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Mittwoch, 20. Mai 2026

*Moonfleet* von John Meade Falkner - erschienen im Unionsverlag

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*
 

INHALT/KLAPPENTEXT:

Der Waisenjunge John Trenchard wächst in einem Schmugglernest namens Moonfleet auf. Die Leute im Dorf erzählen sich, der Kirchhof werde vom Geist des berüchtigten Colonel Mohune heimgesucht, der dort vor seinem Tod einen Schatz versteckt hat. Durch einen Zufall entdeckt John die Familiengruft der Mohunes, die auch Schmugglern als Versteck dient. Im Sarg des Colonels findet er ein Amulett mit einem rätselhaften Pergament, von dem er sich Aufschluss über den Verbleib des Schatzes erhofft. Zusammen mit Elzevir Block, dem Anführer der Schmugglerbande, macht er sich auf, den Schatz zu heben. Aber ihr tollkühner Plan birgt manche Gefahr, und mehr als einmal setzen die beiden ihr Leben aufs Spiel.

Einer der berühmtesten Abenteuerromane der Literaturgeschichte, in neuer Übersetzung zu entdecken. 

Autor: John Meade Falkner (1858–1932), geboren in der Grafschaft Wiltshire, war Autor, Antiquar und Unternehmer. Nach dem Studium in Oxford arbeitete er zunächst als Lehrer, unternahm ausgedehnte Reisen durch Europa und fand anschließend Anstellung als Privatlehrer im Hause eines Waffenfabrikanten. Später trat er in dessen Unternehmen ein und leitete es von 1915 bis 1926. Anschließend wurde er Honorarprofessor für Paläografie. Falkner veröffentlichte drei Romane, mehrere Reiseführer und eine Geschichte der Grafschaft Oxfordshire.

Übersetzer: Michael Kleeberg, geboren 1959 in Stuttgart, studierte Politische Wissenschaften und Geschichte. Nach Aufenthalten in Rom und Amsterdam lebte er von 1986 bis 1999 in Paris. Heute arbeitet er als freier Schriftsteller und Übersetzer u. a. der Werke von Marcel Proust, John Dos Passos, Graham Greene und Paul Bowles. Für sein literarisches Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, etwa 2008 als Mainzer Stadtschreiber und 2016 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung für sein Gesamtwerk.

Verlagslink   


Meine Meinung zum Buch: 

Der Autor entführt uns ins 18. Jahrhundert an die malerische Südküste Englands. Kleine Dörfer und versteckte Höhlen an einsamen Sandstränden boten damals den Schmugglern ausreichend Unterschlupf, um ihre kostbaren Genusswaren wie Alkohol, Tee und Tabak heimlich bei Nacht über das Meer und an den Steuerbehörden vorbei an Land zu schaffen.

In dem kleinen Dorf Moonfleet lebt der Waisenjunge John Trenchard bei seiner strengen Tante. Er ist ein unternehmungslustiger und neugieriger Junge, der gerne im Dorf, auf dem Friedhof und an der Meeresküste umherstreift und nach vermeintlichen Abenteuern Ausschau hält. Zufällig beobachtet er Schmuggler bei ihren Touren und gerät dabei auf einem unheimlichen alten Friedhof in Lebensgefahr. Der Schankwirt des Dorfes, Elzevir Block, rettet ihm das Leben und kümmert sich fortan um den Jungen. In der jahrhundertealten Schänke hört der junge John von den Seeleuten so manche alte Legende, wie auch die Geschichte eines verschwundenen alten Schatzes. Es soll ein strahlender Diamant sein, der allerdings von einem Fluch belegt sein soll, für den der vor hundert Jahren verstorbene Colonel Mohune verantwortlich gemacht wird.

