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Montag, 18. Mai 2026

*Wochenrückblick vom 11.5.-17.5.26*

 

*Beitrag enthält WERBUNG*

GETAN: Die *Eisheiligen Tage*  haben mich an das Haus und den Kaminofen gefesselt. Sonst war es eine normale Woche mit vielen unerwarteten Regengüssen, die der Natur nur gut getan haben. Ich habe eine kleine, aber feine Veranstaltung in Kassel besucht, die BUCHKASSEL im Palais Bellevue ! Unabhängige Verlage und Kleinverleger haben dort an zwei Tagen ihre aktuellen Programme vorgestellt. Ein schönes Highlight der Woche. Ich freu mich nun sehr auf ein Buch aus dem Verlagshausroemerweg, dessen Programm mir ausserordentlich gut gefallen hat.  *HELL UND LAUT*  von Sarah Raich.   https://www.verlagshausroemerweg.de/products/hell-und-laut?_pos=1&_psq=Hell+und+laut&_ss=e&_v=1.0 

INHALT /KLAPPENTEXT: Warum kann Hrotsvit sich einfach nicht anpassen? Immer bringt ihr Eigensinn sie in Schwierigkeiten. Statt der Predigt zu lauschen, korrigiert sie das Latein des Priesters. Statt harmloser Muster webt sie einen nackten König, der ein Schwein reitet. Statt die vereinbarte Ehe mit einem grausamen Herzog einzugehen, versucht sie zu fliehen. Niemand verurteilt es, wenn ihr Verlobter sie schlägt oder mächtige Hofmitglieder sich an ihr vergehen wollen. Immer wieder soll sie sich einem fremdbestimmten Leben fügen, wie es sich für eine Frau gehört. Doch Hrotsvit hat andere Pläne. Ihr Herz gehört den Büchern, und sie will selbst Stimme sein für all die ungehörten Frauen. So gelangt sie über Umwege ans Stift Gandersheim, wo sie Dramen verfasst, in denen Frauen ihre Vergewaltiger beschämen und offenbaren, dass sie über das verfügen, was ihnen von der Kirche abgesprochen wird: eine Seele. Liutprand ist verbittert: Von den Mächtigen wird er nur benutzt, muss ihre Launen ertragen und ihre skrupellosen Befehle ausführen. Dabei hat Gott ihn auserwählt, Großes zu schaffen. Sicher vergibt er ihm, dass er das Keuschheitsgelübde bricht. Das ist schließlich nicht seine Schuld. Außerdem hat er Talent: scharfsinnig und böse ist sein Humor, wortgewandt seine Zunge. Damit lässt sich Karriere machen. Und Liutprand will aufsteigen, so hoch es geht, um nie wieder als Stiefelabtreter herzuhalten. Dafür geht er sogar über Leichen. Und dann trifft er diese Hrotsvit, die ungewöhnlich klug ist für eine Frau … Ein mitreißender Roman über das Leben der Hrotsvit von Gandersheim, die als erste deutsche Dichterin gilt und deren bemerkenswerte Dramen an #MeToo erinnern – und das im 10. Jahrhundert.


 

GEDACHT: Sonst gab es in vergangenen Jahren, in dieser Woche, die ersten Obstbaumblüten. In diesem Jahr ist diese Blühzeit schon lange vergangen. 

GEÄRGERT: Über diesen merkwürdigen ESC und seine schrecklichen Liedkompositionen, denen angeblich Millionen Menschen begeistert zuhören und zuschauen??? 

GEFREUT: Über einen Geburtstag und einen Hochzeitstag in der Familie.

GESEHEN: Da fallen mir nur Schreckensnachrichten im TV aus aller Welt ein. 

GELESEN: Zwei schöne und empfehlenswerte  Bücher , *Schwesternland* von Katharina Fuchs und *Der letzte Leuchtturm*von Michael Pedersen beendet und meine Leseeindrücke dazu geschrieben und veröffentlicht. Nun bin ich sehr gespannt wie es weitergeht bei *Moonfleet*von John Meade Falkner aus dem Unionsverlag.

