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Donnerstag, 1. Oktober 2026

*Das Vogelhaus* von Jan Weiler - erschienen im Heyne Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

MEINE MEINUNG ZUM BUCH : 

Der 36 jährige Leonard Beck führt als Dramaturg an einem Theater in Berlin ein typisches Grossstadtleben. Bis er seinen Job verliert. Er reist nach Hause zu seinen Eltern an den Niederrhein. Ein Brief seiner Mutter erreichte ihn. Ihre Nachricht: "Das sogenannte  *Vogelhaus* soll verkauft werden". Im Heimatort angekommen überfallen ihn schockartig Erinnerungen an seine Kindheit, Jugend, seine Zivildienst Zeit vor fünfzehn Jahren. Er erinnert sich an den liebenswerten Ari und an den burschikosen Patrick mit seinen queeren Weltvorstellungen, seine beiden etwas älteren Kollegen. Viele seiner damals pflegebedürftigen *Kunden* kommen ihm wieder in den Sinn. Sie sind in seinem Kopf so präsent wie damals.  Da ist sofort das sogenannte *Vogelhaus* mit seinen Bewohnern. einem alten Mann und vier grossen Aras in Vogelvolieren. Das Haus steht nun zum Verkauf und Leonhard taucht ab in seine Vergangenheit und Beziehung zu damals, seinem Bewohner Herrn Schwabe und den vier alten Ara Vögeln. Er sieht seine damalige Situation nun mit dem Abstand eines Erwachsenen. 


Die gesamte Grundstimmung des Buches hat mich beim Lesen mit Grusel, Entsetzen, Betroffenheit, Ekel und Verständnis für die erzählte Zeit des jungen Leonard erfüllt. Der Autor Jan Weiler hat mich mit seinem gekonnten flüssigen Schreibstil, gespickt mit psychologischem Feingefühl, in die damalige Zivildienstzeit des jungen Leonard Beck geführt. Ich wurde immer tiefer in die schaurigen Fantasievorstellungen der drei jungen Männer Leonard, Ari und Patrick hineingezogen und habe zeitweise, ebenso wie sie, Horror Vorstellungen von Mord, Totschlag und Menschenquälerei, geschehen im Vogelhaus, im Kopf gehabt. 

Es entwickelt sich allerdings auch eine andere, wichtigere Seite im spannenden Erzählton. Das Aufzeigen der Arbeit von  Zivildienstleistenden Heranwachsenden im Buch. Junge Männer, die damals den *Dienst an der Waffe für unser Land* , damit das Töten im Krieg ablehnten, wurden zum Zivildienst in vielen Bereichen verpflichtet. So erging es auch Ari, Patrick und Leonard. Sie fütterten und bekochten alte, verwirrte Menschen, putzten, kauften Lebensmittel ein , halfen Kindern und Jugendlichen bei den Schulaufgaben, begleiteten pflegebedürftige Menschen zu Behandlungsterminen in Krankenhäuser. Sie waren sich für keine Arbeit zu schade. Bis hin zur Totenwache bei versterbenden Menschen.

Leonard erfährt während seines Besuches neue, emotional geprägte Beziehungen zu seinen Eltern, erinnert sich an den verständnisvollen Freund Ari und fasst einen mutigen Entschluss:

Er wird das Vogelhaus kaufen und sich seinen scheusslichen,  sowie den prägend guten Erfahrungen von damals stellen,,,,

FÜNF ***** Sterne für dieses hervorragende Buch über die Schönheit des Lebens und seine  Grausamkeit von Menschen in unserer Gesellschaft.  


INHALT/KLAPPENTEXT: 

Ein Buch über das Heimkehren — und über die Orte, die mehr über uns wissen als wir selbst.

Wenn Leonard Beck nach seiner Post sieht, ahnt er stets das Schlimmste. Und tatsächlich ist es ein unscheinbarer Brief seiner Mutter, der ihn nach Jahren zurückruft an den Niederrhein: Ein Haus steht zum Verkauf. Und obwohl dieses Haus keine guten Erinnerungen weckt, zieht es ihn magisch an. Leonard, der gerade seine Stelle am Theater verloren hat, reist in die Heimat und damit in seine Vergangenheit. Er trifft auf Menschen, die ihm einst wichtig waren. Und immer wieder steht er vor dem unscheinbaren Haus, dessen Geheimnis er damals nicht lüften konnte. Jetzt aber will er ihm auf die Spur kommen, stellt sich endlich seinen Ängsten – und macht dabei Entdeckungen fürs Leben.

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt's nicht!« gilt als eines der erfolgreichsten Debüts der letzten Jahrzehnte. Es folgten unter anderem »Antonio im Wunderland«, »Mein Leben als Mensch«, »Das Pubertier«, »Älternzeit« und die Kriminalromane um den überforderten Kommissar Martin Kühn. Auch seine Romane »Der Markisenmann« und »Munk« standen monatelang auf der Bestsellerliste. Neben seinen Romanen verfasst Jan Weiler Kolumnen, Drehbücher, Hörspiele und Hörbücher, die er auch selbst spricht. Er lebt in München und Umbrien.


Jede Woche veröffentlicht er eine neue Geschichte unter www.janweiler.de/


https://www.penguin.de/buecher/jan-weiler-das-vogelhaus/buch/9783453443716


Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


Montag, 28. September 2026

*Das Jahr der Wale* von Kelly Anderson - erschienen im Droemer Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Meine Meinung zum Buch:

Die Autorin entführt uns an die Küste von British Columbia/Kanada und präsentiert als Debütroman eine märchenhaft anmutende, poetisch geschriebene Geschichte mit mystischen Andeutungen von alten Ozean Legenden, Walgesängen und stimmungsvollen Naturerlebnissen auf dem Meer und der grossen, alten Küstenwald Landschaft.   

Die junge Annie ist ein *Kind des Meeres* in wahrer Bedeutung dieser Worte. Geboren während einer Wassergeburt im Salzwasser des Ozeans, aufgefangen von ihrem Vater und Arzt Aiden, erlebt sie zu Beginn ihres Lebens die frische Gischt des Ozeans, die Leichtigkeit ihres Körpers im Salzwasser. Das Schwimmen im Meer wird zeitlebens eine Leidenschaft für sie bis zu einem dramatischen Ereignis.
Ein riesiger Tsunami  zerstört den Küstenort  und schneidet ihn von der Aussenwelt ab. Annies Eltern sind auf ihrem Segelboot verschollen. Sie ist traumatisiert, überlebt mit Evan und Ruth. Sie begegnet beim Herumstreifen  am Strand  dem unbekleideten Walker, dessen geheimnisvolles Summen nur sie hören kann. Diese Töne  beruhigen sie. Annie  fasst Vertrauen,  Zuneigung, findet  ja sogar Liebe bei ihm,,,,
  
 Aiden, Mara, Annie ,zeitweise auch der gleichaltrige Evan, lebten vor dem Tsunami auf einem Segelboot an der Küste von Landing's Hale. Aiden, ein ausgebildeter Arzt hatte seine sichere Stelle in einem Krankenhaus aufgegeben um seiner Frau Mara und der kleinen Annie ein Leben ohne Konventionen und Schulzwang auf dem  Segelboot *Athritite* zu ermöglichen. Seine Mutter Ruth wachte über der jungen Familie und bot ihnen jederzeit einen Zufluchtsort an Land. 

Die Freiheit jederzeit dem Meer, seinen Geschöpfen hautnah begegnen zu können,  prägen Annie und ihren Kinderfreund Evan von kleinauf. 

