Donnerstag, 26. Januar 2017

*Die Flügel der Freiheit* von Tilman Röhrig, erschienen bei Piper/Pendo Verlag



Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :04.10.2016
  • Aktuelle Ausgabe : 04.10.2016
  • Verlag : Pendo Verlag
  • ISBN: 9783866123342
  • Fester Einband 480 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Belegte Historie und Fiktion über Martin Luther und seine Zeit . Eine sehr gelungene Mischung....
Meine Meinung über dieses Buch folgt in den nächsten Tagen! 


                                                                               REZENSION


Inhalt:
 Der Roman spielt zur Zeit der Reformation durch Martin Luther und seiner Zeitgenossen wie dem ehemaligen Weggefährten und dann Widersacher Thomas Müntzer, dem Künstler Lucas Cranach d.Ä. und Melanchthon, Philologe und Philosoph, der auch eine treibende Kraft der Reformation war, die dann letztendlich den grausamen und schrecklichen 30 jährigen Krieg in Europa ausgelöst hat,,,,

Meine Meinung:
Es ist ein Buch für Leser, die sich mit Religion und Glaube auseinandersetzen möchten.

Zitat  von Martin Luther aus Seite 345: „der Glaube…“,Luther hieb die Faust auf den Tisch,“ der Glaube ist nicht abhängig vom Verstand!“ Er atmete tief. „ Mit Euren überstürzten Veränderungen können niemals Flügel der Freiheit wachsen. Zu allem radikal Neuen stellt ihr enge und viel strengere Regeln auf.“ Wieder trank Luther, leerte den Krug bis auf den Grund.

Mit vielen, recht derben, authentischen Beschreibungen der Spässe und Bemerkungen aus der Feder des Reformators Martin Luther spart der Autor absolut nicht. Ich bin schnell in die etwas altmodisch anmutende Sprache des Buches hineingekommen und fand mich sofort in dieser Zeit zurecht. 
Der Roman hält einen tollen Spagat zwischen Geschichtswahrheit und Fiktion eines historischen Roman parat. Sie ist nie trocken und langweiliger Geschichtsunterricht , sondern es bauen sich lebendige Bilder, gerade auch der wichtigen Personen, auf. Mir wurde zum Beispiel erst beim Lesen klar , dass zum Beispiel Thomas Müntzer eine recht gespaltene und komplizierte, fanatische Persönlichkeit war, die das einfache Volk wirklich zum Aufstand, Gewalt und Blutvergiessen verführt hat. 
Luther war eigentlich gemässigt, wollte langsam und vorsichtig eingefahrene Weltanschauungen verändern , immer auch mit Blick und Vorsicht  auf die politisch Mächtigen seiner Zeit. Dem Judentum stand er sehr kritisch gegenüber - vorsichtig ausgedrückt. All diese Verflechtungen wurden mit fiktiven Personen  - zum Beispiel  der Liebesgeschichte zwischen Barthel und Dorlein mit Leben gefüllt. Ich bin durch die Seiten geflogen und hab immer wieder in dem sehr gut gestaltetem Glossar nachschauen können, wer nun eine reale Person dieser Zeit war und wer aus der phantasievollen Feder des Autors entsprang, es war sehr gut gekennzeichnet. Auch die schön gestaltete, einfache Karte im Einband des Buches war eine tolle Hilfe zur räumlichen Orientierung der mitspielenden Orte. 

Für mich war dieses Buch ein schöner Einstieg und Einführung in das sogenannte *Lutherjahr* und ich kann eine absolute Leseempfehlung mit fünf Sternen aussprechen.

Vielen Dank an den Piper Verlag / Pendo Verlag und den Autor  für die Bereitstellung des schön gebundenen Rezensionsexemplares.


