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Samstag, 14. März 2026

*Familiensache* von Claire Lynch - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

INHALT/KLAPPENTEXT: Ein Haus, einen Ehemann, ein Baby: Eigentlich hat Dawn alles, was man sich im England der 1980er-Jahre wünschen sollte. Doch dann lernt sie Hazel kennen und beginnt zu ahnen, welches andere Leben möglich wäre. Plötzlich ist alles viel heller – und komplizierter. Denn Dawn hat Verpflichtungen: Dawn hat ihre kleine Tochter Maggie. Jahrzehnte später ist Dawn für Maggie nur eine schattenhafte Erinnerung. Ihr Vater Heron hat sie allein großgezogen, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Als Heron eine Diagnose erhält, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt, erzählt er Maggie zunächst nichts davon. Denn über unbequeme Wahrheiten hat er schon immer lieber geschwiegen – so wie über das, was 1982 passiert ist …

In ebenso zarte wie sprachmächtige Prosa gegossen und mit warmherzigen Figuren gespickt, stellt Claire Lynch in Familiensache die Frage, was eine Familie ausmacht und wie die Wunden der Vergangenheit heilen können.


Claire Lynch promovierte an der Universität Oxford und lehrte Englische und Irische Literatur an verschiedenen Universitäten. Sie ist regelmäßig in Podcasts zu den Themen Elternschaft und Queerpolitik zu Gast und hat ein Memoir über ihre eigenen Erfahrungen mit queerer Mutterschaft geschrieben. Sie lebt mit ihrer Frau und ihren drei Töchtern in Windsor. »Familiensache« ist ihr Debütroman.

Meine Meinung zum Buch:

Kennt ihr diese Bücher, die einen erst ganz sanft in eine Familiengeschichte ziehen und dann mit voller Wucht erschüttern? Genau so erging es mir mit dem neuen Roman von Claire Lynch.


Die Geschichte ist wie ein komplexes Puzzle aufgebaut und springt meisterhaft zwischen zwei Zeitebenen: dem England der 1980er Jahre und der Gegenwart (2022/2023).

Im Zentrum stehen Heron und Dawn. Sie heiraten jung, wie es damals üblich war, und führen eine scheinbar glückliche Ehe, gekrönt von ihrer Tochter Maggie, die der Lebensmittelpunkt beider Eltern ist. Doch die Idylle zerbricht, als Dawn sich in die junge Lehrerin Hazel verliebt.

Was als leidenschaftliche Affäre beginnt, führt Dawn zu einer schmerzhaften Erkenntnis: Es gibt ein anderes Leben für sie. Sie möchte sich in Freundschaft trennen, hofft auf ein friedliches Co-Parenting – doch sie hat die Rechnung ohne den verletzten Stolz ihres Mannes und das gnadenlose Rechtssystem der 80er gemacht.


Besonders schockierend ist die Rolle der Behörden. Basierend auf der damaligen Überzeugung, eine lesbische Mutter sei schädlich für die Kindesentwicklung, wird Dawn systematisch aus dem Leben ihrer Tochter gestrichen.

 Gekränkt und überzeugt, das Richtige zu tun, forciert Heron eine radikale Trennung.

 Maggie wächst ohne ihre „Mummy“ auf und erhält nie eine ehrliche Antwort auf ihre Fragen.

Erst 40 Jahre später, als ihr Vater schwer erkrankt, entdeckt Maggie in alten Akten das ungeheuerliche Ausmaß der damaligen Kontaktsperre – und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Mein Fazit

Obwohl die Geschichte fiktiv ist, spürt man auf jeder Seite die tiefe Recherche der Autorin. Claire Lynch lässt die Erfahrungen vieler queerer Mütter einfließen, die ähnliche Diskriminierungen erleben mussten. Die Szenen vor Gericht, in denen Dawn wegen ihrer Sexualität regelrecht vorgeführt wird, sind kaum zu ertragen – vor allem mit dem Wissen, dass diese Praktiken noch gar nicht so lange zurückliegen.

