Donnerstag, 22. Juli 2021

*Die Spur der Wölfe* von Francesco Guccini und Loriano Macchiavelli - erschienen im btb Verlag


 *Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Italienischen von Christiane v. Bechtolsheim

Originaltitel: Tempo da elfi

Originalverlag: Giunti

Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71773-6

Erschienen am  12. Juli 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: In den dichten Wäldern des Apennins lebt eine Ökokommune von Aussteigern, deren Mitglieder sich selbst »Elben« nennen. Fernab von der Zivilisation haben sie sich in verlassenen Dörfern niedergelassen, leben einfach und ohne Strom vom Tauschhandel und gewähren jedem, der um Obdach bittet, Einlass. Forstinspektor Marco Gherardini beobachtet das Treiben mit Interesse. Eines Tages hallen zwei Schüsse durch den Wald, und am Fuße eines abschüssigen Geländes wird ein Toter gefunden. Es ist ein Elbe. Gherardini beginnt zu ermitteln – in seinem dritten und bisher spannendsten Fall.

Francesco Guccini, Jahrgang 1940, zählt zu den bedeutendsten italienischen Liedermachern. Sein Freund Loriano Macchiavelli ist erfolgreicher Krimiautor. Beide leben im rauen Apennin, den sie in ihren gemeinsamen Büchern so wunderbar beschreiben.

Loriano Macchiavelli ist einer der erfolgreichsten Autoren Italiens. Beide Autoren leben im rauen Apennin, wo auch »Schlechte Saison«, der Auftakt ihrer neuen Krimiserie um Forstinspektor Marco Gherardini, spielt. Mit ihren Kriminalromanen belegen sie in Italien regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerliste.


Meine Meinung: Dieses Autorenduo hat eine interessante Krimireihe geschrieben, die sich in drei Bänden um den jungen  Forstinspektor Marco Gherardini ranken. Der oben vorgestellte Band ist der dritte dieser Reihe, kann aber trotzdem allein ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Das düstere Cover gibt einen passenden  Vorgeschmack auf die Handlungen und geheimnisvollen Ereignisse,  die in den  wilden, verlassenen Bergdörfern des Apennin spielen. Es geht um  Aussteiger aus unserer Konsumgesellschaft,  die in diesem Roman *ELBEN* genannt werden. Diese Namensgebung hat mich etwas verwirrt und ich fand sie absolut nicht passend für diese Verweigerer unserer Gesellschaftsordnung. Der Roman punktet allerdings für mich mit schönen Beschreibungen der wildromantischen Bergwelt und der Arbeit eines Forstinspektors, der mit einem ungeklärten Mord an einem unbekannten jungen Mann konfrontiert wird. Viele Nebenprotagonisten runden diese Beschreibung mit bunten und ungewöhnlichen Charakterdarstellungen ab.

Dieser ungewöhnliche Krimi hat mir einige Stunden Spannung und Ablenkung geschenkt und ich kann ihn dem Genre *Wohlfühl-Buch* zuordnen.

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Krimi mit leichten Schwächen! 


Danke an das Autorenduo und den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!



Mittwoch, 14. Juli 2021

*Die Stille des Meeres* von Donal Ryan - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung,unbezahlt*

Hardcover Leinen

288 Seiten 

erschienen am 26. Mai 2021 

978-3-257-07116-0 

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Inhalt/Klappentext: Farouks Leben ist am Ende, weil er verloren hat, was ihm am meisten bedeutete. Lampys Leben sollte gerade so richtig anfangen, doch dann ließ ihn seine große Liebe Chloé einfach stehen. John hat sein Leben lang andere betrogen und hofft nun verzweifelt auf Gottes Vergebung. In einer kleinen Stadt in Irland werden diese drei Männer sich auf unwahrscheinliche Weise begegnen. Mit fatalen Folgen.

Donal Ryan, geboren 1976 in Nenagh, Tipperary, studierte Bauingenieurwesen und Jura; er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Castletroy, Limerick. Für ›Die Stille des Meeres‹ war auf der Longlist des Man Booker Prize. Auszeichnungen

 From a Low and Quiet Sea auf der Longlist des ›Man Booker Prize‹, 2018

 ›European Union Prize for Literature‹ für die zwölf vielversprechendsten jungen Schriftsteller Europas (als Vertreter von Irland), 2015

 ›Bord Gáis Energy Irish Book Awards‹ in der Kategorie ›Short Story of the Year‹ für A Slanting of the Sun, 2015

 ›Guardian First Book Award‹ für The Spinning Heart, 2013

 ›Irish Book Awards‹ Best Irish Newcomer und Book of the Year für The Spinning Heart, 2012

Mein Leseeindruck:

Gibt es ein Schicksal , ein ausgleichendes vielleicht oder gar ein ungerechtes? Diese Gedanken gingen mir am Ende des Buches laufend durch den Kopf, nachdem ich als Leser*rin die drei roten Fadengeschichten des Autors in meinem Kopf zusammengebracht habe.

 Der Schreibstil des Autors ist einfach nur brillant zu nennen, der Roman liest sich angenehm flüssig und baut auf drei Einzelschicksalen auf. Mit atemberaubender Spannung und  einem Gefühl des Entsetzen und  schrecklicher Traurigkeit für den sensiblen Leser geht es mit der Lebensgeschichte des Arztes und Syrers Farouk los. Es folgen die Erlebnisse des jungen Iren Lampy und des unsympathisch erscheinenden Geschäftsmann und Maklers John, der zu gern Menschen manipuliert und durch seine gierigen Geldgeschäfte steuert. Viele Nebenprotagonisten lockern den Roman auf, irische sogenannte *Originale* , sowie auch naive junge Mädchen. Die Atmosphäre einer irischen Kleinstadt und deren Gesellschaft erschien mir glaubhaft und real. 

Mit phantastischem Geschick und viel Einfühlungsvermögen erzählt Donal Ryan eine Geschichte, wie sie unglaubwürdiger kaum sein kann. Oder doch glaubwürdig? Kann es solche Verflechtungen im realen Leben wirklich geben? Das ist in meinen Augen sehr unwahrscheinlich - doch  in unserer realen Welt ist vieles möglich. Während einer Gedankenreise  in einer fiktiven  Literaturwelt ist jedoch alles möglich und fasziniert die Leser*rin. Donal Ryan hat mich nachdenklich zurückgelassen und ich danke für dieses ungewöhnliche Leseerlebnis. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses un(glaubliche)Buch !

Vielen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!

Dieser Beitrag wurde auch als TOP bei Monerls Linkparty aufgelistet ! 

Monerl's Linkparty für Juli und August 2021

Donnerstag, 1. Juli 2021

*Die Töchter des Nordens* von Sarah Hall - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Sophia Lindsey

Originaltitel: The Carhullan Army

Originalverlag: Faber & Faber

Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-328-60101-2

Erschienen am  13. April 2021

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Inhalt/Klappentext: England, in einer unbestimmten Zukunft: Umweltkatastrophen und Wirtschaftskrisen haben das alte politische System hinweggefegt. Diktatorisch regiert, leben die Menschen in städtischen Zentren, die Einwohnerinnen dürfen nur in Ausnahmefällen Kinder bekommen. Eine junge Frau, die sich »Schwester« nennt, entflieht den Kontrollen und schließt sich einer legendären Gruppe weiblicher Abtrünniger an, die in den Bergen des Lake District eine einsame Farm bewirtschaften. Unter Führung der charismatischen Jackie hat sich die Gemeinschaft immer stärker radikalisiert. Gewalt und militärischer Drill bestimmen inzwischen den Ton. Auch Schwester scheint bereit, Jackies Kampf gegen das verhasste System mitzutragen. Als Jackie den Krieg ausruft, muss sie sich entscheiden… Mitreißend und psychologisch eindrucksvoll schildert Sarah Hall die Kraft weiblicher Rebellion. »Ein prophetischer, futuristischer Roman in der Tradition von H.G. Wells, Margaret Atwood und Will Self« The Independent

Sarah Hall, 1974 in Cumbria geboren, studierte Literatur an der schottischen Universität St. Andrews. Sie hat Romane und Storys veröffentlicht, die mit bedeutenden Preisen und Stipendien ausgezeichnet und von der Kritik bejubelt wurden. Feministische Themen und intensive Naturbeschreibungen verbinden sich in ihrem Werk, das in zwölf Sprachen übersetzt ist, auf überraschende, ungewohnte Weise. Zuletzt erschien 2016 ihr Roman »Bei den Wölfen«. Sarah Hall lebt mit ihrer Familie in Norfolk.

Mein Leseeindruck: Klimaveränderungen,  ein wirtschaftlicher Zusammenbruch und  unfähige, diktatorische Regierungsmassnahmen  machen den Engländern das Leben zur Hölle. Es gibt keine Autos mehr, nur notdürftige Lebensmittellieferungen sowie keine Infrastrukturen, da nur allernötigste Energieressourcen bedient werden können.  Ein Kinderwunsch wird nur einigen wenigen Menschen erlaubt. Eine junge Frau, im ganzen Roman durchgängig *SCHWESTER* genannt, rebelliert gegen dieses unerträgliche Leben, trennt sich von ihrem Ehemann und begibt sich auf eine Flucht in abgelegene Berge. Sie möchte sich einer Community von unabhängigen Frauen anschliessen, von deren Gemeinschaft sie schon in ihrer Kindheit gehört hat. 

Atemlos und mit beunruhigenden Gedanken, dass auch diese Zusammenbrüche einer Gesellschaft unsere nahe Zukunft sein könnte, bin ich der Autorin in ihrem aufregendem Roman gefolgt. Das Buch liest sich spannend, laufend geschehen unerwartete Dinge und nur die wundervoll poetisch  beschriebenen, einsamen Landschaftsbilder gewähren dem Leser etwas Beruhigung und vermitteln herrliche Kopfbilder von Schönheit und Einsamkeit der Natur. 