Montag, 23. Januar 2017

*Gärtner-Latein* von Richard Bird, erschienen bei der DVA

Werbung
Gärtner-Latein, Von den Geheimnissen der Pflanzennamen
Richard Bird, übersetzt von Stefan Leppert
144 Seiten, Hardcover
Deutsche Verlags-Anstalt, 2016, ISBN 978-3-421-04033-6, 14,99 Euro
                                                        REZENSION
Ein wunderbares, fein mit bunten Blumenblüten und Gräsern bebildertes Büchlein auf jeder Seite im handlichen Format. Es ist eine kleine Erkennungshilfe für den Hobbybotaniker und/oder den Freizeit-Gärtner für seine Pflanzen, der des Lateinischen nicht mächtig ist. Das Buch beschreibt und übersetzt botanische Begriffe vom Latein in die deutsche Sprache, Blumennamen und ihre Beschreibungen, wie Farbe, Aussehen, Lebensraum.
Es ist  in verschiedene Lebensräume eingeteilt, wie Lebensraum Gebirge, Wald, offene Landschaft, Feuchtland und widmet sich jedem Lebensraum auf einigen Seiten , auch in Bezug auf Standort, Kontinente, Länder, Orte, Himmelsrichtungen, Duft, Geschmack, Farben und Blütenformen.
Hübsch und ansprechend illustriert von Dawn Cooper wirkt es bescheiden und ist etwas für Blumenfreunde, die über  Herkunft der Blumen , Ihrer Namen und Eigenschaften rasch Informationen nachschlagen möchten.
Als praktische Hilfe zum Gärtnern kann ich es leider nicht empfehlen, eher ist es ein ansprechendes Mitbringsel für den wissbegierigen Blumen - und Pflanzenfreund, der kein Latein beherrscht.

In dieser Kategorie verdient es fünf Sternchen.
Herzlichen Dank an DVA und den Autor für das nette Leseexemplar. 




Freitag, 20. Januar 2017

Richtig leben ...und dann tu, was du willst, Jürgen Domian erschienen als TB im Penguin Verlag

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :22.09.2014
  • Aktuelle Ausgabe : 09.01.2017
  • Verlag : Penguin
  • ISBN: 9783328100867
  • Flexibler Einband 224 Seiten
  • Sprache: Deutsch

                                                                            REZENSION

    Inhalt:  Jürgen Domian berichtet in diesem Buch über seine eigenen spirituellen Lebenserfahrungen mit dem Zen-Buddhismus und beschäftigt sich mit den sieben Todsünden aus der christlichen Morallehre, die von vielen anderen Religionen auch immer wieder aufgezählt werden.
    Es sind der HOCHMUT, die GIER, der NEID,  der ZORN, die WOLLUST, die VÖLLEREI , die TRÄGHEIT. 
    Der Autor bezieht sich in seinen eigenen Ausführungen in diesem Buch auch auf auf den deutschen Denker Immanuel Kant mit dessen Fragen nach dem Sinn des Lebens, die ich hier kurz aufführe:
    Was kann ich wissen?
    Was soll ich tun?
    Was darf ich hoffen?
    Was ist der Mensch?
    Herr Domain schöpft auch aus seinen Gesprächen , die er in vielen  öffentlichen Sendungen beim WDR mit  tausenden Menschen geführt hat. 

    Eine dunkle Seite des Denkens mit negativen Widersprüchen - fett gedruckt im Buch  - widerspricht immer wieder und zeigt eine allgemeingültige, egoistische und kommerzielle Lebensanschauung unserer Gesellschaft auf.

    Meine Meinung: Das Buch lässt sich schnell, flüssig und leicht lesen. Der Schreibstil ist einfach gehalten, sehr gut verständlich für jeden Leser. Herr Domian ist begeistert von der Lehre des Zen-Buddhismus, gibt aber gleichzeitig  ehrlich und offen zu , nur an der Oberfläche dieser Lebenseinstellung zu kratzen. Das hat mir gut gefallen, denn in diese, aus einer völlig anderen spirituellen Welt stammenden Geisteshaltung einzudringen, erscheint mir schwierig zu sein.
    Den Titel des Buches „Richtig leben“ finde ich nicht so passend ,denn es ist kein Ratgeber, wie man vermuten könnte. Allerdings die Unterzeile  „…und dann tu, was du willst“ , deutet das schon an.
    Eine Anregung zum eigenen Denken und vor allem Anstiftung zum selbstständigen, verantwortlichem Handeln ist es aber auf jeden Fall. Es macht Mut eigene Wege im Leben zu gehen und prangert immer wieder den Materialismus und den Egoismus in unserer Gesellschaft an. Ob dieses Buch tatsächlich Menschen in eine andere Geisteshaltung ziehen kann , sei dahingestellt, aber möglich ist ja bekanntlich alles in unserem Leben,,,,

    Ich vergebe gerne VIER  Sterne und bedanke mich beim Penguin Verlag aus der Random House Gruppe und dem Autor für die Bereitstellung des Taschenbuch.

