ÜBER MICH:
Ihr möchtet sicher wissen, wer in diesem Literaturgarten arbeitet und ich versuche ein wenig über mich zu schreiben. Bücher haben mich von kleinauf fasziniert und auch heute gehören sie immer noch zu meinen täglichen Begleitern. Inzwischen bin ich dreiundsechzig (63 ) Jahre alt und ich liebe es über das Lesen mit anderen Menschen zu kommunizieren,,, egal ob jung oder alt. Meine anderen Interessen gehören der Natur, dem Garten, dem Fotografieren und natürlich meiner lieben Familie ( Ehemann, erwachsene Kinder und Enkel), die oft den Kopf schüttelt über meine geistige Abwesenheit ;-) , aber es sehr lieb toleriert. Über jeden Kommentar von meinen Lesern freue ich mich und er wird natürlich beantwortet,,,,

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Sonntag, 3. September 2017

*Wo drei Flüsse sich kreuzen* von Hannah Kent, erschienen im Droemer Verlag


Hardcover, Droemer HC
01.09.2017, 432 S.

ISBN: 978-3-426-19979-4


Rezension

INHALT:  
Wir schreiben das Jahr 1825 in Irland/County Kerry.
Nóra lebt seit  dem plötzlichen  Tod ihres innig geliebten Ehemannes einsam und abgeschieden mit ihrem Enkel Micheál in ihrer einfachen, mit Reet gedeckten Kate. Micheál ist der Sohn ihrer verstorbenen Tochter Johanna, der von dem Vater des Jungen  zu den Grosseltern in Obhut gegeben wurde. Micheál ist vier Jahre alt, ungewöhnlich zart und nicht altersgemäß entwickelt. Nóra sorgt sich sehr um den Kleinen und stellt nach dem Tod ihres Ehemannes Martin die vierzehnjährige Mary Clifford als Magd ein , die sich um das Kind kümmern soll. Die abergläubische Bevölkerung des abgeschiedenen Tales ist der festen Überzeugung, dass der zurückgebliebene Junge ein Wechselbalg ist, ein sogenanntes Feenkind.
 Nóra sucht Hilfe  für das kranke Kind bei der geheimnisvollen, alten  Kräuterfrau, Heilerin und Aussenseiterin Nance Roche, die die *Gabe*besitzt  mit der Anders-Welt und dem *guten Feenvolk* Kontakt aufzunehmen.
Eine verhängnisvolle Geschichte voller Heimlichkeit, Brutalität und Missverständnissen zwischen drei Frauen und der  in alten Traditionen und Aberglauben  verhafteten Talbevölkerung nimmt nun ihren tragischen Verlauf,,,

Zitat Seite 370. 
Beschreibung von Mary:
Sie war doch nur ein Mädchen vom Moor. Ein Mädchen von binsenbewachsenem, torfigen Grund, aus dem die Erde schwarz herausquoll und auf dem man immer Gras, Staub oder Lehm unter den Füßen hatte, nie Kopfsteinpflaster oder die lackierte Oberfläche von Holz.

Zitat Seite 51
 Nór’as Schicksalsschlag:
„Dein Sohn bleibt dein Sohn , bis er heiratet, aber deine Tochter bleibt deine Tochter , bis du stirbst. Und jetzt auch noch deinen Mann zu verlieren…Gott ist wirklich grausam: Er nimmt die , die wir am meisten lieben, am ehesten zu sich.“

Zitat Seite 215
Nance Roche, die Heilerin mit der Gabe: 
Nance saß in der Dunkelheit ihrer Kate und beobachtete durch die offenstehende Tür , wie das sterbende Jahr sich dem Schnee ergab. Die Nacht senkte sich heilig, als ob die Herrlichkeit Gottes im Wechsel von Hell zu Dunkel wohnte. In ihren zerlumpten Umhang gehüllt, hörte sie die Stille laut wie eine Klosterglocke. In dieser Nacht würden sie beginnen. Mit der Heilung. Dem mysteriösem Flehen. Dem Auftrennen alter Magie.

