Hier bin ich auch

https://literaturgarten24089182.com
Facebook/ Literaturgarten
Instagram/ Literaturgarten
Pinterest/ Literaturgarten
Twitter/ Angie*Literaturgarten/ @Buchfan

Google+/Angela Busch
Lovelybooks/Angie*

Mittwoch, 14. November 2018

*Sautanz* von Max Stiegl und Tobias Müller, erschienen im Servus Verlag

BUCHDETAILS
ISBN-13 9783710401848
256 Seiten / 21 x 26 cm
Servus

Verlagsinfo , Erscheinungstermin: 11.10.2018
*Werbung*














Rezension

Genuss & Tradition


Der Sautanz gehört zu den alten Brauchtümern, die fast in Vergessenheit geraten sind. Nicht so im burgenländischen Gut Purbach: Dort wird das traditionelle Fest jeden November mit Familie, Freunden und Gästen zelebriert.


Dabei geht es in erster Linie darum, dass die Tiere sowohl zu Lebzeiten als auch vor und nach der Schlachtung mit Respekt behandelt werden. Für den Spitzenkoch Max Stiegl bedeutet das vor allem, dass nichts verschwendet wird – er nutzt deshalb auch die Teile des Schweins, die andere wegwerfen würden. Beim Sautanz wird das Schwein erst geschlachtet und dann gemeinsam von Kopf bis Fuß verarbeitet, verkocht und verkostet.

Max Stiegl hat dafür klassische Rezepte verfeinert und neue Kreationen geschaffen, außerdem zeigt er Rezepte für Mutige, die noch nicht alles probiert haben. So finden sich Gerichte von gesottenem Rüssel in Bier über Blunz-Suppe bis Schweinsfuß-Medaillons. Hobbyköchen wird erklärt, worauf man beim Kauf von Fleisch und Innereien achten muss, wenn gerade kein Sautanz in der Nähe stattfindet, und wie vielfältig einsetzbar Schwein in der Küche ist.

Die Autoren:

Max Stiegl

Max Stiegl, geboren 1980 im slowenischen Koper, war der jüngste Koch der Welt, der einen Michelin-Stern gewinnen konnte. Seit zehn Jahren kocht er im Gut Purbach sehr gerne mit dem, was es in der unmittelbaren Umgebung gibt, am liebsten die sonst eher weniger prominenten Innereien der Tiere, für die er berühmt wurde. Seine Küche ist inzwischen mit mehreren Hauben dekoriert und verbindet regionale, traditionelle Gerichte mit innovativen, außergewöhnlichen Kreationen.

Tobias Müller

Tobias Müller wurde 1983 in Wien geboren und ist Journalist. Er kocht, isst, trinkt und schreibt darüber. Seine Texte sind unter anderem in Falstaff, Guardian und dem Magazin der SZ erschienen. Seine Kolumne Gruß aus der Küche läuft seit beinahe zehn Jahren sehr erfolgreich in der österreichischen Tageszeitung Der Standard. Sautanz ist sein zweites gemeinsames Kochbuch mit Max Stiegl.


Meine Meinung: "Rezepte aus einer Zeit, als Fleisch noch etwas besonderes war".

Dieser  oben aufgeführte Untertitel  des Buches hat mich bei meiner Auswahl der Lektüre zum Rezensionsexemplar besonders angesprochen. 
Fleisch ist etwas besonderes, ebenso wie dieses wunderschön aufgemachte Kochbuch. Auf ca. zweihundertfünfzig Seiten findet der interessierte Hobbykoch  sehr ausgefallene Rezepte, die sicher in der normalen Küche des Durchschnittsbürgers in Vergessenheit geraten sind , oder gar gänzlich unbekannt erscheinen.  Das Verarbeiten und Geniessen von tierischen Fleischprodukten wird heute von vielen Verbrauchern abgelehnt, verteufelt mit dem Blick auf die Massentierhaltung, und dem teilweise vernachlässigten Tierwohl durch  den Erzeuger. 

Ich habe dieses Buch meiner kleinen privaten Leserunde vorgestellt und wir hatten viel Stoff zum Diskutieren. Es war eine entspannte Diskussion mit vielen unterschiedlichen Aspekten des Kochens , Essens und teilweise lustiger Akzeptanz  auf manche Rezepte wie zum Beispiel auf Seite 62 * Hoden Grenobler Art*.  In einem waren wir uns aber alle einig und diese Erkenntnis hat uns wieder zusammengeführt: * Fleisch ist eines der wertvollsten Nahrungsmittel, denn es stammt von einem lebenden Tierwesen, dem wir alle mit Achtung und Dankbarkeit für sein Ableben begegnen sollten. *

In diesem ungewöhnlichem Kochbuch werden Rezepte vorgestellt, die alle Teile des Tieres zur Verarbeitung nutzen und nicht nur Braten, Steaks oder Hackfleischgerichte.  Zu jedem der ausführlichen über 70 beschriebenem Rezepte gibt es passende, geschmackvolle und attraktive Foto der jeweiligen Speise. Innereien werden vorgestellt wie Milzschnitten, Gin-Herz, Hirn mit Ei  oder gebackene Leberknödel.  Ein Rezept für Gebackene Hoden gibt es übrigens auch neben dem Rezept aus Grenoble. Viele Rezepte entstammen der österreichischen Küche und ich war froh über ein gut erklärendes kleines *Österreichisches kulinarisches Wörterbuch* auf den letzten Seiten. 
Sicher sind viele dieser Rezepte aus den Hungers-Nöten  vorheriger Jahrzehnte und /oder Jahrhunderte geboren worden. Das eigene Schlachtfest eines Tieres am Ende des Jahres gehörte selbstverständlich zur Tradition des Selbstversorgers dazu. Kein Teil eines geschlachteten Tieres wurde weggeworfen oder wie es heute üblich ist, zu Tierfutter für andere Tierlebewesen verarbeitet.

Ein vernünftiger Handlungs-Ansatz auch für die heutige Zeit.  Für manche Zutaten muss man allerdings einen sehr guten Draht zu einem privat schlachtenden Metzger haben, denn alle Teile eines Tieres sind meist nicht im normalen Supermarkt zu bekommen. 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Autoren und dem Verlag für die Zusendung dieses aufklärenden und wichtigen Buches über das Verarbeiten und Herstellen tierischer Lebensgenüsse. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE 

    


  



Montag, 12. November 2018

*Die Schwaben-Kinder*, von Elmar Bereuter, erschienen im Piper Verlag

Die Schwabenkinder — Inhalt
Verkauft auf Schwabens Kindermärkten
Die unverschuldet in Not geratene Bauernfamilie Meser schickt ihren Sohn auf den Kindermarkt nach Ravensburg, wo er von einem grausamen Bauern ersteigert wird. Doch schon bald erträgt er das Leben auf dem Hof nicht mehr und läuft davon. Eine abenteuerliche Flucht beginnt. Elmar Bereuter erzählt vom bewegenden Schicksal jener Sklavenkinder, die im 19. Jahrhundert über die Alpen nach Oberschwaben zogen, um dem Hunger zu entkommen.


€ 12,00 [D], € 12,40 [A]
Erschienen am 04.09.2018
400 Seiten, Broschur
EAN 978-3-492-31284-4

*Werbung* Verlagsinfo


Rezension

Autor: Elmar Bereuter 

Biografie

Elmar Bereuter, geboren 1948 in Lingenau als ältestes von vier Kindern einer Bauernfamilie im Bregenzerwald, verbrachte seine Kindheit zwischen Dorfleben, Alpwirtschaft und Internat. Nach einer Karriere als PR-Manager erfolgte mit der Gründung eines Werbeunternehmens der Sprung in die Selbstständigkeit. Mit dem Erscheinen des Romans »Die Schwabenkinder« begann ein neuer Abschnitt als Schriftsteller im Hauptberuf. Auf seinen Bestseller, der den Anstoß zum gleichnamigen Film mit Tobias Moretti gab, folgten die Romane »Hexenhammer«, »Die Lichtfänger«, »Felders Traum« sowie Wanderführer über die »Schwabenkinder-Wege«. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Nähe des Bodensees.


Meine Meinung:

Vierhundert dramatisch beschriebene Seiten mit Schilderungen von Schrecken, Angst, Verunsicherung, Heimweh, Hunger, Schlägen und gröbsten Misshandlungen eines Kindes und seiner unschuldigen Seele habe ich beim Lesen verfolgt und der kleine Kaspanaze aus dem Bregenzer Wald, sowie die anderen Kinder aus Vorarlberg, Südtirol , der Schweiz, haben mir von Herzen leid getan. Ich bin froh, dass diese *Lesereise* nun ein Ende hat.  Dieses Buch ist keine schöne,  friedliche  oder romantische Lektüre des 19.Jahrhundert , sondern rüttelt unser Gewissen auf , alles, aber auch alles was Verantwortlichen  Menschen möglich ist , (auch heute),  für Kinder zu tun, damit kein Kind so schlimm leiden muss!