Falkner lässt in seinem Roman den jungen John in der Ich-Form von seinen Gedanken und Abenteuern erzählen, die er mit seinem väterlichen Freund und Beschützer Elzevir Block erlebt. Um nicht zu spoilern, möchte ich diese vielfältigen Erlebnisse und die Suche nach dem Schatz nicht näher erwähnen, aber sie enthalten alles, was man sich aus dem Genre des klassischen Abenteuerromans nur wünschen kann. Das Buch liest sich geschmeidig und spannend und fesselt durch die neue Übersetzung, die Michael Kleeberg unserem heutigen Sprachverständnis angepasst hat. Es ist fast ein „Coming-of-Age“-Roman vor einem historischen Hintergrund. Das Buch ist für jedes Lesealter geeignet (ab 15 Jahren). Der Roman erzählt mitreißend und empathisch zusätzlich die persönliche Entwicklung des Jungen John Trenchard über Jahre hinweg zum erwachsenen Mann.

Eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** STERNEN.

Herzlichen Dank an das Team des Union Verlags für die Zusendung des Rezensionsexemplar.

 

Dienstag, 1. Oktober 2024

*Die Herrin der Vögel* von Bachtyar Ali - erschienen im Unions Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Eine märchenhafte Suche nach Liebe, Heimat und Hoffnung.

Inhalt/Klappentext: 

Stunde um Stunde verbringt die junge Sausan in der Bibliothek ihres Vaters. Wegen ihrer Gesundheit zu einem Leben am immer selben Ort verdammt, entdeckt sie die Vielfalt der Welt durch ihre Bücher: Sie liest von fernen Städten und alten Völkern, von Meerestieren, Motoren und wundersamen Pflanzen. Sie ist sich gewiss: Sollte sie je heiraten, dann einen Mann mit weltoffenem Geist, der die Liebe zu Geschichten im Herzen trägt.

Als gleich drei Verehrer um ihre Hand anhalten, stellt sie ihnen eine Aufgabe: Acht Jahre lang sollen sie die Ferne bereisen und ihr nach Ablauf dieser Zeit einhundert Vögel zurückbringen. Dann wird sie ihre Berichte hören, jedem in die Augen schauen und prüfen, ob sie darin den Reichtum dieser Welt erblickt.

Ausführliche Biografie des Autor:

Bachtyar Ali ist der bekannteste zeitgenössische Schriftsteller und Poet des autonomen irakischen Kurdistan. Er wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins, wurde bei Studentenprotesten verletzt und brach sein Geologiestudium ab. Er widmete sich der Poesie und erhielt noch im selben Jahr seinen ersten Preis für sein Gedicht Nishtiman (Heimatland). Sein erster Gedichtband Gunah w Karnaval (Sünde und Karneval) erschien 1992.

Nach dem Aufstand von 1991 und der damit verbundenen teilweisen Autonomie boten sich den Schriftstellern und Intellektuellen in den kurdischen Gebieten bisher ungekannte Artikulationsmöglichkeiten. Bachtyar Ali intensivierte seine eigene schriftstellerische Tätigkeit und widmete sich gleichzeitig der philosophischen Zeitschrift Azadi (Freiheit). Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. In Kurdistan gewann er großes Ansehen durch seine unparteiische Haltung und seine offene Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen in seiner Heimat.

2005 kürte das Bildungsministerium des autonomen irakischen Kurdistan den Roman Die Stadt der weißen Musiker zum besten Buch des Jahres. 2009 erhielt er als Erster den HARDI-Literaturpreis, der zum größten Kulturfestival im kurdischen Teil des Irak gehört. 2014 wurde er mit dem neu eingerichteteten Sherko Bekas-Literaturpreis ausgezeichnet.

Bachtyar Ali lebt seit Mitte der Neunzigerjahre in Deutschland. 2017 wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet, 2023 erhielt er den Hilde-Domin-Preis.


