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Sonntag, 19. Januar 2020

*Goldkind* von Claire Adam, erschienen im Hoffmann & Campe Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagsinfo
Erscheinungsdatum: 04.01.2020

Inhalt / Klappentext:
Es ist dunkel. Insekten umschwirren das Licht im Hof, und der Wachhund sitzt am Tor. Ein Junge ist nicht nach Hause gekommen, und seine Familie wartet ängstlich auf seine Rückkehr. Ein Vater tritt in die Dunkelheit, um nach seinem Sohn zu suchen. Clyde macht sich Sorgen um Paul, der nicht von seinem Streifzug durch den Busch zurückgekommen ist. Auf Trinidad bleibt man zu Hause, wenn die Sonne untergegangen ist. Vor allem aber ist Clyde wütend, denn schon immer hat sein Sohn ihm Ärger bereitet, ganz anders als dessen alles überstrahlender Zwillingsbruder Peter. Stunden vergehen, Tage. Schließlich melden sich Entführer. Als Clyde begreift, worum es ihnen geht, steht er vor einer ungeheuerlichen Entscheidung: Darf er wirklich das Leben eines seiner Kinder zugunsten des anderen opfern? 


Claire Adam wurde in Trinidad geboren, wo sie auch aufwuchs. Sie studierte Physik an der Brown University in Rhode Island und erwarb später einen Master in Creative Writing am Goldsmith College der University of London, der Stadt, in der sie auch heute lebt.

Meine Meinung: Grausam, grauenvoll,  schockierendes Trinidad! Ein Land voller Hoffnungslosigkeit, Armut,  maffiöser Verbrechen und Gewalt! All diese Worte in voller Wahrheit ihrer Bedeutung passen auf einen sehr grossen Teil des Buches. Ich fühlte mich wie auf einer anstrengenden Wanderung ,  bis hin zum fernen Gipfel. Die Steigung während meiner Lese-Wanderung war zu Beginn mässig, aber im letzten Drittel musste ich mich mit Entsetzen und Angst durch das Buch quälen. Der Schreibstil  dieser jungen Autorin war sehr gut zu erlesen, interessant und bunt.  In drei Teilen wird diese Geschichte erzählt,  fast vom Ende des Geschehens her aufgerollt. Viele Rückblicke erstellten mir ein inneres Puzzle über diesen Roman. Leider bekommen Peter und seine Mutter Joy als Charaktere einen ziemlich schwache und farblose Darstellung in diesem Buch. Der Vater Clyde dominiert mit seinen Eindrücken und plötzlich geschieht etwas Erstaunliches. Paul betritt dieses innere Lese-Puzzle und erstaunte, erfreute mich und gibt dem Buch etwas *Normales*. Das Seelenleben eines *liebenswerten und gesunden* Kindes erscheint am Lesehorizont.  Die Stimmung beim Lesen würde ich dagegen trotz dieser Wendung  eher als verwirrend, düster, hoffnungslos und erschreckend bezeichnen.  Die Familie, Clyde und seine Ehefrau Joy, die Kinder Peter und Paul, wachsen dem Leser durch die verständlichen und genauen Ausführungen der Autorin inmitten dieser ärmlichen Zustände des Landes ans Herz. Der Dschungel mit seiner Urwüchsigkeit und  den wilden Tieren, die Nähe des Meeres, die Strassengang Atmosphäre ausserhalb der von Hunden bewachten Grundstücke, sowie die engen Familienverflechtungen der indischen Familienangehörigen geben dem Buch eine fremdartige und faszinierende Ausstrahlung.  Allerdings bereitete mir dieses ferne Land Trinidad mit ungewohnten Begriffen, Ausdrücken und Gewohnheiten zu Beginn etwas Schwierigkeiten beim Lesen.

 Es ist ein Thriller , der für mich diesem Genre-Begriff sehr nahe kommt. 

Es geht um das Schicksal eines Zwillingspärchens. Zwei Jungen, deren Familie mit indischen Wurzeln  schon vor Generationen eingewandert ist. Der Vater Clyde verdient den größten Anteil des Familieneinkommens mit harter Arbeit. Seine Kinder sollen es besser haben als er, eine gute Schulbildung geniessen,  in der Gesellschaft aufsteigen, vor allem der hochbegabte Peter liegt ihm am Herzen.  Denn  Paul, der andere Zwilling, mit einem  leichten Sauerstoffmangel zur Welt gekommen,  ist das Sorgenkind von Clyde und seiner Frau. Er ist verschlossen, verträumt, hält sich gerne in der Natur auf und genießt die Freiheit ausserhalb eines engen Klassenzimmers, doch er ist ein Kind und kennt Gefahren bisher nur durch Geschichten und Erzählungen, denn die grösste Gefahr ist der gesetzlose Mensch im Busch...