Die romantischen Vorstellungen über die Frauen-Community wurden *SCHWESTER* schnell genommen. Verzicht auf materielle Annehmlichkeiten, brutale Handlungsweisen innerhalb der Gruppe, sowie Zank und Eifersüchteleien zwischen den Frauen waren die Normalität. Die *Schwester* gerät unter den Einfluss von Jackie, der dominanten Anführerin der Community und verändert sich körperlich und seelisch. Sie wird eine Kämpferin für die Gerechtigkeit und möchte die ungerechten Regierungsstrukturen beeinflussen und das Los der Bevölkerung verbessern. 

 Ob dieses den Frauen teilweise gelingt, wird im letzten Drittel des Buches sehr schnell und oberflächlich abgehandelt, hat mich enttäuscht und mir sogar die Spannung genommen, da alle Handlungen sehr vorhersehbar wurden. Zum Glück, denn das Ende dieser Geschichte einer dystopischen Gesellschaft hat mir auch gar nicht gefallen, da es keine annehmbare Lösung zur Behebung von Missständen anbietet.


Meine Bewertung: DREI *** Sterne für dieses gute Buch, welches ein unbefriedigendes und beklemmendes  Gefühl beim Leser hinterlässt. 


Danke an die Autorin und die Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar ! 

Sonntag, 27. Juni 2021

*Der Wildblütengarten* von Carla Montero - erschienen im Blanvalet Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Spanischen von Alexandra Baisch

Originaltitel: El jardin de las mujeres verelli

Originalverlag: Penguin Random House, Barcelona 2019

Hardcover mit Schutzumschlag, 576 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7645-0742-8

Erschienen am  29. März 2021

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Inhalt/Klappentext: Auf den Spuren ihrer Urgroßmutter stößt eine junge Frau auf einen prächtigen Garten in Ligurien und auf ein dramatisches Geheimnis aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.


Als die 35-jährige Gianna Verelli vom Tod ihrer geliebten Großmutter Luisa erfährt, ist sie tief erschüttert. Seit dem Tod ihrer Eltern war Luisa wie eine zweite Mutter für sie, und Luisa war es auch, die Giannas Welt mit Geschichten erfüllte. Vor allem über ihre geheimnisumwobene Urgroßmutter Anice, die eines stürmischen Tages im Jahr 1919 in Barcelona gestrandet ist und dort eigenhändig den seither familiengeführten Delikatessenladen eröffnet hat. In den Hinterlassenschaften Luisas stößt Gianna unerwartet auf Anices Tagebuch sowie auf einen alten Schlüssel und beschließt, sich auf die Spuren ihrer mysteriösen Wurzeln zu begeben. Diese führen sie nicht nur zu einem verwunschenen Garten am Rand eines kleinen italienischen Dörfchens, sondern auch zur tragischen Geschichte Anices und der Wahrheit über sich selbst …

Carla Montero (Madrid, 1973) studierte Jura und BWL, doch ihre große Leidenschaft galt schon immer dem Schreiben. Ihr erster Roman Una dama en juego gewann den Preis des Círculo de Lectores, bei dem Leser des spanischen Buchclubs die Jury bilden. Das Mädchen mit den Smaragdaugen wurde in sechs Sprachen übersetzt und war in Spanien einer der bestverkauften Romane des Jahres 2012.


Mein Leseeindruck: Das wunderschön sommerlich und romantisch mit vielen Blumen, einem alten Steinhaus gestaltete Cover, sowie der verwunschen erscheinende Titel haben mich sofort angesprochen und zum Lesen eingeladen. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Ein Wohlfühlbuch , aus einer Mischung von Geheimnissen, Liebe und drastischen Ereignissen  aus verschiedenen Generationen lag vor mir. Die Geschichte rund um das Leben von Urgrossmuter Anice war zwar etwas vorhersehbar, doch das hat dem Lesevergnügen in keiner Weise geschadet.  Bei schönstem Wetter konnte ich dieses Abtauchen in eine vergangen Welt in vollen Zügen geniessen. Die Autorin schreibt gefällig, leicht zu erfassen und mit einer erfrischenden Leichtigkeit in Thematik und Gliederung. Sie erzählt in zwei Zeitebenen , einmal aus der heutigen Sicht und  der Suche von Gianna nach ihren Wurzeln in der Familie. Sie entführt den Leser nach Ligurien zu Beginn des 20. Jahrhundert bis hin zu den Ereignissen im 1. Weltkrieg. Mystische Beschreibungen über Pflanzenheilerinnen der damaligen Zeit, ihre Rezepte und Tinkturen würzen die Geschichte. Die wunderbare Landschaft und die italienische Lebens- und Esskultur beleben das Geschehen zusätzlich mit einem ganz besonderen Flair des Landes. Man hat beim Lesen fast den Duft von Rosmarin , Oregano und Basilikum der Mittelmeerländer in der Nase. Gefallen hat mir ausserdem , das die Autorin die Originalausdrücke vieler italienischer und spanischer Rezepte und Redewendungen in ihren Roman eingeschoben hat. 

Die Protagonistin Gianna Verelli vertieft sich in  das wiedergefundene Tagebuch ihrer Urgroßmutter, macht eine Reise nach Italien um sich über eigene Probleme mit ihrem Freund und verheirateten Liebhaber klar zu werden. Sie trifft auf freundliche Dorfbewohner, insbesondere aufgeschlossene junge Frauen aus dem Dorf ihrer Urgrossmutter Castell'Lupo gewinnen ihre Zuneigung und ihr Vertrauen. Gianna öffnet sich den Menschen, der Region und führt letztendlich ihr eigenes Leben wieder in eine neue Richtung.

Das Leben der Ugrossmutter Anice und ihrer Familie deckt Carla Montero in kleinen Tagebuchauszügen langsam für den Leser auf. Bemerkenswert sind ihre Recherchen  und Ausführungen zur italienischen Geschichte der damaligen Zeit. 

Leider wurde dieser Roman etwas abrupt und im Schnellverfahren während der letzten dreissig Seiten beendet. Das steht sehr den zuvor so ausführlich behandelten  Themen entgegen und hat mich ein wenig enttäuscht . 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses angenehme Buch aus dem Genre Wohlfühlbuch/Familien - und Frauenschicksale. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blanvalet Verlag für das wunderbar gestaltete und gebundene Rezensionsexemplar .     


Donnerstag, 24. Juni 2021

*Palmen in Dublin* von Hugo Hamilton - erschienen im Luchterhand Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Henning Ahrens

Originaltitel: Tearful Traveller

Originalverlag: Fourth Estate

Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87301-5

Erschienen am  27. Juli 2020

Inhalt/Klappentext: Ein Wanderer zwischen den Sprachen: Der Icherzähler dieses Romans wuchs mit einer deutschen Mutter und einem irischen Vater auf, der das Englische verteufelte und von den Kindern verlangte, Gälisch zu sprechen. Inzwischen ist der Mann erwachsen, er kehrt mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern nach langer Zeit aus Berlin zurück und möchte in Dublin wieder heimisch werden. Doch Erinnerungen und Zweifel überwältigen ihn, und es fällt ihm schwer, Fuß zu fassen – anders als die Palmen in ihrer Straße, die hier gut gedeihen. Sie werden dem Icherzähler zum Sinnbild für seine eigene Wurzellosigkeit.

Hugo Hamilton wurde 1953 als Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter in Dublin geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist, bevor er Kurzgeschichten und Romane veröffentlichte. Als DAAD-Stipendiat lebte und arbeitete er 2001/2002 ein Jahr lang in Berlin. Mit seinen Erinnerungsbänden "Gescheckte Menschen" (dt. 2004) und "Der Matrose im Schrank" (dt. 2006) erregte er auch in Deutschland Aufsehen . 2007 erschien sein Reisetagebuch auf den Spuren Heinrich Bölls "Die redselige Insel" und zuletzt der Roman "Der irische Freund" (dt. 2011). 2004 erhielt er in Paris den "Femina-Preis" für ausländische Literatur. Hugo Hamilton lebt mit seiner Familie in Dublin.

Mein Leseeindruck: Ein Buch welches mich oft beim Lesen innehalten liess, zum Nachdenken angeregt hat und sicher keine leichte Kost ist für den *normalen* Leser*innen. Der Schreibstil ist leise, unauffällig,   und doch sehr interessant verfasst und man begibt sich mit dem Autor auf eine lange autobiografische Reise in geheimste Gedanken, Lebensansichten , bis hin zu intimen  Geständnissen. Der im Buch namenlose Ich-Erzähler wandelt immer wieder durch drei Sprachen im Rückblick durch sein Leben. Der gälische Dialekt vom irischen Vater erlernt,  spielt eine wichtige Rolle, das Deutsch der Mutter ebenso. Die englische Umgangssprache, oft benutzt und nicht sehr gewertschätzt in der Familie, wird vom Protagonisten als Alltagssprache benutzt. 

Der Protagonist arbeitet im Keller  eines Kulturinstituts und erforscht die gälische Sprache, leidet in dieser tristen, ermüdenden Umgebung, entwickelt Angststörungen , Müdigkeit und fühlt sich einfach unwohl. Er gibt diese Arbeit auf, möchte ein eigenes Buch schreiben, eröffnet mit seiner Frau ein Café in Berlin, lebt mit ihr und zwei Töchtern dort und kommt trotzdem nicht zur Ruhe. Er fühlt sich heimatlos, planlos und hat das Gefühl schwankend und ziellos  durch das Leben zu wandeln . 