Habt eine gute neue Woche !

Freitag, 15. Mai 2026

*Schwesternland* von Katharina Fuchs - erschienen im Droemer Verlag

 

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*



Meine Meinung zum Buch:

Henriette Barnstorf lädt zu ihrem 100. Geburtstag die Familie in ihr Sommerhaus im Havelland ein. Doch der von allen geliebte Sohn fehlt. Die gesamte Familie trauert und vermisst ihn sehr. Die vier erwachsenen Enkelmädchen und ihre Tochter lieben diese Familientreffen dort; sind doch ihre glücklichen Erinnerungen verbunden mit sorglosen, warmen Sommertagen, dem Duft der Wiesen, blühenden Obstbäumen sowie kreativen Spielzeiten miteinander aus Kindheitstagen. Die Großcousine Max hat für die rüstige Jubilarin ein ganz besonderes Geschenk mitgebracht. Es ist ein Ahnengutachten, welches über dreihundert Jahre in die Vergangenheit zurückreicht, bis nach Lyon in Frankreich. Enkelin Antonia, die Geschichte studiert, ist fasziniert davon, besonders aber von Jeanne Beauvais, einer jungen Hugenottin, die einer reichen Seidenhändler- und Tuchmacherfamilie aus Lyon entstammt.

Die Autorin erzählt in zwei Zeitsträngen: einerseits über die schwierigen Nachforschungen von Antonia in Archiven, Museen sowie bei interessanten Menschen in der Schweiz und im Frankreich der Gegenwart. Die dramatischen Erlebnisse der Jeanne Beauvais während ihrer Flucht aus Frankreich in das protestantische Brandenburg des 17. Jahrhunderts werden so lebendig und real geschildert, dass man mit Bangen dem Schicksal der französischen Hugenottenfamilie folgt. Der harmonische Lesefluss führt die Leser*innen mit viel Wissen und einer stimmigen Atmosphäre in diese aufregenden Schicksalstage, Wochen und Jahre ein.
Die Zeitsprünge von der Gegenwart in die Vergangenheit werden durch eine besondere, fantasievolle Vorstellungsgabe der Antonia erklärt und leiten die Leser*innen ganz natürlich und ohne Erzähllücken in das jeweilige aktuelle Geschehen. Es geht um die Vertreibung der protestantischen Hugenotten aus dem katholisch regierten Frankreich des 17. Jahrhunderts. In brutalster Weise wurde diese Bevölkerungsgruppe verfolgt, vertrieben, ermordet oder ihres Vermögens beraubt, wenn sie nicht ihrem Glauben abschwören wollten. So kam es zu großen Wanderungen dieser Menschen in protestantische Herrschaftsgebiete, wie nach Brandenburg in Deutschland.

Besonders interessant fand ich die herausgearbeiteten Parallelen zwischen der Stellung der Frauen in der Vergangenheit und heute, die sich in Teilen leider immer noch sehr ähneln. Die Ansichten über das Leben, was Toleranz, Gleichberechtigung und ein rücksichtsvolles Umgehen miteinander in der jeweiligen Gesellschaft betrifft, sind auch heute immer noch nicht in vollem Umfang erreicht. Die Autorin hat nach meiner Ansicht hervorragend recherchiert und geschickt einen Übergang zu nachfolgenden Bänden einer neuen Reihe über die anderen drei Schwestern vorbereitet.

Fünf  ***** Sterne !

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das wunderbar stimmige , gebundene Rezensionsexemplar.

Katharina Fuchs, geboren 1963 in Wiesbaden, verbrachte ihre Kindheit am Genfer See und lebt heute mit ihrer Familie im Taunus. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main und Paris war sie viele Jahre als Juristin tätig. Seit ihrem Spiegelbestseller „Zwei Handvoll Leben“ widmet sie sich ganz dem Schreiben. In ihren Romanen erzählt Katharina Fuchs von Familien über Generationen hinweg, von historischen Zäsuren und ihren Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Viele ihrer Bücher sind von der eigenen Familiengeschichte inspiriert. Schwesternland ist ihr jüngster Roman.


