Freitag, 15. Mai 2026

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*



Meine Meinung zum Buch:

Henriette Barnstorf lädt zu ihrem 100. Geburtstag die Familie in ihr Sommerhaus im Havelland ein. Doch der von allen geliebte Sohn fehlt. Die gesamte Familie trauert und vermisst ihn sehr. Die vier erwachsenen Enkelmädchen und ihre Tochter lieben diese Familientreffen dort; sind doch ihre glücklichen Erinnerungen verbunden mit sorglosen, warmen Sommertagen, dem Duft der Wiesen, blühenden Obstbäumen sowie kreativen Spielzeiten miteinander aus Kindheitstagen. Die Großcousine Max hat für die rüstige Jubilarin ein ganz besonderes Geschenk mitgebracht. Es ist ein Ahnengutachten, welches über dreihundert Jahre in die Vergangenheit zurückreicht, bis nach Lyon in Frankreich. Enkelin Antonia, die Geschichte studiert, ist fasziniert davon, besonders aber von Jeanne Beauvais, einer jungen Hugenottin, die einer reichen Seidenhändler- und Tuchmacherfamilie aus Lyon entstammt.

Die Autorin erzählt in zwei Zeitsträngen: einerseits über die schwierigen Nachforschungen von Antonia in Archiven, Museen sowie bei interessanten Menschen in der Schweiz und im Frankreich der Gegenwart. Die dramatischen Erlebnisse der Jeanne Beauvais während ihrer Flucht aus Frankreich in das protestantische Brandenburg des 17. Jahrhunderts werden so lebendig und real geschildert, dass man mit Bangen dem Schicksal der französischen Hugenottenfamilie folgt. Der harmonische Lesefluss führt die Leser*innen mit viel Wissen und einer stimmigen Atmosphäre in diese aufregenden Schicksalstage, Wochen und Jahre ein.
Die Zeitsprünge von der Gegenwart in die Vergangenheit werden durch eine besondere, fantasievolle Vorstellungsgabe der Antonia erklärt und leiten die Leser*innen ganz natürlich und ohne Erzähllücken in das jeweilige aktuelle Geschehen. Es geht um die Vertreibung der protestantischen Hugenotten aus dem katholisch regierten Frankreich des 17. Jahrhunderts. In brutalster Weise wurde diese Bevölkerungsgruppe verfolgt, vertrieben, ermordet oder ihres Vermögens beraubt, wenn sie nicht ihrem Glauben abschwören wollten. So kam es zu großen Wanderungen dieser Menschen in protestantische Herrschaftsgebiete, wie nach Brandenburg in Deutschland.

Besonders interessant fand ich die herausgearbeiteten Parallelen zwischen der Stellung der Frauen in der Vergangenheit und heute, die sich in Teilen leider immer noch sehr ähneln. Die Ansichten über das Leben, was Toleranz, Gleichberechtigung und ein rücksichtsvolles Umgehen miteinander in der jeweiligen Gesellschaft betrifft, sind auch heute immer noch nicht in vollem Umfang erreicht. Die Autorin hat nach meiner Ansicht hervorragend recherchiert und geschickt einen Übergang zu nachfolgenden Bänden einer neuen Reihe über die anderen drei Schwestern vorbereitet.

Fünf  ***** Sterne !

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das wunderbar stimmige , gebundene Rezensionsexemplar.

Katharina Fuchs, geboren 1963 in Wiesbaden, verbrachte ihre Kindheit am Genfer See und lebt heute mit ihrer Familie im Taunus. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main und Paris war sie viele Jahre als Juristin tätig. Seit ihrem Spiegelbestseller „Zwei Handvoll Leben“ widmet sie sich ganz dem Schreiben. In ihren Romanen erzählt Katharina Fuchs von Familien über Generationen hinweg, von historischen Zäsuren und ihren Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Viele ihrer Bücher sind von der eigenen Familiengeschichte inspiriert. Schwesternland ist ihr jüngster Roman.


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