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Samstag, 14. März 2026

*Familiensache* von Claire Lynch - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

INHALT/KLAPPENTEXT: Ein Haus, einen Ehemann, ein Baby: Eigentlich hat Dawn alles, was man sich im England der 1980er-Jahre wünschen sollte. Doch dann lernt sie Hazel kennen und beginnt zu ahnen, welches andere Leben möglich wäre. Plötzlich ist alles viel heller – und komplizierter. Denn Dawn hat Verpflichtungen: Dawn hat ihre kleine Tochter Maggie. Jahrzehnte später ist Dawn für Maggie nur eine schattenhafte Erinnerung. Ihr Vater Heron hat sie allein großgezogen, die beiden sind ein Herz und eine Seele. Als Heron eine Diagnose erhält, die sein Leben völlig auf den Kopf stellt, erzählt er Maggie zunächst nichts davon. Denn über unbequeme Wahrheiten hat er schon immer lieber geschwiegen – so wie über das, was 1982 passiert ist …

In ebenso zarte wie sprachmächtige Prosa gegossen und mit warmherzigen Figuren gespickt, stellt Claire Lynch in Familiensache die Frage, was eine Familie ausmacht und wie die Wunden der Vergangenheit heilen können.


Claire Lynch promovierte an der Universität Oxford und lehrte Englische und Irische Literatur an verschiedenen Universitäten. Sie ist regelmäßig in Podcasts zu den Themen Elternschaft und Queerpolitik zu Gast und hat ein Memoir über ihre eigenen Erfahrungen mit queerer Mutterschaft geschrieben. Sie lebt mit ihrer Frau und ihren drei Töchtern in Windsor. »Familiensache« ist ihr Debütroman.

Meine Meinung zum Buch:

Kennt ihr diese Bücher, die einen erst ganz sanft in eine Familiengeschichte ziehen und dann mit voller Wucht erschüttern? Genau so erging es mir mit dem neuen Roman von Claire Lynch.


Die Geschichte ist wie ein komplexes Puzzle aufgebaut und springt meisterhaft zwischen zwei Zeitebenen: dem England der 1980er Jahre und der Gegenwart (2022/2023).

Im Zentrum stehen Heron und Dawn. Sie heiraten jung, wie es damals üblich war, und führen eine scheinbar glückliche Ehe, gekrönt von ihrer Tochter Maggie, die der Lebensmittelpunkt beider Eltern ist. Doch die Idylle zerbricht, als Dawn sich in die junge Lehrerin Hazel verliebt.

Was als leidenschaftliche Affäre beginnt, führt Dawn zu einer schmerzhaften Erkenntnis: Es gibt ein anderes Leben für sie. Sie möchte sich in Freundschaft trennen, hofft auf ein friedliches Co-Parenting – doch sie hat die Rechnung ohne den verletzten Stolz ihres Mannes und das gnadenlose Rechtssystem der 80er gemacht.


Besonders schockierend ist die Rolle der Behörden. Basierend auf der damaligen Überzeugung, eine lesbische Mutter sei schädlich für die Kindesentwicklung, wird Dawn systematisch aus dem Leben ihrer Tochter gestrichen.

 Gekränkt und überzeugt, das Richtige zu tun, forciert Heron eine radikale Trennung.

 Maggie wächst ohne ihre „Mummy“ auf und erhält nie eine ehrliche Antwort auf ihre Fragen.

Erst 40 Jahre später, als ihr Vater schwer erkrankt, entdeckt Maggie in alten Akten das ungeheuerliche Ausmaß der damaligen Kontaktsperre – und macht sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Mein Fazit

Obwohl die Geschichte fiktiv ist, spürt man auf jeder Seite die tiefe Recherche der Autorin. Claire Lynch lässt die Erfahrungen vieler queerer Mütter einfließen, die ähnliche Diskriminierungen erleben mussten. Die Szenen vor Gericht, in denen Dawn wegen ihrer Sexualität regelrecht vorgeführt wird, sind kaum zu ertragen – vor allem mit dem Wissen, dass diese Praktiken noch gar nicht so lange zurückliegen.

Ein tiefgründiger, schmerzhafter, aber unglaublich wichtiger Roman über das Recht auf Liebe und die späte Suche nach der Wahrheit.


Fünf Sterne !



Samstag, 28. Februar 2026

*Ein Jahr des Staunens* - erschienen im Heyne Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 5.11.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Eine brillante Sammlung voller kurioser Wissensschätze, die ein Jahr voller Staunen versprechen!

Inmitten des stressigen Alltages kann es schwierig sein, die Zeit zu finden, die kleinen Wunder unserer Welt wahrzunehmen und wertzuschätzen. Dieses liebevoll gestaltete Buch soll uns dabei helfen und begleitet uns mit seinen 365 fröhlich-zufälligen und äußerst faszinierenden Einträgen durch ein ganzes Jahr, um uns Tag für Tag zum Staunen und Wundern zu bringen. Wir erfahren zum Beispiel, was die Japaner mit „kuchisabishii“ meinen, wie die Viktorianer durch Blumen kommunizierten und wir entdecken die geheime Herkunft der Pudelmütze. Es gibt Geschichten über fußballspielende Bienen und Wikingermäuse, den Beginn des Thesaurus und das Ende der Bibliothek von Alexandria. Ein Buch, das die Stimmung hebt, den Horizont erweitert und uns jeden Tag ein bisschen klüger macht.

Elizabeth Foley und Beth Coates sind ein starkes Frauenteam: Sie arbeiten zusammen als Lektorinnen in einem großen Londoner Verlagshaus und schreiben ganz nebenbei Bestseller – wie zum Beispiel »Homework for Grown-ups« oder »Shakespeare for Grown-ups« und natürlich »Was würde Frida tun?« 

Meine Meinung zum Buch: 

Dieses toll aufgemachte, gebundene Buch hat meinen Kopf und das Herz erobert und wird nun jeden Tag mindestens einmal  aufgeschlagen . Und zwar  für 12 Monate, 365 Tage im Jahr. Jeden Morgen gibt eine kleine Wissenslektüre, von der man vielleicht noch nie gehört hat. Für jeden Geschmack werden Themen aufgegriffen und Fragen beantwortet  aus Sport, Kultur, Geschichte, Wissenschaft , Politik, Kunst, Gesundheit und viel Allgemeinwissen . Die Auswahl der Themen ist riesengross, bunt, abwechslungsreich und wurde von zwei Lektorinnen eines grossen Londoner Verlagshauses mit viel Bedacht und Überlegung zusammengestellt. Die Artikel sind allgemeinverständlich verfasst, kurz gehalten  und überfordern auch nicht lesebegeisterte Menschen. Schwarzweisse Abbildungen zu vielen Beiträgen bieten noch zusätzliche Aufklärung zum Verständnis  und lockern die Texte auf.  

Es ist ein perfektes Geschenk für wissbegierige Leser*innen, Jugendliche und Kinder ab ca. zwölf  Jahren .

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne

Herzlichen Dank an die beiden Lektorinnen und den Heyne Verlag für die Zusendung des hübsch aufgemachten Rezensionsexemplars. 


 

Donnerstag, 26. Februar 2026

*WENN DIE KRANICHE NACH SÜDEN ZIEHEN* von Lisa Ridzén - erschienen im btb-verlag


 *Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21. Januar 2026

INHALT / KLAPPENTEXT: Bo ist 89, und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeinigen so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand? Der drohende Verlust seines Hundes bringt Bo dazu, die Schlüsselmomente seines Lebens zu überdenken. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen ist ein brillant geschriebener, weltweit gefeierter Roman voller Witz und Wärme über das, was im Leben wichtig ist und uns mit Zuversicht erfüllt.

Lisa Ridzén, geboren 1988, ist Doktorandin der Soziologie und erforscht Männlichkeitsnormen in den ländlichen Gemeinden im hohen Norden Schwedens, wo sie selbst aufgewachsen ist. Heute lebt sie mit ihrem Hund in einem kleinen Dorf außerhalb von Östersund. Die Idee zu ihrem Debütroman »Wenn die Kraniche nach Süden ziehen« entstand, als sie ein Heft mit Notizen entdeckte, die das Pflegeteam ihres Großvaters der Familie nach dessen Tod hinterlassen hatte. Während des Schreibens besuchte Lisa Ridzén die Långholmen Writers Academy. Ihr Roman wird von Presse und Leser*innen weltweit gefeiert, erhielt zahlreiche Preise (2024 Best Book of the Year und Swedish Bookseller Award) und erscheint in 42 Ländern.

Meine Meinung zum Buch:

Der 89 jährige BO lebt allein mit seinem Hund Sixten und wird täglich vom Pflegedienst betreut. Seine langjährige Ehefrau Fredrika lebt in einem Heim für Demenzkranke und bei Besuchen erkennt sie leider ihren geliebten Bo nicht mehr. Sohn Hans kümmert sich liebevoll um seine Eltern, unterstützt von seiner Tochter Ellinor, liebevoll *Hummelchen* mit Spitznamen genannt. Ein kompetentes Pflegeteam und Bo's langjähriger Freund Ture gehören zu den Menschen, die Bo noch viel bedeuten. Der Kontakt zu Ture ist Bo nur noch telefonisch möglich. Bo und sein Hund Sixten sind eine verschworene Einheit, teilen alles , erleben alles zusammen und sind unzertrennlich. 

