Freitag, 9. Juni 2017

*Vom Ende An* von Megan Hunter, erschienen im C.H.Beck Verlag

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Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :18.05.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 18.05.2017
  • Verlag : Beck, C H
  • ISBN: 9783406705076
  • Fester Einband 157 Seiten
  • Sprache: Deutsch

REZENSION

INHALT:
Eine Frau entbindet einen kleinen Jungen. Er wird Z genannt. Ehemann R bringt die junge Familie vor einer grossen Flut, verursacht durch eine Klimaveränderung, die auch London zu verschlingen droht, in Sicherheit zu seinen Eltern auf das Land. Doch es ist eine trügerische Sicherheit. Die Flutkatastrophe nimmt ungeahnte Ausmasse an. Die Grosseltern verschwinden, R verlässt die junge Mutter um Hilfe zu holen, die Familie verliert sich, die Nahrungsvorräte schmelzen dahin. Aber die junge Frau sieht nur eines - die Liebe zu ihrem neugeborenen Kind - diese Liebe trägt sie weiter durch alle Widrigkeiten der äusseren Lebens-Umstände,,,,

Zitat Seite 11 : Als Kind glaubte ich, ich wäre für unsere Zeit geschaffen worden. Die Endzeit. Die Flutzeit.

MEINE MEINUNG:
Ein außergewöhnliches Buch, als gebundene Ausgabe mit nur 157 Seiten vom C.H.Beck Verlag , hat mich erreicht. Versehen mit einem schönen blau glitzerndem Umschlag, der geschickt den Schrecken einer archaischen Flut verbirgt.
Es ist der  Debütroman der jungen Schriftstellerin Megan Hunter.
Sie lässt diesen Roman aus der Ich-Perspektive einer Mutter erzählen. Kurze, meist nur drei bis vier knappe, prägnante  Sätze machen das Lesen einfach, der Inhalt bleibt allerdings bedeutungsschwer im Kopf haften. Diese Worte haben es in sich. Die verschiedenen Abschnitte aus den aussagekräftigen Sätzen auf jeder Seite werden durch Sternchen auseinandergehalten. Platz für eigene Gedanken und Vorstellungen entstehen so spielerisch. Langsames und sorgfältiges Lesen steigert das Vergnügen an dieser Sprache. Sie ist lyrisch angehaucht , verbirgt Schrecken ebenso wie Schönheit und offenbart sich erst beim genauen Hinschauen. Dass eine Mutter diese Naturkatastrophe  so gelassen hinnimmt, erklärt sich nur durch die enge Versunkenheit beim Stillen und Bewundern ihres Neugeborenen. Diese enge Bindung darzustellen, war meines Erachtens das Hauptanliegen der Autorin. Nichts kann diese menschliche Regung erschüttern. Auch keine noch so erschreckende globale Naturkatastrophe. Panik, Chaos und Leid bleiben  diskret irgendwie im Hintergrund. Wir begleiten Mutter, Kind - auch der Vater wird wiedergefunden, bis zum ersten eigenen Schritt von Baby Z , durch Aufenthalte in verschiedenen Unterkünften, wie Autos, Inseln, Flüchtlingsunterkünften. Die Beziehungen von Mutter und Kind zu anderen Menschen werden eindrucksvoll geschildert und sind von Hilfsbereitschaft und Liebe gezeichnet.  
Die Autorin beendet das Buch hoffnungsvoll, die Zukunft für den zweiten Schritt vom Menschenwesen und Kleinkind  Z liegen allerdings in weisser, ungewisser Zukunft ohne Zeichen. Die Fantasie des Lesers arbeitet nach dieser eindrucksvollen Lektüre sicher weiter,,,,,

Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne für ein grossartiges Buch!

Herzlichen Dank an die Autorin und  den C.H.Beck Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.



  

Donnerstag, 8. Juni 2017

*Allein in den Wäldern - Auf der Suche nach dem wahren Leben*von Howard Axelrod, erschienen im Kösel-Verlag

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :03.04.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 03.04.2017
  • Verlag : Kösel
  • ISBN: 9783466346547
  • Fester Einband
  • Sprache: Deutsch

REZENSION

INHALT: Ein disziplinierter Harvard-Student aus einem wohlbehüteten Elternhaus, der schon viel in der Welt herumgekommen ist , verliert durch einen tragischen Sportunfall sein rechtes Augenlicht und hat sehr grosse Schwierigkeiten diesen Verlust emotional zu verarbeiten. Howard Axelrod sucht einen neuen Platz im LEBEN für sich und beschliesst zwei Jahre allein in einer Hütte im Wald zu leben, ohne Internet und TV. Er kann allerdings in einer Stunde Autofahrt einen Supermarkt erreichen. Auch hat er durch einen Telefon- Festnetzanschluss die Möglichkeit Kontakt zur Welt aufzunehmen. So ganz allein und abgeschieden lebt er also doch nicht,,,

