Sonntag, 29. September 2024

*Kerbholz* von Carl Nixon - erschienen im Unionsverlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink


INHALT/KLAPPENTEXT:

Eine britische Familie stürzt an der einsamen Westküste Neuseelands mit dem Auto über eine Klippe, nur die drei Kinder auf dem Rücksitz überleben. Unter moosbehangenen Felswänden suchen sie Schutz vor Insekten und dem unerbittlichen Regen, bis endlich Rettung naht: Zwei Outlaws bringen die Kinder auf ihre abgelegene Farm. Doch schnell zeigt sich, dass ihnen günstige Arbeitskräfte sehr gelegen kommen. In der rauen Landschaft auf sich allein gestellt, führt jedes der Kinder bald seinen ganz eigenen Kampf um Freiheit und ums Überleben. Und im fernen England macht sich ihre Tante auf die Suche nach den Vermissten.


Mit einem tiefen Verständnis für die Psychologie seiner Figuren fragt Nixon danach, welche äußeren und inneren Zwänge den Menschen prägen und was eine Familie im Kern ausmacht.

Carl Nixon (*1967 in Christchurch, Neuseeland) studierte Religionswissenschaften und Pädagogik an der University of Canterbury. Nach seinem Studium unterrichtete er Englisch und lebte eine Zeit lang in Japan und New York. Sein mehrfach ausgezeichnetes Werk umfasst Romane, Kurzgeschichten und Theaterstücke, er erhielt den Katherine Mansfield Short Story Award und gewann zwei Mal den Sunday Star Times Short Story Contest. Sein Debütroman Rocking Horse Road stand vier Monate auf der KrimiZEIT-Bestenliste. Nixon lebt in Christchurch.


Mein Leseeindruck: *Er/Sie hat was auf dem Kerbholz* . Dieser Brauch und die Aussage aus dem Mittelalter bezeichnet *etwas Unerlaubtes begangen zu haben, sich mit einer Schuld* belastet zu haben. Unter diesem aussagekräftigen Titel *Kerbholz* hat der Autor einen super spannenden Thriller geschrieben, der mich bis zur letzten Seite gefesselt und in Schnappatmung gehalten hat. Doch wer trägt in dem Buch die *SCHULD* ? 

John und Julia wollen in Neuseeland arbeiten und zuvor ihren vier Kindern Land und Leute nahebringen. Auf einer einsamen Strasse mitten in der Wildnis kommt ihr Wagen bei strömenden Regen von der Strasse ab. Sie stürzen in ein unübersichtliches Gelände und landen im Fluss. Die Eltern und das Baby sind sofort tot. Die drei Kinder überleben schwerverletzt und werden erst nach Tagen zufällig vom Outlaw Peters gefunden. Er bringt sie zu seiner abgelegenen Farm. Er und  seine Gefährtin Martha kümmern sich anscheinend aufopfernd um die Kids. Doch ist das wirklich so? Maurice, Catherine und der jüngere Bruder Thommy finden sich höflich und hilflos mit dem Leben auf der Farm ab.  Peters Gesetz und Meinung gilt. Es gibt keinen Strom, kein Telefon, keine ärztliche Hilfe , keine anderen erreichbaren Menschen. Die Kinder haben keine Orientierung ihrer Ortslage, nur der ältere Maurice versucht  immer wieder zu rebellieren und läuft weg um Hilfe zu holen. Catherine fügt sich und der kleine Thommy ist durch seine Kopfverletzung schwer behindert. Die Kinder müssen im Gemüseselbstversorger Garten für ihren Lebensunterhalt arbeiten, Holz spalten, erlernen das Kochen, holen Wasser vom Fluss. Das Farmhaus ist verdreckt, sehr alt und verkommen. Martha ist eine Heilerin der besonderen Art. Mit Pflanzen, Kräutern und sogenanntem *Besprechen* kennt sie sich aus. Mit Beschimpfungen und Schlägen von Peters und Martha  werden die Kinder gefügig, klein und unwissend gehalten. Ein offenes Gefängnis! 

 Ich konnte perfekt *zwischen den Zeilen* lesen und mir so meine eigenen Gedanken über die innere, verzweifelte Welt der drei Kinder des Engländers John Chamberlain und seiner Frau Julia machen. Mit viel psychologischen Feingefühl hat er auch die anderen Charaktere des Thrillers geschildert. Die beiden Outlaws Peters und Martha, sowie Tante Suzanne aus England sind wichtige Protagonist*innen und bestimmen die unheilvolle Handlung. Sie zieht sich über Jahre dahin , die Kinder wachsen zu Jugendlichen und Erwachsenen heran. Viermal reist Tante Suzanne nach Neuseeland um  etwas über die verschollene Familie herauszufinden. Es gelingt ihr kaum. Sie bleibt unwissend und resigniert....doch die Leser*innen  erfahren alles! 

Meine Bewertung : FÜNF ***** STERNE für diesen atemberaubenden Thriller!

Lieben Dank an den Autor und den Unionsverlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars. 

