Mittwoch, 28. August 2024

*Mein drittes Leben* von Daniela Krien - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erschienen am 21.8.24

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024!

Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten – die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin. Ihre Romane ›Die Liebe im Ernstfall‹ und ›Der Brand‹ standen monatelang auf der Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Daniela Krien hat zwei Töchter und lebt in Leipzig.


Auszeichnungen

 Englische Übersetzung von Der Brand auf der Longlist des ›Dublin Literary Award‹, 2024

 Irgendwann werden wir uns alles erzählen für den ›Deutschen Drehbuchpreis‹ nominiert, 2022

 Der Brand für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2021

 Die Liebe im Ernstfall auf der Shortlist für den Literaturpreis ›Text & Sprache‹ des Kulturkreises deutsche Wirtschaft, 2020

 ›Sächsischer Literaturpreis‹ für ihre bisherigen Prosawerke, 2020

 Die Liebe im Ernstfall für ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2019

 ›Nicolas-Born-Debütpreis‹ für Muldental (Erzählband), 2015


Vorsicht, Spoiler- und Triggerwarnung! Die Themen TOD EINES KINDES, TRAUER, WERDEN AUSFÜHRLICH UND SEHR BERÜHREND BESCHRIEBEN IM BUCH. 

Meine Meinung zum Buch:
*Wie verletzlich ist doch unser Leben*, Dieser Satz  kam mir beim Lesen dieser Lektüre immer wieder in den Sinn. Als ich begriff worum es in diesem Buch ging , musste ich weinen. Aus Trauer um ein junges Leben , aus Mitgefühl mit den Eltern und Freunden. Das passiert mir nicht oft beim Lesen, aber diesmal war mein Kopfkino zu plastisch , zu real.
Es lag  natürlich an der Thematik und am für mich perfekten und ausgereiftem  Schreibstil der Autorin. Sie beschreibt Gefühle sehr intensiv und bildhaft,  so dass ich in einen wilden  Strudel von Trauer und Leiden mit in diese Geschichte hineingerissen wurde. 

ZITAT Seite 29 : " Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. ( Guy de Maupassant) . Aber hier, in meinem dritten Leben, sind es nicht die Menschen. Es sind die Tiere und Pflanzen und der Wind und die Bilder der Toten an den Wänden. " 

Linda, die nun kinderlose Mutter und Ehefrau erträgt niemanden mehr in ihrer Umgebung. Auch nicht ihren Ehemann Richard, der eigentlich doch die innigste Verbindung zu ihrer gemeinsamen  verunglückten Tochter für sie ist. Linda zieht sich zurück, verlässt Leipzig, die gemeinsame Wohnung dort und zieht in das Haus einer alten verstorbenen Frau auf einem Dorf.  Sie übernimmt sogar den Hund Kaja der Frau Adomeit , bewirtschaftet einen Garten und züchtet Hühner. Kurze notwendige Kontakte zu Nachbarn erträgt sie gezwungenermassen. Doch plötzlich treten Natascha und ihre behinderte reizende Tochter Nine singend und fröhlich in ihr Leben. Langsam entsteht eine neue Freundschaft zwischen den Frauen , die Linda langsam aus ihrer Trauer ausgräbt. Es spielen natürlich noch viele andere Personen aus Linda's früherem Leben eine Rolle im Buch, massgeblich auch für ihr persönliches neues Empfinden  gegenüber ihrem Beruf im künstlerischen Bereich, ihren Freundschaften, all den kleinen äusserlichen Freuden des Lebens beim Einkaufen, Essen, Kontakten und Beziehungen.  Auch die Beziehung zur eigenen  Mutter, ihr früheres Handeln wird milder und verständlicher für Linda. 

Richard versucht immer wieder seiner Frau beizustehen, erreicht sie seelisch immer seltener und findet in einer neuen Beziehung zu Brida ein neues kleines Glück. Doch die Zuneigung und  jahrzehntelange Liebe von Linda und Richard übersteht auch dieses ausergewöhnliche Zwischenspiel. Mehr möchte ich hier nicht preisgeben,,,,,

Dieses grossartige  Buch ist eine  absolute  Leseempfehlung mit FÜNF ***** Bewertungssternchen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Montag, 26. August 2024

*AM SEE* von MARIA BARBAL - erschienen im Blessing Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erschienen am 3.4.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Für die zwölfjährige Nora gibt es nichts Herrlicheres, als die Sommersonntage an einem See in den katalanischen Pyrenäen zu verbringen. Schwimmen ist ihr größtes Vergnügen und sie liebt die ruhige Weite des Wassers mit seinem ständig wechselnden Farbspiel. Außer Quim, der quirlige fünf Jahre alt ist, sind alle in der Gruppe, die sie begleitet, erwachsen. Sie alle bergen Sehnsüchte und Verletzungen in sich, die sich wie in einem Brennglas an diesem friedlichen Ort bündeln. Nora versteht längst nicht alles, was sie beobachtet, doch das, was an einem dieser Sommertage geschieht, wird für sie das Erwachen aus der Kindheit bedeuten.

Maria Barbal ist eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Stimmen der katalanischen Literaturszene. Geboren 1949 in den Pyrenäen, lebt und schreibt die mehrfach preisgekrönte Autorin heute in Barcelona. Ihr Debüt »Wie ein Stein im Geröll« wurde in 16 Sprachen übersetzt und gilt als moderner Klassiker. Auch ihr zuletzt erschienener Roman »Die Zeit, die vor uns liegt« begeisterte Leser*innen und Presse.