Das Thema des Buches wird durchgängig von einem Thema geprägt. Wie hängen Migration und Sprache zusammen? Was wird als Heimat , Bodenständigkeit erlebt?  Wo habe ich meine Wurzeln? Der Autor versucht durch sein eigenes Schicksal eine Antwort darauf zu bekommen. Episoden seines Lebensalltags werden reflektiert , bewertet. Doch gelingt ihm das wirklich ? 

Eine Antwort kann und möchte ich nicht geben - ihr müsst sie Euch selbst erlesen mit Geduld und Bedacht - vielleicht auch mit einigen Lesepausen. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für ein Buch, welches mich lange beschäftigt hat. 

Danke an den Autor und den Luchterhand Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

 


Sonntag, 6. Juni 2021

* Die Unbezwingbare* von Katja Kettu - erschienen im Ecco Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

KATJA KETTU

DIE UNBEZWINGBARE

Aus dem Finnischen von Angela Plöger

Roman / Deutsche Erstausgabe

Originaltitel: Rose on poissa,

WSOY, Helsinki 2018

336 Seiten. 12,2 x 18,8 cm

Gebunden mit Lesebändchen

ISBN: 978-3-7530-0001-5

Erschienen  am 23. März 2021

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Inhalt/Klappentext: Jahrzehnte nach dem Verschwinden ihrer Mutter Rose kehrt Lempi in das Reservat in Minnesota zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Ihr Vater Ettu hat zum wiederholten Mal Rose bei der Polizei als vermisst gemeldet – dieses Mal berichtet er aber zusätzlich von einem verschwundenen blonden Mädchen. Lempi, halb Finnin, halb Ojibwe, kämpft seit jeher mit dem Konflikt ihrer Identität: Im Reservat gilt sie als zu weiß, außerhalb ist sie nicht weiß genug. Zurück im Reservat sieht sie sich sofort mit den alten Vorurteilen konfrontiert und einer Gesellschaft, die Verbrechen gegen indigene Frauen systematisch totschweigt. Unbeirrt macht sie sich trotzdem daran herauszufinden, was mit dem blonden Mädchen passiert ist, und begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Dabei offenbart sie ein Mosaik ihres Lebens bestehend aus Gewalt und Missbrauch, Spiritualität, Begehren, tief empfundener Liebe und dem Kampf um Emanzipation.

Katja Kettu zählt zu den wichtigsten Autorinnen Finnlands. 1978 in Rovaniemi im Norden des Landes geboren, schloss sie 2001 ihr Studium an der Kunstakademie ab. Ihr literarischer Durchbruch gelang ihr 2011 mit dem mehrfach preisgekrönten Roman Wildauge, der in Finnland wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerliste stand, in 20 Sprachen übersetzt und verfilmt wurde.

Zur Übersetzerin:

Angela Plöger hat in Berlin und Helsinki Finno-Ugristik und Slawistik studiert, in Hamburg promoviert und lebt dort nach einem mehrjährigen Finnlandaufenthalt als freie Übersetzerin. Für die Übertragung von Werken finnischer Autorinnen und Autoren wie Katja Kettu, Sofi Oksanen, Aki Kaurismäki, Leena Lander, Risto Isomäki u. a. ins Deutsche wurde sie mit dem finnischen Staatspreis ausgezeichnet.

Meine Meinung: Ich bin überwältigt. Von der absolut ungewöhnlichen Sprache und Ausdrucksweise der Autorin. Sie erzählt in  wunderschönen Sätzen, die man getrost in eine lyrische Prosa übernehmen könnte. Beim Lesen fällt man manchmal tatsächlich in eine Art Trance und ist gefangen in seinen eigenen Kopfbildern. Die Autorin schreibt sehr ungewöhnlich, oft in Metaphern und es ist keine Lektüre, die man überfliegen kann. Jeder kleine Satz entspricht einem Gedankengang, hat eine Bedeutung. Es ist am Leser herauszubekommen, wohin sie mit diesen Gedanken springt. Zu unterschiedlichen Personen, Zeiten und Ereignissen. Doch je länger man sich in dieses Buch vertieft, desto klarer wird das Romangeschehen. 

 Ich bin überwältigt und geschockt vom Thema , welches in Nordamerika totgeschwiegen und ignoriert wurde und auch weiterhin wird. Die Verfolgung, Vernichtung indigener Kultur und Ihrer Menschen. Die Herabsetzung und Missachtung der Menschenrechte für diese Bevölkerungsgruppe, verinnerlicht und automatisiert von behördlichen Institutionen, wie staatlich und religiös geführten Internaten und Kinderheimen. Es ist nicht nur deren Brutalität, die sie schonungslos darstellt. Es sind auch die Verletzungen, körperlicher und seelischer Art der jungen indigenen Menschen. All das  wird dem Leser klar und ehrlich vermittelt. Wir treffen auf finnische Einwanderer,  die ihre Kultur und Bräuche aus der Heimat einbringen in die alten indigenen Welt - und Wertvorstellungen . All das vermischt sich zu einer bunten und doch unterschiedlichen Aussage aus beiden Bevölkerungsgruppen. 

Die vermisste indigene  Protagonistin Rose, ihr finnischer Ehemann und deren gemeinsame Tochter Lempi führen den Leser in ein Indianerreservat. Lebensbedingungen und alte Stammesbräuche, die der Neuzeit angepasst wurden, erzeugen  wilde und bunte Eindrücke, sprechen eine melancholische, hoffnungslose und doch starke, den alten Stammesbräuchen verbundene Ausdrucksweise. Ich möchte gar nicht näher auf die Handlung eingehen, der Klappentext des Buches verrät in meinen Augen schon genug.

 *Die Unbezwingbare* ist ein starkes  und wichtiges Buch, nimmt Themen auf, die gern totgeschwiegen werden und rüttelt unser Gewissen auf. Danke Katja Kettu für das Aufgreifen  dieser erhellenden Lektüre über ein brisantes Thema.  Mein Dank geht auch an den Ecco Verlag für dieses so aktuelle Buch. 

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch!


Mittwoch, 2. Juni 2021

*Klara und die Sonne* von Kazuo Ishiguro - erschienen im Blessing Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Barbara Schaden

Originaltitel: Klara and the Sun

Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-89667-693-1

Erschienen am  15. März 2021

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Inhalt/Klappentext: Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.


Meine Meinung: Der bekannte Autor hat sich in diesem Buch einem aktuellem Thema gewidmet, nämlich der Frage *Was macht eine Künstliche Intelligenz , im Roman  eine *künstliche Freundin* kurz *KF* genannt aus? 


Ich fand es sehr interessant und in keiner Weise langweilig , obwohl der Autor die *KF*  Klara in einer einfachen, manchmal recht naiven Ich-Erzählung sprechen lässt. Eigentlich passiert während der über dreihundert Seiten nicht sehr viel. Die Geschichte spielt in einer nahen fiktionalen , in einer nach merkwürdigen Normen geregelten Welt, in der die Menschen streng nach Leistung und Gesellschaftsstand beurteilt werden. Mit befremdlichen Worten und  Ausdrücken wie *gehoben* wird zum Beispiel die obere Bildunsgsklasse bezeichnet.  Mir erschienen die *KF'S*, insbesondere Klara menschlicher und positiver dargestellt  als die echten Mitglieder dieser unheimlichen Gesellschaft, die mit massiven  Umweltproblemen zu kämpfen hat. Die technische Seite oder/und die Entstehung  einer *KF* wird  im Buch vollkommen ausser Acht gelassen.

 Klara, die *KF* beobachtet die Menschen, ihr für sie oft nicht nachvollziehbares Verhalten, welches von ihr unbekannten Emotionen und Handlungen geprägt wird. Klara scheint aber ein besonderer Typ von einer *künstlichen Intelligenz* zu sein, denn sie lernt ausserordentlich schnell und hat selber leichte Emotionen und vermittelt sie sogar ihren zugehörigen Menschen. Sie begleitet die Jugendliche Josie während einer schweren Erkrankung und entwickelt  eigene Taktiken um dem Kind zu helfen. Dieses Helfen und die Fürsorge für Josie hat für Klara oberste Priorität in ihrem Verhalten. Klara ist eine Protagonistin, die man einfach liebgewinnen kann. So ergeht es auch vielen Menschen in diesem Roman. Allen voran Josie und ihrem Freund Rick, sowie Josie's Mutter, die allerdings ein für mich unheimlich erscheinendes Vorhaben plant......

Meine Bewertung : Fünf ***** Sterne für diese interessante Lektüre. 


Danke für das Rezensionsexemplar !

Donnerstag, 27. Mai 2021

*Botschaften an mich selbst* von Emilie Pine - erschienen im btb Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Erscheinungstermin: 08. März 2021

Inhalt/Klappentext: Ein radikal aufrichtiges Debüt. Der Nummer-1-Bestseller aus Irland: Emilie Pine spricht wie niemand sonst darüber, was es heißt, im 21. Jahrhundert eine Frau zu sein. Es ist das Buch einer ganzen Generation. Ein Buch über Geburt und Tod, sexuelle Gewalt und Gewalt gegen sich selbst, weiblichen Schmerz, Trauer und Infertilität. Es ist ein Buch über den alkoholkranken Vater, über Tabus des weiblichen Körpers. Und es ist trotz allem ein Buch über Freude, Befriedigung und Glück – unbändig, mutig, und absolut außergewöhnlich erzählt.

Emilie Pine ist Associated Professor für Modernes Drama an der School of English, Drama and Film am University College Dublin. Ihre zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden vielfach ausgezeichnet. »Botschaften an mich selbst« ist ihre erste Sammlung persönlicher Essays, die international euphorisch gefeiert und unter anderem mit dem »Irish Book of the Year«-Award ausgezeichnet wurden.