Mittwoch, 25. September 2024

*Billie* von Stefan Cordes - erschienen im C.Bertelsmann Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

Erschienen am 21.8.24

INHALT/KLAPPENTEXT: »Alles war in mir, die Angst, die Wut, der glühende Wunsch zu kämpfen. Nicht mit Säbeln und Pistolen, aber mit meiner Stimme, die ich lernte wie ein Schwert zu führen, und wie ein Herz, das nicht erkaltete im Winter des Krieges …« Es herrscht Krieg in Pommern. Im Haus des Bürgermeisters Schwarz in Greifswald nisten sich Wallensteins Männer ein, nichts ist vor ihnen sicher, schon gar nicht die drei heranwachsenden Töchter. Billie, die Jüngste, die aufbegehrt, die Bildung einfordert wie ihre Brüder, Billie, die Ungezügelte, die Rebellin: Sie kämpft mit der Feder, schreibt Gedichte gegen den Hass, der ihr als Frau entgegenschlägt, aber auch wundervolle Sonette über ihre Liebe zu einer Frau. Die Poesie ist ihr Weg, sich dem Schrecken des Dreißigjährigen Krieges, der Perfidie der Hexenverfolgung und der Unterdrückung der Frauen entgegenzustellen.

Eine unangepasste Frau im 17. Jahrhundert: Das kurze Leben der Barockdichterin Sybilla Schwarz, genannt: Billie.

Barockdichterin Sibylla Schwarz

Autor: Stefan Cordes wurde 1969 in Brüssel geboren, studierte Publizistik, Kunstgeschichte und Philosophie und hat viele Jahre als Formatentwickler, Creative Director und Produzent für das Fernsehen gearbeitet. Er hat drei Kinder und lebt in Köln. BILLIE ist sein erster Roman.

Meine Meinung: Der Autor entführt uns in die versunkene Welt zu Beginn des dreissigjährigen Krieges in Europa. Katholiken und Protestanten bekämpfen sich erbittert. Die Bevölkerung versinkt im Elend. Der Krieg, die Hungersnöte und Krankheiten dezimieren die Menschen aller beteiligten Länder. 

Die vierzehnjährige Sibylla Schwarz, zärtlich Billie genannt, jüngste Tochter des Bürgermeister Schwarz, wächst sorglos und behütet von der Familie mit ihren fünf Geschwistern in einem wohlhabenden Bürgerhaus in Greifswald auf. Sie ist ein besonders aufgewecktes Mädchen, hat sich das Lesen selber beigebracht und streift am liebsten durch die grosse Bibliothek ihres Vaters, wo sie die damals bekannte Weltliteratur kennen und lieben lernt. Ihr grösster und ungewöhnlicher Wunsch für diese Zeit ist es auch eine Dichterin zu werden. Und dieses Ziel erreicht sie unter grossen Anstrengungen in ihrer kurzen Lebenszeit. Viele Steine werden ihr von der Familie, der frauenfeindlichen städtischen Greifswalder Bevölkerung, sowie den Kriegswirren der damaligen Zeit in den Weg gelegt.  Sie meistert tapfer alle Schwierigkeiten und Probleme. Der dreissigjährige Krieg erreicht auch Billies Elternhaus. Es wird von feindlichen Truppen eingenommen und besetzt. Der Vater flüchtet, lässt Frau, Kinder und Gesinde rücksichtslos im Haus zurück.  Zu jung verstirbt Billie mit siebzehn Jahren an der Ruhr und konnte so ihr begnadetes Talent nicht weiter entwickeln. 

Dieser historische Roman hat mich sehr begeistert, da der Autor Stefan Cordes einer willensstarken Frau der damaligen Zeit eine junge, moderne Stimme gegeben hat, ihrer ausdrucksstarken Dichtung durch diesen lebendigen Roman neue Aufmerksamkeit schenkt. Anschaulich und sehr bunt wird das Alltags Leben, speziell auch auf  Frauen ausgerichtet, in einem Bürgerhaus mit Mägden, Köchinnen und Hauslehrern dargestellt. Auch Billie muss in der Küche helfen , putzen, die Haustiere in den Stallgebäuden versorgen. Immer unterstützt von der jungen Magd Ide. Und doch findet sie immer wieder Zeit sich in die Bibliothek zum Lesen und Dichten zurückzuziehen. Die Liebe und Zuneigung zu ihrer neu gewonnenen Freundin Judith Tanck beflügelt sie und lässt sie herrliche und poetische Prosa schreiben. Durch die moderne Übersetzung des Autors kommen auch die Leser*innen in den Genuss dieser schönen Zeilen, die im Text oft von ihm eingestreut wurden. Stefan Cordes hat die frische und rebellische Persönlichkeit von Sybilla Schwarz gut erfasst und vermittelt durch diesen schönen,  fantastischen, sehr gut verfassten Roman ein wunderbares Bild der jungen Frau in ihrer Lebenszeit. 

Meine Bewertung:  Für mich ein Lesehighlight, dem ich gerne FÜNF ***** Sterne gebe. 

Herzlichen Dank an den Autor und die Penguin Random House Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  


Dienstag, 24. September 2024

*Wellengang* von Anne Griffin - erschienen im Rowohlt Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

Erschienen am 16.7.24

INHALT/ KLAPPENTEXT: Nach einem Schicksalsschlag sucht Rosie Zuflucht auf ihrer Heimatinsel vor der Küste Irlands: auf Roaring Bay mit seinen zwei Stränden und anderthalb Bars, den Klippen, Schafen und Vögeln. Jahrelang hat die Suche nach ihrer verschwundenen Tochter ihr Leben bestimmt und ihre Ehe in eine tiefe Krise gestürzt. Nun erlebt Rosie endlich wieder Momente des Glücks. Den Sommer über springt sie als Kapitänin ein und steuert die Fähre ihres gesundheitlich angeschlagenen Vaters übers Meer. Nirgendwo sonst fühlt sie so viel Hoffnung wie auf der «Aoibhnea», die durch die Fluten gleitet. Doch nach und nach brechen auf der Insel alte Rivalitäten wieder auf. Als Rosie erfährt, dass ihr Vater bankrott ist und die Fähre nicht mehr halten kann, muss sie sich entscheiden: Wird sie abreisen und in ihr altes Leben zurückkehren oder bleiben und kämpfen?