Meine Meinung zum Buch: 

Der Höhepunkt der Woche für die zwölfjährige Nora ist der sonntägliche Ausflug mit der kleinen Bahn zum herrlich gelegenen Stausee in den Pyrenäen. Ausser dem fünfjährigen Quim ist sie das einzige Kind in einer Gruppe von Erwachsenen. Es sind Freunde, Verwandte, die gemeinsam einen ruhigen Nachmittag in der Hitze des Sommers am See geniessen möchten. Nora lebt noch in ihrer Kinder-Welt, schaut aber schon genau auf die Erwachsenen, beobachtet ihr Verhalten und ihre Unterhaltungen. Der quengelnde Quim nervt und stört sie insgeheim. Eifersüchtig versucht sie ihn zu ignorieren.

Die Autorin hat einen ganz leisen, ruhigen und in wunderschöner klarer Sprache gehaltenen  Roman geschrieben, der ehrlich  die Beziehungen der Gruppe und ihrer Menschen mehr und mehr untereinander aufzeigt . Poetische Naturbeschreibungen des Sees mit seinem  ursprünglichem Uferbewuchs von Pappeln, Brombeersträuchern, Zürgelbäumen , kleinen Feigenbäumen und dem Schilfrohr verzaubern und schaffen eine einmalige Sommeratmosphäre. 

 Die Zwanzig Kapitel vermitteln einen wunderbar stimmigen Eindruck vom Erleben eines Kindes, schon ausgestattet mit einem scharfen Blick auf die Welt der Erwachsenen, deren unausgesprochenen Sorgen , Nöten, Erwartungen und Freuden an das Leben. Zu Beginn jeden Kapitels berichtet Nora als Ich-Erzählerin kurz - in Kursivschrift gehalten -  von ihren Beobachtungen und eigenen Gedanken über das Geschehen am See und innerhalb der Gruppe. Je weiter man in den Kapiteln voranschreitet, desto klarer zeigen sich für die Leser*in Gefühle, Beziehungen und daraus folgende Handlungsweisen der Erwachsenen aus drei Generationen untereinander. Auch für die junge Nora ist das eine neue und aufregende Erfahrung. Sie lernt sich selber besser kennen wie auch die Bedeutung von Schuld und Scham, welche in so jungen Jahren schon plötzlich sichtbar werden für sie. Die Freundschaft mit der attraktiven Lídia empfindet Nora als besonderes Geschenk, denn sie hat ihr das Schwimmen beigebracht..... 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese berührende und wunderbare Geschichte. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blessing Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar. 

Samstag, 24. August 2024

*Genau so, wie es immer war* von Claire Lombardo - erschienen im dtv -Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ISBN : 978-3-423-28417-2

Erscheinungsdatum: 15.08.2024 

1. Auflage

720 Seiten

Format : 12,8 x 21,0 cm

Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Sylvia Spatz

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INHALT/KLAPPENTEXT: Manchmal kann Julia Ames es gar nicht fassen, was für ein unwahrscheinlich schönes Leben sie führt. Mit Mark hat sie seit Jahrzehnten einen liebenden Ehemann an ihrer Seite, zusammen haben sie zwei Kinder in die Welt gesetzt, auf die sie stolzer nicht sein könnte. Doch Glück ist nur ein vorübergehender Zustand, wie Julia schnell feststellen muss – Familie bleibt einem hingegen ein Leben lang erhalten.

Sohn Ben schockiert seine Eltern bei einem Besuch mit einer folgenschweren Nachricht. Tochter Alma ist kurz davor, aufs College zu gehen, was eine ungewohnte Angst vor dem leeren Nest in Julia weckt. Und beim Einkaufen trifft Julia zufällig auf eine Frau, die sie seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen hat – einst war die mütterliche Freundin ihre Rettung, bevor sie einer Katastrophe den Weg ebnete. Gefangen zwischen ihrer bewegten Vergangenheit und der chaotischen Gegenwart verliert Julia zunehmend die Kontrolle.

Claire Lombardo, 1989 geboren in Oak Park, Illinois, arbeitete als Sozialarbeiterin und PR-Agentin, bevor sie am renommierten Iowa Writers' Workshop studierte. Ihr Debütroman ›Der größte Spaß, den wir je hatten‹ war ein New York Times-Bestseller, wurde für den Women's Prize for Fiction nominiert und in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Sie lebt in Iowa City.

Meine Meinung zum Buch: 

Die siebenhundert Seiten dieses Romans haben meinen Lesefleiss - und Fluss ganz schön gefordert. Ich bin der jungen Julia und der gereiften  Ehefrau und Mutter der späten Jahre  in vielen Rückblicken auf ihr Leben mit ihren für mich oft zwiespältigen  und unverständlichen Gefühlen und Gedanken interessiert begegnet. 

Beim Lesen des Klappentextes vermutet man nicht diese kühle und komplizierte, oft zerbrochene, toxische,  ja sogar fast bösartige Persönlichkeit von Julia Ames, deren Charakter  Claire Lombardi mit viel psychologischem Fingerspitzengefühl für die Leser*in erschaffen hat. Fünfhundert Seiten erklären zwar viele Handlungen und Gegebenheiten aus dem Leben und der Ehe der Julia aus Jugendzeiten und Alter, doch es war in meinen Augen einfach zu langatmig beschrieben. Immer wieder versinkt die Protagonistin  in Selbstmitleid, jammert laufend über die kalte Beziehung zu ihrer alkoholkranken Mutter. Sie verknüpft und entschuldigt zu viele ihrer in meinen Augen merkwürdigen Entscheidungen und mentalen Empfindungen mit den Erlebnissen aus der toxischen Beziehung zur Mutter. 