MEINE MEINUNG:
Als erstes hat mich der Schreibstil von Howard Axelrod  sehr beeindruckt. Seine poetischen Naturbeschreibungen haben lyrischen Charakter und vermitteln die wunderbare Romantik des Waldes.
Ich hatte mir  allerdings ein ähnliches Buch wie *Walden von David Thoreau*vom Inhalt  erhofft, wurde aber ein wenig enttäuscht. Die Hoffnung baute sich wegen des Untertitels *Auf der Suche nach dem wahren Leben* in mir auf. 
Herr Axelrod hat seinen Roman in mehrere Erzähl Stränge gegliedert, in denen er laufend hin und her wandert, manchmal nur in sehr kurzen Leseseiten und Zeiträumen. Das empfand ich als anstrengend beim Lesen und hat mich oft aus meinen eigenen Überlegungen zum Geschehen herausgeworfen. Er lässt den Leser immer wieder in seine studentische Vergangenheit, Erinnerungen und Gedanken zurückblicken , oft auf den traumatischen Basketballunfall, bei dem er sein Augenlicht verlor. Ich habe viel Verständnis für so ein einschneidendes Erlebnis. Aber sucht man deswegen  nach dem wahren Leben? Was ist das wahre Leben überhaupt? Durch das Lesen dieses Buches erschloss sich mir das jedenfalls nicht. Ich bin beim Lesen zu der Überzeugung gelangt, dass ich den Inhalt des Buches mit den beiden Titeln schwer in Zusammenhang bringen konnte. Das hat mich ein wenig enttäuscht. Die sehr stimmigen, schönen, fast schon verklärten  Beschreibungen der Natur haben mich versöhnt - aber irgendwann eben auch leise gelangweilt.
Was hat Howard Axelrod den ganzen Tag gemacht, ausser die Natur zu beobachten? Das habe ich nicht erlesen können. Die Rückblicke in die Vergangenheit haben sich immer wieder in den Vordergrund gedrängelt. So wirklich allein und einsam war er jedenfalls auch nicht. Feuerholz wurde zum Beispiel gebracht und er hätte jederzeit per Telefon Kontakt suchen können, was er ja auch sporadisch getan hat. Dieser autobiografischen Lebensbeschreibung hat etwas Entscheidendes gefehlt. Die Mystik der Einsamkeit, die innersten Gedanken und Gefühle , die dadurch ausgelöst werden können, sind leider nur teilweise in den Roman gewandert. Schade, der wunderbare Schreibstil kann diese Schwäche in der Erzählung nicht wettmachen.  Aber das wiederum ist mein ganz persönliches Empfinden beim Lesen gewesen.


Für dieses schöne, gute Buch möchte ich VIER **** STERNE vergeben.
Herzlichen Dank an den Autor und den Kösel-Verlag für das gebundene
Rezensionsexemplar.





Mittwoch, 7. Juni 2017

* Das Herz kommt zuletzt* von Margaret Atwood, erschienen im Berlin Verlag

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Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :03.04.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 03.04.2017
  • Verlag : Berlin Verlag
  • ISBN: 9783827013354
  • Fester Einband 400 Seiten
  • Sprache: Deutsch

Rezension



INHALT:
Ein junges Ehepaar in Amerika hat ALLES verloren. Stan und Charmaine sind ohne Job, ohne Wohnung, sie leben von der Hand in den Mund in einem Auto, sind laufend auf der Flucht, da die gesellschaftlichen Zustände einer Katastrophe ähneln. Der grösste Teil der arbeits- und wohnungslosen  Bevölkerung hat sich in Banden organisiert und jeder begibt sich auf Raubzug um zu überleben. Gewalt, Verbrechen und unglaubliche Armut machen das Leben zur Hölle.
Doch es zeigt sich ein Ausweg aus dieser schrecklichen Situation an. 
Die beiden bekommen ein Angebot , bei einem *sozialen Experiment*, dem  sogenannten Positron-Projekt ( gesponsert von privaten Investoren) mitzumachen. Sie würden abgeschieden, geschützt , eher gefangen,  in der Stadt Consilience mit Job, Haus und allen verlorenen Annehmlichkeiten des Lebens  wohnen dürfen. Danach folgt ein vierwöchiger Aufenthalt in einem modernen, sehr gut geführtem Gefängnis namens Positron. Ein  turnusmässiger, vierwöchiger  Wechsel von Freiheit und und Gefängnis-Aufenthalt wird ihren Lebensrhythmus bestimmen. 
Eine interessante kleine Nebensächlichkeit kommt hinzu. Ein anderes Ehepaar wird ihr Haus auch bewohnen dürfen und alle wechseln sich mit dem Status eines *Freien* und  eines*Gefangenen* ab. Zwei Bedingungen müssen sie noch erfüllen.  Sie werden Consilience nie wieder verlassen und  die beiden Ehepaare werden sich nie begegnen dürfen,,,,,

MEINE MEINUNG: 
Diese unheimliche  Dystopie von der berühmten kanadischen Autorin Margaret Atwood  hat mir unglaubliches Unbehagen verursacht und gleichzeitig  ein sehr aufregendes  und spannendes Lesevergnügen.Das Buch hat mich total gefesselt und ich konnte es zwei Tage nicht aus der Hand legen. Es war mein erstes Buch von ihr und ich bin von ihrem brillantem  und unvergleichlichem Schreibstil total begeistert. Die Charaktere der Protagonisten sind sehr sorgfältig und einprägsam gezeichnet. Diesen Untergang der uns bekannten Welt  hat sie im Roman mit einer bitterbösen Sexkomödie, den menschlichen Haupt-Begierden wie hemmungsloser Kampf um Nahrung,  Sicherheit und das Streben nach Macht und Anerkennung ausgestattet. 
Ich habe beim Lesen das dumpfe Gefühl empfunden, dass dieses furchtbare Zukunftsszenario gar nicht so weit von uns entfernt ist. Es geht auch um Kontrolle durch Behörden , ihre Vertreter , und um Autoritätsgläubigkeit, absoluten Gehorsam und auch die Erfindungsgabe des Menschen all dieses auf intelligente Art und Weise zu umgehen und auszuschalten.. Die beiden Hauptprotagonisten Stan und Charmaine haben mit ihren Handlungen und vor allen Dingen moralischen Verfehlungen nicht immer meine Zustimmung gefunden. Ich war oft entsetzt und total sauer auf Stan und Charmaine . Margaret Atwood hat alle Personen des Buches  sehr klug und mit viel Menschenkenntnis um ihre Schwächen dargestellt. 
Dieser Roman hat mich aufgeschreckt, fasziniert, verstört und zum Nachdenken über vieles aus unserer technisierten Gesellschaft und Welt gebracht. 

