Mittwoch, 29. April 2020

*Leben* von Uwe Laub, erschienen im Heyne Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (13. April 2020)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453439635
ISBN-13: 978-3453439634

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext:

Antilopenherden in Südafrika und Fledermauskolonien auf der Schwäbischen Alb: Weltweit verenden innerhalb kürzester Zeit große Tierpopulationen, ganze Arten sterben in erschreckendem Tempo aus. Experten schlagen Alarm, denn das mysteriöse Massensterben scheint vor keiner Spezies Halt zu machen. Der junge Pharmareferent Fabian Nowack stößt auf Hinweise, dass selbst der Fortbestand der Menschheit unmittelbar bedroht ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, an dessen Ende unsere Erde nie wieder so sein wird wie zuvor.

Uwe Laub wurde 1971 geboren, arbeitete zunächst als Market Maker an der Deutschen Terminbörse, danach mehrere Jahre im Pharma-Außendienst, bevor er 2010 schließlich den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Heute hat er eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau und seinem Labrador "Marley" in München und Fort Myers/USA. 2013 erschien "BLOW OUT". Der Thriller entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg, der es zum Buchtipp im SAT1-Frühstücksfernsehen brachte. Laubs zweiter Roman "STURM" erschien 2018 im Heyne-Verlag, kletterte bis auf Platz 14 der SPIEGEL-Bestseller Liste, wurde von der ZDF heute-Redaktion als einer von zehn lesenswerten Romanen für 2018 ausgewählt und für den Deutschen Phantastikpreis 2019 in der Kategorie "Bester deutscher Roman" nominiert. Laub ist Mitglied im Club der fetten Dichter, einer illustren Runde erfolgreicher Autoren, für die er einen Teil der Mysteryserie "THE WALL" geschrieben hat. Laubs dritter Roman "LEBEN" wurde am 13. April 2020 veröffentlicht, ebenfalls bei Heyne.


Meine Meinung: 

Eine Phiole *Leben* überreicht uns der Autor mit Hilfe einer spannenden und fiktiven Story, so dass es den Leser oft gruselt und er unweigerlich Parallelen zu unserer derzeitigen Realität in der Corona Krise ziehen kann. Der Roman erzählt von folgenden Protagonisten und gliedert sich in drei Teile. Da wären:

Fabian Nowack, der Pharmareferent, der von der neuen Gelbaugen-Krankheit, einer weltweiten Pandemie betroffen ist.

 Mark Brenner,  ein undurchsichtiger Charakter, erledigt diverse Aufträge für Philipp von Cronberg

Philipp von Cronberg,  der Vorsitzender von VC-Pharma

Davina De Boni,  eine Botanikerin und Pharmakologin 

Im ersten 'Teil des Buches wird der erschreckende Ausbruch einer weltweiten Pandemie geschildert, die millionenfaches Sterben von Tieren und Menschen zur Folge hat. Im zweiten Teil begleiten wir Davina de Boni, eine taffe Wissenschaftlerin , bei ihren Erlebnissen im südamerikanischen Dschungel. Und der dritte Teil des Romans bringt uns wieder zurück nach Deutschland in erschreckende Lebenssituationen. 

Ich bin durch das Buch geflogen , angetrieben und angelockt vom sehr gut zu folgendem und flüssigen  Schreibstil des Autors. Manchmal empfand ich seine Beschreibungen als fast zu reißerisch, dann hat er mich wiederum  mit seiner nüchternen und realen Sicht - und Schreibweise gefesselt und überzeugt. Erst erfolgt ein langsames Artensterben, die Natur kapituliert und zieht sich zurück, verändert sich. Dann, im heutigen Zeitalter des Menschen stirbt auch dieser, verliert die Grundlagen zum Überleben auf unserem Planeten. 

Dieser Wissenschaftsthriller ermöglicht kein gemütliches Abtauchen in eine ferne Lesewelt, sondern rüttelt auf, öffnet dem Leser die Augen und lässt eine unheimliche Uhr im Kopf ticken. Es ist fünf Minuten vor 12 Uhr. Ein Wandel des Lebens für alle Erdenbewohner kommt unweigerlich auf uns zu. 


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen  und aufrüttelnden Wissenschaftsthriller. 


Danke an den Autor und den Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar. 