Anne Griffin ist eine irische Schriftstellerin. Sie erhielt für ihre Kurzgeschichten den John McGahern Award for Literature, außerdem stand sie u.a. auf der Shortlist für den Hennessy New Irish Writing Award und den Sunday Business Post Short Story Award.

Ihr Romandebüt, “Ein Leben und eine Nacht”, wurde in zahlreiche Länder verkauft, u. a. in die USA, nach Kanada, Frankreich und Holland, und stand auf Platz 1 der irischen Bestsellerliste. Anne Griffin lebt in Irland.

Meine Meinung: Meine Reise auf die grüne Insel Irland mit der bekannten Autorin Anne Griffin hat sich absolut gelohnt und ich kann diesen Lese-Aufenthalt dort nur empfehlen. 
Ein schlimmer Schicksalsschlag hatte Rosie und ihre gesamte Familie in einen acht Jahre dauernden Abgrund gerissen. Die plötzlich verschwundene siebzehnjährige  Tochter taucht nicht mehr auf. Alle Zeichen des Verschwinden deuten auf ein Verbrechen, doch Rosie allein glaubt daran, dass ihr Kind noch lebt. Den einzigen Trost, der Rosie hilft mit dieser Situation zurecht zu kommen, ist eine zeitlich begrenzte  Rückkehr auf die Insel ihrer Kindheit Roaring Bay , acht Kilometer vor der Küste Irlands gelegen. Dort hat sie als junge Frau ihr Kapitänspatent erworben und war mit Leib und Seele der rauen See und dem Pendeln mit der Fähre «Aoibhnea» ihres Vaters leidenschaftlich verfallen.  

Zitat Seite 15 : " Die Personenfähre ist unsere Lebensader, denn sie bringt uns die Lebensmittel und Einkäufe vom Festland. Sie bringt die Kinder freitagabends von der weiterführenden Schule zurück und jeden Sommer Feriengäste mit Taschen voller Geld, das sie mit beiden Händen bei uns ausgeben werden. Wenn sie wieder abreisen müssen, verlassen sie uns nur widerstrebend und mit dem sehnlichen Wunsch, bald zurückzukehren."

Der stete Kampf der Familie um das Verschwinden der Tochter aufzuklären, hat mich bewegt und geschockt. Die Autorin hat dem Leser*in diese Verzweiflung, das Hoffen und das Leiden  durch ihren berührenden Schreibstil sehr nahe gebracht. Der Text liest sich flüssig und verständlich, man wird förmlich in die dramatischen Ereignisse hineingesogen und erahnt den Schrecken, den die Familie jahrelang erleiden muss. 

Zeitweise Erlösung von diesem Unheil schenkt uns die Autorin aus vielen erhellenden Rückblicken der Rosie Driscoll mit warmherzigen Erlebnissen aus ihrer Jugend und Kindheit auf Roaring Bay. Die stimmige Inselatmosphäre mit grasenden Schafen, rauemWind und der Schilderung von Meeresimpressionen haben mir gut gefallen. Das typisch beschriebene irische Alltagsleben mit vielen Pub Besuchen als sozialen Treffpunkt, hat zusätzlich prima zur Auflockerung des Lesestoffs beigetragen. 

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für dieses dramatische Buch.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Rowohlt Verlag für dieses aussergewöhnliche Leseerlebnis und der Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars.  



Dienstag, 10. September 2024

*Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland* von Sarah Brooks - erschienen im C.Bertelsmann Verlag

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am:

24.07.2024

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Es ist das Ende des 19. Jahrhunderts, und nichts fasziniert die Menschen so sehr wie die geheimnisvollen und angsteinflößenden Wunder des Ödlands. Nichts berührt diese riesige, verlassene Wildnis zwischen China und Russland außer dem Transsibirien-Express, der jeden befördert, der es wagt, das Ödland zu durchqueren. Es gibt jedoch Gerüchte, dass der Zug nicht mehr sicher ist. Wer sich nun auf diese Reise begibt, hat seine ganz eigenen, verborgenen Gründe dafür: eine trauernde Frau mit fremdem Namen, ein Kind, das im Zug geboren wurde, und ein in Ungnade gefallener Naturforscher. Doch mehr und mehr scheint es, als würden die Gefahren des Ödlands ihren Weg ins Innere finden … 

Sarah Brooks hat in China, Japan und Italien gearbeitet und ist nun an der Universität von Leeds tätig. Für ihren Debütroman »Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland«, der schon vor Veröffentlichung für große Begeisterung gesorgt hat, wurde sie mit dem Lucy Cavendish Fiction Prize ausgezeichnet. Der Roman erscheint in über 15 Ländern.


Meine Meinung zum Buch: 

Die ungewöhnlich schöne Ausstattung des Covers und auch die Abbildung des interessanten Zuges im Innenteil  des gebundenen Buches hatten mich sofort begeistert und ich wollte das Buch unbedingt lesen. Ich hoffte auf einen spannenden Reisebericht, vielleicht eingebunden in einen aufregenden Roman. 