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Meine Meinung: 

Unglaublich ehrlich und fesselnd erzählt die Autorin autobiografisch über ihre Erlebnisse als Kind und Jugendliche sowie über das Erleben ihrer Weiblichkeit in der heutigen Zeit als Frau und Erwachsene.  Ihr Schreibstil ist aussergewöhnlich kritisch sich selbst gegenüber, treffend pusht er die Gefühle der Leser*innen und  ist doch leicht zu verstehen .  Die Autorin lebt jetzt als Professorin in Dublin und unterrichtet dort an der School of English , Drama und Film am University College Dublin. 

In sechs Essays schreibt sie nach folgenden Themen gegliedert, die da heissen:

Über Unmässigkeit

Aus den Babyjahren

Reden/Nicht reden

Über das Bluten und andere Verbrechen

Etwas über mich

Das steht nicht im Lehrplan

Im ersten Essay geht es sofort  schockierend los mit folgendem Satz Zitat Seite 9 " Als wir ihn finden, liegt er schon seit Stunden in seinem Kot". Emilie Pine berichtet über die jahrzehntelange Alkohol Abhängigkeit des unsteten Vaters, die Leiden und Verletzungen der Kinder, (Emilie hat noch eine Schwester), die durch diese Krankheit entstehen. Trotz all dieser Umstände wird sie sich der  immer währenden Liebe zu ihrem Vater bewusst, fliegt spontan mit ihrer Schwester von Dublin nach Korfu ins Krankenhaus zu ihm, denn der Vater, ein Schriftsteller, lebt schon Jahre in Griechenland. Er hat sich von der Familie getrennt als Emilie fünf Jahre alt war.  Die Zustände im Krankenhaus sind für Patienten und Pflegepersonal katastrophal.  Der Vater leidet an einer lebensgefährlichen schweren Lebererkrankung, hervorgerufen durch den übermässigen Alkoholkonsum. Eine geplatzte Ader in der Speiseröhre bedroht zusätzlich sein Leben.

In den nächsten beiden Essays beschäftigt sich die Autorin ausführlich mit den Kinderjahren und ihren wilden Jugendjahren. Mit ihren ganz persönlichen Ausbrüchen aus Konvention und Gesellschaft. Kein Tabuthema wird von ihr ausgelassen und die allgemeingültige Schamgrenze wird  schnell erreicht. Essstörungen, Drogen, Alkoholexzesse und wahllose sexuelle Kontakte bestimmen ihr Leben.  Armut und das zweitweise Leben auf der Strasse als junges Mädchen sind ihr nicht unbekannt.  Sie lehnt ihren Körper und sich selbst ab, leidet an Depressionen und Vereinsamung. Die Beziehung zur Mutter ist quälend schwierig. 

Ehe-Probleme durch einen unerfüllten Kinderwunsch steigern sich und werden in den letzten beiden Artikeln zum hochbrisanten Thema für Emilie Pine. Sie schätzt sich  und besonders  weibliche Verhaltensmerkmale wie Empathie und Feinfühligkeit nicht und fühlt sich laufend minderwertig. Sie stürzt sich besessen, ehrgeizig und geradlinig in ihr Berufsleben. Ein Abgleiten in ein Burnout sind die Folgen. 
Und doch hat sie es geschafft im Berufsleben Anerkennung und Wertschätzung zu finden. 
Ein ausserordentliches Buch über die Lebensbeichte einer ausserordentlichen Frau,  welches betroffen macht und gleichzeitig Bewunderung beim Leser auslöst. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne.

Meine Dank geht an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar !




 

Donnerstag, 20. Mai 2021

*Das Café der weisen Katzen* von Anna Sólyom - erschienen im Heyne Verlag

 

*Werbung , unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Spanischen von Anja Rüdiger

Originaltitel: Neko Café

Originalverlag: Enciclopèdia

Taschenbuch, Pappband, 160 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 8 s/w Abbildungen

ISBN: 978-3-453-42529-3

Erschienen am  10. Mai 2021

Verlags Link


Inhalt/Klappentext: Ein neuer Job, sieben weise Katzen - und das ganz große Glück


Mit gerade mal Anfang vierzig haben sich bereits sämtliche Träume Nagores in Luft aufgelöst: die Ehe zerbrochen, die Künstlerkarriere kurz vor dem Aus und auf dem Bankkonto herrscht gähnende Leere. Als ihr eine Freundin einen Job als Kellnerin in einem Katzencafé vermittelt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihn anzunehmen – obwohl Nagore nicht gerade eine Katzenliebhaberin ist. Doch zu ihrer großen Überraschung dauert es nicht lange, und sie freundet sich nicht nur mit Yumi, der Besitzerin des Cafés, an, sondern auch mit den sieben Katzen. Und als eines Tages der attraktive Marc im Café auftaucht, wird Nagore plötzlich klar: Man braucht nicht sieben Leben, um glücklich zu werden – eines genügt völlig!

Anna Sólyom wurde in Budapest geboren und hat einen Abschluss in Philosophie. Im Jahr 2012 zog sie nach Barcelona, wo sie seitdem lebt. Neben dem Schreiben arbeitet sie als Therapeutin, und ihre Leidenschaft ist es, anderen dabei zu helfen, ihr Gleichgewicht und ihre innere Stärke zu entdecken. Zudem arbeitet sie für eine Fachzeitschrift und hat bereits ein Sachbuch veröffentlicht, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. »Das Café der weisen Katzen« ist ihr erster Roman.

Meine Meinung: Dieses hübsch illustrierte Büchlein von nur einhundertundsechzig Seiten hat mir einen gemütlichen und gut ablenkenden Nachmittag geschenkt! Für Katzenliebhaber*innen und Menschen, die es werden möchten, ein absolutes MUSS ! 

Nagore hat schwer zu tragen an ihrem Umzug von London nach Barcelona. Ihre Ehe wurde geschieden, die neue Stadt ist ihr völlig fremd und vor allem steht sie mittellos da. In der Mitte ihres Lebens angekommen , mag sie niemanden um Hilfe bitten. Plötzlich bekommt sie die Gelegenheit in einem Café der ganz besonderen Art auszuhelfen und hofft damit ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Sieben Katzen sind die Bewohner des kleinen Treffpunktes und warten dort brav auf die Vermittlung in ein neues Zuhause. Menschen werden dort nur zur Kontaktaufnahme zu den Tieren geduldet, dürfen einen Kaffee schlürfen, mit den Tieren spielen und sie kennenlernen - wenn die Katzen es dulden und akzeptieren . 

Der leichte und angenehme Schreibstil  der jungen Autorin macht es sehr leicht dieser Geschichte zu folgen. Sie vermittelt viele Lebensweisheiten und einiges über den  praktischen Umgang mit diesen possierlichen, stolzen  und eigensinnigen Tierlein. Philosophische Denkansätze, die auch auf Charakter Eigenschaften dieser Tiere passen, würzen den gesamten Text und machen das Buch zu einem schönen und entspanntem  Leseerlebnis.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses Wohlfühl Buch!


Mein Dank geht an die Autorin und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 18. Mai 2021

*Der silberne Elefant* von Jemma Wayne - erschienen im Eisele Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen  am 15. März 2021

Inhalt/Klappentext: Als Einzige ihrer Dorfgemeinschaft überlebte die junge Emilienne den Bürgerkrieg in Ruanda. In London versucht sie unter dem Namen Emily ein neues Leben zu beginnen und die allgegenwärtigen Erinnerungen an die grausamen Erlebnisse zu verdrängen. Vera, eine junge Londonerin, deren früheres Leben von Drogenexzessen geprägt wurde, hat gerade zum Christentum gefunden und möchte ein guter und moralischer Mensch sein. Geplagt von Schuldgefühlen, schafft sie es nicht, ihrem Verlobten Luke vom größten Fehler ihres Lebens zu erzählen. Auch die fortschreitende Krebserkrankung von Lukes Mutter Lynn wird zur Belastungsprobe für das junge Paar. Während die End-Fünfzigerin immer mehr auf die Hilfe anderer angewiesen ist, rechnet sie schonungslos mit den verpassten Chancen ihres Lebens ab. Erst als die Schicksale der drei Frauen sich eines Winters kreuzen, bewegt sich etwas in ihnen und sie nehmen nach und nach den Kampf gegen ihre Dämonen auf.

JEMMA WAYNE arbeitet als freie Journalistin, Theater- und Romanautorin. Ihr Debüt Der silberne Elefant schaffte es auf die Shortlist des Waverton Good Read Awards und auf die Longlist des Bailey’s Women’s Prize for Fiction sowie des Guardian‘s Not the Booker Prize. Die Idee zum Roman kam Jemma Wayne bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für Überlebende des Völkermords in Ruanda, bei der sie zum ersten Mal mit Zeitzeugen über die verheerenden Gewalttaten des Krieges sprach. Jemma Wayne lebt mit ihrer Familie im Norden Londons.

Meine Meinung: Drei unglaublich interessante Frauen und ihre Lebensgeschichten werden von der Autorin in diesem  Roman vorgestellt und  ihre Schicksale unverhofft miteinander verbunden. Sie sind sehr unterschiedlich in ihrer Vita und die Autorin hat ihre Einzelschicksale behutsam und mitfühlend dargestellt. Jemma Wayne's  Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen und man hat sofort die passenden Bilder im Kopf. 