Das Schlimme, dieses Buch ist kein spannender Krimi, kein Thriller aus der Feder eines Phantasten , sondern womöglich ein Teil unserer Zukunft - nur in überzogener Darstellung einer Dystopie. 
Dieses Buch rüttelt den Leser wach, unsere Mediengläubigkeit  und die Hoffnung auf unendlichen technischen Fortschritt werden in Frage gestellt. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Berlin Verlag bei Piper für dieses fesselnde und herausragende Rezensionsexemplar.
Meine Bewertung : FÜNF ***** STERNE 

 Mehr Infos : https://www.piper.de/verlag/berlin-verlag-hardcover

Sonntag, 4. Juni 2017

*Nachts in Vals* von Tim Krohn, erschienen bei Diogenes

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Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :17.08.2015
  • Aktuelle Ausgabe : 26.04.2017
  • Verlag : Diogenes
  • ISBN: 9783257243895
  • Flexibler Einband
  • Sprache: Deutsch
INHALT: Ein berühmtes Schweizer Thermalbad  namens VALS. Ein Hotel. Menschen. Dunkle, geheimnisvolle Nächte. Mehr braucht es nicht um nachdenkliche Geschichten vom Schriftsteller Tim Krohn zu geniessen.

Zitat: Mit den hier gedruckten Erzählungen bot Tim Krohn im damaligen >Hotel Therme< in Vals Zimmerlesungen an. Diese Tradition führt er nun im Val Müstair fort.
www.timkrohn.ch

MEINE MEINUNG:
Ich habe die neun fantasievollen Kurzgeschichten des bekannten Schweizer Schriftsteller Tim Krohn an einem herrlichen Sommertag im Garten genossen zwischen Träumen, Lesen und Nachdenken. 
Sein  Schreibstil ist ungewöhnlich einprägsam, flüssig, voller Nachdenklichkeit, Andeutungen und hintergründigen Inhalten. Tim Krohn erzählt fabelhafte Geschichten von Menschenleben und Erlebnissen.
Er schreibt zum Beispiel aus der Sicht eines Kindes, welches nachts durch das Hotel wandert, sich verirrt und von einem Schutzengel behütet am Morgen wieder aufgefunden wird.
Beziehungsprobleme von Paaren werden geschildert, Geschichten von Schuld, Vergebung , Neubeginn  -  und alles passiert im Zauber der Nacht. Die Nacht verändert uns, macht uns verletzlicher, sensibler , lässt in uns hineinhorchen und jeder Mensch  hat diese Stimmungen sicher schon einmal erlebt. Besondere, magische Nächte bescheren dem Leser mit diesen wunderbaren Kurzgeschichten eine besondere, schöne Lese-Zeit,,,,

Vielen herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für die Bereitstellung des mit einem geheimnisvollen  Cover, mit Blick auf Berg und Tal, versehenen Rezensionsexemplar!
Meine Bewertung: Fünf ***** Sterne
http://www.diogenes.ch/leser.html




Donnerstag, 1. Juni 2017

*Die Hummerkönige* von Alexi Zentner, erschienen bei btb Verlag

Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :09.05.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 09.05.2017
  • Verlag : btb
  • ISBN: 9783442715442
  • Flexibler Einband 416 Seiten
  • Sprache: Deutsch
Infos zum Autor: https://www.randomhouse.de/Autor/Alexi-Zentner/p391477.rhd


REZENSION

INHALT:
Der Roman spielt auf der rauhen Insel Loosewood Island  vor der Küste Kanadas/USA/ Maine und schildert die Geschichten und Mythen der Familie Kings, die seit dreihundert Jahren das Inselleben und den dortigen  Hummerfang der Fischer beeinflussen.
Dem Vorfahren Brumfitt Kings , der auch als Maler und Künstler anerkannt ist, wurde sogar ein Museum auf der Insel eingerichtet, welches gerne von Touristen während der Sommermonate besucht wird.
Wir folgen der ältesten Tochter Cordelia Kings , ihrem Vater ,den beiden Schwestern mit ihren Familien und den Inselbewohnern auf ihrem nicht einfachen Weg zur weiblichen Hummerfischerin. Es liegt angeblich ein Fluch auf der Familie Kings, da der Vorfahr Brumfitt Kings eine Frau aus dem Meer geehelicht hat.  In jeder Generation fordert das Meer einen Sohn der Familie. Der neunjähriger Bruder von Cordelia verunglückt vor ihren Augen  auf See und die Mutter nahm sich danach das Leben. 
Cordelia versucht den traditionslastigen Ansprüchen des autoritären Vaters Woody in Bezug auf Familie, Hummerfang  auf dem Meer gerecht zu werden, und möchte unbedingt die absolutistische Stellung der Familie Kings als Herren und Bestimmer der kleinen Insel aufrecht erhalten,,, eine zarte Liebesbeziehung zwischen Cordelia und Kenny spielt eine kleinere Rolle im Buch,,, 

MEINE MEINUNG:
Die ersten 120 Seiten des Buches las ich begeistert, war vom einfühlsamen Schreibstil des Autors in die Psyche der jungen Cordelia Kings beeindruckt. Der Autor verwob in einer Ebene erzählte Mythen und Legenden über das Meer, fast schon heroisch mit der Person des Vorfahren , Hummerfischers und Malers Brumfitt Kings sehr geschickt und hat meine Neugier auf diese Familiengeschichten geweckt. Meine Begeisterung schwand leider wie ein vom Wind abgetragener Strand  mit jedem Kapitel etwas mehr. Ernüchterung trat bei mir ein und Unverständnis über die immer wiederkehrenden Lobeshymnen auf diesen anscheinend einzigartigen Menschen Brumfitt Kings und seine archaischen Lebensdogmen.

Die brutalen und in meinen Augen unmöglichen Praktiken und Ansichten der  Hummerfischer und auch Cordelias von Recht und Ordnung auf der Insel widersprachen meinem innersten Empfinden auf das Heftigste.
Waffengewalt wird akzeptiert, um Meinungen und eine selbst gestaltete Vorstellung  von Justiz durchzusetzen. Es geht bis zu tätlicher Gewalt auf Häuser und Menschen mit Anschlägen,  immer mit der Begründung, die Insel von Dealern, Drogen und Kriminellen zu säubern und freizuhalten. Diese in meinen Augen vielleicht typisch amerikanische Vorstellung von Gesetz und  Durchsetzung eigener Interessen hat mir die Freude am Lesen wirklich verdorben. Da nutzen keine dramatischen und schönen Naturbeschreibungen von Meer, Sturm, Überlebenskämpfen und alten Mythen um diese Aspekte im Roman zu verdrängen.
Die Hauptprotagonistin Cordelia, der Autor lässt sie in der Ich-Perspektive erzählen,  war mir nicht unsympathisch , aber identifizieren konnte ich mich als Leserin nicht wirklich mit ihr. Ihr Erwachsenencharakter entpuppte sich als burschikos und besessen von der Idee, die dreihundert Jahre alte Idee der absoluten Herrschaft auf der Insel weiterzuführen. Diese Sichtweise kann ich nicht als zeitgemäss akzeptieren.
Das Buch hätte so schön sein können, ich war am Beginn begeistert, fasziniert von den tollen Verknüpfungen des Autors mit Mythen und dem malenden Brumfitt Kings. Die Beschreibungen der Bilder hat der Autor super geschildert , man sieht förmlich die unterschiedlichsten Meeresmotive  im Kopf mit den Geschichten zusammenwachsen. 

Es ist trotz dieser vielen Kritikpunkte ein gutes, faszinierendes Werk von Sprache und Thema  und eine Wertung mit Sternen wird dem Buch kaum gerecht.
Ich kann nur dazu raten, eine eigene Leseerfahrung zu machen!!
Vier Sterne ****

Herzlichen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des sehr guten und interessanten Buches!




Sonntag, 28. Mai 2017

*Anschlag von Rechts* von Reiner Engelmann, erschienen im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag

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Buchdetails

  • Erscheinungsdatum Erstausgabe :22.05.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 22.05.2017
  • Verlag : cbj
  • ISBN: 9783570174371
  • Fester Einband 192 Seiten
  • Sprache: Deutsch
Infos zum Autor:

Reiner Engelmann

Reiner Engelmann wurde 1952 in Völkenroth geboren. Nach dem Studium der Sozialpädagogik war er im Schuldienst tätig, wo er sich besonders in den Bereichen der Leseförderung, der Gewaltprävention und der Kinder- und Menschenrechtsbildung starkmachte. Nebenher veröffentlichte er Bücher, vorwiegend zu sozialen Brennpunktthemen. Für Schulklassen und Erwachsene organisiert Reiner Engelmann regelmäßig Studienfahrten nach Auschwitz. Bei einem dieser Aufenthalte lernte er auch Wilhelm Brasse kennen.

Rezension

Zitat: Gewalt bedroht unser Menschsein. (Arno Gruen)

                            
INHALT:  Der bekannte Autor Reiner Engelmann beschreibt in seinem neuen Buch minutiös seine Meinung über die Motive und Lebensumstände der Menschen, die sich erdreisten einen Gewalt/Mordanschlag auf Flüchtlinge in unserem Land (einschliesslich deren Unterkünfte) aus aller Welt zu begehen. Es sind keine Entschuldigungen, die er sucht, sondern ganz nüchterne Tathintergründe. Schuldzuweisungen bringen niemandem etwas und können diese Probleme gegen die Menschlichkeit sicher  nicht verhindern.

MEINE MEINUNG:
 Wie steht auch gerade die junge Generation, die in unserem Land nie Krieg erlebt hat , zu diesen Ereignissen? Der Autor lässt in seinem Tatsachenbericht jeden zu Wort kommen! Die Opfer , die Täter und den Rechtsstaat! Das stabil gebundene Buch (es möge noch durch viele Hände gehen) enthält 184 Seiten und das Coverfoto eines zerstörten Fenster  macht sofort betroffen und der Leser ahnt , dass es um Feuer und Gewalt in diesem Buch geht. Das Buch ist in drei Teile aufgestellt. Ein informatives Glossar über symbolträchtige Zeichen ist hinten angefügt.
Im ersten Teil lesen wir (stellvertretend für viele Nationen), Beschreibungen von Menschen während ihrer Flucht  aus Afghanistan, Somalia, Syrien, Pakistan und Simbabwe. Der zweite Teil schildert TAT und TÄTER, Ihre Rechtfertigungen für diese Tat, ihre Entschuldigungen und beschreibt ihr soziales Umfeld.
Im dritten Teil können wir die spannend geschilderte Gerichtsverhandlung und das abschliessende Urteil erlesen.
Ich bin schnell und angespannt durch dieses Buch geflogen. Es lässt sich gut und flüssig lesen. Die Ausdrucksweise ist einfach , aber ausdrucksvoll und gerade auch für Jugendliche ansprechend. 
Ich war entsetzt und betroffen über den Blick in die Denkstrukturen der Täter und der Menschen ihres sozialen Umfeldes. Der Autor hat sehr gut recherchiert und die dunklen und egoistischen Seiten in uns dargestellt , ohne zu deutliche Wertung. Dieses Buch regt dazu an, seinen eigenen Gedanken und Wertungen über dieses Geschehen zu folgen.

Das empfand ich als sehr wertvoll und ich kann dieses Buch unbedingt als Schulbuchlektüre für Kinder, vielleicht sogar ab 10 Jahren empfehlen. In diesem Alter reagieren Jungen und Mädchen noch  sehr sensibel gegen Unrecht und Gewalt, ergreifen gerne Partei, sie denken aber doch schon teilweise in Erwachsenen-Strukturen und solch eine Lektüre ist ihnen in unserer medienbeeinflussten Welt durchaus zuzumuten.

Dieser wertvolle und grossartige Tatsachenbericht  bekommt von mir unbedingt fünf *****Sterne und ich wünsche ihm sehr viele Leser!

Herzlichen Dank an den cbj Kinder- und Jugendbuchverlag für die Bereitstellung dieses informativen und wichtigen Rezensionsexemplar!

Hier eine weitere Rezension http://www.nisnis-buecherliebe.de/2017/05/jugendroman-anschlag-von-rechts-von.html

Mittwoch, 24. Mai 2017

*Das Sternenboot*, erschienen im Diana-Verlag

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Buchdetails

Rezension

INHALT: Zwei Kinder werden im Jahr 1947 in einem kleinen sizilianischem Fischerdorf am gleichen Tag geboren, aber ihr Lebensstart kann nicht unterschiedlicher verlaufen. 
Nicola, der Junge, stammt aus einer einfachen Familie, wird von den Eltern geliebt und verwöhnt.
Stella , das dritte Mädchen einer Adelsfamilie aus einflussreichem Haus darf nicht im Haus der Eltern aufwachsen, sondern lebt liebevoll aufgezogen bei den Grosseltern und der Tante. 
Das Verständnis für ihre Situation als verstossene, ungeliebte Tochter ( ein Junge wurde erwünscht) kam ihr erst mit fortschreitendem Alter und zieht sich wie ein roter Faden der Traurigkeit durch die Geschichte.
Nicola hat mehr Glück, wird mit Liebe überschüttet von der Mutter, hat dafür aber früh den Vater verloren und wächst zu einem lebenslustigen, fröhlichen jungen Mann heran, dessen liebstes Vergnügen das Tauchen im Meer ist.

Es vergehen Jahre bis sich die beiden Hauptprotagonisten begegnen, aber dann verändert ihre Liebe zueinander alles,,,,,

MEINE MEINUNG:
Das Buch hat mir schöne Lesestunden geschenkt, weitab in einer anderen Welt und Zeit. Der Schreibstil der Autorin ist recht gefällig, einfach zu verstehen und spart nicht mit stimmigen Beschreibungen. Ich bin schnell durch das Buch geflogen und habe mit Stellas Traurigkeit gelitten und  habe mich gleichzeitig an dem fröhlichen Dorfleben erfreut. Die italienische Lebenslust - und Kultur der damaligen Zeit sind wunderschön zu erlesen.  Die Beschreibungen des  blauen Meeres, die harte Arbeit der Fischer, die Hafenatmosphäre und die leidenschaftlichen Tauchausflüge im Meer von Nicola  verflechten sich zu bildhaften Stimmungen im Kopf mit blühenden Zitronenhainen, goldgelben, gesunden Früchten an den Zweigen. Sie tun ein übriges zu dieser Mittelmeerstimmung (ich liebe Zitronen und alles was Frau aus dieser Frucht zubereiten kann). 
Aber in dieser Idylle gibt es auch einige Schatten , die die Bevölkerung belasten. Die Aktivitäten der Mafia, die unglaubliche Armut der Menschen werden von der Autorin glaubhaft und eindringlich beschrieben.
Die Autorin verwendet in ihrem Text viele einfache italienische Begriffe und kleine Sätze in dieser Sprache und das gibt dem Roman einen ganz besonderen Charme.

Ein wunderschöner Roman zum Abschalten, dem ich im Genre Familiengeschichte/Liebesroman gerne fünf *****Sterne gebe.

Vielen herzlichen Dank an den Diana-Verlag für die Bereitstellung dieses traumhaften Rezensionsexemplar.

