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Mittwoch, 14. November 2018

*Sautanz* von Max Stiegl und Tobias Müller, erschienen im Servus Verlag

BUCHDETAILS
ISBN-13 9783710401848
256 Seiten / 21 x 26 cm
Servus

Verlagsinfo , Erscheinungstermin: 11.10.2018
*Werbung*














Rezension

Genuss & Tradition


Der Sautanz gehört zu den alten Brauchtümern, die fast in Vergessenheit geraten sind. Nicht so im burgenländischen Gut Purbach: Dort wird das traditionelle Fest jeden November mit Familie, Freunden und Gästen zelebriert.


Dabei geht es in erster Linie darum, dass die Tiere sowohl zu Lebzeiten als auch vor und nach der Schlachtung mit Respekt behandelt werden. Für den Spitzenkoch Max Stiegl bedeutet das vor allem, dass nichts verschwendet wird – er nutzt deshalb auch die Teile des Schweins, die andere wegwerfen würden. Beim Sautanz wird das Schwein erst geschlachtet und dann gemeinsam von Kopf bis Fuß verarbeitet, verkocht und verkostet.

Max Stiegl hat dafür klassische Rezepte verfeinert und neue Kreationen geschaffen, außerdem zeigt er Rezepte für Mutige, die noch nicht alles probiert haben. So finden sich Gerichte von gesottenem Rüssel in Bier über Blunz-Suppe bis Schweinsfuß-Medaillons. Hobbyköchen wird erklärt, worauf man beim Kauf von Fleisch und Innereien achten muss, wenn gerade kein Sautanz in der Nähe stattfindet, und wie vielfältig einsetzbar Schwein in der Küche ist.

Die Autoren:

Max Stiegl

Max Stiegl, geboren 1980 im slowenischen Koper, war der jüngste Koch der Welt, der einen Michelin-Stern gewinnen konnte. Seit zehn Jahren kocht er im Gut Purbach sehr gerne mit dem, was es in der unmittelbaren Umgebung gibt, am liebsten die sonst eher weniger prominenten Innereien der Tiere, für die er berühmt wurde. Seine Küche ist inzwischen mit mehreren Hauben dekoriert und verbindet regionale, traditionelle Gerichte mit innovativen, außergewöhnlichen Kreationen.

Tobias Müller

Tobias Müller wurde 1983 in Wien geboren und ist Journalist. Er kocht, isst, trinkt und schreibt darüber. Seine Texte sind unter anderem in Falstaff, Guardian und dem Magazin der SZ erschienen. Seine Kolumne Gruß aus der Küche läuft seit beinahe zehn Jahren sehr erfolgreich in der österreichischen Tageszeitung Der Standard. Sautanz ist sein zweites gemeinsames Kochbuch mit Max Stiegl.


Meine Meinung: "Rezepte aus einer Zeit, als Fleisch noch etwas besonderes war".

Dieser  oben aufgeführte Untertitel  des Buches hat mich bei meiner Auswahl der Lektüre zum Rezensionsexemplar besonders angesprochen. 
Fleisch ist etwas besonderes, ebenso wie dieses wunderschön aufgemachte Kochbuch. Auf ca. zweihundertfünfzig Seiten findet der interessierte Hobbykoch  sehr ausgefallene Rezepte, die sicher in der normalen Küche des Durchschnittsbürgers in Vergessenheit geraten sind , oder gar gänzlich unbekannt erscheinen.  Das Verarbeiten und Geniessen von tierischen Fleischprodukten wird heute von vielen Verbrauchern abgelehnt, verteufelt mit dem Blick auf die Massentierhaltung, und dem teilweise vernachlässigten Tierwohl durch  den Erzeuger. 

Ich habe dieses Buch meiner kleinen privaten Leserunde vorgestellt und wir hatten viel Stoff zum Diskutieren. Es war eine entspannte Diskussion mit vielen unterschiedlichen Aspekten des Kochens , Essens und teilweise lustiger Akzeptanz  auf manche Rezepte wie zum Beispiel auf Seite 62 * Hoden Grenobler Art*.  In einem waren wir uns aber alle einig und diese Erkenntnis hat uns wieder zusammengeführt: * Fleisch ist eines der wertvollsten Nahrungsmittel, denn es stammt von einem lebenden Tierwesen, dem wir alle mit Achtung und Dankbarkeit für sein Ableben begegnen sollten. *