So erfahren wir einiges von diesen beiden *Helden des Alltags* durch den flüssigen, klaren und liebevollen Schreibstil der Autorin. Doch dieser Alltag wird immer beschwerlicher  für Bo. Sei es beim Spazieren, Verrichten der täglichen Aufgaben wie dem Füttern des Hundes und seiner persönlichen Selbstfürsorge. Sohn Hans will dem Tier ein artgerechtes Leben ermöglichen, es in einer anderen Familie unterbringen und Bo so entlasten. Damit ist Bo überhaupt nicht einverstanden! Er liebt Sixten über alles und das Tier verkörpert für ihn eine Verbindung zu seiner gesamten gelebten Vergangenheit.

Die Autorin zeigt die Problematik des Alterns in diesem Buch  aus vielen Sichtweisen auf. Wir steigen tief in die Gedankenwelt des alten Mannes ein, erleben seine Kindheit mit dem strengen Vater, der geliebten Mutter sowie der harten Arbeit in der dörflichen Abgeschiedenheit Schwedens. Seine liebevolles Verhalten gegenüber Frederika und Sohn Hans berühren das Herz und man spürt wieviel Liebe in Bo steckt und wie er sie verschenkt hat an seine kleine Familie. Der langjährige Freund Ture gehört ebenso dazu wie die harten, arbeitsreichen Jahre in einem Sägewerk.

Bo träumt sein Leben noch einmal, schläft viel, kehrt in die reale Wirklichkeit zurück und hadert mit dem Verfall seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Seine Angst den geliebten Hund zu verlieren lähmt ihn, er kann sich schwer sprachlich ausdrücken gegenüber Hans und leidet. All das erlesen wir  zwischen den Zeilen. Zusätzlich hat die Autorin die  nüchtern gehaltenen Zustandsberichte des Pflegeteams zwischen Bo's Empfindungen eingestellt. Das ermöglicht den Leser*innen einen objektiven Eindruck über den geistigen und körperlichen Zustand des alten Mannes zu bekommen. 

Dieser Roman zeigt die Verletzlichkeit der Würde eines  alten Menschen, seine  immer noch bestehenden letzen Sehnsüchte und Wünsche, seine  Ängste , Bedenken und letztendlich die ANNAHME einer unbekannten Entwicklung bis zum Ende des Lebens, die jedem von uns irgendwann bevorsteht. Es ist eine das Herz berührende Lektüre durch die feinfühlige und lebensnahe Art und Weise der Darstellung durch die Autorin. Vielen lieben Dank für diese Lektüre.   

Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aussergewöhnliche Lektüre. 

  



Dienstag, 24. Februar 2026

*Im Herzen der Nacht * von Rebecca West - erschienen im btb-verlag


 *unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

 Neu erschienen und aufgelegt am 15.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Die Wiederentdeckung eines Klassikers - Band 2 der Aubrey-Familiensaga, die vollständig und neu übersetzt bei btb erscheint

London in den 1910er Jahren: Aus den drei Schwestern der Familie Aubrey sind junge Frauen geworden. Die Korsetts und Kleider sind enger, die Frisuren raffinierter und der Müßiggang der Sommertage ist nur noch eine sanfte, ferne Erinnerung. Nach dem Verschwinden ihres charismatischen, aber unzuverlässigen Vaters müssen sich Rose, ihre Schwestern und ihr kleiner Bruder Richard Quin nun der Welt der Erwachsenen, ihren Geheimnissen und Konventionen stellen. Doch ein Ereignis droht die hellen Tage der Unbeschwertheit bald endgültig vergessen zu machen: Ein Krieg, der alles, was ihm in den Weg kommt, mit sich zu nehmen droht, und sich ausbreitet wie eine endlose Nacht.

„Im Herzen der Nacht“ nach „Die Familie Aubrey“ zweiter Teil der Aubrey-Romantrilogie, aber als unabhängiger Roman geschrieben, ist ein perfekter Einstieg in das außergewöhnliche Universum der Rebecca West – ein Meisterwerk, das fast vierzig Jahre nach seinem Erscheinen endlich auf Deutsch entdeckt werden kann.

Dame Rebecca West (1892-1983) wurde als Cicily Isabel Fairfield geboren und wählte ihren Künstlernamen nach einer starken Frauenfigur in einem Ibsen-Drama. West war Journalistin und Reiseschriftstellerin. Sie schrieb unter anderem für The New York Herald Tribune und Harper's Bazaar. Als Berichterstatterin für den Daily Telegraph nahm sie an den Nürnberger Prozessen teil. Sie pendelte zwischen London, New York, Rom und Florenz. Neben ihren journalistischen Texten verfasste sie mehrere erfolgreiche Romane und Erzählungen. »Die Familie Aubrey« ist der erste Teil einer dreibändigen Familiengeschichte. Erstmals 1956 veröffentlicht, wurde der Roman mit dem Originaltitel »The fountain overflows« zum Verkaufshit. »Im Herzen der Nacht« und »Rosamund« erschienen posthum. Die Aubrey-Trilogie ist von Wests eigener Familiengeschichte inspiriert und umfasst fast das gesamte 20. Jahrhundert.

Editorische Notiz , eingefügt am Endes des Buches: Dieser Roman spielt in einer Zeit , in der Vorurteile und Anfeindungen gegen Menschen aller Ethnie, Hautfarbe, sozialer Herkunft oder Religion zum Alltag gehörten. Dem Verlag ist bewusst, dass es sich bei einigen der verwendeten Ausdrücke und Schilderungen um Diffamierungen beziehungsweise Stereotype handelt, deren Verwendung und unverfälschte , nicht beschönigende Übersetzung jedoch zur Charakterisierung der Figuren gehört.

Meine Meinung zum Buch: 

Dieser unabhängige zu lesende Roman hat mich tief in die  psychische Familienstruktur der Familie Aubrey geführt. Die Autorin hat autobiografische Züge ihrer eigenen Familiengeschichte eingefügt und so mit Sicherheit vieles aus ihrer bewegten  Kindheit und dem Erwachsenen-Leben aufgearbeitet. 

Die Geschichte wird aus der Sicht von Rose erzählt, eine der Aubrey-Töchter.  Die Musik spielt in ihrer Familie eine grosse Rolle, da die Mutter Clare eine begabte Konzertpianistin war und diese Karriere zugunsten der Familie und ihrer vier Kinder aufgegeben hat. Rose und ihre Schwester Mary,  beide musikalisch sehr begabt,  werden streng erzogen um auch den Weg einer professionellen Pianistin  gehen zu können. Ihr Bruder Richard Quiz ist der absolute Familienliebling, dem vieles nachgesehen wird. Die grosse Schwester Cordelia dagegen hat in der Familie die Rolle des *Sorgenkindes* inne. Sie glaubt fest an ihre musikalische Begabung, die ihr allerdings voll abgeht. Vater Piers, ein  erfolgreicher Journalist ist allerdings ein Glücksspieler und unzuverlässiger Versorger. Er bringt die Familie immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten und glänzt durch Abwesenheit.  

Der Roman beleuchtet  genau die abhängige Position der Frauen und Kinder in der damaligen Gesellschaft und beschreibt den finanziellen und emotionalen Abstieg einer Familie. Die Gedankenwelt der Kinder wird  von der Autorin sehr gut aufgezeigt. Ihre Verzweiflung und ihre immer wieder aufkeimende Hoffnung auf eine Besserung der Situation bilden einen grossen Teil des Romans. 

Das Buch lässt sich nicht leicht und schnell herunterlesen. Die Autorin benutzt einen intellektuell geprägten, sehr aussagekräftigen und anspruchsvollen Schreibstil, der manche Leser*innen bald langweilen  und überfordern könnte. Die psychologischen Hintergründe aller Familiencharaktere werden sorgfältig entwickelt und dargelegt . 

Dieses Buch lässt sich geniessen, doch sollte man keine langen Lesepausen einlegen , da man schnell den roten Faden und den Bezug zu den Personen verlieren könnte. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an den btb-verlag für diese Neuauflage eines wertvollen Buches. 


Mittwoch, 14. Januar 2026

*Unser kleiner Hof in den Hügeln* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag


 *unbezahlte Werbung*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Als Junge lernte James Rebanks von seinem Großvater, das Land auf traditionelle Weise zu bewirtschaften. Der Familienbauernhof in den Hügeln des Lake District war Teil einer uralten Agrarlandschaft: ein Flickenteppich aus Äckern und Wiesen, Weiden und Hecken, in denen es von Wildtieren wimmelte. Doch als James den Hof erbte, war er kaum noch wiederzuerkennen. Die alten Steinscheunen waren verfallen, und am Himmel fehlten die Vögel und ihr vom Wind verwehter Gesang.