      Sonntag, 8. Januar 2017

      *Die Zwillinge* von TESSA DE LOO, erschienen im Diana Verlag

      Werbung


      Ein imposantes Zeitdokument des 20 .Jahrhundert - verwoben mit der Lebensgeschichte eines weiblichen Zwillingspärchens, welches in jungen Jahren getrennt wurde.

      Zitat Seite 82 :" Knirschend schoben sich die Schichten der Zeit übereinander.Vor dem Krieg,nach dem Krieg, die Jahre der Wirtschaftskrise, vor hundert Jahren..."


      Buchdetails

      • Erscheinungsdatum Erstausgabe :01.05.1997
      • Aktuelle Ausgabe : 13.06.2016
      • Verlag : Diana
      • ISBN: 9783453359079
      • Flexibler Einband 528 Seiten
      • Sprache: Deutsch
       Eine ausführliche Rezension erfolgt demnächst ! 

                                                                         REZENSION


      Inhalt: Die Zwillinge Anna und Lotte werden als Kinder im zarten Alter von sechs Jahren (1922) in Köln getrennt und verbringen ihre Kindheit in unterschiedlichen Lebensräumen. Anna wächst bodenständig auf einem Bauernhof im Teutoburger Wald auf und Lotte lebt bei Verwandten in Holland. Sie verlieren infolge der Kriegsereignisse fast jeden Kontakt zueinander, obwohl beide in Gedanken oft bei der anderen Schwester sind.
      Zufällig treffen sich die beiden älteren Damen , (1990), inzwischen vierundsiebzig Jahre alt, wegen arthritischer Beschwerden in einem Spa wieder und knüpfen vorsichtig Kontakt miteinander, erzählen sich ihre Lebensgeschichte,,,,

      Meine Meinung: Die niederländische Autorin TESSA DE LOO lässt die beiden alten Damen abwechselnd, aber chronologisch aus ihren jeweilig eigenen Erinnerungen erzählen. Die Zeitgeschichte nach 1922 wird ausführlich beschreiben, das hat mich sehr angeregt und an die Erzählungen meiner Eltern und Grosseltern erinnert, die plötzlich wieder sehr lebendig vor mir standen. Anna , die es nicht leicht hatte in einem einfachen Dorf, umgeben von Gewalt , wenigen Bildungsmöglichkeiten und richtiger Armut war mir sehr sympathisch. Sie war eine Kämpferin und hat sich nie aufgegeben.
      Lotte, ein Kind von kränklicher Gesundheit, hat sich mit ihrer neuen Umwelt und holländischen Familie sehr identifiziert und wurde eine *echte Holländerin* vom Charakter und Handeln.
      Dieses Erzählen der beiden Frauen ermöglicht dem Leser die Zeit von 1922 - 1945 aus den verschiedenen Blickwinkeln der Holländer und der Deutschen zu verfolgen. Ein tolle, sehr persönlich beschriebene Geschichtsstunde des Zeitgeschehens. Es geht um gegenseitige Schuldzuweisungen der beiden Völker wegen des  2.Krieges, Missverständnisse, Vorurteile und eingefahrenen Denkweisen. Lotte findet auch nach langer Zeit kein echtes Versöhnen mit Deutschland und ihren Wurzeln, obwohl Anna immer wieder um Verständnis und Verstehen bittet mit ihren Erzählungen. Interessant fand ich auch die deutlich unterschiedliche Darstellung der beiden Charaktere von Anna und Lotte. Anna, immer positv und voller Tatendrang, korpulent und lebenslustig trotz herber Schicksalsschläge. Lotte, zart, zurückhaltend, spröde, eingestellt voller Bitternis zu ihren deutschen Wurzeln.
      Ein wenig schade fand ich, dass die Zeit nach 1945 in den Unterhaltungen der beiden alten Damen gar nicht zur Sprache kam. Wir erfahren fast nichts darüber. Ich denke, es ist aber von der Schriftstellerin mit Absicht so gestaltet worden.
      Das Anliegen von TESSA DE LOO war es, die deutsch-niederländischen Beziehungen  vor und nach dem 2. Weltkrieg , anhand persönlicher Lebensgeschichten, dem Leser nahe zu bringen.
      Das ist ihr mit diesem Buch voll und ganz gelungen.
      Eine absolute Leseempfehlung mit fünf Sternchen von mir!


