Donnerstag, 29. November 2018

Kekse Lebkuchen Teegebäck , erschienen im Servus Verlag

BUCHDETAILS
ISBN-13 9783710401824
184 Seiten / 21 x 26 cm
Servus

Verlagsinfo

Zur Autorin:
Elisabeth Ruckser beschäftigt sich als freie Journalistin und Autorin seit knapp 20 Jahren mit dem Thema hochwertige Lebensmittel. 2016 hat sie die »Erste Waldviertler Biobackschule« gegründet, sie schreibt regelmäßig Beiträge für das Magazin Servus in Stadt & Land und hat mehrere Bücher verfasst, unter anderem »Aus Omas Kochbuch«, »Strudel und Striezel« und »Einfach gut einkochen«. Stets auf der Suche nach authentischen Lebensmitteln und traditionellen Produzenten, bereist sie ganz Österreich. Sie lebt und arbeitet in Wien und in Niederösterreich.


Was gibt es Schöneres als in der Vorweihnachtszeit leckeres Gebäck herzustellen? Das obengenannte Buch gibt dem Leser aber noch ein Geschenk dazu:  Ganzjährig passende Rezepte für leckeres Teegebäck und Tips für die sichere Lebkuchenherstellung!
Ein echtes Buchschmankerl aus Österreich!


Rezension

Inhalt/Klappentext:

Ob zum Kaffee, als Nachtisch oder einfach aus Spaß am Backen:

Vom Tokajer Kipferl übers Hollerbusserl bis hin zum salzigen Zwiebel-Speck-Taler haben Kekse längst nicht nur zur Weihnachtszeit Saison. Backschul-Gründerin und Autorin Elisabeth Ruckser hat sich quer durch Bräuche und Backstuben inspirieren lassen und eine Sammlung von Rezepten für alle Gelegenheiten zusammengetragen. Kekse wärmen die Seele an grauen Tagen, begleiten gesellige Abende bei einem Glas Wein und sind wohl die duftendsten irdischen Vorboten, die das Christkind Jahr für Jahr ausschickt.

Begleiten Sie uns auf einer ganzjährigen Reise durch die Welt der kleinen süßen und pikanten Knabbereien, mit vielen Tipps für die Praxis und Wissenswertem zu Aufbewahrung, Zutaten und Geschichte der Rezepte.

Meine Meinung: Das Cover mit der wunderschönen Gebäck-Etagere hat mich sofort angesprochen beim Betrachten , vor allem der folgende Untertitel macht aufmerksam:

KLASSIKER & TRADITIONELLE REZEPTE FÜR DAS GANZE JAHR

Auf einhundertundachtzig Seiten mit den Abschnitten

Vorwort
Lebkuchen 
Ein Laib aus Honig
Sechs goldene Regeln
Klassiker & Weihnachtskekse 
Das mit dem göttlichen Funken
Teegebäck, Hochzeitsgebäck und Kekse für alle Gelegenheiten 
Drunt' im Burgenland
Salzige Knabbereien
Glossar
Register
findet der dem Süssen zugeneigte Leser herrliche und für jeden nachbackbare Rezepte, verschönert mit wunderschönen Fotos, die den Ehrgeiz jeder Bäckerin, so etwas Schönes mit den Händen herzustellen,  sicher entfachen! Ich habe sofort die einfach herzustellenden Linzer Augen ausprobiert und meine Familie hat - probiert und aufgegessen. Zum Glück warten noch die beliebten Vanillekipferl,Hausfreunde, Waldviertler Mohnstangerl und viele andere österreichische Köstlichkeiten auf ihre Herstellung!

Am meisten habe ich mich über die Seite mit den sechs goldenen Regeln fürs Lebkuchen-Backen gefreut. Meine bisherigen Versuche in diese Richtung waren noch nie von Erfolg gekrönt, vielleicht lag es an meiner schlechten und zu kurzen Zeitplanung. Hier ein kleines Zitat aus diesem Text:

Zitat Seite 21. " Guter Lebkuchen braucht Zeit. Der Teig sollte zumindest eine, besser zwei Nächte reifen.In Lebzeltereien lagert der Vorteig monatelang, manchmal wird er gar schon zwei Jahre im Voraus angesetzt. Erst vor dem Backen wird er mit Eiern, Gewürzen und den restlichen Zutaten vermischt."
Vielen Dank liebe Autorin für diese Seite!
Mein Dank gilt auch dem Servus-Verlag für die Zusendung des wunderschönen Rezensionsexemplars!

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen hervorragenden Backratgeber mit den für mich ungewöhnlichen und unbekannten Rezepten aus Österreich!






Montag, 26. November 2018

*Der Hexenjäger* Von Astrid Fritz, erschienen im Rowohlt Verlag

Verlagsinfo

*Werbung*
Leseprobe

Erscheinungsdatum: 20.11.2018

Astrid Fritz
Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Zu ihren großen Erfolgen zählen "Die Hexe von Freiburg", "Die Tochter der Hexe" und "Die Vagabundin". Astrid Fritz lebt in der Nähe von Stuttgart.






Rezension

Inhalt Klappentext:

Ein fanatischer Inquisitor, eine junge Frau, eine erbarmungslose Hexenjagd
Schlettstadt im Elsass 1484: Margaretha, die Mutter der jungen Krämertochter Susanna, liegt tot in der Stube aufgebahrt. Bruder Heinrich, päpstlicher Inquisitor und Prior des hiesigen Predigerklosters, erscheint, um Trost zu spenden. Fast väterlich sorgt er sich um die junge Susanna. 
Doch bald schlägt die Fürsorge in Wahn um. Er lässt Susanna nicht mehr aus den Augen. Was sie nicht weiß: Seit einiger Zeit verfolgt Bruder Heinrich als Inquisitor die Vernichtung der «brandgefährlichen Sekte der Hexen». Viel zu spät erkennt Susanna, dass auch sie sich vor Heinrich in Acht nehmen muss.
Ein fesselnder Roman um die historische Figur des Dominikanerbruders Heinrich Kramer, den Verfasser des berüchtigten «Hexenhammers».

Meine Meinung:

Für Skandale jeder Art war und ist die christliche Kirche ja immer schon anfällig gewesen. Obengenannter Roman beschreibt die Anfänge der Hexenverfolgungen in Deutschland, an denen der Dominikanerbruder Heinrich Kramer nicht unbeteiligt gewesen ist. Er verfasste nämlich den sogenannten *Hexenhammer*. Ein schlimmer Ratgeber, wie man unschuldige Frauen in damaliger grausamer Manier  befragt hat,  verfolgt und sie schliesslich als böse Hexe , natürlich ordentlich verurteilt, verbrennen lassen konnte. Ein absolut düsteres Stück Kirchengeschichte, welche die fantastische Autorin Astrid Fritz in dramatischen Bildern in meinen Kopf gezaubert hat. Sie hat , wie immer in ihren historischen Romanen, hervorragend recherchiert, sich an Tatsachen gehalten und dieses Wissen in einen spannenden historischen Roman dem Leser übermittelt. Ihr Schreibstil ist abwechslungsreich, bunt und sehr angenehm zu verfolgen. Ein Glossar am Ende des Buches vermittelt weiteres Wissen und das empfand ich als sehr hilfreich. 