Und all das ist bei uns in Europa vor gar nicht so langer Zeit  passiert. Der Autor Elmar Bereuter beschreibt in seinem Buch die ärmlichen  und katastrophalen Lebensumstände der dörflichen Bevölkerung des Alpenraumes, des Allgäus, des Schwabenländle in Baden Württemberg, des 19. Jahrhundert in deutlichen und starken Bildern, die sich im Kopf festsetzen . Sein Schreibstil ist gut zu verstehen, wobei er sich auch an Dialektausdrücke und den damals dörflichen Umgangston gehalten hat. So wirkt dieses Buch sehr authentisch.  Kinder wurden als billige Saison-Arbeitskräfte verkauft, vermietet und ausgenutzt. Eine allgemeine Schulpflicht gab es kaum und war nicht verbindlich, viele Menschen waren Analphabeten. Ein Kinderschutzgesetz gab es noch lange nicht.  
Die Lebensumstände und der Hunger waren in vielen Alpentälern und Bergbauernhöfen  so präsent und  dringlich, dass viele Familien die älteren Kinder als Arbeitskräfte während der Sommermonate weggeschickt haben. Im März wurden die Kinder von Führern gesammelt und in langen, beschwerlichen Wanderungen in den Voralpenraum  zur Arbeit auf anderen Höfen und den Kindermarkt begleitet. Dort waren sie nun auf *Gedeih oder Verderb*, ohne Rechte und Fürsorge wildfremden Menschen ausgeliefert. In den Städten Ravensburg,Wangen, Friedrichshafen, Überlingen und vielen Orten im Allgäu gab es regelrechte, öffentliche Kindermärkte. 

Zitat aus den Erklärungen zu den Kindermärkten auf Seite 397: "Im ersten Drittel des 19. Jahrhundert dürften es jährlich über 4000 *Schwabengänger* gewesen sein. " 

Hinweise verschiedener Chronisten beschreiben diese Tradition der Kindermärkte schon bis in das 16. Jahrhundert zurück!    

Es ging oft gut und viele Kinder fanden eine neue Heimat, blieben sogar für immer auf dem neuen Hof, aber das war nicht der Normalfall. Aus dem Erleben und den Schilderungen des kleinen Kaspanaze ersteht eine einfache Welt aus dem Blickwinkel eines unschuldigen Kindes vor dem Leser. Die Grobheit, die den Kleinen entgegengebracht wurde, übertrugen viele Kinder in ihren Alltag. Raufereien und bösartige Streiche , besonders zwischen den  fremden Hüte-Kindern und den Einheimischen  waren an der Tagesordnung.

Vermisst habe ich im Buch ein Glossar, denn viele  bäuerliche Ausdrücke waren mir unbekannt. Die Erklärungen des Autors am Endes des Buch zu dem Phänomen Kinderhandel und seine geschichtlichen Hintergründe empfand ich als sehr aufschlussreich!  

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese aufklärende Lektüre!

Mein Dank geht an den Autor und den Piper Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars !

Mittwoch, 7. November 2018

*KINDER HERZ* DAS LEBEN DER KAROLINA WEISS, ERSCHIENEN IM ECOWIN VERLAG

*WERBUNG*


REZENSION

Der Firnenglanz der Berge und die Tiefe einer Kinderseele

Das Mädchen Karolina wird auf der Alm groß. Sehr früh beginnt sie, ein Tagebuch zu führen. Sie schreibt über die Schönheit der Berge und Seen, über die Mühsal des Bergbauernlebens, die langen Arbeitsstunden, das Spiel mit den Geschwistern. Über Schneestürme mitten im Sommer, über die Gefahren durch herumziehende Räuberbanden. Detailgenau und faktentreu erzählt sie vom Alltag am Berg, von Arbeitsweisen und -gerät, vom Zusammensein mit der Familie, vom Essen und Trinken, von dem intimen Verhältnis zu Tieren. In schelmischem Ton berichtet sie von Gebräuchen und Ritualen, vom Leben eines Mädchens in einer Welt, die so nicht mehr existiert.

Die Autorin der Tagebuchaufzeichnungen:
Karolina Weiss wurde 1893 im salzburgischen Stuhlfelden geboren. Sie wächst in den Sommermonaten auf einer hochgelegenen Alm im Stubachtal und im Winter in der kleinen Gemeinde Stuhlfelden auf. Sie lebt das karge Leben der Bergleute, erfährt die Ungewissheit der Nachkriegsjahre 1919/20 und sieht sich mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Auf ihrem späteren Lebensweg wird sie Hüttenwirtin, Kinderfräulein, wandert nach Holland aus, kehrt schließlich nach Österreich zurück und rekapituliert dort ihre seit früher Kindheit aufgeschriebenen Erinnerungen.


MEINE MEINUNG:  Karolina Weiss ( 1893-1986) hat in ihrem einfachen Leben viel Aufregendes und ein riesiges Stück Zeitgeschichte miterlebt und ihre Erlebnisse - in denen  sie hauptsächlich aus Kindheit und jungen Jahren erzählt, in Tagebuch- Aufzeichnungen, aus rückwirkender Blickweise (1945). 

Zitat Seite 261: " Irgendjemand wird es einmal lesen - vielleicht ein bisschen Freude damit haben und vielleicht auch ein wenig Nutzen daraus ziehen...,lautet die zurückhaltende, offenkundig nicht auf eine grössere Verbreitung der lebensgeschichtlichen Aufzeichnungen ausgerichtete Intention der Schreiberin gleich zu Beginn ihres Manuskripts."

Die Autorin hat ca. 1907 oder früher mit ihren Aufzeichnungen begonnen in kindlich, naiver Schreibweise, geschrieben ähnlich wie *Gesprochen*. Sie hat viele spezielle Dialektausdrücke ihrer österreichischen Heimat eingefügt, die mir nicht geläufig waren. Aus diesem Grund erfreute mich das grosse Glossar am Ende des Buches, welches ich öfter mit fragendem Blick aufschlagen musste. Zum Beispiel der Ausdruck Gleck, eine Gemisch aus Salz und Getreideschrot, fallweise auch gehackten Blättern oder Heublumen, als Beifutter für Rinder. Oder das Wort Fack (Schwein). Man kann diesen Schreibstil der Tagebuch-Erinnerungen auch als urig, lebensnah , amüsant und ausdrucksvoll beschreiben. Ich musste oft lächeln beim Lesen, aber mir wurde auch bewusst in welch hartem, oft brutalem Umfeld der abgeschiedenen Alpentäler, die junge Lina (Karolina) gelebt hat. Schläge gab es oft genug, Kinder hatten noch keine eigenen Rechte, sondern lebten in der Hoffnung auf das baldige Erreichen des *Weges zum Großmenschendasein* . Linas Denken und Innenleben waren mir oftmals sehr fremd, aber man bedenke immer wieder an die Zeit der Anfänge ihrer Aufzeichnungen  (vor dem Beginn des 1. Weltkrieges). Sie hatte sieben Geschwister und ihre Familie führte ein hartes Bergbauern - und Jägerleben! Niemand entrüstete sich in diesem Umfeld über körperliche Züchtigungen oder Kinderarbeit.  Der sexuelle Missbrauch von Kindern war auch damals keine Seltenheit, wurde aber von den Erwachsenen tabuisiert und übergangen. 

Sie wuchs sehr naturverbunden in der Schönheit der Bergwelt auf und diese frühen, prägenden Eindrücke haben ihre Kinderseele sensibilisiert und für das Schöne in ihrer Umwelt geöffnet. In vielen Zeilen und auch volkstümlichen eigenen Dichtungen  kommt diese Liebe zur Heimat und Familie immer wieder in ihren Einträgen zur Geltung. Sie war ein kluges Kind und hat früh von Mutter und Grossmutter gelernt ihre Gedanken und Eindrücke auf dem Papier festzuhalten. Vielleicht wäre sie mit ihrem Talent zum Schreiben und besserer Ausbildung in einer anderen Zeit sogar eine Literatin geworden?

Mit vierzehn Jahren begann für sie der *Ernst des Lebens*.  Eine Station ihrer LEBENS-REISE war die Stellung als Bademeisterin in Innsbruck, die sie mit lustigen Erlebnissen spickt. Auch die fröhlichen Zeiten bei Onkel und Tante gibt sie freudig und munter wieder.  Sie besuchte sogar eine Handelsschule.  Auf jeden Fall ist sie Dank ihrer inneren Stärke und Festigkeit zu einer selbstbewussten und starken Frau herangereift, die in ihrem Leben sogar in Holland war und Südtirol bereist hat als Vertreterin für Maggi Erzeugnisse!!

In dieser Lektüre, basierend auf den Tagebuchaufzeichnungen, sehen wir nur Fragmente ihres Lebens, denn die Orignal-Manuskripte sind sehr viel umfangreicher als in diesem Buch dargestellt werden konnte. 

Das umfangreiche und wichtige Nachwort von Mag Günter Müller ( Institut für Wirtschafts- u. Sozialgeschichte, Universität Wien, Doku Lebensgeschichten) , erzählt noch zusätzlich Tatsachen und interessante Informationen zum Leben der  Karolina Weiss. 

Mein Dank geht an den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplares. 

MEINE BEWERTUNG: FÜNF ***** STERNE für diese sehr interessante Darstellung eines Frauenlebens ihrer Zeit !  

 




Mittwoch, 31. Oktober 2018

*Zurück nach Fascaray* von Annalena McAfee, erschienen im Diogenes Verlag

*Werbung*

REZENSION

Inhalt/Klappentext:

Nach einer schmerzhaften Trennung zieht Mhairi McPhail mit ihrer Tochter von New York nach Fascaray. Auf der abgelegenen schottischen Insel, von der ihre Familie stammt, erwartet sie ein neues Leben – und ein Forschungs­auftrag über den exzentrischen Grigor McWatt, der zu einer Art Natio­naldichter geworden ist. Eine Identitäts- und Spurensuche vor grandioser Landschaft, in der Mhairi über McWatt – und sich selbst – Überraschendes erfährt.

