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Freitag, 31. Juli 2026

*ISS DICH JUNG* von Prof. Dr. Valter Longo - Das Rezeptbuch zur Longevità-Diät

 (Werbung, unbezahlt*)



MEINE MEINUNG ZUM BUCH: 

Ob es eine wirkliche Gnade ist einhundert Lebensjahre zu erreichen, möchte ich stark bezweifeln. Zumal  wenn Krankheit und Leiden die Oberhand gewinnen. Daher kann ich der Wahl des Titels nur teilweise meine persönliche Zustimmung geben.
Denn gesunde Ernährung beginnt für uns Menschen schon im Mutterleib durch die Ernährungsgewohnheiten der Mutter und wird  hauptsächlich durch die weitere Nahrungsaufnahme und viele andere Faktoren im Lauf des Lebens massgeblich beeinflusst.  Auf jeden Fall ist es sicher erstrebenswert sich ein persönliches Ziel für eine gesunde Ernährung zu setzen.  Einfache, gesunde Lebensmittel ohne chemische Zusätze,und/oder industrieller Verarbeitung sind auf jeden Fall zu bevorzugen. Und nun kommt obiges Rezeptbuch ins Spiel. Auf fast vierhundert Seiten können wir Meinungen, Tipps , Tricks und vor allem einfache, wohlschmeckende Rezepte, hauptsächlich aus Italien stammend , von Prof. Valter Longo gesammelt , nachlesen. Er hat das Buch in verschiede Abschnitte aufgeteilt, die ich hier nun vorstelle: 
Einleitung, Scheinfasten, Krankheit und Lebenserwartung : ein Update, 
Zu Tisch bei unseren Vorfahren: Die Mittelmeerdiät und ihre Geschichte, 
Wo man in Italien am ältesten wird: Ernährung und Lebensweise, 
Mittelmeerdiät und Longevità-Diät, 
Auf der Suche nach Speisen für ein langes Leben, 
Vitamin - und mineralstoffreiche Lebensmittel und ihre Zubereitung,Tafelfreuden für ein langes Leben : Die Rezepte.
 
Quellen für Vitamine Mineralstoffe und andere Mikronährstoffe , Danksagung, Quellen und Anmerkungen, Bildnachweis, Sachregister, Rezeptverzeichnis. 

Hier nun einige Eindrücke aus dem Buch. Prof Longo hat die Rezepte den unterschiedlichen Regionen Italiens zugeteilt und so übersichtlich  geordnet. 






Um die ca. zweihundert Rezepte nachzukochen bedarf es vor allem Geduld und Zeit.  Es ist illusorisch das zu schaffen. Ich freu mich aber schon sehr darauf immer wieder zu diesem schönen Ratgeber zu greifen und mir neue Anregungen für meine tägliche Küche zu holen. 

Ich vergebe gern FÜNF ***** Sterne für diesen Ratgeber und bedanke mich herzlich beim Autor und dem Goldmann Verlag für diesen wertvollen Sachratgeber als Rezensionsexemplar. 

INHALT/KLAPPENTEXT: 

In seinem Bestseller »Iss dich jung« zeigte Prof. Dr. Valter Longo, wie wichtig Ernährung für ein langes und gesundes Leben ist: Durch die Kombination von gesunder Ernährung mit dem sogenannten Scheinfasten ist es möglich, das Risiko altersbedingter Krankheiten zu senken. Nun teilt er die Ergebnisse seiner neuesten Forschung und nimmt uns mit auf eine Reise zu den Regionen Italiens, in denen die meisten Hundertjährigen leben.
Longo hat mehr als zehn Regionen mit einer außergewöhnlich hohen Lebenserwartung identifiziert und sich ihre traditionelle Küche angesehen, um herauszufinden, was das Geheimnis der Hundertjährigen ist. Von diesen Erkenntnissen können wir alle profitieren, um ein möglichst langes Leben in Gesundheit zu führen.
Neben einer kurzen Einführung in die Longevità-Diät und das Konzept des Scheinfastens sowie einem Überblick über die neueste Forschung enthält dieses Buch mehr als 200 Rezepte zum Nachkochen.

Prof. Dr. Valter Longo, geboren 1967 in Genua, ist ein weltweit anerkannter Experte und führender Wissenschaftler auf dem Gebiet des Alterns sowie altersbedingter Krankheiten. Er ist Professor für Gerontologie und Biowissenschaften sowie Direktor des Institute of Longevity of the School of Gerontology an der University of Southern California in Los Angeles, einem der renommiertesten Zentren zur Erforschung des Alterungsprozesses. Für seine Arbeit erhielt Prof. Longo zahlreiche namhafte Auszeichnungen.

Übersetzt von Imke Brodersen.



 


Sonntag, 26. Juli 2026

*Zeit der Wale* von Ingeborg Arvola - *Die Eismeertrilogie Band 2* - erschienen im btb Verlag -

*unbezahlte Werbung*


Meine Meinung zum Buch:

Der zweite Band der *Eismeertrilogie* von Ingeborg Arvola hat mich wie der erste Band *Der Aufbruch* sofort in einen wunderbar fesselnden Lesesog gezogen. Wir befinden uns im Jahr 1863 . Brita Caisa und Mikko wurden beide wegen Ehebruch verurteilt und sitzen ihre Gefängnisstrafen ab. Es ist kalt, eisige Schneestürme belasten die Bevölkerung. Die beiden Gefängnisinsassen müssen bitteren Hunger neben der Kälte,  Schmach und Verachtung ertragen.  Brita und Mikko erwarten ein gemeinsames Kind. Er könnte nach dem Verbüßen seiner Strafe zu seiner Ehefrau Gretha zurückkehren und den Hof weiterführen. Für Brita ist die Lage ungleich schwieriger, sie hat kein Auskommen und kommt bei Bekannten unter. Doch Mikko steht zu seiner geliebten Brita Caisa Seiparjærvi und dem Kind, verlässt die Ehefrau, verliert auch den Hof. Er will für seine neue Familie ein Pirtii, eine einfache Holzhütte, bauen. Doch auch das wird ihm verwehrt, da er den Holzpreis nicht zahlen kann. Mikko und  Brita Caisa und  schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Die kleine Marja kommt auf die Welt und Heikki lebt wieder bei seiner Mutter Brita Caisa. Die junge Familie lebt unter schwierigen Umständen,  oft getrennt, bei Freunden und Bekannten.  Unverheiratete Frauen haben in dem damaligen Gesellschaftssystem keinen leichten Stand, werden verachtet und gemieden. Die mystische Natur-Heilkraft, ihr liebenswerter Charakter sowie ihre Schönheit helfen der Brita Caisa oft in schwierigen Situationen. Die Sympathie ihrer Mitmenschen sichert ihr Überleben und das ihrer Kinder.   


Auch in diesem zweiten Band der Eismeertrilogie hat mich der poetische und ungewöhnliche Schreibstil der Autorin voll überzeugt und gefesselt. Brita Caisa erzählt wieder in der Ich-Form. In diesem Band leben Mikko und Brita ihr tiefe, fast archaisch anmutende Liebe bei jeder Gelegenheit voll aus. Sie schöpfen Kraft und Freude aus ihren seltenen, sexuell geprägten Begegnungen und besiegeln ihre Zuneigung zueinander immer wieder. Die ganze Atmosphäre im Buch atmet wieder den Geruch von Holzfeuer, von Fisch und Eismeer, von Schafen, Wolle sowie den harzigen, schweren Duft der dichten Wälder der Finnmark mit ihrem überlebenswichtigen Schatz der Moltebeeren. Der Beginn verschiedener Walfangtechniken am der Eismeerküste mit Harpunen, Sprengungen und Kanonen wird auch realistisch geschildert.  

