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Dienstag, 28. Oktober 2025

*Moscow Mule* von Maya Rosa - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 13. August 2025 

INHALT / KLAPPENTEXT: Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig 

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer              Familie in Berlin.

Meine Meinung zum Buch: 

In diesem interessanten Roman begegnen wir Tonya und Karina, zwei jungen russischen Studentinnen im Moskau vor ca. zwanzig Jahren. Es ist die Zeit in der die Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2006  vor ihrem Haus durch mehrere Schüsse getötet wurde. Es ist auch die Zeit der Luxusautos im Strassenbild  und der armen, älteren Mütterchen , die mit Strassenverkäufen ihre dürftige Rente aufbessern.

 Karina und Tonya geniessen ihre Studienzeit an der Universität, nehmen jede Party, jedes Vergnügen und viele Männerbekanntschaften mit in ihr Leben. Tonyas Lebenstraum besteht aus einem seriösen Leben mit Familie, Haus und Garten. Karina weiss es nicht genau , ist unstet, schlägt sich in Moskau durch mit Übernachtungen bei Freund*innen und zufälligen Bekanntschaften, da sie in einem Vorort mit ihrer geliebten Großmuter lebt. Zwei Stunden Fahrzeit für eine Tour bis zur Universität sind ihr einfach zu lang. 

Der spritzige und und sehr oft witzige Schreibstil der Autorin, geschrieben in der Ich-Form aus Karina's Sicht hat mir sehr gut gefallen. Das Buch war unterhaltsam zu lesen, hat mir viele  Einblicke in die Jugend  und Denkweise einer Generation der jetzt ungefähr 40 jährigen Frauen und Männer gegeben. Vor allem aber auch Einblicke in die Atmosphäre der damaligen Zeit in Moskau, für mich ein Eindruck, der von Kälte, grauem Schnee,  heissen Banjas auf dem Land, unkomplizierten und offenen Beziehungen, sowie herzlichen Familienfeiern mit Wodka  geprägt wurde. Europa und Deutschland erschienen  der jungen Generation wahnsinnig weit weg, aber  eben doch das erstrebenswerte Reiseziel für viele junge Menschen dort;  ein Studium und Aufenthalt im europäischem Ausland an einer Universität.  

Die innige Freundschaft und deren Entwicklung  zwischen den beiden jungen Frauen, die sich seit Kindertagen sehr nahe stehen, ist auch ein emotional sehr berührendes Thema in dieser Geschichte, welches die Autorin in ihrem Debüt Roman dargestellt hat.  

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und einen tiefen Einblick in das damalige Land mit seinen liebenswerten  und herzlichen Menschen bekommen.  Die Themen Freundschaft, und das Streben nach persönlicher Freiheit nehmen einen grossen Raum im Buch ein. Danke dafür !

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen Debüt Roman von Maya Rosa. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


 



Sonntag, 6. April 2025

*Pearly Everlasting* von Tammy Armstrong - erschienen im Diogenes Verlag

*Rezensionsexemplar, unbezahlte Werbung*

Erschienen am 26.3.25 

Verlags Link

INHALT/KLAPPENTEXT: Kanada, 1934: Das Mädchen Pearly Everlasting, zu Deutsch Silberimmortelle, ist fünfzehn und in einem Holzfällercamp mitten im Wald aufgewachsen – zusammen mit dem Bären Bruno, der seit ihrer Geburt ein Teil der Familie ist. Doch dann beschuldigt man Bruno, einen Mann getötet zu haben. Der Bär wird weggebracht, niemand weiß, wohin. Verzweifelt und entschlossen macht Pearly sich zu Fuß auf den Weg durch die tief verschneite kanadische Landschaft, um Bruno zu suchen.

Tammy Armstrong, geboren 1974, ist eine kanadische Lyrikerin und Autorin. Sie studierte Creative Writing an der University of British Columbia und hat in Literatur und Critical Animal Studies promoviert. Sie lebt in einem Hummerfischerdorf an der Südküste von Nova Scotia.

 Peter Torberg ,geboren 1958 in Dortmund , studierte in Münster und in Milwaukee. Seit 1990 arbeitet er als freier Übersetzer , u.a. der Werke von Patricia Highsmith, John Irving, Michael Ondaatje, John le Carré, Mark Twain, Irvine Welsh und Oscar Wilde. 


MEINE MEINUNG ZUM BUCH: 

Ein anrührend erstaunliches, sehr altes kanadisches Foto aus dem Jahr 1903, indem eine Frau ein Bärenjunges an der Brust stillt, bildet die Grundlage dieser fiktiven Geschichte der jungen kanadischen Lyrikerin Tammy Armstrong.