      Herzlichen Dank für das Leseexemplar an RandomHouse und die Autorin.


      *Das Blut der Pikten*, Zach/Bauer im Heyne-Verlag

      Werbung
                           


                                                                            Rezension
      Inhalt: Die Ureinwohner Britanniens, die Pikten haben sich im Jahr 937 A.D. nach Grönland zurückgezogen , um der Ausrottung in ihrer ursprünglichen Heimat zu entgehen. Die Lebensbedingungen sind hart, es gibt strenge Winter und sie leben dort recht abgeschieden von anderen Volksgruppen. Bis eines Tages ein Schiff der Nordmänner strandet und die Schiffsleute eine Seuche in sich tragen und die Pikten  damit infizieren. Diese beschliessen nach langem Zögern in ihre alte Heimat zurückzukehren und ein Teil des Volkes macht sich auf den Weg über das Meer,,,,,

      Meine Meinung:

      Ich  musste mich regelrecht zwingen im oben abgebildetem Buch weiter zu lesen.Es ist kein typisch historischer Roman in meinen Augen, sondern eher eine oberflächliche Zusammenstellung von Fakten, ungenau beschriebenen , viel zu vielen Personen, deren Charaktere einfach in ein paar Sätzen angerissen wurden und die dann nie oder nur noch selten wieder auftauchten. Nur die drei Geschwister um den Protagonisten Kineth erhalten meine Sympathie in der Geschichte. Der Roman ist nicht einmal  besonders blutig oder mit brutalen Szenen ausgestattet. Ich habe einfach keinen echten, fesselnden, roten Faden gefunden. Das Glossar wird superklein gehalten, wohl um den Leser nicht zu überfordern . Dabei bin ich eigentlich frohgemut auf diese Geschichte eingegangen - endlich über die Ureinwohner Britanniens - die sagenumwobenen Pikten, etwas zu erfahren. Teilweise sind diese Erwartungen auch erfüllt worden. Zumindest weiss ich nun, dass sie wohl intensiv tätowiert waren. Ich habe trotz allem keinen echten Zugang gefunden und mich durch das Buch gequält. Leider. Ich vergebe mit ungutem Gefühl nur drei Sternchen.


      Herzlichen Dank an den Heyne-Verlag, RandomHouse und die beiden Autoren für die Bereitstellung des Buches.

      Dienstag, 3. Januar 2017

      Eine Sommerreise mitten im Winter,,,

      Werbung


      Diese quirlige Familiengeschichte lässt sich locker und fluffig herunterlesen,,,amüsant , charmant und voller Gefühle...

      Rezension folgt bald,,,,,

                                                                  REZENSION


      Inhalt: Lola Lessing, Lehramtstudentin aus München fährt mit ihren Eltern und Geschwistern sechs Wochen nach Cornwall in  den kleinen romantischen Fischerort St.Yves.
      Ihre Grossmutter hat sie alle dorthin sehr bestimmend eingeladen, ohne einen Grund für diesen überraschenden Familientreff in England  zu nennen,,,,nur der Tod des von allen sehr geliebten Grossvaters  vor einem Jahr, erscheint allen plausibel zu sein für diese Einladung. Sie wollen ihre Grossmutter in diesem Schmerz natürlich nicht allein lassen und folgen diesem anscheinend harmlosen Urlaubsaufenthalt. Allerdings gibt es nach der Ankunft eine für alle etwas  kränkende Überraschung. Die über Siebzigjährige Grossmutter wird wieder heiraten,,, die Turbulenzen und das Gefühlskarussell innerhalb der Familie kommt in Gang,,,,