Dieses damalige Leben wird durch eine alte Karte der West- und Ostfinnmark  aus dem Jahr 1824  in der Buchdeckelinnenseite verdeutlicht. Ich empfand ein Personenverzeichnis  und Namenvarianten der vielen Protagonist*innen zu Beginn des Buches als sehr hilfreich, zumal sie zweisprachig in Norwegisch und finnischen Dialekten aufgeführt wurde. Erklärend kamen die im Buch spielenden Orte dazu, sowie die Beziehungen und der Stand der Protagonist*innen zueinander.

Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung und ich gebe gern FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an die Autorin und btb-verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 

INHALT / KLAPPENTEXT: 
Mit »Zeit der Wale« setzt Ingeborg Arvola ihre gefeierte Eismeertrilogie fort und erzählt die Geschichte der unbeugsamen Brita Caisa weiter. Norwegische Eismeerküste, 1863: Nach Ende ihrer Haftstrafe, zu der sie wegen ihres Verhältnisses mit dem verheirateten Mikko verurteilt wurde, kommt Brita bei Bekannten unter. Als endlich auch Mikko entlassen wird, hofft sie auf ein gemeinsames Zuhause und eine sichere Zukunft für ihre drei Kinder. Ihr Leben ist geprägt von der harten Arbeit rund um den Walfang, der wohltuenden Hitze der Sauna und der tiefen Verbindung zur Natur. Ein eindringlicher Roman voller rauer Schönheit mit faszinierenden zeitgeschichtlichen Einblicken in die Lebensweise an der norwegischen Eismeerküste.

Ingeborg Arvola, geboren 1974, wuchs in Pasvikdalen und Tromsø im hohen Norden Norwegens auf und hat bereits mehrere Romane für Kinder und Erwachsene geschrieben. Ihren internationalen Durchbruch erlebte sie 2022 mit dem Roman »Der Aufbruch«, dem ersten Buch in der historischen Eismeer-Trilogie. Der Roman, der von der Geschichte ihrer Familie inspiriert ist, wurde sofort ein Bestseller, erhielt den renommierten Brage-Literaturpreis und wurde für viele weitere Literaturpreise wie den Preis des Nordischen Rates und den Norwegischen Buchhändlerpreis nominiert. Auch international sorgte der Roman, der in 12 Länder verkauft wurde, für großes Aufsehen und erhielt überragende Kritiken.

Übersetzt von Katharina Martl







 

Samstag, 18. Juli 2026

*Folgeband von *Der Aufbruch* !

 *Werbung, unbezahlt*

Nun bin ich lesend dabei im Buch *Zeit der Wale* von Ingeborg Arvola. Es ist der Folgeband von *Der Aufbruch* der Autorin. Nachfolgend findet ihr hier meine Rezension des ersten Bandes : 


Meine Meinung zum Buch: 

Ingeborg Arvola lässt uns teilhaben an einem Stück eigener Familiengeschichte, welche sie sorgfältig recherchiert hat. Sie entführt uns in die Jahre 1859 - 1862. Wir befinden uns in der Finnmark und begleiten eine 35-jährige Mutter mit zwei Jungen auf ihrem Schlitten, den sie mit ihren Ski durch die unwirtlichen dichten, tief verschneiten Wälder der Finnmark zieht. Die Hoffnung auf ein besseres Leben, ohne Hunger,Entbehrungen sowie hämischen Nachreden ihres Dorfes und der Nachbarn, treibt sie an zu dieser Reise an die Küste des Eismeeres in Norwegen. Brita Caisa Seiparjærvi ist eine besonders schöne Frau mit aussergewöhnlichen Heilkräften und nicht verheiratet. Ihr älterer Sohn entstammt aus einer Beziehung mit einem verheiratetem Mann. Der Vater des kleineren Jungen verstarb früh, plötzlich und unerwartet. Der Pastor ihrer Kirchen-Gemeinde hat sie als unzüchtige Hure, Mutter von zwei unehelichen Kindern offen beschimpft, einer Kirchenstrafe unterzogen und blossgestellt.In ihrer Heimatgemeinde hatte sie nun mit ihren beiden Kindern keine glückliche Zukunft mehr zu erwarten.


Die Autorin beschreibt in diesem Roman eine Gesellschaft, deren strenge Regeln uns kaum noch vertraut sind, die wir nicht akzeptieren. Auch Brita Caisa will sich den üblichen, damaligen Gepflogenheiten nicht fügen und bricht aus ihrem Leben aus. Sie hat ihren Söhnen zwar versprochen an der Eismeerküste zu heiraten, lernt aber den verheirateten Mikko kennen. Die beiden verlieben sich leidenschaftlich ineinander und alles kommt anders, als dem grossen Jungen Aleksi und dem dreijährigen Heikki versprochen.


Der Roman erzählt in flüssigem und schön zu lesendem Ich-Stil vom Leben der Brita Caisa, ihrer Familie, den Bekannten und Freund*innen. Ich bin durch die Seiten geflogen und in ein ursprüngliches Leben in tiefen, dunklen Wäldern, Mooren mit Molte Beeren, Flüssen, Meeresküsten und eingeschnittenen Fjorden abgetaucht und war völlig gefesselt von dieser vergangenen, beschwerlichen Zeit. Der Duft von Holzfeuern aus einfachen Saunen, Tieren wie Schafen, Rentieren und von salzigen Meeres Brisen, getränkt mit Fischgeruch und dem Kreischen der Meeres Vögel entstand automatisch in meinem Kopfkino.  Ein Personenverzeichnis mit Namens Varianten in Finnisch und Norwegisch hat mir bei der Orientierung der vielen Personen und deren ungewöhnlicher Namen geholfen.Damals haben dort Volksgruppen wie Schweden, Norweger, Finnen,Samen,Russen miteinander gelebt und so die Finnmark bunt bevölkert.


Der wunderbare Schreibstil mit sehr poetisch verfassten Naturbeobachtungen hat mich verzaubert und sehr beeindruckt.  Der alte, mystisch angehauchte Volksglauben, die immerwährende Anwesenheit des *kleinen Volkes* mit seinen geheimnisvollen Besonderheiten und die Heilkraft der Brita Caisa bei Verletzungen und/oder Geburten, die sie aus der Natur und ihrem *inneren Wesen* zieht, haben mich fasziniert. Viele Ausdrücke und Lieder im Text eingestreut, in Original Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, oder einer Mischung konnte ich zwar nicht verstehen und/oder für mich übersetzen, haben mich aber trotzdem berührt und die Authentizität des Geschehens und des Textes unterstrichen.


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses herausragende Buch! Absolut lesenswert.  





Erschienen am:
24.06.2026

INHALT/KLAPPENTEXT: Mit »Zeit der Wale« setzt Ingeborg Arvola ihre gefeierte Eismeertrilogie fort und erzählt die Geschichte der unbeugsamen Brita Caisa weiter. Norwegische Eismeerküste, 1863: Nach Ende ihrer Haftstrafe, zu der sie wegen ihres Verhältnisses mit dem verheirateten Mikko verurteilt wurde, kommt Brita bei Bekannten unter. Als endlich auch Mikko entlassen wird, hofft sie auf ein gemeinsames Zuhause und eine sichere Zukunft für ihre drei Kinder. Ihr Leben ist geprägt von der harten Arbeit rund um den Walfang, der wohltuenden Hitze der Sauna und der tiefen Verbindung zur Natur. Ein eindringlicher Roman voller rauer Schönheit mit faszinierenden zeitgeschichtlichen Einblicken in die Lebensweise an der norwegischen Eismeerküste.