Dieses Buch erzählt davon, was es bedeutet, an einem Ort wirklich verwurzelt zu sein und für ihn Verantwortung zu übernehmen. Es handelt von jahrhundertealten Traditionen, die verloren zu gehen drohen, vom Arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten und der Witterung, vom Zusammenleben mit der Natur und von der Gemeinschaft der Menschen auf dem Land. Es ist die hoffnungsvolle Geschichte eines jungen Farmers, der beschließt, der Zerstörung der Landschaft etwas entgegenzusetzen und eine winzige Ecke Englands zu retten.

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).


Maria Andreas lebt und arbeitet seit über dreißig Jahren als freie Übersetzerin in München. Unter anderem hat sie Penelope Lively, Julian Fellows und Rachel Joyce ins Deutsche übertragen.

Meine Meinung zum Buch: 

Hinter dem verspielten Titel und dem idyllischen Cover von James Rebanks' Werk verbirgt sich eine schonungslose Analyse der Agrarwirtschaft. Der Autor schildert realistisch den Wandel der europäischen Landwirtschaft über die letzten sieben Jahrzehnte . Die Gliederung des Buches spiegelt diesen Weg wider:

1. Der Pflug und die Möwen 

2. Nostalgie 

3. Fortschritt 

4. Utopie 

Die Würdigung der Vergangenheit

Dieses Buch ist eine tiefe Verbeugung vor der Lebensweise unserer Großeltern auf den kleinsten Höfen Englands und Europas. Rebanks beschreibt seine Kindheit auf der Farm seines Großvaters als eine prägende Zeit voller Tierbegegnungen  und Naturerlebnisse in Wäldern und Wiesen . Diese Erinnerungen sind heute sein innerer Kompass: Auf seiner eigenen Farm setzt er sich für ökologische Veränderungen ein – selbst wenn dies wirtschaftliche Einbußen bedeutet.

Der globale Blick und die industrielle Realität

Rebanks beschreibt die Entwicklung der Landwirtschaft nicht nur als lokales Ereignis, sondern als globale, oft erschreckende Transformation. Besonders seine Reisen nach Australien und in die USA (Iowa)  scheinen ihn tief erschüttert zu haben. Er skizziert das Bild einer Branche, die sich von der Natur entfremdet hat. Ein  Zitat  auf Seite 183 verdeutlicht den massiven wirtschaftlichen Druck:

" Der amerikanische Durchschnittsverdiener gab 1950 etwa 22 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus; dieser Anteil ist heute auf 6,4 Prozent gesunken. Gewinn machen eine Handvoll riesiger Konzerne, die etliche Politiker und Abgeordnete aller Parteien in der Tasche haben. "

Dieser Wandel hin zu einem rein auf Produktivität getrimmten Industriezweig führt zu immer größeren Höfen, riesigen Monokulturen und extremer Massentierhaltung  – eine Entwicklung, die Rebanks zutiefst enttäuscht.

Zwischen harter Arbeit und familiärer Bindung

Trotz der harten Kritik bleibt das Buch zutiefst menschlich. Rebanks erzählt schnörkellos von körperlicher Schwerstarbeit und existenziellen Sorgen. Doch dem gegenüber stehen die Momente puren Glücks: die Geburt eines Lammes  oder die Dankbarkeit über eine gute Ernte . In diesen Zeilen spürt man eine liebevolle Würdigung seines Vaters und Großvaters. Auch seine eigene Familie bildet das emotionale Rückgrat und unterstreicht die Verbundenheit, die das bäuerliche Leben trotz aller Widrigkeiten ausmacht.

Poetische Schönheit als Hoffnungsträger

Rebanks' Schreibstil wechselt oft in schwärmerische, fast poetische Formen . Diese Momente der schlichten Schönheit belohnen die Leser*innen mit einem harmonischen „Kopfkino“ von Wald und Wiese .

Sein Buch ist jedoch mehr als eine bloße Rückschau. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Wertschätzung unserer ländlichen Umwelt und für den Konsum ehrlicher, gesunder Lebensmittel . Inspiriert von den Ideen seiner Vorbilder Rachel Carson und Jane Jacobs, fordert er uns auf, unser Verhältnis zur Natur grundlegend zu überdenken. Denn unsere Nahrung sollte von gesunden Böden erzeugt werden, wie es Menschen seit Jahrtausenden getan haben.

FÜNF ***** Sterne.

 



Dienstag, 6. Januar 2026

*Der Mädchenname* von Aurora Tamigio - erschienen im btb-Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Anfang des 20. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in den sizilianischen Bergen: Früh zeigt sich, dass die kleine Rosa aus dem Stoff der Pflanze gemacht zu sein scheint, deren Namen sie trägt: Blüten, die immer wieder zum Leben erwachen, das Holz stark und widerstandsfähig. Als Frau gilt sie wenig, doch ihrem Vater und ihren Brüdern, beugt sie sich nie ganz. Als sie Sebastiano Quaranta kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Rosa brennt mit ihm durch, sie heiraten und eröffnen gemeinsam ein Gasthaus, das zum begehrten Anlaufpunkt wird. Kurz darauf werden ihnen der hübsche Fernando, Donato, der Priester werden wird, und schließlich Selma geboren, deren Hände so zart sind wie die Stickereien, mit denen sie Stoffe schmückt. Selma heiratet gegen Rosas Rat und besseren Wissens, ihre unglückliche Ehe hat Auswirkungen auf ihre eigenen Töchter. Patrizia, die kämpferischste der drei Schwestern, Lavinia, die das Kino liebt, und Nesthäkchen Marinella, die davon träumt, Italien zu verlassen.

Aurora Tamigio wurde 1988 in Palermo geboren und wuchs in Mailand auf. Sie studierte Kunstgeschichte und Drehbuchschreiben für Filme. Sie hat als freie Autorin für das Kino gearbeitet sowie als Texterin in einer Werbeagentur. Sie ist Chefredakteurin des Filmmagazins Silenzioinsala.com. »Der Mädchenname« ist ihr erster Roman, der in Italien alle Verkaufsrekorde gebrochen hat und monatelang auf der Bestsellerliste stand. Aurora Tamigio wurde mit dem Literaturpreis IO Donna - Heldinnen von heute (2023) und dem renommierten Premio Bancarella (2024) ausgezeichnet.


REZENSION: Eine Reise nach Sizilien mit Aurora Tamigio

Zum Jahresbeginn hat es mich literarisch in eines meiner absoluten Lieblingsländer gezogen: Italien. Genauer gesagt nach Sizilien. Die Autorin Aurora Tamigio ist dort längst kein Geheimtipp mehr – ihr Debüt wurde von den Buchhändlern zum Lieblingsbuch gekürt und stürmte die Bestsellerlisten. Nachdem ich es gelesen habe, verstehe ich absolut, warum!

Drei Generationen, ein Schicksal

Der Roman spannt einen weiten Bogen über drei Generationen sizilianischer Frauen. Alles beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit der zärtlichen, fast schon magischen Liebe zwischen Rosa und Sebastiano Quaranta. Doch das Buch ist weit mehr als eine Romanze; es ist ein packendes historisches Zeitzeugnis über das Leben und Überleben in einer patriarchalischen Gesellschaft.

Rosa: Der Ursprung der Stärke

Rosa hat es nicht leicht. In den Bergen aufgewachsen, geprägt von einem gewalttätigen Vater und dominanten Brüdern, gelingt ihr mit Sebastiano die Flucht in ein neues Leben. Gemeinsam eröffnen sie ein Gasthaus – ein Projekt, in das Rosa all ihr Herzblut steckt. Trotz aller Widerstände kämpft sie mit weiblichem Geschick und unbeugsamem Willen für das Glück ihrer drei Kinder Fernando, Donato und Selma.

Das Erbe der Frauen

Im weiteren Verlauf begleiten wir Selma, die zwar in ihrer Ehe unglücklich ist, aber drei völlig unterschiedliche Töchter großzieht: Patrizia, Lavinia und Marinella. So verschieden die Charaktere auch sein mögen, eines zieht sich wie ein roter Faden durch die Generationen:

• Die bedingungslose Liebe zur Familie.

• Der unstillbare Drang nach Selbstbestimmung.

• Die Suche nach einem eigenen Weg abseits starrer Traditionen.

Mein Fazit:

Dieser wunderschöne Wohlfühlroman schenkt emotionale und teils aufwühlende Lesestunden. Besonders toll fand ich, wie die Autorin die Balance zwischen familiärer Harmonie, tief verwurzelten Traditionen und dem jeweiligen Zeitgeschehen hält.

Ein atmosphärischer Schmöker, der Fernweh nach dem Süden weckt!

Vier Sterne !