Mehr zum Inhalt
Fascaray – eine abgelegene schottische Insel, deren Natur grandios und deren Einwohner rauhbeinig, humorvoll und liebenswert sind. Annalena McAfees fiktive Insel verkörpert alles, was Schottland ausmacht: seine dramatische Landschaft und ebenso dramatische Geschichte, seine Eigenständigkeit und Eigenwilligkeit. Hier strandet, nachdem ihre langjährige Beziehung in New York Schiffbruch erlitten hat, die Literaturwissenschaftlerin Mhairi McPhail. Nicht nur liegen ihre eigenen Wurzeln in Fascaray, sie schreibt an einer Biographie über den Inseldichter Grigor McWatt, einen Exzentriker, Eigenbrötler und stolzen schottischen Patrioten, der mit dem Text zum Song ›Zurück nach Fascaray‹ weltberühmt geworden ist. Doch während Mhairi und ihre neunjährige Tochter Agnes sich an die Rhythmen des Insellebens gewöhnen, stößt sie bei ihren Nachforschungen auf immer widersprüchlichere Informationen zum »Barden von Fascaray« – und auf ein Geheimnis, das mit einer großen, tragischen Liebe verquickt ist.

Autorin: Annalena McAfee

Annalena McAfee wurde in London als Tochter einer Schottin und eines irischen Vaters aus Glasgow geboren. Sie war Kunst- und Literaturredakteurin bei der ›Financial Times‹ und gründete die Kunst- und Literaturbeilage des ›Guardian‹ und die ›Saturday Review‹, die sie sechs Jahre lang herausgab. ›Zurück nach Fascaray‹ ist nach ›Zeilenkrieg‹ ihr zweiter Roman. McAfee lebt mit ihrem Mann Ian McEwan in der Nähe von London.

Meine Meinung zum Buch:

Das wunderschöne Cover mit dem türkisfarbenen Strand , im typischen Diogenes-Layout gehalten,  hatte mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht und ich hatte nach kurzer Zeit ca. 980 Seiten in  der Hand. Trotzdem war das Format handlich, gut zu lesen, da die Seiten hauchdünn bedruckt waren. 
Nach der Verlagsinfo freute ich mich nun auf die aufregende Zeit auf dieser schottischen Insel. Doch wo lag sie?? Ich fand sie nicht in der realen Welt und auch der exzentrische Autor Grigor McWatt war für mich unauffindbar. Nach vielen Seiten ungestörten Lesegenusses und des Verfolgens der Ausführungen der beiden Hauptprotagonistinnen Mhairi und ihrer Tochter Agnes kam mir ein leiser Verdacht, der mir fast unglaublich erschien. Ich recherchierte - und tatsächlich bewahrheiteten sich meine Gedanken .  Die Insel und der Inselbarde waren eine rein fiktive Erfindung der exzellenten Autorin Annalena McAffe.  Aber das Schottland, welches sie in ihrem intelligent und interessant aufgezogenen Buch vorstellte, war sehr real. Ich schwelgte in herrlichen Landschaftsbeschreibungen, Kochrezepten der schottischen Küche, schottischer Geschichte und Literatur, Pflanzen- und Tierlisten, Berichten über Fauna, Flora, Wetter und schottischen menschlichen Originalen, sowie über Auflistungen von schottischen Ausdrücken , die mich fast verführt hätten, diese Sprache zu erlernen. All das fand sich im sogenannten McWatt-Kompendium, einer Art Tagebuch des fiktiven Gelehrten. 

Die Beziehung von Mhairie zur Tochter Agnes und dem  vielleicht wahren Grund ihres Forschungsaufenthaltes auf der Insel kamen auch nicht zu kurz. Kann die Liebe zur Heimat  tatsächlich so gross sein, dass Mhairie tatsächlich dort für einige Zeit mit der Tochter leben mochte, oder war es eine Flucht aus unglücklichen Lebensumständen?

Ich habe immer wieder gestaunt über die Beharrlichkeit und Überzeugungskraft der Autorin diese fiktiven Ausführungen so verständlich und realistisch zum Leser zu transportieren. Es hat sich gelohnt, diese vielen Seiten zu geniessen und ich werde das Buch sicher öfter in die Hand nehmen um etwas nachlesen.  
Dieses Buch ist ein wahres Juwel und ein *MUSS* für jeden Schottland Liebhaber/rin !  

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für dieses grossartige Werk!

Mein Dank geht an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares!


Dienstag, 30. Oktober 2018

*Die Jahre der Leichtigkeit* von Elizabeth Jane Howard , erschienen bei dtv Deutsche Verlagsgesellschaft

*Werbung*


Wer sich die kommenden dunklen Monate mit einer langen , ausufernden Familiensaga versüssen möchte, sollte nun mit dem ersten Teil dieser fünfteiligen Reihe beginnen. Band zwei dieser Reihe erscheint am 30. November 2018 . Ich bin noch mittendrin im England dieser Zeit, im ersten Band,  und voll begeistert dabei. Infos zur Autorin, die 2014 verstorben ist, nachfolgend:



Lebenslauf von Elizabeth Jane Howard

Wenn Bücher das Leben spiegeln: Es ist nicht leicht, die Romane von Elizabeth Jane Howard auf ein Genre festzulegen. Von Liebesgeschichten bis zu Familiendramen haben sie eines gemeinsam: Sie sind fest verwurzelt im Leben der Autorin und dem England ihrer Zeit. Elizabeth Jane Howard wurde 1923 in London geboren, wo sie später Domestic Sciences und Drama studierte. Sie arbeitete als Model, Schauspielerin und Moderatorin, bis 1951 ihr erster Roman erschien. „The beautiful Visit“ erzählt von einem jungen Mädchen, das den Zwängen des Familienlebens entflieht. Sie erhielt dafür den John Llewellyn Rhys Prize. Der Nachfolgeroman „The Long View“ beschreibt die Chronologie einer Ehe, beginnend mit deren Ende. Howard selbst war dreimal verheiratet, aus ihrer ersten Ehe stammt eine Tochter. 2002 verarbeitete sie all dies in ihrer Autobiografie „Slipstream“. Berühmtheit erlangte Howard erst spät in ihrer Karriere. Die Familiensage „Cazalet Chronicles“, über das Leben von drei Generationen einer gutbürgerlichen englischen Familie in den Jahren 1937 bis 1957, wurde ihr erfolgreichstes Werk. Die Romane sind eng an Howards eigene Familiengeschichte angelehnt sowie an die historischen Veränderungen im England dieser Zeit. Der letzte der fünf Bände erschien 2013 und war damit Howards letzter Roman vor ihrem Tod im Januar 2014.

Klappentext/Inhalt:
Band 1: England, 1937. Zusammen mit ihren Familien kehren die Cazalet- Brüder Hugh, Edward und Rupert wie jeden Sommer in das Haus ihrer Kindheit im Herzen von Sussex zurück. Vor ihnen liegen herrlich lange Ferienwochen. Doch die unbekümmerte Stimmung ist trügerisch: Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten voraus, und auch innerhalb der Familie schwelen Konflikte.



Hier findet ihr eine Leseprobe: https://bic-l.de/9AuT90

Meine Meinung:  Nun bin ich endlich am Ende des ersten Bandes dieser beeindruckenden und warmherzig geschriebenen Familiensaga angekommen. Dieser erste Band von fünf folgenden ist in zwei Teilen von der im Jahr 2014 verstorbenen Autorin verfasst worden und macht den Leser mit den vielen Personen der Familie Cazalet bekannt. Ein ausführlich aufgezeichneter Stammbaum auf den ersten Seiten erleichtert das Zurechtfinden in der grossen Familie ungemein. Englisches Landleben einer hochangesehenen und wohlhabenden Grossfamilie vermittelt dieser Roman mit zeitlich gebundenen Wertvorstellungen aus den damaligen Gesellschaftskreisen. Höflichkeit, Bescheidenheit und das Vermeiden von Kränkungen anderer Menschen stand an erster Stelle im Benimm-Kodex. Über alle Familienmitglieder und ihre Verhaltensweisen und auch Gesundheit wachte die über siebzigjährige Dutchy mit ihrem Ehemann Brig. Ihre drei Söhne, Schwiegertöchter und Enkel verehrten sie unglaublich und die ledige Tochter Rachel hielt es ebenso.

Der Schreibstil liest sich gut und flüssig. Ich bin gebannt den Ausführungen und Vorstellungen , auch der Kinder-Charaktere gefolgt. Es entstanden Bilder von warmen Nachmittagen im duftendem Rosengarten der Dutchy vor Augen, sowie auch Strand - und Badeausflüge zum Meer mit Picknick und spannende Tennismatches innerhalb der bunt gemischten Familie untereinander im Kopf. Die Zeiten der mit allen Familienmitgliederns einzunehmenden Mahlzeiten wurden streng eingehalten , sowie auch Ruhezeiten nach dem Mittag für alle. Alle Eigenheiten der erwachsenen Kinder von Dutchy und Brig hat die Autorin liebevoll  und individuell ausgearbeitet , auch die Kindercharaktere der Enkel werden mit absolutem Einfühlungsvermögen in ihre Psyche dargestellt. Der Ferienalltag, vom Dienst-Personal bequem vorbereitet und in vielen Alltagsszenen geschildert, macht fast neidisch. Diese Familie hat unglaublichen Luxus trotz aller Bescheidenheit als normal und selbstverständlich gefordert und hingenommen.
Es war einfach eine andere Zeit! Eben ein grosses Anwesen mit viel Personal. Geldprobleme gab es nicht. Ein paradiesischer Zustand denkt man als Leser, aber es lauern  unausgesprochene, angedeutete Beziehungskonflikte, die heutigen zwischenmenschlichen Problemen nicht unähnlich sind. Das angeblich harmonische Familienleben ist oft  nur ein gewünschter, äusserer Schein, der nicht der Wirklichkeit entspricht. Auch der drohende Ausbruch eines neuen Krieges lässt dunkle Wolken aufziehen und die allgemeine Harmonie und Zufriedenheit bekommt Risse.
Ich möchte hier nicht jede Person vorstellen, das würde zu weit führen. Den eigenen Eindruck muss und kann sich jeder Leser persönlich erlesen. Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit  der Menschen ist auch in dieser Familie unglaublich gross und beeindruckend. Dieses Buch gibt jüngeren Lesern einen guten Einblick in eine vergangene Welt und ältere Leser erinnern sich eventuell wehmütig an diese Jahre vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieg zurück.  

