Donnerstag, 14. Oktober 2021

*Alles wird gut* von Nina Lykke - erschienen im btb Verlag

 

*Werbung, unbezahlt *

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Norwegischen von Sylvia Kall, Ina Kronenberger

Originaltitel: Full spredning

Originalverlag: Forlaget

Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 12,5 x 20,0 cm

ISBN: 978-3-442-75934-7

Erschienen am  16. August 2021

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Wie konnte es so weit kommen? Elin – Mitte 50, Allgemeinärztin seit 20 Jahren und genauso lange verheiratet mit Aksel – ist kurzerhand in ihre Praxis gezogen. Während Aksel jede freie Minute mit Skilanglauf verbringt, schickt Elin eines Abends schon leicht angeschickert eine Nachricht an ihren Jugendfreund Bjørn – der antwortet prompt. Elin fühlt sich das erste Mal seit Langem wieder richtig lebendig. Aus Alltagsresignation wird erwartungsvolle Aufbruchsstimmung. Doch eine langjährige Ehe und das gutsituierte Leben im Reihenhaus lassen sich nicht so leicht abschütteln. Das ist die Ausgangssituation des vielfach ausgezeichneten Romans, der mit entlarvender Ehrlichkeit das Beziehungsleben der modernen Großstädter in mittleren Jahren unter die Lupe nimmt.

Nina Lykke, geboren 1965 in Trondheim, Norwegen wuchs in Oslo auf. Sie studierte Grafik in Kopenhagen, arbeitete als Grafikdesignerin und war von 1997 bis 2003 Redaktionsmitglied der feministischen Zeitschrift »Utflukt«. Ihren Durchbruch als Schriftstellerin hatte Lykke mit ihrem Roman »Aufruhr in mittleren Jahren«, der in Norwegen eines der am meisten besprochenen Bücher des Jahres war.

Mein Leseeindruck: *Alles wird gut* , dieser schöne Titel - der auch eine beliebte Redensart ist, sowie das hübsche Blumencover des Buches hatten mich zum Lesen angeregt und ich hoffte auf einen packenden Wohlfühl Roman mit einem guten, das Gemüt beruhigendem Ende. Leider kam alles ganz anders und völlig unerwartet bei dieser Lektüre. 

Elin, Aksel und Bjørn waren für mich Protagonisten , denen ich im Verlauf des Buches nicht meine ganze positive Aufmerksamkeit und Sympathie schenken konnte. Elin, die von der Autorin in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt wurde entwickelte sich von Seite zu Seite immer mehr zu einer NO-GO Person. Zu Beginn der Geschichte als etwas überforderte Allgmeinärztin dargestellt, verwandelte sie sich immer mehr in eine boshafte, unfreundliche, gar feindselige Person, die mit ihren Patienten keinen objektiven Umgang wahren konnte. Als eine seit Jahrzehnten gestandene Ärztin hatte ich eigentlich ein anderes Verhalten von ihr erwartet. Statt dessen wurde sie von persönlichen Süchten wie Alkohol Exzessen und einer aufgewärmten Beziehung aus Jugendjahren gebeutelt. Dass sie sich in ihren inneren Monologen nur noch dem Skelett in ihrem Behandlungszimmer öffnen konnte, keine realen Freunde hatte, erschien mir merkwürdig und bedauernswert. Auch Ehemann Aksel und der alte Jugendfreund Bjørn waren keine Ansprechpartner um sie aus ihrer Patientenmüdigkeit herauszuholen. Ihre Affäre mit Bjørn, in die sie aus Versehen hineingerutscht war, quälte sie. Ihr Telefon und ihr Sozial Media Verhalten samt unmässigem SMS-Verkehr mit dem neuen Liebhaber liebte und hasste sie zu gleich. Sie war für mich keine Protagonistin, mit der ich mich als Leser*in  identifizieren konnte, sondern eine bedauernswerte und zerrissene Person. Sicher war diese Charakterdarstellung von der Autorin beabsichtigt, leider hat sie mich persönlich damit nicht begeistert. Das Buch und Thema wurden für mich sehr schwer nachvollziehbar und nicht fassbar. 

Ihr Schreibstil war flüssig, gut zu lesen und verständlich, hat aber in meinen Augen nicht so gut die Wirklichkeit gespiegelt. Er war in einer schlaksigen Ausdrucksweise verfasst, die ich eher einem Teenie Roman zuordnen würde. Ob dieser Roman tatsächlich eine ehrliche Darstellung des Beziehungslebens der Großstädter im mittleren Lebensabschnitt aufzeigt, vermag ich schwer zu beurteilen und bezweifle das ein wenig.  

Meine Lesebewertung: Drei *** Sterne !  

Vielen Dank für die Zusendung des Rezensionsexemplar!    

Dienstag, 5. Oktober 2021

*Wenn ich wiederkomme* von Marco Balzano - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

320 Seiten 

erschienen am 29. September 2021 


Inhalt / Klappentext: Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern – die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Als ihrem heranwachsenden Sohn etwas zustößt, muss sie eine Entscheidung treffen.

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello, mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Auszeichnungen
 ›Prix Méditerranée étranger‹ für Je reste ici (Resto qui), 2019
 ›Premio Bagutta‹ für Resto qui, 2019
 2. Platz des ›Premio Strega‹ für Resto qui, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix Femina‹, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix du roman FNAC‹, 2018
 ›Premio Asti d’Appello‹ für Resto qui, 2018
 ›

Mein Leseeindruck: Habt ihr schon einmal von dem Begriff  *Italienkrankheit* gehört?

Nach der Lektüre oben genannten Buches vom Bestsellerautor Marco Balzano hat sich dieser Ausdruck in meinem Kopf festgesetzt und ich versuche ihn zu erklären. Der Autor schreibt in seinem Buch über Menschen aus Osteuropa,  die aus finanziellen Zwängen ihre Heimat verlassen, um ihre Familie durchzubringen. Hier ist es die Familie Matei aus einem kleinen Ort in Rumänien. Die Mutter Daniela, liebevoll  von den Kindern Angelica und Manuel Moma genannt , verlässt die Familie um in Italien als Pflegende von alten Menschen , Kranken und/oder Familien mit Kindern, Geld zu verdienen. Sie macht es heimlich, um der eigenen Familie den Abschiedschmerz zu ersparen. Doch was sie mit ihrer oft jahrelangen Abwesenheit und schleichenden Entwurzelung der eigenen Familie antut, beschreibt der Autor in dramatischen Worten und den folgenden Geschehnissen jedes einzeln Familienmitgliedes.  Daniela leidet wie viele ihrer rumänischen Freundinnen während ihrer Abwesenheit unter Depressionen, Burn Out und Schuldgefühlen. Die eigene Familie leidet ebenso - sie können alle kaum noch aufeinander eingehen. Doch was passiert wenn eigene Kinder die Mutter dringender brauchen als je zuvor? Sei es durch einen Unfall oder/und durch eine Krankheit verursacht? 

Der Schreibstil ist sehr gut zu lesen, übt einen fesselnden emotionalen  Sog auf den Leser*in aus und öffnet die Augen zusätzlich auch für das Leid der zu pflegenden alten Bevölkerung und Familien der reichen Länder in Westeuropa, die es nicht schaffen für ihre eigenen Angehörigen zu sorgen. Das Buch zeigt auch scharf die Unterschiede in den Familienstrukturen zwischen Ost - und Westeuropa auf. 
 
Manuel, Angelica und Daniela erzählen jeweils in der Ich-Form in drei Teilen von ihrem Empfinden, ihren Wünschen, Hoffnungen, Verletzungen und Wunden, die dem jahrelangen , zeitlichem Auseinander Reißen der Familie geschuldet sind. Sie leben sich auseinander, haben sich trotz täglicher Videotelefonie nicht mehr viel zu sagen. Es fehlt das reale Zusammenleben und auch die Ehrlichkeit zueinander. Die Mutter versucht ihre Abwesenheit mit vielen zusätzlichen Geschenken zu verschleiern, erzählt gleichzeitig nicht, dass sie auf viele Annehmlichkeiten eines normalen Lebens verzichtet, um dieses ihren Kindern zu ermöglichen. Der Vater Filip verlässt ebenso die Familie um als Kraftfahrer im Ausland Geld zu verdienen. Die Jugendlichen sind auf sich allein gestellt. Ihr Freundeskreis verkleinert sich, das Dorf wird durch den immensen Wegzug der Bewohner nach Westeuropa entvölkert.  Nur die alten eigenen Grosseltern bieten noch Halt und Trost im Dorf.......

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen hervorragenden Roman!

Vielen Dank an den Autor und den Verlag für die Zusendung des im typischen Diogenes Stil gestaltete Cover zugesandte Rezensionsexemplar. 



Samstag, 2. Oktober 2021

*Was Bleibt Wenn Wir Sterben * von Louise Brown - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

256 Seiten 

erschienen am 29. September 2021 

Verlagslink

Inhalt/Klappentext: Nach dem Tod ihrer Eltern versucht die Journalistin Louise Brown der Endlichkeit des Lebens etwas Sinnstiftendes abzugewinnen. Sie wird Trauerrednerin und Zeugin dessen, was von uns bleibt. Dies verändert nicht nur ihre Einstellung zum Tod, sondern auch ihre Haltung zum Leben. Louise Brown schenkt uns unvergessliche Bilder, die daran erinnern, was uns als Menschen ausmacht. Ein tröstendes und befreiendes Buch, das Mut macht, das Leben auf die Dinge auszurichten, die von Bedeutung sind.

Louise Brown, geboren 1975 in London, zog als Jugendliche mit ihrer Familie ins norddeutsche Ostholstein. Sie studierte Politikwissenschaft in Nordengland, Kiel und Berlin. Sie ist Journalistin und seit einigen Jahren auch als Trauerrednerin in Hamburg tätig. Dort moderierte sie auch das erste ›Death Café‹. In ihrem Podcast ›Meine perfekte Beerdigung‹ spricht sie mit Menschen darüber, wie sie einmal verabschiedet werden wollen. Louise Brown lebt mit ihrem Partner, zwei Kindern und Hund in Hamburg.