Dienstag, 28. Oktober 2025

*Moscow Mule* von Maya Rosa - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 13. August 2025 

INHALT / KLAPPENTEXT: Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig 

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer              Familie in Berlin.

Meine Meinung zum Buch: 

In diesem interessanten Roman begegnen wir Tonya und Karina, zwei jungen russischen Studentinnen im Moskau vor ca. zwanzig Jahren. Es ist die Zeit in der die Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2006  vor ihrem Haus durch mehrere Schüsse getötet wurde. Es ist auch die Zeit der Luxusautos im Strassenbild  und der armen, älteren Mütterchen , die mit Strassenverkäufen ihre dürftige Rente aufbessern.

 Karina und Tonya geniessen ihre Studienzeit an der Universität, nehmen jede Party, jedes Vergnügen und viele Männerbekanntschaften mit in ihr Leben. Tonyas Lebenstraum besteht aus einem seriösen Leben mit Familie, Haus und Garten. Karina weiss es nicht genau , ist unstet, schlägt sich in Moskau durch mit Übernachtungen bei Freund*innen und zufälligen Bekanntschaften, da sie in einem Vorort mit ihrer geliebten Großmuter lebt. Zwei Stunden Fahrzeit für eine Tour bis zur Universität sind ihr einfach zu lang. 

Der spritzige und und sehr oft witzige Schreibstil der Autorin, geschrieben in der Ich-Form aus Karina's Sicht hat mir sehr gut gefallen. Das Buch war unterhaltsam zu lesen, hat mir viele  Einblicke in die Jugend  und Denkweise einer Generation der jetzt ungefähr 40 jährigen Frauen und Männer gegeben. Vor allem aber auch Einblicke in die Atmosphäre der damaligen Zeit in Moskau, für mich ein Eindruck, der von Kälte, grauem Schnee,  heissen Banjas auf dem Land, unkomplizierten und offenen Beziehungen, sowie herzlichen Familienfeiern mit Wodka  geprägt wurde. Europa und Deutschland erschienen  der jungen Generation wahnsinnig weit weg, aber  eben doch das erstrebenswerte Reiseziel für viele junge Menschen dort;  ein Studium und Aufenthalt im europäischem Ausland an einer Universität.  

Die innige Freundschaft und deren Entwicklung  zwischen den beiden jungen Frauen, die sich seit Kindertagen sehr nahe stehen, ist auch ein emotional sehr berührendes Thema in dieser Geschichte, welches die Autorin in ihrem Debüt Roman dargestellt hat.  

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und einen tiefen Einblick in das damalige Land mit seinen liebenswerten  und herzlichen Menschen bekommen.  Die Themen Freundschaft, und das Streben nach persönlicher Freiheit nehmen einen grossen Raum im Buch ein. Danke dafür !

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen Debüt Roman von Maya Rosa. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


 



Donnerstag, 23. Oktober 2025

*Das Deutschland Backbuch* von Jürgen Krauss - erschienen im Südwest Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 10. September 2025  

INHALT/KLAPPENTEXT: Die zauberhafte Welt der deutschen Backkunst, in der der Duft von frischem Gebäck die Seele umarmt.


In seinem märchenhaft bebilderten Backbuch stellt Jürgen Krauss die Klassiker aus deutschen Backstuben vor. Dazu gehören unwiderstehliche Köstlichkeiten wie Schwarzwälder Kirschtorte, Bienenstich, Streuselkuchen und Käsesahne, aber auch Festtagsgebäck von Lebkuchen, Stollen über Plätzchen bis hin zu Osterbrot und Neujahrsbrezen. Und für alle, die herzhaftes Gebäck bevorzugen, hat er aus seiner Schwarzwälder Rezept-Schatztruhe tolle Rezepte für knusprige Brezen, hauchdünne Flammkuchen, schwäbische Seelen und einen saftigen Zwiebelkuchen gezaubert. 

Die Zubereitungen reichen von einfach bis komplex, und viele der Einzelkomponenten (Teige, Cremes und Glasuren) lassen sich miteinander kombinieren, um etwas Neues zu kreieren. »Es ist ein sehr persönliches Buch mit allem, was ich als Kind gerne gegessen habe«, sagt er. »Ein Querschnitt der köstlichen Backwaren, die weit über Deutschland hinaus bekannt sind und einfach jeden begeistern.« In dem Buch finden sich Rezepte für jeden Geschmack und Anlass mit zahlreichen Fotos und einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Als Autodidakt begann Krauss' Liebe zum Backen im Haus seiner Eltern, wo er seiner Mutter in der Küche half, vor allem in der Weihnachtszeit. Als Teenager backte er gelegentlich mal einen Käsekuchen oder eine Linzer Torte, aber erst zehn Jahre nach seinem Umzug nach England wurde das Backen wieder ein wichtiger Teil seines Lebens. »Ich vermisste deutsches Brot und beschäftigte mich mit der Herstellung von gutem Brot.« Er wagte sich nach und nach an verschiedene Brotsorten und diverse Kuchen. Die immer köstlicheren Ergebnisse überzeugten Freunde und Familie, die ihn ermutigten, sich für die Sendung The Great British Bakeoff zu bewerben. Und der Rest ist Geschichte ...


Meine Meinung zum Buch:

Der aus Freiburg im Breisgau stammende Autor Jürgen Krauss hat ein hübsch bebildertes Standard Backbuch gängiger Rezepte  traditioneller deutscher Herkunft geschrieben . „Es ist ein sehr persönliches Buch mit allem, was ich als Kind gerne gegessen habe“, sagt er. Beigefügte private Bilder aus seiner Kindheit in den 50er Jahren geben diesen gesammelten süßen und herzhaften Köstlichkeiten eine  besondere Bedeutung und erinnern an Heimat , Familie, emotionale Wärme und Geborgenheit. 

Der Autor hat sein Buch wie folgend gegliedert : 
EINLEITUNG,
WAFFELN, KÜCHLE UND DAMPFNUDELN, 
BLECHKUCHEN, 
KUCHEN UND TORTEN, 
SÜSSE UND HERZHAFTE BROTE UND BRÖTCHEN, 
FESTLICHES GEBÄCK, 
GRUNDREZEPTE, 
REGISTER, 
DANK. 

Merkwürdigerweise werden viele Rezepte für eine 23 cm große Springform angegeben  und nicht für eine übliche Größe von 26-28 cm . Geübte Bäcker*innen passen die
Rezeptmengen an , doch für Anfänger*innen kann das in einem Desaster enden. Es gibt traditionsreiche und familienerprobte Anleitungen für Apfelkuchen, Käsekuchen, Marmorkuchen, Waffeln, Schwarzwälder Kirschtorte und vieles mehr. Auch wird die Herstellung von Laugenbrezeln, Zwiebelkuchen , Butterhörnchen und weihnachtlichem Kleingebäck genau beschrieben. Die schönen Fotos der fertigen Köstlichkeiten sprechen sofort an , doch leider gibt es nicht zu jedem Rezept ein Bild. Die Rezepte sind den vier Jahreszeiten angepasst und werden zusätzlich durch erprobte GRUNDREZEPTE bestens erklärt.

Insgesamt ist es ein sehr persönliches und informatives Backbuch , welches man gern backbegeisterten Anfänger*innen empfehlen und/oder verschenken kann. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses schön bebilderte Backbuch!

Herzlichen Dank an den Autor und den Südwest Verlag für das tolle gebundene Rezensionsexemplar !

Samstag, 27. September 2025

*Insel am Rand der Welt* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

ERSCHIENEN AM 27. 8. 2025

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Drei Monate verbringt James Rebanks auf einer norwegischen Insel, wo im Frühjahr schwere Stürme toben, wo im kurzen Sommer die Sonne das Meer Tag und Nacht leuchten lässt, wo die Gezeiten das Leben bestimmen. Hier, auf der letzten Insel vor dem offenen, wilden Atlantik, begegnet Rebanks der alten Norwegerin Anna: einer zähen Frau, die ganz im Einklang mit der Natur lebt und sich weigert, sich von der Hektik der modernen Zeit vereinnahmen zu lassen. Im Lauf der Monate entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen ihnen, und James lernt von Anna, dass es sich lohnt, für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. 

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).
Aus dem Englischen von Henning Ahrens.

Meine Meinung zum Buch: 
Für Tage bin ich abgetaucht in eine faszinierende Welt , bestehend aus Eindrücken der vergangenen Jahrzehnte, gar Jahrhunderte voller Traditionen, die der Autor James Rebanks in seinem neuen Buch den Leser*innen präsentiert. 
Sein poetischer, leiser und eindringlicher Schreibstil über das Leben  auf einer norwegischen Insel am Rand des Atlantik hat mich unglaublich beeindruckt und gefesselt. Man spürt förmlich die rauen Stürme und Winde vom Atlantik, die über das Meer peitschen. Das fast nie endende Leuchten der Sonne während der Sommermonate streichelt die Seele und überbringt Ruhe und Zufriedenheit.Diese wunderschönen Beschreibungen beinhalten eine überraschende Sanftheit,Poesie und vermitteln eine stimmige Meeresatmosphäre.  

James Rebanks erzählt von seinem dreimonatigem Leben auf einer Eiderenteninsel mit den zwei alten norwegischen Frauen Anna und Ingrid. Sie zeigen ihm wie man mit dem Einklang der Gezeiten, der Natur und vor allem auch mit sich selber in Zufriedenheit und Ruhe leben kann. Denn dort beginnt alles. 

Anna und Ingrid sind sogenannte *Entenfrauen*. Sie leben zu Beginn des Frühling drei Monate auf den kleinen Inseln vor der  norwegischen Küste von Vega, oberhalb des Polarkreises und richten die Brutnester der Eiderdaunenenten für die kommende Saison her.Sie befreien diese Nester vom Unrat unserer Zivilisation, bauen sie auf aus Holz und Steinen, und polstern sie mit trockenem, frisch geschnittenem Seetang gemütlich aus. Anna ist die Erfahrenere der beiden Frauen, hat ein feines Gespür für die Bedürfnisse der scheuen Tiere. Sie hat es geschafft die Eiderentennester dort wieder neu anzusiedeln. Anna lehnt die Anwesenheit von Männern und ihren lauten sogenannten Zivilisationsgeräten auf der Insel während dieser sensiblen Zeit für die Tiere ab. Nur bei James Rebanks macht sie eine Ausnahme nach seiner Anfrage. Nach einem kurzen gegenseitigem Kennenlernen verbringt er diese drei Monate mit Anna und Ingrid auf der Insel.Diese drei Menschen wachsen zu einem freundschaftlichen Team zusammen, umsorgen die Tiere, beobachten und bestaunen die grandiose Natur mit dem Auftauchen von Walen und vielen verschiedenen Vogelarten. Und Anna vermittelt den beiden eine traurige Erkenntnis am Ende ihres  siebzigjährigem Leben inmitten dieser anscheinend intakten Natur: alles hat sich verändert in den letzten Jahrzehnten, es sind weniger brütende Enten geworden, weniger Vögel, weniger Walschulen -  und was besonders Besorgnis erregend ist: es schwimmt immer mehr Zivilisationsmüll an den Inseln vorbei, von dem was sich verborgen in den Tiefen des Atlantik versteckt, ganz zu schweigen......

Dieser schön geschriebene Roman ist eine absolute Leseempfehlung, dem ich gerne FÜNF***** STERNE gebe. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Penguin Verlag für das schöne, klassisch gebundene Rezensionsexemplar. 
      





Mittwoch, 3. September 2025

*Keltische Sagen und Legenden* von Fiona MACLEOD - erschienen im Anaconda Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Erscheinungstermin: 19.März 2025

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Mit »Wind und Woge« und »Das Reich der Träume« vereint dieses Werk zwei Bände, die den Leser in die sagenumwobene Welt der Kelten entführen, die einst die nordwestlichen Ränder Europas bevölkerten. In berückenden Geschichten von der »Welt, die ist« und der »Welt, die war«, begegnet man stolzen Helden und schönen Frauen wie Cormac und Eilidh, Fergal und Dearduil. Von Schattensehern und dem Sündenesser ist in wuchtig-poetischen Geschichten zu lesen, vom Haus aus Sand und Schaum, von der schönen Enya mit den dunklen Augen und Culain dem Fährtenspäher. Dieses Buch offenbart die meerumtoste Welt der Kelten im Dunstkreis des mythischen Ortes Avalon. Hier leben, lieben und hassen die Menschen, die den Elementen ebenso ausgesetzt sind wie dem Eindringen mannigfaltiger Gefahr …


Die Überlieferungen eines geheimnisvollen Volkes

Die derzeit umfangreichste Sammlung keltischer Sagen

Sagen aus Irland, Wales, Cornwall, Schottland und der Bretagne

Hinter dem Pseudonym Fiona Macleod verbirgt sich der schottische Schriftsteller William Sharp, der diese Sammlung 1905 zusammengestellt hat

Fiona Macleod ist das Pseudonym des schottischen Schriftstellers William Sharp, geboren am 12. September 1855 in Paisley. Unter dem Pseudonym Fiona Macleod, das er zeit seines Lebens geheim hielt, verfasste er feinsinnige, mystische Gedichte und Prosa. Er war als fortschrittlicher Denker und Verfechter der Rechte der Frauen bekannt. Außerdem war er ein führender Vertreter der keltischen Renaissance und setzte sich für schottische Kultur und Identität ein. Am 12. Dezember 1905 verstarb er in Bronte, Sizilien.

Meine Meinung zum Buch:

Für lesebegeisterte Liebhaber  von mystischen, gälischen  Sagen und Legenden, auch keltischen Ursprungs, ist dieses ältere Werk von William Sharp, der ein Zeitgenosse von WILLIAM BUTLER YEATS war, genau das Richtige zum Schmökern an dunstigen und verregneten Herbst- und Wintertagen vor dem Kaminofen oder gar offenem Feuer. 

Der schwülstige und oft etwas überladene Schreibstil des Autors entspricht genau der Mode und dem Geschmack der damaligen  Leser dieses Genre.  Die Bände *Wind und Woge* sowie *Von der Welt die war* ordne ich gern in die bunte Welt der Fantasie ein, entstanden durch mündlich weitergegebene, erzählte Geschichten in der gälisch sprechenden Bevölkerung von Irland, Schottland, der Bretagne, Wales, Cornwall, der Isle of Man, Galizien und den vielen kleinen Inseln, gelegen im Atlantik vor der schottischen Küste. Leider finden sich in diesem Buch fast nur Erzählungen aus Schottland und den schottischen Inseln. Das ist sehr bedauerlich und hat mich etwas enttäuscht, denn die gälische Kultur mit ihrer speziellen Sprache, den Sitten und Gebräuchen hat sich eben doch auch in den oben genannten Gebieten weit verbreitet. 

Doch wer trotzdem Gefallen an gut zu lesenden Einzelgeschichten über Robben, die sich in Menschen verwandeln, düsteren Burgen, blutigen und grausamen Geschehnissen, Lust auf übernatürliche Wesen aus der Anderswelt , denen Nebel und sprechende Krähen um die Köpfe flattern findet, der wird mit diesen über fünfhundert Seiten sicher bestens unterhalten und darf sich gruseln. 

Meine Bewertung: VIER **** STERNE !

HERZLICHEN DANK FÜR DIE ZUSENDUNG DES GEBUNDENEN REZENSIONSEXEMPLAR AN DEN ANACONDA VERLAG !


Dienstag, 29. Juli 2025

*Mittsommer* von Lucy Foley - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21.5.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Es ist Mittsommer an der Küste von England. Im kühlenden Schatten eines uralten Waldes versammeln sich die Gäste zum Eröffnungswochenende des neuen Luxushotels The Manor. Die opulent gedeckte Tafel biegt sich unter köstlichen Speisen und der Champagner fließt in Strömen, während die Sonne im Meer versinkt, um einer unvergesslichen Party die Bühne zu bereiten. 


Doch schon früh stören Jugendliche aus dem Dorf das Fest; immer lauter wird der Unmut der Dorfbewohner, die das Hotelgelände für sich reklamieren. Die Feier eskaliert. Wahre Identitäten werden aufgedeckt und Geheimnisse gelüftet. Feindschaften treten zutage, die unter dem Deckmantel alter Freundschaft daherkamen. Noch bevor die Nacht zuende ist, steht das Gebäude lichterloh in Flammen, und am nächsten Morgen wird an den meterhohen, steil abfallenden Klippen eine Leiche gefunden. Zwischen ihren Fingern klebt eine ölig schwarze Feder. Die Feder eines Rabenvogels. Etwas Dunkles hat sich geregt unter der Mittsommersonne …

Lucy Foley, 1986 in Sussex, England geboren, hat Englische Literatur in Durham studiert und ihren Masterabschluss in Moderner Literatur an der Universität London gemacht. Sie arbeitete einige Jahre als Lektorin bei Hodder & Stoughton und schrieb währenddessen ihren ersten Roman »Die Stunde der Liebenden«. Lucy Foley lebt in London, wenn sie nicht gerade auf der Suche nach neuen Romanstoffen die Welt bereist.

Meine Meinung zum Buch: 

Wer noch einen spannenden Thriller, gewürzt mit ein wenig Mystik, für diese verregneten Sommertage sucht, ist vielleicht mit dem neuen Roman von Lucy Foley ganz gut bedient.

Ich bin schnell und ungebremst durch die fast vierhundertundachtzig Seiten geflogen und durch den jeweils anderen, abwechselnden Schreibstil der vielen PROTAGONIST*INNEN immer eng am roten Faden der Geschichte geblieben. Obwohl die Autorin zu Beginn nur häppchenweise mit  unterschiedlichen Informationen die Leser*innen lockt, steigert sich die Spannung  stetig und unaufhörlich.
 
Wir begleiten in der Gegenwart die exzentrische Hotelinhaberin Francesca von *The Manor*, Bella, den Kellner Eddie, Francescas Ehemann Owen, den Detektive Inspector Walker in ihrer persönlichen Erlebnis- und Gedankenwelt. Sie beschreiben alle ihr Erlebtes aus Gegenwart und Vergangenheit in Kapiteln, verfasst in der ICH-PERSPEKTIVE. Zusätzlich lesen wir im SOMMERTAGEBUCH aus dem Jahre 2010, über das Geschehen im herrschaftlichen Anwesen *The Manor* über die damaligen Jugendlichen Francesca, ihre beiden Brüder, Alison, Cora und einigen anderen Kindern des  umliegenden Dorfes und angrenzenden Campingplatzes.

Über dem ganzen Buch liegt die Erzählung einer unbekannten, mystische Sagenwelt des dunklen Waldes, gespickt mit Erscheinungen von unheimlichen schwarzen, riesigen Rabenvögeln. Diese Geschichte wird  den Kindern des Dorfes von kleinauf erzählt und soll sie vor dem Betreten des dunklen Waldes abhalten und warnen. Auch die erwachsenen Einwohner des Dorfes lassen sich von dieser alten Sagenwelt beeinflussen und ängstigen.  

Doch der helle Glanz des Mittsommers, der während eines prunkvoll gestalteten Festes, von der erwachsenen, bildschönen Francesca im nun frisch renovierten Nobelhotel *The Manor* zelebriert wird, soll alle Schatten einer düsteren Vergangenheit voller Geheimnisse verdrängen und einem zahlungskräftigen Publikum aus der ganzen Welt ein unvergessliches Fest am Meer schenken..... 

Meine Bewertung: Vier **** Sterne im Genre Thriller/Mystik !

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des PRINT-Rezensionsexemplars.        

Samstag, 26. Juli 2025

*Über den Wolken wohnen die Träume* von Meike Werkmeister - erschienen im Goldmann Verlag

 

*Werbung,  unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 23.4.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Eine Reise ins sonnige Kalifornien! Voller Vorfreude fliegt die 17-jährige Morlen nach Cardiff-by-the-Sea, einen kleinen Küstenort südlich von Los Angeles. Hier wirkt alles irgendwie größer als zu Hause auf Norderney: die Häuser, die hoch gewachsenen Palmen, die riesigen Pazifikwellen. Heather, eine alte Freundin ihrer Mutter, empfängt sie mit offenen Armen, doch die Stimmung zwischen ihr und ihrem Ehemann Gary ist längst nicht so gut wie das kalifornische Wetter. Während Morlen versucht, ihre Gefühle für Surferboy Charlie und Gastbruder Tom zu sortieren, träumt Heather insgeheim davon, selbst noch mal ein Abenteuer zu erleben. Werden sie beide ihr Glück finden?

Meike Werkmeister ist Buchautorin und Journalistin. Ihre Romane stehen regelmäßig auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Wann immer sie Zeit hat, fährt sie an die Nordsee, wo sie oft auch die Ideen für ihre Geschichten findet.


Meine Meinung zum Buch:

Für mich war es das erste Buch der beliebten und bekannten Autorin, die ihre Bücher wohl meist als gute Laune fördernde Wohlfühl-Romane verfasst. So habe ich diese Lektüre auch verstanden und bin eingetaucht in die Erlebnisse einer dreiwöchigen Reise der siebzehnjährigen Morlen nach Kalifornien.

Morlen lebt mit ihrer Familie auf der Nordseeinsel Norderney, hat keine Lust mehr auf Schule und / oder Ausbildung, sondern sie möchte reisen und etwas ganz anderes erleben als ihren Schulalltag mit Freund*innen und Familie auf der Nordseeinsel. Ihre Mutter schlägt ihr als Kompromiss eine Reise zu Ihrer Jugendfreundin Heather vor, die mit ihrer fünfköpfigen Familie im sonnigen Cardiff-by-the-Sea in Kalifornien lebt. Morlen stimmt begeistert zu und freut sich riesig auf sonnige Strände, hohe Palmen, dem Surfen im Pazifik und dem realen Erleben eines *kalifornischen, leichten Urlaubsfeeling*. Was sie allerdings dort zusätzlich, für sie überraschend, erwartet, sind  Heather's Familien - und Erziehungsprobleme mit drei Kindern und einem  arbeitsmässig überforderten Ehemann.

Das hübsch gestaltete Cover macht sofort Laune und Freude auf die ca. 666 Seiten Lektüre. Beim flüchtigen Durchblättern erkennt man kleine Zeichnungen von Flip-Flops, Sonnenhüten,  nett gemalten Infos über Rezepte, Surfbretter und Strandutensulien. Für viele Leser*innen sicher ansprechend und niedlich ( in rosa) dargestellt. Die  Autorin erzählt abwechselnd aus zwei Erlebnis - und Erzählperspektiven. Einmal von der vierzigjährigen Heather und dann wieder aus der Sicht der siebzehnjährigen Morlen. Das Buch lässt sich schnell und zügig lesen, hat einen angenehmen gefälligen Schreibstil und transportiert tatsächlich das *sonnige und leichte kalifornische Surferleben* zum Lesenden.Die Autorin hat in meinen Augen einige  unterschiedliche Lebens - und Sichtweisen europäischer und  USA-geprägter junger Menschen herausgearbeitet. Das hat dem Buch auch eine ganz besondere interessante offene,tolerante Sichtweise geschenkt.

Es war ein buntes Leseerlebnis, welches ich gerne zum Entspannen und Abschalten aus dem Genre *Wohlfühlbuch* weiter empfehlen kann.

FÜNF ***** Sterne. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Goldmann Verlag für das Print-Rezensionsexemplar.  




Dienstag, 22. Juli 2025

*Die Bucht* von Liz Webb - erschienen im Goldmann Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am 16.4.25 im Goldman Verlag

INHALT/KlAPPENTEXT:

In der Hoffnung auf einen Neuanfang zieht Nancy mit ihrem Mann Calder auf eine kleine Insel vor der Westküste Schottlands. Es fällt ihr jedoch schwer, sich in der kargen Landschaft mit den verschlossenen Bewohnern einzuleben. Und dann wird auch noch ihr größter Alptraum wahr: Sie findet Calders umgestürztes Boot in einer Bucht, sein Körper treibt regungslos im eiskalten Wasser. Dass er überlebt, gleicht einem Wunder. Doch Calder ist nach diesem Vorfall nicht mehr derselbe. Nancy spürt, dass er etwas vor ihr verbirgt, und sein Verhalten macht ihr Angst. Und als eine Leiche an den Strand gespült wird, weiß Nancy: Ein Neubeginn kann die Vergangenheit niemals völlig auslöschen ...

Liz Webb hat eine Ausbildung zur klassischen Tänzerin absolviert, arbeitete dann unter anderem als Sekretärin, Managerin eines Schreibwarenladens, Modell für Kunstkurse, Kellnerin, Stand-up-Comedian, Synchronsprecherin, Drehbuchautorin und Hörspielproduzentin, bevor sie ihr Thrillerdebüt »Das Waldhaus« schrieb. Sie lebt im Norden Londons.

Meine Meinung zum Buch: Ich hatte mich auf diesen Spannungsroman gefreut, da er auf einer kleinen Insel an der Westküste Schottlands angesiedelt ist. Diese Thematik mit meist schönen Landschaftsbeschreibungen gehört gern zu meinen Lieblingslektüren. Die beiden Protagonist*innen Nancy und Calder möchten als Pärchen auf der Insel Langer in einem kleinen Cottage am Meer einen Neuanfang wagen. Das aufreibende,  anstrengende Grossstadtleben in London hat beide zu diesem Entschluss geführt. Das leer stehende Cottage von Calders Eltern, direkt am Meer gelegen, bietet romantische Voraussetzungen für eine traute Zweisamkeit, vielleicht auch mit Kindern. Calder ist Schreiner und Nancy schreibt Drehbücher für Funk und TV.    

Das Buch beginnt angenehm und besticht durch passende Naturbeschreibungen der Schieferinsel Langer. Der Schreibstil der Autorin ist gefällig, leicht zu erlesen, doch manchmal mit den Worten *Rausch, Klirr, Rausch, Klirr* zu Beginn eines Abschnittes etwas zu einfach verfasst und hat mich erstaunt. Gemeint wurden damit von der Autorin die rauschenden Wellen des Atlantik, die an Schiefergestein schlagen. 