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese grossartige Familiensaga. 

Herzlichen Dank an den dtv-Verlag für dieses fantastische Rezensionsexemplar. Ich bin sehr gespannt auf die folgenden Bände.       


Dienstag, 23. Oktober 2018

*Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben* von António Lobo Antunes, erschienen im btb Verlag

*Werbung*
Info Link zum Verlag und Autor

Vita des Autors und der Übersetzerin:
António Lobo Antunes (Autor)

António Lobo Antunes wurde 1942 in Lissabon geboren und hat Medizin studiert. Während des Kolonialkrieges war er als Militärarzt in Angola, arbeitete danach in der Psychiatrie und war lange Jahre Chefarzt in einer Psychiatrischen Klinik in Lissabon. Heute lebt er als Schriftsteller in seiner Heimatstadt. Lobo Antunes zählt zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Sein umfangreiches Werk wurde mit zahlreichen Preisen, zuletzt dem Camões-Preis, ausgezeichnet und ist in vierzig Sprachen übersetzt.

Maralde Meyer-Minnemann (Übersetzerin)

Maralde Meyer-Minnemann, geboren 1943 in Hamburg, erhielt 1992 den "Hamburger Förderpreis für literarische Übersetzungen", 1997 den Preis "Portugal-Frankfurt", 1998 den "Helmut-M.-Braem-Preis" und wurde 2005 für den "Preis der Leipziger Buchmesse" nominiert.


INHALT/KLAPPENTEXT:

Eine Frau Anfang fünfzig fährt für ein Wochenende an den Strand. Das Ferienhaus ihrer Familie, an der Atlantikküste nördlich von Lissabon gelegen, ist verkauft worden, und sie möchte Abschied nehmen, ihren Erinnerungen an die Kindheit, an die gemeinsamen Sommer dort nachhängen. Doch die Vergangenheit bricht regelrecht über sie herein, und der Kurzurlaub gerät ihr zur Abrechnung über ihr Leben, zur Rückschau auf das ganze Drama ihrer Existenz. In diesen drei Tagen weichen ihre Erinnerungen an die glücklichen Zeiten der Kindheit einem immer bedrohlicheren Strudel der Verzweiflung …

Rezension

Meine Meinung: 

Es ist auch sicher nicht jedem Leser gegeben dieses Buch zu lesen. Der komplizierte und anspruchsvolle Schreibstil braucht einige Zeit um beim Lesenden im Kopf anzukommen und die Sortierung der Aussagen des Autors  sind nicht einfach zu erledigen. Wenn man sich allerdings nach vielen Seiten anstrengenden Lesegenusses darauf eingestellt hat, funktioniert es gut.

Drei Tage aus dem Leben der nicht bei Namen genannten ca. fünfzigjährigen Frau werden vom Autor in drei Teilen beschrieben. Je mehr ich in das Buch, die Stimmung und die Charaktere der Frau, ihrer Kindheit, ihrer Eltern und der zwei Brüder eingetaucht bin, desto grösser wurde mein Unbehagen und ein unbestimmtes Gefühl von Traurigkeit, Mitleid, Verstehen und Nicht-Verstehen ergriff mich. Dieses Buch machte mich depressiv und ich habe es immer wieder aus der Hand legen müssen, da es mich bedrängt und verfolgt hat. Es endet tragisch, bitter - für die Familie und auch für die Frau.

Hier eine Kostprobe des Schreibstils:

Zitat Seite 63/64

" - Ich bin hier

wie auch das Fahrrad

-Ich bin hier

und die Pullis meines ältesten Bruders in der Schublade 

-Wir sind alle hier

in dem Augenblick, als ich es gebraucht hätte, dass er mich

huckepack nahm, im Garten eine Runde im Galopp drehte und

ich glücklich

-Schneller

ich so glücklich

-Schneller Bruderherz

und wir springen über ein Beet, zwei Beete, der Brief an

die Vase gelehnt und der Krankenwagen, darin ein Ertrunke-

ner, wir springen über die Leute an der Gartenpforte, die leisen

Gespräche

-Ganz schnell Bruderherz"

Ich hoffe ihr konntet einiges aus dem Schreibstil erlesen, der recht ungewöhnlich ist. 
Dieses wehmütig verfasste Buch hat mich nicht wirklich erreicht und begeistert, aber es ist mit Sicherheit ein gutes Buch vom bekannten und angesehenem Autor António Lobo Antunes!
Meine subjektive Bewertung: *** Drei gute Sterne!

Mein Dank gilt dem Autor und dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

  











Montag, 8. Oktober 2018

*Blogpause*

                                     

                                          BLOGPAUSE
                                                    BIS

                                          21.10.2018


Sonntag, 7. Oktober 2018

*Neu Jahr* von Juli Zeh, erschienen im Luchterhand Verlag

*Werbung*

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Studium des Europa- und Völkerrechts, Promotion. Längere Aufenthalte in New York und Krakau.

Schon ihr Debütroman „Adler und Engel” (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt.

Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) sowie dem Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt (2017).


Rezension

Klappentext/Inhalt/Auszug:

Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder.

MEINE MEINUNG: Vorsicht SPOILER.

Mein erster Lese-Eindruck erstaunte mich sehr. Wie gut und mit so viel Einfühlungsvermögen hatte Juli Zeh als junge, emanzipierte Frau, Mutter und Schriftstellerin das Porträt eines jungen Familienvaters unserer heutigen Zeit erstellt! Henning kümmert sich vorbildlich um seine kleine Familie, hat die typische Rolle eines Familienvater der früheren Generationen abgelegt.  ER hat seine Arbeitszeit reduziert , hilft seiner jungen, hübschen Frau. ER richtet sich voll nach den Wünschen seiner eigenwilligen Kinder, hat eine tolle Beziehung zu ihnen  und und fühlt sich dennoch - UNGLÜCKLICH.  Zweiundneunzig Seiten verfolge ich gebannt seinen Radausflug auf Lanzarote, erkenne ES , habe Mitleid mit ihm und seinen Panikattacken (ES), die ihn aus heiterem Himmel anfallen und versuche seine plötzlich aufkeimende WUT auf alles, sein Leben, seine Frau und Kinder zu verstehen. Die WUT gesellt sich zu ES als gleichwertiger Partner, die ihn, Henning,  vernichten will.  Die Autorin hat all diese Emotionen des jungen Mannes meisterhaft  und verständlich zum Leser transportiert. Man spürt förmlich seine körperliche Anstrengung, seine Muskelkrämpfe, seinen Durst und Hunger und seine Verzweiflung. Er ist ohne Essen aufgebrochen, aber sein echtes  Leid sind seine inneren Ängste, die ihn überrollen wollen. Meine Spannung steigt in dem Maß, wie die Serpentinen, die Hennig dem Bergdorf Femés auf dem Berg entgegenführen. Der Schreibstil vermittelt mir ein typisches Juli Zeh-Gefühl.

 Doch dann passiert es - ich werde von der Autorin gezwungen die Leseperspektive zu tauschen, tauche in eine neue Geschichte ein und zwar in die Empfindungen eines kleinen Jungen und seiner Schwester.  Juli Zeh verführt mich atemlos und voller Schreckenserkentnisse in einen fesselnden  Psychothriller, den diese kleinen Wesen erdulden müssen. Die Erkenntnis kommt schlagartig. Ich begegne Henning und seiner jüngeren Schwester in ihrer Kindheit, allein gelassen, auf sich gestellt. Sie kämpfen um ihre elementarsten Bedürfnisse und auf Henning, als dem Älteren Kind, liegt eine schwere Verantwortung. Diesen kleinen, unschuldigen Kindern hat die Autorin geschickt und mit viel Wissen um die kindliche Psyche, viele Eigenschaften zugeordnet. Hassgefühle, Aggressionen auf die kleine Schwester wechseln mit unbändiger Zärtlichkeit und Liebe in Hennings Persönlichkeit einen ständigen Kampf miteinander. Er verzweifelt an seiner Unfähigkeit für sie beide sorgen zu können, wie er es von den Eltern gesehen hat. Ich leide, weine und kämpfe mit diesen kleinen Geschwistern. Ich bin geschockt, aber das allerschlimmste für mich folgt noch am Ende des Buches. Meine eigene Erkenntnis, dass nichts wieder gut zu machen ist, oder dass diese seelischen Verletzungen vollständig zu heilen sind.

Juli Zeh verwehrt dem Leser jede Hoffnung auf  ein Vergeben der schuldigen Eltern - und das zurecht. Diese schlimme Verletzung und Traumatisierung der Kinder um Leib und Leben in jungen Jahren hat sie für ein Leben lang unbewusst und  furchtbar gezeichnet. Sie werden keine Ruhe finden und Ängste in jeder Form werden sie immer wieder heimsuchen. Und doch beginnt nach dieser Erkenntnis für Henning und seine kleine Schwester ein NEUES JAHR im wahren Sinne des Wortes - ein Neubeginn!

Ein trauriges Buch, aber es ist eine beeindruckende, schriftstellerische Leistung der Autorin. 
Sie hat zwischen den beiden Geschichten in einem Buch einen verbindenden Bogen zum besseren Verständnis des Protagonisten verknüpft und den Leser zu einem eigenständigen Beurteilen des Geschehens geführt. 