Am eindrucksvollsten, sehr berührend, aber auch total schockierend empfand ich die brutalen  Schilderungen aus der Vergangenheit der jungen Emilienne aus Ruanda. Die damals dreizehnjährige Emilienne lebte dort glücklich mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden in einem kleinen Dorf. Sie hat als einzige ihrer Familie den  schrecklichen Genozid in Ruanda während der 90er Jahre zwischen den Volksgemeinschaften der Hutus und Tutsis überlebt. Sie ist schwer traumatisiert, lebt nun schon jahrelang in London und kann sich allein nicht von den Gewaltbildern in ihrem Kopf lösen.  Im Grunde würde diese Lebensgeschichte allein ausreichen , um ein ganzes Buch damit zu füllen. Emily, wie sie in London genannt wird trifft auf die krebskranke Lynn, die eine Art Mutterersatz für sie darstellt und ihr mit mitfühlender Hilfestellung die Hand reicht, um Emily bei der Verarbeitung der grausamen Erinnerungen zu helfen.  

Lynn eine begabte Malerin hat  zugunsten für die Erziehung  ihrer beiden Söhne  Luke und  John, sowie für den Ehemann auf ihre berufliche Karriere verzichtet, hadert aber jetzt am Ende ihres Lebens mit dieser Entscheidung. Vor allem das Heiratsvorhaben  des religiösen Luke mit der in ihren Augen unscheinbaren Vera bereitet ihr Unbehagen und Kummer. Und schon sind wir bei der dritten  jungen Londoner Frau namens Vera. Sie muss mit einer schweren Last aus ihrer drogenbehafteten Vergangenheit leben und sucht Trost durch den Glauben und die Kirche, sowie bei ihrem Verlobten Luke.   

Der Roman streift in seiner ganzen Thematik viele Frauenthemen wie die Rolle der Frau in ihrer Weiblichkeit, ihr Bedürfnis nach beruflicher Selbstverwirklichung, Vertrauen in sich und ihre persönlichen Fähigkeiten und der gleichzeitige Wunsch nach einem harmonischen Familienleben, der vor einigen Jahrzehnten nicht leicht zu erfüllen war. Es geht auch um Liebe und Freundschaft,  die Fähigkeit sich den nächststehenden Menschen,  ( auch neu kennen zulernenden Mitmenschen), mit  allen Stärken und Schwächen vertrauensvoll zu öffnen. Verständnis und Verzeihung aufzubringen  für angetanes Leid und/oder Unrecht. Teilweise war es eine dramatische und fesselnde Lektüre , die mit viel  berührender Zartheit und starken Emotionen an den Leser herangetragen wurde. 

Nur mit der Kaminfigur des *silbernen Elefanten* hatte ich einige Schwierigkeiten. In meinen Augen war er für diese Geschichte ein wenig überflüssig und zu unbedeutend. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Roman!


Danke an die Autorin und den Eisele Verlag für das  gebundene Rezensionsexemplar !


Dienstag, 4. Mai 2021

*Die Beichte einer Nacht* erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

288 Seiten 

erschienen am 28. April 2021 

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INHALT/KLAPPENTEXT: Niederlande, Anfang des 20. Jahrhunderts: Heleen wächst auf dem Land in einer armen protestantischen Arbeiterfamilie auf. Doch angetrieben von ihrem Wunsch nach einem Leben voller Schönheit lässt sie sich von nichts aufhalten. Sie geht in die Stadt und erreicht alles, was sich eine Frau ihrer Zeit erträumen kann; trotzdem stellt sich das ersehnte Glücksgefühl nicht ein. Zu klein ist das eigene Selbstvertrauen, zu groß die Angst vor dem Kontrollverlust. Als sich dazu noch Eifersuchtsgefühle gesellen, verstrickt sich Heleen zusehends in ihrer Gedankenwelt, die sie schließlich zu einer verheerenden Tat treibt.

Ein Roman, der seiner Zeit voraus war. Eine Geschichte über weibliche Identität, Selbstbestimmung und das Streben nach dem, was sich Glück nennt. Eine Lebensgeschichte, die auch aus heutiger Sicht nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Marianne Philips, geboren 1886 in Amsterdam, war Politikerin, Schriftstellerin und Mutter von drei Kindern. Für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wurde sie 1919 als eine der ersten Frauen zum Ratsmitglied der Niederlande gewählt. Sie schrieb fünf Romane und einige Novellen. Ab 1940 war ihr das Publizieren als Jüdin untersagt. Sie überlebte den Krieg, war aber krankheitshalber bis zu ihrem Lebensende (1951) ans Bett gefesselt.

Meine Meinung: Der Roman wurde von der Autorin vor ca. neunzig Jahren verfasst und hat von seiner zeitlosen Aussage,  sehr passend  auch für unser heutiges ERLEBEN, nichts verloren. Marianne Philips hat viele autobiografische Erfahrungen und Erlebnisse in ihr Buch einfliessen lassen und wohl so persönlich verarbeitet. Mit ihren klaren und oft auch zarten Aussagen vermag sie den Leser vom Beginn bis zum Ende des Buches zu fesseln. Der Roman liest sich interessant , spannend und  ist in einem erzählenden Monolog verfasst. Die in einer Nervenheilanstalt lebende Protagonistin Heleen erzählt nachts, am Ende ihres Lebens, einer still zuhörenden Nachtschwester von ihren Gedanken und Erlebnissen. 

Zitat Seite 29: "Jetzt, da ich an die  vielen versunkenen Jahre denke, ist diese halbe Stunde noch ganz da, sie ist wahrscheinlich das Herrlichste, was ich je erlebt habe. Ich sah,  dass die Bäume regungslos verharrten, weil sie innerlich leise lachten, aber ich wusste dass sie mir nachschauten. Die Wolken zogen ganz ruhig vor mir her, um den Weg zu weisen, und der Sommerwind blies so sanft in meinen Nacken, als würde er atmend hinter mir hergehen, ich weiss noch gut, wie lau die Luft war."

Obiges Zitat erzählt die Gefühlslage der jungen ca. 10 jährigen Heleen, die auf ihren Spazierwegen träumend der grässlichen Lebensrealität ihres Familienlebens zu entgehen versucht. Als ältestes Kind von neun Geschwistern wird ihr von der überforderten und gleichgültigen Mutter zu viel Verantwortung für die Familienorganisation aufgebürdet. Zusätzlich verachtet und gehasst vom behinderten Vater, der einen schweren Arbeitsunfall erlitt, hatte sie es sehr schwer sich behütet, geliebt  und geborgen zu fühlen. Doch sie entwickelt im Lauf ihres Lebens eine unbändige Energie den Umständen eines ärmlichen Daseins zu entkommen. Durch eine unglückliche und herzlose Partnerwahl durchläuft sie eine ungeliebte und emotionslose Ehe, erfährt allerdings materielle Befriedung und gesellschaftlichen Aufstieg. Mit ihrer eigenen Familie hat sie gebrochen und abgeschlossen, nur mit ihrer jüngsten Schwester Leentje, um die sie sich nach dem Tod der Eltern kümmert, verbindet sie unauslöschlich eine enge Beziehung zur Vergangenheit.

Plötzlich begegnet Heleen Hannes, einem dynamischen Sportlehrer,  der Liebe ihres Lebens und erfährt durch ihn zum  ersten mal eine beglückende Beziehung. Ja sogar ein idyllisches Familienleben zusammen mit ihrem neuen Ehemann Hannes und der  viel jüngeren und liebenswerten  Schwester Leentje. Doch kann  Heleen  dieses kleine Glück  bewahren?  Sie scheitert immer öfter an ihren eigenen überzogenen, äusseren Ansprüchen an sich und  in ihrem kleinen Lebenskreis.

Mein Leseeindruck: Ein bemerkenswertes, emotional verfasstes und absolut lesenswertes Buch über ein tragisch verlaufendes Frauenschicksal!

FÜNF ***** Sterne!  

Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar! 

Montag, 26. April 2021

*Ye Olde Kitchen – Kochen, gärtnern, nachhaltig leben* , erschienen im Südwest Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover, Pappband, 192 Seiten, 17,0 x 24,0 cm

110 Farbfotos

ISBN: 978-3-517-09871-5

Erschienen am  15. März 2021

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Inhalt/Klappentext: 

Altbewährtes Kochwissen neu entdecken


Man nehme Omas wohlgehütete Küchengeheimnisse, ergänze eine Prise moderne Genussleidenschaft und ein nachhaltiges Einkaufskonzept. Heraus kommen über 70 wunderbare Rezepte und eine Fülle an Möglichkeiten, den Kochalltag klimafreundlich und lecker zu gestalten. Altbewährtes Wissen über saisonales und regionales Einkaufen, Haltbarmachen, Lagerung, Müllvermeidung oder Kochen ohne Zusätze liefern den Hintergrund für unkomplizierte Rezeptideen, nachhaltige Alltagstipps und Anleitungen für kleine Gartenprojekte auf dem Fensterbrett, Balkon oder Garten. Für alle Genießer, die ohne großen Aufwand einen kleinen Beitrag für eine bessere Kochzukunft leisten wollen.

Eva-Maria Hoffleit arbeitet als Servicekraft in der Gastronomie, ist leidenschaftliche Hobbyköchin und baut ihr Obst und Gemüse am liebsten selbst an. Zusammen mit ihrem Partner Philipp Lawitschka betreibt sie seit 2015 den Blog "Ye Olde Kitchen", auf dem sie über saisonales Kochen, Gärtnern und Nachhaltigkeit schreibt. Sie lebt und arbeitet in Fellbach.

Philipp Lawitschka arbeitet seit 2009 als selbständiger Softwareentwickler. Den Ausgleich zum technischen Beruf findet er beim Kochen und im Garten. Seit 2015 betreibt er mit seiner Partnerin Eva-Maria Hoffleit den Food- und Gartenblog „yeoldekitchen.com“. Dort schreibt er über nachhaltiges Kochen und das Gärtnern auf dem Balkon und im eigenen Garten.

https://yeoldekitchen.com


Meine Meinung: Fast zweihundert Seiten nachhaltige Rezepte mit Tips zur saisonalen und regionalen Küche haben mich für dieses Buch schwärmen lassen. Es ist in vier unterschiedlich farbig illustrierte  Kapitel gegliedert, die den vier Jahreszeiten entsprechen , sowie mit wunderschönen Motiven ( natürlich  mit Fotos von fertig gekochten Rezepten und herrlichen Gemüsen und Kräutern ) ausgestattet. Ein Saisonkalender und ein Rezeptregister vervollständigen diesen ansprechenden Kochratgeber.