In diesem ungewöhnlichem Kochbuch werden Rezepte vorgestellt, die alle Teile des Tieres zur Verarbeitung nutzen und nicht nur Braten, Steaks oder Hackfleischgerichte.  Zu jedem der ausführlichen über 70 beschriebenem Rezepte gibt es passende, geschmackvolle und attraktive Foto der jeweiligen Speise. Innereien werden vorgestellt wie Milzschnitten, Gin-Herz, Hirn mit Ei  oder gebackene Leberknödel.  Ein Rezept für Gebackene Hoden gibt es übrigens auch neben dem Rezept aus Grenoble. Viele Rezepte entstammen der österreichischen Küche und ich war froh über ein gut erklärendes kleines *Österreichisches kulinarisches Wörterbuch* auf den letzten Seiten. 
Sicher sind viele dieser Rezepte aus den Hungers-Nöten  vorheriger Jahrzehnte und /oder Jahrhunderte geboren worden. Das eigene Schlachtfest eines Tieres am Ende des Jahres gehörte selbstverständlich zur Tradition des Selbstversorgers dazu. Kein Teil eines geschlachteten Tieres wurde weggeworfen oder wie es heute üblich ist, zu Tierfutter für andere Tierlebewesen verarbeitet.

Ein vernünftiger Handlungs-Ansatz auch für die heutige Zeit.  Für manche Zutaten muss man allerdings einen sehr guten Draht zu einem privat schlachtenden Metzger haben, denn alle Teile eines Tieres sind meist nicht im normalen Supermarkt zu bekommen. 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Autoren und dem Verlag für die Zusendung dieses aufklärenden und wichtigen Buches über das Verarbeiten und Herstellen tierischer Lebensgenüsse. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE 

    


  



Montag, 12. November 2018

*Die Schwaben-Kinder*, von Elmar Bereuter, erschienen im Piper Verlag

Die Schwabenkinder — Inhalt
Verkauft auf Schwabens Kindermärkten
Die unverschuldet in Not geratene Bauernfamilie Meser schickt ihren Sohn auf den Kindermarkt nach Ravensburg, wo er von einem grausamen Bauern ersteigert wird. Doch schon bald erträgt er das Leben auf dem Hof nicht mehr und läuft davon. Eine abenteuerliche Flucht beginnt. Elmar Bereuter erzählt vom bewegenden Schicksal jener Sklavenkinder, die im 19. Jahrhundert über die Alpen nach Oberschwaben zogen, um dem Hunger zu entkommen.


€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 04.09.2018
400 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31284-4

*Werbung* Verlagsinfo


Rezension

Autor: Elmar Bereuter 

Biografie

Elmar Bereuter, geboren 1948 in Lingenau als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager erfolgte mit der Gründung eines Werbeunternehmens der Sprung in die Selbstständigkeit. Mit dem Erscheinen des Romans »Die Schwabenkinder« begann ein neuer Abschnitt als Schriftsteller im Hauptberuf. Auf seinen Bestseller, der den Anstoß zum gleichnamigen Film mit Tobias Moretti gab, folgten die Romane »Hexenhammer«, »Die Lichtfänger«, »Felders Traum« sowie Wanderführer über die »Schwabenkinder-Wege«. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe des Bodensees.


Meine Meinung:

Vierhundert dramatisch beschriebene Seiten mit Schilderungen von Schrecken, Angst, Verunsicherung, Heimweh, Hunger, Schlägen und gröbsten Misshandlungen eines Kindes und seiner unschuldigen Seele habe ich beim Lesen verfolgt und der kleine Kaspanaze aus dem Bregenzer Wald, sowie die anderen Kinder aus Vorarlberg, Südtirol , der Schweiz, haben mir von Herzen leid getan. Ich bin froh, dass diese *Lesereise* nun ein Ende hat.  Dieses Buch ist keine schöne,  friedliche  oder romantische Lektüre des 19.Jahrhundert , sondern rüttelt unser Gewissen auf , alles, aber auch alles was Verantwortlichen  Menschen möglich ist , (auch heute),  für Kinder zu tun, damit kein Kind so schlimm leiden muss!