Ein tiefgründiger, schmerzhafter, aber unglaublich wichtiger Roman über das Recht auf Liebe und die späte Suche nach der Wahrheit.


Fünf Sterne !



Mittwoch, 14. Januar 2026

*Unser kleiner Hof in den Hügeln* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag


 *unbezahlte Werbung*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Als Junge lernte James Rebanks von seinem Großvater, das Land auf traditionelle Weise zu bewirtschaften. Der Familienbauernhof in den Hügeln des Lake District war Teil einer uralten Agrarlandschaft: ein Flickenteppich aus Äckern und Wiesen, Weiden und Hecken, in denen es von Wildtieren wimmelte. Doch als James den Hof erbte, war er kaum noch wiederzuerkennen. Die alten Steinscheunen waren verfallen, und am Himmel fehlten die Vögel und ihr vom Wind verwehter Gesang.

Dieses Buch erzählt davon, was es bedeutet, an einem Ort wirklich verwurzelt zu sein und für ihn Verantwortung zu übernehmen. Es handelt von jahrhundertealten Traditionen, die verloren zu gehen drohen, vom Arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten und der Witterung, vom Zusammenleben mit der Natur und von der Gemeinschaft der Menschen auf dem Land. Es ist die hoffnungsvolle Geschichte eines jungen Farmers, der beschließt, der Zerstörung der Landschaft etwas entgegenzusetzen und eine winzige Ecke Englands zu retten.

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).


Maria Andreas lebt und arbeitet seit über dreißig Jahren als freie Übersetzerin in München. Unter anderem hat sie Penelope Lively, Julian Fellows und Rachel Joyce ins Deutsche übertragen.

Meine Meinung zum Buch: 

Hinter dem verspielten Titel und dem idyllischen Cover von James Rebanks' Werk verbirgt sich eine schonungslose Analyse der Agrarwirtschaft. Der Autor schildert realistisch den Wandel der europäischen Landwirtschaft über die letzten sieben Jahrzehnte . Die Gliederung des Buches spiegelt diesen Weg wider:

1. Der Pflug und die Möwen 

2. Nostalgie 

3. Fortschritt 

4. Utopie 

Die Würdigung der Vergangenheit

Dieses Buch ist eine tiefe Verbeugung vor der Lebensweise unserer Großeltern auf den kleinsten Höfen Englands und Europas. Rebanks beschreibt seine Kindheit auf der Farm seines Großvaters als eine prägende Zeit voller Tierbegegnungen  und Naturerlebnisse in Wäldern und Wiesen . Diese Erinnerungen sind heute sein innerer Kompass: Auf seiner eigenen Farm setzt er sich für ökologische Veränderungen ein – selbst wenn dies wirtschaftliche Einbußen bedeutet.

Der globale Blick und die industrielle Realität

Rebanks beschreibt die Entwicklung der Landwirtschaft nicht nur als lokales Ereignis, sondern als globale, oft erschreckende Transformation. Besonders seine Reisen nach Australien und in die USA (Iowa)  scheinen ihn tief erschüttert zu haben. Er skizziert das Bild einer Branche, die sich von der Natur entfremdet hat. Ein  Zitat  auf Seite 183 verdeutlicht den massiven wirtschaftlichen Druck:

" Der amerikanische Durchschnittsverdiener gab 1950 etwa 22 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus; dieser Anteil ist heute auf 6,4 Prozent gesunken. Gewinn machen eine Handvoll riesiger Konzerne, die etliche Politiker und Abgeordnete aller Parteien in der Tasche haben. "

Dieser Wandel hin zu einem rein auf Produktivität getrimmten Industriezweig führt zu immer größeren Höfen, riesigen Monokulturen und extremer Massentierhaltung  – eine Entwicklung, die Rebanks zutiefst enttäuscht.