Meine Meinung zum Buch: 

Sausan und Prusche aus Bagdad, die beiden erwachsenen Töchter von Fikrat Guldantschi ziehen mit ihrem Vater während des Krieges in die nördliche, kurdisch geprägte Provinz des Irak. Die wunderschöne, aber kränkliche Sausan zieht sich immer mehr in die riesige Bibliothek ihres Vaters zurück und lebt in ihrer Welt der Bücher und Geschichten. Verwandte und Bekannte empfinden das als sonderbar und können das Mädchen nicht verstehen. Sie bekommt trotz des Befremdens der Stadtbewohner  drei Heiratsanträge und stellt den jungen, bekannten Männern aus der Stadt eine ungewöhnliche Aufgabe. Sie sollen eine Reise in die Ferne von acht Jahren absolvieren und einhundert Vögel mitbringen, von ihren Abenteuern berichten und Sausan schildern wie sie den Reichtümern unserer Welt begegnet sind. Die drei Hochzeitsbewerber sind einmal ein Student, ein Kaufmann und ein stadtbekannter Messerheld.

Schon der blumige Titel des Buches hat mich an viele märchenhafte Bücher erinnert, die mir im Laufe meiner Lebens - Lesezeit begegnet sind. Es war ein poetisches Märchen, doch gleichzeitig auch ein politisches Buch zur hochbrisantem Thematik des Lebensumfeldes der Kurden im Nordirak, Syrien und der Türkei. Diese beiden Genres so geschickt zueinanderzufügen, dass man als Leser gefesselt wird von der Geschichte ,  zeugt von grosser Schreibkunst. Man wird vom Autor aus den poetischen und schönen Vorstellungen und Sätzen geschickt in die dortige Realität des Irak geleitet. Plötzlich befindet sich man inmitten von kriegerischen Auseinandersetzungen , Tod und Gewalt. Ich bin oft aufgeschreckt und hatte sofort eindringliche und anstrengende Bilder aus der gewalttätigen Vergangenheit und Gegenwart im Kopfkino. Der Autor schafft es allerdings auch, die Liebe der Menschen zueinander, ihre Träume, Wünsche und Fantasievorstellungen farbig darzustellen. Die Lektüre regt zum Nachdenken in viele Richtungen an. 

Es war für mich eine Reise in eine völlig fremde und unbekannte Welt . Danke dafür. 

Meine Bewertung: FÜNF *****Sterne für dieses grossartige Buch. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Unionsverlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  



  




Sonntag, 4. März 2018

*Cider mit Rosie* von Laurie Lee, erschienen im Unionsverlag

Dieses Buch entführt mich zur Zeit in eine zauberhafte, vergangene Welt voll wunderschöner Kindheitserinnerungen aus einem abgelegenem Tal in den Cotswolds. Es ist schon 1959 erschienen und wurde neu aufgelegt,  ausgestattet mit wunderbaren , zarten Aquarellen vor jedem Kapitel. Ein praktisches Lesebändchen gehört auch zur wertvollen, mit herrlichen Blumenbildern äusseren Ausstattung im Leineneinband.

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :19.02.2018
  • Aktuelle Ausgabe : 19.02.2018
  • Verlag : Unionsverlag
  • ISBN: 9783293005327
  • Fester Einband 320 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Werbung


Laurie Lee wurde am 26. Juni 1914 in Stroud, Gloucestershire geboren. Er war Dichter, Romancier und Theaterschriftsteller. Bekannt wurde er insbesondere durch seinen 1959 erschienenen Roman ›Cider mit Rosie‹, dem ersten Teil einer autobiografischen Trilogie. Laurie Lee gilt als einer der renommiertesten Schriftsteller Englands. Seine Bücher werden häufig als Lektüre für den Schulunterricht gewählt. Er starb am 13. Mai 1997 in Slad.


