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Samstag, 14. März 2026

*Familiensache* von Claire Lynch - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

INHALT/KLAPPENTEXT: Ein Haus, einen Ehemann, ein Baby: Eigentlich hat Dawn alles, was man sich im England der 1980er-Jahre wünschen sollte. Doch dann lernt sie Hazel kennen und beginnt zu ahnen, welches andere Leben möglich wäre. Plötzlich ist alles viel heller – und komplizierter. Denn Dawn hat Verpflichtungen: Dawn hat ihre kleine Tochter Maggie. Jahrzehnte später ist Dawn für Maggie nur eine schattenhafte Erinnerung. Ihr Vater Heron hat sie allein großgezogen, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Als Heron eine Diagnose erhält, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt, erzählt er Maggie zunächst nichts davon. Denn über unbequeme Wahrheiten hat er schon immer lieber geschwiegen – so wie über das, was 1982 passiert ist …

In ebenso zarte wie sprachmächtige Prosa gegossen und mit warmherzigen Figuren gespickt, stellt Claire Lynch in Familiensache die Frage, was eine Familie ausmacht und wie die Wunden der Vergangenheit heilen können.


Claire Lynch promovierte an der Universität Oxford und lehrte Englische und Irische Literatur an verschiedenen Universitäten. Sie ist regelmäßig in Podcasts zu den Themen Elternschaft und Queerpolitik zu Gast und hat ein Memoir über ihre eigenen Erfahrungen mit queerer Mutterschaft geschrieben. Sie lebt mit ihrer Frau und ihren drei Töchtern in Windsor. »Familiensache« ist ihr Debütroman.

Meine Meinung zum Buch:

Kennt ihr diese Bücher, die einen erst ganz sanft in eine Familiengeschichte ziehen und dann mit voller Wucht erschüttern? Genau so erging es mir mit dem neuen Roman von Claire Lynch.


Die Geschichte ist wie ein komplexes Puzzle aufgebaut und springt meisterhaft zwischen zwei Zeitebenen: dem England der 1980er Jahre und der Gegenwart (2022/2023).

Im Zentrum stehen Heron und Dawn. Sie heiraten jung, wie es damals üblich war, und führen eine scheinbar glückliche Ehe, gekrönt von ihrer Tochter Maggie, die der Lebensmittelpunkt beider Eltern ist. Doch die Idylle zerbricht, als Dawn sich in die junge Lehrerin Hazel verliebt.

Was als leidenschaftliche Affäre beginnt, führt Dawn zu einer schmerzhaften Erkenntnis: Es gibt ein anderes Leben für sie. Sie möchte sich in Freundschaft trennen, hofft auf ein friedliches Co-Parenting – doch sie hat die Rechnung ohne den verletzten Stolz ihres Mannes und das gnadenlose Rechtssystem der 80er gemacht.


Besonders schockierend ist die Rolle der Behörden. Basierend auf der damaligen Überzeugung, eine lesbische Mutter sei schädlich für die Kindesentwicklung, wird Dawn systematisch aus dem Leben ihrer Tochter gestrichen.

 Gekränkt und überzeugt, das Richtige zu tun, forciert Heron eine radikale Trennung.

 Maggie wächst ohne ihre „Mummy“ auf und erhält nie eine ehrliche Antwort auf ihre Fragen.

Erst 40 Jahre später, als ihr Vater schwer erkrankt, entdeckt Maggie in alten Akten das ungeheuerliche Ausmaß der damaligen Kontaktsperre – und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Mein Fazit

Obwohl die Geschichte fiktiv ist, spürt man auf jeder Seite die tiefe Recherche der Autorin. Claire Lynch lässt die Erfahrungen vieler queerer Mütter einfließen, die ähnliche Diskriminierungen erleben mussten. Die Szenen vor Gericht, in denen Dawn wegen ihrer Sexualität regelrecht vorgeführt wird, sind kaum zu ertragen – vor allem mit dem Wissen, dass diese Praktiken noch gar nicht so lange zurückliegen.

Ein tiefgründiger, schmerzhafter, aber unglaublich wichtiger Roman über das Recht auf Liebe und die späte Suche nach der Wahrheit.


Fünf Sterne !



Dienstag, 24. Februar 2026

*Im Herzen der Nacht * von Rebecca West - erschienen im btb-verlag


 *unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

 Neu erschienen und aufgelegt am 15.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Die Wiederentdeckung eines Klassikers - Band 2 der Aubrey-Familiensaga, die vollständig und neu übersetzt bei btb erscheint

London in den 1910er Jahren: Aus den drei Schwestern der Familie Aubrey sind junge Frauen geworden. Die Korsetts und Kleider sind enger, die Frisuren raffinierter und der Müßiggang der Sommertage ist nur noch eine sanfte, ferne Erinnerung. Nach dem Verschwinden ihres charismatischen, aber unzuverlässigen Vaters müssen sich Rose, ihre Schwestern und ihr kleiner Bruder Richard Quin nun der Welt der Erwachsenen, ihren Geheimnissen und Konventionen stellen. Doch ein Ereignis droht die hellen Tage der Unbeschwertheit bald endgültig vergessen zu machen: Ein Krieg, der alles, was ihm in den Weg kommt, mit sich zu nehmen droht, und sich ausbreitet wie eine endlose Nacht.

„Im Herzen der Nacht“ nach „Die Familie Aubrey“ zweiter Teil der Aubrey-Romantrilogie, aber als unabhängiger Roman geschrieben, ist ein perfekter Einstieg in das außergewöhnliche Universum der Rebecca West – ein Meisterwerk, das fast vierzig Jahre nach seinem Erscheinen endlich auf Deutsch entdeckt werden kann.

Dame Rebecca West (1892-1983) wurde als Cicily Isabel Fairfield geboren und wählte ihren Künstlernamen nach einer starken Frauenfigur in einem Ibsen-Drama. West war Journalistin und Reiseschriftstellerin. Sie schrieb unter anderem für The New York Herald Tribune und Harper's Bazaar. Als Berichterstatterin für den Daily Telegraph nahm sie an den Nürnberger Prozessen teil. Sie pendelte zwischen London, New York, Rom und Florenz. Neben ihren journalistischen Texten verfasste sie mehrere erfolgreiche Romane und Erzählungen. »Die Familie Aubrey« ist der erste Teil einer dreibändigen Familiengeschichte. Erstmals 1956 veröffentlicht, wurde der Roman mit dem Originaltitel »The fountain overflows« zum Verkaufshit. »Im Herzen der Nacht« und »Rosamund« erschienen posthum. Die Aubrey-Trilogie ist von Wests eigener Familiengeschichte inspiriert und umfasst fast das gesamte 20. Jahrhundert.

Editorische Notiz , eingefügt am Endes des Buches: Dieser Roman spielt in einer Zeit , in der Vorurteile und Anfeindungen gegen Menschen aller Ethnie, Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion zum Alltag gehörten. Dem Verlag ist bewusst, dass es sich bei einigen der verwendeten Ausdrücke und Schilderungen um Diffamierungen beziehungsweise Stereotype handelt, deren Verwendung und unverfälschte , nicht beschönigende Übersetzung jedoch zur Charakterisierung der Figuren gehört.

Meine Meinung zum Buch: 

Dieser unabhängige zu lesende Roman hat mich tief in die  psychische Familienstruktur der Familie Aubrey geführt. Die Autorin hat autobiografische Züge ihrer eigenen Familiengeschichte eingefügt und so mit Sicherheit vieles aus ihrer bewegten  Kindheit und dem Erwachsenen-Leben aufgearbeitet. 

Die Geschichte wird aus der Sicht von Rose erzählt, eine der Aubrey-Töchter.  Die Musik spielt in ihrer Familie eine grosse Rolle, da die Mutter Clare eine begabte Konzertpianistin war und diese Karriere zugunsten der Familie und ihrer vier Kinder aufgegeben hat. Rose und ihre Schwester Mary,  beide musikalisch sehr begabt,  werden streng erzogen um auch den Weg einer professionellen Pianistin  gehen zu können. Ihr Bruder Richard Quiz ist der absolute Familienliebling, dem vieles nachgesehen wird. Die grosse Schwester Cordelia dagegen hat in der Familie die Rolle des *Sorgenkindes* inne. Sie glaubt fest an ihre musikalische Begabung, die ihr allerdings voll abgeht. Vater Piers, ein  erfolgreicher Journalist ist allerdings ein Glücksspieler und unzuverlässiger Versorger. Er bringt die Familie immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten und glänzt durch Abwesenheit.  

Der Roman beleuchtet  genau die abhängige Position der Frauen und Kinder in der damaligen Gesellschaft und beschreibt den finanziellen und emotionalen Abstieg einer Familie. Die Gedankenwelt der Kinder wird  von der Autorin sehr gut aufgezeigt. Ihre Verzweiflung und ihre immer wieder aufkeimende Hoffnung auf eine Besserung der Situation bilden einen grossen Teil des Romans. 

Das Buch lässt sich nicht leicht und schnell herunterlesen. Die Autorin benutzt einen intellektuell geprägten, sehr aussagekräftigen und anspruchsvollen Schreibstil, der manche Leser*innen bald langweilen  und überfordern könnte. Die psychologischen Hintergründe aller Familiencharaktere werden sorgfältig entwickelt und dargelegt . 