Zwischen harter Arbeit und familiärer Bindung

Trotz der harten Kritik bleibt das Buch zutiefst menschlich. Rebanks erzählt schnörkellos von körperlicher Schwerstarbeit und existenziellen Sorgen. Doch dem gegenüber stehen die Momente puren Glücks: die Geburt eines Lammes  oder die Dankbarkeit über eine gute Ernte . In diesen Zeilen spürt man eine liebevolle Würdigung seines Vaters und Großvaters. Auch seine eigene Familie bildet das emotionale Rückgrat und unterstreicht die Verbundenheit, die das bäuerliche Leben trotz aller Widrigkeiten ausmacht.

Poetische Schönheit als Hoffnungsträger

Rebanks' Schreibstil wechselt oft in schwärmerische, fast poetische Formen . Diese Momente der schlichten Schönheit belohnen die Leser*innen mit einem harmonischen „Kopfkino“ von Wald und Wiese .

Sein Buch ist jedoch mehr als eine bloße Rückschau. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Wertschätzung unserer ländlichen Umwelt und für den Konsum ehrlicher, gesunder Lebensmittel . Inspiriert von den Ideen seiner Vorbilder Rachel Carson und Jane Jacobs, fordert er uns auf, unser Verhältnis zur Natur grundlegend zu überdenken. Denn unsere Nahrung sollte von gesunden Böden erzeugt werden, wie es Menschen seit Jahrtausenden getan haben.

FÜNF ***** Sterne.

 



Donnerstag, 18. September 2025

*Das weinrote Tagebuch* von Kathleen Winter - erschienen im btb - Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 13.8.2025

INHALT/KLAPPENTEXT: England zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Dorothy Wordsworth, Anfang dreißig, hat bisher ein wildes und unkonventionelles Leben geführt. Und sie ist die Vertraute und kreative Unterstützerin ihres berühmten Bruders William – einige glauben sogar, sie sei das Geheimnis hinter dessen dichterischem Ruhm. Nun hat sie gemeinsam mit ihm und seiner Frau ein vermeintliches Idyll im malerischen Lake District geschaffen.

Als William den jungen Landarbeiter James Dixon einstellt, entwickelt sich zwischen ihm und Dorothy – trotz der sozialen Kluft - ein besonderes Verhältnis. Einer Frau wie ihr ist er bisher noch nicht begegnet. Er wird zum stillen Zeugen des Alltags in Dorothys schillerndem literarischen Kreis, aber auch zum Werkzeug des Bruders, der seine Schwester hintergeht

»Das weinrote Tagebuch« lässt uns eintauchen in eine Welt voller emotionaler und künstlerischer Kämpfe, von Triumphen und persönlichem Verrat – und beindruckender Natur. Vor allem aber in die Geschichte einer starken und ungewöhnlichen Frau, die allen Widrigkeiten zum Trotz entschlossen ist, nach ihren eigenen Regeln zu leben.

Kathleen Winter ist Journalistin, Romanautorin, verfasst Kurzgeschichtenund schreibt Drehbücher für das kanadische Fernsehen. Ihr Debütroman *Annabel*war ein Bestseller in Kanada und ein internationaler Erfolg. Ihr Memoir *Eisgesang* war nominiert für den Hilary Weston Writers Trust Prize for Nonfiction und den RBC Taylor Prize. Kathleen Winter hat lange in St. John's auf Neufundland gelebt. Heute lebt sie in Montreal. 

Meine Meinung zum Buch:

Dieser Roman erzählt die traurige Lebensgeschichte einer verkannten Dichterin, die zu ihrer Zeit keine anerkannte Schriftstellerin sein durfte. Im England des frühen 19. Jahrhunderts war es in der Gesellschaft absolut verpönt, Literatur von begabten Frauen wie Dorothy (Rotha) Wordsworth zu lesen. Ihr Bruder war der bekannte und berühmte Schriftsteller William Wordsworth, der nicht unerheblich von Dorothys literarischer Begabung profitierte und sich von ihr inspirieren liess. 

