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Montag, 10. August 2026

*Katzenberge* von Sabrina Janesch

*Werbung, unbezahlt* , *Buch selbst gekauft, gebraucht*

Diese Geschichte und vor allem der Schreibstil der Autorin fesselt mich total. Eine Reise nach Polen, in das vergangene *Schlesien*,  die Suche nach den Wurzeln der Familie, seinen Menschen, die Geschichte und das Eintauchen in eine fast unberührte Landschaft. Dieses Buch wird im September 2026 neu beim Rowohlt Verlag aufgelegt. https://de.wikipedia.org/wiki/Galizien

Schon ihr Roman *Sibir* hatte mich als Hörbuch begeistert und bis in die kasachische Steppe geführt. 


INHALT /KLAPPENTEXT: Eine magische Spurensuche, eine bewegende Familiengeschichte

Fesselnd erzählt Sabrina Janesch von Schuld, die nicht vergeht, und Heimat, die fremd bleibt: Die junge Journalistin Nele Leibert fährt von Berlin nach Niederschlesien, um von ihrem geliebten Großvater Abschied zu nehmen. Kaum angekommen, wird sie von Erinnerungen eingeholt. Auf einen dunklen Verdacht hin folgt sie den Spuren ihrer Familie bis nach Galizien - an den Ursprung von Flucht und Vertreibung. Doch wie bannt man einen Fluch, der älter ist als man selbst?

Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Romandebüt des Jahres, dem Nicolas-Born-Förderpreis und dem Anna Seghers-Preis.

«Federleicht pendelt der Roman zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und beschwört dabei das Leben dreier Kriegs- und Nachkriegsgenerationen herauf.» Hanns-Josef Ortheil



Die Autorin Sabrina Janesch wurde 1985 in Niedersachsen geboren. Sie ist die Tochter einer polnischen Mutter und eines Vaters, der als Kind aus dem Wartheland nach Zentralasien verschleppt wurde. Für ihre Romane erhielt Janesch zahlreiche Preise; «Die goldene Stadt» (2017) wurde zum Bestseller. Für die Recherche zu «Sibir» sprach sie mit Zeitzeugen, las Tagebücher, historische Dokumente. Ihre Reise führte sie schließlich bis in das kasachische Steppendorf, in dem ihr Vater seine Kindheit verbracht hat. Sabrina Janesch lebt mit ihrer Familie in Münster.


Mittwoch, 5. August 2026

*DER OZEAN SO WILD UND WEIT* von Malachy Tallack - erschienen im Luchterhand Verlag

*Werbung, unbezahlt*



MEINE MEINUNG ZUM BUCH:
Jack ist ein 62 jähriger Eigenbrötler, der im Haus seiner Kindheit  auf einer der Shetland Inseln  wohnen geblieben ist. Allein, ohne Familie , nur seine geliebt Country-Musik ist ihm Freund und Begleiter seines stillen und bescheidenen Lebens. Lange Spaziergänge im rauen Klima an der Meeresküste halten ihn fit und seine sozialen Kontakte haben sich auf wenige Nachbarkontakte,  Einkaufsfahrten in den kleinen Dorfshop oder in die nächste grössere Stadt beschränkt. Er ist zufrieden, doch manchmal nagt ein kleines Gefühl von verpassten Chancen in seinem Inneren an ihm. Der tragische Tod seiner Eltern hat seine ursprüngliche Lebensplanung in jungen Jahren als freier Musiker in Schottland verhindert. Er fühlt sich an das Leben im Cottage, seinen Erinnerungen an die Vergangenheit stark gebunden. 
Doch eines Tages liegt beim Heimkommen eine geheimnisvolle Schachtel vor seiner Haustür. Er ist verwirrt, glaubt an einen Schabernack,  öffnet dieses Päckchen und ist verblüfft,,,,,,

Dieses Buch strahlt eine unglaublich Ruhe beim Lesen aus, die sofort fast körperlich spürbar ist. Der Autor erzählt aus dem Leben von Jacks Eltern , die Geschichten von den Fahrten des ehemaligen Walfängers Sonny, seiner Ehefrau Kathleen und  dem Grossonkel Tom. Er ist  der Eigentümer des kleinen Cottage an der Küste hinter einem Berg und lebt fortan mit Sonny, Kathleen und Jack ein bescheidenes, aber glückliches Leben.  Das kleine Haus versteckt sich perfekt dort vor Sturm und Regen und liegt doch in der Nähe der Meeresküste. Jack's glückliche Kindheit wird geschildert, seine enge und nahe Beziehung zu seinem Onkel Tom, die tägliche  Unrast des Vaters und ehemaligen Walfängers und der liebevollen,  alle Konflikte zwischen den beiden Männern Tom und Sonny ausgleichenden Mutter Kathleen. Und immer wieder ist es die Musik, seine Gitarre und die eigenen Songs, die den schüchternen Jack in seiner eigenen Welt fest halten und  begleiten. Doch es fehlen Menschen in seinem späteren, einsamen Leben. Auch das ahnt er erst spät und  schmerzlich. Er versucht dieses Gefühl zu ignorieren,  tröstet sich mit seiner grossen Musiksammlung und dem eigenen Komponieren und Musizieren. 
 Was ihn verändert, aus seinem Schneckenhaus holt, verwundert und letztendlich beglückt ist im weiteren Verlauf des Buches wunderbar und beruhigend  für die Leser*innen zu erleben.  

Meine Bewertung: Eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF***** Sternen für Leser*innen die ein kleines, unaufgeregtes und einfaches  Leben verfolgen möchten. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Luchterhand Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 

INHALT / KLAPPENTEXT: Ein Roman über die unermessliche Kraft des Meeres und der Freundschaft
1957: Sonny verdient sich seinen Lebensunterhalt auf einem Walfangschiff im Südatlantik. Der Alltag auf dem Ozean ist rau, er lehrt ihn die Zerbrechlichkeit des Daseins. Als er schließlich in seine Heimat zurückkehrt, auf die Shetlandinseln, um sich mit seiner Frau Kathleen und seinem Sohn Jack eine Existenz aufzubauen, liegt das schwere Erbe seiner Zeit auf See wie ein Schatten über der Familie.

Viele Jahrzehnte später lebt Jack nach dem tragischen Tod seiner Eltern ein zurückgezogenes Leben im alten Cottage der Familie. Jack ist wie die karge Landschaft um ihn herum: stoisch und schweigsam, immer schon da. All seine Gefühle wandern in die Country-Songs, die er selbst schreibt und die er in einem anderen Leben auf der Bühne gesungen hätte. Bis eines Tages eine geheimnisvolle Schachtel vor seiner Tür liegt und eine Freundschaft mit der jungen Nachbarstochter beginnt, die Jack eine neue Perspektive auf seinen Platz in der Welt eröffnet.

Malachy Tallack hat einen unvergesslichen Roman geschrieben, der voller kleiner Augenblicke ist und voller großer Momente: ein Buch über die lebensverändernde Kraft der Freundschaft und der Musik.

Malachy Tallack ist Schriftsteller, Singer-Songwriter und Journalist. 2014 gewann er den New Writers Award des Scottish Book Trust und 2015 die Robert Louis Stevenson Fellowship. Mit seinem ersten Buch »60º Nord« kam er auf die Shortlist des Saltire First Book Award, das zweite, »Von Inseln, die keiner je fand«, wurde 2016 bei der Verleihung der Edward Stanford Travel Writing Awards als Illustrated Travel Book of the Year ausgezeichnet. Beide Bücher beschäftigen sich mit Nature Writing, Geschichte und Memoir. Sein Debütroman »Das Tal in der Mitte der Welt« kam 2018 auf die Shortlist des Highland Book Prize und wurde für den Royal Society of Literature Ondaatje Prize nominiert. Malachy Tallack ist in Shetland aufgewachsen und lebt aktuell in Stirlingshire.

