Zeit eingeführt und hatte mich schnell an die für uns heutigen Menschen ungewohnte , behäbige und etwas umständliche Ausdrucksweise gewöhnt.  Der aufzuklärende Mordfall trat für mich etwas in den Hintergrund, da mich diese geschichtliche  Betrachtungs - und Ausdrucksweise  der Autorin voll faszinierte. 

Ich hatte ruhige und lehrreiche Lesestunden, einen echten Spannungsbogen konnte ich für mich bei diesem Krimi leider nicht finden. Genauere Informationen über die Illuminaten Bewegung habe ich zusätzlich vermisst und meine anfängliche Begeisterung wich einer langsam aufkommenden Enttäuschung, zumal der Protagonist Enrico Francobaldi mir in seiner Charakterdarstellung ein wenig blass und farblos  erschien. Er - und auch die anderen Damen und Herren der kleinstädtischen Bevölkerung konnten mich nicht begeistern und in ihre Welt hineinziehen. 

Die Geschichte endet mit einem Auszug aus der Chronik des Stadtpfarrers  Jakob Messer zu Greding und einem Artikel einer Münchner Zeitung mit dem Titel *Mord auf St. Kajetan*, den wohl Francobaldi dem Pfarrer zugeschickt hat.  Der Artikel endet mit dem Ausdruck *Fiat iustitia* .  Es ist  ein lateinisches Rechtssprichwort und übersetzt bedeutet es soviel wie  " Es soll Gerechtigkeit geschehen,,,," . Ich habe es auf Wikipedia nachgeschlagen.

Meine Bewertung: Vier Sterne **** für diesen historischen Kriminalroman. 

Vielen Dank an die Autorin, den Allitera Verlag  und  Frau Birgit Böllinger , Büro für Text und Literatur,  für die Zusendung des Rezensionsexemplar! 


Sonntag, 31. Oktober 2021

*Das Dorf und der Tod* von Christiane Tramitz - erschienen im Ludwig Verlag

 

*Werbung unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Paperback , Klappenbroschur, 288 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

ISBN: 978-3-453-28124-0

Erschienen am  13. September 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Eine furchtbare Entscheidung, die hundert Jahre zurückliegt. Eine ausgelöschte Familie. Und ein Dorf, das bis heute schweigt.

1995, ein idyllisches Dorf in Oberbayern. Kurz vor Weihnachten geschieht dort ein bestialischer Mehrfachmord. Drei Menschen sterben, der Täter begeht Suizid, die Polizei kommt zu dem Schluss, dass „Hass“ das Mordmotiv gewesen ist, und stellt die Ermittlungen ein. Doch woher kommt dieser unbändige Hass? 

Christiane Tramitz, selbst in diesem Ort aufgewachsen, macht sich auf die Suche und stößt auf furchtbare Ereignisse, die über hundert Jahre zurückliegen: Alles begann mit einer jungen Frau, einer unglücklichen Liebe und einer tragischen Entscheidung, die sich über zwei Generationen hinweg auswirkte und in die ebenso grauenhafte wie verzweifelte Tat mündete. Basierend auf dieser wahren Geschichte und ihren eigenen Recherchen hat die Bestsellerautorin einen True-Crime-Roman geschrieben, der den alten Fall neu aufrollt – abgründig, erschütternd und packend.

Christiane Tramitz wuchs in Oberbayern in einem kleinen Dorf auf, zeitweise auch in den rauen Ötztaler Alpen. Zudem sammelte sie während ihrer Berliner Zeit ausreichend Großstadterfahrung. Ihre Leidenschaft gilt dem Reisen, den Menschen und, seit über 30 Jahren, dem Schreiben. Nachdem die promovierte Verhaltensforscherin zahlreiche Sachbücher über menschliches Verhalten verfasst hatte, wandte sie sich vermehrt dem Genre True Crime bzw. Tatsachenroman zu. Neben den Erfolgstiteln »Irren ist männlich« und »Unter Glatzen« verfasste sie auch den Spiegelbestseller »Harte Tage, gute Jahre«. Für ihre Veröffentlichung über Straßenkinder erhielt sie den Karl-Buchrucker-Förderpreis. Die Autorin hat zwei Kinder und lebt in Oberbayern.