  

    Dienstag, 23. Mai 2017

    *Die alten Griechen* von Edith Hall, erschienen beim Siedler Verlag

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    Buchdetails

    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :13.03.2017
    • Aktuelle Ausgabe : 13.03.2017
    • Verlag : Siedler
    • ISBN: 9783827500922
    • Fester Einband
    • Sprache: Deutsch
    Edith Hall, geboren 1959, ist Professorin für Altertumswissenschaften am King’s College in London und zugleich Mitgründerin des Archive of Performances of Greek and Roman Drama an der Universität Oxford. Sie verfasste mehrere Bücher zu Themen der griechischen Geschichte und Literatur, u.a. eine Kulturgeschichte von Homers »Odyssee« sowie eine Geschichte der antiken Sklaverei. 2015 erhielt sie die »Erasmus-Medaille« der Academia Europea für herausragende Verdienste um die europäische Kultur und Wissenschaft.

    REZENSION
    INHALT/KLAPPENTEXT:
    Edith Hall lässt uns die Kraft und Faszination der griechischen Antike neu entdecken
    Sie waren die Erfinder der Demokratie, Begründer der Philosophie, Schöpfer unsterblicher Mythen und Dramen – die alten Griechen haben das Fundament unserer Zivilisation gelegt und somit auch unsere moderne Welt geprägt. Doch was genau war das Erfolgsgeheimnis der griechischen Völker, was hat sie – über alle politischen und kulturellen Grenzen hinweg – angetrieben? Und was verbindet uns mit ihnen? 

    MEINE MEINUNG:
    Ein sehr interessantes Buch und Thema, welches ich aber nur in kurzen Lesezeiten verarbeiten und verinnerlichen konnte. Das ist eben typisch für ein sehr gut geschriebenes Sachbuch. Die Autorin schreibt gut allgemein verständlich, erzeugt bunte Bilder im Kopf und das Buch ist ein Genuss für Bildung und Wissen über die Antike. 
    Die Griechen, ein typisches Seefahrervolk, ( fast alle Grenzen stossen an das  Mittel-Meer)  waren immer schon mit anderen Nationen durch Handel und Informationsaustausch eng verbunden und  all diese Völker hinterliessen ihre Denk-Lebens und Wissensstrukturen eindeutig auch bei dieser Seefahrernation.  Die Autorin verdeutlicht das sehr informativ durch ihre zehn aufgestellten Eigenschaften dieser antiken Gesellschaft. Zum Beispiel sind das Neugier, Lebenslust, grosse Toleranz gegenüber fremden Kulturen und Meinungen, Individualismus, Nicht-Autoritätsgläubigkeit. Sie legten grossen Wert auf Rhetorik und Redefreiheit und waren damals zufällig  das richtige Volk zur richtigen Zeit um all dieses Wissen und Können der Mittelmeervölker zu bündeln und in anderen Kulturkreisen zu verbreiten. Alte Mythen wurden von ihnen gesammelt, weitergegeben und ihre Philosophen haben der Welt zeitlose Werte und allgemeines , vor allem auch philosophisches Wissen vermittelt. Unser heutiges Europa kann viel von dieser Toleranz, Neugier auf fremde Kulturen und Menschen gebrauchen.  

    Ich habe dieses unterhaltsame Sachbuch freudig genossen und vergebe gerne fünf ***** Sterne!

    Herzlichen Dank an die Autorin und den Siedler Verlag in der Randomhouse Group für dieses wertvolle gebundene Sachbuch.


    Montag, 22. Mai 2017

    *Die Taufe* von Ann Patchett, erschienen im Berlin Verlag

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    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :02.05.2017
    • Aktuelle Ausgabe : 02.05.2017
    • Verlag : Berlin Verlag
    • ISBN: 9783827013446
    • Fester Einband 400 Seiten
    • Sprache: Deutsch

    Ich bin total begeistert von dieser Lektüre, lasse alles *stehenundliegen* um weiterlesen zu können. Das Buch ist keine Schmusefamilien-Geschichte und doch so menschlich erzählt, bereichernd, spannend und lebendig und so ganz anders und besonders,,,,

    Beste Erzählkunst von der Autorin Ann Patchett.



    INHALT/KLAPPENTEXT:
    Wem gehört eine Geschichte eigentlich? Und wer darf sie erzählen?
    Wäre Bert Cousins nicht uneingeladen auf der Taufe von Franny Keating erschienen, all das wäre nicht passiert. Aber noch bevor der Abend hereinbricht, haben er und Frannys Mutter sich geküsst und damit das Ende ihrer jeweiligen Ehe eingeläutet - und beide Familien für immer miteinander verbunden. Die Keating- und Cousinskinder werden zukünftig die Sommer gemeinsam in Virginia verbringen. Sie schmieden über die Jahre ein dauerhaftes Bündnis, sowohl aus Enttäuschung über die eigenen Eltern, als auch aus echter, stetig wachsender Zuneigung. Bis es zwanzig Jahre danach ein neues Familiendrama gibt: "Täufling" Franny hat eine Affäre mit einem berühmten Schriftsteller. Sie erzählt ihm die Keating-Cousins-Story, und plötzlich wird ihrer aller Kindheit die Grundlage für einen unglaublich erfolgreichen Roman. Die unerwünschte Öffentlichkeit zwingt die Geschwister, sich ganz neu mit ihren Verlusten, ihren Schuldgefühlen und ihrer Loyalität auseinanderzusetzen.

    Rezension
    Zitat Seite 95 : Das Bemerkenswerteste an den Keating-Kindern und den Cousins-Kindern war: Sie hassten einander nicht , und so etwas wie Stammesbindungen gab es nicht bei ihnen,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,
    Die Kinder verband ein überbrückendes Prinzip, das ihre potenzielle Abneigung gegeneinander erst gar nicht aufkommen liess: Sie mochten die Eltern nicht. Hassten sie regelrecht. 