MEINE BEWERTUNG: VIER **** STERNE für eine traurige Geschichte, die mich sehr deprimiert hat.  

Trotzdem Danke Juli Zeh für dieses Buch! Mein Dank gilt auch dem Luchterhand Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar.    

Montag, 1. Oktober 2018

*Hippie* von Paulo Coelho, erschienen im Diogenes Verlag


Paulo Coelho

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane (insbesondere ›Der Alchimist‹, ›Veronika beschließt zu sterben‹, ›Elf Minuten‹, ›Untreue‹ und zuletzt ›Die Spionin‹) sind Weltbestseller, wurden in 81 Sprachen übersetzt und über 225 Millionen Mal verkauft. Die Themen seiner Bücher und seine Reflexionen regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen.

Auszeichnungen
 ›Cinema for Peace Special Award‹ bei der Verleihung des ›Hessischen Film- und Kinopreises‹ in Frankfurt für Coelhos Engagement für das multimediale Filmwettbewerbsprojekt ›The Experimental Witch‹ , 2008
 Während der Frankfurter Buchmesse ›2009 Guinness World Record‹ für das in die meisten Sprachen übersetzte Buch Der Alchimist (67 Sprachen weltweit) gewürdigt , 2008
 UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat Paulo Coelho zum Friedensbotschafter berufen , 2007
 ›Las Pergolas‹, neuer Literaturpreis der mexikanischen Buchhändler , 2007
 ›Wilbur Award‹ des Religion Communicators Council für ›Der Zahir‹ , 2006
 3. Platz in der Rubrik ›Literatur, Romane, Belletristik‹ des österreichischen Publikumspreises ›Buchliebling‹ für den Roman Der Zahir , 2006
 ›Platin-Buch‹ des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels für 10 Jahre Der Alchimist , 2006
 Hans-Christian-Andersen-Botschafter anlässlich des 200. Geburtstags des dänischen Schriftstellers , 2005
 ›Goldene Feder‹, Medienpreis der Bauer Verlagsgruppe , 2005
 Guinness World Record für die meisten vom Autor in einer Signierstunde signierten Übersetzungen eines Buchtitels in verschiedenen Sprachen. Paulo Coelho signierte 53 Ausgaben von Der Alchimist an der Frankfurter Buchmesse. , 2003
 Am 6. Oktober verleiht der Club of Budapest Paulo Coelho den ›Planetary Consciousness Award‹ für sein Leben »als Grenzgänger und Weltbürger« und für sein Streben, »Brücken zu bauen zwischen Generationen und zwischen Kulturen« , 2002
 Paulo Coelho wird Mitglied der Academia Brasileira de Letras (ABL). Die Amtsübergabe findet am 28. Oktober im Hauptsitz der Brazilian Academy of Letters in Rio de Janeiro statt , 2002
 Am 6. November wird Paulo Coelho bei einer Galaveranstaltung in München für seinen Roman Der Alchimist mit dem ›Corine – Internationaler Buchpreis‹ geehrt. , 2002
 Literaturpreis ›Premio Fregene‹, 1979 vom Journalisten Gino Pallotta gestiftet , 2001
 ›Bambi‹ für Kultur , 2001
 Coelho erhält auf der polnischen Buchmesse in Warschau den Preis ›The Crystal Mirror Award‹ , 2000
 Orden ›Chevalier de L'Ordre national de la Legion d'honneur‹ auf Empfehlung des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac , 2000
 ›Crystal Award‹ des World Economic Forum in Davos , 1999
 ›Golden Medal of Galicia‹ am Jakobstag (25.7.1999) für Coelhos Verdienste um den Pilgerweg von Santiago de Compostela. Diese Medaille wurde bis jetzt nur dem spanischen König und Kardinal Rouco Varela von Madrid verliehen , 1999
 Literaturpreis ›Super Grinzane Cavour‹ des italienischen Kulturinstitutes , 1996
 ›Medaille Chevalier dans l'Ordre des Arts et des Lettres‹, verliehen durch den französischen Kulturminister Philippe Douste-Blazy, für seine künstlerischen und literarischen Verdienste , 1996
 ›Premio Internazionale Flaiano‹ (Italien) , 1996
 Sonderbotschafter für interkulturellen Dialog der UNESCO , 1996
 Literaturpreis der französischen Zeitschrift Elle , 1995

Rezension

INHALT/KLAPPENTEXT: Als der rebellische junge Paulo aus Brasilien und die Holländerin Karla sich in Amsterdam begegnen, trifft sie die Liebe wie ein Blitz. Sie beschließen, gemeinsam aufzubrechen und als Reisende auf dem Hippie-Trail Erfahrungen zu sammeln, nach eigenen Werten zu suchen und danach zu leben. Mit an Bord sind ihre Freunde Rahul, Ryan und Mirthe sowie die Musik, die damals die Welt aus den Angeln hob. Eine inspirierende Reise von Amsterdam nach Kathmandu, an Bord des ›Magic Bus‹. Geschrieben von Paulo Coelho, der uns an einem unbekannten, frühen Kapitel seines Lebens teilhaben lässt.

Meine Meinung:

Für den bekannten und berühmten Schriftsteller Paulo Coelho hat der Diogenes Verlag tatsächlich mit seiner altbekannten, traditionellen, schlichten und in weiss gehaltenen Cover-Gestaltung gebrochen. Und es hat mir gefallen! Dieses farbenfrohe Cover drückt das Lebensgefühl der damaligen jungen Menschen der Siebziger Jahre bildhaft und aussagekräftig aus. Es erinnert an die Flower-Power-Zeit, an Friedensgesänge, junge Mädchen mit Blumenkränzen im Haar und an den absoluten Willen der jungen Menschen *anderszusein* als die in alten Konventionen erstarrte, materielle graue Erwachsenenwelt. Wir erinnern uns: die digitale Welt gab es noch lange nicht, nur DAS BUCH, TV, Radio und Zeitungen haben gezielt Informationen verbreitet. Aber es gab eine perfekt funktionierende Mund-zu-Mund Propaganda, die junge Menschen aus aller Welt mit ins Ohr gehender Beat-Musik und der Suche nach Selbstfindung und dem Sinn des Lebens verbunden hat. Zentren dieses neuen Aufbruchs und der geheimen Absprachen nach Lebensinhalts-Suchen waren in Europa die Städte London und Amsterdam.

Paulo Coelho hat sich sich in seinem neuen Buch  autobiografisch erinnert, seine Empfindungen und Gefühle der damaligen Zeit aufgeschrieben, eine verlorene Liebe verarbeitet und den Beginn seiner spirituellen Suche und seines Schriftstellerdasein aufgezeichnet. Der junge Paulo Coelho wollte anders sein, schon in der Schule glich er nicht seinen Kameraden. Er schwamm immer schon gegen den Strom und glitt mit seiner Suche immer mehr in neue Erfahrungen ab. Die teilweise Reise mit dem Magic Bus , zum Traum-Ziel Kathmandu, war ein neuer Beginn, sein Aufenthalt in Istanbul in der Derwisch-Welt ebenso, die Erfahrungen und das Erleben bewußtseinserweiternder Drogen, denen er zum Glück oft instinktiv auswich, haben ihn damals sehr geformt. 

Und da war noch etwas, was ihn sein Leben lang verfolgt und begleitet hat. Die schrecklichen Erlebnisse von  persönlich erfahrener Gewalt und Folter, zum Beispiel bei Grenzübertritten, haben ihn in jungen Jahren geprägt. Die Angst war sein  heimlicher Begleiter und diese schlimme Erkenntnis hat unauslöschlich sein weiteres Dasein beeinflusst. Diese Beichte im Buch liest sich mutig und seine  freie, heutige Offenheit darüber zu schreiben, hat mich sehr beeindruckt!

Faszinierende Lebensweisheiten, denen wir schon in seinen vorherigen Büchern begegnet sind , fügte er geschickt und locker nochmalig in seine Erinnerungen ein. Sein Schreibstil ist einfach unnachahmlich und auch dieses Buch ist ein *Typischer Coelho*. Und es ist wieder Liebe, diesmal die zarte Liebe zu einer jungen, vielleicht berechnenden jungen Frau, die damals perfekt zu ihm und seiner Suche gepasst hat, die dieses Buch mit einem frischen und jugendlichen Charme überzieht. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch.

Herzlichen Dank an den Autor, den Verlag und die siebziger Jahre für dieses informative Werk und die Zusendung des Rezensionsexemplars !


Donnerstag, 27. September 2018

*Leber an Milz* von Andrea Freund + Lucia Schmidt, erschienen im Ecowin Verlag

Erschienen am 20.9.2018, gebundene Ausgabe ISBN-13 9783711001658
262 Seiten / 14.5 x 21.0 cm 
Ecowin *Werbung*

INHALT/KLAPPENTEXT:
Alles über unsere unterschätzten Organe

Wer weiß schon, wo die Milz sitzt und wofür sie gut ist? Warum wir ohne den Hirnstamm gar nicht atmen können und dass das Steißbein für unsere aufrechte Haltung eine entscheidende Rolle spielt? Wir kennen zwar unsere großen Organe wie Herz, Darm und Lunge, die kleinen aber unterschätzen wir allzu oft. Dabei können wir unseren Körper erst in Gänze verstehen, wenn wir die Signale aller Organe richtig deuten. Andrea Freund und Lucia Schmidt zeigen auf ebenso anschauliche wie unterhaltsame Weise, welche Rädchen zwischen Kopf und Fuß ineinandergreifen und wir wir die tägliche Arbeit unseres Körpers besser wertschätzen. Ein Buch, das Spaß macht, staunen lässt und ganz nebenbei für unser Wohlbefinden sorgt.