      Meine Meinung: Mit einem quirligen und charmanten Schreibstil präsentiert Anne Sanders diesen netten Familienroman. Stimmung und Atmosphäre entführen den Leser sofort in den nach Seeluft und Urlaub riechenden Küstenort und Hafen von St. Yves in Cornwall. Die Charaktere der Familienenprotagonisten werden dem Leser sympathisch, humorvoll und sehr lebensnah  präsentiert und man kommt sehr schnell in diese Geschichte hinein. Nur die Grossmutter erscheint vom Charakter her kühl, korrekt und etwas unnahbar zu sein. 
       Der Roman wird in zwei Zeitebenen erzählt. Erstens im Heute und Jetzt  einer ganz normalen Familie aus München, die ihre Zeit zusammen in Cornwall geniessen möchte. Die junge Lola verliebt sich heftig in diesem Sommer in den jungen, attraktiven Musiker Chase. Auch ihr siebzehnjähriger Bruder vergnügt sich mit einem Urlaubsflirt und den Eltern kommt es auch sehr gelegen vom ehelichen Alltag etwas Abstand zu bekommen. Zweitens erlesen wir die Jugend der Grossmutter aus den Fünfziger Jahren und ihre geheime Liebesgeschichte (sie ist 15 Jahre alt) mit dem Musiker Sam, den sie in St. Yves kennen und lieben lernt. 
      Ich möchte nicht so viel verraten, da eigentlich nicht viel mehr als Gefühls - und Befindlichkeitsbeschreibungen der Protagonisten in  dieser Geschichte zu erlesen sind. Vertrauen und ein unerschütterliches Zusammengehörigkeitsgefühl bringen die Familienmitglieder immer wieder zusammen, trotz aller Unterschiede. Es passiert nicht viel und trotzdem fliegt man begeistert von Seite zu Seite und erfreut sich an Liebe, Gefühl und ausgelassener Stimmung - dazu trägt auch die prickelnd, erotische Beziehung von Lola und Chase bei.

      Manchmal habe ich mir nicht soviel Länge gewünscht und war beim Lesen etwas gelangweilt, der Ausgang dieser Urlaubsgeschichte  war doch ziemlich offensichtlich und ich war dann froh über das Ende des Romans. Gerne vergebe ich vier Sterne.


      Herzlichen Dank an den Blanvalet-Verlag, RandomHouse und die Autorin für diese zauberhafte Sommergeschichte, die mich im Winter aufgeheitert hat.





      Mittwoch, 28. Dezember 2016

      Wege, die das Leben geht - erschienen bei btb-Verlag, RandomHouse

      Werbung
      Werbung

      Veränderungen im Leben einer chaotischen jungen Frau

      Alkohol, Dunkelheit, Orientierungslosigkeit, Frauenschicksale - diese vier Begriffe fallen mir auf Anhieb bei oben genannter Lektüre ein. Aber möchte Eyja dieses wirklich aus ihrem Leben verbannen? Eher doch  die Mutter , die Grossmutter und deren Freundin Runa möchten Eyja zu ihrer wirklichen Passion führen - DEM SCHREIBEN .

      Ich bin auf Seite 202 des Buches und fasziniert von diesem ganz anderen Island, es ist nicht das Island der gewaltigen Naturerlebnisse, wie wir es meist sehen - sondern ein gewaltiges Gefühlsdrama,,,,


                                                         Rezension



      Inhalt: Ein Island der Westfjorden - ein Island verschiedener Generationen . Die sehr junge Eyja hat ihr Leben selbst in die Hand genommen. Alkohol, Drogen, Party-Leben und allgemeine Orientierungslosigkeit haben sie dazu gebracht einen älteren , bodenständigen Mann aus den Westfjorden, der auch ihr Vater sein könnte, zu heiraten. Sie liebt und lebt sorglos mit dem alkoholkranken Garri und ihrer Schwester Agga zusammen und ist  selber auch dem Trinken nie abgeneigt. Ein seltsames Trio. 

      Endlich greifen Mutter, Grossmutter und Cousine Runa ein und schlagen Eyja einen Aufenthalt in Schweden vor, um sie vor Garri und seinem zweifelhaften Einfluss auf das junge Mädchen zu schützen. Ausserdem glauben sie an die Begabung der jungen Eyja für das Schreiben und möchten ihr die Ruhe und Gelegenheit in einem abgelegenen, schwedischem Sommerhaus an einem See geben um diese Neigung zu erweitern.

