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Komm mit mir in meine Welt der Bücher! So bunt, wie nur ein Blumengarten sein kann, ist auch die Auswahl meines Lesestoffs! Was gibt es Schöneres als dorthin zu reisen? DU findest bei mir Besprechungen über neue Literatur aus unterschiedlichen Themen, wie Gegenwartslektüre aus den Bereichen Frau und Familie, historische Romane, Liebe und Fantasy. Ich berichte hier hobbymässig über meine gefundenen und gelesenen Neuerscheinungen, sowie über meine Lieblingslektüren.
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Mittwoch, 1. Juli 2020
*Ich bleibe hier* von Marco Balzano, erschienen im Diogenes Verlag
*Werbung, unbezahlt*
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Mein Leseeindruck:
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Mein Leseeindruck:
Sonntag, 1. Dezember 2019
*DIE LETZTEN IHRER ART* von Maja Lunde, erschienen im btb Verlag
*Werbung, unbezahlt* Verlagsinfo zum Buch
Inhalt/Klappentext: Über Mensch und Tier und das Tier im Menschen: Vom St. Petersburg der Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem Schicksal einer seltenen Pferderasse und vom Kampf gegen das Aussterben der Arten. Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die große Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?
Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Ihr Roman "Die Geschichte der Bienen" wurde mit dem norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet und sorgte auch international für Furore. Das Buch wurde in 30 Länder verkauft, stand monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und war der meistverkaufte Roman 2017. Zuletzt erschien der zweite Teil ihres literarischen Klimaquartetts, "Die Geschichte des Wassers".
Meine Meinung:
Das neue Buch von der jungen Autorin Maja Lunde war mein erstes für mich und es hat mich für die Autorin eingenommen. Wann stirbt die Lebensart *Mensch* aus? Das war die immer wiederkehrende Frage, die mir während meiner Lesezeit durch den Kopf ging. Die Autorin hat Antworten und auch viele Fragen zu diesem brisantem Thema in einen fesselnden Familienroman gepackt, der locker mehrere Generationen miteinander verbindet. Es geht um Wildpferde. Wildpferde, denen in ihrer ursprünglichen, seit Jahrtausenden gewohnten natürlichen Umwelt in der Weite einer Steppe, in unserer heutigen Welt immer weniger Lebensraum zur Verfügung steht. In drei Erzähl Strängen, werden die Charaktere, Lebensläufe und Bemühungen von Menschen aufgezeigt, diese einmalige Wildtierart zu erhalten, in Tierparks zu schützen oder gar auszuwildern. Die über sechshundert Seiten, fliegen durch den ansprechenden und interessanten Schreibstil der Autorin zwar schnell dahin, trotzdem erlebte ich eine gewisse LeseMüdigkeit , je länger ich diesen Ausführungen aus der Zarenzeit, der Gegenwart und einer fiktiven Zukunft unserer Lebensgrundlagen folgte. Ich überlegte , woran das liegen könnte. Und es war eine Charakter Eigenschaft der vielen Hauptprotagonisten, die mich abstiess und die ich sehr sehr missbillige. Es war der absolute FANATISMUS im Denken und Handeln, die sture Beharrlichkeit, die von jedem Verantwortlichen seiner Zeit ausging. Ich konnte für viele Personen dieser Familien einfach keine Sympathie aufbringen und zwar auf Grund dieser Leidenschaft. Solche ausufernden Gefühle und die daraus folgenden Handlungen sind mir einfach fremd und nicht nachvollziehbar.
Am eindrucksvollsten war für mich die Familien Geschichte der EVA , die in einer fast dystopisch anmutenden Welt überleben möchte, in der nichts mehr so ist wie wir es kennen. Für KARIN konnte ich wenig Verständnis aufbringen , da sie ihrem Sohn nie nahe kommen konnte - ihn verletzt hat - und für Tiere mehr Liebe und Verständnis aufgebracht hat, als für die Menschen ihres Lebens, eingeschlossen ihrer männlichen Liebhaber. Auch MISCHA aus der Zarenzeit war für mich nicht unbedingt ein Sympathieträger. Er hat mir eher leid getan, da er sich den gesellschaftlichen Zwängen seiner Zeit unterwerfen musste und die Liebe zu einem männlichen Freund zwar nicht unterdrückte, aber geheim hielt, ja sogar ein normales Eheleben Vorzug.
Trotz all dieser Kritikpunkte an der Personendarstellung, die durchaus realistisch ist, war diese Lektüre sehr lesenswert.
Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses Buch mit für mich ganz persönlich kleinen Schwächen.
Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für dieses Rezensionsexemplar!
Montag, 1. Juli 2019
*Willkommen im Fairvale Ladies Buch Club* von Sophie Green.
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Claudia Franz
Originaltitel: The Inaugural Meeting of the Fairvale Ladies Bookclub
Originalverlag: Hachette Australia
Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48784-4
Erschienen am 18. Februar 2019
Infolink zum Buch und Verlag
*Werbung*
Aus dem Englischen von Claudia Franz
Originaltitel: The Inaugural Meeting of the Fairvale Ladies Bookclub
Originalverlag: Hachette Australia
Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48784-4
Erschienen am 18. Februar 2019
Infolink zum Buch und Verlag
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Die Autorin: Sophie Green
Sophie Green ist Autorin und Verlagsleiterin. Sie hat, teilweise unter Pseudonym, bereits einige Romane und Sachbücher verfasst. Bei einem Besuch in Australiens Northern Territory verliebte sie sich in die Landschaft und die Bewohner. Weitere Aufenthalte dort inspirierten sie schließlich zu dem Bestseller »Willkommen im Fairvale Ladies Buchclub«. Sophie Green lebt in Sidney.
Inhalt/Klappentext:Mit ihrem Buchclub trotzen fünf Frauen der Einsamkeit.
Über Bücher finden sie zusammen, und ihre Freundschaft verändert ihr Leben.
Australiens Northern Territory verlangt seinen Bewohnern viel ab. Doch fünf Frauen finden einen Weg, mit dem harten Alltag und der Einsamkeit umzugehen: Sibyl, die mit ihrem Mann die Farm »Fairvale Station« leitet, ruft einen Buchclub ins Leben, dem sich vier Frauen anschließen: Sibyls Schwiegertochter Kate, ihre Freundin Rita, die abenteuerlustige Della und die dreifache Mutter Sallyanne. Jede der Frauen bringt ihre Träume und Sorgen zu den Treffen mit, und im Lauf der Jahre werden sie zu besten Freundinnen, die Schicksalsschläge, Neuanfänge, Liebeswirren und Verluste zusammen meistern.
Rezension
Meine Meinung: Bücher laden uns immer in eine Reise in eine andere Welt ein. So ist es mir mir auch mit dem gelungenem Roman von Sophie Green ergangen. Mein Trip führte mich in die Vergangenheit der Jahre 1978-1981 nach Australien in die heissen, staubigen und abgelegenen Northern Territorys, wo das tägliche Leben sehr mühsam, immer auf der Hut vor den Launen der Natur, verlaufen kann. Die Farmarbeit auf dem Lande war hart und unbarmherzig. Es gab als ständigen Kontakt zur Aussenwelt nur das Telefon, welches leider und oft immer viele Mithörer hatte. Kein Wunder, dass die fünf Frauen, von ihrer Lebensbiografie recht unterschiedlichen Freundinnen, mit Begeisterung einen Buchclub gründen und sich auch über ihre derzeitigen Lebenssituationen austauschen und Ratschläge erteilen. Als sehr interessant für mich persönlich empfand ich die zusätzliche Auflistung populärer Weltereignisse aus jedem erzähltem Jahr vor einigen Kapiteln.
Der Roman liess sich sehr gefällig und flüssig lesen, der warmherzig erzählende Schreibstil gefiel mir sehr gut, es war eine wahre Wohlfühllektüre zum Entspannen bei heissem Wetter im Lesegarten. Die fünf Hauptprotagonistinnen wurden von der Autorin charaktermässig sorgfältig und sehr unterschiedlich ausgearbeitet und ihre Emotionen und Handlungen standen immer in einem verständlichen Zusammenhang.
Ich gebe dem Buch gern eine Bewertung von Fünf ***** grossartigen Sternen im Genre schicksalshafte Frauen - und Liebeslektüre.
Mein Dank geht auch an die Autorin und Verlag für die Zustellung des Rezensionsexemplar!