Annies Mutter Mara lebt den beiden Kindern diese Begeisterung für das Meer und seinen  Lebewesen vor. Sie wurde von Aiden nackt, fast ertrunken, mit einer Amnesie am Strand, zu Beginn ihrer Ehe gefunden. Evan's Mutter Celeste verstarb jung und er findet bei Mara, Aiden, Annie und  Grossmutter Ruth eine liebevolle Ersatzfamilie. Evan's eigensinniger, auf  gierigen Profit aus lebender Vater Isaac, leitet ein örtliches Holzfäller Unternehmen. 

Auch als erwachsene Frau zeichnet Annie eine besondere Sensibilität aus. Sie kann mehr hören und spüren als andere Menschen, reagiert sensibel und ängstlich auf Geräusche und vor allem auf das geschäftige Leben an Land.  Evan und Annie verlassen zusammen die zerstörte Landzunge nach dem Tsunami und bauen sich ein neues Leben in Vancouver auf..... 

Doch ihre gemeinsame  Vergangenheit auf dem  Meer und  speziell Annie's Sensibilität für Walkers wieder plötzliche Anwesenheit, gekennzeichnet durch das Summen,  nur für Annie zu vernehmen, holen sie immer wieder ein,,,,, 

VIER **** STERNE

  

INHALT /KLAPPENTEXT: 

Manchmal muss man verloren gehen, um nach Hause zu finden ...
Der bewegende Roman Das Jahr der Wale erzählt von einer jungen Frau zwischen zwei Welten: zwischen Land und Meer, Sicherheit und Sehnsucht, Liebe und Bestimmung.
Ein Liebesroman und eine Ode an die Natur und von Reese Witherspoon zum Reese's Book Club Pick für August 2026 ausgewählt! 
Annie MacLeod hat schon immer gespürt, dass sie anders ist. Ihre Kindheit verbringt sie hauptsächlich auf einem Segelboot vor der Westküste Kanadas, denn ihre Mutter erträgt es nicht, längere Zeit vom Meer getrennt zu sein. Doch in Hale’s Landing wartet Evan auf Annie, und als die beiden erwachsen werden, wird aus der Kindheitsfreundschaft etwas Tieferes.
Eines Tages bleibt Annie zum ersten Mal allein bei Evan, während ihre Eltern segeln gehen. In dieser Nacht zerstört ein Tsunami ihre ganze Welt. Annie ist an Land gestrandet, ihre Eltern kehren nicht zurück. Am Strand rettet Annie einen jungen Mann aus den Fluten. Walker scheint stumm zu sein, trotzdem spürt sie sofort eine seltsame Verbindung. Als würde etwas in ihm zu etwas in ihr sprechen, das ihr selbst verborgen ist.
Dann soll Hale’s Landing evakuiert werden, und Annie muss entscheiden, wohin ihr Herz gehört …
Eine Geschichte über Familie, Liebe und die Magie der Natur in uns und um uns: poetisch, bewegend und mit Bildern, die im Kopf bleiben. 
"Mögen Sie fesselnde, magische Geschichten mit unvergesslichen Schauplätzen, die zu wunderbaren Gesprächen anregen? Dann werden Sie dieses Buch lieben!" Reese Witherspoon, Reese's Book Club Pick August '26
Kelly Andersons wunderbar philosophischer Roman verbindet eine große, emotionale Geschichte über Familie und verschiedene Arten von Liebe mit eindringlichen Bildern. Die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur spricht direkt zu unserer wilden Seele.

Dr. Kelly Anderson ist Assistenzprofessorin an der University of Toronto und Ärztin. Sie absolvierte unter der Leitung von Meg Wolitzer und Christina Baker Kline das Bookends Novel Fellowship und ist zertifizierte Schreibtrainerin. Mit ihrer preisgekrönte Non-Profit-Organisation Understory leitet sie Schreibkurse für Ärztinnen, die diese zu sich selbst und ihren Instinkten zurückführen sollen. Sie tritt außerdem als Rednerin zu medizinischen Themen im Radio und in Podcasts auf. Kelly verbrachte ihre Kindheit im Meer und an den Stränden von British Columbia, jetzt lebt sie mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Ontario. Das Jahr der Wale ist ihr Debütroman.


Herzlichen Dank an die Autorin und den Droemer Verlag  für das gebundene Rezensionsexemplar mit dem wundervollen Cover.  








 



Mittwoch, 16. September 2026

*Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange - erschienen im DuMont Verlag*

 

*Werbung, unbezahlt*

Meine Meinung zum Buch:  

Die  50-jährige Liliane hat einige emotionale  Veränderungen in ihrem Leben hinter sich. Die Scheidung von ihrem Ehemann versucht sie mit einem Urlaub in Spanien zu verarbeiten. Ihr gemeinsamer, erwachsener Sohn befindet sich auf einer längeren Reise, verlässt das Familiennest.  Liliane braucht Abwechslung und Erholung vom Familienleben. 

Plötzlich bekommt sie eine alarmierende Nachricht aus Schottland: ihr 89-jähriger, geliebter Vater ist während einer Schottlandwanderung mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen. Aufgelöst und erschrocken macht sie sich sofort auf den Weg zu ihm. Direkt von Spanien nach Schottland. Mit dem Auto.

 Wir begleiten Liliane in ihrer Gedankenwelt, die in den Zeiträumen ihres Lebens hin und her springen. Mal erinnert sie sich an Wanderungen mit der Familie aus ihrer Kinderzeit, in der ihr Vater als starker und glänzender Held und Retter der Familie aus schwierigen Situationen dasteht. Aber immer wieder kommen auch schmerzliche Erinnerungen an ihre früh verstorbene Mutter in ihr hoch. Liliane war erst zwölf Jahre alt und hat sich rührend um ihre beiden  Geschwister gekümmert, eine enge Bindung zu ihnen und dem Vater aufgebaut. 

Während sie den schwächlichen Vater  beim zweiten Aufbruch seiner Highland Wanderung begleitet,  kurz nach dem Herzinfarkt, sieht sie plötzlich viele Familien Ereignisse der Vergangenheit in einem anderen Licht.  Er möchte unter allen Umständen diese Wanderung beenden . Sie kann ihm diesen Wunsch nicht abschlagen und möchte ihn begleiten, umsorgen, auf ihn achten. Sie versucht nicht streng zu bewerten, sondern den Vater auch in seiner aktuellen, schwierigen Situation am Ende des Lebens zu verstehen. Sie respektiert seinen  brennenden Wunsch diese Reise, die er als junger Mann schon einmal allein gemacht hat, zu wiederholen. Doch die Vergangenheit lässt sich nur in Fragmenten in die Gegenwart integrieren. Das müssen Liliane und ihr Vater traurig  akzeptieren,,,,, 

Eine fünfköpfige Familie baut sicher ein kompliziertes Beziehungsgeflecht bis zum Erwachsenwerden der Kinder miteinander auf, welches sich im Lauf der Zeit und der persönlichen Umstände verändert. Doch unverbrüchlich bleibt eine Liebe zueinander, deren Grundstock zwischen Eltern und Kindern gelegt wurde. Auch wenn sie Fehler machten in der Erziehung und dem Einschätzen der Bedürfnisse aller Mitglieder. Diese Erkentnis machte Liliane auch während ihrer gescheiterten Ehe.....

Der berührende und einfühlsam verfasste Roman hat viele emotionale Schwingungen in mir ausgelöst, angefangen von  Ur-Ängsten bis  hin zum  liebevollen Verstehen und Mitfühlen mit den Protagonist*innen und deren Verhaltensweisen. Das hat die Autorin klar und deutlich in ihrem schönen und spannendem  Schreibstil darstellen können. Die wunderschönen, leisen und bunt  untermalten  Bilder der einsamen Highland Landschaft Schottlands waren ein zusätzliches Lesehighlight im Buch. 

Atmosphärisch stimmig, berührend verfasst,  ist dieser Roman eine absolute Leseempfehlung für mich  mit FÜNF ***** Sternen.  