Wir befinden uns tief in den kanadischen Wäldern in einem Holzfällercamp während der 1930er Jahre. Das Leben dort ist hart, beschwerlich und gefährlich für die Arbeiter und ihre Angehörigen. Strenge Winter mit eisigen Temperaturen,  heftigen Schneefällen, Windbruch und die gefährliche Waldarbeit verlangen den Männern alles ab. Sie sind Unfällen, Krankheiten und Trennungen von ihren Familien durch die weiten, unwegsamen Entfernungen in der Wildnis fast hilflos ausgeliefert. Edon, der Koch, seine Frau Eula, eine Heilerin und deren gemeinsames  Baby *Pearly Everlasting*, zu Deutsch *Silberimmortelle* ist die einzige junge Familie im Camp. Sie bietet den Waldarbeitern menschliche Wärme, Verpflegungssicherheit im Kochhaus, sowie ärztliche Hilfe durch die Naturheilerin Eula. Als der Vater ein hilfloses Bärenwelpen Junges auf seinen Streifzügen durch den Wald findet und es zu seiner kleinen Tochter in die Wiege legt, wird das von den Holzfällern gleichmütig akzeptiert. Das passiert im *falschen Frühling* 1918 , der sehr kalt daherkam. Eula betreut den kleinen Bären Bruno wie ein eigenes Kind, legt ihn sogar an die Brust. Er wird sozusagen Pearl'ys Bruder und Spielgefährte von klein auf. 

Alle mögen Bruno und seine Bären-Streiche, wie das Erhaschen von Nahrung und übermütige Herumtollen im Camp 33.  Mensch und Tier verbinden sich durch eine gemeinsam gefundene Körpersprache, Lieder und Worte. Nur *Swicker* , Leiter des Camp 33 kann Bruno nicht ausstehen. Er ist der Meinung dass ein Bär nicht in menschliche Gesellschaft gehört. Es kommt zur Katastrophe. Swicker wird ermordet im Wald aufgefunden und Bruno dieser Tat verdächtigt und gewaltsam aus dem Lager entfernt. Für Pearly ist das unfassbar. Das inzwischen 15 jährige Mädchen macht sich auf die Suche nach seinem besten Freund und Spielgefährten Bruno.

In vielen Kapiteln beschreibt Tammy Armstrong die Kindheit von Pearly in der Ich-Form, die Spiele und das emotionale Zusammenwachsen von Pearly und Bruno in einer anrührenden und zärtlichen Sprache, die immer wieder von Mythen aus der Wildnis und poetisch beschriebenen Naturbeobachtungen aufgelockert wird. Der Zusammenhalt der jungen Familie, verbunden mit den Schicksalen der Holzfäller fasziniert und unterhält die Leser*innen  mit den unterschiedlichsten Schicksalen und Gewohnheiten der zusammengewürfelten Arbeiter. Eula und Ivy verarzten die kranken und verletzten Männer, Ansell hilft Edon im Kochzelt und über allen schwebt der immer gegenwärtige *Old Jack* über dem Camp 33 und den Wäldern - ein nicht fassbares Naturwesen des Waldes, welcher für alles , Gutes, Böses, Unheimliches, Schrecken und Wunder verantwortlich ist. Mythische und poetische Betrachtungen des Waldes und der Natur erwachen in diesem Roman immer wieder durch den lebendigen, zärtlichen und sehr bildhaften Schreibstil der Autorin zum Leben. Pearly hat für Bruno sogar ein *Bärenlied* komponiert, mit dem sie ihn immer zu sich locken kann. Die Ethnologin und Lieder-Fängerin Ebony nimmt dieses mit ihren Geräten auf und macht es so für die Nachwelt unvergessen.  

Doch als die junge  15 jährige Pearly aufbricht um ihren Freund Bruno zu suchen, begibt sie sich in das gefährlichste Abenteuer ihres jungen Lebens - in einen  Kampf mit den vereisten Elementen der Wildnis und Natur - und den Mitmenschen der sogenannten Zivilisation. 

Das Buch ist grossartig geschrieben , ein echter Coming-of-Age und Abenteuer Roman in bester Ausstattung ! Ich möchte aus diesen Gründen eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** STERNEN aussprechen. 

Vielen Dank an die Autorin Tammy Armstrong und den DIOGENES VERLAG für das gebundene Print Rezensionsexemplar.