Mein Leseeindruck:  Auch hinter der scheinbar heilen Idylle eines Dorfes, in einer wunderbaren Landschaft, lauern oft die Grausamkeit , das Verbrechen, die Unmenschlichkeit! So geschehen nach einer wahren Begebenheit. Intelligent und offen aufgegriffen von der Autorin Christiane Tramitz.  Der Lesesog ist magisch und fesselnd, da ihr Schreibstil ein wenig der bayrischen Mundart angeglichen ist. Aber doch lesbar, packend und verständlich für jede*n Leser*in. 

Sie beschreibt die Atmosphäre eines  kleinen, hübschen Dorfes in Oberbayern sowie die Beziehungen  seiner Bewohner zueinander während eines Zeitraums von ca. einhundert Jahren. Neben den Genres Kriminalroman, Heimatroman hat sie damit auch ein Stück Zeitgeschichte des 20. Jahrhundert aufgeblättert. Die Armut nach dem 1. Weltkrieg,  der aufkommende Faschismus in der NS - Zeit unter den *kleinen Leuten* im dörflichen Leben  bekommen einen wichtigen Raum im Buch. Und doch geht sie in ihrem Roman zu Beginn sehr auf die  Liebes - Beziehungen der Protagonisten Vroni Zinsmayer und des Lenz Binder ein. Mit ihrer unglücklichen Liebe zueinander beginnen alle  Beziehungs-Verwicklungen und die darauf folgenden unglücklichen Ereignisse im Dorf. Die Zeiten ändern sich im Verlauf des Buches. Nur die Charaktere der Menschen nicht. Sie werden mit ihren negativen und positiven Eigenschaften im Roman der jeweiligen Zeitströmung angepasst. Psychologisch scharf und genau von der Autorin gezeichnet.  


 Alois Trachsler, der alte Kräutermann  beobachtet und sinniert darüber, spielt eine unheimliche Rolle im Dorf, wird von allen bewundert, akzeptiert und doch für verrückt gehalten. Sein plötzliches Verschwinden in der NS-Zeit klagt offen an. 

Mich hat dieses Buch beeindruckt, da es das Grauen und die Unmenschlichkeit unter der heilen Oberfläche des Lebens anprangert. Nicht nur auf dem Dorf. Offen einsehbar, für jeden aufmerksamen  Leser*in fassbar und erschütternd. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen True Crime Roman.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!


Donnerstag, 22. Juli 2021

*Die Spur der Wölfe* von Francesco Guccini und Loriano Macchiavelli - erschienen im btb Verlag


 *Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Italienischen von Christiane v. Bechtolsheim

Originaltitel: Tempo da elfi

Originalverlag: Giunti

Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71773-6

Erschienen am  12. Juli 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: In den dichten Wäldern des Apennins lebt eine Ökokommune von Aussteigern, deren Mitglieder sich selbst »Elben« nennen. Fernab von der Zivilisation haben sie sich in verlassenen Dörfern niedergelassen, leben einfach und ohne Strom vom Tauschhandel und gewähren jedem, der um Obdach bittet, Einlass. Forstinspektor Marco Gherardini beobachtet das Treiben mit Interesse. Eines Tages hallen zwei Schüsse durch den Wald, und am Fuße eines abschüssigen Geländes wird ein Toter gefunden. Es ist ein Elbe. Gherardini beginnt zu ermitteln – in seinem dritten und bisher spannendsten Fall.

Francesco Guccini, Jahrgang 1940, zählt zu den bedeutendsten italienischen Liedermachern. Sein Freund Loriano Macchiavelli ist erfolgreicher Krimiautor. Beide leben im rauen Apennin, den sie in ihren gemeinsamen Büchern so wunderbar beschreiben.

Loriano Macchiavelli ist einer der erfolgreichsten Autoren Italiens. Beide Autoren leben im rauen Apennin, wo auch »Schlechte Saison«, der Auftakt ihrer neuen Krimiserie um Forstinspektor Marco Gherardini, spielt. Mit ihren Kriminalromanen belegen sie in Italien regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerliste.