Die letzten zweihundert Seiten hätten nach meinem persönlichem Empfinden an den Anfang der Erzählung gehört und so diese umfangreichen und umständlichen Erklärungen und Suchen nach Gründen für bestimmte Verhaltensweisen in fünfhundert Seiten ein schnelleres und klareres Ende bereiten können. Der Roman hat zwar eine unterhaltende und flüssige Erzählweise , aber er ist einfach zu lang. Die Autorin hat sich aus meiner Sicht zu sehr in den psychologischen Erklärungen von Julias Verhalten verloren. 

Depression und Schuld haben Julias Leben geprägt und auch die Leser*in in diese unglückliche Spirale hineingerissen. Das Aufflackern der immer wiederkehrenden mütterlichen Liebe und Zuneigung zu ihren Kindern und Ehemann Mark kann diesen Aspekt im Roman kaum heilen. Leider. Denn das Familienleben kann schön, erfüllend und auch im Alter noch befriedigend sein, trotz aller Widrigkeiten mit Familienangehörigen und der eigenen Psyche.  

Meine Bewertung: DREI *** gute Sterne für diese zu lange Ausführung eines komplizierten Frauen - und Familienleben.  

Vielen herzlichen Dank an die Autorin und den dtv-Verlag für die schnelle Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

 


Mittwoch, 14. August 2024

*Malnata* von Beatrice Salvioni - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

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Erschienen am 15.5.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Unter der sengenden Sonne der Lombardei im Jahr 1935 begegnet Francesca zum ersten Mal Maddalena, die von allen im Ort nur »Malnata« genannt wird: »Die Unheilbringende«. Francesca – zu Konformität und Gehorsam erzogen – ist sofort fasziniert von dem barfüßigen Mädchen, dessen Hände immer schmutzig sind, die Augen voller Trotz. Entgegen allen Warnungen freundet sich Francesca mit Maddalena an und lernt mit der Zeit, den Lügen der Erwachsenen zu misstrauen. Doch in einer Gesellschaft, die keinen Platz hat für weibliches Freiheitsdenken, ist jedes falsche Wort und jede unfolgsame Tat eine Gefahr …

Beatrice Salvioni, geboren 1995, studierte Literatur an der Universität Mailand und besuchte dann in Turin die renommierte Schreibschule Holden, gegründet von Alessandro Baricco. Sie hat bereits mehrere Erzählungen geschrieben, von denen eine mit dem Premio Calvino ausgezeichnet wurde. 2021 erregte das literarische Debüt der jungen Autorin große internationale Aufmerksamkeit. La Malnata wurde noch vor Erscheinen in Italien zu einem literarischen Ereignis und verkaufte sich innerhalb weniger Wochen in 20 Länder; inzwischen sind es 35.


Meine Meinung zum Buch:

 So finster wie die junge Frau auf dem Cover schaut ist auch die Thematik des Romans.  Das Bild zeigt wohl   *die Unheilbringende* (ital. Malnata) Maddalena Merlini oder vielleicht doch die beobachtende brave Freundin Francesca Strada , Tochter eines Hutfabrikanten, aus einem *guten und wohlhabenden* Hause stammend ? Diese Interpretation des Covers sei jedem Leser*in selbst überlassen. 

Wir tauchen ein in eine dunkle Zeit Italiens und schreiben das Jahr 1935. Der aufkommende, immer stärker werdende Faschismus ist allgegenwärtig und  streckt seine Hand in alle Schichten der Gesellschaft aus. Zwei junge Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsklassen begegnen sich. Die zwölfjährige Francesca sucht sehnsuchtsvoll den Kontakt zur armen, unbändigen und anscheinend frei lebenden Maddalena, die in Monza von einem grossen Teil der Bevölkerung verachtet und gemieden wird. Der Aberglaube an *das Böse* in *Unglücksbringerinnen* wie der jungen Malnata ist allgegenwärtig , die Macht der katholischen Kirche  ist ungebrochen. Konservative Regeln engen Familien und auch Kinder streng ein. Francesca verfängt sich in grässlichen Schuldgefühlen und ängstlicher Schüchternheit, wenn sie nur ein Bild von Jesus irgendwo sieht, wie es zum Beispiel im Schlafzimmer ihrer Eltern hängt. Doch Maddalena widersetzt sich allen, speziell für Mädchen erschaffenen Regeln der Erwachsenen. Sie spielt unbefangen mit Jungen barfuss am Fluss und lehnt die Schulbildung ab. Francesca beobachtet und  bewundert die *Malnata* und kämpft um deren Zuneigung und Freundschaft. 