Und all das ist bei uns in Europa vor gar nicht so langer Zeit  passiert. Der Autor Elmar Bereuter beschreibt in seinem Buch die ärmlichen  und katastrophalen Lebensumstände der dörflichen Bevölkerung des Alpenraumes, des Allgäus, des Schwabenländle in Baden Württemberg, des 19. Jahrhundert in deutlichen und starken Bildern, die sich im Kopf festsetzen . Sein Schreibstil ist gut zu verstehen, wobei er sich auch an Dialektausdrücke und den damals dörflichen Umgangston gehalten hat. So wirkt dieses Buch sehr authentisch.  Kinder wurden als billige Saison-Arbeitskräfte verkauft, vermietet und ausgenutzt. Eine allgemeine Schulpflicht gab es kaum und war nicht verbindlich, viele Menschen waren Analphabeten. Ein Kinderschutzgesetz gab es noch lange nicht.  
Die Lebensumstände und der Hunger waren in vielen Alpentälern und Bergbauernhöfen  so präsent und  dringlich, dass viele Familien die älteren Kinder als Arbeitskräfte während der Sommermonate weggeschickt haben. Im März wurden die Kinder von Führern gesammelt und in langen, beschwerlichen Wanderungen in den Voralpenraum  zur Arbeit auf anderen Höfen und den Kindermarkt begleitet. Dort waren sie nun auf *Gedeih oder Verderb*, ohne Rechte und Fürsorge wildfremden Menschen ausgeliefert. In den Städten Ravensburg,Wangen, Friedrichshafen, Überlingen und vielen Orten im Allgäu gab es regelrechte, öffentliche Kindermärkte. 

Zitat aus den Erklärungen zu den Kindermärkten auf Seite 397: "Im ersten Drittel des 19. Jahrhundert dürften es jährlich über 4000 *Schwabengänger* gewesen sein. " 

Hinweise verschiedener Chronisten beschreiben diese Tradition der Kindermärkte schon bis in das 16. Jahrhundert zurück!    

Es ging oft gut und viele Kinder fanden eine neue Heimat, blieben sogar für immer auf dem neuen Hof, aber das war nicht der Normalfall. Aus dem Erleben und den Schilderungen des kleinen Kaspanaze ersteht eine einfache Welt aus dem Blickwinkel eines unschuldigen Kindes vor dem Leser. Die Grobheit, die den Kleinen entgegengebracht wurde, übertrugen viele Kinder in ihren Alltag. Raufereien und bösartige Streiche , besonders zwischen den  fremden Hüte-Kindern und den Einheimischen  waren an der Tagesordnung.

Vermisst habe ich im Buch ein Glossar, denn viele  bäuerliche Ausdrücke waren mir unbekannt. Die Erklärungen des Autors am Endes des Buch zu dem Phänomen Kinderhandel und seine geschichtlichen Hintergründe empfand ich als sehr aufschlussreich!  

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aufklärende Lektüre!

Mein Dank geht an den Autor und den Piper Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars !

Mittwoch, 7. November 2018

*KINDER HERZ* DAS LEBEN DER KAROLINA WEISS, ERSCHIENEN IM ECOWIN VERLAG

*WERBUNG*


REZENSION

Der Firnenglanz der Berge und die Tiefe einer Kinderseele

Das Mädchen Karolina wird auf der Alm groß. Sehr früh beginnt sie, ein Tagebuch zu führen. Sie schreibt über die Schönheit der Berge und Seen, über die Mühsal des Bergbauernlebens, die langen Arbeitsstunden, das Spiel mit den Geschwistern. Über Schneestürme mitten im Sommer, über die Gefahren durch herumziehende Räuberbanden. Detailgenau und faktentreu erzählt sie vom Alltag am Berg, von Arbeitsweisen und -gerät, vom Zusammensein mit der Familie, vom Essen und Trinken, von dem intimen Verhältnis zu Tieren. In schelmischem Ton berichtet sie von Gebräuchen und Ritualen, vom Leben eines Mädchens in einer Welt, die so nicht mehr existiert.

Die Autorin der Tagebuchaufzeichnungen:
Karolina Weiss wurde 1893 im salzburgischen Stuhlfelden geboren. Sie wächst in den Sommermonaten auf einer hochgelegenen Alm im Stubachtal und im Winter in der kleinen Gemeinde Stuhlfelden auf. Sie lebt das karge Leben der Bergleute, erfährt die Ungewissheit der Nachkriegsjahre 1919/20 und sieht sich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Auf ihrem späteren Lebensweg wird sie Hüttenwirtin, Kinderfräulein, wandert nach Holland aus, kehrt schließlich nach Österreich zurück und rekapituliert dort ihre seit früher Kindheit aufgeschriebenen Erinnerungen.