Mein Leseeindruck: Ein Buch über Tod und Sterben im Titel. Mancher Leser*in klickt nun sofort weiter, um dieses Tabu Thema gar nicht erst in seinen Gedankenfluss einzulassen. Für mich war es eines der spannendsten, wärmsten und ehrlichsten Bücher des Jahres, ein echtes Highlight und Geschenk. 

Zitat auf Seite 223 von den Autoren Tiziano Terzani und Folco Terzani, entnommen aus dem Buch *Das Ende ist mein Anfang: Ein Vater, ein Sohn und die grosse Reise des Lebens* . Übersetzt aus dem Italienischen von Christiane Rhein. Deutsche Verlags-Anstalt München 2017, S. 15.

"Wenn wir anfangen würden zu graben, fänden wir überall zu Staub zerfallene Knochen, die Überreste des Lebens.Kannst du dir vorstellen, wie viele Abermilliarden von Lebewesen auf dieser Erde gestorben sind? Die sind alle da! (...)Dieser immense Friedhof aber, die Erde, ist wunderschön! Mit all den Blumen, die darauf wachsen, mit all den Ameisen und Elefanten, die darüberlaufen. Er ist die Natur!"

Die Autorin , eine Trauerrednerin und Journalistin hat mit berührender Sanftheit und einem emphatischen Schreibstil über ihre Arbeit , sowie über ihre eigenen Erfahrungen mit dem kurz hintereinander folgendem Tod beider Elternteile berichtet. Sie hat ihren Erfahrungsbericht in drei Teile aufgelistet: 

1. Teil Konfrontation mit dem Tod

2. Teil Leben mit der Trauer

3.Teil Die Endlichkeit annehmen

Dieses Buch hat mich zum Nachdenken gebracht. Was werden meine Anghörigen nach meinem Ableben über mich berichten und was wissen sie wirklich von mir? Wissen sie eine Wahrheit , die nur meine sein kann? Wahrscheinlich nicht, aber sie werden sich an viele kleine Begebenheiten und Anekdoten aus unserem gemeinsamen  (Er)Leben erinnern, sich hoffentlich an fröhliche und unbeschwerte Stunden erinnern. Aber sicher durch Trauerrede und Beisetzung auch die eigene Vergänglichkeit, dunkle Stunden der Verzweiflung und negative Gedanken im gemeinsamen (Er)Leben vor Augen haben. 

Diese Aussage hat die Autorin in den Mittelpunkt ihres Buches gestellt - auch mit einer Aussage, die sicher stimmt. 

*Der Tod kennt keine Gerechtigkeit*

Und doch hat mich diese Lektüre beruhigt und befreit, mir Mut gemacht über das Thema Tod und Sterben mit vielen Menschen zu reden. Vor allen mit den mir Nahestehenden. Seien es Freunde und/oder die Familie. Nichts bringt Menschen so zueinander wie dieses Thema. Diese Erfahrung hat Louise Brown auch durch den Besuch sogenannter * Death Cafés * gemacht, in denen bei Tee, süssem Kuchen und Kaffee zum Gespräch mit anderen, fremden Menschen ermutigt wird. Eine gute Idee , die sicher viel Zuspruch in grösseren und vielleicht auch kleineren Orten bekommen wird. 


Das Buch schenkt dem Leser ruhige und philosophische Lesezeiten , einen flüssigen und warmherzigen Schreibstil, erzählt Fragmente aus den Trauerreden der Autorin, regt zum Nachdenken über ein ganz natürliches Thema an, welches uns alle irgendwann einmal intensiv beschäftigen wird. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese emotional packende Lektüre! 

Vielen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!  



Dienstag, 14. September 2021

*Das Nest* von Katrine Engberg - erschienen im Diogenes Verlag


 *Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

416 Seiten 

erschienen am 28. Juli 2021

Verlagslink 

Inhalt/Klappentext: Es ist ein sonniger Tag im April, als der 15-jährige Oscar verschwindet. Zunächst denkt man, er sei von zu Hause abgehauen. Doch es gibt Anzeichen, die auf Schlimmeres hindeuten. Als die Leiche eines jungen Mannes in einer Müllverbrennungsanlage entdeckt wird, beginnen Anette Werner und Jeppe Kørner mit ihren Ermittlungen. Sie betreten unterirdische Gänge und verlassene Inseln und stoßen dabei auf einsame Seelen und befremdliche Familiengeheimnisse.

Katrine Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, arbeitete für Fernsehen und Theater und war als Tänzerin, Choreographin und Regisseurin landesweit bekannt, bevor sie in der Welt des skandinavischen Thrillers debütierte – mit großem Erfolg, auch international. ›Das Nest‹ ist der vierte Fall für Kørner und Werner. Katrine Engberg lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen.

Auszeichnungen

 Isola für den dänischen ›MARTHA Preis‹ nominiert, 2021

 Eine von fünf offiziellen Kulturlotsen für Kopenhagen, ein Projekt der Dänischen Botschaft und Wonderful Copenhagen, 2019

 Nominiert für den ›Martha Prisen‹, Dänemark, 2018

 Nominiert für ›Plusbog’s Author of the Year Award‹, Dänemark, 2017

 Krokodilwächter nominiert für ›BogForum Debutant Prize‹, Dänemark, 2017


Mein Leseeindruck: Das Ermittler Duo Anette Werner und Jeppe Kørner haben mich in diesem Spannungsroman ausserordentlich gut unterhalten. Oben gezeigtes Buch war mein erster von bisher vier erschienenen Kopenhagen-Krimis der bekannten dänischen Autorin Katrine Engberg. Man muss nicht die anderen Teile dieser Reihe lesen um in dieses Buch gut hineinzukommen. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm fliessend und immer sehr gut unterhaltend. Von der ersten bis zur letzten Seite kommt keine Langeweile auf. Oben genannte Geschichte spielt an fünf Tagen im April  -  von Montag bis Freitag in Kopenhagen. Ein schönes Setting über diese faszinierende Stadt und ihre vielen Attraktionen hat die Autorin geschickt in ihre fiktive Geschichte eingebaut. Für mich war es dadurch zusätzlich auch eine äusserst atmosphärische Woche in Kopenhagen. 


Dieser Band braucht keine blutigen Gewaltszenen um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Der 15 jährige Teenager Oscar verschwindet plötzlich und seine Eltern hoffen, dass die beiden Ermittler bald dieses mysteriöse Verschwinden auflösen. Drohbriefe haben die gut situierte und privilegierte Familie, Inhaber eines Auktionshauses,  schon seit einiger Zeit beunruhigt und bedroht. Wurde Oscar gekidnappt oder gar ermordet? Diese Frage stellt sich der Familie und den Ermittlern, als ein junger männlicher Leichnam in der modernsten Müllverbrennungsanlage Europas Amager Bakke, zufällig entdeckt wird. 

Verschiedene Erzähl Stränge stellen nun unterschiedliche Protagonisten vor, deren private Vorlieben und Gewohnheiten eine angenehme Abwechslung beim Lesen  bieten.  Da ist zum Beispiel Jeppe's Freundin Sara Saidani , eine alleinerziehende IT Spezialistin mit zwei Töchtern. Zu den helfenden Leuten bei der Suche nach Oscar gehört auch Esther de Laurenti, eine alte Freundin Jeppes und Literaturkennerin, die einen sympathischen Part im Buch spielt und mit deren Hilfe der kryptische Drohbrief entschlüsselt wird. 


Eine vernünftige und respektvolle Kindererziehung sowie ein behütetes Familienleben unterschiedlicher Protagonisten werden behutsam und mit viel empfindsamen Respekt in diesem Krimi aufgezeigt. Aber eben auch das brutale Gegenteil dieser Verhaltensweisen, welches Familien und ihre Mitglieder völlig zerstören kann.....


Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für diesen sehr unterhaltsamen Spannungsroman.

Mein Dank geht an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  

 




Montag, 13. September 2021

*Das Gewicht der Worte* von Pascal Mercier - erschienen im btb Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Originaltitel: Das Gewicht der Worte

Originalverlag: Hanser

Taschenbuch, Klappenbroschur, 576 Seiten, 12,5 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-77104-2

Erschienen am  12. Juli 2021


https://www.penguinrandomhouse.de/Taschenbuch/Das-Gewicht-der-Worte/Pascal-Mercier/btb/e581386.rhd

Inhalt/Klappentext: Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben – bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann.


Pascal Mercier, 1944 in Bern geboren, heißt mit bürgerlichem Namen Peter Bieri und lebt in Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin war. Nach »Perlmanns Schweigen« und »Der Klavierstimmer« wurde sein Roman »Nachtzug nach Lissabon« einer der großen Bestseller der vergangenen Jahre und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es folgte die Novelle »Lea«. Pascal Mercier wurde u.a. mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem italienischen Premio Grinzane Cavour für den besten ausländischen Roman geehrt.



Mein Leseeindruck: Ich bin in dieses Buch durch seine Macht der Wörter und Sätze in einen magischen Lesesog gezogen worden, dem ich mich kaum entziehen konnte und wollte! Der Roman ist mit philosophischen Gedankengängen seiner unterschiedlichen  Protagonisten durchsetzt und hat mir durch deren inneren, feinsinnigen und ehrlichen Monologe einen tiefen Einblick in ihr Denken und Fühlen gegeben.  Es ist fast eine Charakterstudie. 

Eigentlich ist es eine einfache und ziemlich lange Erzählung, in der gar nicht viel Aufregendes passiert, bis auf kleine und grosse Katastrophen eines normalen Menschenleben. Tod, Trauer, Krankheit, Abschied, Freude, wilde Lebenslust, Freundschaft, Liebe bekommen ihren Platz im Roman, der sich über fast sechshundert Seiten dahinzieht. Für manche Leser mag das im ersten Moment erschreckend und langweilig erscheinen, doch das ist es ganz gewiss nicht. Allerdings kann ich dieses Buch auch nicht als leichte Strand- und/oder Urlaubslektüre empfehlen. Eine gewisse Ausdauer und  ernste Konzentration beim Lesen ist unbedingt erforderlich! Auch um den eigenen Überlegungen zu den Themen Raum, Platz und Zeit im Kopf zu geben. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses herausragende Werk!

Vielen Dank für die Zusendung eines Rezensionsexemplars an den Autor und den btb-verlag. 