Meine Meinung: Dieses Autorenduo hat eine interessante Krimireihe geschrieben, die sich in drei Bänden um den jungen  Forstinspektor Marco Gherardini ranken. Der oben vorgestellte Band ist der dritte dieser Reihe, kann aber trotzdem allein ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Das düstere Cover gibt einen passenden  Vorgeschmack auf die Handlungen und geheimnisvollen Ereignisse,  die in den  wilden, verlassenen Bergdörfern des Apennin spielen. Es geht um  Aussteiger aus unserer Konsumgesellschaft,  die in diesem Roman *ELBEN* genannt werden. Diese Namensgebung hat mich etwas verwirrt und ich fand sie absolut nicht passend für diese Verweigerer unserer Gesellschaftsordnung. Der Roman punktet allerdings für mich mit schönen Beschreibungen der wildromantischen Bergwelt und der Arbeit eines Forstinspektors, der mit einem ungeklärten Mord an einem unbekannten jungen Mann konfrontiert wird. Viele Nebenprotagonisten runden diese Beschreibung mit bunten und ungewöhnlichen Charakterdarstellungen ab.

Dieser ungewöhnliche Krimi hat mir einige Stunden Spannung und Ablenkung geschenkt und ich kann ihn dem Genre *Wohlfühl-Buch* zuordnen.

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Krimi mit leichten Schwächen! 


Danke an das Autorenduo und den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!



Sonntag, 7. März 2021

*Ohne Schuld* von Charlotte Link, erschienen im Blanvalet Verlag

 

*Werbung,  unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7645-0738-1

Erschienen am  02. November 2020


Inhalt/Klappentext: Ein wolkenloser Sommertag, die Hitze drückt aufs Land. Im Zug von London nach York zielt ein Fremder mit einer Pistole auf eine Frau. Sie entkommt in letzter Sekunde. Zwei Tage später: Eine junge Frau stürzt mit ihrem Fahrrad, weil jemand einen dünnen Draht über den Weg gespannt hat. Sie ist sofort bewusstlos. Den folgenden Schuss hört sie schon nicht mehr. 

Die Frauen stehen in keiner Verbindung zueinander, aber die Tatwaffe ist dieselbe. 

Kate Linville, neu bei der North Yorkshire Police, wird sofort in die Ermittlungen hineingezogen. Sie kommt einem grausamen Geheimnis auf die Spur und gerät selbst in tödliche Gefahr. Denn der Täter, der eine vermeintliche Schuld rächen will, gibt nicht auf … 


Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Kriminalromane sind internationale Bestseller, auch »Die Entscheidung« und zuletzt »Die Suche« eroberten wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 31 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.


Meine Meinung: Der oben vorgestellte dritte Band aus der Kate-Linville-Reihe hält alles, was  ein Krimi Leser von entsprechender Lektüre erwartet. Da ich nicht sehr begeistert Bücher aus diesem Genre lese, hat mich der flüssige und sehr schöne Schreibstil der Autorin zu meiner Überraschung für das Buch eingenommen.  Dieser Roman  gehört zu einer Reihe, die sich um die Ermittler Kate Linville und Caleb Hale bewegt. Trotzdem ist auch dieser Roman gut allein und unabhängig von der Reihe zu geniessen.  

Die Autorin hat auch diesen Roman nach ihrem  bewährten Schreib Muster aufgebaut. Menschen, die sich nicht kennen, begegnen sich überraschend.  Schicksale und Lebensgeschichten  werden durch unerwartete kriminelle Handlungen miteinander verbunden und nach und nach kann sich der Leser aus diesen Puzzleteilen eine verwobene Geschichte zusammensetzen, deren Ursachen in schrecklichen Begebenheiten aus der Vergangenheit liegen. 


 Die beiden Ermittler lösen natürlich auch diesen Fall professionell , wobei ich etwas enttäuscht war, da Caleb Hale dieses Mal kaum eine grosse Rolle spielt, da er teilweise aus dem Dienst suspendiert wurde.  Die Auflösung des Falles reicht weit in die Vergangenheit zurück und der Leser wird häppchenweise durch Zwischen Kapitel damit konfrontiert und aufgeklärt. Zu Beginn des Buches weiss man kaum wer dort zu Wort kommt. Sind es der/die Täter oder sind es die Opfer? 