Die Autorinnen: Andrea Freund

Andrea Freund, geboren 1966, war Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ehe sie sich als freie Journalistin selbstständig machte. Zu ihren Schwerpunkten gehören Medizin, ganzheitliche Heilverfahren und Psychologie. Sie hat lange Jahre Yoga unterrichtet und ist Heilpraktikerin für Psychotherapie. Andrea Freund lebt in Hamburg.

Lucia Schmidt

Dr. Lucia Schmidt, geboren 1982, ist Ärztin und verantwortet seit 2013 die »Leib & Seele«-Seiten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dort erschien auch die Serie »Die Unterschätzten«, auf der dieses Buch basiert. 2016 wurde sie mit dem Journalistenpreis des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen ausgezeichnet. Lucia Schmidt lebt in Frankfurt am Main.

Quelle: Verlagsinfo

Meine Meinung:

Wir gehen langsam dem Herbst entgegen, interessieren uns wieder mehr für unser körperliches Wohlbefinden, welches durch die kältere Jahreszeit doch unter Umständen leicht angeschlagen wird. Um so froher war ich, als mir dieses Buch freundlicherweise aus Österreich vom Ecowin Verlag zugesandt wurde. 

Das lustige Cover und der ungewöhnliche Titel haben meine Neugier geweckt und ich habe das leicht und verständlich geschriebene Buch sofort in einem Zug durchgelesen. Die beiden fachkundigen Autorinnen haben mir mit ihren für den Laien in guten und deutlichen Ausführungen öfter ein Schmunzeln ins Gesicht gezaubert. Dieses Buch erklärt in sehr klarer Ausdrucksweise und in lockerer und lustiger Form als erstes die Funktionen unseres Körpers. Ein Wissen, das man oft hört, aber immer wieder verdrängt und /oder vergisst. Es ist eine gute Einführung zum besseren Verständnis unserer Körperlichkeit, die auch immer mit unserem seelischen Befinden verbunden ist.  

Es ist weiter unterteilt in die Abschnitte *Die Zelle*, nun folgt *Ganz oben* mit Kopf und Hals,  *Mittendrin* mit den Organen Brustkorb, Rücken, Bauch und Becken, *An den Ecken und Enden* mit den Gliedmassen Arme, Hände , Beine, Füsse. Der nächste Beitrag beschäftigt sich mit der Epigenetik und wie sich der Blick des Menschen auf seinen Körper im Laufe der Zeit verändert. Zum guten Schluss habe ich die angebotenen Körperübungen interessiert studiert und viele Tips und Anregungen mitnehmen können um mir selbst, dem Partner und/oder der Familie etwas GUTES zu tun. 

Dieses Buch ist kein punktueller Ratgeber zum  Selbst-Bestimmen einer Diagnose ( was man eh nie machen sollte ;-) ), sondern ein  praktischer und ganzheitlicher Ratgeber für den Körper, seine Funktionen, seine möglichen Schwächen und Erkrankungen, die uns im Laufe eines langen und hoffentlich recht gesunden Lebens erfassen könnten.  Durch den humorvollen und aufklärenden Schreibstil ist es ein Lern-Vergnügen, welches man gut in wenigen Tagen spielend  konsumieren kann. 

Danke an die beiden kompetenten Autorinnen und den Ecowin Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE. 


Mittwoch, 26. September 2018

*Die Madonna der Berge* von Elise Valmorbida, erschienen im Diana Verlag

*WERBUNG*
Erschienen:  20.08.2018


Inhalt/Klappentext:

Venezien 1923: Maria Vittoria muss dieses Jahr heiraten, sonst wird es nie geschehen. Sie ist schon fünfundzwanzig, trotzdem findet ihre kleine Schwester sie schön. Ihr Vater findet einen Ehemann für sie, und Maria hat Glück: Gut sieht der Fremde aus, er ist kein alter Mann, er ist nicht kriegsversehrt. Sie ist dem neuen Inhaber des Dorfladens eine gute Frau, gebärt ihm über die Jahre fünf Kinder, und an Arbeit mangelt es nicht. Doch die Zeiten sind beschwerlich in den italienischen Bergen. Und man muss sich in Acht nehmen. Denn im Faschismus ändern die Regeln sich fast täglich. Maria ist fest entschlossen, ihre Familie zu beschützen. Koste es, was es wolle.

DIE AUTORINElise Valmorbida ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und preisgekrönte Filmproduzentin. Als Kind italienischer Eltern wuchs sie in Australien auf. Sie studierte Englisch und Graphikdesign und unterrichtet heute Kreatives Schreiben an der University of the Arts in London. Die Madonna der Berge ist ihr erster Roman im Diana Verlag. Der Link führt zur Verlagsseite.  Elise Valmorbida.

Meine Meinung: In dieser facettenreichen Familiengeschichte reise ich in das Jahr 1923, in die Lebenszeit meiner Mutter, allerdings nicht nach Deutschland, sondern in die wilden Berge Italiens, in ein kleines, ärmliches Dorf in Venezien. Das beeindruckende Cover des gebundenen Buches zeigt eine Frau in den Bergen , die bewusst ein Ziel vor Augen hat. Dieses Bild ist bestimmend für die Charakterstärke dieser besonderen Frau, die für damalige Zeiten spät in den Bund der Ehe eintritt, aber umso gezielter für  den Schutz ihrer fünf Kinder und des geliebten Ehemannes Achille kämpft. Der Vater hat ihr den Ehemann sorgfältig ausgesucht und er ist für Maria ein guter und starker Gefährte. Die beiden Eheleute eröffnen einen Dorfladen und ihre Ehe verläuft harmonisch.  Wäre da nicht der Faschismus und Mussolini. Diese Katastrophe erreicht auch die abgelegenen Orte Italiens und seine Menschen. 

Der faszinierende Schreibstil von Elise Valmorbida hat mich gefesselt und begeistert. Schlicht, einfach, in kurzen und prägnanten Sätzen schildert sie das Leben im Dorf und den täglichen Kampf um das Überleben. Den Hunger. Die Denunziationen und Veränderungen des Dorflebens. Menschen werden beschrieben, die ihr Mäntelchen nach dem Wind ausrichten. Immer wieder lebt, liebt und arbeitet Maria Vittoria für ihre Familie. Gibt all ihre Kraft und Leidenschaft einem Leben für Gerechtigkeit und Frieden und dem Schutz der Ihrigen hin. Fast schon poetisch wirken die  Sätze von Elise Valmorbida auf mich. Das Leben und Umfeld von Maria Vittoria zeigt sich bildhaft und eindrucksvoll in meinem Kopf. Ich bin erschüttert und bewundere diese starke und gläubige Lebenseinstellung. Denn Maria Vittoria hat einen Halt in ihrem ärmlichen Dasein. Zusätzlich zu ihrer handgefertigten Aussteuer hat sie eine Madonnenstatue mit in die Ehe gebracht. Sie hält Zwiesprache mit der Statue und holt sich Kraft, Rat und Hilfe.  Der zweite Welt-Krieg greift immer mehr in das Leben der Italiener ein. Die deutsche Besatzung ist allgegenwärtig.

Die Gliederung des Buches in acht Kapitel hat mir sehr gut gefallen.  Die Autorin beschreibt in Zeitangaben die Entwicklung und  das Aufkeimen des Faschismus in den Jahren 1923, 1928 - Faschistische Ära Jahr VI, 1936-Faschistische Ära XIV, 1942-Faschistische Ära XX, 1944-Faschistische Ära XXII, 1948, 1950.

Der Anhang des Buches über ESSEN mit REZEPTEN, FAMILIE und GESCHICHTE lockert diesen ernsten Roman etwas auf und verführt geschickt zum Nachkochen der einfachen Gerichte.

 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige und faszinierende Buch.


Mein Dank für das überragende Leseerlebnis geht an die Autorin und den Diana-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar ! 

    