 Es ist aber nicht nur eine Anreihung von Rezepten , sondern das Autorenpaar gibt dem  Leser zu jedem Gericht praktische Tips zum Einkochen, Einlegen und/oder Fermentieren vieler Gemüsearten und Kräuter. Auch das Gärtnern für den Anfänger*in kommt nicht zu kurz. Die kurzen Anleitungen für den Gemüse - und/oder Kräuteranbau auf Balkon, Topf , Hochbeet oder in einem  kleinem Garten inspirieren zum eigenen Ausprobieren und Pflanzen. Ich habe schon einige dieser schönen Anregungen nachgekocht und bin begeistert von den Ergebnissen. Die meisten dieser Rezepte sind für vier Personen aufgelistet , allerdings fehlen Kalorien - und Nährwertangaben, was ich  persönlich aber nicht vermisst habe. 


Zu meinem neuen Lieblingsrezepten gehört ein einfaches, aber geniales Rezept (Petersilienpesto), welches ich Euch hier per Foto verraten werde. So köstlich und einfach nachzukochen für begeisterte Nudelesser.


Meine Bewertung für das Buch: Eine absolute Empfehlung mit FÜNF ***** Sternen. 


PETERSIELIENPESTO






Montag, 12. April 2021

*Über Menschen* von Juli Zeh erschienen im Luchterhand Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87667-2

Erschienen am  22. März 2021

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Inhalt/Klappentext: 

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie in dieser anarchischen Leere sucht: Abstand von Robert, ihrem Freund, der ihr in seinem verbissenen Klimaaktivismus immer fremder wird? Zuflucht wegen der inneren Unruhe, die sie nachts nicht mehr schlafen lässt? Antwort auf die Frage, wann die Welt eigentlich so durcheinandergeraten ist? Während Dora noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht. 

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.


Meine Meinung:

Es geht in diesem wichtigen Buch *über Menschen* und um *Übermenschen*!  

Bracken , ein kleines Dorf im Osten unseres Landes ( Brandenburg ) und seine Bewohner geben den Ton an in dieser Geschichte. Nicht weit entfernt von der Hauptstadt Berlin , aber weit genug um dort  eine heile Natur und anscheinend  unproblematisches dörfliches Leben anzutreffen, trotz offensichtlich schwacher Infrastruktur  mit hoher Arbeitslosigkeit und hoffnungslosen Menschen, die sich in ihrer privaten Welt von unserer Gesellschaft während der Corona Pandemie im Frühling 2020 abkapseln. So sieht es für Dora aus, ein typisches Grossstadtgirl unserer Zeit , gutverdienend mit einer gescheiterten Beziehung, die sich zum Albtraum entwickelt hat. Ihr wird alles zu viel in Berlin, ihre Beziehung, die Einschränkungen durch die Pandemie, die Hektik und Anonymität der Grossstadt.  Sie sehnt sich nach Ruhe , kauft sich ein altes Haus in Bracken, welches zu DDR-Zeiten als Kindergarten gedient hat. Doch sie kommt nicht zur Ruhe, denn neben ihr wohnt der gewalttätige Dorf-Nazi Gote. 


Juli Zeh zieht den Leser mit dieser Geschichte in das fiktive *Bracken*, vielleicht sogar in der Nähe vom erdachten *Unter Leuten* in Brandenburg gelegen. Doch die Zeit und die Menschen haben sich verändert. Der unvergleichlich gute und klare Schreibstil der Autorin fasziniert auch in diesem Buch wieder sofort und hält den Leser *Am Puls der Zeit*. Dieses Buch zeigt einen aktuellen Spalt unserer Gesellschaft auf, die Unterschiede zwischen andersartigen  politischen Meinungen und Lebensansichten - zwischen RECHTS - und LINKSLIBERAL - Stadtleben und dörflichen Beschaulichkeiten. Kann es menschlich sein Andersdenkende zu Jagen, zu Verfolgen, abzulehnen und  gleichzeitig seinen nächsten lebenden Mitmenschen und Nachbarn ein hilfsbereiter, gutmütiger und liebenswerter Zeitgenosse zu sein? Und ist es möglich einen Kompromiss miteinander  - statt gegeneinander zu finden? Diesen Fragen geht die Autorin mit  ihrer Protagonistin Dora ausführlich in ihrem Buch hinterher und dem Leser stellen sich immer mehr Zweifel und Fragen durch diese Lektüre. Sogar unter Umständen neue Antworten zu finden auf die brennenden Themen unserer Gesellschaft.  


Meine Bewertung :  Eine absolute Leseempfehlung mit  Fünf ***** Sternen!

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des Leseexemplar!

Sonntag, 11. April 2021

*Die nicht sterben* von Dana Grigorcea erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Hardcover mit Schutzumschlag, 272 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-328-60153-1

Erschienen am  01. März 2021

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Inhalt/Klappentext:

Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. „Uns kann niemand brechen“, pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät.

Dana Grigorcea wurde 1979 in Bukarest geboren, sie studierte Germanistik und Nederlandistik und lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Zürich. Die Werke der rumänisch-schweizerischen Schriftstellerin, etwa der Roman »Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit« und die Novelle »Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen«, wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.

Meine Meinung: Eine junge namenlose Frau  , die  lange Zeit in Paris gelebt hat und dort Kunst studierte, kehrt in den Schoß der Familie nach Transsilvanien zurück. Sie schlüpft bei ihrer geliebten und verehrten Tante Mamargot unter, bei der sie als Kind ungetrübte Ferientage verbracht hat. Nun erlebt sie eine neue Gesellschaft, die sich nach dem Scheiden des Kommunismus entwickelt hat,  verkörpert durch Mamargot's  zahlreiche extravaganten, spleenigen Freunde und Bekannten. Die junge Frau  trifft Kinderfreunde wieder - und kann deren Charakterentwicklung nicht mehr folgen.

Ich bin mit diesem Roman kaum klar gekommen , geschweige denn konnte ich mich  mit den vielen Protagonist*innen identifizieren. Nein, es ist keine Familiengeschichte im üblichen Sinne - eher die Geschichte einer schillernden Realität  des Unmöglichen , die in einen Fantasy Roman, Krimi oder/und auch märchenähnlich verpackt wurde und den Leser in eine fremdartige Welt katapultiert , mit ekelhaften und unsympathischen Ereignissen a la' Graf Dracula und seinen Gefährtinnen.  Zusätzliche Hinweise und Verknüpfungen zur kommunistischen Vergangenheit des Landes haben mich oft zum Nachdenken gebracht, auch über die mögliche Zukunft dieser Gegend und seiner Menschen. 


Der Schreibstil der Autorin ist sehr niveauvoll, voller Andeutungen , eigentlich teilweise recht schön, aber es ist kein Buch zur Ablenkung oder gar zum Abtauchen, keine bequeme oder gefällige Lektüre für zwischendurch . Es erfordert viel Konzentration und Lesepausen zum Nachdenken über einzelne Geschehnisse und Kapitel . Ich war etwas enttäuscht und musste es öfter aus der Hand legen, Kraft sammeln und mich bis zum Ende des Buches durchkämpfen,,,,

Meine Beurteilung: Sicher drei *** Sterne für eine gute, anspruchsvolle Lektüre, die mich trotzdem nicht in seinen Bann gezogen hat!


Danke an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar! 

Montag, 5. April 2021

*Der Schneeleopard* von Sylvain Tesson - im Rowohlt Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Herausgeber : Rowohlt Buchverlag; 1. Edition (23. März 2021)

Sprache : Deutsch

Gebundene Ausgabe : 192 Seiten

ISBN-10 : 3498002163

ISBN-13 : 978-3498002169

Originaltitel : La panthère des neiges

Inhalt/Klappentext: Gemeinsam mit dem Fotografen Vincent Munier reist der Abenteurer und Schriftsteller Sylvain Tesson nach Tibet, um sich auf die Suche nach einem der seltensten Tiere dieser Erde zu begeben - dem Schneeleoparden. Ob sie dem Tier begegnen werden? Ungewiss. 

Auf über 4000 Metern, fernab vom Lärm der Zivilisation, hinterfragt Tesson eine Welt, in der kaum noch Raum bleibt für das Ungebändigte und die Entfaltung der Schönheit der Natur. Entstanden ist ein aufrüttelndes, preisgekröntes, kraftvolles Werk, dessen Sog man sich nicht entziehen kann: Eine meditative Reise in die weiße Stille des Himalaya, eine Lektüre gegen die Hektik unseres Alltags und die Zerstörung der Welt. 

Sylvain Tesson, geboren 1972 in Paris, ist Schriftsteller, Geograph und ein großer Reisender. Er fuhr mit dem Fahrrad um die Welt und unternahm monatelange Expeditionen – durch den Himalaya, zu Fuß von Sibirien nach Indien und immer wieder nach Zentralasien. Für seine Reisebeschreibungen und Essays wurde er mit dem Prix Goncourt de la nouvelle und zuletzt mit dem Prix Renaudot für «Der Schneeleopard» ausgezeichnet.