Ingeborg Arvola, geboren 1974, wuchs in Pasvikdalen und Tromsø im hohen Norden Norwegens auf und hat bereits mehrere Romane für Kinder und Erwachsene geschrieben. Ihren internationalen Durchbruch erlebte sie 2022 mit dem Roman »Der Aufbruch«, dem ersten Buch in der historischen Eismeer-Trilogie. Der Roman, der von der Geschichte ihrer Familie inspiriert ist, wurde sofort ein Bestseller, erhielt den renommierten Brage-Literaturpreis und wurde für viele weitere Literaturpreise wie den Preis des Nordischen Rates und den Norwegischen Buchhändlerpreis nominiert. Auch international sorgte der Roman, der in 12 Länder verkauft wurde, für großes Aufsehen und erhielt überragende Kritiken.

Übersetzerin: Katharina Martl





Mittwoch, 15. Juli 2026

*Orion* von Petra Morsbach - erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt*



INHALT / KLAPPENTEXT: Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen Sohn auf, wird geschieden. Nach einem Nierenversagen muss sie mit sechzig den Schuldienst verlassen und beginnt in einem Literaturarchiv zu arbeiten. Es ist ein unauffälliges Leben mit der einzigen Besonderheit, dass es von Büchern begleitet wird: Von den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts bis zur Gegenwart bleibt Nora eine leidenschaftliche Leserin. Regelmäßig gleicht sie ihre Erfahrungen und auch die Erschütterungen der Gegenwart bis hin zum Ukraine-Krieg mit ihrem durch Literatur gewonnen Wissen ab und trifft mal mehr, mal weniger glückliche Entscheidungen. Wie gut lässt sich Bildung vermitteln? Was bringt sie letztlich – Freuden, Erkenntnis, Ernüchterung? Besteht sie im Alltag, obwohl das Leben so viele Pläne blamiert? Wie weit hilft Kultur im Umgang mit menschlichen Abgründen? Oder wäre sonst alles viel schlimmer?

Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und St. Petersburg. Danach arbeitete sie zehn Jahre als Dramaturgin und Regisseurin. Seit 1993 lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von München. Bisher schrieb sie mehrere von der Kritik hoch gelobte Romane, u.a. »Opernroman«, »Gottesdiener« und »Justizpalast«. Zuletzt erschien bei Penguin der Essayband »Der Elefant im Zimmer«. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Jean-Paul-Preis. 2017 erhielt sie den Roswitha-Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim und den Wilhelm-Raabe-Preis. 

Meine Meinung zum Buch: 

Wir verfolgen im Buch das Leben der Deutsch - und Geschichts - Lehrerin Nora Dellendrücker , teilweise aufgewachsen bei Oma Auguste, der Mutter des Vaters, die sich für ihre grosse  Familie aufgeopfert hatte. Zu ihrer eigenen Mutter Oma Friedchen zeichnet die Autorin ein merkwürdig farbloses und emotionsloses Bild für die Leser*innen auf. 
Nora heiratet den Archivar Theseus, zieht mit ihm den gemeinsamen Sohn Enni auf. Eine Scheidung folgt, forciert durch Nora's Affäre mit dem bodenständigen Baumchirurgen, Forstmann und Grosswildjäger Bruno. Eine schwere Nierenerkrankung zwingt sie in ihren letzten Jahren an die Dialyse und  fesselt sie an ihre häusliche Umgebung. 

Nora liebt lebenslang die Klassiker der Antike und deren Philosophische Denkansätze. Sie versucht in ihrem langjährigen Berufsleben viele dieser demokratischen Werte an ihre Schüler*innen und auch an ihre Familie zu vermitteln. Lebenslang versucht sie die Menschen ihres
 realen Umfeldes mit ihren geliebten, philosophischen Büchern und deren Protagonisten zu vergleichen. 
Zitat Seite 249 : " Nicht alle Menschen verwirklichen sich als Bücher, so wie nicht alle Autoren sich als Menschen verwirklichen. " 

Der angenehm und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin hat mir sofort zugesagt , auf den über vierhundert Seiten gut unterhalten und zum Nachdenken und Mitfühlen der Ich-Erzählerin Nora mitgenommen. 

Dieser von einem intellektuell geprägten Denken Frau und Lehrerin hat im Roman nur eines gefehlt: Herzenswärme, echte Zuneigung, Liebe und Sympathie für viele ihrer Mitmenschen und Schüler*innen. Diese zutiefst menschlichen  Eigenschaften habe ich während der ganzen Lektüre schmerzlich vermisst. Wissenschaftliche Bildungselemente wurden von ihr super korrekt vermittelt. Sie hat ihre Schüler*innen perfekt gefördert, ihre Familie gut begleitet, doch immer ohne eine echte emotionale Bindung, eher kühl und fast abwesend. Im Kapitel *Bank* wird diese kalte Betrachtungsweise aus der sicheren, emotionslosen  Ferne der Zuhörerin Nora besonders gut erkennbar. Die Erzählungen von Lebenswegen  anderer Mitmenschen berühren sie kaum. Nora lauscht unbeteiligt,  fast wie beim Betrachten eines wissenschaftlichen Experimentes. Das hat mich in meinem Lesefluss behindert, sogar ein wenig verstört. Ich konnte Nora's philosophisch geprägte Gedankenwelt über klassische Lektüren, übertragen auf Menschen, deren Erlebnisse und Gefühle nicht gut nachvollziehen. Auch die unterkühlte  Beziehung von  ihrem erwachsenem  Sohn Enni  zu ihr hat mich deswegen nicht verwundert. Kaum jemand hat Zugang zu Noras wirklichem  Innenleben bekommen. Sie hat sich verschlossen wie eine Auster im Meeresstrom. Nora ist eine gute Beobachterin , aber ob sie mit ihrer Umwelt wirklich mitfühlen konnte bezweifle ich sehr. 

Meine Bewertung:  es ist ein sehr lesenswertes Buch mit VIER **** Sternen ! 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar! 

 


 





 

 

Donnerstag, 2. Juli 2026

*EIN WEITES LEBEN* von M.L.Stedman - erschienen im Blanvalet Verlag

*Werbung, unbezahlt* Erschienen am  25.3.26

 Meine Meinung zum Buch:
Wir machen eine Zeitreise zurück in das Jahr 1958 und besuchen den Kontinent Australien. Dort lebt seit Generationen die Familie MacBride ruhig und abgeschieden im riesigen, trockenen Westen des Landes. Mutter Lorna, Vater Phil und die Kinder Warren, Rosie und Matt  arbeiten auf ihrer Schafffarm und leben von dem Verkauf der Wolle und der Tiere.  Der junge liebenswerte Andy, ein Stein- und Fossilienliebhaber in seiner Jugend, stösst durch ein tragisches Ereignis erst später zur Familie dazu.  Wir begleiten dieses Leben im Outback in einem Zeitraum von  ca. vierzig Jahren.  
Sofort empfand ich Hitze, den roten Staub, den Geruch der Schafe und die unendliche Weite dieser Farm beim Lesen. Stimmig, flüssig, sorgfältig erzählt und aufbereitet von der Autorin, die zehn Jahre an diesem Werk gearbeitet hat. Und es ist ihr gelungen. Ein Familienroman, der alles bietet was  im Laufe von Generationen als Tragödie, Glückseligkeit und/oder Schicksal bezeichnet werden kann. 

Durch einen tragischen Autounfall mit einem Känguru verlieren Phil und Warren ihr Leben. Der jüngste Sohn Matt überlebt schwerverletzt und hat lebenslang an den Folgen einer Kopfverletzung  wie Gedächtnisverlust, Sprachstörungen zu leiden.  Mutter Lorna und die Tochter Rosie übernehmen die Leitung , Verantwortung für die Farm und den verletzten  Matt.


  Die Zeiten ändern sich in den 60er Jahren. Auch die alte Uhr *Old Wally* im Haus der MacBrides tickt unbarmherzig voran. Die Suche nach Rohstoffen nimmt auch in Australien einen grossen gesellschaftlichen Stellenwert ein. Bergbauunternehmen stecken ihre Claims auf den Gebieten der Schafffarmen ab zur Erzgewinnung. ALLES was unterhalb der Erdkruste liegt, gehört nicht den Farmen. So ist es im Gesetz geregelt. 