Labels:
Erzählen,
Frauen,
Liebe,
Randomhouse Group,
Schicksal
Montag, 27. Mai 2019
*Die Farbe von Milch* von Nell Leyshon, erschienen bei Random Audio
Audio CD
Verlag: Random House Audio; Auflage: Ungekürzte Lesung (11. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3837142760
ISBN-13: 978-3837142761
Originaltitel: The Colour of Milk (Penguin Books London)
Verlag: Random House Audio; Auflage: Ungekürzte Lesung (11. März 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3837142760
ISBN-13: 978-3837142761
Originaltitel: The Colour of Milk (Penguin Books London)
Ungekürzte Lesung mit Laura Maire
Info zur Audio CD und zum VerlagINHALT/KLAPPENTEXT:
Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.
Mary ist an harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch als sie fünfzehn wird, ändert sich alles. Mary zieht in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten. Bei ihr, einer zarten, mitfühlenden Kranken erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Für Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.
Die Autorin: Nell Leyshons erster Roman Black Dirt stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Für ihren zweiten Roman *Die Farbe von Milch* wurde sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.
Die Sprecherin Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie "Verdammt verliebt". Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in "Raum" (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der "Twilight"-Reihe. Daneben war sie immer wieder in "How I Met Your Mother" zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller "Schattengrund" von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr "virtuoses Sprach-Spiel" noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.
Rezension
Meine Meinung: Wir befinden uns im Jahre des Herrn 1831 und mein Name ist M.A.R.Y.
Dieses fantastisch erzählte Frauenschicksal ist eines von vielen ähnlichen Geschichten, die in der Vergangenheit in abgewandelter Form vielleicht Tausenden junger Mädchen passiert ist. Die Stimme der erzählenden und ausgezeichneten Hörbuch Preisträgerin Laura Maire hat sich meinem Kopf ganz tief eingeprägt mit ihren vielen beeindruckenden Nuancen, die sie wiedergibt. Alles ist hervorragend verbunden mit dem einfachen, schlichten Text der Geschichte. Diese Stimme und der zugehörige Inhalt des Buches der Autorin Nell Leyshon hat ganz tiefe Empfindungen in mir ausgelöst, wie teilnehmende Freude an der Natur, Verständnis für das einfache und harte Bauern Leben der damaligen Zeit. Bedauern, Entsetzen und Trauer, welche sich ganz langsam und bedrohlich in mir aufgebaut haben standen im krassen Gegensatz zu Mary's heiterem und ehrlichen Wesen. Die Autorin hat die Geschichte in einfachen, vielen kurzen Satzwiederholungen dargestellt, welche mich am Anfang etwas verstört haben, die aber dann doch irgendwie passend waren.
Die Gesellschaftstrennung der verschiedenen Klassen wurde im 19. Jahrhundert noch streng durchgeführt. Viele Bauern Familien kämpften um das nackte Überleben, auf Bildung und Erziehung nach heutigen Schul Maßstäben wurde nicht viel Wert gelegt. Die Kinder wurden als volle Arbeitskraft benutzt, um das Überleben der Familie zu sichern. Lesen und Schreiben konnte aus dieser Gesellschaftsschicht kaum jemand. Doch die Familien verfügten über eine Herzensgüte und ein Zusammengehörigkeitsgefühl , welche in entscheidenden Situationen zu Tage traten. Mary wurde durch ihren hart erziehendem Vater durch diesen verordneten Dienst aus materieller Not in das Pastoren Haus, in eine andere Welt der geistigen Bildung geworfen. Sie durfte mit glühenden Wangen den Prozess des Lesens und Schreibens erlernen und erarbeitete sich dadurch eine für sie ganz neue Ausdrucksmöglichkeit.... und doch verlor sie ihre positive, einfache Einstellung zum Leben.
Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese beeindruckend aufgenommene Audio CD.
Herzlichen Dank für die Zusendung dieser Audio CD an die Autorin und den Random House Audio Verlag.
Dienstag, 30. April 2019
*Der Wald* von Nell Leyshon, erschienen im Eisele Verlag
*Werbung*
Aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Originaltitel: The forest
ca. 336 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Erschienen am 15. März 2019
Info zum Buch
Aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Originaltitel: The forest
ca. 336 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Erschienen am 15. März 2019
Info zum Buch
Die Autorin
NELL LEYSHONs erster Roman Black Dirt stand auf der Longlist des Orange Prize und auf der Shortlist des Commonwealth Prize. Ihre Theaterstücke und Hörspiele erhielten ebenfalls zahlreiche Auszeichnungen. Im Eisele Verlag erschien zuletzt mit großem Erfolg bei Presse und Publikum Die Farbe von Milch, ihr zweiter Roman, für den sie neben James Salter und Zeruya Shalev für den Prix Femina nominiert war. Nell Leyshon wurde in Glastonbury geboren und lebt in Dorset.
Inhalt/Klappentext:
Warschau im Zweiten Weltkrieg: Der kleine Pawel wächst wohlbehütet in einem bürgerlichen Haushalt auf. Doch als der Krieg kommt und sein Vater sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert, ändert sich alles. Die Familie lebt in ständiger Gefahr. Eines Nachts bringt der Vater einen schwer verwundeten englischen Kampfpiloten mit nach Hause, um ihn in Würde sterben zu lassen. Doch entgegen jeder Wahrscheinlichkeit überlebt der Pilot und löst damit eine Kette folgenschwerer Ereignisse aus ... England, viele Jahre später: Pawel führt ein Leben als freier Künstler. Tief in sich trägt er die Erinnerung an die Erlebnisse seiner Kindheit – daran, wie er mit seiner Mutter in den Wald fliehen musste und dort Monate verbrachte, jenseits von allem, was er kannte, allein inmitten der Natur. Die Geschehnisse dieser Zeit haben beide ganz unterschiedlich geprägt und für immer aneinander gebunden; doch in der Gegenwart stellen sich Mutter und Sohn Hindernisse in den Weg, die es ihnen schwer machen, wieder zueinander zu finden ...
Meine Meinung: Das ist mein erstes Buch dieser Autorin und ich bin total berührt von dem feinen, poetischem, leisen und hintersinnigem Schreibstil der Autorin. Man sollte es lesen, nicht hören, denn ich habe den Text und die inhaltsschwere Bedeutung einiger Aussagen oft erst beim Nachlesen wirklich begriffen. Es ist die Geschichte einer innigen Mutter-Sohn-Beziehung, die durch ein gemeinsam erlebtes Schicksal eng und für immer aneinander gebunden wurden. Der Roman ist in drei Teile untergliedert, führt ein im ersten Teil in die Zeit der Besetzung Warschaus durch die deutschen Truppen im 2. Weltkrieg. Eindringlich erlebt man diese traurige Zeit durch den Blick einer wohlhabenden Familie, die durch diese Tragödie auseinandergerissen wird. Kein Dienstpersonal, kein Kindermädchen stehen mehr zur Verfügung. Hunger und Verzicht auf viele normale Annehmlichkeiten des täglichen Lebens prägen den Alltag. Die Mutter findet Trost in ihrer Cello Musik und dem plötzlich nahen Umgang mit ihrem kleinen Sohn sowie ihrer eigenen Mutter und Schwester Joanna. Ihr Kontakt zu dem Kind ist oft widersprüchlich, manchmal gar ablehnend, da der kleine Pawel ein sehr neugieriges, nachdenkliches und anstrengendes Kind ist und alle Erziehungsarbeit nun ihr allein und den Frauen der Familie überlassen wird. Karol, der Vater entfernt sich immer weiter aus dem Familienleben und geht im Kampf der Widerstandsbewegung auf. Die Schwester Joanna und die Grossmuter der Familie, eine Ärztin werden verschleppt, deportiert und ihr Schicksal verliert sich in den Wirren des Krieges.
Über die Flucht in den Wald von Mutter und Sohn, im zweiten Teil der Geschichte erzählt, erfahren wir sehr viel über die Belastbarkeit der menschlichen Psyche unter einfachsten Lebensumständen. Der kleine Pawel beweist unglaubliche Stärke, sorgt für seine passiv dahin dämmernde Mutter. In der Einsamkeit des Winterwaldes und durch den Kontakt mit einer alten Frau, Baba Jaga genannt, findet er Trost und Hilfe. Er entdeckt für sich die Liebe zur Natur, zum Gärtnern und und zu sich selbst in seiner kreativen Traumwelt. Dieser wichtige Lebensabschnitt, gezeichnet durch den Verlust der Familie, den nicht normalen Alltag im einsamen Wald und den allgegenwärtigen Hunger binden Zofia und Pawel mit einem undurchsichtigen Band für immer aneinander. Der Ehemann und Vater Karol spielt weiterhin keine grosse Rolle im Leben von Mutter und Sohn.