Montag, 23. August 2021

*Überredung* - ein Hörspiel nach dem Roman von Jane Austen

 

*Werbung, unbezahlt*

Herausgeber ‏ : ‎ der Hörverlag; New Edition (26. Juli 2021)

Sprache ‏ : ‎ Deutsch

ISBN-10 ‏ : ‎ 3844538305

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3844538304

Originaltitel ‏ : ‎ Persuasion (rechtefrei)

Inhalt/Klappentext: Finden sie wieder zueinander? Als Anne Elliot und Frederick Wentworth noch jung waren, konnten sie nicht heiraten, doch nach einigen Jahren hat sich vieles geändert. Aber wollen die beiden jetzt überhaupt noch? Der Hörer wird entführt in die Welt des englischen Landadels zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Geschäfte und Geldprobleme, Landpartien und Langeweile, Höflichkeitsbesuche und natürlich: Liebesverwicklungen.

Jane Austen (1775–1817) wurde in Steventon, Hampshire, geboren und wuchs als siebtes von acht Kindern im elterlichen Pfarrhaus auf. Ihre literarische Welt war die des englischen Landadels, deren sorgsam kaschierte Abgründe sie mit feiner Ironie entlarvte.


Sascha Icks, geboren 1967 in Düsseldorf, ist eine bekannte deutsche Schauspielerin und Sprecherin fürs Radio und für Hörbücher. Sie erhielt ihre Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Im Anschluss ging sie ans Rheinische Landestheater Neuss, ans Staatstheater Wiesbaden, ans Staatstheater Mainz sowie an die Wuppertaler Bühnen. Sascha Icks wurde auch vielfach für ihre Leistungen als Sprecherin ausgezeichnet. 2000 wurde Icks von der Zeitschrift »Theater heute« als Beste Nachwuchsschauspielerin nominiert und 2020 mit dem Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie »Bestes Kinderhörbuch« ausgezeichnet. Für den Hörverlag hat sie schon das Hörspiel »Jane Eyre« und das Hörbuch »Gargoyle« von Andrew Davidson gesprochen.


Mala Emde, geboren 1996 in Frankfurt am Main, ist eine deutsche Schauspielerin bekannt aus Film und Fernsehen. Bereits mit elf Jahren stand sie das erste Mal in der RTL-Serie »Post Mortem« vor der Kamera. Danach spielte Mala Emde unteranderem in drei Tatort-Folgen sowie der ZDF Vorabendserie »SOKO Köln« mit. Ihre erste Hauptrolle hatte Emde in dem 2015 veröffentlichten Doku-Drama »Meine Tochter Anne Frank«. Sie spielte darin das jüdische Mädchen Anne Frank. Für diese Rolle wurde Mala Emde 2015 mit dem Nachwuchsförderpreis des Bayerischen Fernsehpreises ausgezeichnet.


Mirco Kreibich, geboren 1983 in Ost-Berlin, ist ein deutscher Schauspieler bekannt durch seine abwechslungsreichen Rollen beim Theater. Seit der Spielzeit 2009/10 ist Kreibich festes Ensemblemitglied am Thalia Theater in Hamburg. In fast allen Theaterkritiken wird insbesondere Kreibichs darstellerischer Einsatz, sein körperbetontes Schauspiel und seine unbedingte Verkörperung der Rollen hervorgehoben. Am Thalia Theater trat er unteranderem in der Titelrolle in »Caligula« und in »Hamlet« als die Doppelrolle Rosenkranz und Güldenstern auf. Seit 2006 spielte Kreibich auch einige Film- und Fernsehrollen. Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Schauspieler ist jedoch weiterhin die Theaterarbeit.


Philippa „Pippa“ Galli, geboren 1985 in Wien, ist eine österreichische Schauspielerin und Singer-Songwriterin. Seit 2002 steht sie auf der Bühne, unter anderem spielte sie im Wiener Schauspielhaus, am Theater Drachengasse, Wiener Volkstheater und am Landestheater Niederösterreich.. Galli wirkt als Sprecherin in Hörspielen und Literaturproduktionen mit, insbesondere für den Radiosender Ö1. Außerdem tritt sie auch oft in Fernsehfilmen und -serien auf. In Xaver Schwarzenbergers Spielfilm »Sisi« (2009) synchronisierte sie die italienische Schauspielerin Cristiana Capotondi.

Meine Meinung: Zwei Stunden Hörgenuss eines Klassikers der bekannten Autorin Jane Austen liegen hinter mir. Das wunderschöne , mit goldenen Blumen geschmückte Cover stimmt sofort auf eine romantische Liebesgeschichte ein. Die Welt des englischen Landadels von vor ca. zweihundert Jahren wird in dieser Hörspielversion dem Hörer auf eine ganz besondere Art nahe gebracht. Hufgetrappel von fahrenden Pferdekutschen, sanfte Musikklänge mit einigen Verfremdungseffekten halten die Aufmerksamkeit beim Hören. Der Einstieg in dieses Hörbuch fiel mir zu Beginn etwas schwer, denn die Sprache der Autorin und diese Hörspielversion sind  doch anders verfasst wie  in unserer jetzigen Gegenwartsliteratur üblich.  Ruhig, romantisch und  in langen Sätzen wird sie von verschiedenen Interpreten erzählt. 

Die schon für damalige Zeiten etwas ältere Hauptprotagonistin Anne Elliott beeindruckt durch ihre feinfühligen und emphatischen Gedankengänge und Reden. Sie ist fast dreissig Jahre alt und zaudert lange mit sich, ob sie der Liebe zu Frederick Wentworth erneut nachgeben möchte. Diese reizvollen Dialoge, auch der anderen Protagonisten fesseln und geben dem Hörer viel Platz um sich diese vergangene Welt der englischen Landadels Gesellschaft der damaligen Zeit  vorzustellen. Gesellschaftliche Zwänge, die Verarmung der adeligen grossen Häuser und die Übernahme durch Mitglieder anderer Gesellschaftsschichten werden angedeutet. Umgangsformen und  althergebrachte Wertvorstellungen der Bevölkerung  beginnen sich zu verändern. All dies hat die Autorin Jane Austen als gute Beobachterin ihrer Zeit mit leichter Ironie treffend geschildert.   

Mein Höreindruck: Ein sanftes Hörvergnügen, dem ich gern gefolgt bin und der  ich eine absolute Hörempfehlung mit fünf ***** Sternen gebe!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal der Penguin Random House Verlags Gruppe für die Zusendung der Hörspiel CD !

Montag, 9. August 2021

*Die langen Abende* von Elizabeth Strout - erschienen im btb Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Inhalt/Klappentext: In Crosby, einer kleinen Stadt an der Küste von Maine, ist nicht viel los. Und doch enthalten die Geschichten über das Leben der Menschen dort die ganze Welt. Da ist Olive Kitteridge, pensionierte Lehrerin, die sich auch mit siebzig noch in alles einmischt, so barsch wie eh und je. Da ist Jack Kennison, einst Harvardprofessor, der ihre Nähe sucht. Beide vermissen ihre Kinder, die ihnen fremd geworden sind, woran Olive und Jack selbst nicht gerade unschuldig sind … Ein bewegender Roman, der von Liebe und Verlust erzählt, vom Altern und der Einsamkeit, von Momenten des Glücks und des Staunens.

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Elizabeth Strout wurde 1956 in Portland, Maine, geboren. Für ihren Roman »Mit Blick aufs Meer« bekam sie 2009 den Pulitzerpreis. »Die Unvollkommenheit der Liebe« wurde für den Man Booker Prize 2016 nominiert. »Alles ist möglich« wurde 2018 mit dem Story Prize ausgezeichnet, erhielt ein überwältigendes Presseecho in den USA und stand in allen großen Medien auf den Empfehlungslisten. Die Übersetzungsrechte ihres neuen Romans wurden in bisher 17 Länder verkauft. Elizabeth Strout lebt in Maine und in New York City.

Mein Leseeindruck: Es war mein zweites Buch der berühmten Autorin und all meine hohen Erwartungen, was flüssigen Schreibstil, Feinfühligkeit der Autorin mit einem klugen Blick auf die Gesellschaft und ihre Menschen betreffen, haben  sich wieder voll erfüllt! Die Autorin hat unterschiedliche Mitmenschen einer Kleinstadt in Maine und ihre Lebenswege in einzelnen Kapiteln tolerant und ehrlich beschrieben. Auch unangenehme oder gar abstossende Gedanken sowie Wesenszüge der einzelnen Personen hat sie ohne Wertung erwähnt. Diese Lebensbeichten erfolgen meist in einer Ich-Erzählung. All diese Einzelschicksale sind auf irgendeine Weise mit dem Leben der wichtigen Haupt-Protagonistin und Erzählerin Olive Kitteridge verbunden.


Olive Knitterige hat als ehemalige Lehrerin das Herz auf dem rechten Fleck!  Sie denkt, redet und handelt unkonventionell, lebt ihre eigenen Überzeugungen voll aus. Sie ist alt, vielleicht auch äusserlich nicht mehr hübsch zu nennen. Sie hat nach dem Tod ihres Ehemannes noch einmal gegen den Widerstand ihres Sohnes den ebenfalls älteren Harvard Professor Jack Kennison geheiratet und führt mit ihm ein beschauliches und ruhiges neues Eheleben, indem sie versucht Verletzungen  ihres jetzigen neuen Partners zu vermeiden. Im Nach hinein sieht sie ihr eigenes Verhalten gegenüber ihrem ersten, langjährigen Ehe-Partner eher kritisch und bereut vieles! Sätze , Handlungen, ihr oft unsensibles Verhalten ihm gegenüber.  Natürlich gelingen solche Vorsätze nie vollkommen. Auch das weiss sie inzwischen durch die Weisheit ihres Alters. Es gibt keine Vollkommenheit in sozialen Beziehungen, kein *Richtig* oder *Falsch*, kein *Schwarz* oder *Weiss* .  Das  Leben besteht aus unendlichen vielen Grautönen. Die Toleranz  und Aufmerksamkeit dieser Frau gegenüber ihren Mitmenschen hat mir imponiert und unglaublich gut gefallen. 


Mit dieser absoluten Buchempfehlung einer grossartigen und warmherzigen Autorin wünsche ich Euch ein aufregendes Lesevergnügen in diesen kühlen Sommerwochen!