Dieses Buch lässt sich geniessen, doch sollte man keine langen Lesepausen einlegen , da man schnell den roten Faden und den Bezug zu den Personen verlieren könnte. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an den btb-verlag für diese Neuauflage eines wertvollen Buches. 


Donnerstag, 23. Oktober 2025

*Das Deutschland Backbuch* von Jürgen Krauss - erschienen im Südwest Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 10. September 2025  

INHALT/KLAPPENTEXT: Die zauberhafte Welt der deutschen Backkunst, in der der Duft von frischem Gebäck die Seele umarmt.


In seinem märchenhaft bebilderten Backbuch stellt Jürgen Krauss die Klassiker aus deutschen Backstuben vor. Dazu gehören unwiderstehliche Köstlichkeiten wie Schwarzwälder Kirschtorte, Bienenstich, Streuselkuchen und Käsesahne, aber auch Festtagsgebäck von Lebkuchen, Stollen über Plätzchen bis hin zu Osterbrot und Neujahrsbrezen. Und für alle, die herzhaftes Gebäck bevorzugen, hat er aus seiner Schwarzwälder Rezept-Schatztruhe tolle Rezepte für knusprige Brezen, hauchdünne Flammkuchen, schwäbische Seelen und einen saftigen Zwiebelkuchen gezaubert. 

Die Zubereitungen reichen von einfach bis komplex, und viele der Einzelkomponenten (Teige, Cremes und Glasuren) lassen sich miteinander kombinieren, um etwas Neues zu kreieren. »Es ist ein sehr persönliches Buch mit allem, was ich als Kind gerne gegessen habe«, sagt er. »Ein Querschnitt der köstlichen Backwaren, die weit über Deutschland hinaus bekannt sind und einfach jeden begeistern.« In dem Buch finden sich Rezepte für jeden Geschmack und Anlass mit zahlreichen Fotos und einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Als Autodidakt begann Krauss' Liebe zum Backen im Haus seiner Eltern, wo er seiner Mutter in der Küche half, vor allem in der Weihnachtszeit. Als Teenager backte er gelegentlich mal einen Käsekuchen oder eine Linzer Torte, aber erst zehn Jahre nach seinem Umzug nach England wurde das Backen wieder ein wichtiger Teil seines Lebens. »Ich vermisste deutsches Brot und beschäftigte mich mit der Herstellung von gutem Brot.« Er wagte sich nach und nach an verschiedene Brotsorten und diverse Kuchen. Die immer köstlicheren Ergebnisse überzeugten Freunde und Familie, die ihn ermutigten, sich für die Sendung The Great British Bakeoff zu bewerben. Und der Rest ist Geschichte ...


Meine Meinung zum Buch:

Der aus Freiburg im Breisgau stammende Autor Jürgen Krauss hat ein hübsch bebildertes Standard Backbuch gängiger Rezepte  traditioneller deutscher Herkunft geschrieben . „Es ist ein sehr persönliches Buch mit allem, was ich als Kind gerne gegessen habe“, sagt er. Beigefügte private Bilder aus seiner Kindheit in den 50er Jahren geben diesen gesammelten süßen und herzhaften Köstlichkeiten eine  besondere Bedeutung und erinnern an Heimat , Familie, emotionale Wärme und Geborgenheit. 

Der Autor hat sein Buch wie folgend gegliedert : 
EINLEITUNG,
WAFFELN, KÜCHLE UND DAMPFNUDELN, 
BLECHKUCHEN, 
KUCHEN UND TORTEN, 
SÜSSE UND HERZHAFTE BROTE UND BRÖTCHEN, 
FESTLICHES GEBÄCK, 
GRUNDREZEPTE, 
REGISTER, 
DANK. 

Merkwürdigerweise werden viele Rezepte für eine 23 cm große Springform angegeben  und nicht für eine übliche Größe von 26-28 cm . Geübte Bäcker*innen passen die
Rezeptmengen an , doch für Anfänger*innen kann das in einem Desaster enden. Es gibt traditionsreiche und familienerprobte Anleitungen für Apfelkuchen, Käsekuchen, Marmorkuchen, Waffeln, Schwarzwälder Kirschtorte und vieles mehr. Auch wird die Herstellung von Laugenbrezeln, Zwiebelkuchen , Butterhörnchen und weihnachtlichem Kleingebäck genau beschrieben. Die schönen Fotos der fertigen Köstlichkeiten sprechen sofort an , doch leider gibt es nicht zu jedem Rezept ein Bild. Die Rezepte sind den vier Jahreszeiten angepasst und werden zusätzlich durch erprobte GRUNDREZEPTE bestens erklärt.

Insgesamt ist es ein sehr persönliches und informatives Backbuch , welches man gern backbegeisterten Anfänger*innen empfehlen und/oder verschenken kann. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses schön bebilderte Backbuch!

Herzlichen Dank an den Autor und den Südwest Verlag für das tolle gebundene Rezensionsexemplar !

Sonntag, 19. Oktober 2025

*Aga* von Agnieszka Lessmann - erschienen im Gansverlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 8.10.2025 im

Gansverlag

Inhalt/Klappentext: Zwei Mal schon hat sie mit ihren Eltern die Kontinente gewechselt und den Namen gleich dazu. Nun zieht Aga ins »Land der Mörder«, so hat sie es aufgeschnappt. Angekommen in einem Haus der jüdischen Gemeinde, macht sich das kleine Mädchen auf die Suche nach ihnen. Erik Ode, der Kommissar, den sie im Fernsehen kennenlernt, hilft ihr dabei. Lessmanns autobiografisch gefärbter Roman erzählt subtil, wie das Schweigen der Überlebenden den Nachkommen zur Last wird – und wie ihre heranwachsende Hauptfigur in gewitzter Selbstbehauptung die Hoffnung auf Heilung nie aufgibt. Nach der antisemitischen Hetze der Kommunistischen Partei Polens im Jahr 1968, die ihre Eltern zwang, ihre Heimat zu verlassen, kommt Aga über Israel nach Deutschland. Es ist etwas Merkwürdiges mit dem Haus, in dem sie nun wohnt. Es steht neben einer Kaserne, auf deren Tennisplatz amerikanische Soldaten ihre Freizeit verbringen, und dem Garten eines ehemaligen Klosters, in dem Hippies Bäume pflanzen. Dazwischen wuchern die kindlichen Fantasien. Das Verschwiegene bricht sich schließlich Bahn in einem tatsächlichen Mord. Schritt für Schritt beginnt Aga die leeren Stellen in den Erinnerungen zu füllen. Dafür aber muss sie erst ihren richtigen Namen wiederfinden. Mit der Hauptfigur reifen ihre Sprache und ihr Verständnis.

Ein Roman über das Schweigen nach der Shoah, und eine Geschichte darüber, was nötig ist, um es zu überwinden. Und auch eine Liebesgeschichte.

Agnieszka Lessmann, aufgewachsen in Polen, Israel und Deutschland, lebt als freie Schriftstellerin in Köln. Sie ist Autorin von acht Hörspielen und wurde für den Prix Europa und mehrfach für den Hörspielpreis der Kriegsblinden nominiert. Im Jahr 2020 erschien unter dem Titel »Fluchtzustand« ihr erster Lyrikband im Elif Verlag. Ihre Gedichte und Erzählungen wurden in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Ihre Arbeit wurde mit zahlreichen Stipendien gefördert, zuletzt im April 2025 mit einem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds.


Meine Meinung zum Buch: 

Dieser autobiografisch verfasste Roman von Agnieszka Lessmann hat mich unglaublich berührt und mich oft beim Lesen innehalten lassen. Manche Sätze und Abschnitte musste ich öfter nachlesen. Er hat mich sehr betroffen zurückgelassen.

Aga lernt in jungen Jahren in drei Ländern drei Sprachen kennen und sucht lange nach ihrer ganz persönlichen Identität. Diese ist verloren, verschwiegen und geheim gehalten worden – von ihrer engsten jüdischstämmigen polnischen Familie, aber auch durch ihre Umgebung und das Aufwachsen in der westdeutschen Gesellschaft. Die Familie verlässt Polen, weil sie dort unter Repressionen der kommunistischen Partei leidet, die gegen Juden hetzte. Sie wandert zu Verwandten nach Israel und anschließend nach Deutschland aus.

In Deutschland wird sie Agnes genannt, in Israel trug sie den Namen Ilana. Ihre Familie und Freund*innen nennen sie AGA / AGI oder die polnische Version Agnieszka. Ihr neues Leben in Deutschland beginnt in der Obhut der jüdischen Gemeinde einer Großstadt. „Es ist DAS LAND DER MÖRDER“, erklärte ihr Pawel, ein gleichaltriger israelischer Freund.

Im Alter von zwölf Jahren erfährt Agnes von der Shoah. Die Eltern versuchten, ihre kleine Tochter durch Schweigen und Ablenkung vor der grausamen Wahrheit und den Geschehnissen zu beschützen. Doch Kinder haben feine Antennen, auch für Unausgesprochenes. So erahnt Aga diese dunklen Schwingungen und füllt die Leerstelle mit kindlichen Ängsten und Fantasie.

Die Erzählweise der Autorin hat mir sehr gut gefallen. In prägnanten, kurzen Sätzen, die die kindliche Denkweise widerspiegeln, führt sie die Leser*innen in Agas kleine Welt ein. Ihr Vater, ein Journalist, und die Mutter, eine Buchhalterin, lieben das Kind über alles und kümmern sich rührend und liebevoll.