       Eyjas Grossvater war Literatur-Nobelpreisträger und sein Ruhm strahlt leuchtend in der Familiengeschichte. Auch Eyjas Mutter hat erfolgreich Kolumnen für Zeitungen geschrieben, aber durch familiäre Belastungen (Vier Kinder und eigene Alkoholprobleme) irgendwann damit aufgehört. Hat Eyja diese Familienbegabung und Passion für die Literatur geerbt?


      Meine Meinung: Ein schwer zu lesendes Buch, Sätze und Abschnitte kann man auf keinen Fall leicht überfliegen. Zum Glück ist es in drei Abschnitte eingeteilt und zusätzlich noch in kleine Kapitel mit sehr ausdrucksstarken Überschriften. Zeitsprünge sind schwer und nur aufmerksam zu erlesen, tragen aber sehr gut zum Verständnis der Familiengeschichte und Eyjas Persönlichkeit bei. Zum Beispiel ein Zitat über Eyjas Empfinden auf Seite 87 „Umgeben von Trauernden wird man zum Nichts“ , oder auf Seite 89 „Das Dorf, so wie es vor der Lawine gewesen war, sollte Eyja erst ein Jahr später wieder betreten,nachdem sie entdeckt hatte,dass sie mit einer Schreibmaschine in die Vergangenheit reisen konnte.“  
      Auch Eyjas Grossmutter wurde zum Schreiben nach Schweden geschickt und zwar kurz nach der Geburt von Eyjas Mutter, die dadurch als kleiner Säugling von ihrer Mutter getrennt wurde und weinend monatelang in den Armen anderer Frauen der Familie lag. Die Geschichte ist ein Verwobensein der Lebensgeschichten von Grossmutter, Mutter und Enkelin - immer mit dem Anspruch des Schreibens neben dem Familienleben und der unbändigen Lebenslustdroge ALKOHOL. Sehr treffend beschrieben im Kapitel „Durst“ auf Seite 319. Zitat: „Ihre Tochter hatte gejammert.Sie war so durstig gewesen, dass der Durst sie das ganze Leben hindurch begleiten sollte. Was war mit ihr los gewesen?“ Inmitten, eher über diesen komplizierten Familienbanden, steht immer der literarische Grossvater mit seinem Ruhm. Andere Männer der Familie schrumpfen meist in die Bedeutungslosigkeit und werden von den drei Frauen beliebig oft ausgetauscht. 
      Ich habe lange gebraucht um Eyja und ihre charakterliche Entwicklung zu verstehen und auch um Sympathie für sie zu entwickeln. Oft endeten meine eigenen Gedanken bei ihren chaotischen Handlungen in *Wie kann sie nur,,,,*

      Eine schwieriges, aktuelles Problembuch - auch über Alkohol und den intellektuellen Anspruch einer begabten Familie. Es ist sehr lesenswert und atmosphärisch dicht geschrieben und ich vergebe gern fünf Sterne . Eine Herausforderung für den interessierten Leser. 
      Herzlichen Dank an den btb-Verlag bei RandomHouse für die Bereitstellung des Leseexemplar.

      Montag, 19. Dezember 2016

      *Porträt einer Ehe* von Robin Black, LUCHTERHAND

      Werbung
      Dieses Buch fesselt, Gus die Malerin und Owen, der Schriftsteller, sie verbindet eine innige Gemeinschaft - bis jetzt! Sie haben sich beide auf das Land zurückgezogen - leben ruhig - ohne eigene Kinder. Kann das gutgehen? Sind sie sich selber genug?? Was ist mit Freunden und Familie los? Ich muss dringend weiterlesen,,,,,