Im dritten Teil leben Pawel, nun Paul genannt und Zofia, nun Sofia nach dem Kriegsende in England. Paul hat einen kreativen künstlerischen Beruf ergriffen und Sofia kämpft mit dem Alter und ihrem Schicksal , aber die Liebe endet nie. Was für ein schöner und tröstender Abschluss dieser ergreifenden Familientragödie.....
Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für dieses ungewöhnliche Buch.
Vielen Dank an die Autorin und den Eisele Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!
Montag, 8. April 2019
*Abendrot* von Kent Haruf, erschienen im Diogenes Verlag
Hardcover Leinen
416 Seiten
erschienen am 23. Januar 2019
*Werbung*
Inhalt/ Auszug vom Klappentext:Aus dem Amerikanischen von pociao
Holt, eine Kleinstadt im Herzen Colorados. Zwei alte Viehzüchter müssen den Wegzug ihrer Ziehtochter verkraften. Ein Ehepaar kämpft in seinem verwahrlosten Trailer um ein Stückchen Würde und um seine Kinder. Ein elfjähriger Junge kümmert sich rührend um seinen kranken Großvater. So hart das Schicksal auch zuschlägt – die Menschen in Holt sind entschlossen, dem Leben einen Sinn abzutrotzen. Und begegnen einander dabei neu.
Rezension
Meine Meinung: Das Leben geht weiter in der beschaulichen Kleinstadt Holt, die mir schon im Vorgängerband *Lied der Weite* vom Autor sehr ans Herz gewachsen ist. Die Beschreibungen des Farmlandes in Colorado mit seiner Prärielandschaft, dem Grasland für die Viehzucht und staubigen Weiten empfand ich wie ein Nachhause Kommen in diese fiktive Kleinstadt. Alt bekannte Menschen treffen wir wieder , wie die beiden alten Viehzüchter, die sich weiterhin rührend um ihre Ziehtochter und deren Tochter kümmern, sie aber loslassen müssen, damit die junge Frau einen eigenen beruflichen Weg in einer anderen Stadt einschlagen kann. Rose , die herzensgute Sozialarbeiterin arbeitet immer noch unermüdlich in der Familienhilfe mit viel Empathie für einfache Menschen in komplizierten Notlagen. Jeder Einwohner dieser Stadt schaut auf seinen Mitmenschen, auch auf die Ungeliebten und dieses Verhalten der Bevölkerung tröstet, gibt Hoffnung und Perspektiven für die Zukunft des menschlichen Miteinander. Auch unterschiedliche Kinder werden vom Autor genauestens vorgestellt und die Entwicklung ihrer Zuneigung und Freundschaft zueinander erzeugen beglückende Lesemomente. Der Schreibstil des Autors ist unnachahmlich, hat einen eindeutigen Erkennungswert und wurde wieder ohne wörtliche Rede verfasst. Die bildhaften Schilderungen sind einfühlsam , realistisch, nicht beschönigend, nie abfällig, anmassend oder gar wertend und bringen dem Leser menschliches Verhalten mit seinen Stärken und Schwächen sehr nahe.
Das Buch wirkt im Ganzen etwas schwermütig und ist kein seichter Unterhaltungsroman, erzeugt aber beim Lesen Glücksgefühle, die mit Hoffnung, Verstehen und Liebe für die unterschiedlichen Protagonisten in ihren Situationen einher kommen.
Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese grossartige Lektüre. Ich hoffe sehr auf die Veröffentlichung der anderen Werke des Autors in deutscher Sprache.
Mein Dank gilt auch dem Diogenes Verlag, der mir dieses wertvolle und ansprechende Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
Labels:
Diogenes,
Erzählen,
Gegenwartsliteratur,
Leben,
Schicksal
Dienstag, 26. März 2019
*Um Fünf unter den Sternen* von Holly Hepburn, erschienen im Penguin Verlag
Buchdetails
Aktuelle Ausgabe
ISBN:
9783328103202
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Flexibler Einband
Umfang:
592 Seiten
Verlag:
Penguin
Erscheinungsdatum:
10.12.2018
*Werbung*
Aktuelle Ausgabe
ISBN:
9783328103202
Sprache:
Deutsch
Ausgabe:
Flexibler Einband
Umfang:
592 Seiten
Verlag:
Penguin
Erscheinungsdatum:
10.12.2018
*Werbung*
Rezension
Inhalt/Klappentext:
Die Schwestern Nessie und Sam könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines haben sie gemeinsam: ein hoch kompliziertes Liebesleben. Als sie ein romantisches kleines Pub auf dem Land erben, kommt die Chance auf einen Neuanfang für beide wie gerufen. Doch der verläuft anders als gedacht – das Gebäude ist heruntergekommen und verschuldet, und dann sind da noch die naseweisen Dorfbewohner, die schon ganz eigene Pläne für die Neueröffnung geschmiedet haben. Doch Nessie und Sam sind fest entschlossen, das Pub zu retten und es wieder zum Mittelpunkt des Dorfes zu machen. Zum Glück gibt es da noch Joss, den charmanten Kellner, und Owen, den gut aussehenden Schmied von gegenüber …
Meine Meinung: Ein eingeschworenes Schwestern-Team auf der Flucht vor ihrem Leben. So lautet mein erster Satz zu diesem hübschen und harmlosen Liebesroman, der in einem kleinen englischem Dorf spielt und die Charaktere der Dorfbevölkerung mit ihren kleinen Marotten liebevoll beschreibt.
Nessie und Sam übernehmen ein bedeutungsschweres PUB-Erbe von ihrem alkoholkrankem Vater, der sich in früher Jugend der Kinder von seiner Familie verabschiedet hat. Die Geschichte ist amüsant, leicht und locker geschrieben von der Autorin, fordert keine besonderen Anstrengungen beim Lesen. Das Buch besteht aus vier Teilen, die jeweils der passenden Jahreszeiten-Atmosphäre angepasst sind. Das Liebesleben der beiden unterschiedlichen Schwestern war schon immer, auch vor dem Umzug auf das Land, ungeheuer kompliziert. Diese Eigenschaft der Beiden zieht die Autorin teilweise sehr in die Länge, wobei ein HappyEnd doch sehr vorhersehbar erscheint.
Eine nette und harmlose Lektüre mit Esprit für einige unbeschwerte Lesestunden.
Meine Bewertung: VIER **** Sterne im Genre Liebesroman!
Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!
Mittwoch, 20. März 2019
*Der Herzschlag der Steine* von Isabel Morland, erschienen im Knaur Verlag
*Werbung, da Markennennung*
Infos zum Buch und Autorin
Inhalt/Klappentext:
Der große Frauen-Roman von Isabel Morland über die Rückkehr auf eine wilde Hebriden-Insel und eine großartige Liebes-Geschichte mit einem Hauch von Mystik.
Als Ailsa nach vielen Jahren auf ihre kleine Insel auf den Äußeren Hebriden zurückkehrt, will sie eigentlich nur das Haus ihrer verstorbenen Mutter verkaufen. Nichts scheint sie mehr mit ihrer Heimat zu verbinden, und mit ihrer Vergangenheit hat sie längst abgeschlossen und in Toronto ein neues Leben angefangen. Doch der Zauber der Insel und die grandiose Natur ziehen sie bald wieder in ihren Bann, und als sie ihrer alten Liebe erneut begegnet, muss sie sich eingestehen, dass die Bindungen an ihr Zuhause stärker sind als gedacht.
Doch wird es ihr gelingen, alte Wunden zu heilen? Und für welchen der beiden Männer aus ihrer Vergangenheit, die immer noch um sie werben, soll sie sich entscheiden?
Meine Meinung:
Die sympathische Autorin hatte mich schon mit ihrem ersten Buch *Die Rückkehr der Wale* total begeistert und der neue Ausflug auf die schottischen Hebriden war wieder ein eindrucksvolles Kopfkino für mich! Ihr einnehmender und faszinierender , bunter und atmosphärischer Schreibstil verzauberte mich und hat mir viele schöne Lesestunden geschenkt. Danke dafür !