Eine echte Perle im historischen Romanbereich, die ich in wenigen Tagen verschlungen habe,,,,,

Meine Bewertung: FÜNF *****Sterne für diese grossartige Erzählung einer schrecklichen Tragödie über die Wahrheit von Hexenverbrennungen und ihre Anstifter zum Ermorden unschuldiger MENSCHEN. 

Herzlichen Dank an die Autorin und Rowohlt Verlag für dieses aufrüttelnde Leseerlebnis und die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 21. November 2018

*Und immer wieder mein Garten...* von Georg Möller/Gary Rogers, erschienen bei DVA

Verlagsinfo

*Werbung*
Gebundenes Buch, Pappband
ISBN: 978-3-421-04063-3
NEU
Erschienen:  01.10.2018












Die Gartensaison geht dem Ende entgegen, das letzte Laub fällt, sollte zusammengefegt werden, wobei ich gerne auf empfindlichen Stauden etwas Laub als Winterschutz liegen lasse. Oder auch grosse Laubhaufen im Garten als natürliche Igelwohnung. Was soll die fleissige Gärtnerin nun tun? Die Antwort ist ganz einfach! 

Beachtet oben abgebildetes Buch bei Eurem nächsten Einkauf in der Lieblings-Buchhandlung. Es ist für passionierte Leser/rinnen und Gartenfreunde ein echtes Juwel! Ideal zum Verschenken und/oder Erfreuen an neugewonnenen Informationen über bekannte Schriftstellerinnen. Zwölf namhafte Autorinnen werden von Georg Möller mit Berichten und Bildern aus ihrem ganz persönlichem Umfeld und Garten vorgestellt. Die wundervollen, begleitenden und stimmungsvollen Fotos hat Gary Rogers gemacht.

DIE MACHER:

Gary Rogers (Autor, Fotograf)

Der Neuseeländer Gary Rogers hat zunächst Fotoreportagen aus aller Welt veröffentlicht und sich dann auf die Gartenfotografie spezialisiert. Zahlreiche Zeitschriften und Bücher leben von seinen Aufnahmen, die mit internationalen Preisen gewürdigt wurden, und er ist Chairman der Professional Garden Photographers’ Association. Gary Rogers lebt und arbeitet in Hamburg.

Georg Möller (Autor)

Georg Möller liebt seit Kindertagen die Flora und Fauna seiner Westerwälder Heimat, eine der schönsten Mittelgebirgslandschaften Deutschlands. Entscheidend mit dem Gartenvirus infiziert wurde er 1996 als er gemeinsam mit seinem Lebenspartner den Traum vom eigenen Garten verwirklichen konnte. Der selbst geplante und gestaltete Stadtgarten vereint harmonisch zwei unterschiedliche Gartentypen und offenbart die Inspiration durch englische Gartenkunst. Auf seinen Reisen ist er stets auf der Suche nach besonderen Gärten und außergewöhnlichen Menschen, die er in seinen Büchern porträtiert. Dem leidenschaftlichen Gartenautor und erfahrenen Autodidakt liegen Ökologie und Nachhaltigkeit besonders am Herzen. 2007 initiierte er die erste „Offene Gartenpforte“ im nördlichen Rheinland-Pfalz und engagiert sich mit Erfolg für die Weiterentwicklung der regionalen Gartenkultur.

Rezension

Klappentext/Inhalt:Der Garten als Inspirationsquelle und Kraftspender für das schriftstellerische Schaffen.

Wo tanken bekannte Schriftstellerinnen privat auf? Wo suchen und finden sie Inspiration, wie schöpfen sie neue kreative Kraft? Erstaunlicherweise ist dies bei vielen Autorinnen ihr eigener Garten. In unserem Buch schildern 12 ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, wie und auf welche Weise ihr eigener Garten prägend für sie wirkt, wie er gestaltet ist, was er ihnen gibt und wie er ihr Schaffen beeinflusst. Wir blicken hinter die Kulissen und erfahren spannende Details der jeweiligen Biografien.

MEINE MEINUNG:
Auf zweihundertvierzig Seiten dürfen wir in die Privat-Gärten von zwölf prominenten und aussergewöhnlichen Schriftstellerinnen schauen. Nicht nur die wundervollen Bilder des Fotografen Gary Rogers geniessen, sondern auch sehr viel Persönliches über   
ZSUZSA BANK, FRANKA BLOOM,
EVA DEMSKI, RITA FALK,
BARBARA FRISCHMUTH, ULLA HAHN,
GISA KLÖNNE, ILDIKÓ VON KÜRTHY,
CHARLOTTE LINK, SANDRA LÜPKES,
INGRID NOLL und JUDITH TASCHLER erfahren.

Der Autor des Buches Georg Möller hat durch die ausführlichen Interviews unglaublich viel und für mich auch Neues zum Beispiel über Zsuzsa Bank erfahren. Die Autorin wohnt in Frankfurt/Main, im sogenannten ruhigen Dichterviertel und doch ist sie und ihr Garten meilenweit entfernt von Lärm und dem Stress der Grosstadthetze. 
Szusza Bank ist aber kein  FRANKFURTER Stadtkind , sondern ein echtes Naturkind aus Frankfurt's Randgebieten, grenzend an Orten mit dörflichen Strukturen  und berichtet über sich auf Seite 17 des Buches:
" Kindsein hieß für mich draußen sein. Draußen sein, bis es dunkel wurde und irgendwer das Kommando gab zum Aufbruch, zur Rückkehr. Wenn ein Wort mein tägliches Tun beschreibt und zusammenfasst, dann ist es: Streunen. Katzenhaftes, hundehaftes Streunen. Mein zielloses und zeitloses neugieriges Wandern, mein Springen und Spielen durch die Farben und Zeiten der Jahreszeiten."  
Auszug aus Seite 12, Zitat:  " Im Leben von Szusza Bank spielt der Garten eine grosse Rolle. Gedankenverloren geniesst sie inspirierendes Nichtstun - diese Momente wirken sich befreiend auf die Autorin aus und sie empfindet sie als pure Meditation." 