Zitat Seite 62: " In der Welt der Malanta wetteiferte man darum, von Katzen gekratzt zu werden. Schmerz leckte man sich einfach zusammen mit dem Blut von der Haut. Eine Welt, in der man nicht spielen konnte , jemand anders zu sein, und in der man Männern und Jungs in die Augen sah, wenn man mit ihnen sprach. "

Der Erzählstil von Beatrice Salvioni ist flüssig, kraftvoll und erzeugt beim Lesen ein buntes und klares Kopfkino. Man wird gefesselt von den Aktivitäten der beiden Mädchen und erlebt sehr direkt die Entwicklung einer warmen und herzlichen Freundschaft zwischen den Kindern. Doch es sind fast keine Kinder mehr, sie stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden und beobachten kritisch und hinterfragend ihre heuchlerischen Eltern und Erzieher*innen. Salvioni gibt den beiden Mädchen im Roman eine fast feministische Denkweise . Sie sehen scharf die Klassenunterschiede in ihrer Stadt und die Werkzeuge der politischen Unterdrückung des Faschismus. Die Autorin hat es geschafft historische Ereignisse und persönliche Schicksale in diesem Roman eng zu verknüpfen und vermittelt dadurch eine unbedingte Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Die Familien Strada und Merlini leiden durch den Krieg, die allgemeine Verarmung und dem Verbiegen ihrer eigentlichen Gesinnung und Menschenwürde, durch ihre Anpassung an das faschistische Regime.  

Maddalena und Francesca bestimmen letztendlich durch tragische Geschehnisse ihrer Familien , ausgelöst auch durch den Krieg in Abessinien, ihren persönlichen Weg. Ihre innere Haltung wird gefestigt und so treten sie selbstbewusst  ihren weiteren, sicher schweren Lebensweg an.... 

Ich gebe dem Buch gern eine Leseempfehlung von FÜNF ***** Sternen und bedanke mich bei der Autorin und der Penguin Randomhouse Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  


Dienstag, 13. August 2024

*Die Zeit der Zikaden* von Moritz Heger - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Hardcover Leinen

304 Seiten 

erschienen am 26. Juni 2024 

978-3-257-07274-7 


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Inhalt/Klappentext: Für Alex beginnt der Ruhestand. Doch statt Ruhe plant sie den Aufbruch ins Ungewisse: Mit einem Tinyhouse auf Rädern will sie alles Gewohnte hinter sich lassen. Johann, Mitte fünfzig, sucht den Ausbruch aus einem fragwürdig gewordenen Beruf und einer erkalteten Ehe. Ein ererbtes Steinhaus in Ligurien scheint ein guter Ort dafür zu sein. Alex folgt Johanns Einladung: Zwei nicht mehr junge und sehr verschiedene Menschen wollen an diesem Sehnsuchtsort die nächste Lebensetappe angehen.

Moritz Heger, geboren 1971 in Stuttgart, studierte Germanistik, evangelische Theologie und Theaterwissenschaft in Mainz, erhielt 2007 den MDR-Literaturpreis und den zugehörigen Publikumspreis. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer an einem Stuttgarter Gymnasium. 2021 erschien sein Debüt beim Diogenes Verlag, ›Aus der Mitte des Sees‹.


Auszeichnungen ›MDR-Literaturpreis‹ mitsamt Publikumspreis, 2007


Mein Leseeindruck zum Buch: Das handlich gebundene Buch von ca. dreihundert Seiten habe ich gerne und schnell durchgelesen, da mich die Thematik des *Altern im Ruhestand* magisch angezogen hat. 

Zitat , Seite 114 : "Was will sie sein? Sie wollte raus sein, will es noch, und leidet doch darunter. Bei Lichte betrachtet, ist es bei ihr kaum weniger vertrackt als bei den jungen Leuten. Mit dem einen Unterschied, sie ist nicht mehr jung. 

Mit dem Tinyhaus hat sie, wie ihr immer klarer wird ein Paket geschnürt, um sich in die Zukunft zu senden. "

Und so schickt sich die allein lebende Lehrerin i.R.  Alex in einen neuen Lebensabschnitt. Sie war beliebt bei den Schülern, anerkannt von Kollegen und Eltern. Auf einer Hochzeit der Schülerin Wiebke lernt sie deren neuen Schwiegervater Johann kennen. Sympathie und Verständnis zwischen den beiden Protagonist*innen entwickeln sich stetig. Johann ist verheiratet, Bestatter von Beruf, malt in seiner Freizeit gern. Er hat ein Steinhaus in Ligurien geerbt und lädt die ledige Alex mit ihrem rollenden Tinyhaus spontan dorthin ein. 

Das Buch hat der Autor in zwei Abschnitte eingeteilt. Der erste Teil nennt sich *LICHTEN* , der zweite Teil heisst *ANKERN*. Der Schreibstil des Autor hat mich im ersten Teil ein wenig angestrengt, da er oft in verschiedenen Situationen hin und her springt , den Leser*in zwar in die Eigenschaften der  Charaktere von Alex und Johann, sowie deren Lebenssituationen einführt - und doch hat mir ein wenig der konstante berühmte *rote Faden* gefehlt.

Im zweiten Teil *ANKERN* habe ich mich sofort wohl gefühlt und auch zurecht gefunden. Die bunte und schöne  Beschreibung von Land und Menschen Liguriens haben mich mit der anstrengenden Einführung des ersten Teil  versöhnt und ich konnte die stimmige Atmosphäre Italiens voll geniessen. Eine stetige und warme Freundschaft zwischen Alex und dem stillen Johann entwickelt sich, er bewundert ihre Unabhängigkeit und Lebenslust, malt sie. Sie träumt in ihrem Tinyhaus , welches im Garten von Johann steht von neuen Theaterprojekten. Bis sie eine Initiative ergreift, die massiv  in Johanns Familienleben eingreift. 