Doch es kam beim Lesen ganz anders wie erhofft. Ich fand mich wieder in einer fiktiven Fantasy Geschichte mit  unheimlichen Horrorphasen, oder war es ein Abenteuerroman oder gar ein Kriminalroman? Ich kann es immer noch nicht sagen, denn es war eine obskure Mischung aus allen drei Gattungen, die mich nicht vom Schreibstil der Autorin in ihrem Debüt Roman überzeugen konnten. Der Text lässt sich zwar ganz flott lesen, doch die Erzähl Perspektiven von drei wichtigen Reisenden wechseln laufend und verwirren immens. Der Roman lebt von unheimlichen Gerüchten, Angstvorstellungen vom Tod auf der Reise, den man erleidet, sobald man den Zug verlässt, der übrigens hermetisch nach der Abfahrt verschlossen wird.  Der Zug darf nie halten! Niemand kann und darf nach der Abreise im Ödland ein- oder aussteigen. Imaginäre *schwarze Krähen* als Wächter der Eisenbahngesellschaft eingestellt,  spionieren jedes Geschehen und das Verhalten aller  mitfahrenden Personen aus.  Und das auf einer Strecke von China bis Moskau im Jahr 1899. Die Zuggäste fahren in drei Klassen, wobei die Gäste der dritten Klasse dahinvegetieren und kaum einen Raum in der Geschichte einnehmen. 

Sympathisch erscheint WEIWEI, ein sogenanntes Zugkind, dessen Mutter bei der Geburt im Zug verstarb. WEIWEI hat den Zug nie verlassen wuchs dort auf, vom Zugpersonal verhätschelt und verwöhnt. Sie weiss alles, kennt alles im Zug und beobachtet alles.  Ihre beste Freundin ist eine echte Bewohnerin und mysteriöse Gestaltwandlerin des Ödlandes mit Namen Elena, die sich in den Zug geschmuggelt hat. Wir lernen Henry Grey kennen, ein Wissenschaftler, der den Geheimnissen des Zuges auf die Spur kommen möchte, allein schon um sich und seine verkannten Forschungen zu rehabilitieren. Und da ist noch die trauernde Marya Petrovna, die sich heimlich eine neue Identität verschafft hat. 

Das Entsetzen steigt bei allen Reisenden, als sie merken, dass der Zug auch Einfluss auf ihre Psyche nimmt und jeden verändert. Mystische Halluzinationen und Ohnmachtsanfälle befallen die Reisenden wie eine Pandemie. Die Aussenwelt hinter den Scheiben stellt sich immer bedrohlicher dar, zum Beispiel mit wechselnden schaurigen Tierhorden und Fantasymonstern, die neben dem Zug daherjagen. Die Landschaft verändert sich unheimlich, unvorhersehbar. Sie liegt öde und verlassen oder auch mit einer unbekannten Pflanzenwelt dar vor den Augen der Reisenden. Ein Trinkwassermangel bringt alle Reisenden an den Rand der Verzweiflung, den auch die Zugführerin *CAPTAIN* gennant,  mit ihren Bemühungen kaum beheben kann. Eine Katastrophe jagt die nächste,,,,,,

Für mich war es kein traumhaftes Lesevergnügen, sondern eher ein wirrer Albtraum, den ich zum Glück immer wieder mit Lesepausen an die Seite schieben konnte. 

MEINE BEWERTUNG : DREI *** STERNE für dieses ungewöhnliche Buch. 

Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das äusserlich schöne, aber ansonsten unheimliche und ungewöhnlich geschriebene  Rezensionsexemplar.



 

Montag, 9. September 2024

*Irish Love - vom Glück geküsst* von Josie Donovan - erschienen im Heyne Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*


Erschienen am 10.7.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Allie Malone ist die einzige Tochter des letzten Matchmakers von Irland. Sie arbeitet in London und steht kurz davor, mit ihrem Freund Giles in die USA auszuwandern. Ihrem idyllischen Heimatdorf im County Clare und dem dort jährlich stattfindenden Matchmaking-Festival hat sie schon seit einiger Zeit den Rücken gekehrt. Als ihr Vater einen Herzinfarkt erleidet, ist Allie jedoch gezwungen, seine Rolle als Matchmaker einzunehmen. Die Rückkehr in den kleinen Ort an der irischen Küste, in dem jeder jeden kennt, zwingt Allie dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Begegnung mit dem attraktiven Landarzt Jake wirbelt ihre Gefühle zusätzlich durcheinander, und plötzlich stellt Allie alles infrage: ihre Beziehung zu Giles, ihre Arbeit und ihre Zukunft. Und sie fragt sich, was Liebe eigentlich bedeutet ...

Josie Donovan schreibt Wohlfühlromane voller Herz und Humor. Sie lebt in den österreichischen Alpen, nutzt aber jede erdenkliche Gelegenheit, um auf die Britischen Inseln zu reisen und dort nach inspirierenden Orten und neuen Geschichten Ausschau zu halten.

Meine Meinung zum Buch: Cover und Titel halten das, was sie versprechen! Eine  Liebelei, sowie unbeschwerte und leichte Lesestunden zum Eintauchen und Abschalten in die stimmig beschriebene Landschaft von Irland's Westküste. 

Ja, was ist ein Matchmaker? Vielleicht habt ihr euch das gefragt beim Lesen des Klappentextes. Das werdet ihr sehr schnell herausfinden ;-) . Diese alte Tradition gibt es tatsächlich schon sehr lange auf der grünen Insel. Ich erkläre es in kurzen Worten. Eine markante und allwissende Persönlichkeit ( hier ist es Allie Malone , eine Frau) und ein Buch mit Adressen und Telefonnummer gespickt,  geben Hinweise zum Kennenlernen passender Ehe und/oder Liebespartner. 