Der Weg in ihren jetzigen Garten als Freiraum führt über die kleine Terrasse, die von der Küche aus zu erreichen ist. Dort schaut sie in die hohen Bäume ihres waldähnlichen Garten, kann abschalten und neue Schreib-Projekte neben der Familienarbeit entwickeln. 
Besonders interessant waren für mich die persönlich verfassten Berichte von Szusza Bank  über ihre Beziehung zu Natur, Garten und Ihrer Arbeit als Schriftstellerin. Auszug aus Seite 26: " An meiner Sprache arbeite ich hart, bin sehr diszipliniert und fleissig. Ich beschäftige mich lange mit meinen Manuskripten und überarbeite sie häufig, bis alle Töne die richtige Melodie ergeben." 
Für mich persönlich  hat sie die richtige Melodie in ihrem wunderbaren Buch * Die hellen Tage * gefunden. 

Das Wunderschöne und Bezaubernde an diesem Buch und den Aussagen auch der anderen elf Schriftstellerinnen sind die sehr unterschiedlich strukturierten Gärten und ihre eigenen  Aussagen über Blumen, Gärtnern, Schreiben und Werkeln im persönlichen, grünen Paradies. Dieser schöne Bildband enthält keine, oder sehr wenige  praktische Gartentips oder spezielle botanische Hinweise, sondern führt immer wieder zur schriftstellerischen Arbeit der Autorinnen zurück...... 

Herzlichen Dank an den Verlag und die Autorinnen für das wunderschöne Rezensionsexemplar und die tollen Einblicke in ihre Gärten und Schriftstellerische Arbeit. Mein Dank geht auch an Georg Möller und Gary Rogers für diese zauberhafte  Buch-Komposition !

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE !






Dienstag, 20. November 2018

*Die kleinen Wunder von Mayfair* von Robert Dinsdale, erschienen im Knaur Verlag

Hardcover, Knaur HC
01.10.2018, 464 S.
ISBN: 978-3-426-22672-8
*Werbung*
Verlagsinfo
















Rezension

Zum Autor:

Robert Dinsdale, Jahrgang 1981, wuchs in North Yorkshire auf. Er lebt mit seiner Tochter in Essex und arbeitet als Literaturagent. Wenn er sie nicht gerade zur Schule fährt, geht er am Meer spazieren, arbeitet am Computer oder besucht die örtliche Bibliothek (das kann er sehr empfehlen!). »Die kleinen Wunder von Mayfair« ist sein dritter Roman.

Inhalt/Klappentext: 

Entdecken Sie mit Robert Dinsdales "Die kleinen Wunder von Mayfair" Londons einzigartigen Spielzeug-Laden und einen ergreifenden Liebes- und Familien-Roman zum Anfang des 20. Jahrhunderts. 

Alles beginnt mit einer Zeitungsannonce: »Fühlen Sie sich verloren? Ängstlich? Sind Sie im Herzen ein Kind geblieben? Willkommen in Papa Jacks Emporium.« Die Worte scheinen Cathy förmlich anzuziehen, als sie nach einer neuen Bleibe sucht. Denn im England des Jahres 1906 ist eine alleinstehende junge Frau wie sie nirgendwo willkommen, zumal nicht, wenn sie schwanger ist – und so macht Cathy sich auf nach Mayfair. In Papa Jacks Emporium, Londons magischem Spielzeug-Laden, gibt es nicht nur Zinnsoldaten, die strammstehen, wenn jemand vorübergeht, riesige Bäume aus Pappmaché und fröhlich umherflatternde Vögel aus Pfeifenreinigern. Hier finden all diejenigen Unterschlupf, die Hilfe bitter nötig haben. Doch bald wetteifern Papa Jacks Söhne, die rivalisierenden Brüder Kaspar und Emil, um Cathys Zuneigung. Und als der 1. Weltkrieg ausbricht und die Familie auseinander reißt, scheint das Emporium langsam aber sicher seinen Zauber zu verlieren …

Nostalgisch, rührend und zauberhaft romantisch erzählt Robert Dinsdales "Die kleinen Wunder von Mayfair" von einer jungen Frau, zerrissen in ihrer Liebe zu zwei Männern mit einzigartigen magischen Talenten. 

Meine Meinung: Bei diesem Buch hat sich mein Herz beim Lesen etwas zweigeteilt und ich habe bei dieser Lektüre tatsächlich zwei unterschiedliche Meinungen im Kopf, die sich sehr widersprechen und mich irritieren. Auf der einen Seite gefällt mir der erste Teil des Buch bis zur Seite 224 ganz wunderbar. Ich bin in eine magische Spiel- und Kinderwelt eingetaucht, deren so fantasievolle und bunte Beschreibungen man selten in zumindest mir bekannter Literatur findet. Spielzeuge in allen erdenklichen Formen und Funktionen erfreuten mich, die Londoner Bevölkerung, und nicht zuletzt auch die Hersteller wie Papa Jack und seine Söhne Kaspar und Emil. Es sind Papiervögel, die durch alle Räume flattern, magisch wachsende Wälder aus Papier, geschnitzte Holzballerinen, Patchworkhunde, die sich bewegen und reagieren, aber immer wieder auch Spielzeugsoldaten und ihre Armeen. 

 Ich habe an eigene Spielerlebnisse denken müssen und hatte ein nostalgisches Glücksgefühl im Kopf. Nur die kleinen Kriegssoldaten, von denen Emil so fasziniert ist, wurden von mir nicht besonders gemocht. Krieg bleibt Krieg , auch im Spiel kann ich dem keine Faszination abgewinnen. Durch das Eintreten in das Emporium der jungen , schwangeren Cathy habe ich auf eine liebevolle Familiengeschichte gehofft, wobei ich zu einigen Protagonisten wie Cathy, ihrer Tochter Martha und den Spielzeugmachern leider keine wirkliche gute Lesebeziehung aufbauen konnte. Die Schilderungen Ihrer Charaktere durch den Autor blieben für mich schwach, unfassbar, seicht und uninteressant. Die laufenden Eifersüchteleien beim Spielzeug-Erfinden zwischen Kaspar und Emil waren nervend und die Buhlerei um Cathy Liebe auch! Warum der allmächtige Papa Jack und Cathy diesen schwelenden Konflikt nicht gesehen haben  und eingegriffen haben, bleibt mir unverständlich, war sicher vom Autor wohl so gewollt.  Meine Begeisterung wurde nur durch die Beschreibungen des Emporiums genährt und seine mystischen und geheimnisvolle Funktionen, die mit dem realen London kaum vereinbar waren. Die bitteren  Lebens-Erfahrungen in Sibirien aus Papa Jack's Erzählungen haben mich erahnen lassen, dass noch ein unschönes Ende auch für die Geschichte des Emporiums folgen wird. 