MEINE MEINUNG:
Lange hat mich ein Buch nicht so beeindruckt wie das Obige, denn es ist eine wahre Geschichte. Das Cover versetzte mich schon beim Betrachten in eine angespannte Stimmung voll unheimlicher Vorahnungen. Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt und jedem Kapitel wird als Titel eine Kräuterpflanze gewidmet wie zum Beispiel die Wasserschwertlilie, Nesseln , das Kreuzkraut oder auch einem Baum wie der Esche. Der Schreibstil der Autorin, den ich schon in ihrem Buch *Das Seelenhaus* genossen habe, ist total flüssig, einprägsam , voll beeindruckender , bildhafter Sätze und fantasievoll. Ihre zarten und stimmigen Naturbeschreibungen der irischen Landschaft haben in meinen Augen sogar eine poetische Nuance.  Hannah Kent hat sich intensiv mit dem irischen Volks- und Brauchtum  beschäftigt und hervorragend in alten Archiven und Bibliotheken recherchiert.  Sicher hat sie auch alte, mündliche Überlieferungen aus der heutigen Bevölkerung einfliessen lassen. Für viele Ereignisse setzt sie sogar  gälische Begriffe in kursiver Schreibweise ein. Piseógs zum Beispiel sind Flüche, schlechte Wünsche, die man auch bildlich mit Steinen und Pflanzen errichten kann. Die inneren Widersprüche und Konflikte zwischen christlich-katholischem Glauben und alten , heidnischen Bräuchen,  die in der Bevölkerung zu dieser Zeit brodelten, hat sie perfekt und glaubhaft dargestellt. Irisches Landleben der damaligen Zeit pur. 
Die Armut und Unwissenheit  der Menschen vor der grossen Hungersnot und Auswanderungswelle in Irland sind mir durch diese Lektüre  wirklich zu Herzen gegangen. Was auch gerade Frauen durch Kindbett, Schwangerschaft und Armut aushalten mussten, war unglaublich.

Der Arzt der Armen ist der Tod.
Liagh gach boicht bas

Für dieses spannende und ungewöhnliche Buch gibt es eine absolute Leseempfehlung von fünf ***** Sternen von mir.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Droemer Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar.








Kommentare:

  1. Hallo liebe Angela,
    wieder einmal eine sehr interessante Rezension und bei 5 Sternen wo für Dich ein wahres Lesehighlight. Darüber freue ich mich sehr.
    Dieses Buch spricht mich ausnahmsweise gar nicht an- vielleicht auch gut so, da ich mal langsam an meinen SUB-Stapel denken muss :)
    herzlichste Grüße und einen tollen Sonntag
    Andrea

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    1. Liebe Andrea , es ist doch super, dass jeder Mensch ganz eigene , persönliche Lesevorlieben entwickelt. Ich finde es toll , dass Du so aufmerksam gelesen und kommentiert hast,,,
      LG Angela

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  2. Jetzt habe ich sie entdeckt, die Rezension! Sehr schön und absolut etwas für mich! "Das Seelenhaus" habe ich als Hörbuch noch zu Hause. Bin sehr auf die Autorin gespannt! Dieses Buch ist auf meine Wunschliste gewandert. Danke dafür!

    GlG vom monerl

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    1. Bitte liebe Moner, sehr gerne :-) .
      *Das Seelenhaus * von Hannah Kent habe ich nächtelang gebannt auf meinem Reader gelesen - auch gleich nach dem Erscheinen,,,
      LG Angela

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  3. Liebe Angela,

    Geschichten um 1800 sind nicht das, was ich bevorzugt lese, aber die Zitate die du ausgesucht hast, machen mich allein literarisch total neugierig. Und du hast recht, ich habe deinen Beitrag auf Facebook gesehen und blieb neugierig an dem Cover hängen und so bin ich hier und entdecke deine schöne Rezension.

    Liebe Grüße

    Nisnis

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    1. Schön Nisnis, das freut mich, dass Du neugierig geworden bist. Hannah Kent schreibt in meinen Augen sehr eindrucksvoll und ich hoffe, sie bekommt eine gute Resonanz zu diesem Buch,,,,
      LG Angela

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