Dienstag, 12. Mai 2026

*DER LETZTE LEUCHTTURM* von Michael Pedersen - erschienen im Dumont Verlag

 *Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*


https://www.dumont-buchverlag.de/buch/michael-pedersen-der-letzte-leuchtturm-9783755800620-t-7741  


MICHAEL PEDERSEN, geboren 1984, ist ein renommierter schottischer Lyriker, Autor, Spoken Word Performer und der derzeitige Poet Laureate von Edinburgh. Zuletzt erschien 2022 das viel besprochene und von der Kritik gefeierte Memoir ›Boy Friends‹ über Trauer und Freundschaften unter Männern sowie 2023 sein Gedichtband ›The Cat Prince & Other Poems‹. ›Der letzte Leuchtturm‹ ist Michael Pedersens Romandebüt.

STEPHAN KLEINER, geboren 1975, lebt als literarischer Übersetzer in München. Er übertrug u. a. Bret Easton Ellis, Michel Houellebecq, Hanya Yanagihara und Seán Hewitt ins Deutsche. 2024 wurde er für seine Arbeit mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet.


Mein Leseeindruck: 


Der an sich zweifelnde und immer wieder mit Gedankenspielen um seinen Suizid ringende Schriftsteller Firth reist als Feriengast auf eine kleine Leuchtturminsel. Sie heisst Muckle Flugga, eine im Norden gelegene Insel der Shetlands.  Er beabsichtigt seinem Leben nun dort ein Ende zu setzen. Doch es kommt völlig anders als geplant. Die aufkeimende Freundschaft mit Ouse, dem Sohn des Gastgebers und Leuchtturmwärters der Insel verändert alles.   


Das Wetter dort ist rau und wild. Tosende Stürme und Wellen sowie viele einsame Stunden begleiten den Alltag, denen alle Lebewesen der Insel, Mensch und Tier ausgesetzt sind. Ouse ist ein sensibler junger Mann , der seit dem Tod der Mutter unter den oft gewalttätigen Launen und Handlungen seines Vaters leidet. Sein Trost und imaginärer Freund ist der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, mit dem er Zwiegespräche in seinem Atelier führt. Er verbringt  dort viel Zeit mit dem Stricken von Pullovern , dem Weben von Teppichen. Das Entwerfen von neuen Mustern in seinem geliebten Skizzenbüchern gehört zu seinen liebsten Tätigkeiten. Zusätzlich sorgt er für das leibliche Wohl auf der abgeschiedenen Insel für seinen Vater und die Feriengäste. Als Firth und Ouse sich näher kennenlernen, entwickelt sich eine enge und harmonische Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern. Der hartherzige, in patriarchalen Strukturen denkende Vater versucht diese zarte Freundschaft mit Gewalt und zorniger Bösartigkeit zu verhindern.  Sein Sohn erscheint ihm zu weich und sensibel , stellt sich nicht den harten Anforderungen des Berufes eines Leuchtturmwärters. Firth, der Schriftsteller und malende Vogelkundler wird vom Vater laufend vor Ouse der Lächerlichkeit und einer naiven Unfähigkeit in allen Lebenssituationen preisgegeben. Doch Firth hält dagegen und erzählt Ouse heimlich vom möglichen, freiem Leben in Edinborough als freischaffender Künstler. Und wir begegnen der jungen Figgie. Sie stellt mit Ihrem Boot und Fahrten zur Insel sowie den Proviantlieferungen den Kontakt zur Aussenwelt her und klärt Firth über die Vergangenheit der kleinen Leuchtturmwärter - Familie auf. 


Das Lesen des Buches mit seinen außerordentlich, schönen, feinsinnigen Sätzen war ein Lesefest für mich, welches ich auf jeder Seite langsam und dafür umso ausgiebiger genossen habe. Zauberhafte, bildgewaltige  Satz - und Wortkombinationen haben mich begeistert und ich danke dem Autor und dem deutschen Übersetzer Stephan Kleiner ganz herzlich für diese herrlichen, poetischen Anregungen und Begriffe. Die stimmige, einsam gelegene Atmosphäre der rauen See wurde ebenso gut transformiert wie die empathischen Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten zueinander. 