Als sehr beeindruckend empfand ich die Schilderungen der psychischen  Entwicklungen und Darstellungen aller Protagonist*innen, auch der Nebenrollen. Zwischenmenschliche Beziehungen werden warmherzig , oft nur andeutungsweise und für die Leser*innen nicht wertend, langsam aufgerollt. Ausschweifungen , Verfehlungen, Schuld, Hass, Neid, finden im Buch einen realistischen Platz im Laufe der Jahrzehnte. Es werden auch Glücksmomente nicht vergessen und ausführlich erzählt.  

Je länger ich in den Zeilen dieses fulminanten Buches versank, desto grösser wurde mein Wunsch , dass es nie enden sollte. Ich gebe gern eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen für diesen epischen, grossartig geschriebenen Roman. 

Herzlichen Dank an die Autorin und die Penguin Random House Verlagsgruppe für dieses gebundene Leseexemplar mit einem komfortablen  Lesebändchen. 



 

INHALT/KLAPPENTEXT: Westaustralien 1958: Seit Generationen lebt die Familie der MacBrides auf der entlegenen Schaffarm Meredith Downs. Bis eines Tages ein Unfall alles ändert. Während der Vater und der älteste Sohn ihr Leben verlieren, übersteht der 17-jährige Matthew das Unglück nur knapp. Doch als er aus dem Krankenhaus entlassen wird, schlägt das Schicksal ein zweites Mal zu: Ausgerechnet Matthews Rückkehr nach Meredith Downs kostet ein weiteres Mitglied der MacBrides das Leben, während ein anderes das seine opfert, um ein unschuldiges Kind zu retten. Matt steht vor einer schmerzhaften Zerreißprobe …

M. L. Stedman legt wie keine Zweite den Finger auf die ganz großen zwischenmenschlichen Konflikte – und macht aus ihnen eine überwältigende und heilsame Leseerfahrung. Dies bewies sie 2013 mit ihrem Debütroman: »Das Licht zwischen den Meeren« wurde in 45 Sprachen übersetzt und mit Michael Fassbender und Rachel Weisz in den Hauptrollen für Hollywood verfilmt. Mehr als ein Jahrzehnt nahm sie sich Zeit für ihren zweiten Roman »Ein weites Leben«, der weltweit im Frühjahr 2026 erschien und zum internationalem Bestseller wurde.





Freitag, 5. Juni 2026

*Eine ganz besondere Reise* von Emma Heming Willis - erschienen im Kailash Verlag

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Meine Meinung zum Buch: Bruce Willis, der bekannte Schauspieler, musste seine Karriere im Jahr 2022 aufgrund einer dramatischen Erkrankung beenden. Die Diagnose lautete: Frontotemporale Demenz (FTD). Im Vordergrund dieser Erkrankung stehen tiefgreifende Wesensveränderungen, Persönlichkeitsstörungen, auffälliges Sozialverhalten und/oder gravierende Sprachprobleme.

In dem vorliegenden Buch seiner Ehefrau Emma Heming Willis wird die Geschichte vom Beginn der Diagnose bis zum völligen Ausbruch dieser Krankheit erzählt und erklärt. Die Krankheit ist nicht heilbar.
Das Buch liest sich sehr berührend. Emma Heming Willis, Mutter zweier gemeinsamer Mädchen mit dem erkrankten Vater und Ehemann, verbirgt ihre Emotionen nicht. Authentisch, offen und ohne Tabus schildert sie die Veränderungen im Familienleben, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse – sei es Schlaf, Sport oder ganz normale Zusammenkünfte mit Familie und Freunden. Bruce Willis brachte aus erster Ehe drei Töchter in die neue Beziehung mit.
Die Autorin berichtet in einem liebevollen, sehr respektvollen und verständnisvollen Schreibstil von ihren persönlichen Erfahrungen. Immer wieder finden sich aufmunternde Bemerkungen für Leserinnen und Leser, deren Angehörige ebenfalls von dieser heimtückischen Krankheit betroffen sind. Die zahlreichen Kapitel bieten Lösungsansätze und Hilfestellungen für Betroffene. Es ist ein Ratgeber, der je nach Interesse und Bedürfnis entweder im Ganzen oder abschnittsweise gelesen werden kann.

Ich spreche eine klare Leseempfehlung mit fünf Sternen aus. 

Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.

Inhalt/Klappentext: Ein Mut-mach-Buch für alle, die demenzkranke Angehörige begleiten


An dem Tag, an dem bei Emmas Ehemann Bruce Willis eine frontotemporale Demenz diagnostiziert wird, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie fühlt sich völlig verloren und alleingelassen, vor allem von den Ärzten. Wie soll ihr Leben jetzt weitergehen? Wie kann sie sich bestmöglich um Bruce und gleichzeitig um ihre beiden kleinen Töchter kümmern?
Mit „Eine ganz besondere Reise“ hat Emma das Buch geschrieben, das sie sich selbst in dieser Situation gewünscht hätte: einen kompetenten "Reiseführer" für die große Herausforderung, die die Pflege eines Partners oder Angehörigen mit Demenz bedeutet. Dabei lässt sie uns an ihrem eigenen Weg und ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben: vom Umgang mit der Diagnose über die Bewältigung von Emotionen bis hin zur nötigen Selbstfürsorge. Zu all diesen Themen sucht sich Emma Rat bei weltweit führenden Experten und lässt diese aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse in das Buch miteinfließen.
Für Emma ist diese "Reise" auch deshalb so "besonders", weil sie eine Transformation erlebt und eine bis dahin nicht gekannte innere Stärke in sich findet. Mit diesem Buch schenkt sie Betroffenen – wie eine beste Freundin – seelischen Beistand und gibt ihnen das, was sie so dringend brauchen: Kraft, Mut, Hoffnung – und das Gefühl, nicht allein dazustehen.

Emma Heming Willis ist ein erfolgreiches ehemaliges Model und die Ehefrau von Bruce Willis. Seit bei ihm Ende 2022 Frontotemporale Demenz (FTD) diagnostiziert wurde, engagiert sie sich für die Aufklärung über Demenz und wurde zu einer leidenschaftlichen Stimme von Pflegepartner*innen und betroffenen Familien. Es ist ihr ein großes Anliegen, ihre Erfahrungen zu teilen und Pflegenden das Gefühl zu geben, dass sie mit ihrer Situation nicht allein sind. Emma und Bruce haben zwei gemeinsame Töchter.


Dienstag, 19. Mai 2026

*Die Frauen der Familie* von Katherena Vermette - erschienen im btb-verlag

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

https://www.penguin.de/buecher/katherena-vermette-die-frauen-der-familie/taschenbuch/9783442770625

TRIGGERWARNUNG: Dieses Buch handelt davon, sich in dem System zurechtzufinden, das man uns aufgezwungen hat, insoweit enthält es für diejenigen, deren Leben deshalb traumatisch beeinflusst wurde, viele Trigger. Dazu gehören Schilderungen von Inobhutnahme, Isolationshaft, Selbstmordgedanken, Drogenkonsum und körperliche Gewalt. (Aber es geht nicht nur darum, okay? Ich werde versuchen, möglichst viel Liebe und Hoffnung dazwischenzupacken.)

Erschienen am 10.Dezember 2025 

Katherena Vermette, indigene Kanadiern, aufgewachsen in Winnipeg, Manitoba, ist Filmemacherin, Lyrikerin und Schriftstellerin. Ihr Debütroman Was in jener Nacht geschah war Bestseller und Debattenbuch in Kanada und wurde vielfach ausgezeichnet: McNally Robinson Book of the Year Award, Margaret Laurence Award for Fiction, Carol Shields Winnipeg Book Award. Shortlist Governor’s General Literaray Award und Rogers Writers‘ Trust, Endrunde von Canada Reads, der großen Buchkampagne des kanadischen öffentlichen Fernrsehens CBC. Der Roman The Strangers wurde ebenfalls vielfach ausgezeichnet und war Nummer-1-Bestseller in Kanada. 