Die Autorin Kathleen Winter hat das Verhältnis zwischen den Geschwistern intensiv erforscht und eine fiktive Geschichte erschaffen, die teilweise auf wahren Begebenheiten beruht.

Der junge Landarbeiter James Dixon begegnet seiner lebenslangen Liebe Rotha zum ersten Mal im zarten Alter von fünf Jahren. Sie beeindruckt den kleinen Jungen mit ihrer Wildheit, Lebendigkeit und dem Ausdruck ihrer kohlrabenschwarzen Augen. Diese Schwärmerei begleitet ihn auch, als er als junger Landarbeiter und Hausmeister für William, seine Frau Mary und seine Schwester Dorothy in Rydal zu arbeiten beginnt. Zu Beginn des Romans sitzt der über 50-jährige James Dixon am Todestag von Rotha zu Füßen eines Bergahorns und erzählt dem Baum und seinen Bienen die lange Leidens- und Liebesgeschichte über Dorothy Wordsworth.

Ich habe diesen fast verwunschenen Roman geliebt, ihn langsam gelesen und immer auf ein gutes, glückliches Ende gehofft. Leider ist das nicht eingetreten, aber der Genuss von Kathleen Winters wunderschönem und klaren Schreibstil hat mich mit der Härte des Lebens versöhnt. James Dixon teilt mit uns Leser*innen seine Erlebnisse mit der von ihm sehr verehrten Dorothy Wordsworth. Er hilft der kleinen Familiengemeinschaft von William, seiner Frau Mary und seiner Schwester Dorothy in allen Dingen des alltäglichen Lebens – von Reparaturen im Haus bis zur Gartenpflege – inmitten der herrlichen Landschaft des malerischen Lake Districts bei Rydal. Die Autorin lässt James Dixon zusätzlich aus seiner einfachen Sichtweise von den literarischen Ausflügen des Geschwisterpaares berichten. Einfache zwischenmenschliche Beziehungen gibt es in diesem Roman sonst nicht. Erst zum Ende des Buches wird die rätselhafte Freundschaft zwischen Dorothy und Mary Lamb für den Leser verständlich dargelegt.

Zum Ende ihres Lebens war die alternde Rotha nicht mehr fähig, ihre geliebten Wanderungen durchzuführen. So baute James Dixon ihr ein Holzwägelchen, mit dem er sie spazieren fuhr. Zusätzlich quälten sie Bauch- und Zahnschmerzen ihr Leben lang – wohl auch ein Ausdruck ihrer schwierigen seelischen Verfassung, die immer wieder im Buch thematisiert wird. 

Das Buch hat mich sehr berührt und ich spreche eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen aus. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für das Rezensionsexemplar. 





Montag, 11. November 2024

*Aufs Land* von Sadie Jones - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 26.6.24

INHALT/KLAPPENTEXT: »Das ist die Geschichte, wie wir nach Frith gekommen sind. Und wir gehen hier nie, nie wieder weg.«

Amy und Lan haben die beste Kindheit überhaupt. Sie leben auf einem kleinen Bauernhof im Westen Englands. Ihre Eltern sind gute Freunde, die aus der Stadt nach Frith gekommen sind, um das einfache, bessere Leben zu leben. Sie mähen ihr eigenes Heu, schlachten ihre eigenen Truthähne. Amy und Lan lieben ihre Freiheiten und die Tiere, um die sie sich kümmern, einschließlich eines Kalbs namens Gabriella Weihnacht. Doch schon bald bringen die Erwachsenen die Harmonie der Gemeinschaft durcheinander. Es sind nicht nur kleine alltägliche Streitigkeiten im ländlichen Paradies. Vor allem Lans Mutter und Amys Vater sollten von ihren Kindern wissen, nicht mit dem Feuer zu spielen.