Es waren über fünfhundert Seiten, die mich voller Spannung fesselten und doch kam mir das Ende dann doch etwas unbefriedigend vor. Trotz dieser kleinen Kritikpunkte  spreche ich für diesen Kriminalroman eine absolute Leseempfehlung von FÜNF ***** Sternen aus. 

Danke an die Autorin und den Blanvalet Verlag für das Leseexemplar!


Montag, 28. Oktober 2019

*Drei* von Dror Mishani, erschienen im Diogenes Verlag

Hardcover Leinen 
336 Seiten 
erschienen am 01. September 2019 
*Werbung, unbezahlt*
Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext:
Eine Frau sucht ein wenig Trost, nachdem ihr Mann sie und ihren Sohn verlassen hat. Eine zweite Frau sucht nach einem Zuhause und nach einem Zeichen von Gott, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Eine dritte Frau sucht etwas ganz anderes. Sie alle finden denselben Mann. Es gibt vieles, was sie nicht über ihn wissen, denn er sagt ihnen nicht die Wahrheit. Aber auch er weiß nicht alles über sie.

Der Autor Dror Mishani, geboren 1975 in Cholon bei Tel Aviv, wurde mit seinen Kriminalromanen rund um Inspektor Avi Avraham international bekannt. Neben dem Schreiben ist er Literaturwissenschaftler, sein Spezialgebiet ist die Geschichte der Kriminalliteratur. Mit ›Drei‹ gelang Dror Mishani der Durchbruch, der Roman wurde in Israel zu einem Mega-Bestseller und einem literarischen Phänomen, eine Verfilmung ist geplant. Dror Mishani lebt mit seiner Familie in Tel Aviv.


Meine Meinung: Dieses Buch hat mich in seinen Bann gezogen und zwar durch die intelligente und anspruchsvolle Schreibweise des bekannten Autors. Das allgemeine Gesellschaftsleben, die israelische Mentalität hat er mit Hilfe der Durchleuchtung und Darstellung der Charaktere der drei Hauptprotagonistinnen mit psychologischer Raffinesse sehr deutlich aufgezeigt . Das Buch ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Im ersten Abschnitt lernen wir als Leser*innen Orna kennen. Sie ist eine alleinerziehende, unsichere junge Frau und Mutter, die sehr unter den Scheidungsabsichten ihres Mannes Ronen leidet. Ihre Gedanken und Sorgen drehen sich fast nur um den gemeinsamen Sohn Eran und das Zerbrechen ihrer Ehe. Sie liebt den Sohn über alles und versucht , ihm die Trennung des Vaters von der Familie erträglich zu gestalten. Ein Psychologe betreut das Kind zusätzlich. Doch plötzlich tritt Gil in ihr Leben, der sie gleichzeitig anzieht und abstößt,,,,ihr Hoffnung auf eine neue Liebe, Zuneigung und Verstehen gibt.


Der zweite Teil zeigt uns den Charakter der verlorenen Emilia, einer Migrantin aus Lettland, die in der Alten- und Familienpflege arbeitet. Die Religion zeiht sie magisch an, aber sie hat ein Sprach Handicap - Hebräisch ist für sie immer noch eine Fremdsprache. Sie lernt ebenfalls Menschen kennen , die sie missachten und manchmal beachten, vielleicht sogar lieben - doch auch sie bekommt  Hoffnung auf ein besseres Leben  - vermittelt durch den smarten  Rechtsanwalt Gil. 


Auch die junge , energische Ella, Mutter von drei Mädchen , die fest und sicher in ihrer Beziehung steht, lässt sich trotzdem auf eine zärtliche Beziehung zu Gil ein. Sie erwartet dadurch Ablenkung, Verstehen und Trost in ihrer Situation als überforderte junge Mutter, innere Nähe zu ihm. 


Der erste Teil des Buches hat mich deutlich mehr beeindruckt als die folgenden Teile. Die Spannung wurde langsam , aber deutlich aufgebaut und meine Neugier wurde angestachelt. Trotzdem entstand in mir eine Ahnung des weiteren Geschehen, die sich dann auch bewahrheitet hat. Diese harmlosen  Beziehungsgeschichten und Charakterbeschreibungen der Protagonisten bekamen plötzlich eine ganz andere Färbung und sind in eine gefährliche und undurchsichtige Richtung abgedriftet. Lügen, Selbsttäuschung und überzogene Erwartungen an sich selber, aber auch fehlerhafte Beurteilungen des Verhaltens anderer Menschen ,  füllen das Buch.  Mehr kann und möchte ich hier nicht verraten. 