Klappentext/Inhalt:Der Nummer-1-Bestseller aus Kanada - »Eine erschütternde Anklage gegen den Druck und die Widrigkeiten, denen indigene Frauen ausgesetzt sind.« Toronto Star

Cedar hat fast vergessen, wie ihre Familie aussieht. Phoenix hat fast vergessen, wie sich Freiheit anfühlt. Und Elsie hat die Hoffnung fast aufgegeben. Beinahe. Das sind die Frauen der Familie Stranger, die jede von ihren eigenen Dämonen geplagt wird.

Nachdem Cedar einige Zeit in Pflegefamilien verbracht hat, zieht sie zu ihrem ihr eigentlich fremden Vater. Sie kämpft mit dem Schmerz der Trennung von ihrer Mutter Elsie und ihrer älteren Schwester Phoenix, hofft aber dennoch auf ein neues Kapitel in ihrem Leben, nur um sich wieder in einem fremden Haus unter Fremden zu finden.

Phoenix bringt in einer Jugendstrafanstalt ein Baby zur Welt, das sie nie großziehen wird, und versucht, sich selbst zu verzeihen, dass sie anderen sehr viel Leid verursacht hat.

Ihre Mutter Elsie kämpft mit ihrer Sucht und ist entschlossen ist, ihr Leben umzukrempeln. Dabei schöpft sie Kraft in dem Gedanken, bald wieder mit ihren Töchtern vereint zu sein. Für die beiden möchte sie – anders als ihre eigene Mutter – ein Mensch sein, auf den sie sich die sie sich verlassen können.

Meine Meinung zum Buch:

Wir begleiten im Buch über einen Zeitraum von fünf Jahren drei indigene Frauen der Familie Stranger. Und zwar generationsübergreifend. Am Schluss des Buches werden die verwandtschaftlichen Beziehungen in einem Stammbaum noch einmal klar dargestellt. Das empfand ich beim Lesen als sehr hilfreich. Es fällt mir sehr schwer über dieses aufrüttelnde und erschütternde Buch hier zu schreiben. Es ist kein Wohlfühlroman, keine rührende Familien - oder Liebesgeschichte , wobei die Autorin in ihrer Triggerwarnung verspricht auch über Liebe zu berichten. 

Wir begegnen der harten und grausamen Realität indigener Menschen in Kanada, einer Demokratie in heutiger Zeit  mit einem funktionierendem Rechtssystem. Sie wachsen in Reservaten auf, bekommen zu wenig Bildung und gesellschaftliche Achtung. Die Familienstrukturen werden durch kriminell ausufernde Suchtkrankheiten zerstört, sowie Ihre Wurzeln, die ihnen Jahrtausende auf diesem Kontinent Halt und Orientierung gegeben haben. Stellt euch beim Lesen auf traurige Ereignisse, Gewalt, Rassismus,Tränen,Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ein. 

Großmutter) Margaret, (Mutter) Elsie, (Elsies Kinder) Phoenix und Cedar sind die Frauen dieser Geschichte , meist verlassen von den männlichen Mitgliedern dieser Familie Stranger. 

 Es wird aus der Sichtweise jeder einzelnen Frau berichtet, einzig Cedar spricht im Buch in der Ich-Form. Einblicke in Krankheit durch Drogenabhängigkeit sind etwas fast Normales und Gewalt im Gefängnis und / oder Pflegefamilien gehören auch zum Lesealltag. Von den psychischen Belastungen ganz zu schweigen, denen die Kinder von klein auf ausgesetzt werden. Ich musste das Buch oft an die Seite legen, da es einfach viel Gewalt enthält und mich sehr emotional berührt hat.  

Doch es ist ein wichtiges Thema, welches nicht verschwiegen oder vertuscht werden darf. Vielleicht hilft es einigen Leser*innen erst einmal in eine Leseprobe des Buches hinein zu schnuppern,  um danach eine Entscheidung für oder gegen das Lesen zu finden. 

Fünf ***** Sterne. 

Mein Dank gilt der Autorin und dem btb-verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.    



 

Freitag, 10. April 2026

*Landli(e)ben* von Steffi Neu - erschienen im Kösel Verlag


(Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar)

Verlagslink     

Inhalt/Klappentext: 

Auf dem Land passiert doch eh nichts, wenn nicht grad der Hahn auf dem Misthaufen kräht? Von wegen! Mit einem Augenzwinkern und viel Herz erzählt die bekannte Radiomoderatorin und begeisterte Landfrau Steffi Neu von den kleinen und großen Abenteuern des Alltags abseits der Ballungsräume. Durch persönliche Anekdoten und Geschichten von anderen Landbewohnern (oder solchen, die es mal waren) zeigt Steffi Neu die charmanten Seiten des Landlebens, ohne dabei die Herausforderungen zu verschweigen.

Dieses Buch ist für alle, die das Landleben schon lieben oder es erst kennenlernen möchten. Denn auch, wenn es seine Tücken hat, bietet es eine einzigartige Lebensqualität, die man einfach lieben muss.

Steffi Neu ist Journalistin, Moderatorin und Autorin. Sie wurde 1971 in Kleve geboren und lebt bis heute mit ihrem Mann, den zwei Kindern und Hund am Niederrhein. Nach Studium und journalistischer Ausbildung beim WDR begann sie 1996 als Redakteurin und Moderatorin bei WDR 1Live, seit 2000 moderiert sie bei WDR 2.


Meine Meinung zum Buch: 

In dreiunddreissig kurzen Kapiteln , die auf einhundertundachtundneunzig Seiten verteilt sind , lädt die Autorin und Radiomoderatorin Steffi Neu die Leser*innen ein,  das *echte, wahre Landleben* endlich kennenzulernen, vor allen Dingen es zu schätzen und zu lieben. Es ist ihr tatsächlich gelungen ihre persönliche, positiv geprägte Lebenseinstellung zu dieser Thematik warmherzig und überzeugend zu vermitteln.

Ihr Schreibstil ist klar, einfach zu erlesen und recht kurzweilig mit netten, humorvollen Betrachtungen. Das Buch ist in meinen Augen ein sehr persönlich geprägter Tatsachenbericht eigener Erfahrungen ihres Lebens. Aufgewachsen auf einem kuscheligen Bauernhof in einer kleinen Dorfgemeinschaft in den 1970er Jahren hat  sie es geschafft sich diese Idylle im Herzen zu erhalten. Auch während ihrer  beruflichen,  dreissigjährigen Tätigkeit  in der Stadt als Radiomoderatorin als wöchentliche, oder sogar tägliche *Pendlerin*, hat sie die Verbindung zum Dorfleben und seinen Menschen nie verloren.  Negativ geprägte Vibes und Erfahrungen aus dieser Zeit kann man in ihrem neuen Buch nur schwach zwischen den Zeilen lesen und erahnen. Denn sie wird es mit Sicherheit auch geben. 

Es ist ein nettes *GUTE-LAUNE-BUCH*, welches man jederzeit ohne Bedenken lesen und weiter empfehlen kann. 

*Vier **** STERNE* .

Herzlichen Dank an die Autorin und den Kösel Verlag für das Rezensionsexemplar!