Mehr möchte ich nicht verraten, ich habe das Buch genossen und kann es mit 

VIER **** Sternen zum Lesen an entspannten Sommertagen nur empfehlen. 


Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar mit dem hübschen Cover im bekannten Diogenes-Stil.   



Sonntag, 11. August 2024

*Bleib* von Adeline Dieudonné - erschienen im dtv - Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

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ISBN : 978-3-423-28394-6

Erscheinungsdatum: 13.06.2024 

1. Auflage

256 Seiten

Format : 11,8 x 19,5 cm

INHALT/KLAPPENTEXT: Eine Frau und ihr Geliebter verbringen das Wochenende in einem Chalet in den französischen Alpen. Doch mit einem Mal ist er tot. Außer sich vor Schmerz bleibt die Erzählerin mit seinem Körper zurück. In den Tagen, die folgen, weicht sie ihm nicht von der Seite. Schläft bei ihm, spricht mit ihm, fährt mit ihm auf dem Rücksitz durch die Berge. Und sie beginnt, seiner Ehefrau zu schreiben. In den Briefen erzählt sie die Geschichte einer großen Liebe – und die Geschichte einer Frau, die lernt, selbstbestimmt zu leben.

Adeline Dieudonné, geboren 1982, lebt mit ihren Töchtern in Brüssel. Nach mehreren preisgekrönten Erzählungen und einem erfolgreichen One-Woman-Theaterstück entwickelte sich ihr Romandebüt ›Das wirkliche Leben‹ zu einem großen internationalen Bestseller. Sie wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, ihre Bücher in über zwanzig Sprachen übersetzt. Seitdem erschienen bei dtv der Text ›Bonobo Moussaka‹ sowie der Roman ›23 Uhr 12‹.

MEIN LESEEINDRUCK: Eine grosse Liebe zwischen zwei Menschen wird jäh durch den Tod des Geliebten getrennt und endet plötzlich und unerwartet. Die zurückbleibende Frau ist ausser sich vor Kummer und will sich mit dem Tod ihres Geliebten nicht abfinden. Er ist verheiratet und die Erzählerin der packenden Geschichte vertraut der Ehefrau des Geliebten ihre bislang geheim gehaltene Affäre in einer Art Briefroman an. Sie wechselt in ihren Briefen laufend zwischen ihren  eigenen Erinnerungen und der aktuellen Realität.

Die Autorin hat mit ihrer fesselnden Erzählweise einen packenden und fast fiktiv erscheinenden Roman erschaffen, der mich das Gruseln, aber auch die Annahme des Todes eines geliebten Menschen gelehrt hat. 

Unglaublich und geschickt auf die fast krank erscheinende Psyche der Erzählerin eingehend, sowie ihre Verschleierungstaktiken gegenüber ihrer realen Umwelt bin ich der Autorin fassungslos  gefolgt und konnte kaum glauben, dass eine Frau so mit einem Leichnam umgehen könnte. Das erscheint mir sehr unwahrscheinlich und gibt dem Roman einen grossen Schubs in die fiktive Fantasyliteratur. Trotzdem war es eine spannende und sehr ungewöhnliche Lektüre. Mit einem Leichnam in einem Roadtrip zu Reisen ist nicht wirklich annehmbar - aber doch eine originelle und erschreckende Idee. Teilweise haben mich einige Beschreibungen  wirklich geekelt und mein Verständnis für diese Erzähl-Thematik mit einem Leichnam ist nicht unbedingt gewachsen. 

Im Lauf des Briefromans erfahren wir als Leser*in immer mehr von der Beziehung zwischen ihr und dem toten Geliebten. Die Ehefrau bleibt erstaunlich blass und im Hintergrund, denn die Geliebte kennt sie gar nicht persönlich....

Die eigene Befindlichkeit der Protagonistin rückt immer mehr in den Vordergrund der Geschichte und hat viele Facetten. Wir lernen sie immer besser kennen je länger sie ihre Zeit mit dem Toten verbringt. Irgendwie schafft sie es sich von dem Leichnam  zu trennen - und das ist endlich die Erlösung vom Buch. 

Der Schreibstil der Autorin ist ungewöhnlich geschickt , einnehmend und flüssig zu erlesen. Die Thematik ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses ungewöhnliche Werk.

Herzlichen Dank an die Autorin und den dtv-verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar mit einem Lesebändchen. 


 

Mittwoch, 24. Juli 2024

*Bonjour Agneta* von Emma Hamberg - erschienen bei dtv

 

*unbezahlte Werbung*

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SBN : 978-3-423-26386-3

Erscheinungsdatum: 16.05.2024 

3. Auflage

416 Seiten

Format : 13,6 x 21,0 cm

Sprache: Deutsch, Übersetzung: Übersetzt von Wibke Kuhn

INHALT/KLAPPENTEXT: Agneta reicht es. Sie ist 49 und fühlt sich, als ob das Leben an ihr vorbeizieht. Ihre Kinder melden sich nur, wenn sie Geld brauchen, für die Kollegen ist sie unsichtbar und ihren Mann Magnus sieht sie neuerdings nur noch in Radlershorts oder Neoprenanzug. Weißbrot, Käse, Wein – strengstens VERBOTEN. Also alles, was Agneta liebt – und seit Neuestem hinter dem Kühlschrank versteckt. Wenn man sich einfach ins Leben fallen lässt: Emma Hamberg gelingt ein leichtes Buch über eine Heldin, die sich neu erfindet. 