Aga lernt im Laufe ihrer Kindheit viele Freund*innen kennen, verliert sie aber auch schnell wieder, wie etwa ihre geliebte Kinderfreundin Sara aus dem Obergeschoss des Gemeindeshauses. Die beiden Kinder beobachten den undurchsichtig und unheimlich erscheinenden Jäger öfter, verfolgen ihn sogar auf Spaziergängen und ahnen noch nicht, welch dramatische Rolle er einmal in ihrem Leben spielen wird.

Der Schreibstil der Autorin wächst mit dem Älterwerden des Kindes mit, passt sich an und wandelt sich am Schluss des Buches zu einer zärtlichen Liebesgeschichte. Doch das ist nicht der einzige Hauptaspekt. Wir erfahren von den traumatischen Erlebnissen der Verfolgung und Ermordung von Agas Familie und Vorfahren in den Konzentrationslagern des Nazi-Regimes. Denn das ist ein Hauptanliegen von Aga: endlich diesen dunklen, unausgesprochenen Wörtern und Vermutungen ihrer Kindheit Namen und Gesichter zuzuordnen.

Ich empfehle diese Lektüre uneingeschränkt mit FÜNF ***** Sternen und kann sie mir auch als Schullektüre für die oberen Jahrgänge vorstellen. 

Herzlichen Dank an die Autorin, dem Gansverlag und Birgit Böllinger für die Zusendung des Presseexemplar. 

Sonntag, 6. April 2025

*Pearly Everlasting* von Tammy Armstrong - erschienen im Diogenes Verlag

*Rezensionsexemplar, unbezahlte Werbung*

Erschienen am 26.3.25 

Verlags Link

INHALT/KLAPPENTEXT: Kanada, 1934: Das Mädchen Pearly Everlasting, zu Deutsch Silberimmortelle, ist fünfzehn und in einem Holzfällercamp mitten im Wald aufgewachsen – zusammen mit dem Bären Bruno, der seit ihrer Geburt ein Teil der Familie ist. Doch dann beschuldigt man Bruno, einen Mann getötet zu haben. Der Bär wird weggebracht, niemand weiß, wohin. Verzweifelt und entschlossen macht Pearly sich zu Fuß auf den Weg durch die tief verschneite kanadische Landschaft, um Bruno zu suchen.

Tammy Armstrong, geboren 1974, ist eine kanadische Lyrikerin und Autorin. Sie studierte Creative Writing an der University of British Columbia und hat in Literatur und Critical Animal Studies promoviert. Sie lebt in einem Hummerfischerdorf an der Südküste von Nova Scotia.

 Peter Torberg ,geboren 1958 in Dortmund , studierte in Münster und in Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er als freier Übersetzer , u.a. der Werke von Patricia Highsmith, John Irving, Michael Ondaatje, John le Carré, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde. 


MEINE MEINUNG ZUM BUCH: 

Ein anrührend erstaunliches, sehr altes kanadisches Foto aus dem Jahr 1903, indem eine Frau ein Bärenjunges an der Brust stillt, bildet die Grundlage dieser fiktiven Geschichte der jungen kanadischen Lyrikerin Tammy Armstrong.

Wir befinden uns tief in den kanadischen Wäldern in einem Holzfällercamp während der 1930er Jahre. Das Leben dort ist hart, beschwerlich und gefährlich für die Arbeiter und ihre Angehörigen. Strenge Winter mit eisigen Temperaturen,  heftigen Schneefällen, Windbruch und die gefährliche Waldarbeit verlangen den Männern alles ab. Sie sind Unfällen, Krankheiten und Trennungen von ihren Familien durch die weiten, unwegsamen Entfernungen in der Wildnis fast hilflos ausgeliefert. Edon, der Koch, seine Frau Eula, eine Heilerin und deren gemeinsames  Baby *Pearly Everlasting*, zu Deutsch *Silberimmortelle* ist die einzige junge Familie im Camp. Sie bietet den Waldarbeitern menschliche Wärme, Verpflegungssicherheit im Kochhaus, sowie ärztliche Hilfe durch die Naturheilerin Eula. Als der Vater ein hilfloses Bärenwelpen Junges auf seinen Streifzügen durch den Wald findet und es zu seiner kleinen Tochter in die Wiege legt, wird das von den Holzfällern gleichmütig akzeptiert. Das passiert im *falschen Frühling* 1918 , der sehr kalt daherkam. Eula betreut den kleinen Bären Bruno wie ein eigenes Kind, legt ihn sogar an die Brust. Er wird sozusagen Pearl'ys Bruder und Spielgefährte von klein auf. 

Alle mögen Bruno und seine Bären-Streiche, wie das Erhaschen von Nahrung und übermütige Herumtollen im Camp 33.  Mensch und Tier verbinden sich durch eine gemeinsam gefundene Körpersprache, Lieder und Worte. Nur *Swicker* , Leiter des Camp 33 kann Bruno nicht ausstehen. Er ist der Meinung dass ein Bär nicht in menschliche Gesellschaft gehört. Es kommt zur Katastrophe. Swicker wird ermordet im Wald aufgefunden und Bruno dieser Tat verdächtigt und gewaltsam aus dem Lager entfernt. Für Pearly ist das unfassbar. Das inzwischen 15 jährige Mädchen macht sich auf die Suche nach seinem besten Freund und Spielgefährten Bruno.

In vielen Kapiteln beschreibt Tammy Armstrong die Kindheit von Pearly in der Ich-Form, die Spiele und das emotionale Zusammenwachsen von Pearly und Bruno in einer anrührenden und zärtlichen Sprache, die immer wieder von Mythen aus der Wildnis und poetisch beschriebenen Naturbeobachtungen aufgelockert wird. Der Zusammenhalt der jungen Familie, verbunden mit den Schicksalen der Holzfäller fasziniert und unterhält die Leser*innen  mit den unterschiedlichsten Schicksalen und Gewohnheiten der zusammengewürfelten Arbeiter. Eula und Ivy verarzten die kranken und verletzten Männer, Ansell hilft Edon im Kochzelt und über allen schwebt der immer gegenwärtige *Old Jack* über dem Camp 33 und den Wäldern - ein nicht fassbares Naturwesen des Waldes, welcher für alles , Gutes, Böses, Unheimliches, Schrecken und Wunder verantwortlich ist. Mythische und poetische Betrachtungen des Waldes und der Natur erwachen in diesem Roman immer wieder durch den lebendigen, zärtlichen und sehr bildhaften Schreibstil der Autorin zum Leben. Pearly hat für Bruno sogar ein *Bärenlied* komponiert, mit dem sie ihn immer zu sich locken kann. Die Ethnologin und Lieder-Fängerin Ebony nimmt dieses mit ihren Geräten auf und macht es so für die Nachwelt unvergessen.  

Doch als die junge  15 jährige Pearly aufbricht um ihren Freund Bruno zu suchen, begibt sie sich in das gefährlichste Abenteuer ihres jungen Lebens - in einen  Kampf mit den vereisten Elementen der Wildnis und Natur - und den Mitmenschen der sogenannten Zivilisation. 

Das Buch ist grossartig geschrieben , ein echter Coming-of-Age und Abenteuer Roman in bester Ausstattung ! Ich möchte aus diesen Gründen eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** STERNEN aussprechen. 

Vielen Dank an die Autorin Tammy Armstrong und den DIOGENES VERLAG für das gebundene Print Rezensionsexemplar. 











      

 



  

        

 

Dienstag, 7. Januar 2025

*Das Herzflorett* von Marica Bodrožić - erschienen im Luchterhand Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 11.9.24

Inhalt/Klappentext:

Pepsi liebt das Leben und den flimmernden Schlaf des Sommers. Ihre Eltern arbeiten in Hessen und tauchen nur in den Sommerferien auf dem einsamen Hof des Großvaters in Dalmatien auf. Zeitweise kommt sie auch bei anderen Verwandten unter, doch wo immer sie ist, bleibt sie fremd. Nur in der Natur fühlt sie sich aufgehoben, verbringt, fasziniert von der Sprache der Vögel am Himmel, ihre Tage barfuß im Gras. Als die Eltern sie zu ihren Geschwistern in die Einzimmerwohnung in einem Dorf im Taunus holen, will Pepsi sofort wieder weg. Die vom Putzen rissigen Hände der Mutter sind zu keiner Zärtlichkeit fähig. Der Vater beginnt seine Tage mit Schnaps. Das neue Leben hält aber zugleich Dinge bereit, zu denen das Mädchen sich wie magnetisch hingezogen fühlt. Die Welt der Bücher und Buchstaben, die deutsche Sprache, in die sie sich so plötzlich und heftig verliebt wie später in Aleksandar. Doch als sie Abitur machen und studieren will, wird ihr das verboten, weil sie kein Junge ist. Es ist wie ein Stich ins Herz, ein Abschied - und zugleich ein Neubeginn.

Marica Bodrožić wurde 1973 in Dalmatien geboren. 1983 siedelte sie nach Hessen über. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays, die in über sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Für ihr bisheriges Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis, dem Manès-Sperber-Literaturpreis für ihr Gesamtwerk sowie dem Irmtraud-Morgner-Preis. Marica Bodrožić lebt mit ihrer Familie als freie Schriftstellerin in Berlin und in einem kleinen Dorf in Mecklenburg.