 


Mittwoch, 8. April 2020

*Wild Game - Meine Mutter, ihr Liebhaber und ich * von Adrienne Brodeur, erschienen im Droemer Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink
Erschienen am 1. April 2020

Inhalt / Klappentext:

Adrienne / Rennie  hat eine umwerfende, strahlende Mutter, die der Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft ist. Schon ihr Name Malabar strömt reine Exotik aus. Doch Malabar ist auch eine große Egozentrikerin, und als sie sich in den besten Freund ihres Mannes verliebt, macht sie ihre Tochter zu ihrer engsten Vertrauten und stellt auf diese Weise das Mutter-Tochter-Verhältnis auf den Kopf. Bald schon lebt Adrienne ganz für die aufregende Liebesgeschichte ihrer Mutter, statt ihre eigene Jugend auszukosten. Erst als erwachsene Frau ist sie in der Lage, die Mechanismen zu erkennen, die ihr Leben geprägt haben. Und es gelingt ihr, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen, die ihr die Jugend gestohlen hat.

Adrienne Brodeur hat acht Jahre als Lektorin bei dem renommierten New Yorker Verlag Harcourt Houghton Mifflin gearbeitet und leitet jetzt ein Programm zur Förderung schriftstellerischen Nachwuchses. Zusammen mit Francis Ford Coppola gründete sie das Magazin Zoeptrope: All story. Adrienne Brodeur ist Autorin des Romans "Man Camp" und schreibt nebenbei für die New York Times. Sie lebt in New York und auf Cape Cod.



Meine Meinung zum Buch: 

Der ungewöhnliche Titel des Buch hat mich sofort magisch angezogen und mein Interesse geweckt. Zudem habe ich in der letzten Zeit immer gute Erfahrungen mit Büchern gemacht, die von einem Lektor*rin verfasst wurden. Adrienne Brodeur hat einen ausgereiften, klaren und fesselnden Schreibstil. Das Buch erzählt autobiografisch, beginnt in einem leichten, ansprechend charmanten Schreibstil, fast in Jugendsprache verfasst, und endet mit einer psychologisch sehr tiefen, bedrückenden und ergreifenden Selbstanalyse des Lebensverlaufes der Autorin. Adrienne Brodeur beschreibt mit offener Ehrlichkeit ihre Mitbeteiligung an einem Betrug. Ihre exzentrische Mutter Malabar betrügt ihren kranken, zweiten Ehemann Charles jahrelang mit seinem Freund Ben. Er ist ein Vertrauter der Familie. Ben und Charles sind seit Jahrzehnten durch eine innige Freundschaft eng miteinander verbunden. 


Die verschiedenen Charaktere der Hauptprotagonisten wurden schlüssig, realistisch und sehr anschaulich dargestellt. Da ist die schillernde, in der Öffentlichkeit stehende Mutter Malabar, egoistisch, und fast kindlich naiv dargestellt in ihrem Wesen. Sie wurde ihrerseits geschädigt durch eine schwierige Kindheit im Dunst einer exotischen Familie und ähnlich geprägten Mutter, die im Indien der Kolonialzeit gelebt hat. Diese Vorstellung nährt Malabar mit Schilderungen ihrer Kindheit gegenüber ihrer Tochter. Der Besitz eines wertvollen Schmuckstückes aus diesem exotischem Land spielt eine grosse Rolle in der ungesunden Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rennie bewundert kritiklos, verzückt und unreflektiert die Geschichten der Mutter um dieses Collier. Lebenslang.

   

Mit einem Kuss zwischen Ben und Malabar beginnt diese Affäre. Malabar vertraut sich sofort ihrer jungen 14 jährigen Tochter ohne Hemmungen an und macht sie bewusst zur Mitwisserin. Malabar missbraucht das Vertrauen, die Bewunderung sowie die absolute Liebe ihres Kindes Adrienne/Rennie, indem sie die pubertierende Rennie zur Vertrauten und Mitspielerin ihres Betruges verführt. Anstatt ihre Jugend und ihr eigenes Liebesleben zu er-leben, tut Rennie alles um die Affäre ihrer Mutter zu be-schützen. Sie dient freiwillig mit persönlichen Alibifunktionen für Ben und Malabar, obwohl sie ihren Stiefvater Charles sehr liebt. Gewissensbisse ihm gegenüber spült sie mit ihrer Schwärmerei für die romantische, neue Liebe ihrer Mutter hinweg. 