Und so kam es auch. Der erste Weltkrieg spielt nun eine ausufernde Rolle bis zum Ende des Buches und die Aussage, dass auch jeder bösartige Kriegsteilnehmer diese heile Kinderwelt in sich bewahrt hat, konnte mich nur mässig trösten. Für mich war es einfach zu viel Krieg. Krieg zwischen den eifersüchtigen Brüdern und der Krieg in der Welt waren mir einfach zuviel. Mich haben weder die Briefwechsel zwischen Cathy und Kaspar begeistert, noch die Beschreibungen der Frontlinien. Es war fast langweilig, vorhersehbar , ein modernes Märchen mit einigen interessanten philosophischen Vergleichen über das Leben an sich , aber letztendlich für mich als Leserin : ZU VIEL KRIEG ab der Mitte der Lektüre! Die Liebesgeschichte tritt zunehmend trocken in den Hintergrund des Buches.
Vielleicht ist es aber auch ein typisches Buch für Spielzeugsoldaten-Fans? 

Meine Bewertung: Drei gute *** Sterne für dieses rätselhafte, etwas fiktive, etwas reale Buch über das Spielzeug-Emporium und seine Macher - und den Kriegen überall auf der Welt! 

Vielen Dank an den Verlag und Autor für das gebundene Rezensionsexemplar!  


Mittwoch, 14. November 2018

*Sautanz* von Max Stiegl und Tobias Müller, erschienen im Servus Verlag

BUCHDETAILS
ISBN-13 9783710401848
256 Seiten / 21 x 26 cm
Servus

Verlagsinfo , Erscheinungstermin: 11.10.2018
*Werbung*














Rezension

Genuss & Tradition


Der Sautanz gehört zu den alten Brauchtümern, die fast in Vergessenheit geraten sind. Nicht so im burgenländischen Gut Purbach: Dort wird das traditionelle Fest jeden November mit Familie, Freunden und Gästen zelebriert.


Dabei geht es in erster Linie darum, dass die Tiere sowohl zu Lebzeiten als auch vor und nach der Schlachtung mit Respekt behandelt werden. Für den Spitzenkoch Max Stiegl bedeutet das vor allem, dass nichts verschwendet wird – er nutzt deshalb auch die Teile des Schweins, die andere wegwerfen würden. Beim Sautanz wird das Schwein erst geschlachtet und dann gemeinsam von Kopf bis Fuß verarbeitet, verkocht und verkostet.

Max Stiegl hat dafür klassische Rezepte verfeinert und neue Kreationen geschaffen, außerdem zeigt er Rezepte für Mutige, die noch nicht alles probiert haben. So finden sich Gerichte von gesottenem Rüssel in Bier über Blunz-Suppe bis Schweinsfuß-Medaillons. Hobbyköchen wird erklärt, worauf man beim Kauf von Fleisch und Innereien achten muss, wenn gerade kein Sautanz in der Nähe stattfindet, und wie vielfältig einsetzbar Schwein in der Küche ist.

Die Autoren:

Max Stiegl

Max Stiegl, geboren 1980 im slowenischen Koper, war der jüngste Koch der Welt, der einen Michelin-Stern gewinnen konnte. Seit zehn Jahren kocht er im Gut Purbach sehr gerne mit dem, was es in der unmittelbaren Umgebung gibt, am liebsten die sonst eher weniger prominenten Innereien der Tiere, für die er berühmt wurde. Seine Küche ist inzwischen mit mehreren Hauben dekoriert und verbindet regionale, traditionelle Gerichte mit innovativen, außergewöhnlichen Kreationen.

Tobias Müller

Tobias Müller wurde 1983 in Wien geboren und ist Journalist. Er kocht, isst, trinkt und schreibt darüber. Seine Texte sind unter anderem in Falstaff, Guardian und dem Magazin der SZ erschienen. Seine Kolumne Gruß aus der Küche läuft seit beinahe zehn Jahren sehr erfolgreich in der österreichischen Tageszeitung Der Standard. Sautanz ist sein zweites gemeinsames Kochbuch mit Max Stiegl.


Meine Meinung: "Rezepte aus einer Zeit, als Fleisch noch etwas besonderes war".

Dieser  oben aufgeführte Untertitel  des Buches hat mich bei meiner Auswahl der Lektüre zum Rezensionsexemplar besonders angesprochen. 
Fleisch ist etwas besonderes, ebenso wie dieses wunderschön aufgemachte Kochbuch. Auf ca. zweihundertfünfzig Seiten findet der interessierte Hobbykoch  sehr ausgefallene Rezepte, die sicher in der normalen Küche des Durchschnittsbürgers in Vergessenheit geraten sind , oder gar gänzlich unbekannt erscheinen.  Das Verarbeiten und Geniessen von tierischen Fleischprodukten wird heute von vielen Verbrauchern abgelehnt, verteufelt mit dem Blick auf die Massentierhaltung, und dem teilweise vernachlässigten Tierwohl durch  den Erzeuger. 

Ich habe dieses Buch meiner kleinen privaten Leserunde vorgestellt und wir hatten viel Stoff zum Diskutieren. Es war eine entspannte Diskussion mit vielen unterschiedlichen Aspekten des Kochens , Essens und teilweise lustiger Akzeptanz  auf manche Rezepte wie zum Beispiel auf Seite 62 * Hoden Grenobler Art*.  In einem waren wir uns aber alle einig und diese Erkenntnis hat uns wieder zusammengeführt: * Fleisch ist eines der wertvollsten Nahrungsmittel, denn es stammt von einem lebenden Tierwesen, dem wir alle mit Achtung und Dankbarkeit für sein Ableben begegnen sollten. *

In diesem ungewöhnlichem Kochbuch werden Rezepte vorgestellt, die alle Teile des Tieres zur Verarbeitung nutzen und nicht nur Braten, Steaks oder Hackfleischgerichte.  Zu jedem der ausführlichen über 70 beschriebenem Rezepte gibt es passende, geschmackvolle und attraktive Foto der jeweiligen Speise. Innereien werden vorgestellt wie Milzschnitten, Gin-Herz, Hirn mit Ei  oder gebackene Leberknödel.  Ein Rezept für Gebackene Hoden gibt es übrigens auch neben dem Rezept aus Grenoble. Viele Rezepte entstammen der österreichischen Küche und ich war froh über ein gut erklärendes kleines *Österreichisches kulinarisches Wörterbuch* auf den letzten Seiten. 
Sicher sind viele dieser Rezepte aus den Hungers-Nöten  vorheriger Jahrzehnte und /oder Jahrhunderte geboren worden. Das eigene Schlachtfest eines Tieres am Ende des Jahres gehörte selbstverständlich zur Tradition des Selbstversorgers dazu. Kein Teil eines geschlachteten Tieres wurde weggeworfen oder wie es heute üblich ist, zu Tierfutter für andere Tierlebewesen verarbeitet.