Meine Meinung zum Buch:
Pepsi ist ein träumerisches, glückliches Sonnenkind, geboren im warmen mediterranen Klima des ehemaligen Jugoslawien. Behütet wächst sie auf dem Bauernhof des Grossvaters in Dalmatien auf und geniesst ein ursprüngliches und einfaches  Leben mit und in der Natur. Ihre Eltern sind als Gastarbeiter nach Hessen ausgereist und sehen Pepsi und ihre Geschwister nur noch an wenigen Urlaubstagen. Pepsi zerreißt es vor Sehnsucht nach den Eltern das Herz und sie bittet darum auch in Deutschland leben zu dürfen. Die Eltern holen sie und ihre beiden Geschwister in ihre kleine Wohnung in ein hessisches Fachwerkhaus. 

Der Roman trägt mit Sicherheit sehr viele autobiografische Züge und besticht durch seine Ehrlichkeit und Beschreibung einer inneren, sicheren Welt, die Pepsi bei allen äusseren Problemen in Deutschland und mit der Familie stützt und hilft. Pepsi ist fasziniert von der Welt der Buchstaben, erobert sich durch die Lektüre eines Lexika die unbekannte Aussenwelt. Sie hat kaum freie Zeit dazu, denn sie muss viele Dinge für die Eltern verrichten. Der überarbeiteten und überforderten Mutter ständig im Haushalt helfen, dem alkoholkranken Vater die Pizza besorgen, die er ohne Rücksicht auf die Kinder alleine verspeist. Das ist nur ein Beispiel für das lieblose, egoistische Handeln der Eltern, deren wichtigstes Erziehungsziel für ihre Kinder absoluter Gehorsam heisst. *Geld verdienen* ist eine strenge und lebensnotwendige Pflicht und zerbricht die Charaktere der Eltern sowie den Familienfrieden.  Strafen für Ungehorsam gibt es oft, zum Beispiel das Knien auf harten Reiskörnern, die wie Nadeln die Kinderkörper quälen.  Pepsi zieht sich innerlich zurück, leidet mit ihrer kleinen Schwester Herzmandel, die sich gegen die herzlose Gewalt und Bedrohung nicht zur Wehr setzen kann. Der stille Bruder wird immer bevorzugt im Familienleben - weil er ein Junge ist.  Doch Pepsi ist stark, sie schafft es sich dem Einfluss der Eltern zu widersetzen. 

Der sehr eigenwillige und blumige Schreibstil der Autorin hat mich sofort beeindruckt durch die  langen und verbindenden Ausführungen der Gedanken des kleinen Mädchen Pepsi. Es war sicher nicht einfach im Rückblick einer erwachsenen Frau auf das Erlebte aus der Sicht eines Kindes zu schreiben und zu schauen. Das wurde eindringlich und ergreifend geschildert. Beharrlich verfolgt das Kind, die junge Frau  seinen/ihren Weg und geht ihn selbstbewusst und zielgerichtet.  

Wir begleiten Pepsi in einem Zeitraum von ca. 1990-2001 und erleben durch die Erzählkunst der Autorin auch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte über die Nuklear Katastrophe von Tschernobyl, den Jugoslawienkrieg und den Wegfall des sogenannten * Eisernen Vorhangs* . 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aussergewöhnliche Lektüre. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Luchterhand Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar!



 

Montag, 11. November 2024

*Aufs Land* von Sadie Jones - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 26.6.24

INHALT/KLAPPENTEXT: »Das ist die Geschichte, wie wir nach Frith gekommen sind. Und wir gehen hier nie, nie wieder weg.«

Amy und Lan haben die beste Kindheit überhaupt. Sie leben auf einem kleinen Bauernhof im Westen Englands. Ihre Eltern sind gute Freunde, die aus der Stadt nach Frith gekommen sind, um das einfache, bessere Leben zu leben. Sie mähen ihr eigenes Heu, schlachten ihre eigenen Truthähne. Amy und Lan lieben ihre Freiheiten und die Tiere, um die sie sich kümmern, einschließlich eines Kalbs namens Gabriella Weihnacht. Doch schon bald bringen die Erwachsenen die Harmonie der Gemeinschaft durcheinander. Es sind nicht nur kleine alltägliche Streitigkeiten im ländlichen Paradies. Vor allem Lans Mutter und Amys Vater sollten von ihren Kindern wissen, nicht mit dem Feuer zu spielen.

Sadie Jones, 1967 in London geboren, arbeitete als Drehbuchautorin, unter anderem für die BBC. 2005 verfilmte John Irvin ihr Drehbuch »The Fine Art of Love« mit Jacqueline Bisset in der Hauptrolle. Ihr preisgekröntes Romandebüt »Der Außenseiter« (2008) wurde in Großbritannien auf Anhieb ein Nr.-1-Bestseller und war auch in Deutschland ein großer Presse- und Publikumserfolg. Zuletzt erschien von ihr der Roman »Jahre wie diese«.

Meine Meinung: 

Die Autorin Sadie Jones schreibt diese wunderschöne Geschichte einer unbeschwerten Kindheit auf dem Land aus Kinderperspektiven,  in Gedanken und Sprache dem jeweiligen Alter angepasst. Das ist ihr hervorragend geglückt, denn einfach ist es nicht einen Roman in dieser Art und Weise zu verfassen und die erwachsenen Leser*innen dadurch in einen Lesesog zu ziehen. Amy, ein Mädchen sieben Jahre alt und Lan ihr gleichaltriger Freund berichten im Buch jeweils abwechseln in eigenen Kapiteln von ihren Eindrücken und Erinnerungen aus fünf Jahren. Wir begleiten alle Bewohner von FRITH, die drei dort wohnenden Familien, mit vielen kleineren Kindern beschenkt,  in ihrem Hofalltag.  Die beiden großen Kinder Amy und Lan teilen Spielerfahrungen, vor allem auch ihre Gedanken miteinander, die aus ihren Beobachtungen des Verhaltens der Erwachsenen stammen. 

Ich habe jedes Kapitel dieser zärtlichen Erzählung genossen und bin Amy und Lan gebannt und entzückt gefolgt in ihrem mehr oder weniger oft heimlichen Tun und Spielen auf dem Hof. Sei es bei der Pflege der Hühner, Ziegen,Truthähne, Schweine und ihrem geliebten Kälbchen Gabriella Weihnacht, welches einen absoluten Sonderstatus in der Geschichte bekommt.  Alle Kinder des Hofes wachsen wild und relativ frei auf - ohne Einflüsse eines Grossstadtlebens mit den bekannten Einflüssen wie Gewalt, Lärm, Enge, Naturentfremdung und einem unmässigem Medienkonsum.  

Doch in diesem Roman beobachten *kleine Menschen* sehr genau und mit erstaunlichem Mitgefühl  auch die *grossen Menschen* ihrer Familien. Die Autorin hat dem Leser*in erstaunliche Kenntnisse über das Zusammenleben der Erwachsenen dadurch geschenkt, welches die Kinder vertrauensvoll und völlig wertfrei in den Kapiteln erzählen. Es gibt im Hofleben grosse finanzielle Nöte und die Erwachsenen müssen oft improvisieren um alle nötigen Grundbedürfnisse der kleinen Gemeinschaft als sogenannte Selbstversorger zu befriedigen. Auch die seelischen Nöte von Männern, Frauen und den anderen Kindern sehen Amy und Lan mit erstaunlichem Mitgefühl und immer mehr wachsendem Verständnis im Laufe der Jahre. Eine liebevolle und intuitive Erziehungsarbeit der *grossen Kinder* Amy und Lan an den *Kleinen* ist eine natürliche Selbstverständlichkeit, die von den Eltern nicht erzwungen oder gefordert wird.  

Dieses Buch ist völlig gelungen und brilliert durch eine wahrlich gute und perfekte Schreibkunst mit viel Gefühl und Verständnis für das Zusammenleben von Erwachsenen, Kindern und Tieren auf einem *Fastbauernhof*  Eine absolute Leseempfehlung.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für dieses schöne Leseerlebnis und das gebundene Rezensionsexemplar. 


Sonntag, 29. September 2024

*Kerbholz* von Carl Nixon - erschienen im Unionsverlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink


INHALT/KLAPPENTEXT:

Eine britische Familie stürzt an der einsamen Westküste Neuseelands mit dem Auto über eine Klippe, nur die drei Kinder auf dem Rücksitz überleben. Unter moosbehangenen Felswänden suchen sie Schutz vor Insekten und dem unerbittlichen Regen, bis endlich Rettung naht: Zwei Outlaws bringen die Kinder auf ihre abgelegene Farm. Doch schnell zeigt sich, dass ihnen günstige Arbeitskräfte sehr gelegen kommen. In der rauen Landschaft auf sich allein gestellt, führt jedes der Kinder bald seinen ganz eigenen Kampf um Freiheit und ums Überleben. Und im fernen England macht sich ihre Tante auf die Suche nach den Vermissten.


Mit einem tiefen Verständnis für die Psychologie seiner Figuren fragt Nixon danach, welche äußeren und inneren Zwänge den Menschen prägen und was eine Familie im Kern ausmacht.

Carl Nixon (*1967 in Christchurch, Neuseeland) studierte Religionswissenschaften und Pädagogik an der University of Canterbury. Nach seinem Studium unterrichtete er Englisch und lebte eine Zeit lang in Japan und New York. Sein mehrfach ausgezeichnetes Werk umfasst Romane, Kurzgeschichten und Theaterstücke, er erhielt den Katherine Mansfield Short Story Award und gewann zwei Mal den Sunday Star Times Short Story Contest. Sein Debütroman Rocking Horse Road stand vier Monate auf der KrimiZEIT-Bestenliste. Nixon lebt in Christchurch.