 

Donnerstag, 9. April 2026

*Unterwegs in ,,,,,,*

 

(Werbung unbezahlt, Rezensionsexemplar)

Landl(i)eben

Warum ich nirgendwo anders leben möchte – Echte Geschichten vom Land

Erscheinungstermin: 18. März 2026

208 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

Landl(i)eben

»Man bekommt die Leute aus dem Dorf, aber nicht das Dorf aus den Leuten: wie gut! Steffi hat nie vergessen, wo sie herkommt, und ist damit eine echte Bereicherung für die Verständigung zwischen Stadt- und Landmenschen. « – Sabine Heinrich, Moderatorin

Auf dem Land passiert doch eh nichts, wenn nicht grad der Hahn auf dem Misthaufen kräht? Von wegen! Mit einem Augenzwinkern und viel Herz erzählt die bekannte Radiomoderatorin und begeisterte Landfrau Steffi Neu von den kleinen und großen Abenteuern des Alltags abseits der Ballungsräume. Durch persönliche Anekdoten und Geschichten von anderen Landbewohnern (oder solchen, die es mal waren) zeigt Steffi Neu die charmanten Seiten des Landlebens, ohne dabei die Herausforderungen zu verschweigen.

Dieses Buch ist für alle, die das Landleben schon lieben oder es erst kennenlernen möchten. Denn auch, wenn es seine Tücken hat, bietet es eine einzigartige Lebensqualität, die man einfach lieben muss.


Samstag, 14. März 2026

*Familiensache* von Claire Lynch - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

INHALT/KLAPPENTEXT: Ein Haus, einen Ehemann, ein Baby: Eigentlich hat Dawn alles, was man sich im England der 1980er-Jahre wünschen sollte. Doch dann lernt sie Hazel kennen und beginnt zu ahnen, welches andere Leben möglich wäre. Plötzlich ist alles viel heller – und komplizierter. Denn Dawn hat Verpflichtungen: Dawn hat ihre kleine Tochter Maggie. Jahrzehnte später ist Dawn für Maggie nur eine schattenhafte Erinnerung. Ihr Vater Heron hat sie allein großgezogen, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Als Heron eine Diagnose erhält, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt, erzählt er Maggie zunächst nichts davon. Denn über unbequeme Wahrheiten hat er schon immer lieber geschwiegen – so wie über das, was 1982 passiert ist …

In ebenso zarte wie sprachmächtige Prosa gegossen und mit warmherzigen Figuren gespickt, stellt Claire Lynch in Familiensache die Frage, was eine Familie ausmacht und wie die Wunden der Vergangenheit heilen können.


Claire Lynch promovierte an der Universität Oxford und lehrte Englische und Irische Literatur an verschiedenen Universitäten. Sie ist regelmäßig in Podcasts zu den Themen Elternschaft und Queerpolitik zu Gast und hat ein Memoir über ihre eigenen Erfahrungen mit queerer Mutterschaft geschrieben. Sie lebt mit ihrer Frau und ihren drei Töchtern in Windsor. »Familiensache« ist ihr Debütroman.

Meine Meinung zum Buch:

Kennt ihr diese Bücher, die einen erst ganz sanft in eine Familiengeschichte ziehen und dann mit voller Wucht erschüttern? Genau so erging es mir mit dem neuen Roman von Claire Lynch.


Die Geschichte ist wie ein komplexes Puzzle aufgebaut und springt meisterhaft zwischen zwei Zeitebenen: dem England der 1980er Jahre und der Gegenwart (2022/2023).

Im Zentrum stehen Heron und Dawn. Sie heiraten jung, wie es damals üblich war, und führen eine scheinbar glückliche Ehe, gekrönt von ihrer Tochter Maggie, die der Lebensmittelpunkt beider Eltern ist. Doch die Idylle zerbricht, als Dawn sich in die junge Lehrerin Hazel verliebt.

Was als leidenschaftliche Affäre beginnt, führt Dawn zu einer schmerzhaften Erkenntnis: Es gibt ein anderes Leben für sie. Sie möchte sich in Freundschaft trennen, hofft auf ein friedliches Co-Parenting – doch sie hat die Rechnung ohne den verletzten Stolz ihres Mannes und das gnadenlose Rechtssystem der 80er gemacht.


Besonders schockierend ist die Rolle der Behörden. Basierend auf der damaligen Überzeugung, eine lesbische Mutter sei schädlich für die Kindesentwicklung, wird Dawn systematisch aus dem Leben ihrer Tochter gestrichen.

 Gekränkt und überzeugt, das Richtige zu tun, forciert Heron eine radikale Trennung.

 Maggie wächst ohne ihre „Mummy“ auf und erhält nie eine ehrliche Antwort auf ihre Fragen.

Erst 40 Jahre später, als ihr Vater schwer erkrankt, entdeckt Maggie in alten Akten das ungeheuerliche Ausmaß der damaligen Kontaktsperre – und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Mein Fazit

Obwohl die Geschichte fiktiv ist, spürt man auf jeder Seite die tiefe Recherche der Autorin. Claire Lynch lässt die Erfahrungen vieler queerer Mütter einfließen, die ähnliche Diskriminierungen erleben mussten. Die Szenen vor Gericht, in denen Dawn wegen ihrer Sexualität regelrecht vorgeführt wird, sind kaum zu ertragen – vor allem mit dem Wissen, dass diese Praktiken noch gar nicht so lange zurückliegen.

Ein tiefgründiger, schmerzhafter, aber unglaublich wichtiger Roman über das Recht auf Liebe und die späte Suche nach der Wahrheit.


Fünf Sterne !



Samstag, 28. Februar 2026

*Ein Jahr des Staunens* - erschienen im Heyne Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 5.11.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Eine brillante Sammlung voller kurioser Wissensschätze, die ein Jahr voller Staunen versprechen!

Inmitten des stressigen Alltages kann es schwierig sein, die Zeit zu finden, die kleinen Wunder unserer Welt wahrzunehmen und wertzuschätzen. Dieses liebevoll gestaltete Buch soll uns dabei helfen und begleitet uns mit seinen 365 fröhlich-zufälligen und äußerst faszinierenden Einträgen durch ein ganzes Jahr, um uns Tag für Tag zum Staunen und Wundern zu bringen. Wir erfahren zum Beispiel, was die Japaner mit „kuchisabishii“ meinen, wie die Viktorianer durch Blumen kommunizierten und wir entdecken die geheime Herkunft der Pudelmütze. Es gibt Geschichten über fußballspielende Bienen und Wikingermäuse, den Beginn des Thesaurus und das Ende der Bibliothek von Alexandria. Ein Buch, das die Stimmung hebt, den Horizont erweitert und uns jeden Tag ein bisschen klüger macht.

Elizabeth Foley und Beth Coates sind ein starkes Frauenteam: Sie arbeiten zusammen als Lektorinnen in einem großen Londoner Verlagshaus und schreiben ganz nebenbei Bestseller – wie zum Beispiel »Homework for Grown-ups« oder »Shakespeare for Grown-ups« und natürlich »Was würde Frida tun?« 

Meine Meinung zum Buch: 

Dieses toll aufgemachte, gebundene Buch hat meinen Kopf und das Herz erobert und wird nun jeden Tag mindestens einmal  aufgeschlagen . Und zwar  für 12 Monate, 365 Tage im Jahr. Jeden Morgen gibt eine kleine Wissenslektüre, von der man vielleicht noch nie gehört hat. Für jeden Geschmack werden Themen aufgegriffen und Fragen beantwortet  aus Sport, Kultur, Geschichte, Wissenschaft , Politik, Kunst, Gesundheit und viel Allgemeinwissen . Die Auswahl der Themen ist riesengross, bunt, abwechslungsreich und wurde von zwei Lektorinnen eines grossen Londoner Verlagshauses mit viel Bedacht und Überlegung zusammengestellt. Die Artikel sind allgemeinverständlich verfasst, kurz gehalten  und überfordern auch nicht lesebegeisterte Menschen. Schwarzweisse Abbildungen zu vielen Beiträgen bieten noch zusätzliche Aufklärung zum Verständnis  und lockern die Texte auf.  

