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Donnerstag, 18. Juni 2026

*Mattanza* von Germana Fabiano - erschienen im Mare-Verlag


 *Werbung, unbezahlt , e-book*

INHALT/KLAPPENTEXT: Seit jeher bestimmen das Meer, der Wind und vor allem der Thunfisch das Leben auf der kleinen süditalienischen Insel Katria. Angeführt vom Raìs, gibt die Mattanza, der Höhepunkt des traditionellen Thunfischfangs, den Rhythmus der Insulaner vor. Doch nachdem der Enkel und letzte legitime Erbe des Raìs gegen alle Erwartungen als Mädchen geboren wird, muss Nora beweisen, dass sie auch als Frau die Traditionen ihrer Gemeinde wahren und ihrem Großvater nachfolgen kann.

Während sich die Welt um Katria immer schneller dreht, erreichen die ersten Wellen des Tourismus die Insel und schließlich auch der Strom an Menschen, für die dieses Stück Land das erste Stückchen Europa bedeutet. Der Wandel scheint unaufhaltsam und stellt Nora vor die Frage, wie weit sie zu gehen bereit ist, um ihre Traditionen zu schützen.

Germana Fabiano, geboren 1971 in Palermo, lebt heute auf Sizilien und in Tübingen, wo sie ihre Arbeit als Autorin mit einer Dozentur für Menschenrechte an der Universität verbindet. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman Balarm und wurde für eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Colonna d’Eroma ausgezeichnet. Nach weiteren Publikationen ist Mattanza ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint. 

Meine Meinung zum Buch: 

Jahrhundertelang, ja sogar wohl Jahrtausende, hat die Bevölkerung der kleinen süditalienischen fiktiven Insel Katria vom Thunfischfang gelebt. Diese Meerestiere kamen zuverlässig jedes Jahr an der Küste vorbei. In Netzen wurden sie von Kammer zu Kammer geleitet, bis hin zur sogenannten Mattanza, dem Abschlachten der Tiere.  Es war eine blutige und grausame Angelegenheit, die der Raìs anordnete und überwachte, immer im Auftrag des Geldgebers und Besitzer der Fabrik, der alteingesessenen Grafenfamilie Filangeri der Insel.  Der Fang, die Verarbeitung  und der Verkauf dieser Fische sicherte der Bevölkerung wiederum für ein Jahr Arbeit und das Überleben. Der Raìs, als Anführer der Tonnara (eine Tonnara ist die traditionelle, stationäre Fischfang Methode, die aus Netzkammern besteht), wusste alles über das Leben der Fische im Meer, die Winde und die Meeresströmungen. Er ordnete den Beginn der Jagd für die Fischer an, nach der Prüfung der Meeres Verhältnisse und seinen persönlichen Erfahrungswerten. 

Sein traditionell zu bestimmender Nachfolger, immer der letzte legitime Enkelsohn, war in den frühen 60er Jahren jedoch kein Junge, sondern ein Mädchen: die kleine Nora. Im zarten Alter von etwa sechs Jahren wurde sie zu ihrem Großvater, dem Raìs, gebracht. Sie lebte fortan bei ihm, und er lehrte sie alles über den Thunfischfang, das Meer sowie die alten Riten und Gebräuche. Wir verfolgen Noras Lebensweg als weiblichen Raìs über fünf Jahrzehnte bis ins Jahr 2012 in diesem Buch.

Der faszinierende und gut erklärende Schreibstil der Autorin über die uralten, traditionellen Bräuche der Bevölkerung auf der Insel Katria haben mich sofort in einen Lesesog gezogen.  Noras starker Wille, diese Tradition zu folgen und sie weiterzugeben, obwohl sie das Meer und vor allen Dingen das tödliche Gemetzel der Fische hasste, hat mich sehr beeindruckt.  Die poetischen und sinnlichen Beschreibungen des Meeres, seiner Geschöpfe, der windigen, salzhaltigen Atmosphäre  haben mich ebenso begeistert wie die unterschiedlichen Charakterdarstellungen anderer, origineller Bewohner der Insel und deren Lebensgeschichten. 

Doch die Welt veränderte sich im laufe der Jahrzehnte.  Erst kommen  ausländische Touristen und erkundeten die schöne Insel, sehr zum Erstaunen der Bewohner. Grosse ausländische Fang Flotten durchpflügten das Mittelmeer und es wurden immer weniger Thunfische vor Katria gesichtet. Bis das Meer plötzlich erste ertrunkene, tote Migranten an die Insel spülte - eine menschliche Katastrophe. Die Inselbewohner von Katria waren entsetzt, erschüttert und halfen den überlebenden Gestrandeten unermüdlich. Diese Wendung im Roman gibt eine aktuelle Beschreibung der Insel-Situation, die sehr nahe geht......und immer noch besteht. 