Mein Leseeindruck: *Er/Sie hat was auf dem Kerbholz* . Dieser Brauch und die Aussage aus dem Mittelalter bezeichnet *etwas Unerlaubtes begangen zu haben, sich mit einer Schuld* belastet zu haben. Unter diesem aussagekräftigen Titel *Kerbholz* hat der Autor einen super spannenden Thriller geschrieben, der mich bis zur letzten Seite gefesselt und in Schnappatmung gehalten hat. Doch wer trägt in dem Buch die *SCHULD* ? 

John und Julia wollen in Neuseeland arbeiten und zuvor ihren vier Kindern Land und Leute nahebringen. Auf einer einsamen Strasse mitten in der Wildnis kommt ihr Wagen bei strömenden Regen von der Strasse ab. Sie stürzen in ein unübersichtliches Gelände und landen im Fluss. Die Eltern und das Baby sind sofort tot. Die drei Kinder überleben schwerverletzt und werden erst nach Tagen zufällig vom Outlaw Peters gefunden. Er bringt sie zu seiner abgelegenen Farm. Er und  seine Gefährtin Martha kümmern sich anscheinend aufopfernd um die Kids. Doch ist das wirklich so? Maurice, Catherine und der jüngere Bruder Thommy finden sich höflich und hilflos mit dem Leben auf der Farm ab.  Peters Gesetz und Meinung gilt. Es gibt keinen Strom, kein Telefon, keine ärztliche Hilfe , keine anderen erreichbaren Menschen. Die Kinder haben keine Orientierung ihrer Ortslage, nur der ältere Maurice versucht  immer wieder zu rebellieren und läuft weg um Hilfe zu holen. Catherine fügt sich und der kleine Thommy ist durch seine Kopfverletzung schwer behindert. Die Kinder müssen im Gemüseselbstversorger Garten für ihren Lebensunterhalt arbeiten, Holz spalten, erlernen das Kochen, holen Wasser vom Fluss. Das Farmhaus ist verdreckt, sehr alt und verkommen. Martha ist eine Heilerin der besonderen Art. Mit Pflanzen, Kräutern und sogenanntem *Besprechen* kennt sie sich aus. Mit Beschimpfungen und Schlägen von Peters und Martha  werden die Kinder gefügig, klein und unwissend gehalten. Ein offenes Gefängnis! 

 Ich konnte perfekt *zwischen den Zeilen* lesen und mir so meine eigenen Gedanken über die innere, verzweifelte Welt der drei Kinder des Engländers John Chamberlain und seiner Frau Julia machen. Mit viel psychologischen Feingefühl hat er auch die anderen Charaktere des Thrillers geschildert. Die beiden Outlaws Peters und Martha, sowie Tante Suzanne aus England sind wichtige Protagonist*innen und bestimmen die unheilvolle Handlung. Sie zieht sich über Jahre dahin , die Kinder wachsen zu Jugendlichen und Erwachsenen heran. Viermal reist Tante Suzanne nach Neuseeland um  etwas über die verschollene Familie herauszufinden. Es gelingt ihr kaum. Sie bleibt unwissend und resigniert....doch die Leser*innen  erfahren alles! 

Meine Bewertung : FÜNF ***** STERNE für diesen atemberaubenden Thriller!

Lieben Dank an den Autor und den Unionsverlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. 

Mittwoch, 28. August 2024

*Mein drittes Leben* von Daniela Krien - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erschienen am 21.8.24

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024!

Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten – die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin. Ihre Romane ›Die Liebe im Ernstfall‹ und ›Der Brand‹ standen monatelang auf der Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Daniela Krien hat zwei Töchter und lebt in Leipzig.


Auszeichnungen

 Englische Übersetzung von Der Brand auf der Longlist des ›Dublin Literary Award‹, 2024

 Irgendwann werden wir uns alles erzählen für den ›Deutschen Drehbuchpreis‹ nominiert, 2022

 Der Brand für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2021

 Die Liebe im Ernstfall auf der Shortlist für den Literaturpreis ›Text & Sprache‹ des Kulturkreises deutsche Wirtschaft, 2020

 ›Sächsischer Literaturpreis‹ für ihre bisherigen Prosawerke, 2020

 Die Liebe im Ernstfall für ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2019

 ›Nicolas-Born-Debütpreis‹ für Muldental (Erzählband), 2015


Vorsicht, Spoiler- und Triggerwarnung! Die Themen TOD EINES KINDES, TRAUER, WERDEN AUSFÜHRLICH UND SEHR BERÜHREND BESCHRIEBEN IM BUCH. 

Meine Meinung zum Buch:
*Wie verletzlich ist doch unser Leben*, Dieser Satz  kam mir beim Lesen dieser Lektüre immer wieder in den Sinn. Als ich begriff worum es in diesem Buch ging , musste ich weinen. Aus Trauer um ein junges Leben , aus Mitgefühl mit den Eltern und Freunden. Das passiert mir nicht oft beim Lesen, aber diesmal war mein Kopfkino zu plastisch , zu real.
Es lag  natürlich an der Thematik und am für mich perfekten und ausgereiftem  Schreibstil der Autorin. Sie beschreibt Gefühle sehr intensiv und bildhaft,  so dass ich in einen wilden  Strudel von Trauer und Leiden mit in diese Geschichte hineingerissen wurde. 

ZITAT Seite 29 : " Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. ( Guy de Maupassant) . Aber hier, in meinem dritten Leben, sind es nicht die Menschen. Es sind die Tiere und Pflanzen und der Wind und die Bilder der Toten an den Wänden. " 

Linda, die nun kinderlose Mutter und Ehefrau erträgt niemanden mehr in ihrer Umgebung. Auch nicht ihren Ehemann Richard, der eigentlich doch die innigste Verbindung zu ihrer gemeinsamen  verunglückten Tochter für sie ist. Linda zieht sich zurück, verlässt Leipzig, die gemeinsame Wohnung dort und zieht in das Haus einer alten verstorbenen Frau auf einem Dorf.  Sie übernimmt sogar den Hund Kaja der Frau Adomeit , bewirtschaftet einen Garten und züchtet Hühner. Kurze notwendige Kontakte zu Nachbarn erträgt sie gezwungenermassen. Doch plötzlich treten Natascha und ihre behinderte reizende Tochter Nine singend und fröhlich in ihr Leben. Langsam entsteht eine neue Freundschaft zwischen den Frauen , die Linda langsam aus ihrer Trauer ausgräbt. Es spielen natürlich noch viele andere Personen aus Linda's früherem Leben eine Rolle im Buch, massgeblich auch für ihr persönliches neues Empfinden  gegenüber ihrem Beruf im künstlerischen Bereich, ihren Freundschaften, all den kleinen äusserlichen Freuden des Lebens beim Einkaufen, Essen, Kontakten und Beziehungen.  Auch die Beziehung zur eigenen  Mutter, ihr früheres Handeln wird milder und verständlicher für Linda. 

Richard versucht immer wieder seiner Frau beizustehen, erreicht sie seelisch immer seltener und findet in einer neuen Beziehung zu Brida ein neues kleines Glück. Doch die Zuneigung und  jahrzehntelange Liebe von Linda und Richard übersteht auch dieses ausergewöhnliche Zwischenspiel. Mehr möchte ich hier nicht preisgeben,,,,,

Dieses grossartige  Buch ist eine  absolute  Leseempfehlung mit FÜNF ***** Bewertungssternchen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Montag, 26. August 2024

*AM SEE* von MARIA BARBAL - erschienen im Blessing Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erschienen am 3.4.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Für die zwölfjährige Nora gibt es nichts Herrlicheres, als die Sommersonntage an einem See in den katalanischen Pyrenäen zu verbringen. Schwimmen ist ihr größtes Vergnügen und sie liebt die ruhige Weite des Wassers mit seinem ständig wechselnden Farbspiel. Außer Quim, der quirlige fünf Jahre alt ist, sind alle in der Gruppe, die sie begleitet, erwachsen. Sie alle bergen Sehnsüchte und Verletzungen in sich, die sich wie in einem Brennglas an diesem friedlichen Ort bündeln. Nora versteht längst nicht alles, was sie beobachtet, doch das, was an einem dieser Sommertage geschieht, wird für sie das Erwachen aus der Kindheit bedeuten.

Maria Barbal ist eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Stimmen der katalanischen Literaturszene. Geboren 1949 in den Pyrenäen, lebt und schreibt die mehrfach preisgekrönte Autorin heute in Barcelona. Ihr Debüt »Wie ein Stein im Geröll« wurde in 16 Sprachen übersetzt und gilt als moderner Klassiker. Auch ihr zuletzt erschienener Roman »Die Zeit, die vor uns liegt« begeisterte Leser*innen und Presse.

Meine Meinung zum Buch: 

Der Höhepunkt der Woche für die zwölfjährige Nora ist der sonntägliche Ausflug mit der kleinen Bahn zum herrlich gelegenen Stausee in den Pyrenäen. Ausser dem fünfjährigen Quim ist sie das einzige Kind in einer Gruppe von Erwachsenen. Es sind Freunde, Verwandte, die gemeinsam einen ruhigen Nachmittag in der Hitze des Sommers am See geniessen möchten. Nora lebt noch in ihrer Kinder-Welt, schaut aber schon genau auf die Erwachsenen, beobachtet ihr Verhalten und ihre Unterhaltungen. Der quengelnde Quim nervt und stört sie insgeheim. Eifersüchtig versucht sie ihn zu ignorieren.