Charles erscheint dem Leser lange Zeit unwissend über dieses Geschehen. doch im Rückblick als erwachsene, reife Frau sieht Rennie sein Leben und Verhalten schon aus einer anderen Sichtweise. Alles was nicht ausgesprochen wurde - erschien ihr nun im Rückblick als unterschwellig, schwer benennbare unheilvolle Schwingung im Familienleben. Je älter Rennie wird, desto mehr belasten sie diese alten Geheimnisse,  zumal sie nun zunehmend ihr Verhältnis zur Mutter differenzierter und objektiver sehen kann. Das ist eine sehr interessante Entwicklung für den Leser und baut sich immer stärker auf.  Interessante und genau beschriebene Nebenprotagonisten wie Ben's Ehefrau Lilli, Ben selber und Rennie's Bruder runden das Bild der beteiligten Personen  in diesem Familiendrama gut ab. Alkoholexzesse im Familienleben, die Lage des gemeinsamen Heimes am Meer,  sowie eine Feinschmecker Küche geben dem Buch Esprit und Atmosphäre, da Malabar auch auf diesem Fachgebiet absolut brilliert. 

Die Lektüre ist unglaublich spannend, wandelt sich und hat mich in einen enormen starken Lesesog gezogen. Nach dem Beenden fühlte ich mich angestrengt, ausgelaugt aber trotz allem sehr gut unterhalten - fast wie in einem Krimi. So muss Belletristik sein: ehrlich, unterhaltend und spannend - eben aus unserem reichen und buntem Leben mit allen Schattierungen, Höhen und Tiefen versehen!


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen Roman!

Vielen Dank für diesen absoluten Lesegenuss an die Autorin und den Droemer Verlag.      


 


Montag, 6. April 2020

*Ausgemustert* von Susanne Fröhlich, erschienen im Knaur Verlag

*Werbung, unbezahlt*
Infolink zum Verlag

Erscheinungstermin: 03.02.2020

Inhalt/Klappentext: Was tun, wenn der Mann nach zwanzig Ehejahren plötzlich für eine viel Jüngere das gemeinsame Leben verlässt? Wenn einem mit Ende Vierzig, einer halbwüchsigen Tochter und einem Teilzeitjob ein Single-Dasein aufgedrängt wird, das man sich so ganz sicher nicht freiwillig ausgesucht hätte? Wenn Nachbarinnen plötzlich auf Distanz gehen, weil man als Venusfliegenfalle für brave Ehemänner gilt? Und nicht mal die eigenen Eltern Mitleid haben? Da hilft nur der Kaltstart in ein neues Leben und den Zumutungen des alten die Stirn zu bieten. Mit einem Tinder-Account und Männern, die die Suche nach dem Glück auch noch nicht aufgegeben haben.

Susanne Fröhlich ist eine der bekanntesten Autorinnen Deutschlands. Die Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin arbeitet unter anderem für den hessischen Rundfunk. Seit 2005 moderiert sie die MDR-Literatursendung „Fröhlich lesen“. Sowohl ihre Sachbücher wie "Fröhlich fasten" und Romane, zuletzt "Verzogen", wurden alle zu Bestsellern, darunter das „Moppel-Ich“ mit über 1 Million verkauften Exemplaren. Susanne Fröhlich lebt in der Nähe von Frankfurt am Main.



Meine Meinung zum Buch: 

Kann ich ein Buch ausmustern , welches mir nicht besonders gut gefallen hat, welches mich nicht begeistert oder gar berührt hat? 

Ich kann!  Denn diese vielen Fragen, die auf jeder Seite des Buches auftauchen, in denen die Hauptprotagonistin Uli Vorwürfe an sich, die Welt im Allgemeinen und an ihren Ehemann stellt, sind sicher berechtigt, aber sie haben mich auf Dauer irritiert, meinen Lesefluss gestört und haben dem Schreibstil der bekannten Autorin in meinen Augen nicht gut getan. Das Buch liest sich trotz diesem Kritikpunkt locker, flockig, schnell und gefällig in kurzen und einfachen Satzgebilden. Es stellt keine schwierigen Anforderungen an den Leser, ausser dass es vielleicht einiges an Geduld fordert. Der Jammerton, indem Uli von ihrem Ungemach, dem plötzlichen und unerwarteten Ausbruch ihres Mannes aus ihrer Ehe berichtet, ist sehr verständlich,  appelliert voll an das Mitgefühl und die Solidarität aller Frauen (und Männer). Sie hat mir sehr leid getan und ich konnte ihre ungestümen Zornesausbrüche und Alkohol Exzesse in der Öffentlichkeit gut nachvollziehen. 