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese grossartige und bewegende Lektüre!

Danke an die Autorin und den btb Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

Mittwoch, 4. August 2021

*Bergland* von Jarka Kubsova - erschienen im Wunderraum Verlag


 *Werbung, unbezahlt*

ORIGINALAUSGABE

Hardcover, Pappband, 288 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 23 s/w Abbildungen

ISBN: 978-3-442-31618-2

Erschienen am  24. Mai 2021

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Inhalt/Klappentext: Südtirol in den vierziger Jahren: Im abgelegenen Tiefenthal staunen selbst gestandene Bauern, als ihnen eine junge Frau vormacht, wie man einen Hof ganz alleine durchbringt. Rosa heißt die Frau, die die Natur versteht und lenkt, als habe sie nie etwas anderes getan. Mit aller Macht stemmt sie sich gegen den Fortschritt, der ihr kleines Reich in den Bergen bedroht. 

Zwei Generationen später sind Rosas Enkel Hannes und seine Frau Franziska auf Feriengäste angewiesen, um den Hof zu halten. Als nach einem Unglück ihre Zukunft auf dem Spiel steht, erweist sich Rosas Vermächtnis als aktueller denn je.

Jarka Kubsova wurde 1977 in Tschechien geboren, seit 1987 lebt sie in Deutschland. Nach Studium und Volontariat in Hamburg arbeitete sie bei der »Financial Times Deutschland«, beim »Stern« sowie bei der »ZEIT«. Sie ist Ghostwriterin und Co-Autorin mehrerer erfolgreicher Sachbücher. Für ihr Romandebüt »Bergland« lebte sie sieben Monate lang auf einem Bauernhof in Südtirol.

Mein Leseeindruck: Ich muss gestehen: ich liebe dieses Land Südtirol und habe es als Reisende kennengelernt. In den siebziger Jahren empfand ich es als schneesicheres Winter-Wonder-Land - und in heutiger Zeit habe ich die autonome Provinz Alto Adige  im Sommer lieben gelernt. Allein aus diesen Gründen hat mir  der manchmal etwas abwertende Schreibstil der Autorin über den Tourismus und seine unschönen Auswüchse der letzten Jahrzehnte oft nicht zugesagt. Trotzdem muss ich der Autorin  bei vielen Aussagen ihrer Protagonisten*innen beipflichten, denn ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sich rücksichtslose Gäste gegenüber der Natur und den Gastgebern dieses Landes verhalten.  Nun zur fiktiven Geschichte des Buches.

Jarka Kubsova lässt zwei weibliche Protagonisten, Rosa aus  der Vergangenheit  und Franziska, eine junge Frau unserer Zeit, in prägnanten und eindrucksvollen Sätzen und Meinungsschilderungen zu Wort kommen. Franziska, als gut mit einem Biologie Studium ausgebildete taffe junge Frau, verzichtet auf ihre berufliche Karriere und widmet sich ganz der Familie und dem Leben auf dem Innerleithof. Sie versucht es allen recht zu machen, den Ansprüchen von Ehemann und Kindern gerecht zu werden, alte Traditionen zu bewahren, sowie die Zeitströmungen des modernen Tourismus zu berücksichtigen. Sie scheitert leider kläglich mit einem persönlich erschreckendem Burnout. Dieses zur Rolle der Frauen in alter wie in neuer Zeit. Sie tragen oft in unserer Gesellschaft zu viele Lasten, sollen immer stark und perfekt funktionieren. Dieses Frauenschicksal hat auch Rosa, die Bäuerin aus den Vierziger Jahren des letzten Jahrhundert getroffen. 

Und doch zeigt dieses Buch im folgenden letztem Abschnitt wichtige Wege - und Auswege auf, um einem sanften Tourismus den Weg zu ebnen, eine umsichtige neue Landwirtschaftspolitik, der die gastgebenden Menschen  dieser Region nicht ausbrennen lässt sowie den Tourismus in umweltschonende Bahnen lenkt. Alte Traditionen können wieder neu entdeckt  werden. Diese Lektüre gibt dem Leser viel hoffnungsvollen Raum für eigene Überlegungen, um einen Ausweg aus dem Konflikt zwischen Mensch, Natur und Profitgier zu finden. 

Meine Bewertung: Ein absolut lesenswertes Buch, dem ich ganz viele Leser wünsche. Gerade und vielleicht auch im anstehenden Sommerurlaub in den Bergen.   

Herzlichen Dank an die Autorin und den Wunderraum Verlag für dieses gebundene Rezensionsexemplar!



Donnerstag, 22. Juli 2021

*Die Spur der Wölfe* von Francesco Guccini und Loriano Macchiavelli - erschienen im btb Verlag


 *Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Italienischen von Christiane v. Bechtolsheim

Originaltitel: Tempo da elfi

Originalverlag: Giunti

Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-442-71773-6

Erschienen am  12. Juli 2021

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Inhalt/Klappentext: In den dichten Wäldern des Apennins lebt eine Ökokommune von Aussteigern, deren Mitglieder sich selbst »Elben« nennen. Fernab von der Zivilisation haben sie sich in verlassenen Dörfern niedergelassen, leben einfach und ohne Strom vom Tauschhandel und gewähren jedem, der um Obdach bittet, Einlass. Forstinspektor Marco Gherardini beobachtet das Treiben mit Interesse. Eines Tages hallen zwei Schüsse durch den Wald, und am Fuße eines abschüssigen Geländes wird ein Toter gefunden. Es ist ein Elbe. Gherardini beginnt zu ermitteln – in seinem dritten und bisher spannendsten Fall.

Francesco Guccini, Jahrgang 1940, zählt zu den bedeutendsten italienischen Liedermachern. Sein Freund Loriano Macchiavelli ist erfolgreicher Krimiautor. Beide leben im rauen Apennin, den sie in ihren gemeinsamen Büchern so wunderbar beschreiben.

Loriano Macchiavelli ist einer der erfolgreichsten Autoren Italiens. Beide Autoren leben im rauen Apennin, wo auch »Schlechte Saison«, der Auftakt ihrer neuen Krimiserie um Forstinspektor Marco Gherardini, spielt. Mit ihren Kriminalromanen belegen sie in Italien regelmäßig die ersten Plätze der Bestsellerliste.


Meine Meinung: Dieses Autorenduo hat eine interessante Krimireihe geschrieben, die sich in drei Bänden um den jungen  Forstinspektor Marco Gherardini ranken. Der oben vorgestellte Band ist der dritte dieser Reihe, kann aber trotzdem allein ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Das düstere Cover gibt einen passenden  Vorgeschmack auf die Handlungen und geheimnisvollen Ereignisse,  die in den  wilden, verlassenen Bergdörfern des Apennin spielen. Es geht um  Aussteiger aus unserer Konsumgesellschaft,  die in diesem Roman *ELBEN* genannt werden. Diese Namensgebung hat mich etwas verwirrt und ich fand sie absolut nicht passend für diese Verweigerer unserer Gesellschaftsordnung. Der Roman punktet allerdings für mich mit schönen Beschreibungen der wildromantischen Bergwelt und der Arbeit eines Forstinspektors, der mit einem ungeklärten Mord an einem unbekannten jungen Mann konfrontiert wird. Viele Nebenprotagonisten runden diese Beschreibung mit bunten und ungewöhnlichen Charakterdarstellungen ab.

Dieser ungewöhnliche Krimi hat mir einige Stunden Spannung und Ablenkung geschenkt und ich kann ihn dem Genre *Wohlfühl-Buch* zuordnen.

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Krimi mit leichten Schwächen! 


Danke an das Autorenduo und den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!



Mittwoch, 14. Juli 2021

*Die Stille des Meeres* von Donal Ryan - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung,unbezahlt*

Hardcover Leinen

288 Seiten 

erschienen am 26. Mai 2021 

978-3-257-07116-0 

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Inhalt/Klappentext: Farouks Leben ist am Ende, weil er verloren hat, was ihm am meisten bedeutete. Lampys Leben sollte gerade so richtig anfangen, doch dann ließ ihn seine große Liebe Chloé einfach stehen. John hat sein Leben lang andere betrogen und hofft nun verzweifelt auf Gottes Vergebung. In einer kleinen Stadt in Irland werden diese drei Männer sich auf unwahrscheinliche Weise begegnen. Mit fatalen Folgen.

Donal Ryan, geboren 1976 in Nenagh, Tipperary, studierte Bauingenieurwesen und Jura; er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Castletroy, Limerick. Für ›Die Stille des Meeres‹ war auf der Longlist des Man Booker Prize. Auszeichnungen

 From a Low and Quiet Sea auf der Longlist des ›Man Booker Prize‹, 2018

 ›European Union Prize for Literature‹ für die zwölf vielversprechendsten jungen Schriftsteller Europas (als Vertreter von Irland), 2015

 ›Bord Gáis Energy Irish Book Awards‹ in der Kategorie ›Short Story of the Year‹ für A Slanting of the Sun, 2015

 ›Guardian First Book Award‹ für The Spinning Heart, 2013

 ›Irish Book Awards‹ Best Irish Newcomer und Book of the Year für The Spinning Heart, 2012

Mein Leseeindruck:

Gibt es ein Schicksal , ein ausgleichendes vielleicht oder gar ein ungerechtes? Diese Gedanken gingen mir am Ende des Buches laufend durch den Kopf, nachdem ich als Leser*rin die drei roten Fadengeschichten des Autors in meinem Kopf zusammengebracht habe.

 Der Schreibstil des Autors ist einfach nur brillant zu nennen, der Roman liest sich angenehm flüssig und baut auf drei Einzelschicksalen auf. Mit atemberaubender Spannung und  einem Gefühl des Entsetzen und  schrecklicher Traurigkeit für den sensiblen Leser geht es mit der Lebensgeschichte des Arztes und Syrers Farouk los. Es folgen die Erlebnisse des jungen Iren Lampy und des unsympathisch erscheinenden Geschäftsmann und Maklers John, der zu gern Menschen manipuliert und durch seine gierigen Geldgeschäfte steuert. Viele Nebenprotagonisten lockern den Roman auf, irische sogenannte *Originale* , sowie auch naive junge Mädchen. Die Atmosphäre einer irischen Kleinstadt und deren Gesellschaft erschien mir glaubhaft und real. 