Die Autorin hat einen ganz leisen, ruhigen und in wunderschöner klarer Sprache gehaltenen  Roman geschrieben, der ehrlich  die Beziehungen der Gruppe und ihrer Menschen mehr und mehr untereinander aufzeigt . Poetische Naturbeschreibungen des Sees mit seinem  ursprünglichem Uferbewuchs von Pappeln, Brombeersträuchern, Zürgelbäumen , kleinen Feigenbäumen und dem Schilfrohr verzaubern und schaffen eine einmalige Sommeratmosphäre. 

 Die Zwanzig Kapitel vermitteln einen wunderbar stimmigen Eindruck vom Erleben eines Kindes, schon ausgestattet mit einem scharfen Blick auf die Welt der Erwachsenen, deren unausgesprochenen Sorgen , Nöten, Erwartungen und Freuden an das Leben. Zu Beginn jeden Kapitels berichtet Nora als Ich-Erzählerin kurz - in Kursivschrift gehalten -  von ihren Beobachtungen und eigenen Gedanken über das Geschehen am See und innerhalb der Gruppe. Je weiter man in den Kapiteln voranschreitet, desto klarer zeigen sich für die Leser*in Gefühle, Beziehungen und daraus folgende Handlungsweisen der Erwachsenen aus drei Generationen untereinander. Auch für die junge Nora ist das eine neue und aufregende Erfahrung. Sie lernt sich selber besser kennen wie auch die Bedeutung von Schuld und Scham, welche in so jungen Jahren schon plötzlich sichtbar werden für sie. Die Freundschaft mit der attraktiven Lídia empfindet Nora als besonderes Geschenk, denn sie hat ihr das Schwimmen beigebracht..... 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese berührende und wunderbare Geschichte. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blessing Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar. 

Mittwoch, 14. August 2024

*Malnata* von Beatrice Salvioni - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

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Erschienen am 15.5.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Unter der sengenden Sonne der Lombardei im Jahr 1935 begegnet Francesca zum ersten Mal Maddalena, die von allen im Ort nur »Malnata« genannt wird: »Die Unheilbringende«. Francesca – zu Konformität und Gehorsam erzogen – ist sofort fasziniert von dem barfüßigen Mädchen, dessen Hände immer schmutzig sind, die Augen voller Trotz. Entgegen allen Warnungen freundet sich Francesca mit Maddalena an und lernt mit der Zeit, den Lügen der Erwachsenen zu misstrauen. Doch in einer Gesellschaft, die keinen Platz hat für weibliches Freiheitsdenken, ist jedes falsche Wort und jede unfolgsame Tat eine Gefahr …

Beatrice Salvioni, geboren 1995, studierte Literatur an der Universität Mailand und besuchte dann in Turin die renommierte Schreibschule Holden, gegründet von Alessandro Baricco. Sie hat bereits mehrere Erzählungen geschrieben, von denen eine mit dem Premio Calvino ausgezeichnet wurde. 2021 erregte das literarische Debüt der jungen Autorin große internationale Aufmerksamkeit. La Malnata wurde noch vor Erscheinen in Italien zu einem literarischen Ereignis und verkaufte sich innerhalb weniger Wochen in 20 Länder; inzwischen sind es 35.


Meine Meinung zum Buch:

 So finster wie die junge Frau auf dem Cover schaut ist auch die Thematik des Romans.  Das Bild zeigt wohl   *die Unheilbringende* (ital. Malnata) Maddalena Merlini oder vielleicht doch die beobachtende brave Freundin Francesca Strada , Tochter eines Hutfabrikanten, aus einem *guten und wohlhabenden* Hause stammend ? Diese Interpretation des Covers sei jedem Leser*in selbst überlassen. 

Wir tauchen ein in eine dunkle Zeit Italiens und schreiben das Jahr 1935. Der aufkommende, immer stärker werdende Faschismus ist allgegenwärtig und  streckt seine Hand in alle Schichten der Gesellschaft aus. Zwei junge Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsklassen begegnen sich. Die zwölfjährige Francesca sucht sehnsuchtsvoll den Kontakt zur armen, unbändigen und anscheinend frei lebenden Maddalena, die in Monza von einem grossen Teil der Bevölkerung verachtet und gemieden wird. Der Aberglaube an *das Böse* in *Unglücksbringerinnen* wie der jungen Malnata ist allgegenwärtig , die Macht der katholischen Kirche  ist ungebrochen. Konservative Regeln engen Familien und auch Kinder streng ein. Francesca verfängt sich in grässlichen Schuldgefühlen und ängstlicher Schüchternheit, wenn sie nur ein Bild von Jesus irgendwo sieht, wie es zum Beispiel im Schlafzimmer ihrer Eltern hängt. Doch Maddalena widersetzt sich allen, speziell für Mädchen erschaffenen Regeln der Erwachsenen. Sie spielt unbefangen mit Jungen barfuss am Fluss und lehnt die Schulbildung ab. Francesca beobachtet und  bewundert die *Malnata* und kämpft um deren Zuneigung und Freundschaft. 

Zitat Seite 62: " In der Welt der Malanta wetteiferte man darum, von Katzen gekratzt zu werden. Schmerz leckte man sich einfach zusammen mit dem Blut von der Haut. Eine Welt, in der man nicht spielen konnte , jemand anders zu sein, und in der man Männern und Jungs in die Augen sah, wenn man mit ihnen sprach. "

Der Erzählstil von Beatrice Salvioni ist flüssig, kraftvoll und erzeugt beim Lesen ein buntes und klares Kopfkino. Man wird gefesselt von den Aktivitäten der beiden Mädchen und erlebt sehr direkt die Entwicklung einer warmen und herzlichen Freundschaft zwischen den Kindern. Doch es sind fast keine Kinder mehr, sie stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden und beobachten kritisch und hinterfragend ihre heuchlerischen Eltern und Erzieher*innen. Salvioni gibt den beiden Mädchen im Roman eine fast feministische Denkweise . Sie sehen scharf die Klassenunterschiede in ihrer Stadt und die Werkzeuge der politischen Unterdrückung des Faschismus. Die Autorin hat es geschafft historische Ereignisse und persönliche Schicksale in diesem Roman eng zu verknüpfen und vermittelt dadurch eine unbedingte Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Die Familien Strada und Merlini leiden durch den Krieg, die allgemeine Verarmung und dem Verbiegen ihrer eigentlichen Gesinnung und Menschenwürde, durch ihre Anpassung an das faschistische Regime.  

Maddalena und Francesca bestimmen letztendlich durch tragische Geschehnisse ihrer Familien , ausgelöst auch durch den Krieg in Abessinien, ihren persönlichen Weg. Ihre innere Haltung wird gefestigt und so treten sie selbstbewusst  ihren weiteren, sicher schweren Lebensweg an.... 

Ich gebe dem Buch gern eine Leseempfehlung von FÜNF ***** Sternen und bedanke mich bei der Autorin und der Penguin Randomhouse Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  


Montag, 15. April 2024

*Meine wilden Kräuterfreunde aus dem Wald* von Anja Fischer - erschienen im Servus Verlag



*unbezahlte Werbung* Verlagslink , erschienen am 21.3.24,

 INHALT / KLAPPENTEXT: Mit Kindern den Wald entdecken

Spielerisch die Welt der Pflanzen entdecken: der familienfreundliche Begleiter zum Mitnehmen auf Erkundungstouren im Wald.

Beim Spaziergang durch den Wald fallen Kindern viele grüne Schätze in die Hände, die ihr Interesse an der Natur wecken. Anja Fischer hat zahlreiche Ideen für Spiele unter den Baumkronen und gibt Tipps, was Familien im Wald alles gemeinsam erleben können. Zwölf Pflanzen-Steckbriefe im beliebten Freundebuch-Stil erleichtern Groß und Klein dabei den Einstieg in die Welt der Kräuter und Waldpflanzen und vermitteln spielerisch Wissen über sie. Die vielen kreativen Ideen zum Nachmachen sorgen für besonders großen Sammelspaß. Ob Schokowipferl, Waldhustensaft oder ein Traumpolster aus Waldmeister – hier ist sowohl für kleine Kräuterhexen also auch wissbegierige Naturforscher und gesunde Naschkatzen etwas dabei.



Ein Mitmachbuch mit DIY-Anleitungen und Platz zum Zeichnen und Einkleben von getrockneten Kräutern.

Meine Meinung zum Buch: Wieder hat mich ein ganz schönes Mitmachbuch vom Servus Verlag  von der Autorin Anja Fischer erreicht. Dieses Buch dreht sich um unseren Wald und seine Kräuter, Bäume und Pflanzen, die man dort finden, sammeln und verwerten kann , wenn man mit offenen Augen im Wald umherstreift. 

Eltern und Kinder werden ihre Freude an diversen DIY -Tips haben wenn sie durch diesen  kleinen Naturführer blättern. DAS BÜCHLEIN ist wie ein Freundebuch gestaltet mit Seiten zum Ausfüllen, Schreiben , Gestalten, und/oder Malen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.  Es wird zum Experimentieren angeregt und  wertvolle Wald-Verhaltenstipps sind zu erlesen . Tipps zum Sammeln, Verwerten und Aufbewahren der kleinen Fundstücke sind spielerisch beigefügt.  Ganz besondere Rezeptideen für Küche und Keller können problemlos  nachgekocht werden.   