Sadie Jones, 1967 in London geboren, arbeitete als Drehbuchautorin, unter anderem für die BBC. 2005 verfilmte John Irvin ihr Drehbuch »The Fine Art of Love« mit Jacqueline Bisset in der Hauptrolle. Ihr preisgekröntes Romandebüt »Der Außenseiter« (2008) wurde in Großbritannien auf Anhieb ein Nr.-1-Bestseller und war auch in Deutschland ein großer Presse- und Publikumserfolg. Zuletzt erschien von ihr der Roman »Jahre wie diese«.

Meine Meinung: 

Die Autorin Sadie Jones schreibt diese wunderschöne Geschichte einer unbeschwerten Kindheit auf dem Land aus Kinderperspektiven,  in Gedanken und Sprache dem jeweiligen Alter angepasst. Das ist ihr hervorragend geglückt, denn einfach ist es nicht einen Roman in dieser Art und Weise zu verfassen und die erwachsenen Leser*innen dadurch in einen Lesesog zu ziehen. Amy, ein Mädchen sieben Jahre alt und Lan ihr gleichaltriger Freund berichten im Buch jeweils abwechseln in eigenen Kapiteln von ihren Eindrücken und Erinnerungen aus fünf Jahren. Wir begleiten alle Bewohner von FRITH, die drei dort wohnenden Familien, mit vielen kleineren Kindern beschenkt,  in ihrem Hofalltag.  Die beiden großen Kinder Amy und Lan teilen Spielerfahrungen, vor allem auch ihre Gedanken miteinander, die aus ihren Beobachtungen des Verhaltens der Erwachsenen stammen. 

Ich habe jedes Kapitel dieser zärtlichen Erzählung genossen und bin Amy und Lan gebannt und entzückt gefolgt in ihrem mehr oder weniger oft heimlichen Tun und Spielen auf dem Hof. Sei es bei der Pflege der Hühner, Ziegen,Truthähne, Schweine und ihrem geliebten Kälbchen Gabriella Weihnacht, welches einen absoluten Sonderstatus in der Geschichte bekommt.  Alle Kinder des Hofes wachsen wild und relativ frei auf - ohne Einflüsse eines Grossstadtlebens mit den bekannten Einflüssen wie Gewalt, Lärm, Enge, Naturentfremdung und einem unmässigem Medienkonsum.  

Doch in diesem Roman beobachten *kleine Menschen* sehr genau und mit erstaunlichem Mitgefühl  auch die *grossen Menschen* ihrer Familien. Die Autorin hat dem Leser*in erstaunliche Kenntnisse über das Zusammenleben der Erwachsenen dadurch geschenkt, welches die Kinder vertrauensvoll und völlig wertfrei in den Kapiteln erzählen. Es gibt im Hofleben grosse finanzielle Nöte und die Erwachsenen müssen oft improvisieren um alle nötigen Grundbedürfnisse der kleinen Gemeinschaft als sogenannte Selbstversorger zu befriedigen. Auch die seelischen Nöte von Männern, Frauen und den anderen Kindern sehen Amy und Lan mit erstaunlichem Mitgefühl und immer mehr wachsendem Verständnis im Laufe der Jahre. Eine liebevolle und intuitive Erziehungsarbeit der *grossen Kinder* Amy und Lan an den *Kleinen* ist eine natürliche Selbstverständlichkeit, die von den Eltern nicht erzwungen oder gefordert wird.  

Dieses Buch ist völlig gelungen und brilliert durch eine wahrlich gute und perfekte Schreibkunst mit viel Gefühl und Verständnis für das Zusammenleben von Erwachsenen, Kindern und Tieren auf einem *Fastbauernhof*  Eine absolute Leseempfehlung.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für dieses schöne Leseerlebnis und das gebundene Rezensionsexemplar. 