 Übersetzung: Klaus Berr, geb. 1957 in Schongau, gest. 2024 in München, Studium der Germanistik und Anglistik in München, einjähriger Aufenthalt in Wales als "Assistant Teacher", war der Übersetzer von u.a. Lawrence Ferlinghetti, Tony Parsons, William Owen Roberts, Will Self.

Cornelius Reiber, geboren 1973, studierte Germanistik, Geschichte und Kulturwissenschaften in Köln und Berlin. Er lebt als Übersetzer in Berlin, daneben lehrt er an der Universität Basel.







Mittwoch, 15. Juli 2026

*Orion* von Petra Morsbach - erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt*



INHALT / KLAPPENTEXT: Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen Sohn auf, wird geschieden. Nach einem Nierenversagen muss sie mit sechzig den Schuldienst verlassen und beginnt in einem Literaturarchiv zu arbeiten. Es ist ein unauffälliges Leben mit der einzigen Besonderheit, dass es von Büchern begleitet wird: Von den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts bis zur Gegenwart bleibt Nora eine leidenschaftliche Leserin. Regelmäßig gleicht sie ihre Erfahrungen und auch die Erschütterungen der Gegenwart bis hin zum Ukraine-Krieg mit ihrem durch Literatur gewonnen Wissen ab und trifft mal mehr, mal weniger glückliche Entscheidungen. Wie gut lässt sich Bildung vermitteln? Was bringt sie letztlich – Freuden, Erkenntnis, Ernüchterung? Besteht sie im Alltag, obwohl das Leben so viele Pläne blamiert? Wie weit hilft Kultur im Umgang mit menschlichen Abgründen? Oder wäre sonst alles viel schlimmer?

Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. »Opernroman«, »Gottesdiener« und »Justizpalast«. Zuletzt erschien bei Penguin der Essayband »Der Elefant im Zimmer«. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Jean-Paul-Preis. 2017 erhielt sie den Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim und den Wilhelm-Raabe-Preis. 

Meine Meinung zum Buch: 

Wir verfolgen im Buch das Leben der Deutsch - und Geschichts - Lehrerin Nora Dellendrücker , teilweise aufgewachsen bei Oma Auguste, der Mutter des Vaters, die sich für ihre grosse  Familie aufgeopfert hatte. Zu ihrer eigenen Mutter Oma Friedchen zeichnet die Autorin ein merkwürdig farbloses und emotionsloses Bild für die Leser*innen auf. 
Nora heiratet den Archivar Theseus, zieht mit ihm den gemeinsamen Sohn Enni auf. Eine Scheidung folgt, forciert durch Nora's Affäre mit dem bodenständigen Baumchirurgen, Forstmann und Grosswildjäger Bruno. Eine schwere Nierenerkrankung zwingt sie in ihren letzten Jahren an die Dialyse und  fesselt sie an ihre häusliche Umgebung. 

Nora liebt lebenslang die Klassiker der Antike und deren Philosophische Denkansätze. Sie versucht in ihrem langjährigen Berufsleben viele dieser demokratischen Werte an ihre Schüler*innen und auch an ihre Familie zu vermitteln. Lebenslang versucht sie die Menschen ihres
 realen Umfeldes mit ihren geliebten, philosophischen Büchern und deren Protagonisten zu vergleichen. 
Zitat Seite 249 : " Nicht alle Menschen verwirklichen sich als Bücher, so wie nicht alle Autoren sich als Menschen verwirklichen. " 

Der angenehm und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin hat mir sofort zugesagt , auf den über vierhundert Seiten gut unterhalten und zum Nachdenken und Mitfühlen der Ich-Erzählerin Nora mitgenommen. 

Dieser von einem intellektuell geprägten Denken Frau und Lehrerin hat im Roman nur eines gefehlt: Herzenswärme, echte Zuneigung, Liebe und Sympathie für viele ihrer Mitmenschen und Schüler*innen. Diese zutiefst menschlichen  Eigenschaften habe ich während der ganzen Lektüre schmerzlich vermisst. Wissenschaftliche Bildungselemente wurden von ihr super korrekt vermittelt. Sie hat ihre Schüler*innen perfekt gefördert, ihre Familie gut begleitet, doch immer ohne eine echte emotionale Bindung, eher kühl und fast abwesend. Im Kapitel *Bank* wird diese kalte Betrachtungsweise aus der sicheren, emotionslosen  Ferne der Zuhörerin Nora besonders gut erkennbar. Die Erzählungen von Lebenswegen  anderer Mitmenschen berühren sie kaum. Nora lauscht unbeteiligt,  fast wie beim Betrachten eines wissenschaftlichen Experimentes. Das hat mich in meinem Lesefluss behindert, sogar ein wenig verstört. Ich konnte Nora's philosophisch geprägte Gedankenwelt über klassische Lektüren, übertragen auf Menschen, deren Erlebnisse und Gefühle nicht gut nachvollziehen. Auch die unterkühlte  Beziehung von  ihrem erwachsenem  Sohn Enni  zu ihr hat mich deswegen nicht verwundert. Kaum jemand hat Zugang zu Noras wirklichem  Innenleben bekommen. Sie hat sich verschlossen wie eine Auster im Meeresstrom. Nora ist eine gute Beobachterin , aber ob sie mit ihrer Umwelt wirklich mitfühlen konnte bezweifle ich sehr. 

Meine Bewertung:  es ist ein sehr lesenswertes Buch mit VIER **** Sternen ! 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar! 

 


 





 

 

Donnerstag, 25. Juni 2026

*Die Mitternachtsreise* von Matt Haig - erschienen im Droemer Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*. Erschienen am 21.5.26.


Meine Meinung zum Buch: 

Wir treffen auf den 81 jährigen Wilbur in seinen Sterbeminuten. Er sitzt am Klavier, spielt ein Lieblingslied seiner Ehefrau. Seine Gedanken kommen und gehen zurück in sein vergangenes Leben.. Er kann auf ein erfolgreiches Geschäftsleben zurückschauen. Vom einfachen Buchhändler bis zum Inhaber einer Buchhandelskette mit über zwanzig Filialen hat er sich alles fleissig und stetig erarbeitet. Die Liebe zu seiner Frau Maggie hat ihn  beflügelt. Sie war sein *Ein und Alles* . Bis die Arbeit begann immer mehr Zeit und Besitz von ihm zu ergreifen.  Das Privatleben, seine sozialen Beziehungen zu Freunden und Familie  wurden immer dürftiger. Er fühlte sich einsam, unverstanden. Die Ehe zerbrach. 


Erstaunlicherweise endet mit seinem Tod nicht sein Leben, Denken und Fühlen. Er findet sich auf einem verlassenem Bahnsteig wieder mit einer Fahrkarte in der Hand für den *Mitternachtszug*. Er fühlt sich jung, lebendig und trifft im Zug auf eine alte Bekannte und Freundin aus seinen ersten Tagen im Buchhandel. Agnes Bagdale steht vor ihm und begleitet ihn auf eine ganz besondere Reise mit dem mysteriösen Zug. Sie fahren zusammen im Zug durch wichtige Stationen seines Lebens. Der Mitternachtszug hält kurz , Wilbur steigt aus und sein Geist beobachtet  die Vergangenheit seines Lebens. Sein damaliges Verhalten als junger Mann im Beruf und im Privatleben erscheint ihm oft rätselhaft und  Wilbur ertappt sich bei Lügen, Fehlentscheidungen., aber erlebt  auch Freude und Glück neu. Doch sobald das Pfeifen des Zuges ertönt muss Wilbur sofort wieder einsteigen und seine Beobachtungen abbrechen. Ihm fällt dazu ein Zitat seiner Mutter ein. 