Meine Bewertung: VIER **** STERNE  für dieses interessante Buch!


Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar. 


Sonntag, 8. April 2018

*Tulpengold* von Eva Völler erschienen im Lübbe Verlag

    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :23.02.2018
    • Aktuelle Ausgabe : 23.02.2018
    • Verlag : Lübbe
    • ISBN: 9783431040845
    • Fester Einband 608 Seiten
    • Sprache: Deutsch
      Werbung
          










    Rezension

    Inhalt: 
    Wir befinden uns Im Jahr 1636 in der Stadt Amsterdam.
    Der junge Pieter, ein witziger und intelligenter Malerlehrling kommt einer Mordserie auf die Spur, in die auch sein Meister Rembrandt verwickelt wird.
    Pieter liebt die Mathematik, logische Schlussfolgerungen seiner eigenen Überlegungen und stellt  auch gern die Handlungen  seiner Mitmenschen in  den Mittelpunkt seiner alles hinterfragenden Gedankenwelt. 
    In Amsterdam kursierte zur damaligen Zeit der Handel um wertvolle Tulpenzwiebel-Papiere, die von allen Bevölkerungsschichten heiss begehrt und gekauft wurden. 
    Kann der Handel  mit den kleinen , etwas unscheinbaren Tulpenzwiebeln etwas mit den Morden zu tun haben? 

    MEINE MEINUNG:
    Das hübsche Tulpencover hat mich angesprochen und eine Verbindung zwischen einem Historienroman und den charaktervollen Frühlingsblumen erschien mir lesenswert und ungewöhnlich.
    Die Autorin Eva Völler , auch bekannt unter dem Namen Charlotte Thomas, hat ein sehr lebhaftes und bunt wirkendes Bild der Stadt Amsterdam beschrieben, welches mich sofort in diesen Trubel hineingetragen hat. 
    Die  zugefrorenen Grachten, auf denen sich Schlittschuhläufer tummeln , die Atmosphäre der Fischmärkte und die rauchige Tabakluft der Schankwirtschaften haben mich tief in die damalige Zeit versetzt. 
    Die Atmosphäre und der Duft nach Leinöl und Firniss der Malwerkstätten grosser Künstler, wie Rembrandt , hat ein übriges dazu getan.
    Der Tulpenhandel versprach Spannung und Verwicklungen.

    Der witzige und etwas lebensfremde Pieter wirkte auf mich allerdings wie ein kauziger Eigenbrötler und seine laufenden  mathematischen Berechnungen und Gedankengänge  haben mich immer wieder aus dieser tollen Lesestimmung herausgerissen. Da ich keine begeisterte Krimileserin bin, konnte mich auch die allmähliche Verwicklung in eine kriminalistische Recherche nicht wirklich fesseln. 
    Ich habe mich einfach ein wenig gelangweilt und wirkliche Spannung auf die Ergreifung des Mörders kam bei mir nicht auf. 
    Das tut mir ein wenig leid um das tolle Thema des Tulpenhandels und die wunderbare Stadt Amsterdam. Die Autorin hat darüber sehr gut informiert, aber ich hätte mir mehr menschliche Verwicklungen und Beschreibungen der unterschiedlichen Protagonisten im gesamten Roman gewünscht. Pieter war zwar nett, aber für mich als Leserin eben kein ausreichend fesselnder Charakter - und Sympathieträger. Der ganze Roman hat bei mir durch diese kleinen Schwächen leider einen blassen, eigentümlichen Leseeindruck hinterlassen.
    Meine Bewertung: VIER ****STERNE  für dieses tolle Buch mit kleinen Schwächen.

    Herzlichen Dank an die Autorin und den Lübbe Verlag für dieses schöne Rezensionsexemplar.