 Inhalt/Klappentext: Als Liliane von ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurückkommt, erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Schottland: Ihr 89-jähriger Vater ist allein in die Highlands gereist und hat in der Wildnis einen Herzinfarkt erlitten. Noch in Strandschuhen und T-Shirt fährt Liliane ihm nach, um ihn nach Hause zu holen. Doch ihr geschwächter Vater will nur eines: bis zur nördlichsten Spitze Schottlands laufen, wie damals als junger Student. Liliane sieht keine andere Möglichkeit, als ihn zu begleiten. Gemeinsam brechen Vater und Tochter in die alten Pfade der Highlands auf. Sie übernachten in Feldsteinhütten, werden von Unwettern überrascht und sprechen zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte – die Kriegskindheit des Vaters in Potsdam, den frühen Tod seiner Frau, Lilianes Mutter. Während der einst so starke Mann sich auf seine Tochter stützen muss, erkennt Liliane, wie sehr die Härte ihres Vaters ihre Beziehungen zu Männern und das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der letzte Weg des Vaters wird für seine Tochter zu einem Aufbruch.

Ein atmosphärisch dichter und einfühlsamer Roman über die Neubegegnung zweier Menschen, die sich lange fern waren.

ALEXA HENNIG VON LANGE, geboren 1973, wurde mit ihrem Debütroman ›Relax‹ (1997) zu einer der erfolgreichsten Autorinnen ihrer Generation. Seitdem hat sie mehr als 25 Romane veröffentlicht, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Bei DuMont erschien zuletzt die ›Heimkehr‹-Trilogie: ›Die karierten Mädchen‹ (2022), ›Zwischen den Sommern‹ (2023) und ›Vielleicht können wir glücklich sein‹ (2024). Hennig von Lange lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern in Berlin. www.alexahennigvonlange.de

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar!


Montag, 7. September 2026

*Die Rettung* von Charlotte McConaghy

 *Werbung, unbezahlt , selbst gekauft*

*Hörbuch*

Mein Höreindruck:

Diese Hörbuchfassung , gelesen von der abwechslungsreichen Stimme von Elisabeth Günther hat mich stundenlang gefesselt und in einem magischen Sog auf die Insel Sheerwater Island gezogen. Eine kleine Insel, im Nirgendwo zwischen der Antarktis und Australien gelegen. Sie ist eine verlassene Forschungsstation, beherbergt aber einen wertvollen Saatgutbunker mit den gesammelten  Schätzen unserer Erde. Doch der Klimawandel macht auch dort nicht Halt.  Sheerwater Island ist bedroht von Überflutung, Zerstörung durch den steigenden Meeresspiegel. Die dort lebenden Tiere werden verloren sein. Nur der letzte Verwalter der Station Dominic Salt mit seinen drei Kindern harrt dort noch aus und wartet auf die Evakuierung mit einem Schiff.  Kurz bevor das geschieht taucht Rowan auf, eine schiffbrüchige,  geheimnisvolle, fast ertrunkene Frau. Die Familie rettet sie , nimmt sie auf und pflegt sie.  

Der Roman strotzt nur so von einem Beziehungsgeflecht zwischen Rowan und der Familie, welches sich wie ein neu zu knüpfendes Fischernetz langsam entwickelt. Das dritte Kind der Familie, der 9 jährige Orly, ein sehr an Botanik interessierter Junge, nimmt vorurteilsfrei seine Zuneigung zu Rowan an. Die beiden grösseren Kinder, Fen und ihr älterer Bruder Wren sind zurückhaltender mit ihrer Sympathie zu der Fremden, wie auch der Vater Dominic Salt, der den Verlust seiner verstorbenen Frau nach neun Jahren immer noch nicht verarbeitet hat. 

Das Hören war ein Genuss, die Sprecherin hat jeden der fünf Protagonisten mit einer eigenen Ausdrucksweise und Stimmlage dargestellt. Abwechselnd wurde aus der Sicht jedes dieser Protagonisten erzählt - das vergangene Leben der schiffbrüchigen Rowan wurde so bruchstückweise aufgezeigt bis zum bitteren Ende und dem Verlassen der Insel......  
Es war eine sehr spannende Hörreise , die ich mit fünf Sternen beurteile.    

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Ein existenzieller Roman über Liebe, Schönheit und Gewalt am äußersten Ende der Welt

Dominic Salt lebt mit seinen drei Kindern auf einer verlassenen Insel, irgendwo zwischen Australien und Antarktis. Weil das kleine Stück Land langsam vom steigenden Wasser verschlungen wird, ist das Forschungsteam, zu dem auch Dominic gehörte, längst abgereist, und bald soll auch die Familie ans Festland zurückkehren. Doch wird in einer folgenreichen Sturmnacht plötzlich eine Frau an die Küste gespült. Sie ist schwer verletzt, fast erfroren. Wer ist die Fremde? Und wie ist sie ausgerechnet nach Shearwater geraten? Während die Kinder sich von ihrer atemberaubend schönen Insel verabschieden müssen, von den Seelöwen, den Albatrossen und den sturmumtosten Klippen, beginnen die fünf Menschen, einander zu umkreisen, ihre Sehnsüchte und Geheimnisse zu teilen und sich zu fragen: Welche Entscheidungen müssen wir treffen, um die Menschen zu schützen, die wir lieben?

Mit Die Rettung ist Charlotte McConaghy zurück in ihrem Element: dem wilden, wunderschönen und existenziell bedrohlichen Meer.

Charlotte McConaghy, geboren 1988, hat irisch-schottische Wurzeln und wuchs in Australien auf. Ihre Passion für die Natur und Tierwelt und ihre Erschütterung über die Auswirkungen des Klimawandels inspirierten sie zu »Zugvögel« (2020), ihrem literarischen Debütroman, mit dem sie den internationalen Durchbruch erreichte. 2022 erschien ihr zweiter Roman »Wo die Wölfe sind«. 2025 folgte der Roman »Die Rettung«, der für den Women's Prize for Fiction 2026 nominiert war. Charlotte McConaghy hat einen Abschluss als Drehbuchautorin der Australian Film Television and Radio School. und lebt heute in Sydney. 



Montag, 10. August 2026

*Katzenberge* von Sabrina Janesch

*Werbung, unbezahlt* , *Buch selbst gekauft, gebraucht*

Diese Geschichte und vor allem der Schreibstil der Autorin fesselt mich total. Eine Reise nach Polen, in das vergangene *Schlesien*,  die Suche nach den Wurzeln der Familie, seinen Menschen, die Geschichte und das Eintauchen in eine fast unberührte Landschaft. Dieses Buch wird im September 2026 neu beim Rowohlt Verlag aufgelegt. https://de.wikipedia.org/wiki/Galizien

Schon ihr Roman *Sibir* hatte mich als Hörbuch begeistert und bis in die kasachische Steppe geführt. 


INHALT /KLAPPENTEXT: Eine magische Spurensuche, eine bewegende Familiengeschichte

Fesselnd erzählt Sabrina Janesch von Schuld, die nicht vergeht, und Heimat, die fremd bleibt: Die junge Journalistin Nele Leibert fährt von Berlin nach Niederschlesien, um von ihrem geliebten Großvater Abschied zu nehmen. Kaum angekommen, wird sie von Erinnerungen eingeholt. Auf einen dunklen Verdacht hin folgt sie den Spuren ihrer Familie bis nach Galizien - an den Ursprung von Flucht und Vertreibung. Doch wie bannt man einen Fluch, der älter ist als man selbst?

Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Romandebüt des Jahres, dem Nicolas-Born-Förderpreis und dem Anna Seghers-Preis.