Zitat Seite 86 : „ Man müsste ein alter Kopf in einem jungen Körper sein, um aus allem das Beste zu machen.“ Er versucht in die Vergangenheit einzugreifen, Fehler auszugleichen . Doch Agnes rät und verbietet ihm etwas zu verändern, oder sogar Kontakt aufzunehmen,  da er dann sein eigenes, ewiges Leben verlieren würde. So fährt der Zug alle Stationen seines Lebens ab. 


Der ruhige , warmherzige und gut zu lesende Schreibstil von Matt Haig zieht in einen andauernden Lesesog. Der Autor beschäftigt die Leser*innen durch diese Lektüre  mit  wichtigen Sinnfragen unseres Daseins. Was ist die Zeit?  Wie beeinflussen wir die Umwelt? Wie gehen wir mit Konsum, Ehrgeiz, Geld - und Machtspielen um ? Wie wichtig sind uns Freundschaft, Liebe und der Zusammenhalt untereinander wirklich? 

Das Buch bewirkt ein langes Nachhallen im Kopf und regt durch seine Fragen eigene Antworten an. 

Ich gebe gerne ein Leseempfehlung mit Fünf ***** Sternen für diese warmherzige und nachdenklich stimmende Lektüre.

Matt Haig, 1975 im englischen Sheffield geboren, hat zahlreiche Romane, Sach- und Kinderbücher geschrieben, die in fünfundsechzig Sprachen veröffentlicht werden. Zuletzt sind von ihm die Romane »Ich und die Menschen«, »Die Mitternachtsbibliothek«, »Die Unmöglichkeit des Lebens« und »Die Mitternachtsreise« erschienen. Vom Bestseller »Die Mitternachtsbibliothek« wurden weltweit über zehn Millionen Exemplare verkauft. Er setzt sich für Lese- und Schreibförderung ein und engagiert sich zum Thema Mental Health. Matt Haig lebt mit seiner Familie in Brighton.

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Wilbur hätte nicht gedacht, dass er Agnes Bagdale noch einmal begegnen würde. Als Kind war der Buchladen der alten Dame in Sheffield sein Zufluchtsort, nicht nur wegen seiner geliebten Bücher. Bei Bagdale's Bookshop konnte er die Probleme zu Hause einen Moment vergessen. Und dort begann seine eigene Laufbahn als Buchhändler.

Jetzt, Jahrzehnte später, ist Wilbur erfolgreich, einsam und am Ende seines Lebens angekommen. Doch statt dem Tod wartet ein rätselhafter Zug auf ihn. Und Agnes. Sie nimmt ihn mit, zurück durch die Zeit, auf eine Reise, die ihn seine bedeutsamsten Momente noch einmal durchleben lässt. Die glücklichsten Momente, wie damals in den Flitterwochen in Venedig mit seiner großen Liebe Maggie. Aber auch die schlimmsten, in denen er alles verlor. 

Schon bald begreift er, wie viel er hätte anders machen wollen.

Eine zauberhafte Geschichte über Liebe, zweite Chancen und die lebensverändernde Kraft der Bücher aus der Welt der Mitternachtsbibliothek 

Wunderschöne Ausstattung mit Elementen, die im Dunkeln leuchten


Freitag, 19. Juni 2026

*Der vergessene Wald* von Sharon Gosling - erschienen im Dumont Verlag

 *Werbung, unbezahlt*

Erscheinungstag:

16.06.2026




Mein Leseeindruck:

Passend zum endlich herrlichem Sommerwetter mit romantischen Lesestunden habe ich dieses Buch des DUMONT VERLAG durch eine Verlosung bei Lovelybooks gewonnen.  Herzlichen Dank dafür!

Den Traum vom Leben in einem Tiny Haus inmitten unberührter Natur habe ich schon seit längerer Zeit. Das neue Buch der bekannten Autorin  Sharon Gosling erreichte mich zu einem perfekten Zeitpunkt. Ihre WohlfühlBücher kenne ich alle und und sie bescherten mir schon viele unbeschwerte, spannende und charmante Lesestunden.

Die taffe Architektin Saskia Tilbury-Martin zehrt aus ihren  Lebens-Erinnerungen von den Spaziergängen im Wald mit ihren verstorbenen Vater. Ihr gemeinsamer Lieblingsort war die alte riesige Eiche in der verfallenen Schlossruine Gair , inmitten eines stillen , verzaubert wirkenden Waldes gelegen. Er hat sie behutsam und spielerisch  auf den Beruf einer Architektin vorbereitet und nach einigen Schwierigkeiten in ihrer Pubertät mit Suchterkrankungen hat sie diesen Beruf perfekt verwirklichen können.  Probleme mit der Beziehung zu ihrer desinteressierten Mutter spielten eine nicht unerhebliche Rolle bei dieser Erkrankung. Sie möchte sich nun mit dem ererbten Geld der Grosseltern einen Lebenstraum verwirklichen und das Schloss Gair restaurieren. Auf diesem spannenden Weg erhält sie Hilfe von ihrem Bauleiter Owen, dessen Freund Stuart und ihrer langjährigen Kindergartenfreundin Vivian. 

Die Autorin erzählt sympathisch und fesselnd obige Geschichte  aus zwei Perspektiven. Einmal mit Saskias Empfindungen, Wünschen, Träumen und zusätzlich aus der Sicht des Bauleiters Owen, dem Vater der kleinen Hannah. Owen kämpft um seine fast gescheiterte Ehe mit Tasha, wird unterstützt von seinem Freund Stuart. Der verwunschene Wald, die uralte Eiche in der Schlossruine bieten der Autorin wunderbare Vorlagen ihre poetische Schreibweise über die  Natur,  liebevolle menschliche Beziehungen und natürlich auch Verfehlungen, den Leser*innen nahe zu bringen. Das Wohnen auf der Wald - Baustelle in einem selbst erbauten Tiny House gibt dem Buch einen extra romantischen Kick. Doch das Bauvorhaben läuft nicht so  glatt wie erhofft und Saskia benötigt  dringend Hilfe und Unterstützung, die sie auch von Owen teilweise bekommt......

Eine Leseempfehlung für dieses entspannende Wohlfühlbuch gebe ich sehr gerne. 

Vier **** Sterne! 

INHALT/KLAPPENTEXT:Über Neuanfänge und die Sehnsucht nach einem Ort zum Bleiben

Saskia Tilbury-Martin hat viele Wochenenden ihrer Kindheit damit verbracht, mit ihrem Vater durch den Wald zu streifen. Besonders zum Schloss Gair, einer Ruine mitten im Wald, kehrten die beiden immer wieder zurück. Jahre später, nach dem Tod des Vaters und an einem absoluten Tiefpunkt in ihrem Leben angekommen, beschließt Saskia, das Stück Land mit der alten Ruine zu kaufen und zu renovieren. Kurzerhand zieht sie mitten in den uralten Wald und wohnt während der Bauarbeiten in ihrem Tiny House auf Rädern. Der Bauleiter Owen Eliott hält nicht viel von der distanzierten Londonerin und ihrem utopischen Vorhaben. Doch die Herausforderung kommt zur rechten Zeit: Seine Ehe ist gerade zerbrochen und er braucht den Auftrag, um seiner Tochter eine Zukunft bieten zu können. Als sich Saskia und Owen immer mehr unerwartete Hindernisse in den Weg stellen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als an einem Strang zu ziehen. Und so lernen die beiden langsam, dass der erste Eindruck nicht immer stimmt und dass Zuhause weit mehr als nur ein Ort sein kann.