FÜNF *****  STERNE für diese grossartige Lektüre.


Herzlichen Dank an den Autor und den Dumont Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar  mit dem wundschön gestaltetem Cover und dem komfortablen Lesebändchen. 




Montag, 11. Mai 2026

*Wochenrückblick vom 4.5.-10.5.26*



GETAN: Eine Reise nach Bayern hat mir  sehr viel Familienfreude geschenkt ! Es ist immer sehr erfrischend den dortigen Dialekt zu hören, oft nicht zu verstehen ;-)   - überhaupt ist die bayrische Mentalität der Menschen eine ganz andere als in Norddeutschland. Heuschnupfen Medikamente besorgt und nehmen müssen, da die Eichenblüte bei mir einen heftigen neuen Schub ausgelöst hat.

GEDACHT: Wie schön, dass Deutschland so eine bunte,  vielfältige  Kulturlandschaft besitzt. 

GEÄRGERT: Dazu fällt mir nichts Wesentliches ein. 

GEFREUT: Über die mentale Entwicklung und körperlich ständig wachsende Geschicklichkeit des dreijährigen Enkelkindes. 

GESEHEN: Nicht so viel von der Welt, da meine Allergie sich ein wenig in Richtung  allergisches Asthma entwickelt hat. Ich habe viel Zeit im Haus verbracht. 

GELESEN: Dazu bin ich kaum gekommen, Hausarbeit und Kinderbetreuung haben viel Zeit in Anspruch genommen. 

Endlich regnet es richtig stark am heutigen Morgen und es geht mir sofort besser, da die allergieauslösenden Pollen aus der Atmosphäre gewaschen werden. 

Ich wünsche euch einen guten Wochenstart!

 

Sonntag, 3. Mai 2026

*Wochenrückblick vom 27.4.-3.5.26*


 

Getan: Diese Woche war es relativ ruhig bei mir! Ausser der üblichen, täglich anfallenden Haus- und Gartenarbeit, dem Lesen und Rezensieren habe ich nicht viel anderes gemacht, denn der allgemeine  Pollenflug , vor allen Dingen von Birke, Eiche, Buche, Gräsern, der Obstblüte, Raps und was weiss ich noch ;-) ,  hat meine Laune und das Allgemeinbefinden ziemlich beeinträchtigt. 

Gedacht: Warum werden diese Beschwerden von Jahr zu Jahr immer heftiger? Mein Immunsystem wird wohl schwächer,,,,ist meine persönliche Erklärung. 

Geärgert: Mir fällt grad nichts Wichtiges ein - auch gut!

Gefreut: Ein netter Abend bei Freunden und dem Verzehr einer leckeren Lachs-Lauch-Quiche war ein kleiner Lichtblick an einem Abend .  Ein ausgiebiger Rundgang durch ihren Garten und das Wachsen der Kräuter, Stauden und Blühen der Bäume  wurden bewundert. Über den  erfrischenden und schönen Besuch eines 10 -jährigen Enkelkindes von Freitag bis Sonntag. 

Gesehen: Eine Serie über zusammengewürfelte 14 - jährige  Jugendliche aus ganz Deutschland, die zusammen die 9. Klasse in Norwegen verbringen möchten. Für ein ganzes Jahr!  Das hätte mir in meiner Jugend auch gefallen. 

GELESEN: *Mirabellentage* gelesen und rezensiert, welches mich ziemlich enttäuscht hat. Siehe unter diesem Beitrag zu erlesen. Ich nehme mir vor den gehypten Büchern der sozialen Medien   nicht mehr so viel Aufmerksamkeit zu widmen !

Nun wünsch ich euch eine gute (Lese)Woche!