Die Autorin hat ein typisch irisches Flair in ihrem Wohlfühlroman erschaffen. Es gibt salzige Seeluft, Wind und Wellen,  Klippen, jede Menge Schafe, niedliche Cottages und sehr freundliche und hilfsbereite Menschen , die ihr Dorf auf dieses alljährlich stattfindende Festival vorbereiten. 

Der lockere Schreibstil der österreichischen Autorin zeugt von viel Kenntnis der irischen Verhältnisse und ist mit netten,  humorvollen Anekdoten gespickt. Viel mehr möchte ich gar nicht verraten um nicht zu Spoilern. Einzig die blass und leidenschaftslos gezeichnete Figur des Tier- und Menschenarztes Jake hat mir nicht zugesagt, sowie einige Unstimmigkeiten beim Bezeichnen der Meere, die das grüne Inselparadies IRLAND umgeben. 

Meine Bewertung für diesen Wohlfühl Roman aus dem Genre *Liebe* möchte ich mit guten DREI *** Sternen kennzeichnen.  

Herzlichen Dank an die Autorin und den Heyne Verlag für die Zusendung des TB Rezensionsexemplars. 

Dienstag, 3. September 2024

*Café Royal* von Marco Balzano - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

Hardcover Leinen 192 Seiten 

erschienen am 21. August 2024 

978-3-257-07302-7 

INHALT/KLAPPENTEXT: Mailand im Sommer 2020: Die sonst so lebendige Via Marghera wirkt wie ausgestorben. Nur das Café Royal ist geöffnet. Man trifft sich vorsichtig, auf Abstand – und ist doch so froh, dass menschliche Begegnungen wieder möglich sind. Auch der Schriftsteller Michele hebt den Blick vom Bildschirm, verlässt das Haus und findet Gesellschaft, die seine Fantasie entfacht. Langsam kehrt wieder Leben in das Café Royal ein. Und in die Menschen, die es besuchen.

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello. Mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega, in Italien und im deutschsprachigen Raum war das Buch ein großer Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Auszeichnungen
 Ich bleibe hier für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2020
 ›Prix Méditerranée étranger‹ für Je reste ici (Resto qui), 2019
 ›Premio Bagutta‹ für Resto qui, 2019
 2. Platz des ›Premio Strega‹ für Resto qui, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix Femina‹, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix du roman FNAC‹, 2018
 ›Premio Asti d’Appello‹ für Resto qui, 2018
 ›Premio Campiello‹ für L’ultimo arrivato, 2015

Meine Meinung zum Buch: Das *Café Royal* ist nicht mein erstes Buch des interessanten und begabten Schriftsteller Marco Balzano und  diese Lektüre als Roman zu bezeichnen ist etwas ungewöhnlich. Denn es sind achtzehn Kurzgeschichten die uns der Autor schenkt, die auf verschiedene Art und Weise miteinander verbunden sind. Die Titel der achtzehn Geschichten sind auf Namen  von Personen beschränkt, die durch Erlebnisse, Bindungen, Besuche im *Café Royal* miteinander verwoben sind. Diese leichte *Romanentwicklung* erschließt sich dem aufmerksamen Leser*in allerdings erst nach und nach beim Lesen. Trotzdem kann man jede dieser Kurzgeschichten auch für sich allein gesehen geniessen. Das hat mir gut gefallen.

Der Schreibstil des Autors liest sich sehr angenehm , gefällig und er versteht es den Leser schnell und sehr bildhaft in seine Welt der Geschichten und Gedanken unterschiedlichster Protagonist*innen hineinzuziehen. Er beschreibt einen aktuellen Zeitgeist, geprägt durch die Corona Pandemie, der sich in diesem Café in Mailand perfekt zwischen den Menschen spiegelt und die Stimmung in einer  Grossstadt wiedergibt. 

Meine Bewertung: FÜNF***** Sterne für diesen Roman aus dem Genre Gegenwartsliteratur. 

Vielen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars.      

Mittwoch, 28. August 2024

*Mein drittes Leben* von Daniela Krien - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 21.8.24

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024!

Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten – die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin. Ihre Romane ›Die Liebe im Ernstfall‹ und ›Der Brand‹ standen monatelang auf der Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Daniela Krien hat zwei Töchter und lebt in Leipzig.


Auszeichnungen

 Englische Übersetzung von Der Brand auf der Longlist des ›Dublin Literary Award‹, 2024

 Irgendwann werden wir uns alles erzählen für den ›Deutschen Drehbuchpreis‹ nominiert, 2022

 Der Brand für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2021

 Die Liebe im Ernstfall auf der Shortlist für den Literaturpreis ›Text & Sprache‹ des Kulturkreises deutsche Wirtschaft, 2020

 ›Sächsischer Literaturpreis‹ für ihre bisherigen Prosawerke, 2020

 Die Liebe im Ernstfall für ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2019

 ›Nicolas-Born-Debütpreis‹ für Muldental (Erzählband), 2015


Vorsicht, Spoiler- und Triggerwarnung! Die Themen TOD EINES KINDES, TRAUER, WERDEN AUSFÜHRLICH UND SEHR BERÜHREND BESCHRIEBEN IM BUCH. 

