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Donnerstag, 1. Oktober 2026

*Das Vogelhaus* von Jan Weiler - erschienen im Heyne Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

MEINE MEINUNG ZUM BUCH : 

Der 36 jährige Leonard Beck führt als Dramaturg an einem Theater in Berlin ein typisches Grossstadtleben. Bis er seinen Job verliert. Er reist nach Hause zu seinen Eltern an den Niederrhein. Ein Brief seiner Mutter erreichte ihn. Ihre Nachricht: "Das sogenannte  *Vogelhaus* soll verkauft werden". Im Heimatort angekommen überfallen ihn schockartig Erinnerungen an seine Kindheit, Jugend, seine Zivildienst Zeit vor fünfzehn Jahren. Er erinnert sich an den liebenswerten Ari und an den burschikosen Patrick mit seinen queeren Weltvorstellungen, seine beiden etwas älteren Kollegen. Viele seiner damals pflegebedürftigen *Kunden* kommen ihm wieder in den Sinn. Sie sind in seinem Kopf so präsent wie damals.  Da ist sofort das sogenannte *Vogelhaus* mit seinen Bewohnern. einem alten Mann und vier grossen Aras in Vogelvolieren. Das Haus steht nun zum Verkauf und Leonhard taucht ab in seine Vergangenheit und Beziehung zu damals, seinem Bewohner Herrn Schwabe und den vier alten Ara Vögeln. Er sieht seine damalige Situation nun mit dem Abstand eines Erwachsenen. 


Die gesamte Grundstimmung des Buches hat mich beim Lesen mit Grusel, Entsetzen, Betroffenheit, Ekel und Verständnis für die erzählte Zeit des jungen Leonard erfüllt. Der Autor Jan Weiler hat mich mit seinem gekonnten flüssigen Schreibstil, gespickt mit psychologischem Feingefühl, in die damalige Zivildienstzeit des jungen Leonard Beck geführt. Ich wurde immer tiefer in die schaurigen Fantasievorstellungen der drei jungen Männer Leonard, Ari und Patrick hineingezogen und habe zeitweise, ebenso wie sie, Horror Vorstellungen von Mord, Totschlag und Menschenquälerei, geschehen im Vogelhaus, im Kopf gehabt. 

Es entwickelt sich allerdings auch eine andere, wichtigere Seite im spannenden Erzählton. Das Aufzeigen der Arbeit von  Zivildienstleistenden Heranwachsenden im Buch. Junge Männer, die damals den *Dienst an der Waffe für unser Land* , damit das Töten im Krieg ablehnten, wurden zum Zivildienst in vielen Bereichen verpflichtet. So erging es auch Ari, Patrick und Leonard. Sie fütterten und bekochten alte, verwirrte Menschen, putzten, kauften Lebensmittel ein , halfen Kindern und Jugendlichen bei den Schulaufgaben, begleiteten pflegebedürftige Menschen zu Behandlungsterminen in Krankenhäuser. Sie waren sich für keine Arbeit zu schade. Bis hin zur Totenwache bei versterbenden Menschen.

Leonard erfährt während seines Besuches neue, emotional geprägte Beziehungen zu seinen Eltern, erinnert sich an den verständnisvollen Freund Ari und fasst einen mutigen Entschluss:

Er wird das Vogelhaus kaufen und sich seinen scheusslichen,  sowie den prägend guten Erfahrungen von damals stellen,,,,

FÜNF ***** Sterne für dieses hervorragende Buch über die Schönheit des Lebens und seine  Grausamkeit von Menschen in unserer Gesellschaft.  


INHALT/KLAPPENTEXT: 

Ein Buch über das Heimkehren — und über die Orte, die mehr über uns wissen als wir selbst.

Wenn Leonard Beck nach seiner Post sieht, ahnt er stets das Schlimmste. Und tatsächlich ist es ein unscheinbarer Brief seiner Mutter, der ihn nach Jahren zurückruft an den Niederrhein: Ein Haus steht zum Verkauf. Und obwohl dieses Haus keine guten Erinnerungen weckt, zieht es ihn magisch an. Leonard, der gerade seine Stelle am Theater verloren hat, reist in die Heimat und damit in seine Vergangenheit. Er trifft auf Menschen, die ihm einst wichtig waren. Und immer wieder steht er vor dem unscheinbaren Haus, dessen Geheimnis er damals nicht lüften konnte. Jetzt aber will er ihm auf die Spur kommen, stellt sich endlich seinen Ängsten – und macht dabei Entdeckungen fürs Leben.