Tschüss

 

Mittwoch, 29. April 2026

*Mirabellentage* von Martina Bogdahn - erschienen im Kiepenheuer & Witsch Verlag


 *unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar* https://www.kiwi-verlag.de/buch/martina-bogdahn-mirabellentage-9783462013542

Meine Meinung zum Buch: 

Ein unbeschwertes Dorfleben, irgendwo im fränkischen Bayern am Brombachstausee gelegen: Die Autorin zeichnet ein buntes Bild einer heilen Welt. Blühende Obst- und Gemüsegärten, der Duft von frisch gebackenem Brot sowie fleißige, ehrliche und gottesfürchtige Menschen spielen in dieser stimmigen, wenn auch etwas weltfremd dargestellten Gemeinde die tragende Rolle.

Inmitten dieser behüteten Gemeinschaft steht als moralische Instanz der Pfarrer Josef Heubeck zusammen mit seiner Haushälterin Anna Nass, die er seit Kindertagen kennt und schätzt. Anna ist die gute Seele der Gemeinde: Sie sorgt für den Pfarrer und organisiert unermüdlich Gruppenangebote für Kinder, Jugendliche und Senioren. Doch als der Pfarrer eines Morgens nach dem Genuss einer Schwarzwälder Kirschtorte tot in der Küche aufgefunden wird, bricht für die 55-jährige Anna ihre wohlgeordnete Welt zusammen. Plötzlich muss sie sich völlig neuen Herausforderungen stellen – von der Organisation der Beerdigung bis hin zur Einführung des neuen Pfarrers Fridtjof, der von der Nordseeküste stammt und Plattdeutsch spricht.

Doch geht es in dieser Dorfgemeinschaft tatsächlich so harmonisch und friedlich zu, wie es den Anschein hat?

Die 336 Seiten konnten mich davon leider nicht überzeugen. Zwar lässt sich das Buch durch den naiven, recht einfachen und gefälligen Schreibstil sehr zügig lesen, doch der Inhalt blieb hinter meinen Erwartungen zurück. Wir erfahren viel über Annas Herkunft, ihre Eltern und ihre lebenslange Freundschaft zu Josef. Durch die häufigen Rückblenden beschlich mich jedoch laufend das Gefühl, einem altbackenen Denken der 1950er-Jahre beizuwohnen – obwohl die Handlung im Jahr 2010 spielt.

Zudem gab es für meinen Geschmack zu viele übertriebene, skurrile und beinahe abstruse Ereignisse mit Tieren und Menschen, die beim Lesen eher Unbehagen als Freude auslösten. Aus Spoilergründen möchte ich hier nicht zu tief ins Detail gehen, aber diese merkwürdigen Begebenheiten drängten den eigentlich ernsthaften und guten Ansatz – nämlich Annas Neuanfang und ihre Lebensplanung – völlig in den Hintergrund.

Ihre tiefe Verbundenheit zur Natur, zum Wald und zu ihrem geliebten Marillenbaum im Pfarrgarten hätte eine schöne Basis gebildet. Auch die Anekdoten über die originellen Dorfbewohner wirkten auf mich oft zu überzeichnet. Ein Beispiel: Das Aufbewahren von Leichenasche in einer alten Kakaodose (auch wenn es dem Wunsch des verstorbenen Pfarrers entsprach) gab meinem Lesevergnügen einen herben Dämpfer. Das entspricht schlicht nicht meiner Vorstellung von Humor.

Fazit:

Ein leicht zu lesender Roman mit einer sympathischen Grundidee, der sich für mich jedoch zu sehr in skurrilen Übersteigerungen verlor.

*** DREI STERNE 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars.  

Martina Bogdahn, geboren 1976 in Weißenburg, ist auf einem Einödhof in Mittelfranken aufgewachsen und hat in Nürnberg Kommunikationsdesign studiert. Sie lebt und arbeitet als Fotografin in München. Ihr Debütroman »Mühlensommer« stand monatelang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.