«Federleicht pendelt der Roman zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und beschwört dabei das Leben dreier Kriegs- und Nachkriegsgenerationen herauf.» Hanns-Josef Ortheil



Die Autorin Sabrina Janesch wurde 1985 in Niedersachsen geboren. Sie ist die Tochter einer polnischen Mutter und eines Vaters, der als Kind aus dem Wartheland nach Zentralasien verschleppt wurde. Für ihre Romane erhielt Janesch zahlreiche Preise; «Die goldene Stadt» (2017) wurde zum Bestseller. Für die Recherche zu «Sibir» sprach sie mit Zeitzeugen, las Tagebücher, historische Dokumente. Ihre Reise führte sie schließlich bis in das kasachische Steppendorf, in dem ihr Vater seine Kindheit verbracht hat. Sabrina Janesch lebt mit ihrer Familie in Münster.


Mittwoch, 5. August 2026

*DER OZEAN SO WILD UND WEIT* von Malachy Tallack - erschienen im Luchterhand Verlag

*Werbung, unbezahlt*



MEINE MEINUNG ZUM BUCH:
Jack ist ein 62 jähriger Eigenbrötler, der im Haus seiner Kindheit  auf einer der Shetland Inseln  wohnen geblieben ist. Allein, ohne Familie , nur seine geliebt Country-Musik ist ihm Freund und Begleiter seines stillen und bescheidenen Lebens. Lange Spaziergänge im rauen Klima an der Meeresküste halten ihn fit und seine sozialen Kontakte haben sich auf wenige Nachbarkontakte,  Einkaufsfahrten in den kleinen Dorfshop oder in die nächste grössere Stadt beschränkt. Er ist zufrieden, doch manchmal nagt ein kleines Gefühl von verpassten Chancen in seinem Inneren an ihm. Der tragische Tod seiner Eltern hat seine ursprüngliche Lebensplanung in jungen Jahren als freier Musiker in Schottland verhindert. Er fühlt sich an das Leben im Cottage, seinen Erinnerungen an die Vergangenheit stark gebunden. 
Doch eines Tages liegt beim Heimkommen eine geheimnisvolle Schachtel vor seiner Haustür. Er ist verwirrt, glaubt an einen Schabernack,  öffnet dieses Päckchen und ist verblüfft,,,,,,

Dieses Buch strahlt eine unglaublich Ruhe beim Lesen aus, die sofort fast körperlich spürbar ist. Der Autor erzählt aus dem Leben von Jacks Eltern , die Geschichten von den Fahrten des ehemaligen Walfängers Sonny, seiner Ehefrau Kathleen und  dem Grossonkel Tom. Er ist  der Eigentümer des kleinen Cottage an der Küste hinter einem Berg und lebt fortan mit Sonny, Kathleen und Jack ein bescheidenes, aber glückliches Leben.  Das kleine Haus versteckt sich perfekt dort vor Sturm und Regen und liegt doch in der Nähe der Meeresküste. Jack's glückliche Kindheit wird geschildert, seine enge und nahe Beziehung zu seinem Onkel Tom, die tägliche  Unrast des Vaters und ehemaligen Walfängers und der liebevollen,  alle Konflikte zwischen den beiden Männern Tom und Sonny ausgleichenden Mutter Kathleen. Und immer wieder ist es die Musik, seine Gitarre und die eigenen Songs, die den schüchternen Jack in seiner eigenen Welt fest halten und  begleiten. Doch es fehlen Menschen in seinem späteren, einsamen Leben. Auch das ahnt er erst spät und  schmerzlich. Er versucht dieses Gefühl zu ignorieren,  tröstet sich mit seiner grossen Musiksammlung und dem eigenen Komponieren und Musizieren. 
 Was ihn verändert, aus seinem Schneckenhaus holt, verwundert und letztendlich beglückt ist im weiteren Verlauf des Buches wunderbar und beruhigend  für die Leser*innen zu erleben.  

Meine Bewertung: Eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF***** Sternen für Leser*innen die ein kleines, unaufgeregtes und einfaches  Leben verfolgen möchten. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Luchterhand Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 

INHALT / KLAPPENTEXT: Ein Roman über die unermessliche Kraft des Meeres und der Freundschaft
1957: Sonny verdient sich seinen Lebensunterhalt auf einem Walfangschiff im Südatlantik. Der Alltag auf dem Ozean ist rau, er lehrt ihn die Zerbrechlichkeit des Daseins. Als er schließlich in seine Heimat zurückkehrt, auf die Shetlandinseln, um sich mit seiner Frau Kathleen und seinem Sohn Jack eine Existenz aufzubauen, liegt das schwere Erbe seiner Zeit auf See wie ein Schatten über der Familie.

Viele Jahrzehnte später lebt Jack nach dem tragischen Tod seiner Eltern ein zurückgezogenes Leben im alten Cottage der Familie. Jack ist wie die karge Landschaft um ihn herum: stoisch und schweigsam, immer schon da. All seine Gefühle wandern in die Country-Songs, die er selbst schreibt und die er in einem anderen Leben auf der Bühne gesungen hätte. Bis eines Tages eine geheimnisvolle Schachtel vor seiner Tür liegt und eine Freundschaft mit der jungen Nachbarstochter beginnt, die Jack eine neue Perspektive auf seinen Platz in der Welt eröffnet.

Malachy Tallack hat einen unvergesslichen Roman geschrieben, der voller kleiner Augenblicke ist und voller großer Momente: ein Buch über die lebensverändernde Kraft der Freundschaft und der Musik.

Malachy Tallack ist Schriftsteller, Singer-Songwriter und Journalist. 2014 gewann er den New Writers Award des Scottish Book Trust und 2015 die Robert Louis Stevenson Fellowship. Mit seinem ersten Buch »60º Nord« kam er auf die Shortlist des Saltire First Book Award, das zweite, »Von Inseln, die keiner je fand«, wurde 2016 bei der Verleihung der Edward Stanford Travel Writing Awards als Illustrated Travel Book of the Year ausgezeichnet. Beide Bücher beschäftigen sich mit Nature Writing, Geschichte und Memoir. Sein Debütroman »Das Tal in der Mitte der Welt« kam 2018 auf die Shortlist des Highland Book Prize und wurde für den Royal Society of Literature Ondaatje Prize nominiert. Malachy Tallack ist in Shetland aufgewachsen und lebt aktuell in Stirlingshire.

 Übersetzung: Klaus Berr, geb. 1957 in Schongau, gest. 2024 in München, Studium der Germanistik und Anglistik in München, einjähriger Aufenthalt in Wales als "Assistant Teacher", war der Übersetzer von u.a. Lawrence Ferlinghetti, Tony Parsons, William Owen Roberts, Will Self.

Cornelius Reiber, geboren 1973, studierte Germanistik, Geschichte und Kulturwissenschaften in Köln und Berlin. Er lebt als Übersetzer in Berlin, daneben lehrt er an der Universität Basel.







Mittwoch, 15. Juli 2026

*Orion* von Petra Morsbach - erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt*



INHALT / KLAPPENTEXT: Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen Sohn auf, wird geschieden. Nach einem Nierenversagen muss sie mit sechzig den Schuldienst verlassen und beginnt in einem Literaturarchiv zu arbeiten. Es ist ein unauffälliges Leben mit der einzigen Besonderheit, dass es von Büchern begleitet wird: Von den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts bis zur Gegenwart bleibt Nora eine leidenschaftliche Leserin. Regelmäßig gleicht sie ihre Erfahrungen und auch die Erschütterungen der Gegenwart bis hin zum Ukraine-Krieg mit ihrem durch Literatur gewonnen Wissen ab und trifft mal mehr, mal weniger glückliche Entscheidungen. Wie gut lässt sich Bildung vermitteln? Was bringt sie letztlich – Freuden, Erkenntnis, Ernüchterung? Besteht sie im Alltag, obwohl das Leben so viele Pläne blamiert? Wie weit hilft Kultur im Umgang mit menschlichen Abgründen? Oder wäre sonst alles viel schlimmer?

Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. »Opernroman«, »Gottesdiener« und »Justizpalast«. Zuletzt erschien bei Penguin der Essayband »Der Elefant im Zimmer«. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Jean-Paul-Preis. 2017 erhielt sie den Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim und den Wilhelm-Raabe-Preis. 

Meine Meinung zum Buch: 

Wir verfolgen im Buch das Leben der Deutsch - und Geschichts - Lehrerin Nora Dellendrücker , teilweise aufgewachsen bei Oma Auguste, der Mutter des Vaters, die sich für ihre grosse  Familie aufgeopfert hatte. Zu ihrer eigenen Mutter Oma Friedchen zeichnet die Autorin ein merkwürdig farbloses und emotionsloses Bild für die Leser*innen auf. 
Nora heiratet den Archivar Theseus, zieht mit ihm den gemeinsamen Sohn Enni auf. Eine Scheidung folgt, forciert durch Nora's Affäre mit dem bodenständigen Baumchirurgen, Forstmann und Grosswildjäger Bruno. Eine schwere Nierenerkrankung zwingt sie in ihren letzten Jahren an die Dialyse und  fesselt sie an ihre häusliche Umgebung. 

Nora liebt lebenslang die Klassiker der Antike und deren Philosophische Denkansätze. Sie versucht in ihrem langjährigen Berufsleben viele dieser demokratischen Werte an ihre Schüler*innen und auch an ihre Familie zu vermitteln. Lebenslang versucht sie die Menschen ihres
 realen Umfeldes mit ihren geliebten, philosophischen Büchern und deren Protagonisten zu vergleichen. 
Zitat Seite 249 : " Nicht alle Menschen verwirklichen sich als Bücher, so wie nicht alle Autoren sich als Menschen verwirklichen. " 

Der angenehm und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin hat mir sofort zugesagt , auf den über vierhundert Seiten gut unterhalten und zum Nachdenken und Mitfühlen der Ich-Erzählerin Nora mitgenommen. 

Dieser von einem intellektuell geprägten Denken Frau und Lehrerin hat im Roman nur eines gefehlt: Herzenswärme, echte Zuneigung, Liebe und Sympathie für viele ihrer Mitmenschen und Schüler*innen. Diese zutiefst menschlichen  Eigenschaften habe ich während der ganzen Lektüre schmerzlich vermisst. Wissenschaftliche Bildungselemente wurden von ihr super korrekt vermittelt. Sie hat ihre Schüler*innen perfekt gefördert, ihre Familie gut begleitet, doch immer ohne eine echte emotionale Bindung, eher kühl und fast abwesend. Im Kapitel *Bank* wird diese kalte Betrachtungsweise aus der sicheren, emotionslosen  Ferne der Zuhörerin Nora besonders gut erkennbar. Die Erzählungen von Lebenswegen  anderer Mitmenschen berühren sie kaum. Nora lauscht unbeteiligt,  fast wie beim Betrachten eines wissenschaftlichen Experimentes. Das hat mich in meinem Lesefluss behindert, sogar ein wenig verstört. Ich konnte Nora's philosophisch geprägte Gedankenwelt über klassische Lektüren, übertragen auf Menschen, deren Erlebnisse und Gefühle nicht gut nachvollziehen. Auch die unterkühlte  Beziehung von  ihrem erwachsenem  Sohn Enni  zu ihr hat mich deswegen nicht verwundert. Kaum jemand hat Zugang zu Noras wirklichem  Innenleben bekommen. Sie hat sich verschlossen wie eine Auster im Meeresstrom. Nora ist eine gute Beobachterin , aber ob sie mit ihrer Umwelt wirklich mitfühlen konnte bezweifle ich sehr. 

Meine Bewertung:  es ist ein sehr lesenswertes Buch mit VIER **** Sternen ! 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar! 

 


 





 

 

Donnerstag, 25. Juni 2026

*Die Mitternachtsreise* von Matt Haig - erschienen im Droemer Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*. Erschienen am 21.5.26.


Meine Meinung zum Buch: 

Wir treffen auf den 81 jährigen Wilbur in seinen Sterbeminuten. Er sitzt am Klavier, spielt ein Lieblingslied seiner Ehefrau. Seine Gedanken kommen und gehen zurück in sein vergangenes Leben.. Er kann auf ein erfolgreiches Geschäftsleben zurückschauen. Vom einfachen Buchhändler bis zum Inhaber einer Buchhandelskette mit über zwanzig Filialen hat er sich alles fleissig und stetig erarbeitet. Die Liebe zu seiner Frau Maggie hat ihn  beflügelt. Sie war sein *Ein und Alles* . Bis die Arbeit begann immer mehr Zeit und Besitz von ihm zu ergreifen.  Das Privatleben, seine sozialen Beziehungen zu Freunden und Familie  wurden immer dürftiger. Er fühlte sich einsam, unverstanden. Die Ehe zerbrach. 


Erstaunlicherweise endet mit seinem Tod nicht sein Leben, Denken und Fühlen. Er findet sich auf einem verlassenem Bahnsteig wieder mit einer Fahrkarte in der Hand für den *Mitternachtszug*. Er fühlt sich jung, lebendig und trifft im Zug auf eine alte Bekannte und Freundin aus seinen ersten Tagen im Buchhandel. Agnes Bagdale steht vor ihm und begleitet ihn auf eine ganz besondere Reise mit dem mysteriösen Zug. Sie fahren zusammen im Zug durch wichtige Stationen seines Lebens. Der Mitternachtszug hält kurz , Wilbur steigt aus und sein Geist beobachtet  die Vergangenheit seines Lebens. Sein damaliges Verhalten als junger Mann im Beruf und im Privatleben erscheint ihm oft rätselhaft und  Wilbur ertappt sich bei Lügen, Fehlentscheidungen., aber erlebt  auch Freude und Glück neu. Doch sobald das Pfeifen des Zuges ertönt muss Wilbur sofort wieder einsteigen und seine Beobachtungen abbrechen. Ihm fällt dazu ein Zitat seiner Mutter ein. 

Zitat Seite 86 : „ Man müsste ein alter Kopf in einem jungen Körper sein, um aus allem das Beste zu machen.“ Er versucht in die Vergangenheit einzugreifen, Fehler auszugleichen . Doch Agnes rät und verbietet ihm etwas zu verändern, oder sogar Kontakt aufzunehmen,  da er dann sein eigenes, ewiges Leben verlieren würde. So fährt der Zug alle Stationen seines Lebens ab. 


Der ruhige , warmherzige und gut zu lesende Schreibstil von Matt Haig zieht in einen andauernden Lesesog. Der Autor beschäftigt die Leser*innen durch diese Lektüre  mit  wichtigen Sinnfragen unseres Daseins. Was ist die Zeit?  Wie beeinflussen wir die Umwelt? Wie gehen wir mit Konsum, Ehrgeiz, Geld - und Machtspielen um ? Wie wichtig sind uns Freundschaft, Liebe und der Zusammenhalt untereinander wirklich? 

Das Buch bewirkt ein langes Nachhallen im Kopf und regt durch seine Fragen eigene Antworten an. 

Ich gebe gerne ein Leseempfehlung mit Fünf ***** Sternen für diese warmherzige und nachdenklich stimmende Lektüre.

Matt Haig, 1975 im englischen Sheffield geboren, hat zahlreiche Romane, Sach- und Kinderbücher geschrieben, die in fünfundsechzig Sprachen veröffentlicht werden. Zuletzt sind von ihm die Romane »Ich und die Menschen«, »Die Mitternachtsbibliothek«, »Die Unmöglichkeit des Lebens« und »Die Mitternachtsreise« erschienen. Vom Bestseller »Die Mitternachtsbibliothek« wurden weltweit über zehn Millionen Exemplare verkauft. Er setzt sich für Lese- und Schreibförderung ein und engagiert sich zum Thema Mental Health. Matt Haig lebt mit seiner Familie in Brighton.