Es ist ein perfektes Geschenk für wissbegierige Leser*innen, Jugendliche und Kinder ab ca. zwölf  Jahren .

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne

Herzlichen Dank an die beiden Lektorinnen und den Heyne Verlag für die Zusendung des hübsch aufgemachten Rezensionsexemplars. 


 

Donnerstag, 26. Februar 2026

*WENN DIE KRANICHE NACH SÜDEN ZIEHEN* von Lisa Ridzén - erschienen im btb-verlag


 *Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21. Januar 2026

INHALT / KLAPPENTEXT: Bo ist 89, und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeinigen so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand? Der drohende Verlust seines Hundes bringt Bo dazu, die Schlüsselmomente seines Lebens zu überdenken. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen ist ein brillant geschriebener, weltweit gefeierter Roman voller Witz und Wärme über das, was im Leben wichtig ist und uns mit Zuversicht erfüllt.

Lisa Ridzén, geboren 1988, ist Doktorandin der Soziologie und erforscht Männlichkeitsnormen in den ländlichen Gemeinden im hohen Norden Schwedens, wo sie selbst aufgewachsen ist. Heute lebt sie mit ihrem Hund in einem kleinen Dorf außerhalb von Östersund. Die Idee zu ihrem Debütroman »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« entstand, als sie ein Heft mit Notizen entdeckte, die das Pflegeteam ihres Großvaters der Familie nach dessen Tod hinterlassen hatte. Während des Schreibens besuchte Lisa Ridzén die Långholmen Writers Academy. Ihr Roman wird von Presse und Leser*innen weltweit gefeiert, erhielt zahlreiche Preise (2024 Best Book of the Year und Swedish Bookseller Award) und erscheint in 42 Ländern.

Meine Meinung zum Buch:

Der 89 jährige BO lebt allein mit seinem Hund Sixten und wird täglich vom Pflegedienst betreut. Seine langjährige Ehefrau Fredrika lebt in einem Heim für Demenzkranke und bei Besuchen erkennt sie leider ihren geliebten Bo nicht mehr. Sohn Hans kümmert sich liebevoll um seine Eltern, unterstützt von seiner Tochter Ellinor, liebevoll *Hummelchen* mit Spitznamen genannt. Ein kompetentes Pflegeteam und Bo's langjähriger Freund Ture gehören zu den Menschen, die Bo noch viel bedeuten. Der Kontakt zu Ture ist Bo nur noch telefonisch möglich. Bo und sein Hund Sixten sind eine verschworene Einheit, teilen alles , erleben alles zusammen und sind unzertrennlich. 

So erfahren wir einiges von diesen beiden *Helden des Alltags* durch den flüssigen, klaren und liebevollen Schreibstil der Autorin. Doch dieser Alltag wird immer beschwerlicher  für Bo. Sei es beim Spazieren, Verrichten der täglichen Aufgaben wie dem Füttern des Hundes und seiner persönlichen Selbstfürsorge. Sohn Hans will dem Tier ein artgerechtes Leben ermöglichen, es in einer anderen Familie unterbringen und Bo so entlasten. Damit ist Bo überhaupt nicht einverstanden! Er liebt Sixten über alles und das Tier verkörpert für ihn eine Verbindung zu seiner gesamten gelebten Vergangenheit.

Die Autorin zeigt die Problematik des Alterns in diesem Buch  aus vielen Sichtweisen auf. Wir steigen tief in die Gedankenwelt des alten Mannes ein, erleben seine Kindheit mit dem strengen Vater, der geliebten Mutter sowie der harten Arbeit in der dörflichen Abgeschiedenheit Schwedens. Seine liebevolles Verhalten gegenüber Frederika und Sohn Hans berühren das Herz und man spürt wieviel Liebe in Bo steckt und wie er sie verschenkt hat an seine kleine Familie. Der langjährige Freund Ture gehört ebenso dazu wie die harten, arbeitsreichen Jahre in einem Sägewerk.

Bo träumt sein Leben noch einmal, schläft viel, kehrt in die reale Wirklichkeit zurück und hadert mit dem Verfall seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Seine Angst den geliebten Hund zu verlieren lähmt ihn, er kann sich schwer sprachlich ausdrücken gegenüber Hans und leidet. All das erlesen wir  zwischen den Zeilen. Zusätzlich hat die Autorin die  nüchtern gehaltenen Zustandsberichte des Pflegeteams zwischen Bo's Empfindungen eingestellt. Das ermöglicht den Leser*innen einen objektiven Eindruck über den geistigen und körperlichen Zustand des alten Mannes zu bekommen. 

Dieser Roman zeigt die Verletzlichkeit der Würde eines  alten Menschen, seine  immer noch bestehenden letzen Sehnsüchte und Wünsche, seine  Ängste , Bedenken und letztendlich die ANNAHME einer unbekannten Entwicklung bis zum Ende des Lebens, die jedem von uns irgendwann bevorsteht. Es ist eine das Herz berührende Lektüre durch die feinfühlige und lebensnahe Art und Weise der Darstellung durch die Autorin. Vielen lieben Dank für diese Lektüre.   

Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aussergewöhnliche Lektüre. 

  



Dienstag, 24. Februar 2026

*Im Herzen der Nacht * von Rebecca West - erschienen im btb-verlag


 *unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

 Neu erschienen und aufgelegt am 15.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Die Wiederentdeckung eines Klassikers - Band 2 der Aubrey-Familiensaga, die vollständig und neu übersetzt bei btb erscheint

London in den 1910er Jahren: Aus den drei Schwestern der Familie Aubrey sind junge Frauen geworden. Die Korsetts und Kleider sind enger, die Frisuren raffinierter und der Müßiggang der Sommertage ist nur noch eine sanfte, ferne Erinnerung. Nach dem Verschwinden ihres charismatischen, aber unzuverlässigen Vaters müssen sich Rose, ihre Schwestern und ihr kleiner Bruder Richard Quin nun der Welt der Erwachsenen, ihren Geheimnissen und Konventionen stellen. Doch ein Ereignis droht die hellen Tage der Unbeschwertheit bald endgültig vergessen zu machen: Ein Krieg, der alles, was ihm in den Weg kommt, mit sich zu nehmen droht, und sich ausbreitet wie eine endlose Nacht.

„Im Herzen der Nacht“ nach „Die Familie Aubrey“ zweiter Teil der Aubrey-Romantrilogie, aber als unabhängiger Roman geschrieben, ist ein perfekter Einstieg in das außergewöhnliche Universum der Rebecca West – ein Meisterwerk, das fast vierzig Jahre nach seinem Erscheinen endlich auf Deutsch entdeckt werden kann.

Dame Rebecca West (1892-1983) wurde als Cicily Isabel Fairfield geboren und wählte ihren Künstlernamen nach einer starken Frauenfigur in einem Ibsen-Drama. West war Journalistin und Reiseschriftstellerin. Sie schrieb unter anderem für The New York Herald Tribune und Harper's Bazaar. Als Berichterstatterin für den Daily Telegraph nahm sie an den Nürnberger Prozessen teil. Sie pendelte zwischen London, New York, Rom und Florenz. Neben ihren journalistischen Texten verfasste sie mehrere erfolgreiche Romane und Erzählungen. »Die Familie Aubrey« ist der erste Teil einer dreibändigen Familiengeschichte. Erstmals 1956 veröffentlicht, wurde der Roman mit dem Originaltitel »The fountain overflows« zum Verkaufshit. »Im Herzen der Nacht« und »Rosamund« erschienen posthum. Die Aubrey-Trilogie ist von Wests eigener Familiengeschichte inspiriert und umfasst fast das gesamte 20. Jahrhundert.