Zwölf Kräuter, Bäume, Pflanzen werden ausführlich beschrieben und  in Bildern gezeigt , damit auch keine Verwechslung beim Sammeln  passieren  kann. Sie nennen sich wie folgt:

BROMBEERE, WALDENGELWURZ, FICHTE, HASELNUSS, LÄRCHE, LINDE, LUNGENKRAUT, SCHWARZER HOLUNDER,VEILCHEN,WALDERDBEERE,WALDMEISTER, WILDROSE.

Die liebevoll gezeichnete Aufmachung des kleinen Naturentdeckerbüchlein  besticht ganz besonders  auf den ca. 100 Seiten. Langeweile tritt nicht  auf. Im Gegenteil, es bleibt immer noch Raum für eigene Ideen  und Aktivitäten beim nächsten Waldspaziergang. 

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** Sterne.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Servus-Verlag für die Zusendung des schönen Rezensionsexemplars.  

 



Mittwoch, 15. November 2023

*Das Erbe der Villa Sanddorn* Band 5 von Lena Johannson erschienen im Knaur Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erscheinungstermin: 01.09.2023

INHALT/Klappentext: Ein Rügen-Roman

Die Sanddorn-Reihe, Band 5 Urlaub für Herz und Seele auf Rügen: Die Villa Sanddorn hat wieder geöffnet!

Im 5. Wohlfühlroman der Sanddorn-Reihe geht es um ein Familiengeheimnis aus der Zeit der DDR und um eine große Liebe – garniert mit ganz viel Ostsee-Zauber.

 Beim dringend nötigen Entrümpeln machen Ziska und Nik auf dem Dachboden der Villa Sanddorn einen erstaunlichen Fund: Ein geheimnisvoller Gast hat die Chronik der Villa – und damit auch ein Stück der Geschichte Rügens – aufgezeichnet.

So erfahren Ziska und Nik endlich, mit wie viel Liebe und Herzlichkeit die ursprünglichen Besitzer das Haus um 1920 gebaut und als Hotel betrieben haben. Auch als in den 50er-Jahren viele Hoteliers aufgeben müssen, bleibt das Ehepaar auf Rügen und wandelt die Villa in ein Kinderheim um, gegen die Widerstände des DDR-Regimes. Ihr Sohn Georg würde allerdings nur zu gerne fortgehen – bis eine freundliche Welle die junge Alma auf die Insel spült …

 Lena Johannson, Bestseller-Autorin der Romane um die »Villa an der Elbchaussee«, verbindet auch in ihrem 5. Insel-Roman den ganz besonderen Charme Rügens mit einer mitreißenden Geschichte.

 »Sommerfeeling, Rügen-Flair und eine Prise Tiefgang: perfekte Urlaubslektüre, nicht nur für den Strandkorb.«

Buch Magazin über den Rügen-Roman »Sanddorninsel«Die Wohlfühlromane von Lena Johannson über die zauberhafte Ostsee-Insel Rügen sind in folgender Reihenfolge erschienen:

Sanddornsommer

Villa Sanddorn

Sanddorninsel

Sanddornzauber

Das Erbe der Villa Sanddorn


Mein Leseeindruck: Für mich war dieser harmonisch und flüssig geschriebene Wohlfühl Roman von Lena Johannson ein angenehmes und gut ablenkendes Leseerlebnis. Ich bin ohne Probleme in diesen 5. Band der RÜGEN-REIHE eingestiegen, ohne die vorherigen erschienenen Bände zu vermissen und /oder zu kennen. 

Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen und wird von der älteren Christina im Heute und Jetzt behutsam  erzählt und neu erforscht. Sie nimmt sich eine persönliche Zeit auf der schönen Insel Rügen um sich über ihren neuen Lebensabschnitt als Rentnerin klar zu werden.  In jungen Jahren hat sie zu DDR-Zeiten zauberhafte Erlebnisse an der Ostsee erfahren und in der Villa Sanddorn gelebt, die damals zu DDR -Zeiten  in ein Kinderheim umfunktioniert wurde. Plötzlich taucht während Christinas Urlaub auf der Insel eine alte Chronik der Villa auf, die auf dem Dachboden entdeckt wurde. Christina macht sich auf eine persönliche innere und äussere Spurensuche auf und der Leser*in wird mit vielen menschlichen und gesellschaftlichen Problemen und Lebensumständen der ehemaligen DDR überrascht,,,,

Die  schöne maritime Atmosphäre der Ostseeinsel Rügen hat die Autorin stimmig und begeisternd vermittelt. Lena Johannson hat den Roman übrigens mit Unterstützung ihrer Schwester verfasst.

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen netten Roman aus dem Genre Familie , Liebe, Wohlfühl Roman.  

Herzlichen Dank an die Autorin und den Knaur Verlag für das Rezensionsexemplar als Taschenbuch !

 

 


Mittwoch, 6. September 2023

*Risse* von Angelika Klüssendorf - erschienen im Piper Verlag

 

*Werbung , unbezahlt*

DIGITALES REZENSIONSEXEMPLAR

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Herzlichen Dank für die Bereitstellung des digitalen Leseexemplar an die Autorin, den Piper Verlag und Netgalley. 

Erschienen am 31.08.2023
176 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-05991-6

INHALT/KLAPPENTEXT: Das Mädchen und wie es die Welt sah

Das Mädchen ist zurück:In zehn Geschichten entfaltet Angelika Klüssendorf ein Kinderleben in der DDR in den 60ern und 70ern, geprägt von Ungeborgenheit und Sehnsucht. Nach dem Tod der geliebten Großmutter muss das Mädchen Übergriffen und Teilnahmslosigkeit begegnen. Es ringt darum, seine Eltern auszuhalten und zu verstehen und die Schwester zu beschützen. Lichtblicke liefern Bücher, das Lesen bietet selbst im Kinderheim noch einen Ausweg.

Die Kaschnitz-Preisträgerin erzählt die Vorgeschichten zum Erfolgsroman „Das Mädchen“ neu, die vor zwanzig Jahren erschienen und nicht mehr lieferbar sind. Und sie überprüft schonungslos, was nicht erzählt wurde und warum. Ist Wahrhaftigkeit im Erzählen von sich möglich?

Autofiktion, radikal und bewegend!

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute wohnt sie auf dem Land in Mecklenburg. Sie veröffentlichte mehrere Erzählbände und Romane und die von Kritik und Lesepublikum begeistert aufgenommene Romantrilogie „Das Mädchen“, „April“ und „Jahre später“, deren Einzeltitel alle für den Deutschen Buchpreis nominiert waren und zweimal auch auf der Shortlist standen. Zuletzt wurde sie mit dem Marie Luise Kaschnitz-Preis (2019) ausgezeichnet. Die französische Übersetzung ihres Romans „Vierunddreißigster September“ stand auf der Longlist des Prix Femina 2022.


Meine Meinung und mein Leseeindruck: Als erstes: ich habe diesen Roman nicht  eindeutig als *echten Roman* empfunden beim Lesen. Es sind für mich eher zehn Episoden aus einem sehr unglücklichen und gewalttätigen  Kinderleben in vergangenen DDR-Zeiten. Diese Episoden sind wohl vor zwanzig Jahren unter einem anderen Titel, bei einem anderen Verlag  veröffentlicht worden und die Autorin hat in der jetzigen Ausgabe unter jede dieser kleinen Erzählungen neue Eindrücke, Überlegungen und Erklärungen hinzugefügt. Das war für mich sehr hilfreich, denn so konnte ich diese  unterschiedlichen Textinhalte gut zwischen Fiktion und Autofiktion unterscheiden. 

Jede dieser im Titel harmlos klingenden Episoden strotzen nur so von unglaublicher körperlicher und seelischer Gewalt auch gegenüber ganz jungen Kindern. Die Eltern der Geschwister sind oft alkoholisiert, desillusioniert von ihrem Dasein und geben diese Lebens-Enttäuschungen ungehemmt und ungefiltert an ihre zwei Mädchen weiter. Nur die Erinnerung an ihre liebevolle Grossmutter gibt dem älteren Mädchen immer wieder Hoffnung, Mut und fantasievolle Einfälle um sich und ihre kleine Schwester gegen diese willkürliche Gewalt der Eltern zu schützen. Auch das immer wiederkehrende Abtauchen in die *Welt der Bücher * hilft ihr sehr.  Diese erste Episode nennt sich *Die Grossmutter im Kirschbaum*. Mit den Jahren wächst das Leid und das Kind wird in einem Kinderheim untergebracht, indem sie weder Fürsorge, Schutz oder Liebe erfährt. 

Ich habe mich beim Lesen immer wieder erschüttert gefragt wie ein Kind und/oder Jugendliche*r diese Misshandlungen  durch Familie und staatliche Behörden überhaupt ertragen kann ohne zu verzweifeln. Doch der Lebens - Überlebenswille eines jungen Menschen  ist anscheinend unermesslich gross.  

Ich gebe dieser lesenswerten,  stark autofiktionalen  Lektüre wertvolle FÜNF ***** Sterne und kann diese Episoden nur charakterstarken und mutigen Leser*innen empfehlen!