Mit phantastischem Geschick und viel Einfühlungsvermögen erzählt Donal Ryan eine Geschichte, wie sie unglaubwürdiger kaum sein kann. Oder doch glaubwürdig? Kann es solche Verflechtungen im realen Leben wirklich geben? Das ist in meinen Augen sehr unwahrscheinlich - doch  in unserer realen Welt ist vieles möglich. Während einer Gedankenreise  in einer fiktiven  Literaturwelt ist jedoch alles möglich und fasziniert die Leser*rin. Donal Ryan hat mich nachdenklich zurückgelassen und ich danke für dieses ungewöhnliche Leseerlebnis. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses un(glaubliche)Buch !

Vielen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!

Dieser Beitrag wurde auch als TOP bei Monerls Linkparty aufgelistet ! 

Monerl's Linkparty für Juli und August 2021

Donnerstag, 1. Juli 2021

*Die Töchter des Nordens* von Sarah Hall - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Sophia Lindsey

Originaltitel: The Carhullan Army

Originalverlag: Faber & Faber

Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-328-60101-2

Erschienen am  13. April 2021

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Inhalt/Klappentext: England, in einer unbestimmten Zukunft: Umweltkatastrophen und Wirtschaftskrisen haben das alte politische System hinweggefegt. Diktatorisch regiert, leben die Menschen in städtischen Zentren, die Einwohnerinnen dürfen nur in Ausnahmefällen Kinder bekommen. Eine junge Frau, die sich »Schwester« nennt, entflieht den Kontrollen und schließt sich einer legendären Gruppe weiblicher Abtrünniger an, die in den Bergen des Lake District eine einsame Farm bewirtschaften. Unter Führung der charismatischen Jackie hat sich die Gemeinschaft immer stärker radikalisiert. Gewalt und militärischer Drill bestimmen inzwischen den Ton. Auch Schwester scheint bereit, Jackies Kampf gegen das verhasste System mitzutragen. Als Jackie den Krieg ausruft, muss sie sich entscheiden… Mitreißend und psychologisch eindrucksvoll schildert Sarah Hall die Kraft weiblicher Rebellion. »Ein prophetischer, futuristischer Roman in der Tradition von H.G. Wells, Margaret Atwood und Will Self« The Independent

Sarah Hall, 1974 in Cumbria geboren, studierte Literatur an der schottischen Universität St. Andrews. Sie hat Romane und Storys veröffentlicht, die mit bedeutenden Preisen und Stipendien ausgezeichnet und von der Kritik bejubelt wurden. Feministische Themen und intensive Naturbeschreibungen verbinden sich in ihrem Werk, das in zwölf Sprachen übersetzt ist, auf überraschende, ungewohnte Weise. Zuletzt erschien 2016 ihr Roman »Bei den Wölfen«. Sarah Hall lebt mit ihrer Familie in Norfolk.

Mein Leseeindruck: Klimaveränderungen,  ein wirtschaftlicher Zusammenbruch und  unfähige, diktatorische Regierungsmassnahmen  machen den Engländern das Leben zur Hölle. Es gibt keine Autos mehr, nur notdürftige Lebensmittellieferungen sowie keine Infrastrukturen, da nur allernötigste Energieressourcen bedient werden können.  Ein Kinderwunsch wird nur einigen wenigen Menschen erlaubt. Eine junge Frau, im ganzen Roman durchgängig *SCHWESTER* genannt, rebelliert gegen dieses unerträgliche Leben, trennt sich von ihrem Ehemann und begibt sich auf eine Flucht in abgelegene Berge. Sie möchte sich einer Community von unabhängigen Frauen anschliessen, von deren Gemeinschaft sie schon in ihrer Kindheit gehört hat. 

Atemlos und mit beunruhigenden Gedanken, dass auch diese Zusammenbrüche einer Gesellschaft unsere nahe Zukunft sein könnte, bin ich der Autorin in ihrem aufregendem Roman gefolgt. Das Buch liest sich spannend, laufend geschehen unerwartete Dinge und nur die wundervoll poetisch  beschriebenen, einsamen Landschaftsbilder gewähren dem Leser etwas Beruhigung und vermitteln herrliche Kopfbilder von Schönheit und Einsamkeit der Natur. 

Die romantischen Vorstellungen über die Frauen-Community wurden *SCHWESTER* schnell genommen. Verzicht auf materielle Annehmlichkeiten, brutale Handlungsweisen innerhalb der Gruppe, sowie Zank und Eifersüchteleien zwischen den Frauen waren die Normalität. Die *Schwester* gerät unter den Einfluss von Jackie, der dominanten Anführerin der Community und verändert sich körperlich und seelisch. Sie wird eine Kämpferin für die Gerechtigkeit und möchte die ungerechten Regierungsstrukturen beeinflussen und das Los der Bevölkerung verbessern. 

 Ob dieses den Frauen teilweise gelingt, wird im letzten Drittel des Buches sehr schnell und oberflächlich abgehandelt, hat mich enttäuscht und mir sogar die Spannung genommen, da alle Handlungen sehr vorhersehbar wurden. Zum Glück, denn das Ende dieser Geschichte einer dystopischen Gesellschaft hat mir auch gar nicht gefallen, da es keine annehmbare Lösung zur Behebung von Missständen anbietet.


Meine Bewertung: DREI *** Sterne für dieses gute Buch, welches ein unbefriedigendes und beklemmendes  Gefühl beim Leser hinterlässt. 


Danke an die Autorin und die Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar ! 

Sonntag, 27. Juni 2021

*Der Wildblütengarten* von Carla Montero - erschienen im Blanvalet Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Spanischen von Alexandra Baisch

Originaltitel: El jardin de las mujeres verelli

Originalverlag: Penguin Random House, Barcelona 2019

Hardcover mit Schutzumschlag, 576 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-7645-0742-8

Erschienen am  29. März 2021

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Inhalt/Klappentext: Auf den Spuren ihrer Urgroßmutter stößt eine junge Frau auf einen prächtigen Garten in Ligurien und auf ein dramatisches Geheimnis aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.


Als die 35-jährige Gianna Verelli vom Tod ihrer geliebten Großmutter Luisa erfährt, ist sie tief erschüttert. Seit dem Tod ihrer Eltern war Luisa wie eine zweite Mutter für sie, und Luisa war es auch, die Giannas Welt mit Geschichten erfüllte. Vor allem über ihre geheimnisumwobene Urgroßmutter Anice, die eines stürmischen Tages im Jahr 1919 in Barcelona gestrandet ist und dort eigenhändig den seither familiengeführten Delikatessenladen eröffnet hat. In den Hinterlassenschaften Luisas stößt Gianna unerwartet auf Anices Tagebuch sowie auf einen alten Schlüssel und beschließt, sich auf die Spuren ihrer mysteriösen Wurzeln zu begeben. Diese führen sie nicht nur zu einem verwunschenen Garten am Rand eines kleinen italienischen Dörfchens, sondern auch zur tragischen Geschichte Anices und der Wahrheit über sich selbst …

Carla Montero (Madrid, 1973) studierte Jura und BWL, doch ihre große Leidenschaft galt schon immer dem Schreiben. Ihr erster Roman Una dama en juego gewann den Preis des Círculo de Lectores, bei dem Leser des spanischen Buchclubs die Jury bilden. Das Mädchen mit den Smaragdaugen wurde in sechs Sprachen übersetzt und war in Spanien einer der bestverkauften Romane des Jahres 2012.


Mein Leseeindruck: Das wunderschön sommerlich und romantisch mit vielen Blumen, einem alten Steinhaus gestaltete Cover, sowie der verwunschen erscheinende Titel haben mich sofort angesprochen und zum Lesen eingeladen. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht. Ein Wohlfühlbuch , aus einer Mischung von Geheimnissen, Liebe und drastischen Ereignissen  aus verschiedenen Generationen lag vor mir. Die Geschichte rund um das Leben von Urgrossmuter Anice war zwar etwas vorhersehbar, doch das hat dem Lesevergnügen in keiner Weise geschadet.  Bei schönstem Wetter konnte ich dieses Abtauchen in eine vergangen Welt in vollen Zügen geniessen. Die Autorin schreibt gefällig, leicht zu erfassen und mit einer erfrischenden Leichtigkeit in Thematik und Gliederung. Sie erzählt in zwei Zeitebenen , einmal aus der heutigen Sicht und  der Suche von Gianna nach ihren Wurzeln in der Familie. Sie entführt den Leser nach Ligurien zu Beginn des 20. Jahrhundert bis hin zu den Ereignissen im 1. Weltkrieg. Mystische Beschreibungen über Pflanzenheilerinnen der damaligen Zeit, ihre Rezepte und Tinkturen würzen die Geschichte. Die wunderbare Landschaft und die italienische Lebens- und Esskultur beleben das Geschehen zusätzlich mit einem ganz besonderen Flair des Landes. Man hat beim Lesen fast den Duft von Rosmarin , Oregano und Basilikum der Mittelmeerländer in der Nase. Gefallen hat mir ausserdem , das die Autorin die Originalausdrücke vieler italienischer und spanischer Rezepte und Redewendungen in ihren Roman eingeschoben hat. 

Die Protagonistin Gianna Verelli vertieft sich in  das wiedergefundene Tagebuch ihrer Urgroßmutter, macht eine Reise nach Italien um sich über eigene Probleme mit ihrem Freund und verheirateten Liebhaber klar zu werden. Sie trifft auf freundliche Dorfbewohner, insbesondere aufgeschlossene junge Frauen aus dem Dorf ihrer Urgrossmutter Castell'Lupo gewinnen ihre Zuneigung und ihr Vertrauen. Gianna öffnet sich den Menschen, der Region und führt letztendlich ihr eigenes Leben wieder in eine neue Richtung.

Das Leben der Ugrossmutter Anice und ihrer Familie deckt Carla Montero in kleinen Tagebuchauszügen langsam für den Leser auf. Bemerkenswert sind ihre Recherchen  und Ausführungen zur italienischen Geschichte der damaligen Zeit. 