Donnerstag, 20. September 2018

*Ein unvergänglicher Sommer* von Isabel Allende, erschienen im Suhrkamp Verlag

 *Werbung*


Isabel Allende wird am 2. August 1942 in der peruanischen Hauptstadt Lima als Kind chilenischer Diplomaten geboren. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebt sie zunächst bei Ihren Großeltern in Chile. Das große, verwinkelte Haus, in dem sie aufwächst, wird später als Vorbild für ihren Jahrhundertroman Das Geisterhaus dienen. Bereits als Jugendliche bereist sie die Welt; sie wächst mehrsprachig auf und geht in La Paz, Beirut und Santiago de Chile zur Schule. Mit achtzehn kommt sie durch Zufall an ihren ersten Job als Journalistin. Kurz darauf moderiert sie bereits eine chilenische Fernsehsendung.
1962 heiratet sie den Bauingenieur Michael Frías, Trauzeuge ist ihr Onkel, der spätere Präsident Salvador Allende. Im Jahr darauf wird ihre Tochter Paula geboren, 1966 kommt ihr Sohn Nicolás zur Welt.
Als Journalistin setzt sich Allende leidenschaftlich für die Gleichstellung der Frau ein. Zusammen mit anderen Frauenrechtlerinnen gründet sie 1967 Paula, die erste feministische Zeitschrift in Chile. Außerdem schreibt sie Drehbücher für eine Comedy-Sendung, moderiert ihre eigene Talkshow, schreibt Theaterstücke und Musicals – in Chile kennt sie mittlerweile jeder.
Sie ist tief erschüttert, als Salvador Allende am 11. September 1973 von Augusto Pinochet gestürzt wird und kurz darauf stirbt. Dennoch bleibt sie zunächst in Chile und hilft politisch Verfolgten unterzutauchen, bis die Repressionen gegen Andersdenkende sie schließlich ins Exil zwingen. 1975 geht sie mit ihrer Familie nach Caracas, Venezuela. Hier muss sie beruflich wieder von vorne anfangen. Sie arbeitet für wenig Geld als einfache Journalistin.
1981 erfährt sie, dass ihr Großvater im Sterben liegt. Sie kann ihn in Chile nicht besuchen und beschließt, ihm einen langen Brief zu schreiben. An ihrem Küchentisch schreibt sie oft bis tief in die Nacht die Erinnerungen ihrer Familie auf, die untrennbar mit der Geschichte ihres Heimatlandes verwoben sind. Schließlich wird daraus das fünfhundert Seiten lange Manuskript ihres ersten Romans.
Ein Jahr später erscheint Das Geisterhaus und wird zu einem Weltbestseller. Nach dem märchenhaften Erfolg des Romans, der 1993 vom dänischen Regisseur Bille August verfilmt wurde, geht sie ausschließlich ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: schreiben, verschiedene Leben erzählen, Geschichten erfinden, versuchen, die Welt ein wenig besser zu verstehen, sowie sich selbst und anderen Kraft zu schenken durch die Schicksale ihrer Figuren. Inzwischen ist das Schreiben mehr als nur eine Leidenschaft für die Autorin: »Es erlaubt mir, das Leben zu ordnen, Ereignisse zu verstehen und untereinander in Verbindung zu bringen, Erinnerungen zu bewahren. Es ist ein Weg, der direkt zur Seele führt.«
Sogar als sie der schlimmste Schicksalsschlag ihres Lebens trifft, der Tod ihrer eigenen Tochter, schreibt sie weiter: Es entsteht Paula (1995), ein äußerst persönliches Bekenntnis, das ihr dabei hilft, ihre tiefe Trauer zu überwinden.
Romane wie Fortunas Tochter (1999), Porträt in Sepia (2001) oder Inés meines Herzens (2007) sind weitere Stationen ihrer literarischen Erfolgsgeschichte. Im Laufe der Jahre erweitert sie ihr schriftstellerisches Repertoire um viele Facetten. Sie schreibt unter anderem Aphrodite (1999), ein Kochbuch voller sinnlicher Anekdoten, Legenden und aphrodisierender Rezepte, Die Abenteuer von Aguila und Jaguar (2009), eine Trilogie von Abenteuergeschichten für Kinder und Jugendliche, sowie den Erzählungsband Ein diskretes Wunder (2010). Mit dem Historienroman Die Insel unter dem Meer(2011) und Mayas Tagebuch (2012) – bewegend, spannend und mit warmherzigem Humor geschrieben – setzt Isabel Allende ihre unaufhörliche Erfolgsgeschichte fort. 2014 erscheint Amandas Suche, ein Roman über das kostbare Band zwischen Müttern und Töchtern und die lebensrettende Kraft der Familie.
Heute lebt Isabel Allende mit ihrer Familie in Kalifornien. Sie ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Welt. Ihre Werke wurden in 37 Sprachen übersetzt und haben sich millionenfach verkauft. Immer wieder fasziniert die chilenische Bestsellerautorin ihre Leserinnen und Leser und führt sie an die atemberaubendsten Plätze der Erde, weckt die Neugier für andere, fremde Welten und spricht Themen an, die ihr und vielen anderen am Herzen liegen. Unermüdlich widmet sie ihr Leben ihrer größten Leidenschaft: dem Erzählen.


Rezension

INHALT/KLAPPENTEXT:


Ein Schneesturm in Brooklyn, und den Auffahrunfall tut Richard als belanglose Episode ab. Aber kaum ist der eigenbrötlerische Professor zuhause, steht die Fahrerin des anderen Autos vor der Tür. Evelyn ist völlig aufgelöst: In ihrem Kofferraum liegt eine Leiche. Zur Polizei kann sie nicht, denn das scheue guatemaltekische Kindermädchen ist illegal im Land. Richard wendet sich Hilfe suchend an Lucía, seine draufgängerische chilenische Untermieterin, die ebenfalls an der Uni tätig ist. Lucía drängt zu einer beherzten Aktion: Die Leiche muss verschwinden. Hals über Kopf machen sie sich auf den Weg in die nördlichen Wälder, auf eine Reise, die die drei zutiefst verändern wird. Und am Rande dieses Abenteuers entsteht etwas zwischen Richard und Lucía, von dem sie beide längst nicht mehr zu träumen gewagt hatten.


MEINE MEINUNG:


Die wunderbare Erzählkunst der beliebten und bekannten Schriftstellerin ISABEL ALLENDE  hat mir meine Spätsommerlesestunden im Garten total versüsst und ich kann eine absolute Leseempfehlung für dieses leichte, unterhaltsame Buch, welches vor sehr ernsten und dramatischen Hintergründen spielt, aussprechen und empfehlen.

 Zuerst die ernsten Tatsachen und Hintergründe, vor denen diese Geschichte erzählt wird. Es gibt elf Millionen Einwanderer aus Lateinamerika in den USA, die ohne Rechte und gültige Papiere im Land leben. Immer müssen sie befürchten plötzlich und unerwartet von einer Ausweisung bedroht zu werden, obwohl sie oft schon Jahrzehnte im Land geduldet wurden. Familien werden getrennt, Menschen ausgebeutet und von verantwortungslosen Schleppern in Lebensgefahr gebracht. Diese Probleme häufen sich zur Zeit weltweit an, die flüchtenden Migrationswellen von Menschen aus dem Kriegsland Syrien und dem riesigen Kontinent Afrika sind uns allen nur zu gut bekannt. Die Autorin beschreibt einfühlsam und genauestens neben der einnehmenden, humorvollen Rahmenhandlung des Buches, auch die vielen politischenTragödien des Südamerikanischen Kontinents mit seinen Kriegen, Militärputschen und Diktaturen. Sie verbindet die Lebensschicksale - und Geschichten der drei Hauptprotagonisten Richard aus New York , Lucía aus Chile und Evelyn aus Guatemala, perfekt mit ihren Herkunftsländern. Die Autorin führt den Leser spielend in die letzten dreissig Jahre südamerikanischer Geschichte ein. Gerade auch für junge Menschen, die keine Zeitzeugen waren, ist das eine wertvolle Bereicherung ihres Allgemeinwissen. Einige mystische Erzählungen, Bräuche und erschreckende Realitäten der einheimischen Bevölkerung aus Guatemala, Brasilien und Chile  hat die Autorin geschickt in diese Lebenswege eingebaut und den Leser in ein buntes und rätselhaftes, für uns oft fremdes Umfeld, mitgenommen. Mit Sicherheit hat Isabel Allende auch autobiografische Erfahrungen und Erinnerungen in den Roman eingebracht. 


All das hat Isabel Allende nebenher ruhig, eindrucksvoll mit besten Hintergrundwissen zu einem sehr bildhaften, warmherzigen und humorvollen Unterhaltungsroman verschmelzen lassen.  

Brooklyn im Winter bei Eis und Schnee, ein einsamer Professor, der mit vier Katzen in einem baufälligen, eiskalten Haus lebt, seine lebenslustige und fröhliche Untermieterin Lucía aus Chile und das guatemaltekische Kindermädchen Evelyn sorgen für Humor, Herzensgüte, gegenseitiges offenes Kennenlernen und letztendlich wird auch eine zarte, hoffnungsvolle Liebesgeschichte erzählt. Diese gemeinsame  Suche der drei unterschiedlichen Personen um ein Verstecken und Aufdecken einer merkwürdigen und gefährlichen Situation, um die Beseitigung einer Leiche, lässt keinerlei Spannungslücken vermissen.

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Suhrkamp Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplar.





Samstag, 15. September 2018

Mittwoch, 12. September 2018

*Jenseits des breiten Flusses*von Sarah Maine, erschienen im Goldmann Verlag

*Werbung*. Mir wurde ein kostenloses Leseexemplar zur Verfügung gestellt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf meine nachfolgende Meinung. 


REZENSION

INHALT/Klappentext: Schottland 1893: Die 19jährige Evelyn Ballantyre macht sich auf, ihren Vater auf eine Reise nach Kanada zu begleiten. So kann sie die Grenzen des herrschaftlichen Anwesens hinter sich lassen, das für sie in den letzten Jahren eher ein Gefängnis als ein Zuhause war. Seit jener schicksalhaften Nacht, in der zwei Menschen starben, und ihr Jugendfreund, der Stallbursche James Douglas, der Tat beschuldigt fliehen musste. Doch als sie in der kanadischen Wildnis unverhofft auf James trifft, drängen die dunklen Geheimnisse der Vergangenheit an die Oberfläche. Und Evelyn muss sich entscheiden, wo ihre Zukunft liegt …


MEINE MEINUNG:

Ich hatte mich eigentlich bei der Anforderung des Buches auf eine Abenteuergeschichte in der kanadischen Wildnis gefreut, aber meine Erwartungen haben sich leider nicht ganz erfüllt. Der Roman plätscherte zu Anfang auf mindestens hundert Seiten langsam vor sich hin, in denen nicht viel passierte. Meine Ungeduld wuchs von Seite zu Seite , zumal die beiden Hauptprotagonisten Evelyn und James recht unscheinbar erschienen und keine  fesselnde Ausstrahlung besaßen. Zufällig treffen sie in Kanada wieder aufeinander. Ich empfand als Leser diese vielen Zufälle als zu offensichtlich konstruiert. Einen guten Zugang zu ihren Wünschen, Charakteren und Empfindungen zueinander bekam ich leider auch nur mässig.  James war etwas älter als Evelyn, sie kannten sich aus Kindertagen vom schottischen Anwesen. SIE schwärmt für ihn, ER beachtet sie wenig, sieht sie immer noch als das, was sie einmal war. Ein Kind. Auch in Kanada ändert sich zunächst nicht allzuviel an dieser Situation. Diese sanfte Schwärmerei wird leicht und einseitig aus Sicht der jungen Evelyn beschrieben. Sie erscheint nun zwar als junge, moderne Frau ihrer Zeit,  trotz allem hat sie ein so naives Weltbild, dass es mich oft entsetzt hat.  Die ganze Reise mit ihrem Vater und dessen Freund Larsen, das Aufeinandertreffen mit dem ausgewanderten James und die Suche nach dem Mörder und die Erklärungen  für die vergangenen Morde in Schottland, die Gespräche, Begegnungen darüber untereinander, wirken gesteuert, harmlos und ohne Schwung und Esprit. Der Schreibstil der Autorin erschien mir flüssig und angenehm zu lesen, aber es fehlen Spannungsbögen, die den Leser immer weiter tief in die Geschichte und zum Verständnis der Protagonisten hineinführen.  