Eine humane Katastrophe.

Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung mit FÜNF ***** Sternen. 


Herzlichen Dank an die Autorin und den Mare Verlag für dieses interessante e-book!


Dienstag, 9. Juni 2026

*Und dahinter das Meer* von Laura Spence-Ash - erschienen im Mare Verlag

*Unbezahlte Werbung, selbstgekauftes Buch*

Meine Meinung zum Buch: 

Die Wirren des Zweiten Weltkrieges erfassen im Jahr 1940 ganz Europa . Auch die in London lebende Familie Millie und Reginald Thompson, Eltern  der 11- jährigen  Bea erfahren die Schrecken der gefährlichen Luftangriffe. Es gibt die Möglichkeit Kinder aus den Großstädten aufs Land zu schicken oder sogar nach Amerika in die USA. Kurzerhand wird für Bea eine Schiffspassage gebucht und sie  bekommt einen Platz in einer Gastfamilie zugewiesen. Die Eltern Mr. und Mrs. G,  der Familie Gregory sowie deren Söhne William und Gerald nehmen sie liebevoll auf und versuchen ihr den Aufenthalt in einem fremden Land so angenehm wie möglich zu machen. Beas Mutter ist sehr unglücklich über diese Trennung, leidet unter dem  Verlust ihrer Tochter, doch ihr Ehemann und vernünftige Gründe überzeugen sie , der Reise zuzustimmen. Auch Bea möchte eigentlich nicht abreisen , doch sie muss sich fügen. 


Die Autorin hat in ihrem Schreibstil warmherzig, gefühlvoll und realistisch diese Situation für die Leser*innen erzählt. Die Emotionen der verschiedenen Protagonist*innen sehr sorgfältig ausgearbeitet und harmonieren überzeugend mit den unterschiedlichen Charakteren. Beas Erlebnisse während der Sommeraufenthalte auf einer kleinen Insel in Maine konnte man sehr gut nachvollziehen. Das Glück des perfekten Eingewöhnens erfährt sie während ihres  fünfjährigen Aufenthaltes bei der Familie Gregory in den USA. Eine zarte Liebe bahnt sich dort für Bea an. Die drei Jugendlichen sind unzertrennlich. Doch Schuldgefühle gegenüber ihren Eltern quälen sie, zumal die Erinnerungen an Millie und Reginald immer mehr verblassen. Eine Rückkehr bleibt jedoch unausweichlich, und wir erfahren noch einiges über tragische und verbindende  Ereignisse in beiden  Familien während der nächsten Jahrzehnte. Dieser Teil des Romans ist nicht weniger emotional als der Aufenthalt in der Gastfamilie.

Dieses Buch ist eine schön erzählte Familiengeschichte,  verbunden vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, der allerdings im Buch eher als Nebenschauplatz erwähnt wird.

Eine Leseempfehlung mit fünf ***** Sternen gebe ich sehr gerne!

INHALT/KLAPPENTEXT: London 1940: Um ihre elfjährige Tochter vor Luftangriffen zu schützen, beschließen die Thompsons schweren Herzens, Beatrix für ungewisse Zeit zu einer Gastfamilie in die USA zu schicken. Nach der langen Schiffspassage trifft Bea wütend und verängstigt in Boston ein, aber schon bald fühlt sie sich bei den Gregorys zu Hause, während ihre Erinnerungen an das Leben in England langsam verblassen. Mit ihren Gasteltern und deren Söhnen William und Gerald teilt Bea nicht nur ihren neuen Alltag, sondern verbringt auch unvergessliche Sommer im Ferienhaus der Familie in Maine. Doch ausgerechnet als Bea sich zu fragen beginnt, ob William mehr für sie sein könnte als ein Bruder, kommt der Tag, an dem sie nach London zurückkehren muss ...

Laura Spence-Ash, 1959 geboren, studierte an der Rutgers University in Newark Creative Writing und lebt in New Jersey. Ihre Erzählungen sind in verschiedenen Literaturzeitschriften erschienen; für ihr Schreiben erhielt sie mehrere Stipendien. Ihr Debütroman Und dahinter das Meer wurde in den USA zum Bestseller und wird in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Claudia Feldmann studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf und übersetzt seit mehr als zwanzig Jahren aus dem Englischen und Französischen. Unter anderem hat sie Eoin Colfer und Graeme Macrae Burnet und für mare zuletzt Julia R. Kellys Das Geschenk des Meeres (2025) ins Deutsche übertragen.