Montag, 31. Juli 2023

*Der Himmel über Cornwall* von Liz Fenwick - erschienen im Goldmann Verlag

 

*Werbung unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Kristina Lake-Zapp

Originaltitel: The River Between Us

Originalverlag: HQ

Taschenbuch, Broschur, 560 Seiten, 12,5 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-49318-0

Erschienen am  21. Juni 2023

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Theodora hat ein altes Haus im idyllischen Cornwall gekauft, um nach ihrer gescheiterten Ehe einen Neuanfang zu wagen. Doch als sie zum ersten Mal vor dem Boatman’s Cottage steht, muss sie feststellen, dass ihr neues Heim seine besten Zeiten hinter sich hat. Entschlossen krempelt Theo die Ärmel hoch, beginnt mit der Renovierung des Hauses und verhilft dem verwilderten Garten zu alter Pracht. Dabei stößt sie auf geheimnisvolle, hundert Jahre alte Briefe, die von einer tragischen Liebe erzählen. Während Theo immer tiefer in die Geschichte der Liebenden eintaucht, öffnet sich auch für sie selbst ein Weg zu neuem Glück …

Liz Fenwick hat schon an vielen Orten auf der Welt gelebt. Doch schließlich ist die dreifache Mutter ihrem Herzen gefolgt und nach England gezogen. Denn wirklich zu Hause fühlt sie sich nur in ihrem Cottage in Cornwall, wo auch ihre Romane beheimatet sind.


Mein Leseeindruck: Dieser wunderbar geschriebene Wohlfühlroman spielt in zwei Zeitebenen. Einmal im HEUTE UND JETZT  sowie im Jahr 1914 zu Beginn des 1. Weltkriegs in Grossbritannien. 
Die Autorin erzählt fesselnd und doch behutsam vom Leben zweier Frauen und Schicksale, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Das Buch liest sich flüssig und faszinierend und ich konnte es kaum zur Seite legen. 

Die 54 jährige Theodora hat sich nach dem Scheitern ihrer Ehe nach Cornwall zurückgezogen und ein altes Cottage gekauft. Mit Elan und dem entschlossenen Überwinden vieler  baulicher Hindernisse inmitten eines völlig verwilderten Gartens renoviert sie Boatman's Cottage , gelegen am Fluss Tamar,  der Devon und Cornwall trennt.  Es kommt ihr zugute dass sie immer schon ein Händchen für Botanik hatte und diese Leidenschaft in ihrer vergangenen Ehe gut ausleben konnte. Theodora findet im fast verfallenen Cottage einhundert Jahre  alte Briefe, die eine Zeit um den 1. Weltkrieg herum beschreiben. Eine spannende Suche nach den Zeugnissen dieser vergangenen Zeit beginnt und wir begleiten als Leser*innen die Lebens - und Liebesgeschichte der adligen Alice mit dem jungen Flussmeister Zachariah Carne. 
Gesellschaftliche Hürden trennen die beiden Liebenden und es kommt zu tragischen Vorfällen.  Die junge Alice begehrt auf, sperrt sich dem gängigen Frauenbild ihrer Zeit und setzt sich für das Frauenwahlrecht in England ein. 

Hat ihre Liebe eine Zukunft und was gibt es für geheimnisvolle Verbindungen zu Theodora und dem HEUTE UND JETZT ?

DAS müsst ihr euch nun selber erlesen und ich verspreche euch spannende und angenehme Lesestunden....

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese fantasievolle Geschichte aus dem Genre Liebe und Wohlfühlroman. 

Herzlichen Dank an die Autorin und  den Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem anheimelndem Cover. 