Sonntag, 26. April 2026

*Wochenrückblick vom 20.4.-26.4.26*


 GETAN: Die letzte Woche wurde wieder durch kleine Kurzreisen in meine Heimatstadt Hildesheim und nach Braunschweig aufgelockert. Ein Überraschungsbesuch bei einer Schwägerin hat uns viel Freude bereitet und schöne Neuigkeiten wurden ausgetauscht. Aufregende, aber doch erholsame Tage haben wir mit drei Enkelkindern verbracht, sie betreut, gehütet, gespielt miteinander.  Auf dem Wochenmarkt konnte ich herrliche neue Kräuter erstehen, wie Salbei, Dill, Minze und kleine, hängende Erdbeerpflänzchen mit roten Blüten. Das hatte ich noch nie gesehen. Der Gärtner hat mir sein Ehrenwort gegeben, dass die Früchte süss und wohlschmeckend sein werden. Ich bin gespannt! 

GEDACHT: Ich muss dringend schneller, mehr, öfter lesen am Tag - sonst komme ich mit meinen Rezensionen in Zeitdruck. 

GEÄRGERT: Ich versuch mich nicht mehr über Kleinigkeiten im Privaten zu ärgern ! Die Weltpolitik geht mich nix an, da ich nichts verändern kann. 

GEFREUT: Über die Entwicklung der Enkelkinder, die laufend Neues dazulernen. 

GESEHEN: Das Grossstadtleben empfinde ich als anstrengend, zu laut und hektisch. Der viele Verkehr, sowie Menschenaufläufe machen mich nervös. Ich liebe mein Dorf und das Kleinstadtleben. 

GELESEN: Ich bin mal wieder in vier Büchern gleichzeitig unterwegs und mag die Abwechslung der unterschiedlichen Themen. *Moonfleet*, *Der letzte Leuchtturm* und *Schwesternland* regen mich an und gefallen mir durch ihre jeweilige Andersartigkeit.   Ausserdem tauche ich  am  Abend immer noch mit *Talita* für einige Seiten in die Welt der KI und Fantasy ab. 

Ich wünsch euch eine gute Woche! Bis zum nächsten mal.

TSCHÜSS  


Freitag, 24. April 2026

*Wir Töchter* von Oliwia Hälterlein - erschienen im C.H.Beck Verlag

 *Werbung. Unbezahlt, Rezensionsexemplar*


Erschienen am 20.2.26 

 https://www.chbeck.de/haelterlein-toechter/product/39931273

Oliwia Hälterlein, geboren 1986 in Bydgoszcz, ist Autorin, Dramaturgin, Moderatorin und Dozentin. Sie studierte Slawistik, Vergleichende Literatur-, Kultur- und Theaterwissenschaft in Salzburg, Krakau, Berlin und ist Absolventin des renommierten Deutschen Literaturinstituts in Leipzig (DLL). 2020 erschien ihr Essay «Das Jungfernhäutchen gibt es nicht» im Maro Verlag. «Wir Töchter» ist ihr Debütroman.

REZENSION: 

Dieser interessante  Debütroman der jungen Autorin konfrontiert die Leser*innen mit den absolut unterschiedlichen Lebensläufen dreier Frauen einer polnisch stämmigen Familie. 

Marianna, Róza und Waleria aus Polen kommen auf unterschiedlichen Wegen und in verschiedenen gesellschaftlichen Zeiten mit Deutschland in Berührung. Sie machen jeweils ganz persönliche Erfahrungen im positiven wie auch im negativen Sinne. Der Roman erzählt feinfühlig und voller Empathie mit den drei Frauen diese Erlebnisse und zeigt uns Leser*innen wieviel gesunder Menschenverstand, Charakterstärke und Durchsetzungsvermögen in jeder dieser Frauen unterschiedlicher Generationen steckt. Er erklärt auch feinfühlig und leidenschaftlich wie sie ihre Beziehungen zueinander mit viel Liebe, Zuneigung, aber auch lebensnaher Kritik, realistisch betrachten und/oder bewertet haben.  