Rezension

INHALT/KLAPPENTEXT:
Aus der Sicht eines Kindes erzählt Laurie Lee von seinem weltabgeschiedenen, englischen Dorf, wo er inmitten einer Natur aufwächst, die alles aufbietet, was eine kindliche Fantasie befeuern kann: das blendende Licht des Tages, das die Kinder dazu verführt, sich streunend zu verlieren, die geräuschdurchwirkte Dunkelheit der Nacht, in die man sich besser nicht hinauswagt. Hier hat sich seine energische Mutter mit ihren sieben Kindern niedergelassen. Ihr Mann hat sich nach London abgesetzt und überlässt es dieser ebenso schillernden wie einfachen Frau, die Kinder großzuziehen.
Cider mit Rosie ist eine der schönsten Kindheitserinnerungen in der Literatur des 20. Jahrhunderts. In viele Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt, ist Laurie Lees weltberühmter Roman in einer neuen Übersetzung zu entdecken.
MEINE MEINUNG:
Selten habe ich solch bezaubernde Zeilen aus der Feder eines Autors über sein *inneres Kind*  gelesen.
Ich bin diesen Erinnerungen mit Entzücken gefolgt, sein erstes Alleinsein im Alter von drei Jahren inmitten einer blühenden Wiese voller Insekten, die ihn in Verwunderung und auch Schrecken versetzen. Die geliebten grossen Schwestern finden ihn,  erlösen ihn und trösten mit schmackhaften Gartenbeeren und bringen seine kleine Welt wieder in Ordnung. Das ist nur ein Beispiel von vielen Situationen , die der Autor mit herrlicher Sprachgewalt aus der Sicht eines Kindes ganz intensiv und aufregend schildert. Der kleine Laurie wächst behütet von seinen grossen Schwestern, Brüdern und der etwas chaotischen Mutter auf. Der Autor versetzt den Leser in eine längst vergangene, märchenhafte Dorfwelt nach England , in die Cotswold Landschaft, kurz nach dem ersten Weltkrieg. Die unglaubliche Beschreibung der alleinigen Erziehung  der sieben Kinder von der Mutter, mit Hilfe aller grösseren Geschwister, hat mich mit Bewunderung erfüllt. Der Vater spielt eigentlich nur für das Sehnen der Mutter eine Rolle. Die Kinder vermissen ihn kaum, erziehen sich kreativ, fantasievoll und liebevoll, immer die Mutter unterstützend,  gegenseitig. Diese Neuübersetzung des Buches von Pociao und Walter Hartmann strotzt nur so von wunderbaren Adjektiven und erstaunlichen Situationen und ich wurde von dieser bunten,  und träumenden Kinder- und Gedankenwelt fasziniert angezogen und konnte das Buch nur widerstrebend aus der Hand legen. Die Familie wird erweitert durch das soziale Umfeld des Dorfes, in dem die Kinder frei und doch behütet , beobachtet von älteren Kindern und Erwachsenen, aufwachsen. Das Leben ist einfach, naturverbunden und ohne grossen Einfluss von der Welt ausserhalb des abgeschiedenen Tales. Der kleine Laurie muss viele Entbehrungen ertragen, die für unseren Blickwinkel aus heutiger Sicht  ungewöhnlich und schwierig erscheinen. Aber er ist glücklich und nur das zählt für ihn - auch aus erwachsener Sichtweise. 
Diese Geschichte ist schön und Laurie Lees Erinnerungsvermögen hat ein kleines Wunder hervorgebracht. Ein Kinderleben als wunderbare Reise, spielend leicht und bunt verzaubert, hat er es innig und sensibel geschildert.

Diese aufgezeigte, freie und fröhliche Kinderwelt hat nichts mit dem gesteuerten  Leben unserer Kinder in der heutigen, von digitalen Medien und TV beeinflussten Kinderzeit zu tun und das ist ein ganz wertvolles, zeitloses Geschenk an den Leser. 
Diese wunderschönen Eindrücke eines einstigen Kinderleben möchte man mit Sicherheit mehr als einmal im Leben lesen.

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen Literatur-Klassiker!

Herzlichen Dank an den Unionsverlag aus Zürich für das wunderschön ausgestattete Rezensionsexemplar!