Doch plötzlich überschlagen sich dramatische Ereignisse. Calder wird nach einem Unfall auf dem Meer nach stundenlangen Kämpfen der Ärzte um seinen klinischem Tod mit starker Unterkühlung wieder ins Leben zurückgeholt. Allein diese Begebenheit fand ich sehr merkwürdig und weitab von jeder Realität angesiedelt. Das Buch wird in der ICH-FORM aus Nancy's  Lebenssicht erzählt und man bekommt immer mehr Einblicke in ihre fragile Persönlichkeit, ihre persönlichen Geheimnisse um den Tod ihrer Eltern und Zweifeln an sich selber. Der sich immer mehr öffnende Einblick in Calder's Familiengeschichte, seinen Charakter und den Freundeskreis um Gina und Hamish sind aufschlussreich und geübte Leser*rinen erahnen bald die folgenden, katastrophalen Ereignisse. Calder hat sich nach Nancy*s Empfinden völlig im Wesen verändert und zeigt angeblich ungewohnte und brutale Verhaltensweisen. Der Roman driftet immer mehr ins Mystische ab und verliert dadurch noch mehr an Glaubwürdigkeit. Die sektenartige Glaubensgemeinschaft der Inselbevölkerung mit dem Anführer Arran und der brutale Charakter von Calder's im Meer ertrunkenem Vater feuert diese Stimmung noch mehr an. 

Leider wurde ich auch vom letzten Drittel des Romans ziemlich enttäuscht, welches mir zu wirr, wild fantasierend und weit weg von einer möglichen Wirklichkeit erschien. Die fast erzwungene Hochzeit und Trauung von Calder und Nancy durch die Freunde Gina und Hamish trieb mein Unbehagen auf die Spitze und ich war froh, daß diese Geschichte um Liebe, Mord, Gewalt und Lügen nun bald zum Ende fand.....

Meine Bewertung: ZWEI bis DREI *** STERNE !

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das Print-Rezensionsexemplar. 

     


Donnerstag, 12. Juni 2025

*Das letzte Viertel des Mondes* von Chi Zijian - erschienen im Blessing Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlags Link

Erschienen am  28.5.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Eine alte Frau blickt auf ihr Leben: Sie ist die Witwe des letzten Häuptlings der Ewenken, eines Nomadenvolkes an der russisch-chinesischen Grenze. Ihre Existenz und die ihres Stammes sind bestimmt von den klaren Regeln der Gemeinschaft, der engen Symbiose mit der Natur, den Rentieren, der Jagd, den Wäldern. Doch im China des 20. Jahrhunderts machen die politischen Umwälzungen auch vor der Welt der Nomaden nicht halt. Die japanische Besetzung der Mandschurei zwingt die Männer in den Krieg, der Sozialismus der Mao-Zeit die Familien in die Städte und in geschlossene Häuser. Nur die alte Frau und ihre Sippe halten unbeirrt an ihrer traditionellen Lebensweise fest.

Chi Zijian wurde 1964 in Chinas nördlichstem Dorf, Mohe, an der russisch-chinesischen Grenze geboren. Seit ihrem literarischen Debüt »Unter den Bäumen« 1983 hat sie mehr als vierzig Einzelwerke veröffentlicht und gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen Chinas. Ihr Werk wurde dreimal mit dem Lu Xun-Literaturpreis ausgezeichnet. 2008 erhielt sie u.a. für ihr Werk »Landschaft im See« mit dem Mao Dun-Preis die höchste Auszeichnung für Belletristik in China. 2004 erhielt sie das Suspence-Sentence Fellowship der australischen James Joyce-Foundation. Ihre Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, auf Deutsch ist dies die erste Übersetzung

Aus dem Chinesischen von Karin Betz

Karin Betz übersetzt chinesische und englische Literatur, sie ist Dozentin für literarische Übersetzung, Herausgeberin, Moderatorin und DJ. Zu den von ihr übersetzten Autoren gehören Mo Yan, Liao Yiwu und Liu Cixin. Für ihre Übersetzungen wurde sie vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis 2024 und dem Special Book Award of China. 




Meine Meinung zum Buch: 

In diesem thematisch sehr interessantem Roman geht es um das Schicksal und die Geschichte einer kleinen indigenen Volksgruppe, den Ewenken. Sie sind verwurzelt im Bergland des nördlichen China, grenzüberschreitend zur Mongolei und den Grenzen der ehemaligen Sowjetunion. Eine alte 90 jährige Frau dieses Stammes erzählt ihre Lebensgeschichte, die zu Beginn des 20. Jahrhundert beginnt und mit vielen Sagen, Bräuchen, ihren persönlichen Erlebnissen und der Geschichte ihres Nomadenstammes bunt und eindringlich von ihr in schlichten Worten erzählt wird.

Der gut zu lesende, einfache und doch bunte Schreibstil der erfolgreichen chinesischen Autorin hat mich sehr beeindruckt. Ich denke und hoffe, dass der Übersetzerin KARIN BETZ damit eine sehr gute Arbeit gelungen ist. Diese Beurteilung aus meiner Sicht ist natürlich immer absolut subjektiv zu sehen. 

Diese Buch ist auch als ein Geschichtsunterricht in lockerer und anschaulicher Form zu erlesen und zwar aus der erzählenden Ich-Form  der 90jährigen Ewenkin, die ihr Leben aus einer Rückschau von neun Jahrzehnten passieren lässt. Das hat die Autorin in vier Teilen hervorragend dargestellt.Ein ausführliches Personverzeichnis als Anhang war sehr hilfreich für mich um die Verwandtschaftsbeziehungen der Protagonist*innen besser zu verstehen.  Eine gute und sorgfältige Recherche die sich mit dem Glauben und der Kultur der EWENKEN beschäftigt hat, liegt dem ganzen Buch wohl zu Grunde.Die Autorin hat sogar einige Zeit eng mit den EWENKEN verbracht.      

Die Veränderungen der natürlichen Lebensumstände durch Kriege und Umweltzerstörungen haben mich betroffen gemacht und beim Lesen oft aufblicken und nachdenken lassen. Einem Nomadenvolk, welches Jahrtausende im Einklang mit der Natur gelebt hat,  wurden und werden auch heute noch durch unsere sogenannte *Zivilisation* alle Lebensgrundlagen zerstört. In den einst unberührten Bergwäldern wird Raubbau an der Natur durch die zum Beispiel holzverarbeitende Industrie  betrieben - und den wenigen Ewenken, die noch als Nomaden leben möchten und können, wird ihre Lebensgrundlage , nämlich das Jagen und Umherziehen mit ihren Rentieren,genommen.  Viele Kriege im Grenzgebiet und die Verfolgung dieser ethnischen Minderheit der *EWENKEN*  in der Vergangenheit durch Russen, Japaner und Chinesen hat ein übriges dazu getan. Dieses damals unberührte, grenzübergreifende Bergland ist grösser als Europa!

Wer Interesse an dieser Verwobenheit von Geschichte, dem Schicksal ethnischer Minderheiten in Nordasien hat, ist mit dieser Lektüre bestens versorgt. 

Meine Bewertung für dieses hervorragende Buch:

 FÜNF ***** STERNE! 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blessing Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar!

    


Sonntag, 25. Mai 2025

*ich weiss es doch auch nicht* von Mareice Kaiser - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Verlags Link

Erschienen am 19.3.25

INHALTKLAPPENTEXT: Das Leben ist kompliziert, und überall lauern Fragen und Entscheidungen. Mareice Kaiser ist die schlechteste Entscheidungsperson der Welt und gerade deshalb die beste Ratgeberin. Sie erzählt in lakonischem Ton von ihrem eigenen Stolpern und Aufstehen und manchmal auch vom Liegenbleiben. Denn sie liebt Liegen! Einige Fragen beantworten sich so schon von selbst. Alle anderen beantwortet Mareice Kaiser in »Ich weiß es doch auch nicht«. Diese neue Unsicherheit tut gut und ist besser als jeder TikTok-Lifecoach. Es geht um den Pickel auf der Nase vor dem großen Date und um den richtigen Zeitpunkt für eine Kündigung. Natürlich um Feminismus. Aber auch darum, wie man weiterlebt, wenn das eigene Kind stirbt. Komplettiert wird dieser lebenskluge und humorvolle Blick auf unsere Verletzlichkeiten von den einzigartigen Illustrationen von Slinga. Ein Buch wie eine gute Freundin.

Mareice Kaiser, Jahrgang 1981, schreibt als Journalistin meistens über schwere Themen: Diskriminierung, Ungerechtigkeit, Christian Lindner. Ohne Humor geht das nicht. Mit ihrem Essay »Das Unwohlsein der modernen Mutter« war sie für den Deutschen Reporter*innenpreis nominiert, das gleichnamige Buch stieg direkt in die SPIEGEL-Bestsellerliste ein. Vom medium magazin wurde sie 2022 in die TOP 10 der deutschen Wirtschaftsjournalist*innen gewählt. Sie liebt Schwimmen und würde gern mehr singen und mehr tanzen. Mareice Kaiser lebt in Berlin und im Internet. Mareice Kaiser

Slinga wollte schon immer am liebsten Dinge kreieren, die Freude bereiten oder anderen dabei helfen, Freund*innen Freude zu bereiten und Gefühle zu kommunizieren. Davon ausgehend erkundet sie seit Jahren immer neue Sparten, initiiert Projekte mit Therapeut*innen, Psycholog*innen, Vereinen und Autor*innen, für sich selbst und für andere Menschen. Ihr Lieblingsspaßgetränk ist Apfelschorle und ihre Lieblingsfarbe ist Rosa. Zusammen mit Svenja Gräfen stand Slinga mit »Radikale Selbstfürsorge« bereits auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Auf Instagram folgen ihr über 100.000 Menschen. Website: Slinga


Meine Meinung zum Buch: 

Einen witzigen und humorvollen Lebensratgeber mit vielen Facetten haben uns die beiden jungen Autor*innen geschenkt. Illustriert  und aufgelockert mit vielen Comic ähnlichen Zeichnungen und Sprüchen wurde diese Lektüre von der bekannten Illustratorin Slinga. Die Antworten der Autor*innen  verführen zum Lachen, Lächeln, Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken und finden sogar oft sofort eine innere Zustimmung des Lesenden.