Meine Bewertung: **** Vier Sterne für diesen erschreckenden Roman. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 16. August 2018

*Das brennende Mädchen* von Claire Messud, erschienen bei HOFFMANN UND CAMPE

*Werbung*


Rezension

INHALT und KLAPPENTEXT:
Die besonnene Julia und die draufgängerische Cassie wachsen zusammen in einer Kleinstadt in Massachusetts auf und sind unzertrennlich. Doch eines Sommers zerbricht ihre Freundschaft schleichend, aber für immer. Was ist passiert? Claire Messud erzählt davon, warum der Verlust der ersten großen Freundschaft uns so sehr prägt, und stellt zugleich die großen Fragen: Wie gut können wir einander jemals kennen? Wie wahr sind die Geschichten, mit denen wir uns unser Leben und unsere Beziehungen zu erklären versuchen?

MEINE MEINUNG: Gebannt habe ich den Verlauf des Romanes und die Entwicklung der Freundschaft von Julia und Cassie verfolgt. Beide Kinder, sie sind zu Beginn des Buches zwölf Jahre alt, wachsen unzertrennlich und liebevoll zueinander, fast wie Zwillinge, auf. Sie erkunden zusammen geheimnisvolle Welten wie verfallene Häuser, alte Steinbrüche, bauen sich eine eigene Fantasiewelt dort auf und schirmen ihre Welt gegenüber den Erwachsenen ab. Sie sind beste Freundinnen der Welt und glauben es für immer zu bleiben. Und doch zeigen sich dem Leser zu Beginn schon immer wieder kleine Zweifel an dieser Aussage, die Claire Messud geschickt und unterschwellig vermittelt. Man hofft von Herzen, dass es anders ausgehen möge, weiss aber ahnungsvoll um die Aussichtslosigkeit dieses Wunsches.  Die Freundinnen spüren auch diese bestimmte leise Angst, die immer stärker wird und sich in den Vordergrund  ihrer Gedanken drängt. Es ist die Angst vor dem Erwachsenwerden, das Aufkeimen von Zweifeln an der Freundin und ihrer Zuneigung, die immer näher kommende, unbekannte und bedrohlich erscheinende Erwachsenenwelt. Die Zukunft scheint nebulös und drohend vor ihnen zu liegen. Sie verstehen plötzlich die Welt, sich selber und die Freundin nicht mehr!  

Die Autorin lässt Julia diese Geschichte im Rückblick aus ihrer  Perspektive erzählen.  Beide Mädchen stammen aus Elternhäusern, die recht unterschiedlich sind. Cassie wächst vaterlos  mit einer Mutter auf , die das kleine Mädchen zwar über alles liebt, aber recht verloren, einfach und rätselhaft in ihrer Charakter-Beschreibung durch die Autorin wirkt.  Julia dagegen bekommt alles! Zuwendung, Liebe und Bildung aus ihrem Elternhaus.  Sie entwickelt sich weiter, entdeckt das Theaterspiel für sich und der Kontakt zu Cassie's Welt, der plötzlich nur noch  aus Musik, Party und ersten Jungenbekanntschaften besteht, wird immer schwächer. 
Und  doch halten beide Mädchen krampfhaft am Mythos der grossen Freundschaft fest, obwohl sie das Auseinanderdriften deutlich spüren.  
Diese Entwicklung versucht die Autorin mit ihrem sanften und einfühlendem Schreibstil dem Leser nahe zu bringen. Es gelingt ihr  fast perfekt, durch Andeutungen, Gedankensplittern, aber eben nur aus  Julies Sicht der Dinge als fast erwachsene junge Frau. Der Leser beobachtet Cassie aus der Ferne, zieht daraus  Schlüsse für sich, aber immer nur fundierend aus Julies Gedankenwelt.  Auch der Titel passt in meinen Augen gut zum Roman, er erschreckt zwar beim ersten Wahrnehmen, aber er trifft zu. 
Eine brennende , klaffende innere Wunde trennt die ehemaligen Freundinnen auf immer und jeder von uns hat vielleicht schon einmal den Schmerz einer verlorenen Freundschaft empfunden und kann diese Aussage nachfühlen. 
Genau das vermittelt Claire Messud einfühlsam, machmal zwar etwas langatmig im Schreibstil und fast unlustig in traurigen Szenarien. 
Das ist kein vergnügtes und amüsantes Buch, eher etwas nachdenklich machend, aber absolut lesenswert. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen grossartigen Roman über den Verlust der Kindheit mit einer absoluten Liebe zum Mitmenschen, mit teilweise fesselnden  Einblicken in das Abhandenkommen dieser Fähigkeit. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 