Meine Meinung zum Buch:
*Wie verletzlich ist doch unser Leben*, Dieser Satz  kam mir beim Lesen dieser Lektüre immer wieder in den Sinn. Als ich begriff worum es in diesem Buch ging , musste ich weinen. Aus Trauer um ein junges Leben , aus Mitgefühl mit den Eltern und Freunden. Das passiert mir nicht oft beim Lesen, aber diesmal war mein Kopfkino zu plastisch , zu real.
Es lag  natürlich an der Thematik und am für mich perfekten und ausgereiftem  Schreibstil der Autorin. Sie beschreibt Gefühle sehr intensiv und bildhaft,  so dass ich in einen wilden  Strudel von Trauer und Leiden mit in diese Geschichte hineingerissen wurde. 

ZITAT Seite 29 : " Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. ( Guy de Maupassant) . Aber hier, in meinem dritten Leben, sind es nicht die Menschen. Es sind die Tiere und Pflanzen und der Wind und die Bilder der Toten an den Wänden. " 

Linda, die nun kinderlose Mutter und Ehefrau erträgt niemanden mehr in ihrer Umgebung. Auch nicht ihren Ehemann Richard, der eigentlich doch die innigste Verbindung zu ihrer gemeinsamen  verunglückten Tochter für sie ist. Linda zieht sich zurück, verlässt Leipzig, die gemeinsame Wohnung dort und zieht in das Haus einer alten verstorbenen Frau auf einem Dorf.  Sie übernimmt sogar den Hund Kaja der Frau Adomeit , bewirtschaftet einen Garten und züchtet Hühner. Kurze notwendige Kontakte zu Nachbarn erträgt sie gezwungenermassen. Doch plötzlich treten Natascha und ihre behinderte reizende Tochter Nine singend und fröhlich in ihr Leben. Langsam entsteht eine neue Freundschaft zwischen den Frauen , die Linda langsam aus ihrer Trauer ausgräbt. Es spielen natürlich noch viele andere Personen aus Linda's früherem Leben eine Rolle im Buch, massgeblich auch für ihr persönliches neues Empfinden  gegenüber ihrem Beruf im künstlerischen Bereich, ihren Freundschaften, all den kleinen äusserlichen Freuden des Lebens beim Einkaufen, Essen, Kontakten und Beziehungen.  Auch die Beziehung zur eigenen  Mutter, ihr früheres Handeln wird milder und verständlicher für Linda. 

Richard versucht immer wieder seiner Frau beizustehen, erreicht sie seelisch immer seltener und findet in einer neuen Beziehung zu Brida ein neues kleines Glück. Doch die Zuneigung und  jahrzehntelange Liebe von Linda und Richard übersteht auch dieses ausergewöhnliche Zwischenspiel. Mehr möchte ich hier nicht preisgeben,,,,,

Dieses grossartige  Buch ist eine  absolute  Leseempfehlung mit FÜNF ***** Bewertungssternchen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Montag, 26. August 2024

*AM SEE* von MARIA BARBAL - erschienen im Blessing Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Erschienen am 3.4.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Für die zwölfjährige Nora gibt es nichts Herrlicheres, als die Sommersonntage an einem See in den katalanischen Pyrenäen zu verbringen. Schwimmen ist ihr größtes Vergnügen und sie liebt die ruhige Weite des Wassers mit seinem ständig wechselnden Farbspiel. Außer Quim, der quirlige fünf Jahre alt ist, sind alle in der Gruppe, die sie begleitet, erwachsen. Sie alle bergen Sehnsüchte und Verletzungen in sich, die sich wie in einem Brennglas an diesem friedlichen Ort bündeln. Nora versteht längst nicht alles, was sie beobachtet, doch das, was an einem dieser Sommertage geschieht, wird für sie das Erwachen aus der Kindheit bedeuten.

Maria Barbal ist eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Stimmen der katalanischen Literaturszene. Geboren 1949 in den Pyrenäen, lebt und schreibt die mehrfach preisgekrönte Autorin heute in Barcelona. Ihr Debüt »Wie ein Stein im Geröll« wurde in 16 Sprachen übersetzt und gilt als moderner Klassiker. Auch ihr zuletzt erschienener Roman »Die Zeit, die vor uns liegt« begeisterte Leser*innen und Presse.

Meine Meinung zum Buch: 

Der Höhepunkt der Woche für die zwölfjährige Nora ist der sonntägliche Ausflug mit der kleinen Bahn zum herrlich gelegenen Stausee in den Pyrenäen. Ausser dem fünfjährigen Quim ist sie das einzige Kind in einer Gruppe von Erwachsenen. Es sind Freunde, Verwandte, die gemeinsam einen ruhigen Nachmittag in der Hitze des Sommers am See geniessen möchten. Nora lebt noch in ihrer Kinder-Welt, schaut aber schon genau auf die Erwachsenen, beobachtet ihr Verhalten und ihre Unterhaltungen. Der quengelnde Quim nervt und stört sie insgeheim. Eifersüchtig versucht sie ihn zu ignorieren.

Die Autorin hat einen ganz leisen, ruhigen und in wunderschöner klarer Sprache gehaltenen  Roman geschrieben, der ehrlich  die Beziehungen der Gruppe und ihrer Menschen mehr und mehr untereinander aufzeigt . Poetische Naturbeschreibungen des Sees mit seinem  ursprünglichem Uferbewuchs von Pappeln, Brombeersträuchern, Zürgelbäumen , kleinen Feigenbäumen und dem Schilfrohr verzaubern und schaffen eine einmalige Sommeratmosphäre. 