Die Magie der alten, mysteriösen Steinkreise, eingebunden in das alltägliche Inselleben, wurde von ihr mit Begeisterung dem Leser nahe gebracht. Esoterisch angehauchte Erklärungen und Handlungen haben mein Interesse geweckt und dadurch wurden viele eigene, ein wenig märchenhafte Gedankenansätze in dieser Richtung, für mich gefestigt.
Die raue Natur mit Heide, Wind, dem wilden Meer und die herzlichen, manchmal recht eigensinnigen Bewohnern der Insel, hatten mein volles Interesse . Das lag auch an der zauberhaften, rothaarigen Protagonistin Ailsa und ihren beiden Jugendfreunden, denen sie nach fast zwei Jahrzehnten wieder begegnet ist.
Die Schilderungen der alten Mythen und Legenden wurden mit einer bittersüßen Liebesgeschichte gewürzt und haben die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhalten.
Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne im Genre Liebesroman , Mystik!
Montag, 12. November 2018
*Die Schwaben-Kinder*, von Elmar Bereuter, erschienen im Piper Verlag
Die Schwabenkinder — Inhalt
Verkauft auf Schwabens Kindermärkten
Die unverschuldet in Not geratene Bauernfamilie Meser schickt ihren Sohn auf den Kindermarkt nach Ravensburg, wo er von einem grausamen Bauern ersteigert wird. Doch schon bald erträgt er das Leben auf dem Hof nicht mehr und läuft davon. Eine abenteuerliche Flucht beginnt. Elmar Bereuter erzählt vom bewegenden Schicksal jener Sklavenkinder, die im 19. Jahrhundert über die Alpen nach Oberschwaben zogen, um dem Hunger zu entkommen.
€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 04.09.2018
400 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31284-4
*Werbung* Verlagsinfo
Verkauft auf Schwabens Kindermärkten
Die unverschuldet in Not geratene Bauernfamilie Meser schickt ihren Sohn auf den Kindermarkt nach Ravensburg, wo er von einem grausamen Bauern ersteigert wird. Doch schon bald erträgt er das Leben auf dem Hof nicht mehr und läuft davon. Eine abenteuerliche Flucht beginnt. Elmar Bereuter erzählt vom bewegenden Schicksal jener Sklavenkinder, die im 19. Jahrhundert über die Alpen nach Oberschwaben zogen, um dem Hunger zu entkommen.
€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 04.09.2018
400 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31284-4
*Werbung* Verlagsinfo
Rezension
Autor: Elmar Bereuter
Biografie
Elmar Bereuter, geboren 1948 in Lingenau als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager erfolgte mit der Gründung eines Werbeunternehmens der Sprung in die Selbstständigkeit. Mit dem Erscheinen des Romans »Die Schwabenkinder« begann ein neuer Abschnitt als Schriftsteller im Hauptberuf. Auf seinen Bestseller, der den Anstoß zum gleichnamigen Film mit Tobias Moretti gab, folgten die Romane »Hexenhammer«, »Die Lichtfänger«, »Felders Traum« sowie Wanderführer über die »Schwabenkinder-Wege«. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe des Bodensees.
Meine Meinung:
Vierhundert dramatisch beschriebene Seiten mit Schilderungen von Schrecken, Angst, Verunsicherung, Heimweh, Hunger, Schlägen und gröbsten Misshandlungen eines Kindes und seiner unschuldigen Seele habe ich beim Lesen verfolgt und der kleine Kaspanaze aus dem Bregenzer Wald, sowie die anderen Kinder aus Vorarlberg, Südtirol , der Schweiz, haben mir von Herzen leid getan. Ich bin froh, dass diese *Lesereise* nun ein Ende hat. Dieses Buch ist keine schöne, friedliche oder romantische Lektüre des 19.Jahrhundert , sondern rüttelt unser Gewissen auf , alles, aber auch alles was Verantwortlichen Menschen möglich ist , (auch heute), für Kinder zu tun, damit kein Kind so schlimm leiden muss!
Und all das ist bei uns in Europa vor gar nicht so langer Zeit passiert. Der Autor Elmar Bereuter beschreibt in seinem Buch die ärmlichen und katastrophalen Lebensumstände der dörflichen Bevölkerung des Alpenraumes, des Allgäus, des Schwabenländle in Baden Württemberg, des 19. Jahrhundert in deutlichen und starken Bildern, die sich im Kopf festsetzen . Sein Schreibstil ist gut zu verstehen, wobei er sich auch an Dialektausdrücke und den damals dörflichen Umgangston gehalten hat. So wirkt dieses Buch sehr authentisch. Kinder wurden als billige Saison-Arbeitskräfte verkauft, vermietet und ausgenutzt. Eine allgemeine Schulpflicht gab es kaum und war nicht verbindlich, viele Menschen waren Analphabeten. Ein Kinderschutzgesetz gab es noch lange nicht.
Die Lebensumstände und der Hunger waren in vielen Alpentälern und Bergbauernhöfen so präsent und dringlich, dass viele Familien die älteren Kinder als Arbeitskräfte während der Sommermonate weggeschickt haben. Im März wurden die Kinder von Führern gesammelt und in langen, beschwerlichen Wanderungen in den Voralpenraum zur Arbeit auf anderen Höfen und den Kindermarkt begleitet. Dort waren sie nun auf *Gedeih oder Verderb*, ohne Rechte und Fürsorge wildfremden Menschen ausgeliefert. In den Städten Ravensburg,Wangen, Friedrichshafen, Überlingen und vielen Orten im Allgäu gab es regelrechte, öffentliche Kindermärkte.
Zitat aus den Erklärungen zu den Kindermärkten auf Seite 397: "Im ersten Drittel des 19. Jahrhundert dürften es jährlich über 4000 *Schwabengänger* gewesen sein. "
Hinweise verschiedener Chronisten beschreiben diese Tradition der Kindermärkte schon bis in das 16. Jahrhundert zurück!
Es ging oft gut und viele Kinder fanden eine neue Heimat, blieben sogar für immer auf dem neuen Hof, aber das war nicht der Normalfall. Aus dem Erleben und den Schilderungen des kleinen Kaspanaze ersteht eine einfache Welt aus dem Blickwinkel eines unschuldigen Kindes vor dem Leser. Die Grobheit, die den Kleinen entgegengebracht wurde, übertrugen viele Kinder in ihren Alltag. Raufereien und bösartige Streiche , besonders zwischen den fremden Hüte-Kindern und den Einheimischen waren an der Tagesordnung.
Vermisst habe ich im Buch ein Glossar, denn viele bäuerliche Ausdrücke waren mir unbekannt. Die Erklärungen des Autors am Endes des Buch zu dem Phänomen Kinderhandel und seine geschichtlichen Hintergründe empfand ich als sehr aufschlussreich!
Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aufklärende Lektüre!
Mein Dank geht an den Autor und den Piper Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars !
Labels:
Erzählen,
Geschichte,
Kindheit,
Piper
Mittwoch, 7. November 2018
*KINDER HERZ* DAS LEBEN DER KAROLINA WEISS, ERSCHIENEN IM ECOWIN VERLAG
REZENSION
Der Firnenglanz der Berge und die Tiefe einer Kinderseele
Das Mädchen Karolina wird auf der Alm groß. Sehr früh beginnt sie, ein Tagebuch zu führen. Sie schreibt über die Schönheit der Berge und Seen, über die Mühsal des Bergbauernlebens, die langen Arbeitsstunden, das Spiel mit den Geschwistern. Über Schneestürme mitten im Sommer, über die Gefahren durch herumziehende Räuberbanden. Detailgenau und faktentreu erzählt sie vom Alltag am Berg, von Arbeitsweisen und -gerät, vom Zusammensein mit der Familie, vom Essen und Trinken, von dem intimen Verhältnis zu Tieren. In schelmischem Ton berichtet sie von Gebräuchen und Ritualen, vom Leben eines Mädchens in einer Welt, die so nicht mehr existiert.