SHARON GOSLING ist eine britische Journalistin und Autorin. ›Der vergessene Wald‹ ist nach ›Fishergirl’s Luck‹ (2022), ›Lighthouse Bookshop‹ (2023), ›Forgotten Garden‹ (2024) und ›Der alte Apfelgarten‹ (2025) ihr fünfter Roman bei DuMont. Sie lebt mit ihrer Familie im Norden von England, ihr Mann besitzt einen Buchladen.



Sonntag, 31. Mai 2026

*Der Fährmann* von Regina Denk - erschienen im Droemer Verlag

*Rezensionsexemplar, unbezahlte Werbung*

Meine Meinung zum Buch:

Zwei Orte, einer in Deutschland und einer in Österreich gelegen, durch einen Fluss, die SALZACH getrennt, spielen in dieser tragischen Geschichte  eine entscheidende Rolle. Wir befinden uns kurz vor dem 1. Weltkrieg (1914-1918) . Die Menschen beider Länder führen ein harmonisches und friedliches Leben miteinander. Durch Handel, familiäre Verbindungen im bäuerlichen Leben schufen sie enge und liebevolle Beziehungen zueinander. Der Fluss Salzach als Hindernis wurde kaum beachtet, denn es es gibt ja den FÄHRMANN, der bei Tag und Nacht, in Notsituationen durch seine Tätigkeit mit der Holzfähre den Menschen beider Länder zur Seite stand. Sein gefährlicher und wichtiger Beruf ist einigen gesellschaftlichen Regeln unterworfen. So war es ihm beispielsweise verboten eine Familie  zu gründen , da diese bei einem Unglück des Fährmannes auf dem Wasser mittellos dastehen würde. 

Drei reizende kleine Kinder, der Hannes, die Elisabeth und die Annemarie spielen oft gemeinsam am Fluss mit ihren Puppen. Sie kennen die Gefahr des Wassers noch nicht, sind eng befreundet. Es passiert noch kein Unglück. Diese Freundschaft wird sie ein Leben lang begleiten, halten, aber auch mit dramatischen Ereignissen im Erwachsenen-Leben prüfen. Über allem lag das Murmeln des Flusses mit seinem sanften Fließen, den stürmischen Wellen im Winter,  bei Gewitter und Hochwasser die Begleitmusik dazu.

 Der nun erwachsene Fährmann Hannes ist der tragende Protagonist in diesem Roman. Als sechsjähriger Bub fällt er in die Salzach im Beisein seines Onkel Georg. Er war der damalige Fährmann. Hannes erkrankt lebensbedrohend, kämpft um sein Leben, begleitet von guten  Genesungswünschen der Menschen beider Orte des Flusses. Sein Schicksal steht fest nach der Genesung. Er wird als Fährmann ein einsames Leben in vererbter  Familientradition in der nächsten Generation weiterführen. Seine beiden Freundinnen Elisabeth und Annemarie, die auf der deutschen Seite des Flusses leben, werden mit tragischen Schicksalsentwicklungen in der Liebe, Ehe, auch während und nach dem Krieg konfrontiert. Elisabeth führt auf dem Steiner Hof ein hartes, arbeitsreiches und liebloses Leben. Der Annemarie ergeht es in der Liebe nicht viel besser. Sie muss schon als Kind im Wirtshaus der Eltern helfen und ist aufdringlichen, betrunkenen Männern von klein auf  hilflos ausgeliefert. Der liebenswerte und gutmütige  Hannes steht als feste, zuverlässige Bezugsperson zu den beiden Frauen und hilft in vielen Situationen. Doch wenn zwei Frauen denselben Mann lieben , kann viel passieren,,,,,, 

Dieser Roman hat mich durch seinen ungewöhnlichen Schreibstil der Autorin magisch angezogen.  Die Autorin schreibt intensiv,  eindringlich in einem österreichisch-bayrischen Dialekt, der damaligen Ausdrucksweise gut angepasst. Dennoch ist sie klar und verständlich zu verfolgen. Meine Gefühle während des Lesens wechselten laufend zwischen Glückseligkeit, tiefer Traurigkeit, dramatischem Entsetzen, Fassungslosigkeit ob der Brutalität  und des Hasses von Menschen aufeinander, hin und her. Dieses Wechselbad der Gefühle war schwer auszuhalten und an Spannung kaum zu überbieten. Die damalige gesellschaftliche Rolle der Frauen bereitete mir besondere Sorge. Brutalität, wenig Wertschätzung im bäuerlichen Umfeld waren an der Tagesordnung. Das patriarchaisch geprägte Weltbild sowie die politische Meinung der damaligen Zeit hat ein Übriges dazu getan. Angst, Hass und die Verzweiflung der Frauen hat die Autorin eindrücklich und kraftvoll in ihrem Werk dargestellt. Der 1. Weltkrieg  stürzte die Menschen beider Länder in unvorstellbares Leid und Armut. Die Frauen hatten nun die doppelte Arbeit auf den Höfen zu erbringen, gewannen dadurch aber auch  eine neue Selbständigkeit und Selbstvertrauen. Ihre poetische Seite beim Schreiben hat die Autorin in den wunderschönen Ausführungen des Flusses Salzach und des Wassers bewiesen.

 Sehr gern gebe ich eine uneingeschränkte  Leseempfehlung mit FÜNF ***** STERNEN für diesen aufwühlenden und tiefgründigen Roman. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Droemer Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


INHALT/KLAPPENTEXT: Regina Denks Roman »Der Fährmann« erzählt ein atmosphärisch düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des 1. Weltkriegs.

Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.

Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

Ein Spannender Roman mit Tiefgang, authentischen Figuren und sprachlicher Raffinesse:

Eindrucksvoll erweckt Regina Denk die beiden Dörfer an der Salzach zum Leben, die – verbunden durch den Fährmann – seit jeher eine Gemeinschaft bilden. Bis der aufkeimende Nationalismus den Frieden empfindlich stört. Bis ein Krieg ausbricht, der die Welt verändert. Bis Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld ein Drama in Gang setzen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.

Regina Denk wurde 1981 an der bayerisch-österreichischen Grenze geboren. Die Liebe zu ihrer Heimat wurde ihr, zusammen mit der Leidenschaft für Geschichten, in die Wiege gelegt. Das Schreiben und die Berge begleiten sie schon ihr Leben lang. Vom Literaturstudium in München, bis ans andere Ende der Welt und wieder zurück in die Heimat, wo sie heute lebt - ein Bein in Bayern, das andere in Österreich. Unter dem Pseudonym Fanny König veröffentlichte sie humoristische Bayern-Krimis. Nach "Die Schwarzgeherin" ist "Der Fährmann" ihr zweiter Roman bei Droemer. 



 

Donnerstag, 21. Mai 2026

ICH BIN LESEND UNTERWEGS IN *Der Fährmann* von Regina Denk - erschienen im Droemer Verlag

*Werbung, unbezahlt Rezensionsexemplar


Ich bin lesend unterwegs in obigem Buch auf Seite 67 und schon in einem Lesesog gefangen. Der Schreibstil passt sich der bayrisch-österreichischen Ausdrucksweise an, allerdings nicht so intensiv wie im ersten Roman *Die Schwarzgeherin* der Autorin.  Man fühlt sich sofort mit den vergangenen Zeitrahmen verbunden. Das liegt sicher auch den Überschriften der 23 Kapitel mit Jahresdatum , Name und Alter der jeweiligen Protagonist*innen. Es ist ein fiktiver Heimatroman mit bäuerlichen Hintergründen, die man in heutiger Zeit kaum mehr finden kann. Eine aus Holz gefertigte Fähre nur mit händischer Kraft über einen Gebirgsfluss zu leiten gehört der Vergangenheit an,,,,, 


 Regina Denks Roman »Der Fährmann« erzählt ein atmosphärisch düsteres Familiendrama an der deutsch-österreichischen Grenze zur Zeit des 1. Weltkriegs.

Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts: Als Fährmann muss Hannes Winkler dem Brauch folgen, sich keine Frau zu nehmen. Denn sollte sein gefährlicher Beruf sein Leben fordern, darf er keine bedürftigen Angehörigen zurücklassen. Hannes’ Herz gehört trotzdem schon lang seiner Jugendfreundin Elisabeth. Doch die ist Josef Steiner versprochen, dem Erben des größten Hofes am diesseitigen Ufer der Salzach. Das trifft nicht nur Hannes und Elisabeth hart, die seine Gefühle erwidert: Elisabeths beste Freundin Annemarie hatte sich Hoffnung auf eine Heirat mit Josef gemacht.

Während der 1. Weltkrieg die kleine Gemeinschaft diesseits und jenseits der Salzach in Österreich und Deutschland spaltet, gerät das Leben der vier jungen Leute in einen Strudel aus Gewalt, Aufbegehren und Schuld. Als schließlich ein Kind verschwindet, wird eine tödliche Spirale in Gang gesetzt.

Ein Spannender Roman mit Tiefgang, authentischen Figuren und sprachlicher Raffinesse:

Eindrucksvoll erweckt Regina Denk die beiden Dörfer an der Salzach zum Leben, die – verbunden durch den Fährmann – seit jeher eine Gemeinschaft bilden. Bis der aufkeimende Nationalismus den Frieden empfindlich stört. Bis ein Krieg ausbricht, der die Welt verändert. Bis Freundschaft und Neid, Liebe und Schuld ein Drama in Gang setzen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.

https://www.droemer-knaur.de/buch/regina-denk-der-faehrmann-9783426566282

 
Ich wünsche ein schönes und vor allem sonniges Pfingstfest !




Dienstag, 19. Mai 2026

*Die Frauen der Familie* von Katherena Vermette - erschienen im btb-verlag

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

https://www.penguin.de/buecher/katherena-vermette-die-frauen-der-familie/taschenbuch/9783442770625

TRIGGERWARNUNG: Dieses Buch handelt davon, sich in dem System zurechtzufinden, das man uns aufgezwungen hat, insoweit enthält es für diejenigen, deren Leben deshalb traumatisch beeinflusst wurde, viele Trigger. Dazu gehören Schilderungen von Inobhutnahme, Isolationshaft, Selbstmordgedanken, Drogenkonsum und körperliche Gewalt. (Aber es geht nicht nur darum, okay? Ich werde versuchen, möglichst viel Liebe und Hoffnung dazwischenzupacken.)

Erschienen am 10.Dezember 2025 

Katherena Vermette, indigene Kanadiern, aufgewachsen in Winnipeg, Manitoba, ist Filmemacherin, Lyrikerin und Schriftstellerin. Ihr Debütroman Was in jener Nacht geschah war Bestseller und Debattenbuch in Kanada und wurde vielfach ausgezeichnet: McNally Robinson Book of the Year Award, Margaret Laurence Award for Fiction, Carol Shields Winnipeg Book Award. Shortlist Governor’s General Literaray Award und Rogers Writers‘ Trust, Endrunde von Canada Reads, der großen Buchkampagne des kanadischen öffentlichen Fernrsehens CBC. Der Roman The Strangers wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet und war Nummer-1-Bestseller in Kanada. 

Klappentext/Inhalt:Der Nummer-1-Bestseller aus Kanada - »Eine erschütternde Anklage gegen den Druck und die Widrigkeiten, denen indigene Frauen ausgesetzt sind.« Toronto Star

Cedar hat fast vergessen, wie ihre Familie aussieht. Phoenix hat fast vergessen, wie sich Freiheit anfühlt. Und Elsie hat die Hoffnung fast aufgegeben. Beinahe. Das sind die Frauen der Familie Stranger, die jede von ihren eigenen Dämonen geplagt wird.

Nachdem Cedar einige Zeit in Pflegefamilien verbracht hat, zieht sie zu ihrem ihr eigentlich fremden Vater. Sie kämpft mit dem Schmerz der Trennung von ihrer Mutter Elsie und ihrer älteren Schwester Phoenix, hofft aber dennoch auf ein neues Kapitel in ihrem Leben, nur um sich wieder in einem fremden Haus unter Fremden zu finden.

Phoenix bringt in einer Jugendstrafanstalt ein Baby zur Welt, das sie nie großziehen wird, und versucht, sich selbst zu verzeihen, dass sie anderen sehr viel Leid verursacht hat.

Ihre Mutter Elsie kämpft mit ihrer Sucht und ist entschlossen ist, ihr Leben umzukrempeln. Dabei schöpft sie Kraft in dem Gedanken, bald wieder mit ihren Töchtern vereint zu sein. Für die beiden möchte sie – anders als ihre eigene Mutter – ein Mensch sein, auf den sie sich die sie sich verlassen können.

Meine Meinung zum Buch:

Wir begleiten im Buch über einen Zeitraum von fünf Jahren drei indigene Frauen der Familie Stranger. Und zwar generationsübergreifend. Am Schluss des Buches werden die verwandtschaftlichen Beziehungen in einem Stammbaum noch einmal klar dargestellt. Das empfand ich beim Lesen als sehr hilfreich. Es fällt mir sehr schwer über dieses aufrüttelnde und erschütternde Buch hier zu schreiben. Es ist kein Wohlfühlroman, keine rührende Familien - oder Liebesgeschichte , wobei die Autorin in ihrer Triggerwarnung verspricht auch über Liebe zu berichten. 

Wir begegnen der harten und grausamen Realität indigener Menschen in Kanada, einer Demokratie in heutiger Zeit  mit einem funktionierendem Rechtssystem. Sie wachsen in Reservaten auf, bekommen zu wenig Bildung und gesellschaftliche Achtung. Die Familienstrukturen werden durch kriminell ausufernde Suchtkrankheiten zerstört, sowie Ihre Wurzeln, die ihnen Jahrtausende auf diesem Kontinent Halt und Orientierung gegeben haben. Stellt euch beim Lesen auf traurige Ereignisse, Gewalt, Rassismus,Tränen,Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ein. 

Großmutter) Margaret, (Mutter) Elsie, (Elsies Kinder) Phoenix und Cedar sind die Frauen dieser Geschichte , meist verlassen von den männlichen Mitgliedern dieser Familie Stranger. 

 Es wird aus der Sichtweise jeder einzelnen Frau berichtet, einzig Cedar spricht im Buch in der Ich-Form. Einblicke in Krankheit durch Drogenabhängigkeit sind etwas fast Normales und Gewalt im Gefängnis und / oder Pflegefamilien gehören auch zum Lesealltag. Von den psychischen Belastungen ganz zu schweigen, denen die Kinder von klein auf ausgesetzt werden. Ich musste das Buch oft an die Seite legen, da es einfach viel Gewalt enthält und mich sehr emotional berührt hat.  

Doch es ist ein wichtiges Thema, welches nicht verschwiegen oder vertuscht werden darf. Vielleicht hilft es einigen Leser*innen erst einmal in eine Leseprobe des Buches hinein zu schnuppern,  um danach eine Entscheidung für oder gegen das Lesen zu finden. 

Fünf ***** Sterne. 

Mein Dank gilt der Autorin und dem btb-verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.    



 

Dienstag, 12. Mai 2026

*DER LETZTE LEUCHTTURM* von Michael Pedersen - erschienen im Dumont Verlag

 *Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*


https://www.dumont-buchverlag.de/buch/michael-pedersen-der-letzte-leuchtturm-9783755800620-t-7741  


MICHAEL PEDERSEN, geboren 1984, ist ein renommierter schottischer Lyriker, Autor, Spoken Word Performer und der derzeitige Poet Laureate von Edinburgh. Zuletzt erschien 2022 das viel besprochene und von der Kritik gefeierte Memoir ›Boy Friends‹ über Trauer und Freundschaften unter Männern sowie 2023 sein Gedichtband ›The Cat Prince & Other Poems‹. ›Der letzte Leuchtturm‹ ist Michael Pedersens Romandebüt.

STEPHAN KLEINER, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München. Er übertrug u. a. Bret Easton Ellis, Michel Houellebecq, Hanya Yanagihara und Seán Hewitt ins Deutsche. 2024 wurde er für seine Arbeit mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet.


Mein Leseeindruck: 


Der an sich zweifelnde und immer wieder mit Gedankenspielen um seinen Suizid ringende Schriftsteller Firth reist als Feriengast auf eine kleine Leuchtturminsel. Sie heisst Muckle Flugga, eine im Norden gelegene Insel der Shetlands.  Er beabsichtigt seinem Leben nun dort ein Ende zu setzen. Doch es kommt völlig anders als geplant. Die aufkeimende Freundschaft mit Ouse, dem Sohn des Gastgebers und Leuchtturmwärters der Insel verändert alles.   


Das Wetter dort ist rau und wild. Tosende Stürme und Wellen sowie viele einsame Stunden begleiten den Alltag, denen alle Lebewesen der Insel, Mensch und Tier ausgesetzt sind. Ouse ist ein sensibler junger Mann , der seit dem Tod der Mutter unter den oft gewalttätigen Launen und Handlungen seines Vaters leidet. Sein Trost und imaginärer Freund ist der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, mit dem er Zwiegespräche in seinem Atelier führt. Er verbringt  dort viel Zeit mit dem Stricken von Pullovern , dem Weben von Teppichen. Das Entwerfen von neuen Mustern in seinem geliebten Skizzenbüchern gehört zu seinen liebsten Tätigkeiten. Zusätzlich sorgt er für das leibliche Wohl auf der abgeschiedenen Insel für seinen Vater und die Feriengäste. Als Firth und Ouse sich näher kennenlernen, entwickelt sich eine enge und harmonische Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern. Der hartherzige, in patriarchalen Strukturen denkende Vater versucht diese zarte Freundschaft mit Gewalt und zorniger Bösartigkeit zu verhindern.  Sein Sohn erscheint ihm zu weich und sensibel , stellt sich nicht den harten Anforderungen des Berufes eines Leuchtturmwärters. Firth, der Schriftsteller und malende Vogelkundler wird vom Vater laufend vor Ouse der Lächerlichkeit und einer naiven Unfähigkeit in allen Lebenssituationen preisgegeben. Doch Firth hält dagegen und erzählt Ouse heimlich vom möglichen, freiem Leben in Edinborough als freischaffender Künstler. Und wir begegnen der jungen Figgie. Sie stellt mit Ihrem Boot und Fahrten zur Insel sowie den Proviantlieferungen den Kontakt zur Aussenwelt her und klärt Firth über die Vergangenheit der kleinen Leuchtturmwärter - Familie auf. 


Das Lesen des Buches mit seinen außerordentlich, schönen, feinsinnigen Sätzen war ein Lesefest für mich, welches ich auf jeder Seite langsam und dafür umso ausgiebiger genossen habe. Zauberhafte, bildgewaltige  Satz - und Wortkombinationen haben mich begeistert und ich danke dem Autor und dem deutschen Übersetzer Stephan Kleiner ganz herzlich für diese herrlichen, poetischen Anregungen und Begriffe. Die stimmige, einsam gelegene Atmosphäre der rauen See wurde ebenso gut transformiert wie die empathischen Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten zueinander. 


FÜNF *****  STERNE für diese grossartige Lektüre.


Herzlichen Dank an den Autor und den Dumont Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar  mit dem wundschön gestaltetem Cover und dem komfortablen Lesebändchen. 




Sonntag, 12. April 2026

*Hellere Tage* von Ulrich Woelk - erschienen im C.H. Beck Verlag

(Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar)

https://www.chbeck.de/woelk-hellere-tage/product/39931275 

INHALT/KLAPPENTEXT: Ulrich Woelk führt seine Heldin durch eine Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Portrait einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst, und ein Gesellschaftsroman, der die aufgeheizte Realität seiner Zeit widerspiegelt - klug und feinfühlig.

Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert. Mit feinem Gespür und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen - ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart. 

Ulrich Woelk lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Er studierte Physik und Philosophie. Sein erster Roman "Freigang" erschien 1990. Zuletzt veröffentlichte er mit großem Erfolg den Roman "Der Sommer meiner Mutter", der auf der Longlist des deutschen Buchpreises stand und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Für die Fertigstellung von "Für ein Leben" erhielt Ulrich Woelk den Alfred-Döblin-Preis.

Meine Meinung zum Buch:

Ruth Lembers, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin steht vor einem neuen Kapitel ihres Lebens.  Sie muss ihre gescheiterte Ehe mit dem Architekten Ben akzeptieren, gibt ihre gemeinsame, geliebte Dachgeschosswohnung am Lietzensee auf, sowie viele Lebens Routinen, die ihr Jahrzehnte Sicherheit und Geborgenheit geschenkt haben. Der Auszug von Tochter Jenny in eine WG in Friedrichshain macht ihr schmerzlich bewusst nun allein im privaten Leben zu stehen. Sie ist allein nach Berlin-Moabit in eine Wohnung gezogen. Der plötzliche Tod ihres über 90 jährigen verehrten und geliebten Vaters konfrontiert sie zusätzlich mit einer ihr unbekannten Phase seines Lebens.  

Beruflich hat sich Ruth mit ihrer Tätigkeit als Professorin voll im Griff, kennt die Ansichten und Gepflogenheiten ihrer sehr viel jüngeren Student*inen, ist mit dem gesellschaftlichen Main Stream sehr vertraut. Ihre grosse Beliebtheit bei den Kolleg*innen gibt ihr Anerkennung und Sicherheit. 

Als junge Frau hat sie in den 1980er Jahren mit der linken Szene geliebäugelt und damals mit einem Freund in einer Protestaktion  heimlich einen Strommast umgesägt. Diese politisch motivierte , vor Jahrzehnten begangene Tat,  wird überraschend  von den Medien öffentlich ausgeschlachtet und stellt Ruth vor neue Fragen ihres beruflichen und privaten Umfeldes. Eine neue, aufkeimende  Beziehung in dieser Situation  zu einem linksautonomen Alt-Hippie gibt ihr neuen Lebensmut und die lang vermisste Nähe nach Liebe und Zärtlichkeit. 

Der sehr feinfühlige und wunderbar zu erfassende Schreibstil von Ulrich Woelk hat mich mit Leidenschaft durch die Seiten fliegen lassen. Ruth's liebevollen Gefühle und Bemühungen  um den Erhalt der Beziehung zur Stieftochter haben mich sehr berührt und ich bin erstaunt  wie gut Ulrich Woelk diese heikle Situation auf so empathische Weise beschrieben hat. Er hat auch jedem der anderen Protagonisten eine ganz eigene, faszinierende Charakterdarstellung gegeben.  So dem Architekten Ben, beschäftigt mit seiner neuen Geliebten, einer jungen Arbeitskollegin. Harald, der es schafft Ruth's Herz zu erobern und zu verzaubern. Die charismatischen, langjährigen Kollegen von Ruth an der Uni. Sogar poetische, brandenburgische Landschaftsbeschreibungen finden sich im Buch. 