Leider wurde dieser Roman etwas abrupt und im Schnellverfahren während der letzten dreissig Seiten beendet. Das steht sehr den zuvor so ausführlich behandelten  Themen entgegen und hat mich ein wenig enttäuscht . 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses angenehme Buch aus dem Genre Wohlfühlbuch/Familien - und Frauenschicksale. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blanvalet Verlag für das wunderbar gestaltete und gebundene Rezensionsexemplar .     


Donnerstag, 24. Juni 2021

*Palmen in Dublin* von Hugo Hamilton - erschienen im Luchterhand Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Henning Ahrens

Originaltitel: Tearful Traveller

Originalverlag: Fourth Estate

Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-630-87301-5

Erschienen am  27. Juli 2020

Inhalt/Klappentext: Ein Wanderer zwischen den Sprachen: Der Icherzähler dieses Romans wuchs mit einer deutschen Mutter und einem irischen Vater auf, der das Englische verteufelte und von den Kindern verlangte, Gälisch zu sprechen. Inzwischen ist der Mann erwachsen, er kehrt mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern nach langer Zeit aus Berlin zurück und möchte in Dublin wieder heimisch werden. Doch Erinnerungen und Zweifel überwältigen ihn, und es fällt ihm schwer, Fuß zu fassen – anders als die Palmen in ihrer Straße, die hier gut gedeihen. Sie werden dem Icherzähler zum Sinnbild für seine eigene Wurzellosigkeit.

Hugo Hamilton wurde 1953 als Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter in Dublin geboren. Er arbeitete zunächst als Journalist, bevor er Kurzgeschichten und Romane veröffentlichte. Als DAAD-Stipendiat lebte und arbeitete er 2001/2002 ein Jahr lang in Berlin. Mit seinen Erinnerungsbänden "Gescheckte Menschen" (dt. 2004) und "Der Matrose im Schrank" (dt. 2006) erregte er auch in Deutschland Aufsehen . 2007 erschien sein Reisetagebuch auf den Spuren Heinrich Bölls "Die redselige Insel" und zuletzt der Roman "Der irische Freund" (dt. 2011). 2004 erhielt er in Paris den "Femina-Preis" für ausländische Literatur. Hugo Hamilton lebt mit seiner Familie in Dublin.

Mein Leseeindruck: Ein Buch welches mich oft beim Lesen innehalten liess, zum Nachdenken angeregt hat und sicher keine leichte Kost ist für den *normalen* Leser*innen. Der Schreibstil ist leise, unauffällig,   und doch sehr interessant verfasst und man begibt sich mit dem Autor auf eine lange autobiografische Reise in geheimste Gedanken, Lebensansichten , bis hin zu intimen  Geständnissen. Der im Buch namenlose Ich-Erzähler wandelt immer wieder durch drei Sprachen im Rückblick durch sein Leben. Der gälische Dialekt vom irischen Vater erlernt,  spielt eine wichtige Rolle, das Deutsch der Mutter ebenso. Die englische Umgangssprache, oft benutzt und nicht sehr gewertschätzt in der Familie, wird vom Protagonisten als Alltagssprache benutzt. 

Der Protagonist arbeitet im Keller  eines Kulturinstituts und erforscht die gälische Sprache, leidet in dieser tristen, ermüdenden Umgebung, entwickelt Angststörungen , Müdigkeit und fühlt sich einfach unwohl. Er gibt diese Arbeit auf, möchte ein eigenes Buch schreiben, eröffnet mit seiner Frau ein Café in Berlin, lebt mit ihr und zwei Töchtern dort und kommt trotzdem nicht zur Ruhe. Er fühlt sich heimatlos, planlos und hat das Gefühl schwankend und ziellos  durch das Leben zu wandeln . 

Das Thema des Buches wird durchgängig von einem Thema geprägt. Wie hängen Migration und Sprache zusammen? Was wird als Heimat , Bodenständigkeit erlebt?  Wo habe ich meine Wurzeln? Der Autor versucht durch sein eigenes Schicksal eine Antwort darauf zu bekommen. Episoden seines Lebensalltags werden reflektiert , bewertet. Doch gelingt ihm das wirklich ? 

Eine Antwort kann und möchte ich nicht geben - ihr müsst sie Euch selbst erlesen mit Geduld und Bedacht - vielleicht auch mit einigen Lesepausen. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für ein Buch, welches mich lange beschäftigt hat. 

Danke an den Autor und den Luchterhand Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

 


Sonntag, 6. Juni 2021

* Die Unbezwingbare* von Katja Kettu - erschienen im Ecco Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

KATJA KETTU

DIE UNBEZWINGBARE

Aus dem Finnischen von Angela Plöger

Roman / Deutsche Erstausgabe

Originaltitel: Rose on poissa,

WSOY, Helsinki 2018

336 Seiten. 12,2 x 18,8 cm

Gebunden mit Lesebändchen

ISBN: 978-3-7530-0001-5

Erschienen  am 23. März 2021

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Inhalt/Klappentext: Jahrzehnte nach dem Verschwinden ihrer Mutter Rose kehrt Lempi in das Reservat in Minnesota zurück, in dem sie aufgewachsen ist. Ihr Vater Ettu hat zum wiederholten Mal Rose bei der Polizei als vermisst gemeldet – dieses Mal berichtet er aber zusätzlich von einem verschwundenen blonden Mädchen. Lempi, halb Finnin, halb Ojibwe, kämpft seit jeher mit dem Konflikt ihrer Identität: Im Reservat gilt sie als zu weiß, außerhalb ist sie nicht weiß genug. Zurück im Reservat sieht sie sich sofort mit den alten Vorurteilen konfrontiert und einer Gesellschaft, die Verbrechen gegen indigene Frauen systematisch totschweigt. Unbeirrt macht sie sich trotzdem daran herauszufinden, was mit dem blonden Mädchen passiert ist, und begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Dabei offenbart sie ein Mosaik ihres Lebens bestehend aus Gewalt und Missbrauch, Spiritualität, Begehren, tief empfundener Liebe und dem Kampf um Emanzipation.

Katja Kettu zählt zu den wichtigsten Autorinnen Finnlands. 1978 in Rovaniemi im Norden des Landes geboren, schloss sie 2001 ihr Studium an der Kunstakademie ab. Ihr literarischer Durchbruch gelang ihr 2011 mit dem mehrfach preisgekrönten Roman Wildauge, der in Finnland wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerliste stand, in 20 Sprachen übersetzt und verfilmt wurde.

Zur Übersetzerin:

Angela Plöger hat in Berlin und Helsinki Finno-Ugristik und Slawistik studiert, in Hamburg promoviert und lebt dort nach einem mehrjährigen Finnlandaufenthalt als freie Übersetzerin. Für die Übertragung von Werken finnischer Autorinnen und Autoren wie Katja Kettu, Sofi Oksanen, Aki Kaurismäki, Leena Lander, Risto Isomäki u. a. ins Deutsche wurde sie mit dem finnischen Staatspreis ausgezeichnet.

Meine Meinung: Ich bin überwältigt. Von der absolut ungewöhnlichen Sprache und Ausdrucksweise der Autorin. Sie erzählt in  wunderschönen Sätzen, die man getrost in eine lyrische Prosa übernehmen könnte. Beim Lesen fällt man manchmal tatsächlich in eine Art Trance und ist gefangen in seinen eigenen Kopfbildern. Die Autorin schreibt sehr ungewöhnlich, oft in Metaphern und es ist keine Lektüre, die man überfliegen kann. Jeder kleine Satz entspricht einem Gedankengang, hat eine Bedeutung. Es ist am Leser herauszubekommen, wohin sie mit diesen Gedanken springt. Zu unterschiedlichen Personen, Zeiten und Ereignissen. Doch je länger man sich in dieses Buch vertieft, desto klarer wird das Romangeschehen. 

 Ich bin überwältigt und geschockt vom Thema , welches in Nordamerika totgeschwiegen und ignoriert wurde und auch weiterhin wird. Die Verfolgung, Vernichtung indigener Kultur und Ihrer Menschen. Die Herabsetzung und Missachtung der Menschenrechte für diese Bevölkerungsgruppe, verinnerlicht und automatisiert von behördlichen Institutionen, wie staatlich und religiös geführten Internaten und Kinderheimen. Es ist nicht nur deren Brutalität, die sie schonungslos darstellt. Es sind auch die Verletzungen, körperlicher und seelischer Art der jungen indigenen Menschen. All das  wird dem Leser klar und ehrlich vermittelt. Wir treffen auf finnische Einwanderer,  die ihre Kultur und Bräuche aus der Heimat einbringen in die alten indigenen Welt - und Wertvorstellungen . All das vermischt sich zu einer bunten und doch unterschiedlichen Aussage aus beiden Bevölkerungsgruppen. 

Die vermisste indigene  Protagonistin Rose, ihr finnischer Ehemann und deren gemeinsame Tochter Lempi führen den Leser in ein Indianerreservat. Lebensbedingungen und alte Stammesbräuche, die der Neuzeit angepasst wurden, erzeugen  wilde und bunte Eindrücke, sprechen eine melancholische, hoffnungslose und doch starke, den alten Stammesbräuchen verbundene Ausdrucksweise. Ich möchte gar nicht näher auf die Handlung eingehen, der Klappentext des Buches verrät in meinen Augen schon genug.

 *Die Unbezwingbare* ist ein starkes  und wichtiges Buch, nimmt Themen auf, die gern totgeschwiegen werden und rüttelt unser Gewissen auf. Danke Katja Kettu für das Aufgreifen  dieser erhellenden Lektüre über ein brisantes Thema.  Mein Dank geht auch an den Ecco Verlag für dieses so aktuelle Buch. 

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch!


Mittwoch, 2. Juni 2021

*Klara und die Sonne* von Kazuo Ishiguro - erschienen im Blessing Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Englischen von Barbara Schaden

Originaltitel: Klara and the Sun

Hardcover mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-89667-693-1

Erschienen am  15. März 2021

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Inhalt/Klappentext: Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.


Meine Meinung: Der bekannte Autor hat sich in diesem Buch einem aktuellem Thema gewidmet, nämlich der Frage *Was macht eine Künstliche Intelligenz , im Roman  eine *künstliche Freundin* kurz *KF* genannt aus? 