 


Freitag, 12. August 2022

*Miss Elizas englische Küche* von Annabel Abbs, erschienen im btb Verlag


*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Michaela Meßner

Originaltitel: Miss Eliza's English Kitchen

Originalverlag: HarperCollins

Taschenbuch, Klappenbroschur, 432 Seiten, 12,5 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-77229-2

Erschienen am  14. Juni 2022 

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT:England, 1835. London wird geradezu überschwemmt mit aufregenden neuen Zutaten, seltenen Gewürzen und exotischen Früchten. Aber niemand weiß, wie man sie verwenden soll. Als Eliza Acton von ihrem Verleger aufgefordert wird, ihre Gedichte in der Schublade liegen zu lassen und dafür lieber ein Kochbuch zu schreiben, ist sie entsetzt: Ausgerechnet sie, die sie noch nie einen Fuß in eine Küche gesetzt hat? Als aber die Schulden ihres Vaters überhand nehmen und er England und seine Familie verlassen muss, bleibt ihr keine andere Wahl, als das Angebot anzunehmen. Eliza beginnt, Rezepte zu sammeln und sich selbst das Kochen beizubringen. Und sie stellt die junge, mittellose Ann Kirby als Hilfe ein. Eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht, die die Grenzen der gesellschaftlichen Klassen überwindet und zum ersten modernen Kochbuch führt. Gemeinsam verändern die beiden Frauen die Kunst des Kochens für immer.

Annabel Abbs ist Schriftstellerin und Journalistin. Ihre historischen Frauenstoffe wurden bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Die Romanbiografie »Frieda«, in der sie das spektakuläre Leben der Frieda von Richthofen nachzeichnet, war u.a. »Times Book of the Year«. Annabel Abbs lebt mit ihrem Mann und vier Kindern in London und Sussex.

Mein Leseeindruck: Zwei Frauen, Eliza und Ann in einer Küche - in einer Koch-(Beziehung), die zehn Jahre andauert. Kann das gutgehen? Ja , denn sie schreiben letztendlich  zusammen ein Kochbuch aus persönlich erprobten Rezepten. Die Autorin Annabel Abbs hat über die Dichterin und Kochbuchautorin ELIZA ACTON 1799 – 1859)  recherchiert,  hat ihren Lebensweg verfolgt und ihre innere Welt geschildert. Eliza Acton strebte eine Karriere als Lyrikerin an, scheiterte aber leider an den damaligen  frauenfeindlichen Verhältnissen, die einer schreibenden Dame alle möglichen Steine in den Weg legten. Stattdessen wird ihr von einem männlichen Verleger nahegelegt lieber ein Kochbuch zu entwerfen.  An Elizas Seite hat Annabel Abbs  die fiktive Protagonistin Ann Kirby, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, gestellt.  Der Vater ist ein invalider Alkoholiker , die Mutter verwirrt und geisteskrank.

Das Buch liest sich flüssig und amüsant, es strotzt nur so von der Zusammensetzung  und Aufzählung herrlicher Rezepte, köstlichster Zutaten und Gewürze. Man bekommt Appetit auf diese Gerichte , die im Buch von der Küchenhilfe Ann zum grossen Teil kreiert wurden. Und genau das macht dieses Buch leider ein wenig unglaubwürdig, denn eine junge Frau, die in schlimmster Armut aufwächst, Hunger erleidet von Kindheit an,  kann eher nicht auf diese raffinierten Kombinationen der Rezepte kommen, schon gar nicht auf ausgefallene Zutaten und Lebensmittel. Auch Eliza tut sich sehr schwer, ist unerfahren,  aber mit viel Mühe und Fleiss gelingt den beiden Frauen dieses *Kochwunder*,  das Erstellen eines Buches nach erprobten,  eigenen Rezepten.   

Die traurige Familiengeschichte der fiktiven Ann gibt dem Buch eine gewisse herbe Würze und stimmt sehr nachdenklich. Die Unterschiede zwischen *Arm* und *Reich* in der Bevölkerung  waren immens gross damals. Die Beschreibung der ärztliche Behandlung von psychisch kranken Menschen erschien mir sehr fragwürdig und abschreckend. Die naive Ann erduldet viel in Bezug auf die Befindlichkeiten ihrer Eltern. Auch Eliza wird von Familie und Mutter gegängelt, befreit sich aber doch noch von diesen Zwängen....


Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diese Biografie der Kochbuchautorin ELIZA ACTON!

Herzlichen Dank für die Zusendung des Rezensionsexemplar!  


Mittwoch, 16. Februar 2022

*SIEBEN TAGE AM FLUSS* von Hannah Richell - erschienen im Diana Verlag

 

*Werbung, unbezahlt* Verlagslink

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt

Originaltitel: The River Home

Originalverlag: Orion

Taschenbuch, Klappenbroschur, 384 Seiten, 12,5 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-453-36080-8

Erschienen am  09. August 2021

Inhalt/Klappentext: In ihrem alten, am Fluss gelegenen Gutshaus Windfalls aus dem siebzehnten Jahrhundert mit seinen großen, weiß gestrichenen Schiebefenstern, dem grauen Schieferdach und dem Blauregen, der sich an der Fassade hochrankt, kommen die Sorrells zu einer Hochzeit zusammen.

Lucy versucht, die zerbrochenen Familienbande zu kitten. Eve kämpft darum, ihr scheinbar perfektes Leben zusammenzuhalten. Ihre Mutter, Kit, eine berühmte Autorin, hegt einen tiefen Groll gegen ihre jüngste Tochter. Und Margot, die ihr Zuhause vor acht Jahren verlassen hat, muss sich nun ihrem dunklen Geheimnis stellen …Als sich alle für eine Woche voller Feierlichkeiten und Konfrontationen zusammenfinden, scheint die Kluft zwischen ihnen unüberwindbar. Kann es nach all dieser Zeit zu einer Versöhnung kommen?

Hannah Richell wuchs in England und Kanada auf, verbrachte viele Jahre in Australien und lebt heute mit ihrer Familie im Südwesten von England. Sie arbeitete im Marketing der Film- und Verlagsbranche und für verschiedene Zeitungen und Magazine, bevor sie begann, Geschichten zu schreiben. Ihre Romane begeistern Leser und Presse weltweit und werden in 17 Sprachen übersetzt.

Mein Leseeindruck: Eine Hochzeit die alle Familienmitglieder wieder zusammen bringen soll. So plant es die junge Lucy und kehrt in ihre Heimat  nach Windfalls zurück. Sie überrascht alle mit der Idee einer spontanen Hochzeit und möchte bei dieser Gelegenheit der Familie etwas sehr Wichtiges mitteilen. Auch Margot, die jüngste der Geschwister Eve und Lucy soll unbedingt kommen. Sie hat seit Jahren kaum Kontakt zur Familie, vor allen Dingen nicht zu ihrer Mutter. Die Eltern Ted und Kit, eine bekannte Schriftstellerin, haben sich vor Jahren auf eine unschöne Weise getrennt. Margot, die Jüngste der Familie hat diese Trennung der Eltern kaum verarbeitet.

Ich war überrascht vom schönen und ansprechendem Schreibstil der Autorin. Sie lässt die Geschwister und Eltern jeweils aus unterschiedlichen Zeitsträngen zu Wort kommen und so kann sich der Leser einen Zusammenhang des Geschehens wie ein Puzzle nach und nach zusammensetzen. Das unbeschwerte Aufwachsen der drei Mädchen auf dem Gut Windfalls wird bunt und stimmig beschrieben, wie auch die Jahreszeiten und Stimmungen auf dem abgelegenen Landgut am Fluss. Die Lebensgeschichten der Eltern vor der Familiengründung kommen ebenfalls nicht zu kurz und ich habe zu allen Protagonisten des Buches  eine wunderschöne und enge Lesebindung aufbauen können. Es waren spannende, aufregende, lustige sowie auch traurige Lesestunden, die mir sicher lange im Kopf nachhallen werden. 

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für dieses dramatische und einnehmende Leseerlebnis!

Danke an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!