Für mich war dieses Buch ein absolutes Highlight , bezeichnend für die gegenwärtigen  politischen und privaten Umbrüche und Veränderungen unserer Gesellschaft auch zwischen den Generationen, sowie den vielen Patchwork-Familien und ihren Problemen. 

FÜNF ***** STERNE.

Herzlichen Dank an den Autor und den C.H.Beck Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar mit dem Lesebändchen.    



 


 

Samstag, 14. März 2026

*Familiensache* von Claire Lynch - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

INHALT/KLAPPENTEXT: Ein Haus, einen Ehemann, ein Baby: Eigentlich hat Dawn alles, was man sich im England der 1980er-Jahre wünschen sollte. Doch dann lernt sie Hazel kennen und beginnt zu ahnen, welches andere Leben möglich wäre. Plötzlich ist alles viel heller – und komplizierter. Denn Dawn hat Verpflichtungen: Dawn hat ihre kleine Tochter Maggie. Jahrzehnte später ist Dawn für Maggie nur eine schattenhafte Erinnerung. Ihr Vater Heron hat sie allein großgezogen, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Als Heron eine Diagnose erhält, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt, erzählt er Maggie zunächst nichts davon. Denn über unbequeme Wahrheiten hat er schon immer lieber geschwiegen – so wie über das, was 1982 passiert ist …

In ebenso zarte wie sprachmächtige Prosa gegossen und mit warmherzigen Figuren gespickt, stellt Claire Lynch in Familiensache die Frage, was eine Familie ausmacht und wie die Wunden der Vergangenheit heilen können.


Claire Lynch promovierte an der Universität Oxford und lehrte Englische und Irische Literatur an verschiedenen Universitäten. Sie ist regelmäßig in Podcasts zu den Themen Elternschaft und Queerpolitik zu Gast und hat ein Memoir über ihre eigenen Erfahrungen mit queerer Mutterschaft geschrieben. Sie lebt mit ihrer Frau und ihren drei Töchtern in Windsor. »Familiensache« ist ihr Debütroman.

Meine Meinung zum Buch:

Kennt ihr diese Bücher, die einen erst ganz sanft in eine Familiengeschichte ziehen und dann mit voller Wucht erschüttern? Genau so erging es mir mit dem neuen Roman von Claire Lynch.


Die Geschichte ist wie ein komplexes Puzzle aufgebaut und springt meisterhaft zwischen zwei Zeitebenen: dem England der 1980er Jahre und der Gegenwart (2022/2023).

Im Zentrum stehen Heron und Dawn. Sie heiraten jung, wie es damals üblich war, und führen eine scheinbar glückliche Ehe, gekrönt von ihrer Tochter Maggie, die der Lebensmittelpunkt beider Eltern ist. Doch die Idylle zerbricht, als Dawn sich in die junge Lehrerin Hazel verliebt.

Was als leidenschaftliche Affäre beginnt, führt Dawn zu einer schmerzhaften Erkenntnis: Es gibt ein anderes Leben für sie. Sie möchte sich in Freundschaft trennen, hofft auf ein friedliches Co-Parenting – doch sie hat die Rechnung ohne den verletzten Stolz ihres Mannes und das gnadenlose Rechtssystem der 80er gemacht.


Besonders schockierend ist die Rolle der Behörden. Basierend auf der damaligen Überzeugung, eine lesbische Mutter sei schädlich für die Kindesentwicklung, wird Dawn systematisch aus dem Leben ihrer Tochter gestrichen.

 Gekränkt und überzeugt, das Richtige zu tun, forciert Heron eine radikale Trennung.

 Maggie wächst ohne ihre „Mummy“ auf und erhält nie eine ehrliche Antwort auf ihre Fragen.

Erst 40 Jahre später, als ihr Vater schwer erkrankt, entdeckt Maggie in alten Akten das ungeheuerliche Ausmaß der damaligen Kontaktsperre – und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Mein Fazit

Obwohl die Geschichte fiktiv ist, spürt man auf jeder Seite die tiefe Recherche der Autorin. Claire Lynch lässt die Erfahrungen vieler queerer Mütter einfließen, die ähnliche Diskriminierungen erleben mussten. Die Szenen vor Gericht, in denen Dawn wegen ihrer Sexualität regelrecht vorgeführt wird, sind kaum zu ertragen – vor allem mit dem Wissen, dass diese Praktiken noch gar nicht so lange zurückliegen.

Ein tiefgründiger, schmerzhafter, aber unglaublich wichtiger Roman über das Recht auf Liebe und die späte Suche nach der Wahrheit.


Fünf Sterne !



Donnerstag, 26. Februar 2026

*WENN DIE KRANICHE NACH SÜDEN ZIEHEN* von Lisa Ridzén - erschienen im btb-verlag


 *Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21. Januar 2026

INHALT / KLAPPENTEXT: Bo ist 89, und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeinigen so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand? Der drohende Verlust seines Hundes bringt Bo dazu, die Schlüsselmomente seines Lebens zu überdenken. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen ist ein brillant geschriebener, weltweit gefeierter Roman voller Witz und Wärme über das, was im Leben wichtig ist und uns mit Zuversicht erfüllt.

Lisa Ridzén, geboren 1988, ist Doktorandin der Soziologie und erforscht Männlichkeitsnormen in den ländlichen Gemeinden im hohen Norden Schwedens, wo sie selbst aufgewachsen ist. Heute lebt sie mit ihrem Hund in einem kleinen Dorf außerhalb von Östersund. Die Idee zu ihrem Debütroman »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« entstand, als sie ein Heft mit Notizen entdeckte, die das Pflegeteam ihres Großvaters der Familie nach dessen Tod hinterlassen hatte. Während des Schreibens besuchte Lisa Ridzén die Långholmen Writers Academy. Ihr Roman wird von Presse und Leser*innen weltweit gefeiert, erhielt zahlreiche Preise (2024 Best Book of the Year und Swedish Bookseller Award) und erscheint in 42 Ländern.

Meine Meinung zum Buch:

Der 89 jährige BO lebt allein mit seinem Hund Sixten und wird täglich vom Pflegedienst betreut. Seine langjährige Ehefrau Fredrika lebt in einem Heim für Demenzkranke und bei Besuchen erkennt sie leider ihren geliebten Bo nicht mehr. Sohn Hans kümmert sich liebevoll um seine Eltern, unterstützt von seiner Tochter Ellinor, liebevoll *Hummelchen* mit Spitznamen genannt. Ein kompetentes Pflegeteam und Bo's langjähriger Freund Ture gehören zu den Menschen, die Bo noch viel bedeuten. Der Kontakt zu Ture ist Bo nur noch telefonisch möglich. Bo und sein Hund Sixten sind eine verschworene Einheit, teilen alles , erleben alles zusammen und sind unzertrennlich. 

So erfahren wir einiges von diesen beiden *Helden des Alltags* durch den flüssigen, klaren und liebevollen Schreibstil der Autorin. Doch dieser Alltag wird immer beschwerlicher  für Bo. Sei es beim Spazieren, Verrichten der täglichen Aufgaben wie dem Füttern des Hundes und seiner persönlichen Selbstfürsorge. Sohn Hans will dem Tier ein artgerechtes Leben ermöglichen, es in einer anderen Familie unterbringen und Bo so entlasten. Damit ist Bo überhaupt nicht einverstanden! Er liebt Sixten über alles und das Tier verkörpert für ihn eine Verbindung zu seiner gesamten gelebten Vergangenheit.