Meine Meinung: Der erfolgreiche Reiseschriftsteller und Abenteurer Sylvain Tesson reist in dieser Geschichte mit seinen drei Gefährten nach Tibet,  in das Mekong-Quellgebiet , und entführt die Leser*innen in eine unwirtliche und eisige Einsamkeit, die auf ca. fünftausend Meter liegt. Er schliesst sich auf dieser, fast schon Expedition zu nennenden Reise, dem bekannten Tierfotografen Vincent Munier,  dessen  Freundin und Filmerin Marie, sowie dem bedachten und ruhigem *Philosophen Leo* an und ist dabei selber ein stiller Beobachter - unterwegs auch auf einer eigenen, persönlichen Reise in sein Inneres , zu geliebten , aber doch verlorenen Menschen seines Lebens. Die philosophischen Betrachtungen und Gedankengänge von Sylvain Tessin haben in diesem Buch etwas Magisches!  Er erzählt in einer poetischen, feinsinnigen fast schon philosophischen Ausdrucksweise mit vielen wandelbaren Vergleichen zur Natur, zum  allgemeinen Leben in unserer Welt und Gesellschaft. Die Gefährten befinden sich auf einer Suche, in  unbeweglicher Lauerstellung bei minus 30 Grad im tibetischen Hochland um einen König zu huldigen. Es ist der majestätische und selten gewordene Schneeleopard. So schnell wie dieses Tier vor der Gruppe auftaucht - so schnell verschwindet er wieder um Unsichtbaren. Man hat fast das Gefühl, dass die drei Männer und eine Frau einem geliebten Phantom folgen. 

Vincent Munier und seine Reisegefährten  erkennen die Ungewöhnlichkeit dieses einzigartigen, von Menschen unabhängigen Tieres, und  sie schaffen es stundenlang, im meditativen Ausharren, auf diesen König zu warten und ihn zu beobachten. Es bedarf Geduld, Ausdauer und  die Zurücknahme eigener Bedürfnisse um diese Aufgabe zu erfüllen - und sie gelingt nur manchmal.


Vor allem hoffen sie, dass diese unberührte Welt Bestand hat, geschützt wird und nicht von der Zivilisation erobert wird. Zusätzlich bringen aufrüttelnde und nachdenkliche Gedankenausführungen vom Autor Sylvain Tesson dem Leser die  katastrophale Zerstörung unserer Erde mit seinen vielfältigen Arten von Lebewesen nahe.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt, die sich so nennen: 

Die Annäherung

Der Vorplatz

Die Erscheinung

Die Lektüre endet mit Zitathinweisen und dem Hinweis auf zwei Fotobände von Vincent Munier und Sylvain Tesson mit dem Titel * Zwischen Fels und Eis  - Auf den Spuren der letzten Schneeleoparden in Tibet* erschienen im Knesebeck Verlag. 


Meine Bewertung: Ein absolut lesenswertes Buch ,dem ich gerne ***** Fünf Sterne gebe, welches auch auf die vielen Unzulänglichkeiten unserer angeblich so zivilisierten Welt hinweist. 

Ich bedanke mich herzlich beim Autor, dem Rowohlt Verlag und VORAB LESEN für die Zusendung des Rezensionsexemplar!

Diesen Titel habe ich auch auf  Monerl's Linkparty  eingestellt https://monerl.de/aktion-monatshighlight-top-flop-linkparty-april-2021/

     

Sonntag, 28. März 2021

*Unter der Mitternachtssonne* von Paul Seesequasis, erschienen im btb Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Leon Mengden

Originaltitel: Blanket Toss Under Midnight Sun

Originalverlag: Knopf

Paperback , Klappenbroschur , 192 Seiten, 21,5 x 28,0 cm

durchgehend vierfarbig

ISBN: 978-3-442-75889-0

Erschienen am  12. Oktober 2020

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Inhalt/Klappentext:

Das beeindruckende Porträt von acht indigenen Gemeinschaften in Kanada. Paul Seesequasis, Journalist und Autor, gibt mit seinem ungewöhnlichen und spektakulären Social-Media-Projekt der »vergessenen Generation« der First Nations, Metis und Inuit ein Gesicht. Er erzählt anhand verschwunden geglaubter Fotos von Zusammenhalt, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Widerstand. Dazu sammelte er über drei Jahre hinweg die eindrücklichsten Archivbilder und die Geschichten der Menschen hinter den Porträts. Damit stößt er die Tür zu einer verborgenen Wahrheit auf und bringt eine andere, eine neue Seite der Geschichte von Kanadas indigener Bevölkerung ans Licht.

Paul Seesequasis ist ein »nîpisîhkopâwiyiniw«, ein Angehöriger des Stammes der »Willow Cree«. Er arbeitet als Autor und Journalist und setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte der indigenen Bevölkerung Kanadas ein. Seit 2015 ist er der Kurator des »Indigenous Archival Photo Project«, das sowohl online, als auch offline Bilder und Geschichten sammelt und damit die kulturelle Identität der indigenen Bevölkerung Kanadas lebendig macht. Er veröffentlichte Artikel in zahlreichen Zeitschriften und Magazinen, unter anderem in »The Globe and Mail«, »The Walrus«, »Brick« und »Granta«, und ist seit den 1990er-Jahren künstlerisch und politisch aktiv. Er lebt derzeit in Saskatoon, in der kanadischen Provinz Saskatchewan.

Meine Meinung: Es ist ein absolut gelungenes Buch des Geschichten-Sammeln, des Recherchieren nach verschwundenen Wurzeln, Fotos und Schicksalen indigener Familien. Der Autor hat sorgfältigst Nachforschungen betrieben und bislang unbekannte Bilder von verschollenen und/oder unbekannten Stammesmitgliedern von acht indigenen Völkern Kanadas, der *First Nation*,  der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Es ist die tragische Geschichte eines einzigartigen Volkes, deren grausame Ausmerzung ihrer Kultur, Tradition und Bevölkerung durch die Kolonialmächte nicht mehr rückgängig zu machen ist. Generationen ganzer Familien werden bildhaft dargestellt , aus Archiven befreit und von Zeitzeugen und/oder Familienangehörigen wiedererkannt.

Im fast zweihundert Seiten des beeindruckenden Bildbandes sind informative, fesselnde - aber auch erschreckende Fotos einer für immer vergangenen Welt zu sehen. Mit  einfühlsamen Worten führt der Autor den Leser*in in eine unbekannte , fremde, vor allem aber verschwundene Welt der *First Nation*  ein. Er hat die Bilder und zugehörigen Erklärungen verschiedenen Landschaften zugeordnet , die da heißen:


Cape Dorset und Nunavik

James Bay und die kontinentale Wasserscheide der Hudson Bay

Saskatchewan, Montana und Alberta

Die Nordwest-Territorien und der Yukon


Abgerundet wird dieser prächtige Bildband mit einem ausführlichen Literaturverzeichnis, Bildnachweisen, einem Epilog , der den Blick der *First Nation* und der Leser*rinnen nach vorne in die Zukunft lenkt, sowie einer Danksagung an zahlreiche Menschen und Institutionen , die den Autor bei seinen Nachforschungen unterstützt haben. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich viele der ungewöhnlichen Fotos hier zeigen würde. In jeder gut sortierten Buchhandlung können interessierte Leser*innen bestimmt einen Blick in diesen wunderbaren und ungewöhnlichen  Bildband werfen. 

Mein Dank geht  an den Autor, die vielen unbekannten Menschen für ihr unverhofftes Mitwirken  am Bildband nach Jahrzehnten - und die Penguin Random House Verlagsgruppe für die Zusendung des Buches.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese ungewöhnliche und faszinierende Darstellung einer verschwundenen Welt!



Montag, 22. März 2021

*Sommernacht* von Lucy Foley, erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Ivana Marinović

Originaltitel: The Guest List

Originalverlag: HarperCollins, London 2020

Paperback , Klappenbroschur, 448 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

ISBN: 978-3-328-10616-6

Erschienen am  01. März 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Vierzehn Gäste. Alle haben ein Geheimnis. Und nicht alle werden die Insel lebend verlassen. Eine abgelegene Insel vor der wilden Küste Irlands: An einem Sommertag versammeln sich Familie und alte Freunde, um die Hochzeit von Julia und Will zu feiern. Alles ist bis ins kleinste Detail geplant, es soll ein rauschendes Fest werden – doch der Wind dreht, und ein heftiger Sturm schneidet die Insel von der Außenwelt ab. Bald macht das Gerücht die Runde, dass dieser Ort ein schreckliches Geheimnis verbirgt. Und auch unter den Gästen dringen immer unaufhaltsamer alte Feindseligkeiten und lang begrabene Geheimnisse ans Licht. Dann wird einer der Feiernden tot draußen im Moor gefunden. Und die Situation auf der Insel eskaliert ...


Lucy Foley hat in der Verlagsbranche gearbeitet, bevor sie ihren großen Traum wahr machte und sich ganz dem Schreiben widmete. Ihr erster Thriller »Neuschnee« wurde ein internationaler Erfolg und stand wochenlang auch auf der deutschen Bestsellerliste. Wenn sie nicht gerade mörderisch spannende Plots entwickelt, reist Lucy leidenschaftlich gern – vor allem nach Irland, das Land, aus dem ihre Familie stammt. Die wilde und einsame Schönheit der Inseln vor der irischen Küste inspirierte sie zu »Sommernacht«. Lucy Foley lebt in London.


Meine Meinung: Eine verlassene Insel vor der irischen Küste. Die Hochzeitsplaner Aiofe und Freddy haben dort  ein kleines Schloss zu einem Event-Hotel ausgebaut und vermieten es für Familienfeiern, wie zum Beispiel Hochzeiten.  Düstere und gefährliche Moorgebiete, steile Klippen, die wilde Brandung und ein unheimlicher Friedhof mit den typischen irischen Grabkreuzen vermitteln durchgehend eine gruselige und aufreibende Atmosphäre der abgeschiedenen Insel im Meer.  