Auf zweihundertundvierzig Seiten wurden diese und ähnlich lautende Fragen in verschiedene Kapitel gegliedert, die sich folgendermassen so nennen: 

Fragen für den Anfang, Fragen aus dem Alltag, Beziehungsfragen, Fragen über mich, Fragen zur Arbeit, Gewissensfragen, Fragen zum Ende, Große Fragen. 

Es schliessen sich eine Danksagung, eine Playlist, alle Fragen sowie eine kurze Zitatesammlung an. 

Dieser amüsante, nicht immer ernst zu nehmende Ratgeber liegt nun griffbereit in meinem Bücher Regal und ich bin als erstes der Frage nachgegangen * Welches Alter ist das Beste ?* Mareices Fazit: Je älter man wird desto eher kommt man in das sogenannte *Fuck-you-Alter*, welches bei Mareice schon im Denken mit Mitte Dreissig begonnen hat. Dazu konnte ich nur erstaunt lächeln und diese Aussage nicht ganz ernst nehmen !

Es gibt auch praktische und lebensnahe Antworten zur folgenden Frage : * Wie spreche ich jemanden an, der mir gefällt?* Mareices Antwort und Ratschlag klingen praktikabel und lebensnah. Sie meint : *Falls Du dich nicht traust , schreibe auf einen Bierdeckel einen netten Satz mit Deiner Telefonnummer und gehe dann! * Bei ihr hat es geklappt . Das Fazit war wohl eine sechsjährige Beziehung. 

So und im ähnlichen Stil geht es mit einhundertundeins Fragen und Mareices passenden originellen Antworten, sowie Slinga's humorvollen Zeichnungen weiter. Ein unerschöpflicher Schatz an Lebenshilfen, mal ernst gemeint, mal mit *Augenzwinkern* versehen  und/oder immer mit ganz viel Charme und Humor. 

Danke für diesen kleinen Leseschatz. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE. 

Herzlichen Dank für die Zusendung des Rezensionsexemplar als Paperback an die beiden Autor*innen und den Penguin Verlag. 











Donnerstag, 1. Mai 2025

*Der Aufbruch* von Ingeborg Arvola - erschienen im btb-Verlag

 

*unbezahlte Werbung* 

Verlags Link

Erschienen am 19.3.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Nordfinnland, 1859: Brita Caisa wird nach einer Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann von der Kirche verstoßen und muss ihren Heimatort verlassen. Sie setzt ihre beiden Söhne auf einen Rentierschlitten, nimmt ihre Skier und bricht in einem Tross auf zum norwegischen Eismeer. Dort, so heißt es, soll das Meer vor Fischen brodeln und es ausreichend Arbeit und Essen geben. Als sie unterwegs den Hofbesitzer Mikko kennen lernt und eine vorläufige Anstellung findet, spürt sie, dass sie sich mit ihm eine Zukunft vorstellen könnte. Doch die gegenseitige Zuneigung wird auf eine harte Probe gestellt. Poetisch und voller Intensität schildert Ingeborg Arvola eine junge Frau, die mit den Normen der Gesellschaft hadert und mutig ihren eigenen Weg geht. In einer Welt, geprägt von der nordisch-kargen Landschaft, der Bedeutung des Fischfangs, Gottesgläubigkeit und einer tiefen, von Mystik durchzogenen Verbindung zur Natur.

Ingeborg Arvola, geboren 1974, wuchs in Pasvikdalen und Tromsø im hohen Norden Norwegens auf und hat bereits mehrere Romane für Kinder und Erwachsene geschrieben. Ihren internationalen Durchbruch erlebte sie 2022 mit dem Roman »Der Aufbruch«, dem ersten Buch in der historischen Eismeer-Trilogie. Der Roman, der von der Geschichte ihrer Familie inspiriert ist, wurde sofort ein Bestseller, erhielt den renommierten Brage-Literaturpreis und wurde für viele weitere Literaturpreise wie den Preis des Nordischen Rates und den Norwegischen Buchhändlerpreis nominiert. Auch international sorgte der Roman, der in 12 Länder verkauft wurde, für großes Aufsehen und erhielt überragende Kritiken.

Meine Meinung zum Buch: 
Ingeborg Arvola lässt uns teilhaben an einem Stück eigener Familiengeschichte, welche sie sorgfältig recherchiert hat. Sie entführt uns in die Jahre 1859 - 1862. Wir befinden uns in der Finnmark und begleiten eine 35-jährige Mutter mit zwei Jungen auf ihrem Schlitten, den sie mit ihren Ski durch die unwirtlichen dichten, tief verschneiten Wälder der Finnmark zieht. Die Hoffnung auf ein besseres Leben, ohne Hunger,Entbehrungen sowie hämischen Nachreden ihres Dorfes und der Nachbarn, treibt sie an zu dieser Reise an die Küste des Eismeeres in Norwegen. Brita Caisa Seiparjærvi ist eine besonders schöne Frau mit aussergewöhnlichen Heilkräften und nicht verheiratet. Ihr älterer Sohn entstammt aus einer Beziehung mit einem verheiratetem Mann. Der Vater des kleineren Jungen verstarb früh, plötzlich und unerwartet. Der Pastor ihrer Kirchen-Gemeinde hat sie als unzüchtige Hure, Mutter von zwei unehelichen Kindern offen beschimpft, einer Kirchenstrafe unterzogen und blossgestellt.In ihrer Heimatgemeinde hatte sie nun mit ihren beiden Kindern keine glückliche Zukunft mehr zu erwarten.

Die Autorin beschreibt in diesem Roman eine Gesellschaft, deren strenge Regeln uns kaum noch vertraut sind, die wir nicht akzeptieren. Auch Brita Caisa will sich den üblichen, damaligen Gepflogenheiten nicht fügen und bricht aus ihrem Leben aus. Sie hat ihren Söhnen zwar versprochen an der Eismeerküste zu heiraten, lernt aber den verheirateten Mikko kennen. Die beiden verlieben sich leidenschaftlich ineinander und alles kommt anders, als dem grossen Jungen Aleksi und dem dreijährigen Heikki versprochen.

Der Roman erzählt in flüssigem und schön zu lesendem Ich-Stil vom Leben der Brita Caisa, ihrer Familie, den Bekannten und Freund*innen. Ich bin durch die Seiten geflogen und in ein ursprüngliches Leben in tiefen, dunklen Wäldern, Mooren mit Molte Beeren, Flüssen, Meeresküsten und eingeschnittenen Fjorden abgetaucht und war völlig gefesselt von dieser vergangenen, beschwerlichen Zeit. Der Duft von Holzfeuern aus einfachen Saunen, Tieren wie Schafen, Rentieren und von salzigen Meeres Brisen, getränkt mit Fischgeruch und dem Kreischen der Meeres Vögel entstand automatisch in meinem Kopfkino.  Ein Personenverzeichnis mit Namens Varianten in Finnisch und Norwegisch hat mir bei der Orientierung der vielen Personen und deren ungewöhnlicher Namen geholfen.Damals haben dort Volksgruppen wie Schweden, Norweger, Finnen,Samen,Russen miteinander gelebt und so die Finnmark bunt bevölkert.

Der wunderbare Schreibstil mit sehr poetisch verfassten Naturbeobachtungen hat mich verzaubert und sehr beeindruckt.  Der alte, mystisch angehauchte Volksglauben, die immerwährende Anwesenheit des *kleinen Volkes* mit seinen geheimnisvollen Besonderheiten und die Heilkraft der Brita Caisa bei Verletzungen und/oder Geburten, die sie aus der Natur und ihrem *inneren Wesen* zieht, haben mich fasziniert. Viele Ausdrücke und Lieder im Text eingestreut, in Original Finnisch, Norwegisch, Schwedisch, oder einer Mischung konnte ich zwar nicht verstehen und/oder für mich übersetzen, haben mich aber trotzdem berührt und die Authentizität des Geschehens und des Textes unterstrichen.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses herausragende Buch! Absolut lesenswert.  

Herzlichen Dank an die Autorin und den btb-verlag für das gebundene  Print-Rezensionsexemplar.