Die Autorin zeigt die Problematik des Alterns in diesem Buch  aus vielen Sichtweisen auf. Wir steigen tief in die Gedankenwelt des alten Mannes ein, erleben seine Kindheit mit dem strengen Vater, der geliebten Mutter sowie der harten Arbeit in der dörflichen Abgeschiedenheit Schwedens. Seine liebevolles Verhalten gegenüber Frederika und Sohn Hans berühren das Herz und man spürt wieviel Liebe in Bo steckt und wie er sie verschenkt hat an seine kleine Familie. Der langjährige Freund Ture gehört ebenso dazu wie die harten, arbeitsreichen Jahre in einem Sägewerk.

Bo träumt sein Leben noch einmal, schläft viel, kehrt in die reale Wirklichkeit zurück und hadert mit dem Verfall seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Seine Angst den geliebten Hund zu verlieren lähmt ihn, er kann sich schwer sprachlich ausdrücken gegenüber Hans und leidet. All das erlesen wir  zwischen den Zeilen. Zusätzlich hat die Autorin die  nüchtern gehaltenen Zustandsberichte des Pflegeteams zwischen Bo's Empfindungen eingestellt. Das ermöglicht den Leser*innen einen objektiven Eindruck über den geistigen und körperlichen Zustand des alten Mannes zu bekommen. 

Dieser Roman zeigt die Verletzlichkeit der Würde eines  alten Menschen, seine  immer noch bestehenden letzen Sehnsüchte und Wünsche, seine  Ängste , Bedenken und letztendlich die ANNAHME einer unbekannten Entwicklung bis zum Ende des Lebens, die jedem von uns irgendwann bevorsteht. Es ist eine das Herz berührende Lektüre durch die feinfühlige und lebensnahe Art und Weise der Darstellung durch die Autorin. Vielen lieben Dank für diese Lektüre.   

Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aussergewöhnliche Lektüre. 

  



Montag, 22. September 2025

*Bis wir Wald werden* von Birgit Mattausch - erschienen bei Nagel und Kimche

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

INHALT / KLAPPENTEXT: »Wir sind aus dem Frühling gekommen«, sagt Babulya, und die junge Nanush weiß, dass ihre Urgroßmutter nicht nur von ihnen beiden spricht. Schon immer ist Babulyas Küche der Mittelpunkt aller Geschichten, der Ort, wo das Leben passiert für alle Menschen im Haus. Für Oma Elsa, die weder Hochdeutsch noch Russisch spricht, Felek, die aus Kurdistan geflüchtet ist, Vitali, der sich von seinem Hund beschützen lässt, oder Gregorij, der weiß, wie man Sonnenblumenkerne im Mund schält. Doch Babulya ist alt geworden, einst hat die Urgroßmutter ihre Urenkelin von Sibirien nach Deutschland getragen, nun deckt Nanush die alte Frau abends mit einer Steppdecke zu. Babulya verlässt kaum noch ihr Bett, die Hüterin der Erinnerungen ist still geworden, und die Hausgemeinschaft muss sich fragen, was es bedeuten könnte, wenn sie eines Tages nicht mehr da ist ...


Birgit Mattausch hat Germanistik und evangelische Theologie studiert. Zehn Jahre lang war sie Pfarrerin in Süddeutschland , seit 2017 arbeitet sie als Referentin in der pastoralen Aus- und Weiterbildung. Sie arbeitete mehrere Jahre in einer Gemeinde, der viele Aussiedlerinnen und Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion angehörten, und wohnte mit ihnen in einem Hochhaus. 

Meine Meinung zum Buch: 

Dieses kleine Büchlein von einhundertundvierundsiebzig Seiten ist ein wahrer Schatz aus unserem allgemeinen Menschsein, welches hier in allen positiven, aber auch negativen Facetten von der Autorin beobachtet und dann zu einem Buch – ich würde eher sagen, zu einem ehrlichen und wahren Tatsachenbericht in Romanform – verarbeitet wurde.

Es sind Minderheiten, Aussiedler*innen, alte Menschen mit deutschen Wurzeln, die eine völlig andere Lebensgeschichte erzählen können als Deutsche, die in der BRD der Nachkriegszeit oder in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Das Flüchtlingsdurchgangslager Friedland war ihr erster Sammelpunkt, an dem sie mit anderen Migrant*innen anderer Nationen sowie anderen deutschstämmigen Aussiedler*innen Kontakt aufnehmen konnten.

In diesem Bericht erzählt die Autorin vom friedlichen Zusammenleben in einem Hochhaus, nahe am Waldrand gelegen. Gemeinsam erkunden sie ihre neue Heimat Deutschland mit seinen Menschen. Sie nennen sie die Hiesigen.

Die Autorin lässt die alte Babulya und die junge erwachsene Nanush von dem neuen Leben im Hochhaus, von ihrer eigenen Vergangenheit und dem Aufwachsen in Sibirien, Kasachstan, den erbarmungslosen Vertreibungen vor Jahrzehnten bildgewaltig und emotional sprechen. Babulya und ihre Familie hatten herkunftsmäßig deutsche Wurzeln. Es sind Erfahrungen, Erlebnisse mit vertriebenen Menschen aus vielen Nationen, die doch ein Schicksalsmoment gemeinsam erlitten haben: Die Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat mit politischen und/oder rassistischen Hintergründen.

Nanush, die liebevoll von ihrer Urgroßmutter auch mein Kätzchen oder Nanushkinia genannt wird, spricht von Erinnerungen und Fragen an die Urgroßmutter aus ihrer Kindheit.

Wir begegnen beim Lesen Oma Elsa, mit ihrem unverwechselbaren Dialekt der älteren deutschen Sprache aus vergangenen Zeiten. Der vermissten Mome. Sie ist die Mutter von Nanush und Tochter von Babulya. Der vermissten Großmutter, Mutter von Babulya und dem verschleppten und vermissten Ehemann von Babulya, dem sie ein Leben lang hinterhertrauert. Sie tröstet sich über diesen großen Verlust damit hinweg, dass er ihr immer wieder als starker Bär im Traum und im Leben erscheint. Der sibirische Wald mit seinen hellen Birken, der unberührten Natur mit seinen Tieren, einem naturnahen und glücklichen Leben dort, stehen oft im Vordergrund der Erzählungen für die kleine Nanushkinia, die mit ihren Fragen und ihrem Dasein ein großer Trost, Hoffnung und Lebensstütze für Babulya ist.

Der schöne und poetische Schreibstil der Autorin, auch durch die Sprache von Babulya ausgedrückt, bezaubert, vermittelt einen liebevollen und humorvollen Charme. Babulyas Denkweise erscheint oft kindlich naiv, herzlich, liebevoll in ihren Aussagen – dann wieder voller Lebensweisheit mit philosophischen Ansätzen. Babulyas Küche mit den Gläsern voll eingemachter Salzgurken, getrockneten und frischen Kräutern, Tomatenpflänzchen, ist ein Treff- und Mittelpunkt für alle Hochhausbewohner. Für den jungen Vitali, den Sonnenblumen kauenden Gregorij, die junge Kurdin Felek wie auch für die betagte Oma Elsa und ihre gleichaltrigen Freund*innen und Familien aus der ehemaligen Sowjetunion.

Diese mehr oder weniger genau erzählten Lebensgeschichten enden irgendwann auch für eine altersschwache Babulya unter einer warmen Steppdecke, liebevoll von Nanushkinia umsorgt – mit Phantasie-Bären, Blumen und einer heilen sibirischen Waldwelt.

Für dieses kleine Büchlein möchte ich eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen aussprechen und bedanke mich ganz herzlich bei der Autorin und der HarperCollins Verlagsgruppe für die Zusendung des Taschenbuches.