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Wilbur hätte nicht gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale's Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann seine eigene Laufbahn als Buchhändler.

Jetzt, Jahrzehnte später, ist Wilbur erfolgreich, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und Agnes. Sie nimmt ihn mit, zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor. 

Schon bald begreift er, wie viel er hätte anders machen wollen.

Eine zauberhafte Geschichte über Liebe, zweite Chancen und die lebensverändernde Kraft der Bücher aus der Welt der Mitternachtsbibliothek 

Wunderschöne Ausstattung mit Elementen, die im Dunkeln leuchten


Freitag, 19. Juni 2026

*Der vergessene Wald* von Sharon Gosling - erschienen im Dumont Verlag

 *Werbung, unbezahlt*

Erscheinungstag:

16.06.2026




Mein Leseeindruck:

Passend zum endlich herrlichem Sommerwetter mit romantischen Lesestunden habe ich dieses Buch des DUMONT VERLAG durch eine Verlosung bei Lovelybooks gewonnen.  Herzlichen Dank dafür!

Den Traum vom Leben in einem Tiny Haus inmitten unberührter Natur habe ich schon seit längerer Zeit. Das neue Buch der bekannten Autorin  Sharon Gosling erreichte mich zu einem perfekten Zeitpunkt. Ihre WohlfühlBücher kenne ich alle und und sie bescherten mir schon viele unbeschwerte, spannende und charmante Lesestunden.

Die taffe Architektin Saskia Tilbury-Martin zehrt aus ihren  Lebens-Erinnerungen von den Spaziergängen im Wald mit ihren verstorbenen Vater. Ihr gemeinsamer Lieblingsort war die alte riesige Eiche in der verfallenen Schlossruine Gair , inmitten eines stillen , verzaubert wirkenden Waldes gelegen. Er hat sie behutsam und spielerisch  auf den Beruf einer Architektin vorbereitet und nach einigen Schwierigkeiten in ihrer Pubertät mit Suchterkrankungen hat sie diesen Beruf perfekt verwirklichen können.  Probleme mit der Beziehung zu ihrer desinteressierten Mutter spielten eine nicht unerhebliche Rolle bei dieser Erkrankung. Sie möchte sich nun mit dem ererbten Geld der Grosseltern einen Lebenstraum verwirklichen und das Schloss Gair restaurieren. Auf diesem spannenden Weg erhält sie Hilfe von ihrem Bauleiter Owen, dessen Freund Stuart und ihrer langjährigen Kindergartenfreundin Vivian. 

Die Autorin erzählt sympathisch und fesselnd obige Geschichte  aus zwei Perspektiven. Einmal mit Saskias Empfindungen, Wünschen, Träumen und zusätzlich aus der Sicht des Bauleiters Owen, dem Vater der kleinen Hannah. Owen kämpft um seine fast gescheiterte Ehe mit Tasha, wird unterstützt von seinem Freund Stuart. Der verwunschene Wald, die uralte Eiche in der Schlossruine bieten der Autorin wunderbare Vorlagen ihre poetische Schreibweise über die  Natur,  liebevolle menschliche Beziehungen und natürlich auch Verfehlungen, den Leser*innen nahe zu bringen. Das Wohnen auf der Wald - Baustelle in einem selbst erbauten Tiny House gibt dem Buch einen extra romantischen Kick. Doch das Bauvorhaben läuft nicht so  glatt wie erhofft und Saskia benötigt  dringend Hilfe und Unterstützung, die sie auch von Owen teilweise bekommt......

Eine Leseempfehlung für dieses entspannende Wohlfühlbuch gebe ich sehr gerne. 

Vier **** Sterne! 

INHALT/KLAPPENTEXT:Über Neuanfänge und die Sehnsucht nach einem Ort zum Bleiben

Saskia Tilbury-Martin hat viele Wochenenden ihrer Kindheit damit verbracht, mit ihrem Vater durch den Wald zu streifen. Besonders zum Schloss Gair, einer Ruine mitten im Wald, kehrten die beiden immer wieder zurück. Jahre später, nach dem Tod des Vaters und an einem absoluten Tiefpunkt in ihrem Leben angekommen, beschließt Saskia, das Stück Land mit der alten Ruine zu kaufen und zu renovieren. Kurzerhand zieht sie mitten in den uralten Wald und wohnt während der Bauarbeiten in ihrem Tiny House auf Rädern. Der Bauleiter Owen Eliott hält nicht viel von der distanzierten Londonerin und ihrem utopischen Vorhaben. Doch die Herausforderung kommt zur rechten Zeit: Seine Ehe ist gerade zerbrochen und er braucht den Auftrag, um seiner Tochter eine Zukunft bieten zu können. Als sich Saskia und Owen immer mehr unerwartete Hindernisse in den Weg stellen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als an einem Strang zu ziehen. Und so lernen die beiden langsam, dass der erste Eindruck nicht immer stimmt und dass Zuhause weit mehr als nur ein Ort sein kann.

SHARON GOSLING ist eine britische Journalistin und Autorin. ›Der vergessene Wald‹ ist nach ›Fishergirl’s Luck‹ (2022), ›Lighthouse Bookshop‹ (2023), ›Forgotten Garden‹ (2024) und ›Der alte Apfelgarten‹ (2025) ihr fünfter Roman bei DuMont. Sie lebt mit ihrer Familie im Norden von England, ihr Mann besitzt einen Buchladen.



Sonntag, 31. Mai 2026

*Der Fährmann* von Regina Denk - erschienen im Droemer Verlag

*Rezensionsexemplar, unbezahlte Werbung*

Meine Meinung zum Buch:

Zwei Orte, einer in Deutschland und einer in Österreich gelegen, durch einen Fluss, die SALZACH getrennt, spielen in dieser tragischen Geschichte  eine entscheidende Rolle. Wir befinden uns kurz vor dem 1. Weltkrieg (1914-1918) . Die Menschen beider Länder führen ein harmonisches und friedliches Leben miteinander. Durch Handel, familiäre Verbindungen im bäuerlichen Leben schufen sie enge und liebevolle Beziehungen zueinander. Der Fluss Salzach als Hindernis wurde kaum beachtet, denn es es gibt ja den FÄHRMANN, der bei Tag und Nacht, in Notsituationen durch seine Tätigkeit mit der Holzfähre den Menschen beider Länder zur Seite stand. Sein gefährlicher und wichtiger Beruf ist einigen gesellschaftlichen Regeln unterworfen. So war es ihm beispielsweise verboten eine Familie  zu gründen , da diese bei einem Unglück des Fährmannes auf dem Wasser mittellos dastehen würde. 

Drei reizende kleine Kinder, der Hannes, die Elisabeth und die Annemarie spielen oft gemeinsam am Fluss mit ihren Puppen. Sie kennen die Gefahr des Wassers noch nicht, sind eng befreundet. Es passiert noch kein Unglück. Diese Freundschaft wird sie ein Leben lang begleiten, halten, aber auch mit dramatischen Ereignissen im Erwachsenen-Leben prüfen. Über allem lag das Murmeln des Flusses mit seinem sanften Fließen, den stürmischen Wellen im Winter,  bei Gewitter und Hochwasser die Begleitmusik dazu.