Es war keine schwierige Lektüre , dafür aber eine unendlich langweilige Thematik, dabei hätte man aus dieser Reise in die Wildnis so viel machen können, sogar verbunden mit einer romantischen Liebesgeschichte und der Aufklärung der Morde, welche der Leser übrigens recht früh durchschaut. 

Es fehlen einfach Herzblut, Leidenschaft und eine emotionale Begeisterung, die von der Autorin nur mangelhaft und zögerlich vermittelt werden. 

Die wilde und eindrucksvolle kanadische Landschaft, die indianische Bevölkerung werden eindrucksvoll in schönen Bildern geschildert, aber auch das ist nicht gerade spannungsfördernd für den Lauf der Geschehnisse. 


Meine Bewertung: DREI *** Sterne für dieses Buch.  

Mein Dank geht an die Autorin und den Goldmann Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares. 



Donnerstag, 30. August 2018

*Blogpause*

                                            BLOGPAUSE  bis 17. September



Mittwoch, 22. August 2018

*Anna* von Niccolò Ammaniti, erschienen bei Julia Eisele Verlags GmbH

*Werbung*


REZENSION

Inhalt /Klappentext:

Vier Jahre ist es her, dass der Virus kam und alle Erwachsenen tötete. Mittlerweile gibt es keine Elektrizität mehr, die Wasser- und Lebensmittelvorräte gehen zu Ende. Brände haben gewütet und von einem einst blühenden Sizilien eine gespenstische Wüstenlandschaft hinterlassen. In dieser Welt lebt die dreizehnjährige Anna mit ihrem kleinen Bruder in einem Haus im Wald und versucht mit allen Mitteln, ihn vor den Gefahren des Lebens draußen zu bewahren. Doch Anna weiß: Früher oder später muss sie mit ihrem Bruder ihre alte Welt verlassen, um woanders eine neue zu finden. 

Meine Meinung:
Was für ein hübscher Titel-Name für eine gar nicht hübsche Dystopie! Das gebundene Buch mit dem ansprechenden Cover und dem roten Lesebändchen war kaum bei mir angekommen und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen, habe es praktisch in einem Rutsch verschlungen. *Verschlungen* , dieses rohe und drohende Wort passt perfekt zu diesem Roman eines Weltunterganges. Der Autor erzählt fesselnd, erzeugt entsetzliche Kopfbilder durch eine abgeklärte und spannende Schreibweise. Eine Katastrophe wird von der nächsten abgelöst. Man glaubt auf jeder Seite fassungslos, dass es nun doch gar keine Steigerung von Entsetzen, Gewalt, Hilflosigkeit, Hunger, Not und Einsamkeit geben könne. Doch es geht immer weiter. Anna und ihr kleiner Bruder Astor leben zu Beginn in einem relativ geschützten Raum auf *Gut Maulbeerbaum*. Für die beiden verlorenen Kinder ist die *Zeit des Lichts *, wie Anna es nennt, untergegangen. Nichts in ihrem Leben ist mehr so, wie sie es kannten. Und doch machen sie hin und wieder gute Erfahrungen, gewinnen einen treuen, tierischen Gefährten und Anna tauscht ihre Kindheit gegen die Verantwortung und Sorge für ihren kleinen Bruder ein, den sie liebt und beschützt.

Die apokalyptischen Beschreibungen des Autors von brennenden , zerstörten Landschaften erzeugten Ängste in mir, Zweifel an unserem westlichen Lebensstil, der so total abhängig von Technik und Energie ist. Diese Kinder werden in ein Leben zurückgeworfen, in dem die Suche nach Überlebensmöglichkeiten zum Kernpunkt ihres Daseins wird. 
Aber sie sind kleine, zwar noch unfertige Kinder, handeln oft instinktiv menschlich, kreativ, liebevoll, manchmal auch grausam und gleichgültig gegenüber anderen Lebewesen. Ein Selbstschutz, dem sie instinktiv folgen. 
Diese Organisation von  Kinderbanden, ihren Gesetzen, die der Autor beklemmend beschreibt, hat mich tatsächlich ein wenig an *Herr der Fliegen* von William Golding erinnert. Aber *Anna* liegt viel näher an einer möglichen Realität , die der Menschheit das Fürchten lehren könnte. *Die Rote, das Virus* , könnte ja durch viele andere Katastrophen, die die Menschheit auslöschen  würde, ersetzt werden. Das ging mir  beim Lesen immer wieder durch den Kopf. Sei es ein weltweiter Atomschlag, oder auch eine Naturkatastrophe. 

Ein interessantes Buch, das vom extremen menschlichem  Überlebenswillen berichtet, von Mut, Tapferkeit und auch Liebe. Von der Gefahr einer Verrohung durch das Machtstreben einzelner Gruppen, das Durchsetzen von den Grundstrukturen einer Diktatur.

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für ein grossartiges, aber auch schockierendes Buch, welches uns das Fürchten nahe bringt. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für die schnelle Zusendung des Rezensionsexemplares!



Montag, 20. August 2018

*Sommersturm über Cornwall* von Louisa Leaman, erschienen im Goldmann Verlag

*Werbung*

Info zur Autorin und Buch, erschienen am 21.5.2018

Rezension

Inhalt/ Klappentext:
Nina Munroe ist eine Karrierefrau mit einem attraktiven Verlobten und einer exakt geplanten Zukunft. Bis der Tod ihres Vaters alles verändert: Bei der Testamentseröffnung erfährt Nina, dass ihre Eltern ein Strandhaus an der Küste von Cornwall besaßen, das sie nun erbt: Snare Cove. Als sie das Cottage besucht, entdeckt Nina, dass das Haus den Schlüssel zu einem Geheimnis birgt, das mit dem frühen Tod ihrer Mutter zu tun hat. Unterstützt von dem Lebenskünstler Danny kommt sie allmählich ihrer Familiengeschichte auf die Spur. Nina ahnt allerdings nicht, welche Geister der Vergangenheit sie mit ihren Nachforschungen geweckt hat ...

Meine Meinung: Dieses Buch lebt hauptsächlich von der schönen Atmosphäre an den windigen und wilden Stränden von Cornwall!
Schmuggleratmosphäre, Piratentum, alte Legenden, die voller Mystik und Geheimnissen stecken, geben dieser Geschichte die nötige Spannung und fesseln den Leser unterhaltsam mit sehr attraktiven und bunten Bildern von Meer und Küste. 
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, geübte Leser fliegen schnell durch das Buch und man kann gut aus der Realität abtauchen ins schöne Cornwall. 

Denn die Hauptprotagonisten fallen ein wenig durch unglaubhaftes und sprunghaftes Verhalten auf. Vor allem die junge Nina macht laufend überraschende Kehrtwendungen in ihrem Handeln während ihrer Suche nach den unheimlichen  Geheimnissen und Geschichten, die das alte und baufällige Strandhaus umgeben. Der Leser fängt an zu staunen über soviel Naivität und teenagermässiges Verhalten einer jungen Frau von sechsunddreissig  Jahren. Ja, sie hat es schwer, nie den Verlust der verstorbenen  Mutter verwunden, das männliche Familienoberhaupt brillierte in seiner Vaterrolle nicht, sondern war ein verantwortungsloser Geselle mit einem Hang zur Gewalt. Immer wieder tauchen vor ihrem inneren Auge Bildsequenzen aus ihrer Kindheit auf, die ihr fremd  und unheimlich erscheinen, sogar Angstzustände auslösen.  Aber wie die Autorin wohl vom richtigen Leben gut abgeschaut hat, so läuft es auch im Buch. Nina wählt in ihrer hilflosen Unsicherheit einen Verlobten, der ihrem Vater ein wenig ähnelt. Der ehrgeizige Karrieremann Jake hat alles unter Kontrolle, den Job, seine Finanzen als auch die naive Nina.
Aber nun taucht Danny auf, ein ganz anderer Typ Mann, der Nina mit seinem forschen und spontanem Verhalten als armer Künstler und seefahrender Küstenfischer auf ganz andere Gedanken und Empfindungen bringt,,,

Dieses nette Taschenbuch hat mich gut unterhalten und mir einige unbeschwerte Lesestunden geschenkt, wobei ich mit Nina's pubertärer Charakterbeschreibung und ihren Stimmungsschwankungen doch einige Probleme hatte. 
Meine Bewertung: DREI *** gute Sterne für diese unterhaltsame Liebes- und Küstengeschichte.  

Ein Dankeschön geht an die Autorin und den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem hübschen Cottage-Cover!