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, ist Journalist und Schriftsteller. Er war viele Jahre Chefredakteur des SZ Magazins. Sein erstes Buch »Maria, ihm schmeckt's nicht!« gilt als eines der erfolgreichsten Debüts der letzten Jahrzehnte. Es folgten unter anderem »Antonio im Wunderland«, »Mein Leben als Mensch«, »Das Pubertier«, »Älternzeit« und die Kriminalromane um den überforderten Kommissar Martin Kühn. Auch seine Romane »Der Markisenmann« und »Munk« standen monatelang auf der Bestsellerliste. Neben seinen Romanen verfasst Jan Weiler Kolumnen, Drehbücher, Hörspiele und Hörbücher, die er auch selbst spricht. Er lebt in München und Umbrien.


Jede Woche veröffentlicht er eine neue Geschichte unter www.janweiler.de/


https://www.penguin.de/buecher/jan-weiler-das-vogelhaus/buch/9783453443716


Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


Mittwoch, 2. September 2026

*Das Fest* von Margaret Kennedy

*Werbung, unbezahlt, selbst gekauft*


Mein  kurzer Leseeindruck:

 Die Autorin Margaret Kennedy stammt aus einer ganz anderen Generation wie die heutigen Schriftsteller*innen. Und das merkt man total  beim Lesen  zusätzlich an ihrer sorgfältigen, ausschweifenden, britisch geprägten Ausdrucksweise.  Auch einen typisch englischen, trockenen Humor lässt die Autorin in ihrem Buch oft aufblitzen. Sie hat ihre Charaktere im Roman sorgfältig ausgearbeitet und erzählt sehr stimmig aus den Geschehnissen des Jahres 1947, nach Beendigung des 2. Weltkrieges. Es ist ein typischer, atmosphärisch einfühlsamer Gesellschaftsroman, verbunden mit Einzelschicksalen. Er beginnt mit einer gewaltigen Katastrophe.  Ein  Felssturz verschüttet ein beliebtes  und voll belegtes Hotel an der Küste von Cornwall. Viele Gäste überleben dieses Desaster nicht, einige schon ! Sie treffen sich zu einem Fest am Strand zur Zeit des Unglücks. Wer sind  die Überlebenden und wie ist es dazu gekommen? 

Bitte selbst erlesen :-) !

Eine absolut lesenswerte Lektüre, die ich gern mit FÜNF ***** STERNEN bewerte.


INHALT/KLAPPENTEXT: Sommer 1947. Das an den Klippen Cornwalls malerisch gelegene Hotel Pendizack wird durch einen Felssturz verschüttet, und alle, die sich im Haus befanden, liegen unter den Trümmern begraben. Nur diejenigen, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks zu einem Fest am Strand versammelt haben, sind verschont geblieben. Kann das Zufall sein? Eine Woche zuvor ist das heruntergekommene Hotel noch fast ohne Gäste. Nach und nach treffen Urlauber ein, unterschiedlichste Menschen, die sich ein einziges Badezimmer teilen müssen. Ein jeder von ihnen hat etwas zu verbergen. Freundschaften, Romanzen, Fehden, Feindschaften bahnen sich an. Alles gipfelt in der Feier am Strand – und in der Frage, wer daran teilgenommen hat, um wie durch ein Wunder der Tragödie zu entgehen.

Margaret Kennedy, geboren 1896 in London, gestorben 1967 in Adderbury, stammte aus einer großbürgerlichen Londoner Familie und studierte am Somerville College in Oxford. Schon ihr zweiter Roman The Constant Nymph wurde 1924 zu einem weltweiten Bestseller, der bereits drei Mal verfilmt wurde. Fünfzehn weitere, ebenso erfolgreiche Romane folgten, die Kennedy teils selbst fürs Theater adaptierte. Außerdem schrieb sie Sachbücher, unter anderem eine Jane-Austen-Biografie. Kennedy hatte drei Kinder, eine ihrer Töchter und eine Enkelin wurden ebenfalls Schriftstellerinnen.