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Sonntag, 13. September 2026

*Amrum* von Hark Bohm

*unbezahlte Werbung, selbstgekauftes Buch*

Meine Meinung zum Buch:

Diesen autobiografischen Roman hat Hark Bohm kurz vor seinem Tode  zusammen mit Philipp Winkler verfasst. Und er  ist ein gelungenes Leseerlebnis für mich geworden. Den Film zum Buch habe ich noch nicht gesehen, das möchte ich aber demnächst unbedingt nachholen. 
Der Autor erzählt aus seiner Kindheit, die er bis zum 10. Lebensjahr auf der Insel Amrum verbracht hat.
 
Es ist kurz vor dem Ende  des 2. Weltkriegs.  Auch auf der abgelegenen Insel Amrum,  inmitten der Nordsee ist nichts mehr wie vor dieser militärischen Auseinandersetzung. Der größte Teil der männlichen Bevölkerung befindet sich an der Front, das Nazi-Regime liegt in den letzten Zügen. Die Alten der Insel, die Frauen,  Kinder und Jugendlichen  halten den normalen Inselalltag und das Überleben in diesen schwierigen Zeiten am Laufen. 
Nanning und Hermann, zwei  10 jährige Freunde  arbeiten fleissig auf den Bauernhöfen ohne Entgelt. Sie bekommen für ihre Mühen mal ein Stück Butter, eine Kanne Milch und/oder Hühnerfutter. Sie fangen Schollen, sammeln Vogeleier in den Salzwiesen und haben immer etwas zu tun. Ideen zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln gehen ihnen selten aus. Die beiden Kinder haben familiär unterschiedliche Hintergründe. Nanning entstammt mütterlicherseits  aus einer seit Jahrhunderte auf der Insel ansässigen alten Kapitäns - und Walfänger Familie. Nanning's Mutter  Hille Hagener, geb. Jessen hängt nun dem Nazi-Regime und seiner Politik begeistert an. Sein Vater ist ein schreibender Akademiker, der nazitreue Literatur im fernen Hamburg verfasst. Hermann's Familie hat dänische Wurzeln und begeistert sich für die Sozialdemokratie. Das tut der echten und liebevollen Freundschaft der Jungen  zueinander aber keinen Abbruch. 

Mich hat das Buch hauptsächlich durch die atmosphärisch dichten und stimmigen Beschreibungen des Insellebens, der Nordsee, der Natur an Strand und Watt beeindruckt. Der Autor betrachtet und beobachtet die Natur aus dem Blickwinkel des jungen Nanning, den er mit autobiografischen Zügen ausgestattet hat. Es sind poetisch fein beschriebene  Betrachtungen der vielfältigen Vogelwelt im Watt, der Gezeiten  - und Wetterphänomene am Meer. Die Tierwelt der Insel, das bäuerliche Leben der damaligen Zeit  wurden sehr fantasievoll und lebhaft gezeichnet und haben ein buntes Kopfkino beim Lesen in Gang gesetzt. Die  lang gewachsenen Beziehungen der friesischen Inselbevölkerung zueinander, ihre unterschiedlichen politischen Standpunkte wurden gerade auch durch Nanning's Beobachtungsgabe  klar und deutlich dargestellt.  Das ruhige, aber eben politisch beeinflusste Leben während der NS-Zeit der Inselbewohner, die an traditionellen zeitlosen Werten festhalten, ziehen sich durch das gesamte Buch. 

Ich konnte dank des eindeutigen und klaren Schreibstils schnell durch die Seiten fliegen und gebe eine Leseempfehlung mit VIER **** Sternen.    



INHALT/KLAPPENTEXT:

Zwischen Heidekrautfeldern und dem endlosen Watt ist Nanning zu Hause: Amrum, die Nordseeinsel ist alles, was er kennt. Gemeinsam mit seinem besten Freund trotzt er der kargen Natur ab, was er kann, um während des Krieges für seine Familie zu sorgen. Sie jagen Kaninchen, treten Schollen und tauschen ihre Beute gegen das Notwendigste. Wenn es hart auf hart kommt, hält die Gemeinschaft zusammen, doch Nanning spürt das Misstrauen ihm und seiner regimetreuen Familie gegenüber. Mit dem Tod Hitlers brechen neue Zeiten an, und für Nanning wird sich alles ändern.
Amrum erzählt voll wilder Schönheit davon, was Herkunft bedeutet – und wie man lernt, den eigenen Weg zu gehen. Der Roman ist ein poetisches Zeitzeugnis, in dessen Kern eine zutiefst menschliche Geschichte steht.

Über den Autor
Vita von Hark Bohm

Hark Bohm wurde 1939 in Hamburg geboren und verlebte seine Kindheit auf Amrum. Er war einer der relevantesten Regisseure, Drehbuchautoren und Produzenten Deutschlands. Zu seinen größten Erfolgen gehörten Nordsee ist Mordsee, Yasemin und Aus dem Nichts, für dessen Co-Autorenschaft er mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Für sein Lebenswerk wurde ihm zudem der Ehrenpreis des deutschen Filmpreises verliehen. Seinen Roman Amrum schrieb er gemeinsam mit Philipp Winkler; auf den selben Erinnerungen basiert auch der gleichnamige Film von Fatih Akin. Hark Bohm verstarb im November 2025. 

Philipp Winkler, 1986 bei Hannover geboren. Arbeiterkind und Hochschulabsolvent in 1. Generation. Schreibt Romane und Drehbücher. Sein Debütroman Hool war Spiegel-Bestseller, stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem ZDF aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt ausgezeichnet. Seine Werke wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und mehrfach für die Bühne adaptiert. Filmadaptionen aller seiner Bücher sind in Arbeit.

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