Als sie eines Tages eine seltsame Zeitungsanzeige entdeckt, fasst sie einen Entschluss. Kurz darauf findet Agneta sich in einem malerischen Städtchen in der Provence wieder.Es beginnt ein Abenteuer, in dem sie endlich die Liebe zu sich selbst entdeckt – und vielleicht auch die zu einem anderen Mann.

In Schweden ist Emma Hamberg eine gefeierte Bestseller-Autorin. Zudem verfasst sie Drehbücher für Film und Fernsehen und arbeitet als Illustratorin. Emma Hamberg lebt mit ihrer Familie in Schweden und schreibt bereits an der Fortsetzung zu ›Bonjour Agneta‹.

Mein Leseeindruck: Agneta steht in der Mitte ihres Lebens, glaubt glücklich verheiratet zu sein, hat erwachsene Kinder, die sich meist nur melden wenn sie sich in Geldnöten befinden. Die Beziehung zu ihrem Mann Magnus ist nicht ohne Probleme, denn er lebt sehr diszipliniert, zum Beispiel mit gesundem, leider kaltem  Haferbrei zum Frühstück. Kein Alkohol, nur gesundes Essen und viele sportliche Aktivitäten sind sein Lebensinhalt. Immer wieder versucht er Agneta mitzureißen, doch sie entzieht sich seinen Aktivitäten, frönt heimlich dem Weingenuss mit Käse und anderen Leckereien. Sie lebt und träumt gern in ihrer eigenen Genusswelt und zieht sich oft zurück.  Dadurch steht sie  in einem ständigen Gewissens- und Stresskonflikt bis sie eines Tages einen mutigen Entschluss fasst, angeregt durch eine Zeitungsanzeige. Sie wird ihren  Ehemann Magnus und ihren Job für einige Zeit verlassen und als Au-Pair in Südfrankreich arbeiten. Auf was sie sich dort wirklich eingelassen hat wird ihr erst langsam nach ihrer Ankunft im kleinen Städtchen Saint Carelle in der Provence klar.....


Emma Hamberg hat ein leicht und locker zu lesendes Wohlfühlbuch geschrieben, welches sicher vom flüssigen und oft lustigem Schreibstil lebt und der  stimmigen französischen Atmosphäre eines kleinen Provence-Städtchen.  Agneta mag man (FRAU) - oder auch nicht so unbedingt ohne verschiedene Vorbehalte. Die Autorin hat in ihrem unterhaltsamen Roman eine starke Charakterfigur erschaffen, die das Leben geniessen möchte - auch in vielen bunten, neuen prickelnden Facetten, die ihr erst allmählich bewusst werden. Sie ist eingesperrt in ihrem eigenem Kopfkino, welches nur so strotzt voller Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und einem traurigen Minderwertigkeitsgefühl sich selbst gegenüber. Agneta bricht während ihrer Zeit als AU-PAIR zumindest zeitweise aus ihrem bekanntem Lebensgefühl aus und geniest das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung.   Selbstverwirklichung, Lebenslust-und Freude, sexuelle Anziehung, Liebe und Homosexualität sind die Themen mit denen die Autorin zwischen Agneta und ihrer neuen französischen, charmanten Umwelt agiert.

Doch wen betreut sie da eigentlich so voller Enthusiasmus und plötzlich aufkommendem Elan ? Sein Name ist Einar, eine gebürtiger Schwede, dessen Lebensmittelpunkt aber in der Provence lag und liegt bei seinem verstorbenen Partner, inmitten eines prächtig renovierten alten Kloster und Anwesen,,,,

Lasst euch von Agneta und Einar in eine Welt voller Fantasie, Freude, Lebenslust und französischem Charme entführen.  Aber ihr werdet auch Kummer, den Schmerz und die Verzweiflung alternder Menschen miterleben! 

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für diese unterhaltsame Wohlfühl Lektüre!

Herzlichen Dank an die Autorin und den dtv Verlag für das Paperback-Rezensionsexemplar! 



Dienstag, 16. Juli 2024

*Die Psychologie des Waldes* von Suse Schumacher - erschienen im Kailash Verlag


*unbezahlte Werbung*

INHALT / KLAPPENTEXT: Der Wald als Therapeut: Wie Körper, Geist und Seele zur Ruhe kommen, gestärkt und verbunden werden. 

Der Wald ist mehr als nur eine Anzahl von Bäumen - er ist Sehnsuchtsort, Ruhepol, Mythenreich, Ökosystem, eine eigene grüne Welt, die uns die Wertschätzung von Natur lehrt. Pflanzen und Tiere, Gerüche und Farben des Waldes schenken uns Ruhe, wir spüren uns intensiver und lassen inneren Ballast los. Die Psychologin und Waldcoachin Suse Schumacher nutzt den Wald als Therapieraum, Seelenspiegel und Lehrmeister, der Dankbarkeit, Resilienz, Erdung und Verbundenheit lehrt. Suse Schumacher verknüpft Naturtherapie und Positive Psychologie zu einem ganzheitlichen Heilungsansatz. In diesem Buch öffnet sie ihren therapeutischen Werkzeugkasten und verrät ihre vielfältigen und oft überraschenden Methoden: Baummeditationen, Körper-, Atem- und Achtsamkeitsübungen, Symbolarbeit, Naturrituale und Rollenspiele. Anhand zahlreicher anschaulicher Fallbeispiele zeigt sie, wie wir den Wald als Therapie-Raum, Co-Therapeuten und Kraftort für unsere persönliche Entwicklung nutzen können. Einfühlsam stellt die Autorin den Wald als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens vor, der uns im Rhythmus der Jahreszeiten begleitet, der neue Wege und Antworten bietet und überraschende Kraftquellen eröffnet. 