    MEINE MEINUNG:

    Ich habe diese mit so viel Herzenswärme, Klugheit und Esprit  geschriebene Geschichte von Ann Patchett ausserordentlich genossen und fand den Schreibstil grossartig, sehr ansprechend und sympathisch.
    Die zehn Personen, sechs Kinder und vier Eltern, die man als Leser während eines sehr langen Zeitraums begleiten darf, ( innerhalb von 50 Jahren), wuchsen in meinem Kopf von Kindern zu sympathischen Menschen mit  einprägsamen Schwächen, wunderbaren Stärken, verständlichen Verhaltensfehlern im Umgang miteinander  und auch liebenswerten Charakterzügen. Es war nicht immer einfach, sich in der Zeit und den dazugehörigen Personen und Orten im einzelnen Kapitel  zu orientieren, aber Ann Pratchett schaffte in jedem Abschnitt  nach einigen Zeilen das erkennende AHA-Erlebnis im Verstehen hervorzuzaubern. Sie schildert zum Beispiel die  in Erwachsenen-Augen brutale Vorgehensweise der grösseren Kinder mit dem kleinen Albie klar und eindeutig, ohne Wertung und Urteil. Ebenso das Verhalten von Albert Cousins, der, aus einer Laune heraus, um dem anstrengendem Familienalltag zu entfliehen , mit seinem Verhalten  auf der Tauffeier von Franny Keating,  eine Folge von Lebens-Katastrophen auslöst. Diese zusammengewürfelte Patchworkfamilie findet im Laufe der Jahrzehnte erstaunliche Verhaltensmechanismen um zu einer grossen, sich akzeptierenden  Familie zusammenzuwachsen. Die unterschiedlichen Portraits und Entwicklungen dieser Menschen zeigen auch ein Gesellschaftsbild  auf, welches sehr real und oft verstörend erscheint, nicht nur auf Harmonie, Anpassung und Normalität ausgerichtet ist. 
    Ann Patchett ist eine tolle Geschichtenerzählerin, die ihre Leser emotional in das Geschehen einbezieht und trotzdem Raum für eigene Gedankenspiele lässt. Man steht als Leser nicht ausserhalb des Buches, sondern wird voll und ganz in die faszinierenden Sichtweisen und Beschreibungen der Autorin hineingesogen. Sie zeigt auch sehr geschickt  auf, wie sich Erinnerungen von Menschen an Kindheit und Bezugspersonen verändern und ein Eigenleben während der Jahrzehnte entwickeln können.


    Für mich war das Lesen dieses  schon ernst geschriebenen Buches ein anregendes und sehr anspruchsvolles Erlebnis, welches trotzdem teilweise auch vergnüglich, mit viel Witz und Humor,  leicht und unterhaltsam erscheinend daher kam.
    Ich möchte es mit ausserordentlich grossartigen fünf ***** Sternen bewerten.

    Herzlichen Dank an die Autorin und den Berlin Verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar.  


    Mittwoch, 17. Mai 2017

    *Das Scherbenhaus* von Susanne Kliem, erschienen bei carl's books


    • Erscheinungsdatum Erstausgabe :20.03.2017
    • Aktuelle Ausgabe : 20.03.2017
    • Verlag : carl's books
    • ISBN: 9783570585665
    • Flexibler Einband 368 Seiten
    • Sprache: Deutsch

    REZENSION


    INHALT/KLAPPENTEXT:

    Carla Brendel wird seit Monaten von einem Stalker verfolgt, der ihr Fotos mit bedrohlichen Motiven schickt: Menschliche Haut. Ein Messer. Wunden. Aus Angst vor dem Fremden flüchtet sie aus ihrer idyllischen Heimatstadt in Norddeutschland zu ihrer Halbschwester nach Berlin. In Ellens luxuriöser Wohnanlage "Safe Haven", die mit neuesten Sicherheitssystemen ausgestattet ist, fühlt sie sich beschützt. Doch kurz nach ihrer Ankunft verschwindet Ellen spurlos, ihre Leiche wird wenige Tage später aus der Spree geborgen. Ein tragischer Unfall? Oder wissen die anderen Hausbewohner mehr, als sie sagen? Carlas Zweifel wachsen. Sie bleibt und sucht nach der Wahrheit. Dabei merkt sie schnell, dass im "Safe Haven" ganz eigene Regeln und Gesetze herrschen. Und es tödlich enden kann, wenn man zu viele Fragen stellt,,,

    Meine Meinung:

    Ich bin ziemlich schnell in diese spannende Geschichte hineingekommen. Der Schreibstil war sehr ansprechend, klar, flüssig und einprägsam.
    Die Autorin hat sofort in den ersten Seiten den Spannungsbogen sehr hoch angesetzt mit der unheimlichen Verfolgung Carlas durch einen Stalker über Facebook. Das hat mich beeindruckt, da es ja tatsächlich in unserem Leben real passieren kann. Auch die Verkettung von Technik und Datenapps in der Berliner Wohnanlage haben mir leichte Bauchschmerzen verursacht. Ein Haus, welches mit neuester Technik perfekt ausgestattet ist, löst bei mir sofort Unbehagen aus. 
    Mir erschien die Geschichte allerdings recht offensichtlich erzählt und mein schnell aufkommender Verdacht , wer hinter all diesen merkwürdigen Geschehnissen steckt, bestätigte sich tatsächlich am Ende des Romans. Obwohl ich keine echte Kennerin des Genre eines Psychothriller bin, war mir eigentlich von Anfang klar, wer diese Fäden zieht um Carla zu beeinflussen und zu verunsichern. Beeinflussung und eine immer mögliche gegenseitige Manipulation von Menschen haben diesem Roman sehr viel Raum und Entfaltungsmöglichkeiten gegeben.
    Richtig warm geworden bin ich mit den meisten Charakteren dieser Geschichte leider nicht wirklich. Carla zittert zum Beispiel  vor Angst , wenn der Briefträger kommt und imaginäre Briefe abliefert, ist aber gefasst und behält einen kühlen Kopf, wenn die Schwester vor ihren Augen bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Lokal verschwindet und anschliessend tot aufgefunden wird. Dieses Verhalten erscheint mir einfach ein wenig unglaubwürdig. Auch die zarte Liebesgeschichte als Nebenplot zwischen Carla und einem Hausbewohner empfand ich recht farblos, langweilig und ohne Esprit erzählt. 
    Für mich war dieser Roman ein sehr gutes Unterhaltungsbuch, welches einige nette Stunden beschert hat, aber bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

    Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung des guten, unterhaltsamen Rezensionsexemplars.
    Meine Bewertung: Ein gutes Buch, dem ich gerne drei *** Sterne vergebe.







      Dienstag, 16. Mai 2017

      Mittwoch, 3. Mai 2017

      *Das Leben wartet nicht* erschienen bei Diogenes

      • Erscheinungsdatum Erstausgabe :22.02.2017
      • Aktuelle Ausgabe : 22.02.2017
      • Verlag : Diogenes
      • ISBN: 9783257069839
      • Fester Einband 304 Seiten
      • Sprache: Deutsch

      REZENSION

      • INHALT:
         Der Roman spielt im Italien zur Zeit der grossen Kinderemigration (1959-1962) vom armen Süden in den  Reichtum und Arbeit versprechenden Norden des Landes. 
        Ninetto, ein kleiner 10 jähriger Junge, mit Spitznamen *Pelleossa, Haut undKnochen* genannt, verlässt seine Familie, sein Dorf wegen Hunger und Armut nach eindringlicher Zureden des Vaters. Er fährt mit einem Bekannten nach Mailand.  Ninetto lebt im *Bienenstock*, dem ärmsten Viertel der Stadt, indem nur Familien aus dem Süden eine armselige  und schäbige Unterkunft finden und schlägt sich mit Botengängen für eine Wäscherei durchs Leben. Er geht nicht mehr zur Schule, obwohl er in Sizilien ein guter und wissbegieriger Schüler war. In sein Tagebuch, welches ihm sein liebevoller Lehrer mitgegeben hat, fügt er ab und zu kleine Worte ein , oder er schreibt eine Postkarte an den Vater und die an einem Schlaganfall erkrankte Mutter, die in einem Heim lebt.
        Wir begleiten Ninettos Lebensweg in dem Buch weiterhin während vieler Jahrzehnte seines Erwachsenen-Lebens als Arbeiter bei Alfa Romeo in Mailand, seiner frühen Heirat mit der fünfzehnjährigen Maddalena und seinem Leben im Gefängnis, das er wegen einer unbedachten Reaktion auch kennengelernt hat,,,, 

        MEINE MEINUNG: Dieser Roman hat mich ausserordentlich  beeindruckt durch seine bildhafte und wunderbar wandelbare Sprache aus zwei Erzählperspektiven, einmal der des Kindes Ninetto und des erwachsenen Ninetto. Der Autor hat in seinem Buch ein skandalöses Thema angesprochen und beschrieben, nämlich Kinderarbeit in Italien Ende der fünfziger Jahre bis  zum Beginn der sechziger Jahre. Diese ehemaligen Kinderemigranten aus Süditalien haben heute ein Alter von 60-70 Jahren erreicht und einige dieser alten Männer hat Marco Balzano in Interviews nach ihren Erinnerungen an diese Zeit befragt, absichtlich nur mündlich, um seinen eigenen Eindruck an diese Gespräche so besser verinnerlichen zu können. Entstanden ist ein berührendes Porträt und Buch zum Gedenken an diese Generation, die so viele Wandel in der Arbeitswelt und im persönlichem Umfeld erlebt hat. Angefangen haben diese Kinder oft mit schlecht bezahlten Botengängen. Mit 15 Jahren konnten sie dann in einer der grossen Industriefabriken um Mailand, Turin, Genua arbeiten.
        Im späteren Arbeitsleben wurden ihre Arbeitsplätze  immer wieder wegrationalisiert und viele blieben *auf der Strecke*. 
        Das Buch ist mit sehr viel Herzenswärme und und menschlichem Empfinden für die Armen  und ihre Kinder in unserer Gesellschaft, speziell Italien geschrieben. Italienisches Flair und Lebensansichten dieser Generation  ( z.B.ein Mann besitzt ein Messer) hat der Autor sehr gut zusätzlich in dieser Geschichte eingeflochten.
        Das Bedrückende an dieser Lektüre: die Geschichte wiederholt sich offensichtlich. Heute wohnen und leben in diesen Wohnsiedlungen der Grossstädte, auch *Bienenstöcke* genannt, wieder Flüchtlinge, diesmal aus aller Welt in allen Hautfarben, aus allen Nationen und versuchen Ihr Auskommen für sich und ihre Kinder im reichen Europa zu finden. 

          
        Meine Bewertung: ein ausserordentlich grossartiges Buch!  FÜNF *****STERNE

        Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für dieses beeindruckende Rezensionsexemplar!