Zum Glück für den Leser und die Protagonistin, befreit sie sich von dem Einfluss und  Forderungen ihres dominanten Ehegatten, findet langsam aus ihrem Dilemma heraus, wobei die schöne Insel Mallorca sowie neue Bekanntschaften, die sie dort knüpft, ihr aus ihrem Stimmungstief hoch helfen. Ein bekanntes Dating Portal  im Internet eröffnet ihr eine ganz neue Sicht auf die Partnerfindung und sie (er)lebt so halbwegs immer mehr ein freies , aber eben doch ungewohntes Single-Dasein. Ihre psychisch sehr labile Gemütsverfassung und das verletzte Gefühl in das Vertrauen und die Sicherheit einer Ehe werden durch diese neuen Erfahrungen etwas abgemildert und geheilt. 

  

Ich habe mich mit dieser Lektüre ganz nett amüsiert und gebe diesem guten und humorvollen Buch eine Leseempfehlung von  DREI *** Sternen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Knaur Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.   

Donnerstag, 2. April 2020

*Der Ring des Lombarden* von Petra Schier, erschienen im rororo Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Link zum Rowohlt Verlag

Die Lombarden-Reihe

Köln im Mittelalter – aufregend, abwechslungsreich und gefährlich. Ein extrem spannender und hervorragend recherchierter Roman über eine starke Frau und schmutzige Geldgeschäfte im 15. Jahrhundert.
Köln, 1423. Der Tod ihres Mannes, des Lombarden Nicolai Golatti, hat Aleydis de Bruinker zu einer sehr jungen und sehr reichen Witwe gemacht. Und zu einer Frau mit vielen Feinden: Konkurrenten, die sie als unfähig verleumden, die geerbte Wechselstube zu führen. Angeblich ehrenwerte Männer, die an die Mitgift ihrer Mündel wollen. Und eine unsichtbare Bedrohung aus der Schattenwelt, dem Netz aus Intrigen und Erpressung, das ihr Mann zu Lebzeiten gewoben hat. Als ein Brandanschlag auf Nicolais Mörderin die Stadt erschüttert, muss Aleydis etwas tun, das ihr überhaupt nicht behagt: Gewaltrichter Vinzenz van Cleve um Hilfe bitten, den Mann, der ohnehin schon zu viel Platz in ihren Gedanken einnimmt …
Nach «Das Gold des Lombarden» der zweite in sich abgeschlossene Roman über die Lombardenwitwe Aleydis de Bruinker.

Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit ihrem Mann und einem Schäferhund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet seit 2005 als freie Autorin. Ihre historischen Romane, darunter die Reihe um die Apothekerin Adelina, vereinen spannende Fiktion mit genau recherchierten Fakten. Petra Schier ist Mitglied des Vorstands der Autorenvereinigung DELIA.


Meine Meinung: Dieser zweite Band der Lombarden Reihe, aus dem mittelalterlichen Köln schliesst nahtlos an den ersten Roman an, aber man findet auch als Neueinsteiger sofort Zugang zu den Zeilen aus der Feder der bekannten Schriftstellerin. Dieser historische Roman hat alles was sich ein Leser dieses Genre nur wünschen kann. Die Autorin hat die damalige Atmosphäre mit ihrem bildhaften und abwechslungsreichen Schreibstil, der sich gefällig leicht lesen und verstehen lässt, perfekt eingefangen. Von der Beschreibung prunkvoller Gewänder der oberen Gesellschaftsschichten bis zu schrecklicher Armut , sowie grauenvollen und brutalen Geschehnissen einer Stadt dieser Zeit , ist alles, ähnlich wie im ersten Band reichlich vorhanden. 