Mittwoch, 30. Mai 2018

*FAMILIÄRE VERHÄLTNISSE* von Sophie Bassignac, erschienen im Atlantik Verlag

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :24.04.2018
  • Aktuelle Ausgabe : 24.04.2018
  • Verlag : Atlantik Verlag
  • ISBN: 9783455001280
  • Fester Einband 192 Seiten
  • Sprache: Deutsch

*Werbung*
Info zum Verlag und der Autorin






REZENSION

INHALT: Pierre ein normaler, konservativ geprägter junger Franzose und  die ungewöhnlich schöne, ausgefallene Isabelle sind ein leidenschaftliches Liebespaar und wollen gerne heiraten.  Sie möchte ihn endlich ihrer etwas exzentrischen Familie vorstellen . Ohne deren Zustimmung wird sie auf keinen Fall den Gang zum Traualtar wagen. Die beiden verliebten jungen Leute  fahren im Sommer auf das Landgut ihrer Grosseltern und erleben wahrlich eine aufregende und sehr ungewöhnliche Familienzeit auf Probe mit allen Mitgliedern  dieser Sippe. Kann ihre Liebe diesen unbändigen und wilden Tagen standhalten ? Als "normale" Familie gelten die Pettigrews nirgendwo. Sie sind durchgeknallt, merkwürdig und halten wie Pech und Schwefel zusammen,,,,

Meine Meinung: Schon nach den ersten Seiten war ich verdutzt, amüsiert, belustigt und erfreut über den flüssigen und sehr witzigen Schreibstil der französischen Autorin. Auf einhundertneunzig Seiten hat sie den Leser in eine straff geführte Handlung mitgenommen. Sie gibt einen wunderbaren Einblick in verschiedene Charaktere der originellen Personen dieser verrückten Familie. Zum Glück wird die Dynastie der Pettigrews am Anfang des Buches sorgsam aufgelistet!! Ohne diese Angaben hätte ich lange gebraucht, um die vier Generationen dieser ungewöhnlichen Exzentriker auseinanderzuhalten und zuzuordnen .  Der arme Pierre hatte sehr viel auszuhalten mit seiner konservativ geprägten Lebenseinstellung. 

Da gibt es einen Hühnerstall, indem die tierischen Insassen mit Parfum besprüht werden, um sich gut einzugliedern.  Der Aufenthalt im Hühnerstall, seiner Ausdünstungen  und Tiere bilden einen wichtigen Part im Leben der Pettigrews, welches ich mit Erstauen registriert habe. Es gibt einen wilden, ausgebrochenen Stier, der ihn bedroht hat und eine reitende Schwiegermutter auf einem abgehalfterten Pferd, die wie eine Amazone daherkommt. Merkwürdige Abendessen, denen ein muffiger , geheimnisvoller Sud beigemischt wurde, angeblich zum Besten der allgemeinen Gesundheit der Familie, beunruhigen ihn jeden Tag. Ein alternder Grossvater, der heisse Liebeshaikus einer Asiatin in den Briefkasten steckt und die immer wieder aussergewöhnlichen Pyjamapartys aller Familienmitglieder verwundern den unbedarften Pierre sehr.  Prüderie ist allen unbekannt, gemeinsam lieben sie das Nudistenleben am Strand. Sex spielt überhaupt eine grosse Rolle für alle Mitglieder dieser überspannten Menschen. Als Grossmutter Henriette's 83. Geburtstag gefeiert werden soll, spitzt sich die Familienfeier dramatisch zu. 

Der Roman strotzt vor Esprit, hat mir dadurch einige heitere und unbeschwerte Lesestunden bereitet. Vielen Dank an die Autorin und den Atlantik Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar!

Meine Bewertung: ***** Fünf STERNE