 Der nun erwachsene Fährmann Hannes ist der tragende Protagonist in diesem Roman. Als sechsjähriger Bub fällt er in die Salzach im Beisein seines Onkel Georg. Er war der damalige Fährmann. Hannes erkrankt lebensbedrohend, kämpft um sein Leben, begleitet von guten  Genesungswünschen der Menschen beider Orte des Flusses. Sein Schicksal steht fest nach der Genesung. Er wird als Fährmann ein einsames Leben in vererbter  Familientradition in der nächsten Generation weiterführen. Seine beiden Freundinnen Elisabeth und Annemarie, die auf der deutschen Seite des Flusses leben, werden mit tragischen Schicksalsentwicklungen in der Liebe, Ehe, auch während und nach dem Krieg konfrontiert. Elisabeth führt auf dem Steiner Hof ein hartes, arbeitsreiches und liebloses Leben. Der Annemarie ergeht es in der Liebe nicht viel besser. Sie muss schon als Kind im Wirtshaus der Eltern helfen und ist aufdringlichen, betrunkenen Männern von klein auf  hilflos ausgeliefert. Der liebenswerte und gutmütige  Hannes steht als feste, zuverlässige Bezugsperson zu den beiden Frauen und hilft in vielen Situationen. Doch wenn zwei Frauen denselben Mann lieben , kann viel passieren,,,,,, 

Dieser Roman hat mich durch seinen ungewöhnlichen Schreibstil der Autorin magisch angezogen.  Die Autorin schreibt intensiv,  eindringlich in einem österreichisch-bayrischen Dialekt, der damaligen Ausdrucksweise gut angepasst. Dennoch ist sie klar und verständlich zu verfolgen. Meine Gefühle während des Lesens wechselten laufend zwischen Glückseligkeit, tiefer Traurigkeit, dramatischem Entsetzen, Fassungslosigkeit ob der Brutalität  und des Hasses von Menschen aufeinander, hin und her. Dieses Wechselbad der Gefühle war schwer auszuhalten und an Spannung kaum zu überbieten. Die damalige gesellschaftliche Rolle der Frauen bereitete mir besondere Sorge. Brutalität, wenig Wertschätzung im bäuerlichen Umfeld waren an der Tagesordnung. Das patriarchaisch geprägte Weltbild sowie die politische Meinung der damaligen Zeit hat ein Übriges dazu getan. Angst, Hass und die Verzweiflung der Frauen hat die Autorin eindrücklich und kraftvoll in ihrem Werk dargestellt. Der 1. Weltkrieg  stürzte die Menschen beider Länder in unvorstellbares Leid und Armut. Die Frauen hatten nun die doppelte Arbeit auf den Höfen zu erbringen, gewannen dadurch aber auch  eine neue Selbständigkeit und Selbstvertrauen. Ihre poetische Seite beim Schreiben hat die Autorin in den wunderschönen Ausführungen des Flusses Salzach und des Wassers bewiesen.

 Sehr gern gebe ich eine uneingeschränkte  Leseempfehlung mit FÜNF ***** STERNEN für diesen aufwühlenden und tiefgründigen Roman. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Droemer Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


INHALT/KLAPPENTEXT: Regina Denks Roman »Der Fährmann« erzählt ein atmosphärisch düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des 1. Weltkriegs.

Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.

Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

Ein Spannender Roman mit Tiefgang, authentischen Figuren und sprachlicher Raffinesse:

Eindrucksvoll erweckt Regina Denk die beiden Dörfer an der Salzach zum Leben, die – verbunden durch den Fährmann – seit jeher eine Gemeinschaft bilden. Bis der aufkeimende Nationalismus den Frieden empfindlich stört. Bis ein Krieg ausbricht, der die Welt verändert. Bis Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld ein Drama in Gang setzen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.

Regina Denk wurde 1981 an der bayerisch-österreichischen Grenze geboren. Die Liebe zu ihrer Heimat wurde ihr, zusammen mit der Leidenschaft für Geschichten, in die Wiege gelegt. Das Schreiben und die Berge begleiten sie schon ihr Leben lang. Vom Literaturstudium in München, bis ans andere Ende der Welt und wieder zurück in die Heimat, wo sie heute lebt - ein Bein in Bayern, das andere in Österreich. Unter dem Pseudonym Fanny König veröffentlichte sie humoristische Bayern-Krimis. Nach "Die Schwarzgeherin" ist "Der Fährmann" ihr zweiter Roman bei Droemer. 



 

Donnerstag, 21. Mai 2026

ICH BIN LESEND UNTERWEGS IN *Der Fährmann* von Regina Denk - erschienen im Droemer Verlag

*Werbung, unbezahlt Rezensionsexemplar


Ich bin lesend unterwegs in obigem Buch auf Seite 67 und schon in einem Lesesog gefangen. Der Schreibstil passt sich der bayrisch-österreichischen Ausdrucksweise an, allerdings nicht so intensiv wie im ersten Roman *Die Schwarzgeherin* der Autorin.  Man fühlt sich sofort mit den vergangenen Zeitrahmen verbunden. Das liegt sicher auch den Überschriften der 23 Kapitel mit Jahresdatum , Name und Alter der jeweiligen Protagonist*innen. Es ist ein fiktiver Heimatroman mit bäuerlichen Hintergründen, die man in heutiger Zeit kaum mehr finden kann. Eine aus Holz gefertigte Fähre nur mit händischer Kraft über einen Gebirgsfluss zu leiten gehört der Vergangenheit an,,,,, 


 Regina Denks Roman »Der Fährmann« erzählt ein atmosphärisch düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des 1. Weltkriegs.

Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.

Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

Ein Spannender Roman mit Tiefgang, authentischen Figuren und sprachlicher Raffinesse:

Eindrucksvoll erweckt Regina Denk die beiden Dörfer an der Salzach zum Leben, die – verbunden durch den Fährmann – seit jeher eine Gemeinschaft bilden. Bis der aufkeimende Nationalismus den Frieden empfindlich stört. Bis ein Krieg ausbricht, der die Welt verändert. Bis Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld ein Drama in Gang setzen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.

https://www.droemer-knaur.de/buch/regina-denk-der-faehrmann-9783426566282

 
Ich wünsche ein schönes und vor allem sonniges Pfingstfest !




Dienstag, 19. Mai 2026

*Die Frauen der Familie* von Katherena Vermette - erschienen im btb-verlag

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

https://www.penguin.de/buecher/katherena-vermette-die-frauen-der-familie/taschenbuch/9783442770625

TRIGGERWARNUNG: Dieses Buch handelt davon, sich in dem System zurechtzufinden, das man uns aufgezwungen hat, insoweit enthält es für diejenigen, deren Leben deshalb traumatisch beeinflusst wurde, viele Trigger. Dazu gehören Schilderungen von Inobhutnahme, Isolationshaft, Selbstmordgedanken, Drogenkonsum und körperliche Gewalt. (Aber es geht nicht nur darum, okay? Ich werde versuchen, möglichst viel Liebe und Hoffnung dazwischenzupacken.)

Erschienen am 10.Dezember 2025 

Katherena Vermette, indigene Kanadiern, aufgewachsen in Winnipeg, Manitoba, ist Filmemacherin, Lyrikerin und Schriftstellerin. Ihr Debütroman Was in jener Nacht geschah war Bestseller und Debattenbuch in Kanada und wurde vielfach ausgezeichnet: McNally Robinson Book of the Year Award, Margaret Laurence Award for Fiction, Carol Shields Winnipeg Book Award. Shortlist Governor’s General Literaray Award und Rogers Writers‘ Trust, Endrunde von Canada Reads, der großen Buchkampagne des kanadischen öffentlichen Fernrsehens CBC. Der Roman The Strangers wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet und war Nummer-1-Bestseller in Kanada. 

Klappentext/Inhalt:Der Nummer-1-Bestseller aus Kanada - »Eine erschütternde Anklage gegen den Druck und die Widrigkeiten, denen indigene Frauen ausgesetzt sind.« Toronto Star

Cedar hat fast vergessen, wie ihre Familie aussieht. Phoenix hat fast vergessen, wie sich Freiheit anfühlt. Und Elsie hat die Hoffnung fast aufgegeben. Beinahe. Das sind die Frauen der Familie Stranger, die jede von ihren eigenen Dämonen geplagt wird.