Ich fand es sehr interessant und in keiner Weise langweilig , obwohl der Autor die *KF*  Klara in einer einfachen, manchmal recht naiven Ich-Erzählung sprechen lässt. Eigentlich passiert während der über dreihundert Seiten nicht sehr viel. Die Geschichte spielt in einer nahen fiktionalen , in einer nach merkwürdigen Normen geregelten Welt, in der die Menschen streng nach Leistung und Gesellschaftsstand beurteilt werden. Mit befremdlichen Worten und  Ausdrücken wie *gehoben* wird zum Beispiel die obere Bildunsgsklasse bezeichnet.  Mir erschienen die *KF'S*, insbesondere Klara menschlicher und positiver dargestellt  als die echten Mitglieder dieser unheimlichen Gesellschaft, die mit massiven  Umweltproblemen zu kämpfen hat. Die technische Seite oder/und die Entstehung  einer *KF* wird  im Buch vollkommen ausser Acht gelassen.

 Klara, die *KF* beobachtet die Menschen, ihr für sie oft nicht nachvollziehbares Verhalten, welches von ihr unbekannten Emotionen und Handlungen geprägt wird. Klara scheint aber ein besonderer Typ von einer *künstlichen Intelligenz* zu sein, denn sie lernt ausserordentlich schnell und hat selber leichte Emotionen und vermittelt sie sogar ihren zugehörigen Menschen. Sie begleitet die Jugendliche Josie während einer schweren Erkrankung und entwickelt  eigene Taktiken um dem Kind zu helfen. Dieses Helfen und die Fürsorge für Josie hat für Klara oberste Priorität in ihrem Verhalten. Klara ist eine Protagonistin, die man einfach liebgewinnen kann. So ergeht es auch vielen Menschen in diesem Roman. Allen voran Josie und ihrem Freund Rick, sowie Josie's Mutter, die allerdings ein für mich unheimlich erscheinendes Vorhaben plant......

Meine Bewertung : Fünf ***** Sterne für diese interessante Lektüre. 


Danke für das Rezensionsexemplar !

Donnerstag, 27. Mai 2021

*Botschaften an mich selbst* von Emilie Pine - erschienen im btb Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Erscheinungstermin: 08. März 2021

Inhalt/Klappentext: Ein radikal aufrichtiges Debüt. Der Nummer-1-Bestseller aus Irland: Emilie Pine spricht wie niemand sonst darüber, was es heißt, im 21. Jahrhundert eine Frau zu sein. Es ist das Buch einer ganzen Generation. Ein Buch über Geburt und Tod, sexuelle Gewalt und Gewalt gegen sich selbst, weiblichen Schmerz, Trauer und Infertilität. Es ist ein Buch über den alkoholkranken Vater, über Tabus des weiblichen Körpers. Und es ist trotz allem ein Buch über Freude, Befriedigung und Glück – unbändig, mutig, und absolut außergewöhnlich erzählt.

Emilie Pine ist Associated Professor für Modernes Drama an der School of English, Drama and Film am University College Dublin. Ihre zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden vielfach ausgezeichnet. »Botschaften an mich selbst« ist ihre erste Sammlung persönlicher Essays, die international euphorisch gefeiert und unter anderem mit dem »Irish Book of the Year«-Award ausgezeichnet wurden.

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Meine Meinung: 

Unglaublich ehrlich und fesselnd erzählt die Autorin autobiografisch über ihre Erlebnisse als Kind und Jugendliche sowie über das Erleben ihrer Weiblichkeit in der heutigen Zeit als Frau und Erwachsene.  Ihr Schreibstil ist aussergewöhnlich kritisch sich selbst gegenüber, treffend pusht er die Gefühle der Leser*innen und  ist doch leicht zu verstehen .  Die Autorin lebt jetzt als Professorin in Dublin und unterrichtet dort an der School of English , Drama und Film am University College Dublin. 

In sechs Essays schreibt sie nach folgenden Themen gegliedert, die da heissen:

Über Unmässigkeit

Aus den Babyjahren

Reden/Nicht reden

Über das Bluten und andere Verbrechen

Etwas über mich

Das steht nicht im Lehrplan

Im ersten Essay geht es sofort  schockierend los mit folgendem Satz Zitat Seite 9 " Als wir ihn finden, liegt er schon seit Stunden in seinem Kot". Emilie Pine berichtet über die jahrzehntelange Alkohol Abhängigkeit des unsteten Vaters, die Leiden und Verletzungen der Kinder, (Emilie hat noch eine Schwester), die durch diese Krankheit entstehen. Trotz all dieser Umstände wird sie sich der  immer währenden Liebe zu ihrem Vater bewusst, fliegt spontan mit ihrer Schwester von Dublin nach Korfu ins Krankenhaus zu ihm, denn der Vater, ein Schriftsteller, lebt schon Jahre in Griechenland. Er hat sich von der Familie getrennt als Emilie fünf Jahre alt war.  Die Zustände im Krankenhaus sind für Patienten und Pflegepersonal katastrophal.  Der Vater leidet an einer lebensgefährlichen schweren Lebererkrankung, hervorgerufen durch den übermässigen Alkoholkonsum. Eine geplatzte Ader in der Speiseröhre bedroht zusätzlich sein Leben.

In den nächsten beiden Essays beschäftigt sich die Autorin ausführlich mit den Kinderjahren und ihren wilden Jugendjahren. Mit ihren ganz persönlichen Ausbrüchen aus Konvention und Gesellschaft. Kein Tabuthema wird von ihr ausgelassen und die allgemeingültige Schamgrenze wird  schnell erreicht. Essstörungen, Drogen, Alkoholexzesse und wahllose sexuelle Kontakte bestimmen ihr Leben.  Armut und das zweitweise Leben auf der Strasse als junges Mädchen sind ihr nicht unbekannt.  Sie lehnt ihren Körper und sich selbst ab, leidet an Depressionen und Vereinsamung. Die Beziehung zur Mutter ist quälend schwierig. 

Ehe-Probleme durch einen unerfüllten Kinderwunsch steigern sich und werden in den letzten beiden Artikeln zum hochbrisanten Thema für Emilie Pine. Sie schätzt sich  und besonders  weibliche Verhaltensmerkmale wie Empathie und Feinfühligkeit nicht und fühlt sich laufend minderwertig. Sie stürzt sich besessen, ehrgeizig und geradlinig in ihr Berufsleben. Ein Abgleiten in ein Burnout sind die Folgen. 
Und doch hat sie es geschafft im Berufsleben Anerkennung und Wertschätzung zu finden. 
Ein ausserordentliches Buch über die Lebensbeichte einer ausserordentlichen Frau,  welches betroffen macht und gleichzeitig Bewunderung beim Leser auslöst. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne.

Meine Dank geht an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar !




 

Donnerstag, 20. Mai 2021

*Das Café der weisen Katzen* von Anna Sólyom - erschienen im Heyne Verlag

 

*Werbung , unbezahlt*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Spanischen von Anja Rüdiger

Originaltitel: Neko Café

Originalverlag: Enciclopèdia

Taschenbuch, Pappband, 160 Seiten, 11,8 x 18,7 cm, 8 s/w Abbildungen

ISBN: 978-3-453-42529-3

Erschienen am  10. Mai 2021

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Inhalt/Klappentext: Ein neuer Job, sieben weise Katzen - und das ganz große Glück


Mit gerade mal Anfang vierzig haben sich bereits sämtliche Träume Nagores in Luft aufgelöst: die Ehe zerbrochen, die Künstlerkarriere kurz vor dem Aus und auf dem Bankkonto herrscht gähnende Leere. Als ihr eine Freundin einen Job als Kellnerin in einem Katzencafé vermittelt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihn anzunehmen – obwohl Nagore nicht gerade eine Katzenliebhaberin ist. Doch zu ihrer großen Überraschung dauert es nicht lange, und sie freundet sich nicht nur mit Yumi, der Besitzerin des Cafés, an, sondern auch mit den sieben Katzen. Und als eines Tages der attraktive Marc im Café auftaucht, wird Nagore plötzlich klar: Man braucht nicht sieben Leben, um glücklich zu werden – eines genügt völlig!

Anna Sólyom wurde in Budapest geboren und hat einen Abschluss in Philosophie. Im Jahr 2012 zog sie nach Barcelona, wo sie seitdem lebt. Neben dem Schreiben arbeitet sie als Therapeutin, und ihre Leidenschaft ist es, anderen dabei zu helfen, ihr Gleichgewicht und ihre innere Stärke zu entdecken. Zudem arbeitet sie für eine Fachzeitschrift und hat bereits ein Sachbuch veröffentlicht, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde. »Das Café der weisen Katzen« ist ihr erster Roman.

Meine Meinung: Dieses hübsch illustrierte Büchlein von nur einhundertundsechzig Seiten hat mir einen gemütlichen und gut ablenkenden Nachmittag geschenkt! Für Katzenliebhaber*innen und Menschen, die es werden möchten, ein absolutes MUSS ! 

Nagore hat schwer zu tragen an ihrem Umzug von London nach Barcelona. Ihre Ehe wurde geschieden, die neue Stadt ist ihr völlig fremd und vor allem steht sie mittellos da. In der Mitte ihres Lebens angekommen , mag sie niemanden um Hilfe bitten. Plötzlich bekommt sie die Gelegenheit in einem Café der ganz besonderen Art auszuhelfen und hofft damit ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Sieben Katzen sind die Bewohner des kleinen Treffpunktes und warten dort brav auf die Vermittlung in ein neues Zuhause. Menschen werden dort nur zur Kontaktaufnahme zu den Tieren geduldet, dürfen einen Kaffee schlürfen, mit den Tieren spielen und sie kennenlernen - wenn die Katzen es dulden und akzeptieren . 

Der leichte und angenehme Schreibstil  der jungen Autorin macht es sehr leicht dieser Geschichte zu folgen. Sie vermittelt viele Lebensweisheiten und einiges über den  praktischen Umgang mit diesen possierlichen, stolzen  und eigensinnigen Tierlein. Philosophische Denkansätze, die auch auf Charakter Eigenschaften dieser Tiere passen, würzen den gesamten Text und machen das Buch zu einem schönen und entspanntem  Leseerlebnis.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses Wohlfühl Buch!


Mein Dank geht an die Autorin und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar.