Die Autorin der Tagebuchaufzeichnungen:
Karolina Weiss wurde 1893 im salzburgischen Stuhlfelden geboren. Sie wächst in den Sommermonaten auf einer hochgelegenen Alm im Stubachtal und im Winter in der kleinen Gemeinde Stuhlfelden auf. Sie lebt das karge Leben der Bergleute, erfährt die Ungewissheit der Nachkriegsjahre 1919/20 und sieht sich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Auf ihrem späteren Lebensweg wird sie Hüttenwirtin, Kinderfräulein, wandert nach Holland aus, kehrt schließlich nach Österreich zurück und rekapituliert dort ihre seit früher Kindheit aufgeschriebenen Erinnerungen.
MEINE MEINUNG: Karolina Weiss ( 1893-1986) hat in ihrem einfachen Leben viel Aufregendes und ein riesiges Stück Zeitgeschichte miterlebt und ihre Erlebnisse - in denen sie hauptsächlich aus Kindheit und jungen Jahren erzählt, in Tagebuch- Aufzeichnungen, aus rückwirkender Blickweise (1945).
Zitat Seite 261: " Irgendjemand wird es einmal lesen - vielleicht ein bisschen Freude damit haben und vielleicht auch ein wenig Nutzen daraus ziehen...,lautet die zurückhaltende, offenkundig nicht auf eine grössere Verbreitung der lebensgeschichtlichen Aufzeichnungen ausgerichtete Intention der Schreiberin gleich zu Beginn ihres Manuskripts."
Die Autorin hat ca. 1907 oder früher mit ihren Aufzeichnungen begonnen in kindlich, naiver Schreibweise, geschrieben ähnlich wie *Gesprochen*. Sie hat viele spezielle Dialektausdrücke ihrer österreichischen Heimat eingefügt, die mir nicht geläufig waren. Aus diesem Grund erfreute mich das grosse Glossar am Ende des Buches, welches ich öfter mit fragendem Blick aufschlagen musste. Zum Beispiel der Ausdruck Gleck, eine Gemisch aus Salz und Getreideschrot, fallweise auch gehackten Blättern oder Heublumen, als Beifutter für Rinder. Oder das Wort Fack (Schwein). Man kann diesen Schreibstil der Tagebuch-Erinnerungen auch als urig, lebensnah , amüsant und ausdrucksvoll beschreiben. Ich musste oft lächeln beim Lesen, aber mir wurde auch bewusst in welch hartem, oft brutalem Umfeld der abgeschiedenen Alpentäler, die junge Lina (Karolina) gelebt hat. Schläge gab es oft genug, Kinder hatten noch keine eigenen Rechte, sondern lebten in der Hoffnung auf das baldige Erreichen des *Weges zum Großmenschendasein* . Linas Denken und Innenleben waren mir oftmals sehr fremd, aber man bedenke immer wieder an die Zeit der Anfänge ihrer Aufzeichnungen (vor dem Beginn des 1. Weltkrieges). Sie hatte sieben Geschwister und ihre Familie führte ein hartes Bergbauern - und Jägerleben! Niemand entrüstete sich in diesem Umfeld über körperliche Züchtigungen oder Kinderarbeit. Der sexuelle Missbrauch von Kindern war auch damals keine Seltenheit, wurde aber von den Erwachsenen tabuisiert und übergangen.
Sie wuchs sehr naturverbunden in der Schönheit der Bergwelt auf und diese frühen, prägenden Eindrücke haben ihre Kinderseele sensibilisiert und für das Schöne in ihrer Umwelt geöffnet. In vielen Zeilen und auch volkstümlichen eigenen Dichtungen kommt diese Liebe zur Heimat und Familie immer wieder in ihren Einträgen zur Geltung. Sie war ein kluges Kind und hat früh von Mutter und Grossmutter gelernt ihre Gedanken und Eindrücke auf dem Papier festzuhalten. Vielleicht wäre sie mit ihrem Talent zum Schreiben und besserer Ausbildung in einer anderen Zeit sogar eine Literatin geworden?
Mit vierzehn Jahren begann für sie der *Ernst des Lebens*. Eine Station ihrer LEBENS-REISE war die Stellung als Bademeisterin in Innsbruck, die sie mit lustigen Erlebnissen spickt. Auch die fröhlichen Zeiten bei Onkel und Tante gibt sie freudig und munter wieder. Sie besuchte sogar eine Handelsschule. Auf jeden Fall ist sie Dank ihrer inneren Stärke und Festigkeit zu einer selbstbewussten und starken Frau herangereift, die in ihrem Leben sogar in Holland war und Südtirol bereist hat als Vertreterin für Maggi Erzeugnisse!!
In dieser Lektüre, basierend auf den Tagebuchaufzeichnungen, sehen wir nur Fragmente ihres Lebens, denn die Orignal-Manuskripte sind sehr viel umfangreicher als in diesem Buch dargestellt werden konnte.
Das umfangreiche und wichtige Nachwort von Mag Günter Müller ( Institut für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte, Universität Wien, Doku Lebensgeschichten) , erzählt noch zusätzlich Tatsachen und interessante Informationen zum Leben der Karolina Weiss.
Mein Dank geht an den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplares.
MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** STERNE für diese sehr interessante Darstellung eines Frauenlebens ihrer Zeit !
Dienstag, 23. Oktober 2018
*Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben* von António Lobo Antunes, erschienen im btb Verlag
Info Link zum Verlag und Autor
Vita des Autors und der Übersetzerin:
António Lobo Antunes (Autor)
António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren und hat Medizin studiert. Während des Kolonialkrieges war er als Militärarzt in Angola, arbeitete danach in der Psychiatrie und war lange Jahre Chefarzt in einer Psychiatrischen Klinik in Lissabon. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Sein umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Preisen, zuletzt dem Camões-Preis, ausgezeichnet und ist in vierzig Sprachen übersetzt.
Maralde Meyer-Minnemann (Übersetzerin)
Maralde Meyer-Minnemann, geboren 1943 in Hamburg, erhielt 1992 den "Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen", 1997 den Preis "Portugal-Frankfurt", 1998 den "Helmut-M.-Braem-Preis" und wurde 2005 für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert.
INHALT/KLAPPENTEXT:
Eine Frau Anfang fünfzig fährt für ein Wochenende an den Strand. Das Ferienhaus ihrer Familie, an der Atlantikküste nördlich von Lissabon gelegen, ist verkauft worden, und sie möchte Abschied nehmen, ihren Erinnerungen an die Kindheit, an die gemeinsamen Sommer dort nachhängen. Doch die Vergangenheit bricht regelrecht über sie herein, und der Kurzurlaub gerät ihr zur Abrechnung über ihr Leben, zur Rückschau auf das ganze Drama ihrer Existenz. In diesen drei Tagen weichen ihre Erinnerungen an die glücklichen Zeiten der Kindheit einem immer bedrohlicheren Strudel der Verzweiflung …
Rezension
Meine Meinung:
Es ist auch sicher nicht jedem Leser gegeben dieses Buch zu lesen. Der komplizierte und anspruchsvolle Schreibstil braucht einige Zeit um beim Lesenden im Kopf anzukommen und die Sortierung der Aussagen des Autors sind nicht einfach zu erledigen. Wenn man sich allerdings nach vielen Seiten anstrengenden Lesegenusses darauf eingestellt hat, funktioniert es gut.
Drei Tage aus dem Leben der nicht bei Namen genannten ca. fünfzigjährigen Frau werden vom Autor in drei Teilen beschrieben. Je mehr ich in das Buch, die Stimmung und die Charaktere der Frau, ihrer Kindheit, ihrer Eltern und der zwei Brüder eingetaucht bin, desto grösser wurde mein Unbehagen und ein unbestimmtes Gefühl von Traurigkeit, Mitleid, Verstehen und Nicht-Verstehen ergriff mich. Dieses Buch machte mich depressiv und ich habe es immer wieder aus der Hand legen müssen, da es mich bedrängt und verfolgt hat. Es endet tragisch, bitter - für die Familie und auch für die Frau.
Hier eine Kostprobe des Schreibstils:
Zitat Seite 63/64
" - Ich bin hier
wie auch das Fahrrad
-Ich bin hier
und die Pullis meines ältesten Bruders in der Schublade
-Wir sind alle hier
in dem Augenblick, als ich es gebraucht hätte, dass er mich
huckepack nahm, im Garten eine Runde im Galopp drehte und
ich glücklich
-Schneller
ich so glücklich
-Schneller Bruderherz
und wir springen über ein Beet, zwei Beete, der Brief an
die Vase gelehnt und der Krankenwagen, darin ein Ertrunke-
ner, wir springen über die Leute an der Gartenpforte, die leisen
Gespräche
-Ganz schnell Bruderherz"
Ich hoffe ihr konntet einiges aus dem Schreibstil erlesen, der recht ungewöhnlich ist.
Dieses wehmütig verfasste Buch hat mich nicht wirklich erreicht und begeistert, aber es ist mit Sicherheit ein gutes Buch vom bekannten und angesehenem Autor António Lobo Antunes!
Meine subjektive Bewertung: *** Drei gute Sterne!
Mein Dank gilt dem Autor und dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
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Donnerstag, 20. September 2018
*Ein unvergänglicher Sommer* von Isabel Allende, erschienen im Suhrkamp Verlag
Isabel Allende wird am 2. August 1942 in der peruanischen Hauptstadt Lima als Kind chilenischer Diplomaten geboren. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebt sie zunächst bei Ihren Großeltern in Chile. Das große, verwinkelte Haus, in dem sie aufwächst, wird später als Vorbild für ihren Jahrhundertroman Das Geisterhaus dienen. Bereits als Jugendliche bereist sie die Welt; sie wächst mehrsprachig auf und geht in La Paz, Beirut und Santiago de Chile zur Schule. Mit achtzehn kommt sie durch Zufall an ihren ersten Job als Journalistin. Kurz darauf moderiert sie bereits eine chilenische Fernsehsendung.
1962 heiratet sie den Bauingenieur Michael Frías, Trauzeuge ist ihr Onkel, der spätere Präsident Salvador Allende. Im Jahr darauf wird ihre Tochter Paula geboren, 1966 kommt ihr Sohn Nicolás zur Welt.
Als Journalistin setzt sich Allende leidenschaftlich für die Gleichstellung der Frau ein. Zusammen mit anderen Frauenrechtlerinnen gründet sie 1967 Paula, die erste feministische Zeitschrift in Chile. Außerdem schreibt sie Drehbücher für eine Comedy-Sendung, moderiert ihre eigene Talkshow, schreibt Theaterstücke und Musicals – in Chile kennt sie mittlerweile jeder.
Sie ist tief erschüttert, als Salvador Allende am 11. September 1973 von Augusto Pinochet gestürzt wird und kurz darauf stirbt. Dennoch bleibt sie zunächst in Chile und hilft politisch Verfolgten unterzutauchen, bis die Repressionen gegen Andersdenkende sie schließlich ins Exil zwingen. 1975 geht sie mit ihrer Familie nach Caracas, Venezuela. Hier muss sie beruflich wieder von vorne anfangen. Sie arbeitet für wenig Geld als einfache Journalistin.
1981 erfährt sie, dass ihr Großvater im Sterben liegt. Sie kann ihn in Chile nicht besuchen und beschließt, ihm einen langen Brief zu schreiben. An ihrem Küchentisch schreibt sie oft bis tief in die Nacht die Erinnerungen ihrer Familie auf, die untrennbar mit der Geschichte ihres Heimatlandes verwoben sind. Schließlich wird daraus das fünfhundert Seiten lange Manuskript ihres ersten Romans.
Ein Jahr später erscheint Das Geisterhaus und wird zu einem Weltbestseller. Nach dem märchenhaften Erfolg des Romans, der 1993 vom dänischen Regisseur Bille August verfilmt wurde, geht sie ausschließlich ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: schreiben, verschiedene Leben erzählen, Geschichten erfinden, versuchen, die Welt ein wenig besser zu verstehen, sowie sich selbst und anderen Kraft zu schenken durch die Schicksale ihrer Figuren. Inzwischen ist das Schreiben mehr als nur eine Leidenschaft für die Autorin: »Es erlaubt mir, das Leben zu ordnen, Ereignisse zu verstehen und untereinander in Verbindung zu bringen, Erinnerungen zu bewahren. Es ist ein Weg, der direkt zur Seele führt.«
Sogar als sie der schlimmste Schicksalsschlag ihres Lebens trifft, der Tod ihrer eigenen Tochter, schreibt sie weiter: Es entsteht Paula (1995), ein äußerst persönliches Bekenntnis, das ihr dabei hilft, ihre tiefe Trauer zu überwinden.
Romane wie Fortunas Tochter (1999), Porträt in Sepia (2001) oder Inés meines Herzens (2007) sind weitere Stationen ihrer literarischen Erfolgsgeschichte. Im Laufe der Jahre erweitert sie ihr schriftstellerisches Repertoire um viele Facetten. Sie schreibt unter anderem Aphrodite (1999), ein Kochbuch voller sinnlicher Anekdoten, Legenden und aphrodisierender Rezepte, Die Abenteuer von Aguila und Jaguar (2009), eine Trilogie von Abenteuergeschichten für Kinder und Jugendliche, sowie den Erzählungsband Ein diskretes Wunder (2010). Mit dem Historienroman Die Insel unter dem Meer(2011) und Mayas Tagebuch (2012) – bewegend, spannend und mit warmherzigem Humor geschrieben – setzt Isabel Allende ihre unaufhörliche Erfolgsgeschichte fort. 2014 erscheint Amandas Suche, ein Roman über das kostbare Band zwischen Müttern und Töchtern und die lebensrettende Kraft der Familie.
Heute lebt Isabel Allende mit ihrer Familie in Kalifornien. Sie ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Welt. Ihre Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt und haben sich millionenfach verkauft. Immer wieder fasziniert die chilenische Bestsellerautorin ihre Leserinnen und Leser und führt sie an die atemberaubendsten Plätze der Erde, weckt die Neugier für andere, fremde Welten und spricht Themen an, die ihr und vielen anderen am Herzen liegen. Unermüdlich widmet sie ihr Leben ihrer größten Leidenschaft: dem Erzählen.
Rezension
INHALT/KLAPPENTEXT:
Ein Schneesturm in Brooklyn, und den Auffahrunfall tut Richard als belanglose Episode ab. Aber kaum ist der eigenbrötlerische Professor zuhause, steht die Fahrerin des anderen Autos vor der Tür. Evelyn ist völlig aufgelöst: In ihrem Kofferraum liegt eine Leiche. Zur Polizei kann sie nicht, denn das scheue guatemaltekische Kindermädchen ist illegal im Land. Richard wendet sich Hilfe suchend an Lucía, seine draufgängerische chilenische Untermieterin, die ebenfalls an der Uni tätig ist. Lucía drängt zu einer beherzten Aktion: Die Leiche muss verschwinden. Hals über Kopf machen sie sich auf den Weg in die nördlichen Wälder, auf eine Reise, die die drei zutiefst verändern wird. Und am Rande dieses Abenteuers entsteht etwas zwischen Richard und Lucía, von dem sie beide längst nicht mehr zu träumen gewagt hatten.
MEINE MEINUNG:
Die wunderbare Erzählkunst der beliebten und bekannten Schriftstellerin ISABEL ALLENDE hat mir meine Spätsommerlesestunden im Garten total versüsst und ich kann eine absolute Leseempfehlung für dieses leichte, unterhaltsame Buch, welches vor sehr ernsten und dramatischen Hintergründen spielt, aussprechen und empfehlen.
Zuerst die ernsten Tatsachen und Hintergründe, vor denen diese Geschichte erzählt wird. Es gibt elf Millionen Einwanderer aus Lateinamerika in den USA, die ohne Rechte und gültige Papiere im Land leben. Immer müssen sie befürchten plötzlich und unerwartet von einer Ausweisung bedroht zu werden, obwohl sie oft schon Jahrzehnte im Land geduldet wurden. Familien werden getrennt, Menschen ausgebeutet und von verantwortungslosen Schleppern in Lebensgefahr gebracht. Diese Probleme häufen sich zur Zeit weltweit an, die flüchtenden Migrationswellen von Menschen aus dem Kriegsland Syrien und dem riesigen Kontinent Afrika sind uns allen nur zu gut bekannt. Die Autorin beschreibt einfühlsam und genauestens neben der einnehmenden, humorvollen Rahmenhandlung des Buches, auch die vielen politischenTragödien des Südamerikanischen Kontinents mit seinen Kriegen, Militärputschen und Diktaturen. Sie verbindet die Lebensschicksale - und Geschichten der drei Hauptprotagonisten Richard aus New York , Lucía aus Chile und Evelyn aus Guatemala, perfekt mit ihren Herkunftsländern. Die Autorin führt den Leser spielend in die letzten dreissig Jahre südamerikanischer Geschichte ein. Gerade auch für junge Menschen, die keine Zeitzeugen waren, ist das eine wertvolle Bereicherung ihres Allgemeinwissen. Einige mystische Erzählungen, Bräuche und erschreckende Realitäten der einheimischen Bevölkerung aus Guatemala, Brasilien und Chile hat die Autorin geschickt in diese Lebenswege eingebaut und den Leser in ein buntes und rätselhaftes, für uns oft fremdes Umfeld, mitgenommen. Mit Sicherheit hat Isabel Allende auch autobiografische Erfahrungen und Erinnerungen in den Roman eingebracht.
All das hat Isabel Allende nebenher ruhig, eindrucksvoll mit besten Hintergrundwissen zu einem sehr bildhaften, warmherzigen und humorvollen Unterhaltungsroman verschmelzen lassen.
Brooklyn im Winter bei Eis und Schnee, ein einsamer Professor, der mit vier Katzen in einem baufälligen, eiskalten Haus lebt, seine lebenslustige und fröhliche Untermieterin Lucía aus Chile und das guatemaltekische Kindermädchen Evelyn sorgen für Humor, Herzensgüte, gegenseitiges offenes Kennenlernen und letztendlich wird auch eine zarte, hoffnungsvolle Liebesgeschichte erzählt. Diese gemeinsame Suche der drei unterschiedlichen Personen um ein Verstecken und Aufdecken einer merkwürdigen und gefährlichen Situation, um die Beseitigung einer Leiche, lässt keinerlei Spannungslücken vermissen.
Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch.
Herzlichen Dank an die Autorin und den Suhrkamp Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.
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Schnee,
Suhrkamp,
Winter
Donnerstag, 16. August 2018
*Das brennende Mädchen* von Claire Messud, erschienen bei HOFFMANN UND CAMPE
Rezension
INHALT und KLAPPENTEXT:
Die besonnene Julia und die draufgängerische Cassie wachsen zusammen in einer Kleinstadt in Massachusetts auf und sind unzertrennlich. Doch eines Sommers zerbricht ihre Freundschaft schleichend, aber für immer. Was ist passiert? Claire Messud erzählt davon, warum der Verlust der ersten großen Freundschaft uns so sehr prägt, und stellt zugleich die großen Fragen: Wie gut können wir einander jemals kennen? Wie wahr sind die Geschichten, mit denen wir uns unser Leben und unsere Beziehungen zu erklären versuchen?
MEINE MEINUNG: Gebannt habe ich den Verlauf des Romanes und die Entwicklung der Freundschaft von Julia und Cassie verfolgt. Beide Kinder, sie sind zu Beginn des Buches zwölf Jahre alt, wachsen unzertrennlich und liebevoll zueinander, fast wie Zwillinge, auf. Sie erkunden zusammen geheimnisvolle Welten wie verfallene Häuser, alte Steinbrüche, bauen sich eine eigene Fantasiewelt dort auf und schirmen ihre Welt gegenüber den Erwachsenen ab. Sie sind beste Freundinnen der Welt und glauben es für immer zu bleiben. Und doch zeigen sich dem Leser zu Beginn schon immer wieder kleine Zweifel an dieser Aussage, die Claire Messud geschickt und unterschwellig vermittelt. Man hofft von Herzen, dass es anders ausgehen möge, weiss aber ahnungsvoll um die Aussichtslosigkeit dieses Wunsches. Die Freundinnen spüren auch diese bestimmte leise Angst, die immer stärker wird und sich in den Vordergrund ihrer Gedanken drängt. Es ist die Angst vor dem Erwachsenwerden, das Aufkeimen von Zweifeln an der Freundin und ihrer Zuneigung, die immer näher kommende, unbekannte und bedrohlich erscheinende Erwachsenenwelt. Die Zukunft scheint nebulös und drohend vor ihnen zu liegen. Sie verstehen plötzlich die Welt, sich selber und die Freundin nicht mehr!
Die Autorin lässt Julia diese Geschichte im Rückblick aus ihrer Perspektive erzählen. Beide Mädchen stammen aus Elternhäusern, die recht unterschiedlich sind. Cassie wächst vaterlos mit einer Mutter auf , die das kleine Mädchen zwar über alles liebt, aber recht verloren, einfach und rätselhaft in ihrer Charakter-Beschreibung durch die Autorin wirkt. Julia dagegen bekommt alles! Zuwendung, Liebe und Bildung aus ihrem Elternhaus. Sie entwickelt sich weiter, entdeckt das Theaterspiel für sich und der Kontakt zu Cassie's Welt, der plötzlich nur noch aus Musik, Party und ersten Jungenbekanntschaften besteht, wird immer schwächer.
Und doch halten beide Mädchen krampfhaft am Mythos der grossen Freundschaft fest, obwohl sie das Auseinanderdriften deutlich spüren.
Diese Entwicklung versucht die Autorin mit ihrem sanften und einfühlendem Schreibstil dem Leser nahe zu bringen. Es gelingt ihr fast perfekt, durch Andeutungen, Gedankensplittern, aber eben nur aus Julies Sicht der Dinge als fast erwachsene junge Frau. Der Leser beobachtet Cassie aus der Ferne, zieht daraus Schlüsse für sich, aber immer nur fundierend aus Julies Gedankenwelt. Auch der Titel passt in meinen Augen gut zum Roman, er erschreckt zwar beim ersten Wahrnehmen, aber er trifft zu.
Eine brennende , klaffende innere Wunde trennt die ehemaligen Freundinnen auf immer und jeder von uns hat vielleicht schon einmal den Schmerz einer verlorenen Freundschaft empfunden und kann diese Aussage nachfühlen.
Genau das vermittelt Claire Messud einfühlsam, machmal zwar etwas langatmig im Schreibstil und fast unlustig in traurigen Szenarien.
Das ist kein vergnügtes und amüsantes Buch, eher etwas nachdenklich machend, aber absolut lesenswert.
Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen grossartigen Roman über den Verlust der Kindheit mit einer absoluten Liebe zum Mitmenschen, mit teilweise fesselnden Einblicken in das Abhandenkommen dieser Fähigkeit.
Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.
Mittwoch, 15. August 2018
*Irische Sehnsucht* von Maeve Binchy, erschienen im Knaur Verlag
Rezension:
Inhalt/Klappentext:
Erzählungen von der Grünen Insel
21 warmherzige Erzählungen aus dem Nachlass der beliebten irischen Bestseller-Autorin. Mit ihren berührenden und gefühlvollen Kurzgeschichten lässt Maeve Binchy die Leserinnen am Leben und Alltag verschiedener Frauen in Irland teilhaben. Sie zeigt ihre unterschiedlichen Charaktere, ihre Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Beziehungen gehen in die Brüche oder werden auf die Probe gestellt, neue Lieben und Freundschaften entstehen. Die Frauen kämpfen für ihre Träume und müssen sich ihren Ängsten stellen, um glücklich zu werden. Es sind Liebesgeschichten, Beziehungsgeschichten, Kurzgeschichten aus Irland – über Liebe, Freundschaft und etwas, das wohl jeder von uns kennt: Sehnsucht.
Meine Meinung: Sehnsucht nach Irland hat das wunderbare Cover des gebundenen Buches sofort bei mir entfacht. Damit meine ich nun nicht nur die menschliche Sehnsucht nach Liebe, Freundschaft und Harmonie , sondern ich hatte gehofft von dieser Autorin auch etwas mehr über ihr Heimatland und speziell die irische Mentalität der Bevölkerung zu erfahren. Leider haben diese Geschichten meine Sehnsucht nach irischem Feeling nicht wirklich mildern können. Aber ich habe mit dieser leichten Lektüre einige unbeschwerte Lesestunden genossen, die mir gute Laune bereitet haben. Ab und an haben mich die Geschichten auch zum Nachdenken angeregt. Der Schreibstil, der 2012 verstorbenen Autorin Maeve Binchy ist leicht, beschwingt und sehr flüssig zu lesen. Diese Kurzgeschichten stammen aus ihrem Nachlass und sind typische Frauenlektüren, die von sehr viel Menschenkenntnis der berühmten Autorin zeugen. Sie hat auch Theaterstücke und Kolumnen für die Irish Times verfasst hat und ist eine echte Bestseller Autorin.
Lasst Euch mitnehmen auf eine vergnügliche Reise zu Beziehungsgeflechten , Liebesgeschichten und schnuppert ein wenig frische Luft von der grünen Insel Irland.
Meine Bewertung: DREI *** STERNE für die guten und feinen Geschichten der Bestseller-Autorin!
Lieben Dank an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.
Labels:
Erzählen,
Irland,
Knaur Verlag
Dienstag, 7. August 2018
*Die Unvollkommenheit der Liebe* von Elizabeth Strout, erschienen bei btb
Rezension
INHALT: Die Schriftstellerin Lucy Barton liegt nach einem Routineeingriff und einer nachfolgenden unklaren Infektion wochenlang in New York in einer Klinik. Ihre Mutter, die sie Jahre nicht gesehen oder gesprochen hat, besucht sie und bleibt Tag und Nacht an ihrem Bett sitzen und begleitet sie. Eine ganze Woche,,,,
Meine Meinung:
Die Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout hat den vorliegenden Roman im Jahr 2016 unter dem Titel "My name is Lucy Barton" veröffentlicht.
Schüchtern und sehr sensibel gewährt die Autorin dem Leser Einblick in die Seelenlage der Schrifststellerin Lucy Barton, die eine kritische Phase ihres Lebens, hervorgerufen durch eine mysteriöse Infektion, durchsteht. Durch die plötzliche Anwesenheit ihrer Mutter am Krankenbett, angereist aus Illinois , begeben sich beide Frauen auf eine gemeinsame Reise in die gemeinsame Vergangenheit der Familie. Lucy reflektiert plötzlich vergessene Erinnerungen aus ihrer ärmlichen Kindheit in einer Familie, in der Weinen und/oder Beschwerden streng von den Eltern untersagt wurden. Lucy's Geschwister, aber auch ihre Eltern, sahen in ihr immer eine Aussenseiterin, die anders war und ihren eigenen speziellen Weg ging. Der Zusammenhalt und die Gemeinsamkeiten der Kinder beschränkten sich auf das Durchwühlen von Lebensmittelmülleimern der Supermärkte oder gehobener Restaurants. Die Familie war unglaublich arm. Ihre Wohnung bestand aus einer Garage und Lucy litt und schämte sich dafür im reichen Amerika. All diese Gefühle aus dem Familienleben waren nie ein Thema zwischen Mutter und Tochter, auch jetzt bleibt so vieles unausgesprochen, aber zwischen den Zeilen vermittelt die Autorin dem Leser diese ungesagten Worte über Schuld, Verbitterung, Verletzungen und unausgesprochener Liebe zu einander, eben ein unvollkommener Austausch von Liebe, Ablehnung,Vorwürfen und letztendlich auch vom Verzeihen.
Der Schreibstil besteht aus kurzen , einprägenden Sätzen, die von der Autorin oft eindringlich in noch kürzerer Satzform wiederholt werden. Ich konnte mich ruhig und gelassen darauf einlassen. Meine eigenen Vorstellungen über diese intimen Gespräche zwischen Mutter und Tochter bekamen dadurch genügend Raum.
Viele Menschen hat Lucy mir in das Herz gelegt, wie den gütigen jüdischen Arzt des Krankenhauses, der sie täglich besucht, aber für die gesamte Zeit in der Klinik nur fünf Besuche berechnet. Oder ihren Nachbarn, mit dem sie ein stillschweigendes seelisches Verstehen verbindet.
Im Buch steht die Persönlichkeit und das Empfinden der *Lucy Barton* im Vordergrund , IHRE Geschichte, nicht die Beziehung ihrer gescheiterten Ehe mit William, oder das liebevolle Verhältnis zu ihren beiden Mädchen und dem Sohn Jeremy. Das war klar und faszinierend zu erlesen. Die Geschichte wirkt nicht überfrachtet mit Hinweisen auf zu viele andere Komponenten ihres Lebens.
Das kommt auch sehr gut durch diesen Satz zum Ausdruck:
"Diese Geschichte hier, das ist meine, Meine. Und ich bin Lucy Barton."
Ob dieser Roman autobiografische Hintergründe enthält, ist mir nicht klar.
Nach meinem Gefühl könnte es vielleicht so sein!
Meine Bewertung: FÜNF STERNE ***** für diesen grossartigen Einblick in die Seele und die Gefühle einer ganz besonderen Frau und Schriftstellerin.
Danke an die Autorin für diesen Roman und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar!
Dienstag, 31. Juli 2018
*Die Schönheit der Nacht* von Nina George, erschienen im Knaur Verlag
Rezension
INHALT/ KLAPPENTEXT:
Vor der beeindruckenden Kulisse der bretonischen Küste lässt Bestseller-Autorin Nina George zwei Frauen sich selbst neu entdecken: ihre Wünsche und Träume, ihre Sinnlichkeit, ihr Begehren.
Die angesehene Pariser Verhaltensbiologin Claire sehnt sich immer rastloser danach, zu spüren, dass sie lebt und nicht nur funktioniert. Die junge Julie wartet auf etwas, das sie innerlich in Brand steckt – auf des Lebens Rausch, auf Farben, Mut und Leidenschaft. In der glühenden Sommerhitze der Bretagne, am Ende der Welt, entdecken die beiden unterschiedlichen Frauen Lebenslust und Leidenschaft neu – und werden danach nie wieder dieselben sein.
MEINE MEINUNG:
Zitat Seite 195 : " Sie hatte es nie geschafft, sich aus ihrem eigenen Zimmer im Kopf so weit hinauszuwagen, um das, was hinter den verschlossenen Türen ihres Selbst geschah, einer anderen mitzuteilen."
Ein Buch, welches mich sehr gefesselt hat durch seinen wunderschönen Sprachstil und die treffende Aussagekraft der Autorin. Sie beschreibt das Innere Zueinanderfinden von zwei Frauen so faszinierend, dass ich bewusst langsam gelesen habe, um jeden Satz gebührend geniessen zu können. Ihre Beschreibungen des bretonischen Himmels und des Meeres in allen Schattierungen der Farben Blau, Grau, Weiss, Grün lässt schillernde Bilder im Kopf entstehen, in denen sich die flirrende Hitze des Sommers und die sich entwickelnden Zuneigung der beiden Frauen zueinander geduldig, wie eine leichte weisse Wolke, ausbreitet. Die Stimmung im Buch der lauwarmen Nächte am Meer, kann ich hier gar nicht gebührend beschreiben. Das muss man einfach selber erlesen.
Sommerhaus- und Ferienatmosphäre pur, gewürzt mit französischem Flair und vielen Ausdrücken aus dieser Sprache.
Die beiden Protagonistinnen sind sehr unterschiedlich. Claire, eine gestandene Wissenschaftlerin in der Mitte ihres Leben, verheiratet mit dem Musik-Komponisten Gilles und Mutter des erwachsenen Nicola.
Julie, Nicola's Freundin, eine neunzehnjährige vor Lebenslust sprühende junge Frau, die am liebsten Sängerin werden möchte, es sich selber aber noch nicht zutraut. Von inneren Zweifeln geplagt, lässt sie sich auf den Urlaub am Meer mit Niklas und seinen Eltern ein.
Sie erlebt dort nicht nur das für sie neue Schwimmen im Meer, sanft behütet von Claire, sondern auch das Schwimmen auf den Wogen ihres kommenden Lebens.
Beide Frauen verlassen in diesem Sommer das einengende, konventionelle Zimmer in ihrem Kopf und begeben sich auf eine Reise zu sich selber.
Dass es dadurch Verletzungen der Menschen ihrer Lebenskreise gibt, ist bitter, aber unabänderlich.
So kann das Leben in Beziehungen sein, mit all seinen möglichen Nuancen von Liebe, Glücksempfinden bis hin zu tiefer Trauer.
Auch die Halbgeschwister von Claire und alle anderen Protagonisten , wie Ehemann Gilles und Sohn Nicolas sind von der Autorin mit unterschiedlichen, sehr beeindruckenden und ansprechenden Charakteren ausgestattet worden.
Dieses Buch hat mich verzaubert, spielerisch an die bretonische Atlantik-Küste katapultiert und wahnsinnig beeindruckt.
Meine Bewertung : FÜNF ***** STERNE für diese sehr schöne und grossartige Geschichte.
Herzlichen Dank an die Autorin und den Knaur Verlag für das Leseexemplar!
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Gegenwartsliteratur,
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