      REZENSION

      Inhalt: Gus, eine begabte Malerin und Owen, der Schriftsteller, beide Ende des 40. Lebensjahrzehnt führen eine ruhige und harmonische Ehe . Sie sind von der Stadt auf das Land in eine altes entlegenes Farmhaus gezogen, haben Freunde und Bekannte hinter sich gelassen , um ihrer künstlerischen Schaffenskraft neuen, ruhigen Entfaltungsraum zu geben. Sie verstehen sich auch ohne grosse Worte, oft nur durch Blickkontakt und kurze zärtliche Körperberührungen. Owen nutzt zum Schreiben ihre etwas dunkle, alte Scheune und Gus ein helles, schönes Atelier im Wohnhaus. Gus ist eine in sich gekehrte , etwas schüchterne Persönlichkeit, stammt aus einem strengen jüdischem Elternhaus. Sie hat die Mutter im Alter von zwei Jahren verloren, ihre über alles geliebte herzliche Schwester Charlotte starb vor sechs Jahren. Zum an Demenz erkrankten Vater und zur anderen Schwester hat sie wenig Kontakt.  Die schüchterne Gus hatte eine aufregende Affäre vor Jahren mit Bill , die sie ihrem geliebten Owen gebeichtet hatte. Plötzlich zieht die Malerin Alison in ein  leerstehendes Farmhaus - in Sichtweite vom Grundstück der beiden Künstler. Owen und vor allem Gus beginnen eine etwas erzwungene Freundschaft mit  der geheimnisvollen Alison und deren Tochter Nora,,,,

      Meine Meinung: Eine Freundschaft, die sich als immerwährende, unterschwellige Bedrohung der Zweisamkeit von Gus und Owen darstellt. So vermittelt die Autorin diese beginnende Beziehung mit den Worten „In den letzten Tagen vor seinem Tod besuchte mein Mann Alison jeden Tag.“ (Seite 9) . Eigentlich passiert in dieser Geschichte über eine ganz normale Ehe nicht viel. Die Ich-Erzählerin Gus schaut zurück auf ihre Ehe, die aus biologischen Gründen kinderlos geblieben ist. Sie reflektiert immer wieder ihre leidenschaftliche Affäre mit Bill, auch spricht sie mit der neuen Freundin Alison darüber, da Owen dieses Thema strikt meidet und ablehnt. Robin Black beschreibt mit ganz viel Dichte und Einfühlungsvermögen die Gefühle und Stimmungen dieses künstlerischen Paares. Auch die Schreibblockade von Owen und die Hemmungen beim künstlerischem Malen von Gus kommen nicht zu kurz. Laine, eine der anderen drei Protagonisten, die Tochter von Bill , spielt eine starke Rolle als Kinderersatz und später auch als Malkollegin für Gus. Gus hat Laine lange Malunterricht gegeben - und auch Lebenshilfe. 
      Dann kommt Nora, die 22 jährige Tochter von Alison,  ins Spiel - und alles verändert sich zwischen Owen und Gus. Nora bewundert Owen sehr und hat selber eigene literarische Ambitionen. Die Persönlichkeit von Gus hat Robin Black sehr zartfühlend und sensibel beschrieben, gerade auch als sie sich um ihren an Demenz erkrankten Vater kümmern muss. Gus ist sich ihrer harmonischen und feinen Beziehung zu Owen so sicher, dass sie erst spät bemerkt, das sich Owen langsam und vorsichtig zurückzieht und sich ihr entfremdet,,,,,
      Ein schönes Buch, eine tolle Prosa, die uns Robin Black mit diesem Werk geschenkt hat.  Sie hat es geschafft die Stimmungen und Gefühle dieser starken Partnerschaft einzufangen, auch die langsam aufkommenden Zweifel und und das sich ändernde Vertrauen in dieser Partnerschaft zueinander. Zwei bezeichnende Sätze für dieses poetische Schreiben möchte ich noch aufführen.

      Zitat Seite 139: „Ich brauchte nur zu zeichnen. Oder zu malen. Beziehungsweise es nicht einmal tatsächlich zu tun, sondern es mir nur vorzustellen; darüber nachzudenken, was mein nächstes Bild werden würde, mich umzusehen und nicht mehr Mütter und Kinder wahrzunehmen, sondern nur noch Gegenstände, Personen, Oberflächen, Licht.“
      Ganz bezeichnend für dieses Buch und diese Ehe ist auch der folgende Satz auf Seite 54 :“ In einer Ehe laufen oft zwei Gespräche nebeneinander ab. Das, das man gerade führt, und das, das man gerade nicht führt. Manchmal weiss man nicht einmal, wann dieses zweite, stillschweigende , begonnen hat.“

      Fünf Sterne sind dieser berührenden Lektüre gewiss und ich bedanke mich herzlich beim Luchterhand Verlang, RandomHouse und der Autorin für das schöne gebundene Leseexemplar.