 
 
 

 

Donnerstag, 26. März 2026

*Sommer auf Perigo Island* von Perry Chafe - erschienen im MARE VERLAG


*Werbung , unbezahlt, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 21.2.26 im Mare Verlag




Inhalt /Klappentext: Sommer 1991 auf Perigo Island vor der Küste Neufundlands. Der zwölfjährige Pierce und seine Freunde Bennie und Thomas verbringen ihre Ferien damit, den im Hafen ankommenden Fischern beim Sortieren ihres schwindenden Fangs zu helfen. Bis sie erfahren, dass ein Mädchen von der Insel vermisst wird: ausgerechnet Anna, die in geheimer Verbundenheit zu Pierce stand und als Einzige von seiner Angst vor dem offenen Wasser wusste, die ihn quält, seit sein Vater auf See verschwand. Zusammen mit Bennies New Yorker Cousine Emily setzen die Freunde alles daran, Anna zu finden. Auf ihrer abenteuerlichen Suche werden sie einem mysteriösen Meeresbiologen begegnen, eine Faszination für die Geheimnisse des Ozeans entwickeln, sich zum ersten Mal verlieben und sich ihren größten Ängsten stellen müssen. 

Perry Chafe wurde 1969 in Petty Harbour, einem kleinen Fischerort in Neufundland, geboren. Nach seinem Studium an der Memorial University of Newfoundland arbeitete er als TV-Produzent, Drehbuchautor und Songwriter. Sein Debütroman Sommer auf Perigo Island wurde in Kanada umgehend zum Bestseller.  

Meine Meinung zum Buch: 
Die vier Kinder auf dem in verhaltenen Grauton-Farben  des Buchcover, vermitteln als erstes den Eindruck eines Coming-of-Age-Roman. Das stimmt teilweise. Es entwickelt sich allerdings ein ernstes Thema , einem spannendem Krimi ähnelnd. Der Roman erzählt die Geschichte rund um das  plötzliche Verschwinden der jungen Anna auf einer abgelegenen Insel Neufundlands. Das Insel-Leben auf der Fischerinsel des 12 jährigen Pierce und seiner Freunde Thomas, Bennie und dessen Cousine Emily aus New York werden bildhaft und sehr stimmungsvoll aufgerollt. 
 

 Pierce wächst in einer kleinen, engen Inselgemeinschaft von Kabeljaufischern auf. Sein Vater fährt täglich auf die raue See mit seinem eigenen Kutter zum Fischfang. Die Mutter arbeitet in einer Fischfabrik. Das plötzliche Verschwinden des Vaters bei der Arbeit traumatisiert den Jungen. Seine Angst vor dem Ertrinken und Tod auf dem Meer wächst so ins Unermessliche, dass er die See und das Betreten eines Fischkutters vermeidet. Die etwas ältere, sensible Anna bemerkt diese Ängste und versucht in einigen wenigen Begegnungen, die Jahre auseinanderliegen , Verständnis und Mitgefühl für diese Ängste an den jüngeren Pierce zu vermitteln. Pierce fühlt sich verstanden und getröstet, verehrt die ältere Anna und ihr grosses Zeichentalent, mit dem sie die Insel in Bildern festhält. Das wilde Meer, die Klippen der Insel sowie die blau glitzernden Eisberge , die sich immer wieder nah an die Inselküste schieben, sind ihre beliebten Motive. Das plötzliche Verschwinden von Anna schockt Pierce und seine Freunde. Sie machen sich auf die Suche nach Anna, wie die gesamte Inselbevölkerung. Diese Entwicklung wird in einem grossen,  stetig wachsendem Spannungsbogen thematisiert. Als der alte, den Kindern unheimliche erscheinende *Festländer* Solomon,  in die Suche der Jugendlichen nach Anna verwickelt wird, bekommt der Roman einen echten Spannungskick....... 

Ein anderer interessanter Aspekt im Buch war für mich die Erwähnung des Niedergangs der Fischindustrie auf den Inseln Neufundlands durch immer geringere Fangquoten , der Überfischung  der Meere, sowie das Voranschreiten der Klimaveränderungen. Durch wunderschöne,  fast poetische und verklärende Beschreibungen der Vergangenheit des Fischfanggewerbes hat der Autor diesen Inseln und seinen damals dort lebenden Menschen ein beeindruckendes Denkmal gesetzt. 

Der Autor lässt den Jungen Pierce in der Ich-Form erzählen und am Ende des Buches
hatte ich das Gefühl, dass der Autor viele autobiografische Elemente in seinem Buch verarbeitet hat. Der interessante Epilog am Ende des Buches verstärkte diesen Eindruck  bei mir. 

Ich empfehle dieses  lesenswerte und spannende Buch sehr gerne und bewerte es mit

FÜNF ***** Sternen.

Herzlichen Dank an den Autor und den MARE VERLAG für das schöne gebundene Rezensionsexemplar. 

*Bewertungsbild KI-generiert*