Ein vernünftiger Handlungs-Ansatz auch für die heutige Zeit.  Für manche Zutaten muss man allerdings einen sehr guten Draht zu einem privat schlachtenden Metzger haben, denn alle Teile eines Tieres sind meist nicht im normalen Supermarkt zu bekommen. 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Autoren und dem Verlag für die Zusendung dieses aufklärenden und wichtigen Buches über das Verarbeiten und Herstellen tierischer Lebensgenüsse. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE 

    


  



Montag, 12. November 2018

*Die Schwaben-Kinder*, von Elmar Bereuter, erschienen im Piper Verlag

Die Schwabenkinder — Inhalt
Verkauft auf Schwabens Kindermärkten
Die unverschuldet in Not geratene Bauernfamilie Meser schickt ihren Sohn auf den Kindermarkt nach Ravensburg, wo er von einem grausamen Bauern ersteigert wird. Doch schon bald erträgt er das Leben auf dem Hof nicht mehr und läuft davon. Eine abenteuerliche Flucht beginnt. Elmar Bereuter erzählt vom bewegenden Schicksal jener Sklavenkinder, die im 19. Jahrhundert über die Alpen nach Oberschwaben zogen, um dem Hunger zu entkommen.


€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 04.09.2018
400 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31284-4

*Werbung* Verlagsinfo


Rezension

Autor: Elmar Bereuter 

Biografie

Elmar Bereuter, geboren 1948 in Lingenau als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager erfolgte mit der Gründung eines Werbeunternehmens der Sprung in die Selbstständigkeit. Mit dem Erscheinen des Romans »Die Schwabenkinder« begann ein neuer Abschnitt als Schriftsteller im Hauptberuf. Auf seinen Bestseller, der den Anstoß zum gleichnamigen Film mit Tobias Moretti gab, folgten die Romane »Hexenhammer«, »Die Lichtfänger«, »Felders Traum« sowie Wanderführer über die »Schwabenkinder-Wege«. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe des Bodensees.


Meine Meinung:

Vierhundert dramatisch beschriebene Seiten mit Schilderungen von Schrecken, Angst, Verunsicherung, Heimweh, Hunger, Schlägen und gröbsten Misshandlungen eines Kindes und seiner unschuldigen Seele habe ich beim Lesen verfolgt und der kleine Kaspanaze aus dem Bregenzer Wald, sowie die anderen Kinder aus Vorarlberg, Südtirol , der Schweiz, haben mir von Herzen leid getan. Ich bin froh, dass diese *Lesereise* nun ein Ende hat.  Dieses Buch ist keine schöne,  friedliche  oder romantische Lektüre des 19.Jahrhundert , sondern rüttelt unser Gewissen auf , alles, aber auch alles was Verantwortlichen  Menschen möglich ist , (auch heute),  für Kinder zu tun, damit kein Kind so schlimm leiden muss!

Und all das ist bei uns in Europa vor gar nicht so langer Zeit  passiert. Der Autor Elmar Bereuter beschreibt in seinem Buch die ärmlichen  und katastrophalen Lebensumstände der dörflichen Bevölkerung des Alpenraumes, des Allgäus, des Schwabenländle in Baden Württemberg, des 19. Jahrhundert in deutlichen und starken Bildern, die sich im Kopf festsetzen . Sein Schreibstil ist gut zu verstehen, wobei er sich auch an Dialektausdrücke und den damals dörflichen Umgangston gehalten hat. So wirkt dieses Buch sehr authentisch.  Kinder wurden als billige Saison-Arbeitskräfte verkauft, vermietet und ausgenutzt. Eine allgemeine Schulpflicht gab es kaum und war nicht verbindlich, viele Menschen waren Analphabeten. Ein Kinderschutzgesetz gab es noch lange nicht.  
Die Lebensumstände und der Hunger waren in vielen Alpentälern und Bergbauernhöfen  so präsent und  dringlich, dass viele Familien die älteren Kinder als Arbeitskräfte während der Sommermonate weggeschickt haben. Im März wurden die Kinder von Führern gesammelt und in langen, beschwerlichen Wanderungen in den Voralpenraum  zur Arbeit auf anderen Höfen und den Kindermarkt begleitet. Dort waren sie nun auf *Gedeih oder Verderb*, ohne Rechte und Fürsorge wildfremden Menschen ausgeliefert. In den Städten Ravensburg,Wangen, Friedrichshafen, Überlingen und vielen Orten im Allgäu gab es regelrechte, öffentliche Kindermärkte. 

Zitat aus den Erklärungen zu den Kindermärkten auf Seite 397: "Im ersten Drittel des 19. Jahrhundert dürften es jährlich über 4000 *Schwabengänger* gewesen sein. " 

Hinweise verschiedener Chronisten beschreiben diese Tradition der Kindermärkte schon bis in das 16. Jahrhundert zurück!    

Es ging oft gut und viele Kinder fanden eine neue Heimat, blieben sogar für immer auf dem neuen Hof, aber das war nicht der Normalfall. Aus dem Erleben und den Schilderungen des kleinen Kaspanaze ersteht eine einfache Welt aus dem Blickwinkel eines unschuldigen Kindes vor dem Leser. Die Grobheit, die den Kleinen entgegengebracht wurde, übertrugen viele Kinder in ihren Alltag. Raufereien und bösartige Streiche , besonders zwischen den  fremden Hüte-Kindern und den Einheimischen  waren an der Tagesordnung.

Vermisst habe ich im Buch ein Glossar, denn viele  bäuerliche Ausdrücke waren mir unbekannt. Die Erklärungen des Autors am Endes des Buch zu dem Phänomen Kinderhandel und seine geschichtlichen Hintergründe empfand ich als sehr aufschlussreich!  

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aufklärende Lektüre!

Mein Dank geht an den Autor und den Piper Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars !

Mittwoch, 7. November 2018

*KINDER HERZ* DAS LEBEN DER KAROLINA WEISS, ERSCHIENEN IM ECOWIN VERLAG

*WERBUNG*


REZENSION

Der Firnenglanz der Berge und die Tiefe einer Kinderseele

Das Mädchen Karolina wird auf der Alm groß. Sehr früh beginnt sie, ein Tagebuch zu führen. Sie schreibt über die Schönheit der Berge und Seen, über die Mühsal des Bergbauernlebens, die langen Arbeitsstunden, das Spiel mit den Geschwistern. Über Schneestürme mitten im Sommer, über die Gefahren durch herumziehende Räuberbanden. Detailgenau und faktentreu erzählt sie vom Alltag am Berg, von Arbeitsweisen und -gerät, vom Zusammensein mit der Familie, vom Essen und Trinken, von dem intimen Verhältnis zu Tieren. In schelmischem Ton berichtet sie von Gebräuchen und Ritualen, vom Leben eines Mädchens in einer Welt, die so nicht mehr existiert.