 Die Zwanzig Kapitel vermitteln einen wunderbar stimmigen Eindruck vom Erleben eines Kindes, schon ausgestattet mit einem scharfen Blick auf die Welt der Erwachsenen, deren unausgesprochenen Sorgen , Nöten, Erwartungen und Freuden an das Leben. Zu Beginn jeden Kapitels berichtet Nora als Ich-Erzählerin kurz - in Kursivschrift gehalten -  von ihren Beobachtungen und eigenen Gedanken über das Geschehen am See und innerhalb der Gruppe. Je weiter man in den Kapiteln voranschreitet, desto klarer zeigen sich für die Leser*in Gefühle, Beziehungen und daraus folgende Handlungsweisen der Erwachsenen aus drei Generationen untereinander. Auch für die junge Nora ist das eine neue und aufregende Erfahrung. Sie lernt sich selber besser kennen wie auch die Bedeutung von Schuld und Scham, welche in so jungen Jahren schon plötzlich sichtbar werden für sie. Die Freundschaft mit der attraktiven Lídia empfindet Nora als besonderes Geschenk, denn sie hat ihr das Schwimmen beigebracht..... 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese berührende und wunderbare Geschichte. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blessing Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar. 

Samstag, 24. August 2024

*Genau so, wie es immer war* von Claire Lombardo - erschienen im dtv -Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ISBN : 978-3-423-28417-2

Erscheinungsdatum: 15.08.2024 

1. Auflage

720 Seiten

Format : 12,8 x 21,0 cm

Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Sylvia Spatz

Verlagslink

INHALT/KLAPPENTEXT: Manchmal kann Julia Ames es gar nicht fassen, was für ein unwahrscheinlich schönes Leben sie führt. Mit Mark hat sie seit Jahrzehnten einen liebenden Ehemann an ihrer Seite, zusammen haben sie zwei Kinder in die Welt gesetzt, auf die sie stolzer nicht sein könnte. Doch Glück ist nur ein vorübergehender Zustand, wie Julia schnell feststellen muss – Familie bleibt einem hingegen ein Leben lang erhalten.

Sohn Ben schockiert seine Eltern bei einem Besuch mit einer folgenschweren Nachricht. Tochter Alma ist kurz davor, aufs College zu gehen, was eine ungewohnte Angst vor dem leeren Nest in Julia weckt. Und beim Einkaufen trifft Julia zufällig auf eine Frau, die sie seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen hat – einst war die mütterliche Freundin ihre Rettung, bevor sie einer Katastrophe den Weg ebnete. Gefangen zwischen ihrer bewegten Vergangenheit und der chaotischen Gegenwart verliert Julia zunehmend die Kontrolle.

Claire Lombardo, 1989 geboren in Oak Park, Illinois, arbeitete als Sozialarbeiterin und PR-Agentin, bevor sie am renommierten Iowa Writers' Workshop studierte. Ihr Debütroman ›Der größte Spaß, den wir je hatten‹ war ein New York Times-Bestseller, wurde für den Women's Prize for Fiction nominiert und in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Sie lebt in Iowa City.

Meine Meinung zum Buch: 

Die siebenhundert Seiten dieses Romans haben meinen Lesefleiss - und Fluss ganz schön gefordert. Ich bin der jungen Julia und der gereiften  Ehefrau und Mutter der späten Jahre  in vielen Rückblicken auf ihr Leben mit ihren für mich oft zwiespältigen  und unverständlichen Gefühlen und Gedanken interessiert begegnet. 

Beim Lesen des Klappentextes vermutet man nicht diese kühle und komplizierte, oft zerbrochene, toxische,  ja sogar fast bösartige Persönlichkeit von Julia Ames, deren Charakter  Claire Lombardi mit viel psychologischem Fingerspitzengefühl für die Leser*in erschaffen hat. Fünfhundert Seiten erklären zwar viele Handlungen und Gegebenheiten aus dem Leben und der Ehe der Julia aus Jugendzeiten und Alter, doch es war in meinen Augen einfach zu langatmig beschrieben. Immer wieder versinkt die Protagonistin  in Selbstmitleid, jammert laufend über die kalte Beziehung zu ihrer alkoholkranken Mutter. Sie verknüpft und entschuldigt zu viele ihrer in meinen Augen merkwürdigen Entscheidungen und mentalen Empfindungen mit den Erlebnissen aus der toxischen Beziehung zur Mutter. 

Die letzten zweihundert Seiten hätten nach meinem persönlichem Empfinden an den Anfang der Erzählung gehört und so diese umfangreichen und umständlichen Erklärungen und Suchen nach Gründen für bestimmte Verhaltensweisen in fünfhundert Seiten ein schnelleres und klareres Ende bereiten können. Der Roman hat zwar eine unterhaltende und flüssige Erzählweise , aber er ist einfach zu lang. Die Autorin hat sich aus meiner Sicht zu sehr in den psychologischen Erklärungen von Julias Verhalten verloren. 

Depression und Schuld haben Julias Leben geprägt und auch die Leser*in in diese unglückliche Spirale hineingerissen. Das Aufflackern der immer wiederkehrenden mütterlichen Liebe und Zuneigung zu ihren Kindern und Ehemann Mark kann diesen Aspekt im Roman kaum heilen. Leider. Denn das Familienleben kann schön, erfüllend und auch im Alter noch befriedigend sein, trotz aller Widrigkeiten mit Familienangehörigen und der eigenen Psyche.  