Das alles erschien mir noch normal für eine kleine Insel vor der Küste Irlands -  bis die einhundertfünfzig Gästen anreisten , die sich zu einer glamourösen Hochzeit von Will Slater, einem berühmten Fernsehstar und Jules Keegan, die ein erfolgreiches Lifestyle-Magazin aufgebaut hat, dort treffen.  Alle leben gut betucht in ihrer Welt von Reichtum und Ignoranz der Realität und haben anscheinen keine Sorgen - vor allem nicht materiell.  Die Hochzeitsplanerin Aiofe und ihr Ehemann Freddy  haben alle Hände zu tun, um den Ablauf der Feier immer wieder kreativ zu retten und den illustren Gästekreis zu beruhigen.  

Menschen aus dem engsten Freundeskris von Will und Jules  spielen  wichtige Rollen, von denen jeder ein düsteres Geheimnis aus seiner Lebensgeschichte verbirgt, welche die Autorin in kleinen Spannungskapiteln  langsam für die Leser*innen auflöst. Die vierzehn Hauptprotagonisten gehören zum engsten Freundeskreis von Braut und  Bräutigam  erzählen in diesen Kapiteln  ihre  eigene persönliche Geschichte und abwechselnd ihre aktuelle Sichtweise des Hochzeitsablaufes. Es gibt im Ablauf des Romans immer wieder eine Rückkehr zum *Heute und Jetzt* der Hochzeitsfeier.

Der Schreibstil von Lucy Foly lässt sich angenehm und leicht lesen.  Die Darstellung der psychischen Probleme und Lebens-Geheimnisse  lässt die Autorin in der Ich-Form von den Freunden erzählen. Alles eskaliert in Gewaltszenen auf Grund eines stürmischen Unwetters mit daraus resultierendem Stromausfall auf der gesamten Insel.  Besonders der wilde Freundeskreis von Will aus dem Umfeld einer Privatschule während der Jugend sticht durch ihr aggressives Verhalten hervor, stört die angestrebte Harmonie und zeigt ihr *wahres brutales Gesicht*. 

Ich habe diesen fesselnden  Psychothriller atemlos in kurzer Zeit gelesen und mich sehr gut ablenken lassen.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses Buch aus dem  Genre Thriller/Psychothriller!

Vielen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar. 


Montag, 15. März 2021

*Klaras Schweigen* von Bettina Storks - erschienen im Diana Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Paperback , Klappenbroschur, 400 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

ISBN: 978-3-453-36047-1

Erschienen am  08. März 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Freiburg im Breisgau, 2018: Nach einem Schlaganfall spricht Miriams hochbetagte Großmutter plötzlich französische Worte – eine Sprache, die sie angeblich nie gelernt hat. Miriam erkennt schnell, dass Klara weit mehr verbirgt, doch alle Nachfragen finden kein Gehör. Was genau passierte im Leben ihrer Großmutter? Warum verließ sie Freiburg und ging im Dezember 1949 überstürzt nach Konstanz? Miriams Suche nach Antworten führt sie bis in die Bretagne, immer auf der Spur eines jahrzehntelang gehüteten Familiengeheimnisses …

Bettina Storks, geboren bei Stuttgart, ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war viele Jahre als Redakteurin tätig, bevor sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Die Leidenschaft für Familiengeheimnisse und die Faszination für die deutsch-französische Geschichte vereint Bettina Storks immer wieder in ihren vielschichtigen Romanen. Die Autorin lebt und arbeitet am Bodensee.

Meine Meinung: Eine berührende und fesselnde Familiengeschichte hat uns die Autorin Bettina Storks mit dem obengenannten Buch präsentiert. Der Roman ist auf zwei Zeitsträngen aufgebaut . Wir nehmen teil am unruhigen Leben der jungen Klara während des 2. Weltkrieg in Freiburg, während der Nachkriegsjahre in Konstanz am Bodensee - sowie im *Heute und Jetzt von Freiburg*. Klara ist inzwischen eine alte Dame , die durch einen Schlaganfall ihr Sprachvermögen verloren hat - bis auf einige französische Worte und Sätze.  Ihre Enkelin Miriam ist völlig erstaunt darüber, denn ihre geliebt Grossmutter hatte früher nie Französisch gesprochen.  Dann begleiten wir Miriam in heutiger Zeit, eine Literaturwissenschaftlerin, die in der Mitte ihres Lebens steht und doch immer wieder mit inneren Unsicherheiten und Ängsten zu kämpfen hat. 

Besonders gut  gefallen hat mir die stimmige Beschreibung vom damaligen Freiburg, der Bodenseeregion und Klaras  komplizierter Familiengeschichte inmitten dieser wunderschönen Region. Sie erlebte mit Mutter, jüngerer Schwester und einem schwierigen zänkischen Vater den zweiten Welt-Krieg in Freiburg, arbeitete in einem  Économat (Lebensmittelgeschäft für die französischen Soldaten) und erlernte später den Beruf der Schneiderin. Der damalige Hass zwischen der deutschen Bevölkerung und den französischen Besatzern kommt ehrlich und schockierend zu Tage, wird von der Autorin ergreifend beschrieben.  


Sehr einfühlsam und fesselnd , in einem professionellem und perfekten Schreibstil gehalten , verfolgen wir die Suche der Enkelin Miriam nach ihren plötzlich auftauchenden französischen Wurzeln.  Da ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind als Miriam erst zwei Jahre alt war , ist sie geborgen und behütet aufgewachsen bei den Grosseltern Klara und Edi. Trotzdem spürt sie instinktiv , dass irgendetwas in der Familien-Vergangenheit passierte, welches ihr die Grosseltern und Tante Lotte verheimlichten und verschwiegen hatten. Völlig schockiert erfährt sie auf Grund ihrer Nachforschungen, dass sie wohl einen französischen Grossvater hat. Sie macht sich auf eine spannende Suche, wird von sympathischen Franzosen und Deutschen  darin unterstützt und hilft dadurch  auch ihrer geliebten Grossmutter Klara, die nun endlich mit einigen dramatischen Ereignissen abschliessen kann , die während ihrer Jugendzeit im zweiten Weltkrieg passiert sind. 

Ein absolut lesenswertes Buch, welches eine Verbindung schlägt zwischen deutscher und französischer Geschichte in der damaligen schwierigen Kriegszeit, die endlich durch eine heutige Versöhnung beider Länder miteinander gekennzeichnet ist. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen Roman.

Ich danke der Autorin und dem Verlag herzlich für das Leseexemplar.   

 

Sonntag, 7. März 2021

*Ohne Schuld* von Charlotte Link, erschienen im Blanvalet Verlag

 

*Werbung,  unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7645-0738-1

Erschienen am  02. November 2020


Inhalt/Klappentext: Ein wolkenloser Sommertag, die Hitze drückt aufs Land. Im Zug von London nach York zielt ein Fremder mit einer Pistole auf eine Frau. Sie entkommt in letzter Sekunde. Zwei Tage später: Eine junge Frau stürzt mit ihrem Fahrrad, weil jemand einen dünnen Draht über den Weg gespannt hat. Sie ist sofort bewusstlos. Den folgenden Schuss hört sie schon nicht mehr. 

Die Frauen stehen in keiner Verbindung zueinander, aber die Tatwaffe ist dieselbe. 

Kate Linville, neu bei der North Yorkshire Police, wird sofort in die Ermittlungen hineingezogen. Sie kommt einem grausamen Geheimnis auf die Spur und gerät selbst in tödliche Gefahr. Denn der Täter, der eine vermeintliche Schuld rächen will, gibt nicht auf … 


Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Kriminalromane sind internationale Bestseller, auch »Die Entscheidung« und zuletzt »Die Suche« eroberten wieder auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste. Allein in Deutschland wurden bislang über 31 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.


Meine Meinung: Der oben vorgestellte dritte Band aus der Kate-Linville-Reihe hält alles, was  ein Krimi Leser von entsprechender Lektüre erwartet. Da ich nicht sehr begeistert Bücher aus diesem Genre lese, hat mich der flüssige und sehr schöne Schreibstil der Autorin zu meiner Überraschung für das Buch eingenommen.  Dieser Roman  gehört zu einer Reihe, die sich um die Ermittler Kate Linville und Caleb Hale bewegt. Trotzdem ist auch dieser Roman gut allein und unabhängig von der Reihe zu geniessen.  

Die Autorin hat auch diesen Roman nach ihrem  bewährten Schreib Muster aufgebaut. Menschen, die sich nicht kennen, begegnen sich überraschend.  Schicksale und Lebensgeschichten  werden durch unerwartete kriminelle Handlungen miteinander verbunden und nach und nach kann sich der Leser aus diesen Puzzleteilen eine verwobene Geschichte zusammensetzen, deren Ursachen in schrecklichen Begebenheiten aus der Vergangenheit liegen. 


 Die beiden Ermittler lösen natürlich auch diesen Fall professionell , wobei ich etwas enttäuscht war, da Caleb Hale dieses Mal kaum eine grosse Rolle spielt, da er teilweise aus dem Dienst suspendiert wurde.  Die Auflösung des Falles reicht weit in die Vergangenheit zurück und der Leser wird häppchenweise durch Zwischen Kapitel damit konfrontiert und aufgeklärt. Zu Beginn des Buches weiss man kaum wer dort zu Wort kommt. Sind es der/die Täter oder sind es die Opfer? 


Es waren über fünfhundert Seiten, die mich voller Spannung fesselten und doch kam mir das Ende dann doch etwas unbefriedigend vor. Trotz dieser kleinen Kritikpunkte  spreche ich für diesen Kriminalroman eine absolute Leseempfehlung von FÜNF ***** Sternen aus. 

Danke an die Autorin und den Blanvalet Verlag für das Leseexemplar!