Die Autorin der Tagebuchaufzeichnungen:
Karolina Weiss wurde 1893 im salzburgischen Stuhlfelden geboren. Sie wächst in den Sommermonaten auf einer hochgelegenen Alm im Stubachtal und im Winter in der kleinen Gemeinde Stuhlfelden auf. Sie lebt das karge Leben der Bergleute, erfährt die Ungewissheit der Nachkriegsjahre 1919/20 und sieht sich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Auf ihrem späteren Lebensweg wird sie Hüttenwirtin, Kinderfräulein, wandert nach Holland aus, kehrt schließlich nach Österreich zurück und rekapituliert dort ihre seit früher Kindheit aufgeschriebenen Erinnerungen.


MEINE MEINUNG:  Karolina Weiss ( 1893-1986) hat in ihrem einfachen Leben viel Aufregendes und ein riesiges Stück Zeitgeschichte miterlebt und ihre Erlebnisse - in denen  sie hauptsächlich aus Kindheit und jungen Jahren erzählt, in Tagebuch- Aufzeichnungen, aus rückwirkender Blickweise (1945). 

Zitat Seite 261: " Irgendjemand wird es einmal lesen - vielleicht ein bisschen Freude damit haben und vielleicht auch ein wenig Nutzen daraus ziehen...,lautet die zurückhaltende, offenkundig nicht auf eine grössere Verbreitung der lebensgeschichtlichen Aufzeichnungen ausgerichtete Intention der Schreiberin gleich zu Beginn ihres Manuskripts."

Die Autorin hat ca. 1907 oder früher mit ihren Aufzeichnungen begonnen in kindlich, naiver Schreibweise, geschrieben ähnlich wie *Gesprochen*. Sie hat viele spezielle Dialektausdrücke ihrer österreichischen Heimat eingefügt, die mir nicht geläufig waren. Aus diesem Grund erfreute mich das grosse Glossar am Ende des Buches, welches ich öfter mit fragendem Blick aufschlagen musste. Zum Beispiel der Ausdruck Gleck, eine Gemisch aus Salz und Getreideschrot, fallweise auch gehackten Blättern oder Heublumen, als Beifutter für Rinder. Oder das Wort Fack (Schwein). Man kann diesen Schreibstil der Tagebuch-Erinnerungen auch als urig, lebensnah , amüsant und ausdrucksvoll beschreiben. Ich musste oft lächeln beim Lesen, aber mir wurde auch bewusst in welch hartem, oft brutalem Umfeld der abgeschiedenen Alpentäler, die junge Lina (Karolina) gelebt hat. Schläge gab es oft genug, Kinder hatten noch keine eigenen Rechte, sondern lebten in der Hoffnung auf das baldige Erreichen des *Weges zum Großmenschendasein* . Linas Denken und Innenleben waren mir oftmals sehr fremd, aber man bedenke immer wieder an die Zeit der Anfänge ihrer Aufzeichnungen  (vor dem Beginn des 1. Weltkrieges). Sie hatte sieben Geschwister und ihre Familie führte ein hartes Bergbauern - und Jägerleben! Niemand entrüstete sich in diesem Umfeld über körperliche Züchtigungen oder Kinderarbeit.  Der sexuelle Missbrauch von Kindern war auch damals keine Seltenheit, wurde aber von den Erwachsenen tabuisiert und übergangen. 

Sie wuchs sehr naturverbunden in der Schönheit der Bergwelt auf und diese frühen, prägenden Eindrücke haben ihre Kinderseele sensibilisiert und für das Schöne in ihrer Umwelt geöffnet. In vielen Zeilen und auch volkstümlichen eigenen Dichtungen  kommt diese Liebe zur Heimat und Familie immer wieder in ihren Einträgen zur Geltung. Sie war ein kluges Kind und hat früh von Mutter und Grossmutter gelernt ihre Gedanken und Eindrücke auf dem Papier festzuhalten. Vielleicht wäre sie mit ihrem Talent zum Schreiben und besserer Ausbildung in einer anderen Zeit sogar eine Literatin geworden?

Mit vierzehn Jahren begann für sie der *Ernst des Lebens*.  Eine Station ihrer LEBENS-REISE war die Stellung als Bademeisterin in Innsbruck, die sie mit lustigen Erlebnissen spickt. Auch die fröhlichen Zeiten bei Onkel und Tante gibt sie freudig und munter wieder.  Sie besuchte sogar eine Handelsschule.  Auf jeden Fall ist sie Dank ihrer inneren Stärke und Festigkeit zu einer selbstbewussten und starken Frau herangereift, die in ihrem Leben sogar in Holland war und Südtirol bereist hat als Vertreterin für Maggi Erzeugnisse!!

In dieser Lektüre, basierend auf den Tagebuchaufzeichnungen, sehen wir nur Fragmente ihres Lebens, denn die Orignal-Manuskripte sind sehr viel umfangreicher als in diesem Buch dargestellt werden konnte. 

Das umfangreiche und wichtige Nachwort von Mag Günter Müller ( Institut für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte, Universität Wien, Doku Lebensgeschichten) , erzählt noch zusätzlich Tatsachen und interessante Informationen zum Leben der  Karolina Weiss. 

Mein Dank geht an den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplares. 

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** STERNE für diese sehr interessante Darstellung eines Frauenlebens ihrer Zeit !  

 




Mittwoch, 31. Oktober 2018

*Zurück nach Fascaray* von Annalena McAfee, erschienen im Diogenes Verlag

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REZENSION

Inhalt/Klappentext:

Nach einer schmerzhaften Trennung zieht Mhairi McPhail mit ihrer Tochter von New York nach Fascaray. Auf der abgelegenen schottischen Insel, von der ihre Familie stammt, erwartet sie ein neues Leben – und ein Forschungs­auftrag über den exzentrischen Grigor McWatt, der zu einer Art Natio­naldichter geworden ist. Eine Identitäts- und Spurensuche vor grandioser Landschaft, in der Mhairi über McWatt – und sich selbst – Überraschendes erfährt.

Mehr zum Inhalt
Fascaray – eine abgelegene schottische Insel, deren Natur grandios und deren Einwohner rauhbeinig, humorvoll und liebenswert sind. Annalena McAfees fiktive Insel verkörpert alles, was Schottland ausmacht: seine dramatische Landschaft und ebenso dramatische Geschichte, seine Eigenständigkeit und Eigenwilligkeit. Hier strandet, nachdem ihre langjährige Beziehung in New York Schiffbruch erlitten hat, die Literaturwissenschaftlerin Mhairi McPhail. Nicht nur liegen ihre eigenen Wurzeln in Fascaray, sie schreibt an einer Biographie über den Inseldichter Grigor McWatt, einen Exzentriker, Eigenbrötler und stolzen schottischen Patrioten, der mit dem Text zum Song ›Zurück nach Fascaray‹ weltberühmt geworden ist. Doch während Mhairi und ihre neunjährige Tochter Agnes sich an die Rhythmen des Insellebens gewöhnen, stößt sie bei ihren Nachforschungen auf immer widersprüchlichere Informationen zum »Barden von Fascaray« – und auf ein Geheimnis, das mit einer großen, tragischen Liebe verquickt ist.