Die Autorin erzählt in bunter und der Situation angepasster Sprache, lebhaft und sehr genau das polnische Leben aus dem ländlichen Bereich, den Städten, aus Zeiten des Krieges und der Umbrüche nach der kommunistischen Herrschaft. Sie beobachtet wie sich  die Migrationserlebnisse der beiden letzten Generationen mit der familiären Prägung  durch Grossmutter Marianna vermischt haben. Auch beeindruckt beim Lesen, wie sich die zärtliche und verständnisvolle Beziehung zwischen  der im Erwachsenenalter kinderlosen Enkeltochter Waleria und der Grossmutter entwickelte.

Olivia Hälterlein berichtet in mehreren Zeitsträngen, die oft sehr abrupt beginnen oder enden. Es bedarf eines genauen, ruhigen Lesestils und  guter Orientierung im Text um damit klar zu kommen. Die Autorin hat  laufend polnische Begriffe, kurze Redewendungen in polnischer Sprache in ihrem Roman eingebunden. Das wirkt stilistisch sehr interessant und bringt die Leser*in eine stimmige Atmosphäre.  Diese Ausdrücke werden zwar in einem Glossar übersetzt, aber längst nicht alles wird erwähnt und ich habe mich sehr in meinem Lesefluss dadurch stören lassen. Das empfand ich als sehr schade für diese ungewöhnlichen und guten Debütroman und ich hoffe sehr, dass sich Leser*innen dadurch nicht vom Buch abschrecken lassen. Denn dieser Roman beschreibt ein sehr treffendes Gesellschaftsbild über vergangene und  aktuelle, heute bestehende Beziehungen zwischen Polen und Deutschland und ist eine absolute Leseempfehlung. 

VIER **** STERNE. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den C.H.Beck Verlag für die Zusendung des gebundenen Leseexemplar.  



INHALT / KLAPPENTEXT:  

Die Geschichten von Frauen werden nicht vergessen, sie werden oft gar nicht erst erzählt


"Wir sind Magd, Köchin, Frau, Mutter, Tochter, Schwester. Wir können alles gleichzeitig, umkreisen uns selbst und alle anderen, bis uns schwindelig wird. Wir leben im Sand, auf zerriebener Zeit, auf Wegen ohne Spuren. Wir sind Schwestern und wir sind Töchter und wir sind nicht blutsverwandt. Wir sind auf Sand gewachsen. Unter Birken, Kiefern und Trauerweiden. Wir sind im Sand verwurzelt. Unsere Verwandtschaft liegt im Sand."


Eine Familie, zwei Jahrhunderte, drei Frauen - ihre Geschichten sind miteinander verwoben wie die Seidenfäden der Spinnen am Ende eines langen Sommers. Die Großmutter, Marianna, wächst am Ende des Zweiten Weltkriegs auf und führt das Leben einer einfachen Bäuerin.

Ihre Tochter Róza wäre im vom Sozialismus geprägten Dorf ihrer Mutter geblieben, wäre da nicht Szymek mit den feinen Händen. Wären da nicht die Stadt Gdansk und Schuhe, die auf Asphalt klackern. Wäre da nicht die Solidarnosc-Revolution. Und wäre da nicht irgendwann ein Kind, dem Róza ein Zimmer für sich allein wünscht.

Róza verlässt Polen Ende der 1980er Jahre und ihre Tochter Waleria wächst im Westen des wiedervereinigten Deutschlands auf. Sie verlernt ihre Muttersprache und die Welt ihrer Babcia Marianna, einst ihr Zuhause, rückt in immer weitere Ferne. Doch als die erwachsene Waleria erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, stellen sich ihr unerwartete Fragen: Was bedeutet es, die Letzte zu sein? Was schuldet Waleria den Frauen in ihrer Familie? Und welche Geschichten gehen mit ihr zu Ende?


Mit poetischer Klarheit und erzählerischer Raffinesse verknüpft Oliwia Hälterlein Alltag und Erinnerung, Körper und Sprache, Herkunft und Zukunft - und beschreibt das unsichtbare Band, das die Frauen einer Familie verbindet.