Suse Schumacher ist Psychologin, Podcasterin und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Als Naturtherapeutin arbeitet sie mit ihren KlientInnen am liebsten im Wald. 'In der Natur entdecken Menschen ihre Selbstwirksamkeit und kommen mit sich und der Welt in neuen Kontakt', weiß Suse Schumacher. Als systemische Coachin in Positiver Psychologie hat sie sich auf das Bewältigen von Krisen spezialisiert, ob persönlich, beruflich oder in der Partnerschaft.

Mein Leseeindruck vom Buch: Das gebundene Buch mit ca. zweihundertundfünfzig Seiten beeindruckt sofort positiv beim ersten Durchsehen mit ansprechenden und  einfühlsamen Bildern sowie einer klaren und verständlichen Kapiteleinteilung. Es liest sich ähnlich empfunden wie eine angenehme und erhellende Therapiesitzung - im WALD!  Der Text wird aufgelockert durch grün eingefärbte Sätze, Anmerkungen und praktische  Tips der Autorin. Die professionelle Psychologin und Autorin stellt zu Beginn ihre fünf Prinzipien des Waldcoaching vor, die wie folgt unter diesen Untertiteln zu erlesen sind. 
Erstes Prinzip:   Stärken stärken
Zweites Prinzip: Die positive Wirkung des Waldes
Drittes Prinzip: Mehr Achtsamkeit wagen
Viertes Prinzip: Naturbeobachtung
Fünftes Prinzip: Öffnung durch Verbundenheit

Suse Schumacher berichtet immer wieder durch unterschiedliche  Fallbeispiele ihrer Klient*innen und bringt so manches Problem, mit dem ein Leser*in sich eventuell identifizieren könnte, klar und behutsam in ihre Ausführungen ein. Körper und Psyche bilden für die Autorin die untrennbare Einheit des Menschen und so beginnen ihre Heilansätze bei Waldspaziergängen mit ganz einfachen Mitteln wie Holzstückchen, Blättern, Bäumen, Himmelsbetrachtungen , Waldlichtungen, Steinen, Düften u.s.w. .  Behutsam führt sie dann durch Vergleiche und Hinweise zum Kernpunkt der Problemstellung ihrer Klient*innen. 
Ihre Anleitungen zum eigenen Coachen beim Betrachten der Waldumgebung sind einfach, verständlich und lassen sich auch für einen Laien leicht nachahmen.
Diese beruhigende Wirkung eines Waldspaziergang hat sicher jede*r schon einmal erfahren. Insgesamt ist dieses Buch ein schöner und wertvoller Ratgeber um seine Wald - und Wiesenumwelt wieder mit mehr Achtsamkeit und Ruhe wahrzunehmen, um Herz und Seele zu stärken.  

Meine Bewertung : FÜNF ***** STERNE.  

Herzlichen Dank an die Autorin und den Kailash Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 



Freitag, 5. Juli 2024

*Die Tage des Wals* von Elizabeth O'Connor - erschienen im Blessing Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: 

1938: Auf einer abgelegenen Insel vor der walisischen Küste träumt die achtzehnjährige Manod von einer Zukunft auf dem Festland. Als ein Wal strandet, ist er für die kleine Gemeinschaft von Fischern nicht nur ein schlechtes Omen, sondern spült auch Edward und Joan aus Oxford an, die auf der Insel ethnografische Studien betreiben möchten. Manod ist fasziniert von ihnen und wird, klug und zielstrebig wie sie ist, zu deren Übersetzerin und Gehilfin. Doch was als Zweckgemeinschaft begann, nimmt eine folgenreiche Wendung, als daraus eine Freundschaft wird, die aufgeladen ist mit Hoffnungen und Sehnsüchten.

Elizabeth O’Connor schreibt Prosa und Gedichte, hat Kurzgeschichten in The White Review und Granta veröffentlicht und 2020 den renommierten The White Review Short Story Prize gewonnen. Sie hat einen PhD in Englischer Literatur und lebt in Birmingham. »Die Tage des Wals« ist ihr Debüt.

Meine Meinung zum Buch: 

In über zweihundert Seiten entführt uns die junge Autorin in ihrem Debüt-Roman in das Jahr 1938 auf eine winzige Insel, gelegen vor der Walisischen Küste. Die Bewohner,  hauptsächlich Fischer mit ihren Familien, führen ein karges, einfaches und oft gefährdetes Leben. Wer sich auf das Meer wagt setzt sein Leben aufs  Spiel, denn kein Inselbewohner kann Schwimmen.  Das war keine Besonderheit, sondern für die damalige Zeit ein übliches Phänomen. Das Meer,  seine Wetterbedingungen und der alltägliche Fischfang bestimmen den Alltag. Eines Tages wird ein Wal an den Strand gespült und es beginnt eine aufregende Zeit für die Inselbewohner. Auch die junge 18 jährige Manod wird mit ihrer Familie von diesem  Strudel erfasst. Sie beginnt als Übersetzerin des Gälischen Dialekts in die englische Sprache und gerät immer mehr unter den Einfluss von zwei Wissenschafter*innen, die den Wal untersuchen sollen. Die Wissenschaftler*innen, ein Mann und eine Frau, berichten Manod immer mehr aus ihrem  Forscher-Leben in England an der Universität und schüren in dem jungen Mädchen eine neue Sehnsucht nach Bildung und einem eigenständigen, selbstbestimmten Lernen und Leben. Alles erscheint ihr erstrebenswert und sie plant Neues für ihre Zukunft. Doch Enttäuschungen , auch menschlicher Art folgen und Manod macht bittere Erfahrungen,,,,,,