Meine Bewertung: DREI *** gute Sterne für diese zu lange Ausführung eines komplizierten Frauen - und Familienleben.  

Vielen herzlichen Dank an die Autorin und den dtv-Verlag für die schnelle Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

 


Mittwoch, 14. August 2024

*Malnata* von Beatrice Salvioni - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

Erschienen am 15.5.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Unter der sengenden Sonne der Lombardei im Jahr 1935 begegnet Francesca zum ersten Mal Maddalena, die von allen im Ort nur »Malnata« genannt wird: »Die Unheilbringende«. Francesca – zu Konformität und Gehorsam erzogen – ist sofort fasziniert von dem barfüßigen Mädchen, dessen Hände immer schmutzig sind, die Augen voller Trotz. Entgegen allen Warnungen freundet sich Francesca mit Maddalena an und lernt mit der Zeit, den Lügen der Erwachsenen zu misstrauen. Doch in einer Gesellschaft, die keinen Platz hat für weibliches Freiheitsdenken, ist jedes falsche Wort und jede unfolgsame Tat eine Gefahr …

Beatrice Salvioni, geboren 1995, studierte Literatur an der Universität Mailand und besuchte dann in Turin die renommierte Schreibschule Holden, gegründet von Alessandro Baricco. Sie hat bereits mehrere Erzählungen geschrieben, von denen eine mit dem Premio Calvino ausgezeichnet wurde. 2021 erregte das literarische Debüt der jungen Autorin große internationale Aufmerksamkeit. La Malnata wurde noch vor Erscheinen in Italien zu einem literarischen Ereignis und verkaufte sich innerhalb weniger Wochen in 20 Länder; inzwischen sind es 35.


Meine Meinung zum Buch:

 So finster wie die junge Frau auf dem Cover schaut ist auch die Thematik des Romans.  Das Bild zeigt wohl   *die Unheilbringende* (ital. Malnata) Maddalena Merlini oder vielleicht doch die beobachtende brave Freundin Francesca Strada , Tochter eines Hutfabrikanten, aus einem *guten und wohlhabenden* Hause stammend ? Diese Interpretation des Covers sei jedem Leser*in selbst überlassen. 

Wir tauchen ein in eine dunkle Zeit Italiens und schreiben das Jahr 1935. Der aufkommende, immer stärker werdende Faschismus ist allgegenwärtig und  streckt seine Hand in alle Schichten der Gesellschaft aus. Zwei junge Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsklassen begegnen sich. Die zwölfjährige Francesca sucht sehnsuchtsvoll den Kontakt zur armen, unbändigen und anscheinend frei lebenden Maddalena, die in Monza von einem grossen Teil der Bevölkerung verachtet und gemieden wird. Der Aberglaube an *das Böse* in *Unglücksbringerinnen* wie der jungen Malnata ist allgegenwärtig , die Macht der katholischen Kirche  ist ungebrochen. Konservative Regeln engen Familien und auch Kinder streng ein. Francesca verfängt sich in grässlichen Schuldgefühlen und ängstlicher Schüchternheit, wenn sie nur ein Bild von Jesus irgendwo sieht, wie es zum Beispiel im Schlafzimmer ihrer Eltern hängt. Doch Maddalena widersetzt sich allen, speziell für Mädchen erschaffenen Regeln der Erwachsenen. Sie spielt unbefangen mit Jungen barfuss am Fluss und lehnt die Schulbildung ab. Francesca beobachtet und  bewundert die *Malnata* und kämpft um deren Zuneigung und Freundschaft. 

Zitat Seite 62: " In der Welt der Malanta wetteiferte man darum, von Katzen gekratzt zu werden. Schmerz leckte man sich einfach zusammen mit dem Blut von der Haut. Eine Welt, in der man nicht spielen konnte , jemand anders zu sein, und in der man Männern und Jungs in die Augen sah, wenn man mit ihnen sprach. "

Der Erzählstil von Beatrice Salvioni ist flüssig, kraftvoll und erzeugt beim Lesen ein buntes und klares Kopfkino. Man wird gefesselt von den Aktivitäten der beiden Mädchen und erlebt sehr direkt die Entwicklung einer warmen und herzlichen Freundschaft zwischen den Kindern. Doch es sind fast keine Kinder mehr, sie stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden und beobachten kritisch und hinterfragend ihre heuchlerischen Eltern und Erzieher*innen. Salvioni gibt den beiden Mädchen im Roman eine fast feministische Denkweise . Sie sehen scharf die Klassenunterschiede in ihrer Stadt und die Werkzeuge der politischen Unterdrückung des Faschismus. Die Autorin hat es geschafft historische Ereignisse und persönliche Schicksale in diesem Roman eng zu verknüpfen und vermittelt dadurch eine unbedingte Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Die Familien Strada und Merlini leiden durch den Krieg, die allgemeine Verarmung und dem Verbiegen ihrer eigentlichen Gesinnung und Menschenwürde, durch ihre Anpassung an das faschistische Regime.  

Maddalena und Francesca bestimmen letztendlich durch tragische Geschehnisse ihrer Familien , ausgelöst auch durch den Krieg in Abessinien, ihren persönlichen Weg. Ihre innere Haltung wird gefestigt und so treten sie selbstbewusst  ihren weiteren, sicher schweren Lebensweg an.... 

Ich gebe dem Buch gern eine Leseempfehlung von FÜNF ***** Sternen und bedanke mich bei der Autorin und der Penguin Randomhouse Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.