      Samstag, 17. Dezember 2016

      *DER SCHNEE,DAS FEUER, DIE SCHULD UND DER TOD* von Gerhard Jäger, Audio CD,Randomhouse

      Inhalt: Der 80 jährige Amerikaner John Miller macht sich auf die Reise nach Österreich um das plötzliche Verschwinden seines  Cousin , dem Wiener Historiker Max Schreiber vor 50 Jahren, aufzuklären. Die Geschichte spielt in einem kleinen, sehr urigem Bergdorf in Tirol.  Der Historiker Max Schreiber  wollte einen 100 Jahre zurückliegenden Mord und die damaligen Geschehnisse an einer Hexe wieder aufrollen. Diese sogenannte Hexe soll damals verbrannt worden sein. Schreiber versucht bei den Dorfbewohnern mehr darüber zu erfahren, stösst aber nur auf Schweigen und Ablehnung. Er verliebt sich mit Leidenschaft in die schwarzhaarige, stumme Maria. Doch plötzlich geschehen Unglücke im Dorf, ein Mord an einem Bauer, Lawinenabgänge.
       John Miller versucht anhand von Archivarbeit aufzuarbeiten, was damals wirklich passiert ist. Allerdings schweifen seine Gedanken oft zu seiner Frau Rosalind, die bei einem Feuer vor 12 Jahren umgekommen ist.
       Meine Meinung: Beim Hören sind meine Gedanken immer wieder  spazieren gegangen, ich habe lange gebraucht um überhaupt zu begreifen, worum sich diese Geschichte dreht. Die Atmosphäre  des abgeschiedenen Bergdorfes, der kalte Winter mit Schneelandschaft und Lawinenabgängen haben mich zwar gefesselt, aber diese Naturbeschreibungen konnten meinen Unmut immer nur kurzfristig vertreiben. Immer wieder dachte der alte Mann an Ereignisse mit seiner verstorbenen Ehefrau. Das hat mich laufend aus der eigentlichen Geschichte herausgerissen und genervt, wobei der Autor sich natürlich etwas dabei gedacht hat, welches mit dem Ende der Geschichte zusammenhängt.  Ich vergebe ungern nur zwei Sterne, aber leider kann ich mich nicht für mehr begeistern. Vielleicht lag es auch am Medium Hörbuch, dass ich nicht so oft nutze.
      Herzlichen Dank an Random House Audio für die Bereitstellung.



      Aklak, der kleine Eskimo, Spuren im Schnee, von Anu Stohner. Hörbuch, cbj

      Inhalt:
      Aklak, der kleine Eskimojunge findet eine Spur im Schnee von einem Eisbärjungen. Er wird neugierig auf das Tierbaby und verfolgt mit seinem Schlitten und Husky Tuktuk die Spuren im Schnee. Eigentlich weiss er genau, dass die Eisbärmama in der Nähe sein wird und mit ihr ist nicht zu spassen. Sie wird ihr Kleines mit Klauen und Zähnen vor menschlichen Kontakten beschützen. Auch durch einen aufkommenden Sturm gerät Aklak zusätzlich in eine tödliche Gefahr. Aber Aklak hat viele Freunde, die auf ihn achtgeben.

      Meine Meinung: Durch wunderschöne Musik und die langsam sprechende, sehr ruhige Stimme von Sigrid Burkholder verzaubert diese spannende Geschichte. Die Freundschaft mit anderen  Eskimo-Kindern und den sprechenden Tieren Robbe, Schneehase und Schneehuhn und dem allwissenden Wal werden entzückend dargestellt. Ein Hörerlebnis für Kinder ab 6 Jahren. Leider hat der Husky Tuktuk keine sprechende Stimme bekommen , dafür ein vernünftiges Bellen. Aber 6-jährige Kinder verstehen ja schon ein wenig, dass Tiere in unserer Realität keine menschliche Sprache beherrschen.
      Jüngere  Geschwister-Kinder unter 5 Jahren sollten besser nicht mithören. Die Geschichte könnte manche Ängste und Bedenken bei Ihnen auslösen...
      Herzlichen Dank an Randomhouse  und den Autor für die Bereitstellung der AudioCD.
      Werbung