Autorin: Annalena McAfee

Annalena McAfee wurde in London als Tochter einer Schottin und eines irischen Vaters aus Glasgow geboren. Sie war Kunst- und Literaturredakteurin bei der ›Financial Times‹ und gründete die Kunst- und Literaturbeilage des ›Guardian‹ und die ›Saturday Review‹, die sie sechs Jahre lang herausgab. ›Zurück nach Fascaray‹ ist nach ›Zeilenkrieg‹ ihr zweiter Roman. McAfee lebt mit ihrem Mann Ian McEwan in der Nähe von London.

Meine Meinung zum Buch:

Das wunderschöne Cover mit dem türkisfarbenen Strand , im typischen Diogenes-Layout gehalten,  hatte mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich hatte nach kurzer Zeit ca. 980 Seiten in  der Hand. Trotzdem war das Format handlich, gut zu lesen, da die Seiten hauchdünn bedruckt waren. 
Nach der Verlagsinfo freute ich mich nun auf die aufregende Zeit auf dieser schottischen Insel. Doch wo lag sie?? Ich fand sie nicht in der realen Welt und auch der exzentrische Autor Grigor McWatt war für mich unauffindbar. Nach vielen Seiten ungestörten Lesegenusses und des Verfolgens der Ausführungen der beiden Hauptprotagonistinnen Mhairi und ihrer Tochter Agnes kam mir ein leiser Verdacht, der mir fast unglaublich erschien. Ich recherchierte - und tatsächlich bewahrheiteten sich meine Gedanken .  Die Insel und der Inselbarde waren eine rein fiktive Erfindung der exzellenten Autorin Annalena McAffe.  Aber das Schottland, welches sie in ihrem intelligent und interessant aufgezogenen Buch vorstellte, war sehr real. Ich schwelgte in herrlichen Landschaftsbeschreibungen, Kochrezepten der schottischen Küche, schottischer Geschichte und Literatur, Pflanzen- und Tierlisten, Berichten über Fauna, Flora, Wetter und schottischen menschlichen Originalen, sowie über Auflistungen von schottischen Ausdrücken , die mich fast verführt hätten, diese Sprache zu erlernen. All das fand sich im sogenannten McWatt-Kompendium, einer Art Tagebuch des fiktiven Gelehrten. 

Die Beziehung von Mhairie zur Tochter Agnes und dem  vielleicht wahren Grund ihres Forschungsaufenthaltes auf der Insel kamen auch nicht zu kurz. Kann die Liebe zur Heimat  tatsächlich so gross sein, dass Mhairie tatsächlich dort für einige Zeit mit der Tochter leben mochte, oder war es eine Flucht aus unglücklichen Lebensumständen?

Ich habe immer wieder gestaunt über die Beharrlichkeit und Überzeugungskraft der Autorin diese fiktiven Ausführungen so verständlich und realistisch zum Leser zu transportieren. Es hat sich gelohnt, diese vielen Seiten zu geniessen und ich werde das Buch sicher öfter in die Hand nehmen um etwas nachlesen.  
Dieses Buch ist ein wahres Juwel und ein *MUSS* für jeden Schottland Liebhaber/rin !  

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für dieses grossartige Werk!

Mein Dank geht an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!


Dienstag, 30. Oktober 2018

*Die Jahre der Leichtigkeit* von Elizabeth Jane Howard , erschienen bei dtv Deutsche Verlagsgesellschaft

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Wer sich die kommenden dunklen Monate mit einer langen , ausufernden Familiensaga versüssen möchte, sollte nun mit dem ersten Teil dieser fünfteiligen Reihe beginnen. Band zwei dieser Reihe erscheint am 30. November 2018 . Ich bin noch mittendrin im England dieser Zeit, im ersten Band,  und voll begeistert dabei. Infos zur Autorin, die 2014 verstorben ist, nachfolgend:



Lebenslauf von Elizabeth Jane Howard

Wenn Bücher das Leben spiegeln: Es ist nicht leicht, die Romane von Elizabeth Jane Howard auf ein Genre festzulegen. Von Liebesgeschichten bis zu Familiendramen haben sie eines gemeinsam: Sie sind fest verwurzelt im Leben der Autorin und dem England ihrer Zeit. Elizabeth Jane Howard wurde 1923 in London geboren, wo sie später Domestic Sciences und Drama studierte. Sie arbeitete als Model, Schauspielerin und Moderatorin, bis 1951 ihr erster Roman erschien. „The beautiful Visit“ erzählt von einem jungen Mädchen, das den Zwängen des Familienlebens entflieht. Sie erhielt dafür den John Llewellyn Rhys Prize. Der Nachfolgeroman „The Long View“ beschreibt die Chronologie einer Ehe, beginnend mit deren Ende. Howard selbst war dreimal verheiratet, aus ihrer ersten Ehe stammt eine Tochter. 2002 verarbeitete sie all dies in ihrer Autobiografie „Slipstream“. Berühmtheit erlangte Howard erst spät in ihrer Karriere. Die Familiensage „Cazalet Chronicles“, über das Leben von drei Generationen einer gutbürgerlichen englischen Familie in den Jahren 1937 bis 1957, wurde ihr erfolgreichstes Werk. Die Romane sind eng an Howards eigene Familiengeschichte angelehnt sowie an die historischen Veränderungen im England dieser Zeit. Der letzte der fünf Bände erschien 2013 und war damit Howards letzter Roman vor ihrem Tod im Januar 2014.

Klappentext/Inhalt:
Band 1: England, 1937. Zusammen mit ihren Familien kehren die Cazalet- Brüder Hugh, Edward und Rupert wie jeden Sommer in das Haus ihrer Kindheit im Herzen von Sussex zurück. Vor ihnen liegen herrlich lange Ferienwochen. Doch die unbekümmerte Stimmung ist trügerisch: Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten voraus, und auch innerhalb der Familie schwelen Konflikte.



Hier findet ihr eine Leseprobe: https://bic-l.de/9AuT90

Meine Meinung:  Nun bin ich endlich am Ende des ersten Bandes dieser beeindruckenden und warmherzig geschriebenen Familiensaga angekommen. Dieser erste Band von fünf folgenden ist in zwei Teilen von der im Jahr 2014 verstorbenen Autorin verfasst worden und macht den Leser mit den vielen Personen der Familie Cazalet bekannt. Ein ausführlich aufgezeichneter Stammbaum auf den ersten Seiten erleichtert das Zurechtfinden in der grossen Familie ungemein. Englisches Landleben einer hochangesehenen und wohlhabenden Grossfamilie vermittelt dieser Roman mit zeitlich gebundenen Wertvorstellungen aus den damaligen Gesellschaftskreisen. Höflichkeit, Bescheidenheit und das Vermeiden von Kränkungen anderer Menschen stand an erster Stelle im Benimm-Kodex. Über alle Familienmitglieder und ihre Verhaltensweisen und auch Gesundheit wachte die über siebzigjährige Dutchy mit ihrem Ehemann Brig. Ihre drei Söhne, Schwiegertöchter und Enkel verehrten sie unglaublich und die ledige Tochter Rachel hielt es ebenso.