 

Donnerstag, 31. August 2023

*Momo* von Michael Ende - erschienen als Hörspiel bei *Hörbuch Hamburg*


 *Werbung unbezahlt*

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INHALT/Klappentext: In einer Großstadt lebt das Waisenmädchen Momo. Niemand weiß, woher sie kommt, aber alle kennen ihre Gabe: Sie kann wunderbar zuhören. Als seelenlose graue Herren auftauchen, die den Menschen ihre Zeit stehlen, wird die Welt lieblos und trist. Nur Momo lässt sich nicht beirren. Mit einer Blume in der Hand und einer Schildkröte an ihrer Seite macht sie sich auf den Weg, um die grauen Herren zu stoppen.

50 Jahre Momo – das neue Hörspiel zum Jubiläum!


»Momo«, der weltberühmte Märchen-Roman von Michael Ende, wird 50 und Hörspiel-Regisseur Robert Schoen inszeniert ihn neu – mit hochkarätigen Sprechern wie Friedhelm Ptok als Erzähler, Andreas Fröhlich als Meister Hora und Paula Drescher als Momo. Eine Geschichte von heute für die ganze Familie über Freundschaft, Entschleunigung und den Mut, anders zu sein, atmosphärisch und vielschichtig inszeniert mit der Musik des mehrfach ausgezeichneten Komponisten Tobias Unterberg.


Meine Meinung: Vor einigen Jahrzehnten habe ich das wunderbare Buch von Michael Ende gelesen und mich von dem kleinen Mädchen Momo und seinen Freund*innen  im alten Amphitheater verzaubern lassen. 

Nun gibt es ein frisch und neu aufgelegtes Hörspiel bei *Hörbuch Hamburg* und ich durfte es freundlicherweise bei Netgalley digital hören. Vielen Herzlichen Dank dafür an den Verlag und die Leseplattform. 

Der ursprüngliche  Text wurde aufgelockert mit Musik und  melodischen kleinen Liedern. Das hat mir sehr gut gefallen und meiner Fantasie Zeit und Raum gegeben mich sehr gut das Buch zu erinnern.  Die Sprecher haben es geschafft mit ihren Stimmen den Roman und die Charaktere der Protagonst*innen dem Leser in faszinierender  und authentischer Form nahezubringen. Als hervorragend empfand ich die markante und ruhige Erzählweise des Friedhelm Ptok. Auch die kindliche und fein variierende Sprache der MOMO (PAULA DRESCHER) hat mich verzaubert und in ihren Bann gezogen. Die *grauen Herren* treten wie im Roman mit erschreckender  Herz- und Kaltblütgikeit auf und erinnern an mögliche KI -Sprachen und technische Computermöglichkeiten zur Verfälschung der menschlichen Ausdrucksweise. Das Hörspiel ist nach wie vor aktuell, zeitlos und ein echter Klassiker, den Kinder und möglichst viele Menschen hören sollten. Die emotionale  Lieblosigkeit gegenüber Kindern und Erwachsenen, ihren  unerfüllten Bedürfnissen nach Zuwendung, Zeit und Beachtung mit der sich unsere Gesellschaft immer noch schwer tut wird auch im Hörspiel klar und eindringlich an ALT und JUNG übermittelt.

 Dieses Hörspiel ist ein wertvoller Beitrag, regt zum Nachdenken an über unsere Werte und die Umsetzung in unserer Gesellschaft.     

Sonntag, 6. August 2023

*EINE GUTE ZEIT ZU LEBEN* von Hubert Messner und Lenz Koppelstätter - erschienen im Ludwig Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Hardcover, Pappband mit Schutzumschlag, 176 Seiten, 12,5 x 20,0 cm

ISBN: 978-3-453-28162-2

Erschienen am  14. Juni 2023

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Corona, Krieg, Klimakrise – ist unsere Welt aus den Fugen geraten? Dürfen wir noch optimistisch in die Zukunft blicken? Können wir unseren Kindern diese Welt noch zumuten? Im Leben des Frühchen-Mediziners und Abenteurers Hubert Messner ging es oft um Leben und Tod. Aus eigener Erfahrung weiß er: Es kommt auf uns selber an, wie wir Hindernisse und Schwierigkeiten meistern. Krisen gehören dazu – sie sollten uns nicht aus der Bahn werfen. Schon gar nicht heute. Denn noch nie in der Menschheitsgeschichte gab es eine Zeit, in der es uns so gut ging wie jetzt und in der die Zukunft so sehr in unseren eigenen Händen lag. Und in den Händen der nächsten Generation.

Unser Lebensglück steckt nicht in einem komfortablen Leben ohne Hindernisse, sondern in der Selbstbestimmung, in der Freiheit, unser Leben individuell zu planen und zu gestalten, selbstbestimmt Erfahrungen und Erlebnisse zu sammeln.

Hierfür braucht es lediglich etwas Mut und Eigeninitiative. Für Hubert Messner ist klar: Das Leben ist lebenswert. Nach wie vor und mehr denn je!

Hubert Messner, geboren 1953, ist in einem Südtiroler Bergdorf im Villnößtal aufgewachsen. Er hat in Innsbruck Medizin studiert, in Modena Kinderheilkunde und wurde in Mailand, Graz, Toronto und London zum Neonatologen ausgebildet, bevor er in Bozen die Neonatologie-Abteilung übernahm und diese als Chefarzt mit großem Erfolg ausbaute. Seinen Bruder, die Bergsteigerlegende Reinhold Messner, begleitete er als Expeditionsarzt mehrere Male in den Himalaja und in Eiswüsten. Er ist seit 2018 pensioniert und engagiert sich für soziale Projekte, wie unter anderem Essen auf Rädern und freiwillige Arbeitseinsätze in den Sommermonaten auf steilen Bergbauernhöfen. Er setzt sich für Aufklärung rund um das Thema Impfung ein und arbeitete während der Coronapandemie zeitweise auf einer Covidstation.

Hubert Messner lebt mit seiner Frau und drei Söhnen in Südtirol.


Lenz Koppelstätter, Jahrgang 1982, ist in Südtirol geboren und aufgewachsen. Er studierte Politik und Sozialwissenschaften in Bologna und Berlin und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Heute ist er tätig für die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung«, »GEO« und »Salon«, er veröffentlichte einen Roman über Alma und Gustav Mahler in Toblach und schreibt eine erfolgreiche Südtirol-Krimireihe. Mit seiner Frau und zwei gemeinsamen Kindern lebt er in einem Weindorf südlich von Bozen.

Mein Leseeindruck: Sicher hat sich jeder Mensch in diesen Zeiten schon einmal folgende Fragen  und Überlegungen gestellt, wie von Hubert Messner in diesem Buch beschrieben.

Zitat Seite Seite 8/9 : " Was ist also los mit unserer Welt? Warum stellen wir Kinder - unsere fortwährende Existenz - infrage? Warum sehnen wir uns nach einem idealisierten Gestern? Wann wird endlich wieder alles so normal, wie es niemals war? Nie war etwas so wie immer. Wenn, dann nur so wie früher. Und damit nicht besser als heute. Doch was war denn früher? " Zitat Ende.

Mögliche Antworten geben uns die beiden Autoren des oben abgebildeten Buches auf ca. einhundertsiebzig Seiten. Hubert Messner hat uns sehr intime und ehrliche Antworten aus seinen Kindheits - und Familienerinnerungen im damals noch abgeschiedenen St. Peter im Villnößtal geschenkt. Das Buch würde ich fast als eine Autobiografie bezeichnen, denn vom Mitautor Lenz Koppelstätter erfahren die Leser*innen nicht allzuviel. Ich nehme an, dass ER  Hubert Messner beim Verfassen des Textes mit unterstützt hat, denn Hubert Messner ist ein bekannter Neonatolge (ein Kinderarzt , der sich auf die Behandlung von *Frühchen* spezialisiert hat). Er hat während seines Berufsleben ca. 30 000 kleinen Menschenkindern den Start ins Leben erleichtert und ermöglicht. 

Schon der positive Titel des Buches hat in mir Neugier und Hoffnung auf umsetzbare Antworten geweckt . Und so war es auch. Gute und hoffnungsvolle Denk- und Handelsansätze für unser *Leben* gab es fast auf jeder Seite und ich habe es dank des einfachen und sehr gut verständlichen Schreibstils in kürzester Zeit mit Begeisterung gelesen. Denn es ist auch ein Buch über andere Abenteuer seines Lebens. Er hat mit seinem berühmten und bekannten Bruder, dem Bergsteiger Reinhold Messner die Welt bereist. Die beiden Brüder sind dabei fast ums Leben gekommen. Eine enge Familienbindung zu den Geschwistern, Eltern sowie der eigenen Familie mit drei Söhnen wird behutsam und liebevoll in Worten gezeichnet. 

Aber natürlich kommt auch das *Heute und Jetzt* zur Sprache, die Klimaprobleme, der Massentourismus in den Alpen. Unser unmässiges Streben nach materiellem Besitz und Luxus. Ein fest in der Gesellschaft seit Jahrzehnten verankertes Verhalten -- sowie die sträfliche Vernachlässigung dieser Probleme, die wir unseren Kindern und Enkelkindern hinterlassen.  

Trotz des Aufzeigens all dieser unerledigten Aufgaben gibt das Buch Hoffnung. Hoffnung und Vertrauen in die junge Generation, die in vielem schon so anders handelt als wir , die ältere Generation. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für diesen wertvollen Ratgeber.

Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.