Der Schreibstil der Autorin ist in relativ kurze Kapitel eingeteilt und besticht durch seine klare Einfachheit, die das mühselige und gefährliche Leben der Fischerei zur damaligen Zeit perfekt schildern. Es wird eine dichte atmosphärische Stimmung aufgebaut, die mit prosaähnlichen Beschreibungen der einsamen, schönen und naturnahen Insel wunderbar auflockert. Die kleine, fiktive Insel steht im Roman als Beispiel für die vielen Inseln der Gaeltacht vor Schottland, Irland und/oder inmitten des Atlantik gelegen. So erklärt es die Autorin mit irischen Wurzeln im Nachwort. Aus Erzählungen ihrer Familie konnte sie sehr viele Traditionen und Gebräuche in ihren Roman einfügen......

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE für diesen stimmigen und wertvollen Roman aus einer vergangenen Zeit der Inselfischerei an der Westküste der irischen See und/oder des Atlantik.



Mittwoch, 26. Juni 2024

*Das Trio* von Johanna Hedman - erschienen im Luchterhand Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE

Aus dem Schwedischen von Paul Berf

Originaltitel: Trion

Originalverlag: Norstedts

Hardcover mit Schutzumschlag, 448 Seiten, 11,8 x 18,7 cm

ISBN: 978-3-630-87764-8

Erschienen am  20. März 2024

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Drei Freunde in ihren Zwanzigern: Thora, Hugo und August. Sie stammen aus verschiedenen Welten. Aber in zwei magischen Sommern erleben sie eine Liebe fürs Leben. Thora, einzige Tochter einer charismatischen Stockholmer Industriellenfamilie. August, angehender Künstler, seit Jahren ihr bester Freund und manchmal auch mehr. Hugo, gleichermaßen fasziniert wie verängstigt von dieser neuen und privilegierten Welt, in die er unvermittelt als Untermieter von Thoras Eltern gestoßen wird. Bald sind die drei unzertrennlich und verbringen jede wache Minute miteinander: in Cafés, auf Radtouren, in Paris, London, Berlin. Unter der Oberfläche lauern starke Gefühle; Themen wie Identität, Klasse und Liebe brechen auf. Das fragile Gleichgewicht zwischen ihnen droht schon bald zu zerbrechen, aber noch ist alles in der Schwebe, noch ist alles möglich. 

Johanna Hedman wurde 1993 in Stockholm geboren. Sie hat einen Master-Abschluss in Peace & Conflict Studies von der Universität Uppsala und absolvierte ein Praktikum bei der schwedischen UN-Delegation in New York, wo sie Protokoll bei den Sitzungen des Sicherheitsrates führte. Sie hat in Paris, Indien und in New York gelebt und gearbeitet. Dies ist ihr erster Roman.

Meine Meinung zum Buch: *Drei junge Menschen sind auf der Suche nach ihrem persönlichem Lebensentwurf.* Mit diesem kurzen Satz könnte man alles zu diesem Buch sagen und doch ist es nur eine vage Aussage. 

Thora, die lebensfern aufgewachsene verwöhnte, reiche Industriellentochter, der angehende Künstler August und der stille Hugo, der sich seinen Lebensunterhalt hart erarbeiten muss, begegnen sich in jungen Jahren in Stockholm während ihrer Studienzeit. Alle sind Kinder ihrer Zeit, lieben ihr Smartphone - kommunizieren oft digital. Sie feiern gern, sind ausgelassen, studieren intensiv Literatur, Jura, Kunst. Alle schauen stark darauf ihre Individualität im Freundes- und Verwandtenumfeld egozentrisch zu präsentieren.

Der Schreibstil der jungen Autorin hat mich gefordert, oft wurden langweilige Alltagsbanalitäten junger Menschen ununterbrochen hintereinander aufgereiht und es tauchten laufend in den Dialogen folgende Fragestellungen zwischen den drei Protagonist*innen auf * Liebst du mich, magst du mich, melde dich*. Das Buch war in drei Teile aufgestellt, in denen jeweils abwechselnd aus der Sicht von Thora und Hugo erzählt wurde. Das hat mir gut gefallen und den Sinn geschärft für die vielen Missverständnisse  zwischen den drei Freund*innen. 

Diese emotionale Liebesgeschichte einer Dreier-Beziehung in jungen Jahren vermittelt viel Dynamik und Lebensfreude - aber enthält auch viele seelische Verletzungen. Sie berührt das Herz und hat mich mit dem Ende leider auch etwas enttäuscht, denn der Glanz des Lebens und der Jugend erlosch im Lauf der Zeit,,,,,

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für diesen Roman, der das Lebensgefühl und die Sinnsuche  junger Menschen sehr gut ausdrückt. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Luchterhand Verlag für die Bereitstellung des gebundenen Rezensionsexemplar.