Nachdem Cedar einige Zeit in Pflegefamilien verbracht hat, zieht sie zu ihrem ihr eigentlich fremden Vater. Sie kämpft mit dem Schmerz der Trennung von ihrer Mutter Elsie und ihrer älteren Schwester Phoenix, hofft aber dennoch auf ein neues Kapitel in ihrem Leben, nur um sich wieder in einem fremden Haus unter Fremden zu finden.

Phoenix bringt in einer Jugendstrafanstalt ein Baby zur Welt, das sie nie großziehen wird, und versucht, sich selbst zu verzeihen, dass sie anderen sehr viel Leid verursacht hat.

Ihre Mutter Elsie kämpft mit ihrer Sucht und ist entschlossen ist, ihr Leben umzukrempeln. Dabei schöpft sie Kraft in dem Gedanken, bald wieder mit ihren Töchtern vereint zu sein. Für die beiden möchte sie – anders als ihre eigene Mutter – ein Mensch sein, auf den sie sich die sie sich verlassen können.

Meine Meinung zum Buch:

Wir begleiten im Buch über einen Zeitraum von fünf Jahren drei indigene Frauen der Familie Stranger. Und zwar generationsübergreifend. Am Schluss des Buches werden die verwandtschaftlichen Beziehungen in einem Stammbaum noch einmal klar dargestellt. Das empfand ich beim Lesen als sehr hilfreich. Es fällt mir sehr schwer über dieses aufrüttelnde und erschütternde Buch hier zu schreiben. Es ist kein Wohlfühlroman, keine rührende Familien - oder Liebesgeschichte , wobei die Autorin in ihrer Triggerwarnung verspricht auch über Liebe zu berichten. 

Wir begegnen der harten und grausamen Realität indigener Menschen in Kanada, einer Demokratie in heutiger Zeit  mit einem funktionierendem Rechtssystem. Sie wachsen in Reservaten auf, bekommen zu wenig Bildung und gesellschaftliche Achtung. Die Familienstrukturen werden durch kriminell ausufernde Suchtkrankheiten zerstört, sowie Ihre Wurzeln, die ihnen Jahrtausende auf diesem Kontinent Halt und Orientierung gegeben haben. Stellt euch beim Lesen auf traurige Ereignisse, Gewalt, Rassismus,Tränen,Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ein. 

Großmutter) Margaret, (Mutter) Elsie, (Elsies Kinder) Phoenix und Cedar sind die Frauen dieser Geschichte , meist verlassen von den männlichen Mitgliedern dieser Familie Stranger. 

 Es wird aus der Sichtweise jeder einzelnen Frau berichtet, einzig Cedar spricht im Buch in der Ich-Form. Einblicke in Krankheit durch Drogenabhängigkeit sind etwas fast Normales und Gewalt im Gefängnis und / oder Pflegefamilien gehören auch zum Lesealltag. Von den psychischen Belastungen ganz zu schweigen, denen die Kinder von klein auf ausgesetzt werden. Ich musste das Buch oft an die Seite legen, da es einfach viel Gewalt enthält und mich sehr emotional berührt hat.  

Doch es ist ein wichtiges Thema, welches nicht verschwiegen oder vertuscht werden darf. Vielleicht hilft es einigen Leser*innen erst einmal in eine Leseprobe des Buches hinein zu schnuppern,  um danach eine Entscheidung für oder gegen das Lesen zu finden. 

Fünf ***** Sterne. 

Mein Dank gilt der Autorin und dem btb-verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.    



 

Dienstag, 12. Mai 2026

*DER LETZTE LEUCHTTURM* von Michael Pedersen - erschienen im Dumont Verlag

 *Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*


https://www.dumont-buchverlag.de/buch/michael-pedersen-der-letzte-leuchtturm-9783755800620-t-7741  


MICHAEL PEDERSEN, geboren 1984, ist ein renommierter schottischer Lyriker, Autor, Spoken Word Performer und der derzeitige Poet Laureate von Edinburgh. Zuletzt erschien 2022 das viel besprochene und von der Kritik gefeierte Memoir ›Boy Friends‹ über Trauer und Freundschaften unter Männern sowie 2023 sein Gedichtband ›The Cat Prince & Other Poems‹. ›Der letzte Leuchtturm‹ ist Michael Pedersens Romandebüt.

STEPHAN KLEINER, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München. Er übertrug u. a. Bret Easton Ellis, Michel Houellebecq, Hanya Yanagihara und Seán Hewitt ins Deutsche. 2024 wurde er für seine Arbeit mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet.


Mein Leseeindruck: 


Der an sich zweifelnde und immer wieder mit Gedankenspielen um seinen Suizid ringende Schriftsteller Firth reist als Feriengast auf eine kleine Leuchtturminsel. Sie heisst Muckle Flugga, eine im Norden gelegene Insel der Shetlands.  Er beabsichtigt seinem Leben nun dort ein Ende zu setzen. Doch es kommt völlig anders als geplant. Die aufkeimende Freundschaft mit Ouse, dem Sohn des Gastgebers und Leuchtturmwärters der Insel verändert alles.   


Das Wetter dort ist rau und wild. Tosende Stürme und Wellen sowie viele einsame Stunden begleiten den Alltag, denen alle Lebewesen der Insel, Mensch und Tier ausgesetzt sind. Ouse ist ein sensibler junger Mann , der seit dem Tod der Mutter unter den oft gewalttätigen Launen und Handlungen seines Vaters leidet. Sein Trost und imaginärer Freund ist der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, mit dem er Zwiegespräche in seinem Atelier führt. Er verbringt  dort viel Zeit mit dem Stricken von Pullovern , dem Weben von Teppichen. Das Entwerfen von neuen Mustern in seinem geliebten Skizzenbüchern gehört zu seinen liebsten Tätigkeiten. Zusätzlich sorgt er für das leibliche Wohl auf der abgeschiedenen Insel für seinen Vater und die Feriengäste. Als Firth und Ouse sich näher kennenlernen, entwickelt sich eine enge und harmonische Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern. Der hartherzige, in patriarchalen Strukturen denkende Vater versucht diese zarte Freundschaft mit Gewalt und zorniger Bösartigkeit zu verhindern.  Sein Sohn erscheint ihm zu weich und sensibel , stellt sich nicht den harten Anforderungen des Berufes eines Leuchtturmwärters. Firth, der Schriftsteller und malende Vogelkundler wird vom Vater laufend vor Ouse der Lächerlichkeit und einer naiven Unfähigkeit in allen Lebenssituationen preisgegeben. Doch Firth hält dagegen und erzählt Ouse heimlich vom möglichen, freiem Leben in Edinborough als freischaffender Künstler. Und wir begegnen der jungen Figgie. Sie stellt mit Ihrem Boot und Fahrten zur Insel sowie den Proviantlieferungen den Kontakt zur Aussenwelt her und klärt Firth über die Vergangenheit der kleinen Leuchtturmwärter - Familie auf. 


Das Lesen des Buches mit seinen außerordentlich, schönen, feinsinnigen Sätzen war ein Lesefest für mich, welches ich auf jeder Seite langsam und dafür umso ausgiebiger genossen habe. Zauberhafte, bildgewaltige  Satz - und Wortkombinationen haben mich begeistert und ich danke dem Autor und dem deutschen Übersetzer Stephan Kleiner ganz herzlich für diese herrlichen, poetischen Anregungen und Begriffe. Die stimmige, einsam gelegene Atmosphäre der rauen See wurde ebenso gut transformiert wie die empathischen Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten zueinander. 


FÜNF *****  STERNE für diese grossartige Lektüre.


Herzlichen Dank an den Autor und den Dumont Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar  mit dem wundschön gestaltetem Cover und dem komfortablen Lesebändchen.