    Donnerstag, 26. Oktober 2017

    *Grimms Morde* von Tanja Kinkel, erschienen im Droemer Verlag

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    Buchdetails

    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :02.10.2017
    • Aktuelle Ausgabe : 02.10.2017
    • Verlag : Droemer
    • ISBN: 9783426281017
    • Fester Einband 480 Seiten
    • Sprache: Deutsch
    • Produktinformation

    • Rezension

    • INHALT/Klappentext: Der neue historische Roman der Spiegel-Bestsellerautorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie. Rot wie Blut… 
      Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird nach Märchenart bestialisch ermordet. Die einzigen Indizien weisen ausgerechnet auf die Gebrüder Grimm. Weil die Polizei nicht in Adelskreisen ermitteln kann, die sich lieber Bericht erstatten lassen, anstatt Fragen zu beantworten, kommen den Grimms Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zur Hilfe. Ein Zitat aus einer der Geschichten, welche die Schwestern zur Märchensammlung der Grimms beigetragen hatten, war bei der Leiche gefunden worden. Bei ihrer Suche müssen sich die vier aber auch ihrer Vergangenheit stellen: Vorurteilen, Zuneigung, Liebe – und Hass, und diese Aufgabe ist nicht weniger schwierig. In einer Zeit, wo am Theater in Kassel ein Beifallsverbot erteilt wird, damit Stücke nicht politisch missbraucht werden können, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten und von Frauen nur Unterordnung erwartet wird, sind Herz und Verstand gefragt. 


      MEINE MEINUNG:

      ZITAT SEITE 92 von Jacob Grimm : „Ich war kein sehr guter Jura-Student“, sagte er stattdessen.“Ich bin ein hervorragender Wissenschaftler der deutschen Sprache, und als solcher strebe ich nach Exzellenz, denn nur durch sie kann ich mein Bestes geben.“
      Wer kennt sie nicht! Die Märchen der Gebrüder Grimm, von ihnen gesammelt und herausgegeben als Kinder- und Jugendmärchen. Dieses im Denken und Arbeiten sich sehr ähnelnde Geschwisterpaar war aber eher auf die deutsche Sprache und ihren Ausdruck in der Literatur spezialisiert. Die Märchen waren sozusagen ein Nebenprodukt ihrer Arbeit, und dienen bei dieser fiktiven Kriminalgeschichte als interessante und bunte Aufwertung, geschickt von der Autorin dargestellt und eingeflochten.
      Zitat Seite 102: Buchzensur, dachte Jacob, war gleichzeitig die dümmste und lästigste Aufgabe, die sich für einen intelligenten Menschen denken ließ, und sagte obendrein nichts Gutes über den Staat, der sie als nötig ansah. 

      Nun zum weiblichen Geschwisterpaar des Buches. Jenny und Annette von Droste-Hülshoff. Annette ist vielleicht einigen Lesern durch die Novelle * Die Judenbuche* bekannt . Diese beiden jungen Frauen aus dem Münsterländer Adel standen in engem Kontakt zu den Grimm Brüdern und pflegten einen jahrelangen Briefaustausch , gerade auch Jenny, die für Wilhelm geschwärmt hat.

      Tanja Kinkel hat die Eigenschaften und die Denkweisen der Grimm’s  und beiden Droste-Schwestern hervorragend, anspruchsvoll und intelligent in ihrem historischen Sittengemälde der damaligen Zeit (1821) beschrieben und verpackt in die Rahmenhandlung mehrerer fiktiver Morde, die mit den Schriften und Märchen der Brüder Grimm in Zusammenhang gestellt wurden. Die Autorin hat sich in ihrer Ausdrucksweise ganz der damaligen Zeit angepasst und man taucht nach anfänglichen leichten Schwierigkeiten beim Lesen völlig in diese alte, etwas umständliche, oft in Metaphern ausgedrückte Formulierungsart ein.
      Das öffentlich und gesellschaftlich geschätzte Frauenbild war nach heutiger Sicht fürchterlich, heuchlerisch und abwertend. Die Mätressen der Fürsten wurden geduldet und öffentlich hofiert. Frauen anderer Gesellschaftsschichten  hatten sich in allen Lebensbereichen zurückzuhalten und nur dem Wohl der Familie zu dienen. 
      Hier ein Zitat passend dazu aus Seite 119:
       Das Schlimmste, was einer Frau widerfahren kann“, hatte Therese von Droste erklärt, „ist, dass sie den Ruf ihrer Familie befleckt. Das Beste, was ihr widerfahren kann,ist,dass man sie und ihr segensreiches Wirken überhaupt nicht wahrnimmt, weil es diskret und wirkungsvoll geschieht.“