Dienstag, 18. Mai 2021

*Der silberne Elefant* von Jemma Wayne - erschienen im Eisele Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen  am 15. März 2021

Inhalt/Klappentext: Als Einzige ihrer Dorfgemeinschaft überlebte die junge Emilienne den Bürgerkrieg in Ruanda. In London versucht sie unter dem Namen Emily ein neues Leben zu beginnen und die allgegenwärtigen Erinnerungen an die grausamen Erlebnisse zu verdrängen. Vera, eine junge Londonerin, deren früheres Leben von Drogenexzessen geprägt wurde, hat gerade zum Christentum gefunden und möchte ein guter und moralischer Mensch sein. Geplagt von Schuldgefühlen, schafft sie es nicht, ihrem Verlobten Luke vom größten Fehler ihres Lebens zu erzählen. Auch die fortschreitende Krebserkrankung von Lukes Mutter Lynn wird zur Belastungsprobe für das junge Paar. Während die End-Fünfzigerin immer mehr auf die Hilfe anderer angewiesen ist, rechnet sie schonungslos mit den verpassten Chancen ihres Lebens ab. Erst als die Schicksale der drei Frauen sich eines Winters kreuzen, bewegt sich etwas in ihnen und sie nehmen nach und nach den Kampf gegen ihre Dämonen auf.

JEMMA WAYNE arbeitet als freie Journalistin, Theater- und Romanautorin. Ihr Debüt Der silberne Elefant schaffte es auf die Shortlist des Waverton Good Read Awards und auf die Longlist des Bailey’s Women’s Prize for Fiction sowie des Guardian‘s Not the Booker Prize. Die Idee zum Roman kam Jemma Wayne bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung für Überlebende des Völkermords in Ruanda, bei der sie zum ersten Mal mit Zeitzeugen über die verheerenden Gewalttaten des Krieges sprach. Jemma Wayne lebt mit ihrer Familie im Norden Londons.

Meine Meinung: Drei unglaublich interessante Frauen und ihre Lebensgeschichten werden von der Autorin in diesem  Roman vorgestellt und  ihre Schicksale unverhofft miteinander verbunden. Sie sind sehr unterschiedlich in ihrer Vita und die Autorin hat ihre Einzelschicksale behutsam und mitfühlend dargestellt. Jemma Wayne's  Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen und man hat sofort die passenden Bilder im Kopf. 

Am eindrucksvollsten, sehr berührend, aber auch total schockierend empfand ich die brutalen  Schilderungen aus der Vergangenheit der jungen Emilienne aus Ruanda. Die damals dreizehnjährige Emilienne lebte dort glücklich mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden in einem kleinen Dorf. Sie hat als einzige ihrer Familie den  schrecklichen Genozid in Ruanda während der 90er Jahre zwischen den Volksgemeinschaften der Hutus und Tutsis überlebt. Sie ist schwer traumatisiert, lebt nun schon jahrelang in London und kann sich allein nicht von den Gewaltbildern in ihrem Kopf lösen.  Im Grunde würde diese Lebensgeschichte allein ausreichen , um ein ganzes Buch damit zu füllen. Emily, wie sie in London genannt wird trifft auf die krebskranke Lynn, die eine Art Mutterersatz für sie darstellt und ihr mit mitfühlender Hilfestellung die Hand reicht, um Emily bei der Verarbeitung der grausamen Erinnerungen zu helfen.  

Lynn eine begabte Malerin hat  zugunsten für die Erziehung  ihrer beiden Söhne  Luke und  John, sowie für den Ehemann auf ihre berufliche Karriere verzichtet, hadert aber jetzt am Ende ihres Lebens mit dieser Entscheidung. Vor allem das Heiratsvorhaben  des religiösen Luke mit der in ihren Augen unscheinbaren Vera bereitet ihr Unbehagen und Kummer. Und schon sind wir bei der dritten  jungen Londoner Frau namens Vera. Sie muss mit einer schweren Last aus ihrer drogenbehafteten Vergangenheit leben und sucht Trost durch den Glauben und die Kirche, sowie bei ihrem Verlobten Luke.   

Der Roman streift in seiner ganzen Thematik viele Frauenthemen wie die Rolle der Frau in ihrer Weiblichkeit, ihr Bedürfnis nach beruflicher Selbstverwirklichung, Vertrauen in sich und ihre persönlichen Fähigkeiten und der gleichzeitige Wunsch nach einem harmonischen Familienleben, der vor einigen Jahrzehnten nicht leicht zu erfüllen war. Es geht auch um Liebe und Freundschaft,  die Fähigkeit sich den nächststehenden Menschen,  ( auch neu kennen zulernenden Mitmenschen), mit  allen Stärken und Schwächen vertrauensvoll zu öffnen. Verständnis und Verzeihung aufzubringen  für angetanes Leid und/oder Unrecht. Teilweise war es eine dramatische und fesselnde Lektüre , die mit viel  berührender Zartheit und starken Emotionen an den Leser herangetragen wurde. 

Nur mit der Kaminfigur des *silbernen Elefanten* hatte ich einige Schwierigkeiten. In meinen Augen war er für diese Geschichte ein wenig überflüssig und zu unbedeutend. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Roman!


Danke an die Autorin und den Eisele Verlag für das  gebundene Rezensionsexemplar !


Dienstag, 4. Mai 2021

*Die Beichte einer Nacht* erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Hardcover Leinen

288 Seiten 

erschienen am 28. April 2021 

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Niederlande, Anfang des 20. Jahrhunderts: Heleen wächst auf dem Land in einer armen protestantischen Arbeiterfamilie auf. Doch angetrieben von ihrem Wunsch nach einem Leben voller Schönheit lässt sie sich von nichts aufhalten. Sie geht in die Stadt und erreicht alles, was sich eine Frau ihrer Zeit erträumen kann; trotzdem stellt sich das ersehnte Glücksgefühl nicht ein. Zu klein ist das eigene Selbstvertrauen, zu groß die Angst vor dem Kontrollverlust. Als sich dazu noch Eifersuchtsgefühle gesellen, verstrickt sich Heleen zusehends in ihrer Gedankenwelt, die sie schließlich zu einer verheerenden Tat treibt.

Ein Roman, der seiner Zeit voraus war. Eine Geschichte über weibliche Identität, Selbstbestimmung und das Streben nach dem, was sich Glück nennt. Eine Lebensgeschichte, die auch aus heutiger Sicht nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Marianne Philips, geboren 1886 in Amsterdam, war Politikerin, Schriftstellerin und Mutter von drei Kindern. Für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wurde sie 1919 als eine der ersten Frauen zum Ratsmitglied der Niederlande gewählt. Sie schrieb fünf Romane und einige Novellen. Ab 1940 war ihr das Publizieren als Jüdin untersagt. Sie überlebte den Krieg, war aber krankheitshalber bis zu ihrem Lebensende (1951) ans Bett gefesselt.

Meine Meinung: Der Roman wurde von der Autorin vor ca. neunzig Jahren verfasst und hat von seiner zeitlosen Aussage,  sehr passend  auch für unser heutiges ERLEBEN, nichts verloren. Marianne Philips hat viele autobiografische Erfahrungen und Erlebnisse in ihr Buch einfliessen lassen und wohl so persönlich verarbeitet. Mit ihren klaren und oft auch zarten Aussagen vermag sie den Leser vom Beginn bis zum Ende des Buches zu fesseln. Der Roman liest sich interessant , spannend und  ist in einem erzählenden Monolog verfasst. Die in einer Nervenheilanstalt lebende Protagonistin Heleen erzählt nachts, am Ende ihres Lebens, einer still zuhörenden Nachtschwester von ihren Gedanken und Erlebnissen. 

Zitat Seite 29: "Jetzt, da ich an die  vielen versunkenen Jahre denke, ist diese halbe Stunde noch ganz da, sie ist wahrscheinlich das Herrlichste, was ich je erlebt habe. Ich sah,  dass die Bäume regungslos verharrten, weil sie innerlich leise lachten, aber ich wusste dass sie mir nachschauten. Die Wolken zogen ganz ruhig vor mir her, um den Weg zu weisen, und der Sommerwind blies so sanft in meinen Nacken, als würde er atmend hinter mir hergehen, ich weiss noch gut, wie lau die Luft war."

Obiges Zitat erzählt die Gefühlslage der jungen ca. 10 jährigen Heleen, die auf ihren Spazierwegen träumend der grässlichen Lebensrealität ihres Familienlebens zu entgehen versucht. Als ältestes Kind von neun Geschwistern wird ihr von der überforderten und gleichgültigen Mutter zu viel Verantwortung für die Familienorganisation aufgebürdet. Zusätzlich verachtet und gehasst vom behinderten Vater, der einen schweren Arbeitsunfall erlitt, hatte sie es sehr schwer sich behütet, geliebt  und geborgen zu fühlen. Doch sie entwickelt im Lauf ihres Lebens eine unbändige Energie den Umständen eines ärmlichen Daseins zu entkommen. Durch eine unglückliche und herzlose Partnerwahl durchläuft sie eine ungeliebte und emotionslose Ehe, erfährt allerdings materielle Befriedung und gesellschaftlichen Aufstieg. Mit ihrer eigenen Familie hat sie gebrochen und abgeschlossen, nur mit ihrer jüngsten Schwester Leentje, um die sie sich nach dem Tod der Eltern kümmert, verbindet sie unauslöschlich eine enge Beziehung zur Vergangenheit.

Plötzlich begegnet Heleen Hannes, einem dynamischen Sportlehrer,  der Liebe ihres Lebens und erfährt durch ihn zum  ersten mal eine beglückende Beziehung. Ja sogar ein idyllisches Familienleben zusammen mit ihrem neuen Ehemann Hannes und der  viel jüngeren und liebenswerten  Schwester Leentje. Doch kann  Heleen  dieses kleine Glück  bewahren?  Sie scheitert immer öfter an ihren eigenen überzogenen, äusseren Ansprüchen an sich und  in ihrem kleinen Lebenskreis.

Mein Leseeindruck: Ein bemerkenswertes, emotional verfasstes und absolut lesenswertes Buch über ein tragisch verlaufendes Frauenschicksal!

FÜNF ***** Sterne!  

Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar!