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Donnerstag, 16. Juli 2026

*Königssohn* von Eveline Hasler - erschienen im Nagel und Kimche Verlag




*Werbung, unbezahlt*

MEINE MEINUNG ZUM BUCH: Dieses kleine Büchlein hat mir spannende Lesestunden über wohl neue historische Tatsachen geschenkt, denen man mit Zweifel oder einem festen Glauben an Gerüchten, untermauert durch Fakten, gegenüberstehen kann. Ich bin immer noch ziemlich verunsichert und wälze diese Informationen über die Abstammung und Herkunft des berühmten Dichter Hans Christian Andersen nun tagelang im Kopf herum. 

Bestimmt haben alle Märchenliebhaber*innen schon von Hans Christian Andersen gehört. Zu seinen bekanntesten Werken gehören zum Beispiel:

Die Schneekönigin 
Die kleine Meerjungfrau
Des Kaisers neue Kleider

Der standhafte Zinnsoldat
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern
Die Nachtigall 

Die Autorin hat wichtige Details über die Herkunft des Dichters auf Grund von neuen, biografischen Aufzeichnungen in kurzen Kapiteln zusammengefasst. Dieser Text liest sich ziemlich nüchtern, da sie mit erzählerischen, romanhaften Fragmenten sehr sparsam umgegangen ist. Durch den angenehmen und ruhigen Schreibstil konnte ich schnell durch die einhundertundsiebzig  Seiten fliegen. Allein die Tatsache, dass Kronprinz Christian Frederik ( später König Christian VIII )  viele uneheliche Kinder ( zur Stärkung der Bevölkerungsdichte ? ) gezeugt hat , ist für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich gewesen. Ist dieser Kronprinz der Vater des berühmten Dichters? Vielleicht. Zumal Andersen  nach eigenen Angaben ( geschrieben im Oktober 1857) seine leiblichen Eltern nicht gekannt hat, da sie frühzeitig verstarben. Hans Christian Andersen hatte lebenslang enge Kontakte zum Königshaus. Das ist schon verwunderlich bei einem Kind, welches für damalige Verhältnisse einfach, fast ärmlich aufwächst und doch fortlaufend schulische Bildung vermittelt bekommt.

 Die Autorin berichtet  ausserdem ausführlich über die Regierungszeit von ChristianVIII. und die allgemeine Geschichte Dänemarks.   

Es ist ein interessantes, spannendes kleines Büchlein, dem ich gerne VIER **** Sterne geben kann. 

Inhalt/Klappentext: Hans Christian Andersen und das Königshaus – eine historische Spurensuche

Im frühen 19. Jahrhundert ereignet sich in Dänemark eine seltsame Familienverschränkung, die bis heute ungeklärt ist. Kronprinz Christian Frederik zeugt rund ein Dutzend uneheliche Kinder, um damit dem Staat gesunde Nachkommen zu schenken, und lässt diese inkognito, aber mit großzügiger finanzieller Zuwendung aufwachsen. Ist er auch der Vater des später weltberühmten Dichters Hans Christian Andersen? Das ist ein bis heute nicht bewiesenes Gerücht. Eveline Hasler begibt sich anhand seines Schicksals und einer ihr zugetragenen Biografie auf Spurensuche und nimmt ihre Leser mit in eine Geschichte, die noch heute fasziniert.

Eveline Hasler (geb. 1933 in Glarus) ist eine Schweizer Schriftstellerin. Sie studierte Psychologie und Geschichte an der Universität Freiburg und in Paris. Anschließend war sie als Lehrerin tätig. Sie verfasste Kinder- und Jugendbücher, Lyrik und erzählerische Werke für Erwachsene. 1994 erhielt sie für ihr literarisches Gesamtwerk den Droste-Preis. Ihre Bücher sind bisher in zwölf Sprachen übersetzt worden. Eveline Hasler ist Mitglied des Vereins Autorinnen und Autoren der Schweiz und des Deutschschweizer PEN-Zentrums. Ihr Vorlass befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Die Autorin lebt in Ronco sopra Ascona (Kanton Tessin).

Herzlichen Dank an die Autorin und die Harper Collins Verlagsgruppe für das gebundene Print-Rezensionsexemplar!


 

Dienstag, 1. Oktober 2024

*Die Herrin der Vögel* von Bachtyar Ali - erschienen im Unions Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Eine märchenhafte Suche nach Liebe, Heimat und Hoffnung.

Inhalt/Klappentext: 

Stunde um Stunde verbringt die junge Sausan in der Bibliothek ihres Vaters. Wegen ihrer Gesundheit zu einem Leben am immer selben Ort verdammt, entdeckt sie die Vielfalt der Welt durch ihre Bücher: Sie liest von fernen Städten und alten Völkern, von Meerestieren, Motoren und wundersamen Pflanzen. Sie ist sich gewiss: Sollte sie je heiraten, dann einen Mann mit weltoffenem Geist, der die Liebe zu Geschichten im Herzen trägt.

Als gleich drei Verehrer um ihre Hand anhalten, stellt sie ihnen eine Aufgabe: Acht Jahre lang sollen sie die Ferne bereisen und ihr nach Ablauf dieser Zeit einhundert Vögel zurückbringen. Dann wird sie ihre Berichte hören, jedem in die Augen schauen und prüfen, ob sie darin den Reichtum dieser Welt erblickt.

Ausführliche Biografie des Autor:

Bachtyar Ali ist der bekannteste zeitgenössische Schriftsteller und Poet des autonomen irakischen Kurdistan. Er wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins, wurde bei Studentenprotesten verletzt und brach sein Geologiestudium ab. Er widmete sich der Poesie und erhielt noch im selben Jahr seinen ersten Preis für sein Gedicht Nishtiman (Heimatland). Sein erster Gedichtband Gunah w Karnaval (Sünde und Karneval) erschien 1992.

Nach dem Aufstand von 1991 und der damit verbundenen teilweisen Autonomie boten sich den Schriftstellern und Intellektuellen in den kurdischen Gebieten bisher ungekannte Artikulationsmöglichkeiten. Bachtyar Ali intensivierte seine eigene schriftstellerische Tätigkeit und widmete sich gleichzeitig der philosophischen Zeitschrift Azadi (Freiheit). Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. In Kurdistan gewann er großes Ansehen durch seine unparteiische Haltung und seine offene Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen in seiner Heimat.

2005 kürte das Bildungsministerium des autonomen irakischen Kurdistan den Roman Die Stadt der weißen Musiker zum besten Buch des Jahres. 2009 erhielt er als Erster den HARDI-Literaturpreis, der zum größten Kulturfestival im kurdischen Teil des Irak gehört. 2014 wurde er mit dem neu eingerichteteten Sherko Bekas-Literaturpreis ausgezeichnet.

Bachtyar Ali lebt seit Mitte der Neunzigerjahre in Deutschland. 2017 wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis ausgezeichnet, 2023 erhielt er den Hilde-Domin-Preis.


Meine Meinung zum Buch: 

Sausan und Prusche aus Bagdad, die beiden erwachsenen Töchter von Fikrat Guldantschi ziehen mit ihrem Vater während des Krieges in die nördliche, kurdisch geprägte Provinz des Irak. Die wunderschöne, aber kränkliche Sausan zieht sich immer mehr in die riesige Bibliothek ihres Vaters zurück und lebt in ihrer Welt der Bücher und Geschichten. Verwandte und Bekannte empfinden das als sonderbar und können das Mädchen nicht verstehen. Sie bekommt trotz des Befremdens der Stadtbewohner  drei Heiratsanträge und stellt den jungen, bekannten Männern aus der Stadt eine ungewöhnliche Aufgabe. Sie sollen eine Reise in die Ferne von acht Jahren absolvieren und einhundert Vögel mitbringen, von ihren Abenteuern berichten und Sausan schildern wie sie den Reichtümern unserer Welt begegnet sind. Die drei Hochzeitsbewerber sind einmal ein Student, ein Kaufmann und ein stadtbekannter Messerheld.

Schon der blumige Titel des Buches hat mich an viele märchenhafte Bücher erinnert, die mir im Laufe meiner Lebens - Lesezeit begegnet sind. Es war ein poetisches Märchen, doch gleichzeitig auch ein politisches Buch zur hochbrisantem Thematik des Lebensumfeldes der Kurden im Nordirak, Syrien und der Türkei. Diese beiden Genres so geschickt zueinanderzufügen, dass man als Leser gefesselt wird von der Geschichte ,  zeugt von grosser Schreibkunst. Man wird vom Autor aus den poetischen und schönen Vorstellungen und Sätzen geschickt in die dortige Realität des Irak geleitet. Plötzlich befindet sich man inmitten von kriegerischen Auseinandersetzungen , Tod und Gewalt. Ich bin oft aufgeschreckt und hatte sofort eindringliche und anstrengende Bilder aus der gewalttätigen Vergangenheit und Gegenwart im Kopfkino. Der Autor schafft es allerdings auch, die Liebe der Menschen zueinander, ihre Träume, Wünsche und Fantasievorstellungen farbig darzustellen. Die Lektüre regt zum Nachdenken in viele Richtungen an. 

Es war für mich eine Reise in eine völlig fremde und unbekannte Welt . Danke dafür. 

Meine Bewertung: FÜNF *****Sterne für dieses grossartige Buch. 

Herzlichen Dank an den Autor und den Unionsverlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.