      Diese männerdominierende Auffassung von der Rolle der Frau zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen Roman und meine Empörung darüber hat für mich fast den zu lösenden Kriminalfall überdeckt. Aber es gibt ja noch die kleine, energische Annette von Droste-Hülshoff, die sich diesem Frauenbild schon damals entgegengestellt hat. In der Familie wurde sie laufend ermahnt ob ihrer offenen, sehr intelligenten und aufsässigen mündlichen Ausdrucksweise , auch wegen ihrer Gedichte und schriftlichen Aufzeichnungen.
      Sie und Jacob, Jenny und Wilhelm haben durch ihre gemeinsamen klugen Recherchen, Überlegungen und Taten letztendlich die entscheidenden Rollen zur Auflösung der Morde gebracht.

      Dieses Buch ist kein typischer Krimi, keine Lektüre, um dabei in den Schlaf hineinzudämmern, sondern verlangt volle Aufmerksamkeit.
      Als wichtig empfand ich auch das Nachwort der Autorin, worin sie Fiktion und wahre Begebenheiten erklärt und trennt.
      Der Roman ist  auch ein Zeitzeugnis der wieder erstarkten und regierenden hessischen Kurfürsten von Kassel, nachdem Jérôme Bonaparte (1807-1813 ) das Königreich Westphalen aufgeben musste.

      Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung des Buches.
      Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für diese anspruchsvolle und informative Lektüre.



    Samstag, 21. Oktober 2017

    *Die Treibjagd* von Antonin Varenne, erschienen im Penguin Verlag

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    Buchdetails

    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :13.06.2017
    • Aktuelle Ausgabe : 13.06.2017
    • Verlag : Penguin
    • ISBN: 9783328101567
    • Flexibler Einband 304 Seiten
    • Sprache: Deutsch
    • Produktinformation
    Infos zum Autor: Antonin Varenne

    Rezension

    INHALT/Klappentext:
    Zwei rivalisierende Familien kämpfen seit Generationen um die Herrschaft über ein gottverlassenes Nest im Massif Central. Die Courbiers und die Messenets führen ihre Provinzimperien mit harter Hand und unter rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Rémi Parrot, der seit seiner Jugend entstellte Revierjäger, kämpft als einsamer Cowboy gegen die verkrusteten Clanstrukturen und um die Liebe der schönen Michèle Messenet. Als er einem Umweltskandal auf der Spur ist, beginnt eine mörderische Treibjagd durch düstere Wälder und unterirdische Tunnelsysteme. Fein gesponnener, archaischer Thriller um Schuld und Sühne vor der grandiosen Kulisse einer einstmals erhabenen Landschaft.

    MEINE MEINUNG:
    Diese Geschichte und die Stellung des Revierjägers und Aussenseiter Rémi Parrot in der sozialen Gemeinschaft wird vom Autor Antonin Varenne äusserst interessant und in etwas anderer Strukturierung als üblich dargestellt. Die Überschriften der Kapitel  sollten unbedingt beachtet und genauestens gelesen werden . Auch die Zeitpunkte der Ereignisse sollte der Leser im Kopf speichern oder sich sogar einige Notizen machen. Dadurch erschliesst sich der Leserschaft nämlich das Romangeschehen genau und einprägsam. Der Schreibstil ist  ansonsten sehr unterhaltend, spannungsreich und flüssig gestaltet. Rémi lebt in einer abgelegenen Waldhütte, das einzige Landstück, das ihm und seiner Schwester vom Verkauf seines Anwesens an die einflussreichen Familien der Messenet und Courbier geblieben ist. Während seiner  Zusammenarbeit  mit dem Umweltaktivisten Philippe und dessen plötzlichem Verschwinden  kommt Rémi einem unglaublichem Skandal auf die Schliche und deckt die Machenschaften der sogenannten *Mächtigen* auf. 
    Jahrhundertelange, eingefahrene soziale Beziehungen der Bevölkerung untereinander, daraus folgende Konflikte in Kleinstadt und ländlichem Raum hat der Autor sorgfältig beschrieben und analysiert. Auch in der 3. Familien-Generation, von Rémi Parrot verkörpert, wird man von der Bevölkerung immer noch als fremder Eindringling gesehen und muss um Anerkennung kämpfen. 
    Ein  resoluter und starker Kämpfer ist Rémi. Als Jugendlichem wurde  ihm eine Hälfte seines Gesichts durch einen Unfall zerstört und er war dem Tod näher als dem Leben. Aber er überlebte und hat klaglos über zwanzig Operationen überstanden. 
    Nur die Schmerzen sind  ihm geblieben und er erfährt durch Medikamente immer nur kurzzeitige Linderung. In diesem Roman kämpft Rémi auch um seine Jugendliebe Michèle, die zu der einflussreichen Familie der Messenet gehört. 
    Aber ohne die Hilfe seines engen Freundes , dem Schreiner Jean, hätte er kaum eine Chance gehabt, all diese Probleme in Ruhe und Gelassenheit anzugehen, zu beobachten und vor allen  Dingen aus diesen Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
    Ein Kriminalroman, der mir sehr gefallen hat durch die schönen Beschreibungen von eindrucksvollen Natur - und Landschaftsbildern und den aufregenden und gefährlichen  Schilderungen vom  Anpirschen und Jagen des Wildes , hauptsächlich von Wildschweinrotten, im abgelegenen Zentralmassiv von Frankreich.


    Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für diesen spannenden Roman über Familientragödien, Freundschaften und todbringende Feindschaften. 

    Vielen Dank an den Autor und den Penguin Verlag in der  Randomhouse Group für die Bereitstellung des tollen Taschenbuches.


    Freitag, 14. Juli 2017

    * Sehr mystische Krimiserie* erschienen im dtv-Verlag

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    Diese drei Bücher habe ich als NICHT_KRIMILIEBHABERIN  regelrecht verschlungen. Ich muss gestehen, dass mir so etwas noch nie passiert ist. Eine plausible Erklärung kann ich aber geben. Ich liebe Irland, bereise dieses wundervolle Land seit vierzig Jahren und konnte innerlich immer nur zustimmen, wenn ich von dieser Schriftstellerin über Orte , Geschehnisse, Wetter,  Menschen las, die sie mit spannenden Kriminalgeschichten ausgestattet hat.
    Man kann jeden Band auch einzeln lesen und gut verstehen. 
    Die Bücher sind mit einem Glossar ausgestattet, welches für uns unbekannte gälische Ausdrücke übersetzt, einem Personenregister der mitspielendes Personen, und sie sind mit einer Karte des Landes ausgestattet, die wichtige Orte im Romangeschehen wiedergibt. 

    Das *Irische Verhängnis* ist der erste Band um die junge Ermittlerin Grace O' Malley, die nach einem langen Auslandsaufenthalt in ihre Heimat Galway an der Westküste gelegen, zurückkehrt. Sie baut dort das Morddezernat neu auf,  übernimmt die Leitung  und hat sofort in einem Mord um eine verschwundene Studentin zu ermitteln. Die blutjunge Grace hat eine Tochter, die in den vergangenen Jahren  bei ihren Verwandten aufgewachsen ist und die junge Mutter versucht den Kontakt zu ihrem Kind zu vertiefen,,, plötzlich verschwindet auch ihr Kind,,,,

    Im zweiten geschriebenen Roman *Irisches Roulette* geht es um eine bedeutende Eigenschaft der irischen Bevölkerung, nämlich um die Wettleidenschaft und die eventuell bestehenden mafiösen Verbindungen in diesem undurchsichtigem Geschehen.

    Der dritte Band *Irische Nacht* hat mich persönlich am meisten gefesselt. Es geht um das irische *Samhain* Fest, eine magische Nacht, in der an die alten keltischen Naturgötter erinnert wird. Die Geschichte spielt zusätzlich auch auf den ARAN-Inseln und vom fahrenden Volk - die auch *Traveller* oder *Pavee* genannt werden,,,

    Meine Bewertung für diese spannende und ungewöhnliche Krimireihe:
    FÜNF ***** STERNE .

    Herzlichen Dank an die dtv-Verlagsgesellschaft mbH &Co. KG, München  und die Autorin Hannah O' Brien für diese hervorragenden Rezensionsexemplare.