Editorische Notiz , eingefügt am Endes des Buches: Dieser Roman spielt in einer Zeit , in der Vorurteile und Anfeindungen gegen Menschen aller Ethnie, Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion zum Alltag gehörten. Dem Verlag ist bewusst, dass es sich bei einigen der verwendeten Ausdrücke und Schilderungen um Diffamierungen beziehungsweise Stereotype handelt, deren Verwendung und unverfälschte , nicht beschönigende Übersetzung jedoch zur Charakterisierung der Figuren gehört.

Meine Meinung zum Buch: 

Dieser unabhängige zu lesende Roman hat mich tief in die  psychische Familienstruktur der Familie Aubrey geführt. Die Autorin hat autobiografische Züge ihrer eigenen Familiengeschichte eingefügt und so mit Sicherheit vieles aus ihrer bewegten  Kindheit und dem Erwachsenen-Leben aufgearbeitet. 

Die Geschichte wird aus der Sicht von Rose erzählt, eine der Aubrey-Töchter.  Die Musik spielt in ihrer Familie eine grosse Rolle, da die Mutter Clare eine begabte Konzertpianistin war und diese Karriere zugunsten der Familie und ihrer vier Kinder aufgegeben hat. Rose und ihre Schwester Mary,  beide musikalisch sehr begabt,  werden streng erzogen um auch den Weg einer professionellen Pianistin  gehen zu können. Ihr Bruder Richard Quiz ist der absolute Familienliebling, dem vieles nachgesehen wird. Die grosse Schwester Cordelia dagegen hat in der Familie die Rolle des *Sorgenkindes* inne. Sie glaubt fest an ihre musikalische Begabung, die ihr allerdings voll abgeht. Vater Piers, ein  erfolgreicher Journalist ist allerdings ein Glücksspieler und unzuverlässiger Versorger. Er bringt die Familie immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten und glänzt durch Abwesenheit.  

Der Roman beleuchtet  genau die abhängige Position der Frauen und Kinder in der damaligen Gesellschaft und beschreibt den finanziellen und emotionalen Abstieg einer Familie. Die Gedankenwelt der Kinder wird  von der Autorin sehr gut aufgezeigt. Ihre Verzweiflung und ihre immer wieder aufkeimende Hoffnung auf eine Besserung der Situation bilden einen grossen Teil des Romans. 

Das Buch lässt sich nicht leicht und schnell herunterlesen. Die Autorin benutzt einen intellektuell geprägten, sehr aussagekräftigen und anspruchsvollen Schreibstil, der manche Leser*innen bald langweilen  und überfordern könnte. Die psychologischen Hintergründe aller Familiencharaktere werden sorgfältig entwickelt und dargelegt . 

Dieses Buch lässt sich geniessen, doch sollte man keine langen Lesepausen einlegen , da man schnell den roten Faden und den Bezug zu den Personen verlieren könnte. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an den btb-verlag für diese Neuauflage eines wertvollen Buches. 


Mittwoch, 14. Januar 2026

*Unser kleiner Hof in den Hügeln* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag


 *unbezahlte Werbung*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Als Junge lernte James Rebanks von seinem Großvater, das Land auf traditionelle Weise zu bewirtschaften. Der Familienbauernhof in den Hügeln des Lake District war Teil einer uralten Agrarlandschaft: ein Flickenteppich aus Äckern und Wiesen, Weiden und Hecken, in denen es von Wildtieren wimmelte. Doch als James den Hof erbte, war er kaum noch wiederzuerkennen. Die alten Steinscheunen waren verfallen, und am Himmel fehlten die Vögel und ihr vom Wind verwehter Gesang.

Dieses Buch erzählt davon, was es bedeutet, an einem Ort wirklich verwurzelt zu sein und für ihn Verantwortung zu übernehmen. Es handelt von jahrhundertealten Traditionen, die verloren zu gehen drohen, vom Arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten und der Witterung, vom Zusammenleben mit der Natur und von der Gemeinschaft der Menschen auf dem Land. Es ist die hoffnungsvolle Geschichte eines jungen Farmers, der beschließt, der Zerstörung der Landschaft etwas entgegenzusetzen und eine winzige Ecke Englands zu retten.

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).


Maria Andreas lebt und arbeitet seit über dreißig Jahren als freie Übersetzerin in München. Unter anderem hat sie Penelope Lively, Julian Fellows und Rachel Joyce ins Deutsche übertragen.

Meine Meinung zum Buch: 

Hinter dem verspielten Titel und dem idyllischen Cover von James Rebanks' Werk verbirgt sich eine schonungslose Analyse der Agrarwirtschaft. Der Autor schildert realistisch den Wandel der europäischen Landwirtschaft über die letzten sieben Jahrzehnte . Die Gliederung des Buches spiegelt diesen Weg wider:

1. Der Pflug und die Möwen 

2. Nostalgie 

3. Fortschritt 

4. Utopie 

Die Würdigung der Vergangenheit

Dieses Buch ist eine tiefe Verbeugung vor der Lebensweise unserer Großeltern auf den kleinsten Höfen Englands und Europas. Rebanks beschreibt seine Kindheit auf der Farm seines Großvaters als eine prägende Zeit voller Tierbegegnungen  und Naturerlebnisse in Wäldern und Wiesen . Diese Erinnerungen sind heute sein innerer Kompass: Auf seiner eigenen Farm setzt er sich für ökologische Veränderungen ein – selbst wenn dies wirtschaftliche Einbußen bedeutet.

Der globale Blick und die industrielle Realität

Rebanks beschreibt die Entwicklung der Landwirtschaft nicht nur als lokales Ereignis, sondern als globale, oft erschreckende Transformation. Besonders seine Reisen nach Australien und in die USA (Iowa)  scheinen ihn tief erschüttert zu haben. Er skizziert das Bild einer Branche, die sich von der Natur entfremdet hat. Ein  Zitat  auf Seite 183 verdeutlicht den massiven wirtschaftlichen Druck:

" Der amerikanische Durchschnittsverdiener gab 1950 etwa 22 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus; dieser Anteil ist heute auf 6,4 Prozent gesunken. Gewinn machen eine Handvoll riesiger Konzerne, die etliche Politiker und Abgeordnete aller Parteien in der Tasche haben. "

Dieser Wandel hin zu einem rein auf Produktivität getrimmten Industriezweig führt zu immer größeren Höfen, riesigen Monokulturen und extremer Massentierhaltung  – eine Entwicklung, die Rebanks zutiefst enttäuscht.

Zwischen harter Arbeit und familiärer Bindung

Trotz der harten Kritik bleibt das Buch zutiefst menschlich. Rebanks erzählt schnörkellos von körperlicher Schwerstarbeit und existenziellen Sorgen. Doch dem gegenüber stehen die Momente puren Glücks: die Geburt eines Lammes  oder die Dankbarkeit über eine gute Ernte . In diesen Zeilen spürt man eine liebevolle Würdigung seines Vaters und Großvaters. Auch seine eigene Familie bildet das emotionale Rückgrat und unterstreicht die Verbundenheit, die das bäuerliche Leben trotz aller Widrigkeiten ausmacht.

Poetische Schönheit als Hoffnungsträger

Rebanks' Schreibstil wechselt oft in schwärmerische, fast poetische Formen . Diese Momente der schlichten Schönheit belohnen die Leser*innen mit einem harmonischen „Kopfkino“ von Wald und Wiese .

Sein Buch ist jedoch mehr als eine bloße Rückschau. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Wertschätzung unserer ländlichen Umwelt und für den Konsum ehrlicher, gesunder Lebensmittel . Inspiriert von den Ideen seiner Vorbilder Rachel Carson und Jane Jacobs, fordert er uns auf, unser Verhältnis zur Natur grundlegend zu überdenken. Denn unsere Nahrung sollte von gesunden Böden erzeugt werden, wie es Menschen seit Jahrtausenden getan haben.

FÜNF ***** Sterne.