Der Schreibstil liest sich gut und flüssig. Ich bin gebannt den Ausführungen und Vorstellungen , auch der Kinder-Charaktere gefolgt. Es entstanden Bilder von warmen Nachmittagen im duftendem Rosengarten der Dutchy vor Augen, sowie auch Strand - und Badeausflüge zum Meer mit Picknick und spannende Tennismatches innerhalb der bunt gemischten Familie untereinander im Kopf. Die Zeiten der mit allen Familienmitgliederns einzunehmenden Mahlzeiten wurden streng eingehalten , sowie auch Ruhezeiten nach dem Mittag für alle. Alle Eigenheiten der erwachsenen Kinder von Dutchy und Brig hat die Autorin liebevoll  und individuell ausgearbeitet , auch die Kindercharaktere der Enkel werden mit absolutem Einfühlungsvermögen in ihre Psyche dargestellt. Der Ferienalltag, vom Dienst-Personal bequem vorbereitet und in vielen Alltagsszenen geschildert, macht fast neidisch. Diese Familie hat unglaublichen Luxus trotz aller Bescheidenheit als normal und selbstverständlich gefordert und hingenommen.
Es war einfach eine andere Zeit! Eben ein grosses Anwesen mit viel Personal. Geldprobleme gab es nicht. Ein paradiesischer Zustand denkt man als Leser, aber es lauern  unausgesprochene, angedeutete Beziehungskonflikte, die heutigen zwischenmenschlichen Problemen nicht unähnlich sind. Das angeblich harmonische Familienleben ist oft  nur ein gewünschter, äusserer Schein, der nicht der Wirklichkeit entspricht. Auch der drohende Ausbruch eines neuen Krieges lässt dunkle Wolken aufziehen und die allgemeine Harmonie und Zufriedenheit bekommt Risse.
Ich möchte hier nicht jede Person vorstellen, das würde zu weit führen. Den eigenen Eindruck muss und kann sich jeder Leser persönlich erlesen. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit  der Menschen ist auch in dieser Familie unglaublich gross und beeindruckend. Dieses Buch gibt jüngeren Lesern einen guten Einblick in eine vergangene Welt und ältere Leser erinnern sich eventuell wehmütig an diese Jahre vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieg zurück.  

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese grossartige Familiensaga. 

Herzlichen Dank an den dtv-Verlag für dieses fantastische Rezensionsexemplar. Ich bin sehr gespannt auf die folgenden Bände.       


Dienstag, 23. Oktober 2018

*Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben* von António Lobo Antunes, erschienen im btb Verlag

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Info Link zum Verlag und Autor

Vita des Autors und der Übersetzerin:
António Lobo Antunes (Autor)

António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren und hat Medizin studiert. Während des Kolonialkrieges war er als Militärarzt in Angola, arbeitete danach in der Psychiatrie und war lange Jahre Chefarzt in einer Psychiatrischen Klinik in Lissabon. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Sein umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Preisen, zuletzt dem Camões-Preis, ausgezeichnet und ist in vierzig Sprachen übersetzt.

Maralde Meyer-Minnemann (Übersetzerin)

Maralde Meyer-Minnemann, geboren 1943 in Hamburg, erhielt 1992 den "Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen", 1997 den Preis "Portugal-Frankfurt", 1998 den "Helmut-M.-Braem-Preis" und wurde 2005 für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert.


INHALT/KLAPPENTEXT:

Eine Frau Anfang fünfzig fährt für ein Wochenende an den Strand. Das Ferienhaus ihrer Familie, an der Atlantikküste nördlich von Lissabon gelegen, ist verkauft worden, und sie möchte Abschied nehmen, ihren Erinnerungen an die Kindheit, an die gemeinsamen Sommer dort nachhängen. Doch die Vergangenheit bricht regelrecht über sie herein, und der Kurzurlaub gerät ihr zur Abrechnung über ihr Leben, zur Rückschau auf das ganze Drama ihrer Existenz. In diesen drei Tagen weichen ihre Erinnerungen an die glücklichen Zeiten der Kindheit einem immer bedrohlicheren Strudel der Verzweiflung …

Rezension

Meine Meinung: 

Es ist auch sicher nicht jedem Leser gegeben dieses Buch zu lesen. Der komplizierte und anspruchsvolle Schreibstil braucht einige Zeit um beim Lesenden im Kopf anzukommen und die Sortierung der Aussagen des Autors  sind nicht einfach zu erledigen. Wenn man sich allerdings nach vielen Seiten anstrengenden Lesegenusses darauf eingestellt hat, funktioniert es gut.

Drei Tage aus dem Leben der nicht bei Namen genannten ca. fünfzigjährigen Frau werden vom Autor in drei Teilen beschrieben. Je mehr ich in das Buch, die Stimmung und die Charaktere der Frau, ihrer Kindheit, ihrer Eltern und der zwei Brüder eingetaucht bin, desto grösser wurde mein Unbehagen und ein unbestimmtes Gefühl von Traurigkeit, Mitleid, Verstehen und Nicht-Verstehen ergriff mich. Dieses Buch machte mich depressiv und ich habe es immer wieder aus der Hand legen müssen, da es mich bedrängt und verfolgt hat. Es endet tragisch, bitter - für die Familie und auch für die Frau.

Hier eine Kostprobe des Schreibstils:

Zitat Seite 63/64

" - Ich bin hier

wie auch das Fahrrad

-Ich bin hier

und die Pullis meines ältesten Bruders in der Schublade 

-Wir sind alle hier

in dem Augenblick, als ich es gebraucht hätte, dass er mich

huckepack nahm, im Garten eine Runde im Galopp drehte und

ich glücklich

-Schneller

ich so glücklich

-Schneller Bruderherz

und wir springen über ein Beet, zwei Beete, der Brief an

die Vase gelehnt und der Krankenwagen, darin ein Ertrunke-

ner, wir springen über die Leute an der Gartenpforte, die leisen

Gespräche

-Ganz schnell Bruderherz"

Ich hoffe ihr konntet einiges aus dem Schreibstil erlesen, der recht ungewöhnlich ist. 
Dieses wehmütig verfasste Buch hat mich nicht wirklich erreicht und begeistert, aber es ist mit Sicherheit ein gutes Buch vom bekannten und angesehenem Autor António Lobo Antunes!
Meine subjektive Bewertung: *** Drei gute Sterne!

Mein Dank gilt dem Autor und dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!