MEINE MEINUNG:  Karolina Weiss ( 1893-1986) hat in ihrem einfachen Leben viel Aufregendes und ein riesiges Stück Zeitgeschichte miterlebt und ihre Erlebnisse - in denen  sie hauptsächlich aus Kindheit und jungen Jahren erzählt, in Tagebuch- Aufzeichnungen, aus rückwirkender Blickweise (1945). 

Zitat Seite 261: " Irgendjemand wird es einmal lesen - vielleicht ein bisschen Freude damit haben und vielleicht auch ein wenig Nutzen daraus ziehen...,lautet die zurückhaltende, offenkundig nicht auf eine grössere Verbreitung der lebensgeschichtlichen Aufzeichnungen ausgerichtete Intention der Schreiberin gleich zu Beginn ihres Manuskripts."

Die Autorin hat ca. 1907 oder früher mit ihren Aufzeichnungen begonnen in kindlich, naiver Schreibweise, geschrieben ähnlich wie *Gesprochen*. Sie hat viele spezielle Dialektausdrücke ihrer österreichischen Heimat eingefügt, die mir nicht geläufig waren. Aus diesem Grund erfreute mich das grosse Glossar am Ende des Buches, welches ich öfter mit fragendem Blick aufschlagen musste. Zum Beispiel der Ausdruck Gleck, eine Gemisch aus Salz und Getreideschrot, fallweise auch gehackten Blättern oder Heublumen, als Beifutter für Rinder. Oder das Wort Fack (Schwein). Man kann diesen Schreibstil der Tagebuch-Erinnerungen auch als urig, lebensnah , amüsant und ausdrucksvoll beschreiben. Ich musste oft lächeln beim Lesen, aber mir wurde auch bewusst in welch hartem, oft brutalem Umfeld der abgeschiedenen Alpentäler, die junge Lina (Karolina) gelebt hat. Schläge gab es oft genug, Kinder hatten noch keine eigenen Rechte, sondern lebten in der Hoffnung auf das baldige Erreichen des *Weges zum Großmenschendasein* . Linas Denken und Innenleben waren mir oftmals sehr fremd, aber man bedenke immer wieder an die Zeit der Anfänge ihrer Aufzeichnungen  (vor dem Beginn des 1. Weltkrieges). Sie hatte sieben Geschwister und ihre Familie führte ein hartes Bergbauern - und Jägerleben! Niemand entrüstete sich in diesem Umfeld über körperliche Züchtigungen oder Kinderarbeit.  Der sexuelle Missbrauch von Kindern war auch damals keine Seltenheit, wurde aber von den Erwachsenen tabuisiert und übergangen. 

Sie wuchs sehr naturverbunden in der Schönheit der Bergwelt auf und diese frühen, prägenden Eindrücke haben ihre Kinderseele sensibilisiert und für das Schöne in ihrer Umwelt geöffnet. In vielen Zeilen und auch volkstümlichen eigenen Dichtungen  kommt diese Liebe zur Heimat und Familie immer wieder in ihren Einträgen zur Geltung. Sie war ein kluges Kind und hat früh von Mutter und Grossmutter gelernt ihre Gedanken und Eindrücke auf dem Papier festzuhalten. Vielleicht wäre sie mit ihrem Talent zum Schreiben und besserer Ausbildung in einer anderen Zeit sogar eine Literatin geworden?

Mit vierzehn Jahren begann für sie der *Ernst des Lebens*.  Eine Station ihrer LEBENS-REISE war die Stellung als Bademeisterin in Innsbruck, die sie mit lustigen Erlebnissen spickt. Auch die fröhlichen Zeiten bei Onkel und Tante gibt sie freudig und munter wieder.  Sie besuchte sogar eine Handelsschule.  Auf jeden Fall ist sie Dank ihrer inneren Stärke und Festigkeit zu einer selbstbewussten und starken Frau herangereift, die in ihrem Leben sogar in Holland war und Südtirol bereist hat als Vertreterin für Maggi Erzeugnisse!!

In dieser Lektüre, basierend auf den Tagebuchaufzeichnungen, sehen wir nur Fragmente ihres Lebens, denn die Orignal-Manuskripte sind sehr viel umfangreicher als in diesem Buch dargestellt werden konnte. 

Das umfangreiche und wichtige Nachwort von Mag Günter Müller ( Institut für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte, Universität Wien, Doku Lebensgeschichten) , erzählt noch zusätzlich Tatsachen und interessante Informationen zum Leben der  Karolina Weiss. 

Mein Dank geht an den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplares. 

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** STERNE für diese sehr interessante Darstellung eines Frauenlebens ihrer Zeit !