Die junge , hübsche Witwe Aleydis ist nun auf sich und ihr kluges Handeln allein angewiesen. Ihr verstorbener Gatte Nicolai fehlt ihr sehr im Alltag, doch die dunklen mafiösen Machenschaften, die ihr Mann zu seinen Lebzeiten gewoben hat, machen ihr den Einstieg in das Geschäftsleben einer Wechselstube sehr schwer und undurchsichtig. Alessandro, ein ihr bislang unbekannter Halbbruder ihres Ehemannes taucht auf und möchte der attraktiven Aleydis innerhalb der Familienbande in allen Belangen beistehen. Sie schwebt oft in fast für sie undurchschaubaren Gefahren und wird sogar öffentlich angefeindet und bedroht. Doch der Gewaltrichter Vinzenz van Cleve hält schützend seine Hand über sie und eine leise Liebesgeschichte zwischen ihm und der jungen, reichen Witwe bahnt sich an. Ein altes Sprichwort bekommt Bedeutung beim Umgang miteinander und zwar * Was sich neckt, das liebt sich*.  Sympathisch kommen diese bunten Dialoge beim Leser*rin an und lockern den Text auf witzige und charmante Weise auf. Der ganze Roman wirkt sehr romantisch und positive Charaktereigenschaften von Aleydis bekommen immer mehr Gewicht von der Autorin. Sie hat, für das Mittelalter sehr ungewöhnlich, in Aleydis eine willensstarke und tatkräftige Frauenfigur entwickelt, die uns heute begeistert und sehr moderne Züge annimmt. Aleydis wehrt sich mit Händen und Füssen gegen eine neue Verheiratung durch die Verwandtschaft, was zur damaligen Zeit ungewöhnlich war. 

 

Nun bringt ein Brandanschlag auf das Beginenhaus sehr viel Unruhe in die Stadt und Vinzenz van Cleve beginnt mit seinen Nachforschungen über die Täter.  Auch ein *Ring*, im Titel erwähnt, spielt eine neue unheilvolle Rolle im Leben von Aleydis, deren Romanleben sicher von der Autorin weiter entwickelt wird. Dieser Roman bietet mit der Kulisse des 15. Jahrhundert angenehme Lesestunden, die sehr abwechslungsreich dahinfliegen.


Beide bisher erschienenen Bände dieser Reihe sind für mich mit einer Bewertung von VIER **** Sternen lesenswert.

Hier der Link zu meiner Rezension von Band 1 *Das Gold des Lombarden*!


Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 1. April 2020

*Grenzenlos an Deiner Seite* *und wo das Glück zu finden ist* von Sebastian Würdinger

*Werbung, unbezahlt*

124 Seiten
Verlag: tredition; Auflage: 2 (12. Februar 2020)
Sprache: Deutsch

Inhalt/Klappentext:

Sind wir nicht ständig auf der Suche nach etwas Besonderem? Auf der Suche nach Anerkennung und dem gewissen Glück? 

Der Jugendliche Johann ist auch ständig auf der Suche nach dem Besonderen. Seitdem sich seine Eltern getrennt haben und seine Mutter mit Alkoholproblemen zu kämpfen hat, ist nichts mehr wie vorher. In der Schule wird er wegen seiner Behinderung gemobbt und auch von seinen Mitmenschen bekommt er wenig Anerkennung. Als er eines Tages auf der Brücke eines Weihers steht und in Gedanken versunken auf das Wasser blickt, stellt er sich die Frage, was der Sinn des Lebens ist. Und nur eine einzige Begegnung verändert sein ganzes Leben.


Meine Meinung: Diesen Debüt Roman hat mir der Autor Sebastian Würdinger freundlicherweise kostenlos zum Lesen und Rezensieren zugeschickt. Herzlichen Dank dafür!


Es war eine Lese-Überraschung für mich, denn er hat unbeliebte Themen in seinem Buch zur Sprache gebracht. Auf einhundertvierundzwanzig Seiten hat er es geschafft Themen wie Mobbing zwischen Jugendlichen, Ausgrenzung von behinderten Menschen und die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber alkoholkranken Mitmenschen aufzuzeigen und anzuprangern. Der Hauptprotagonist Johann hat mit seinem inneren Preisgeben seiner Verzweiflung und Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung mein Herz berührt. Doch es gibt Hoffnung. Keine Situation im Leben eines Menschen ist hoffnungslos und niederschmetternd. 


Diese Hoffnung liegt in uns selber - und manchmal braucht es nur einen kleinen Anstoss , um sie auch durch die Hilfe unserer Mitmenschen zu finden. Schnell und gerührt bin ich durch diese einfachen, leicht zu lesenden, aber sehr emotional geschriebenen Seiten geflogen und bin während des Lesens auf mancherlei eigene Überlegungen zu diesen Themen gestossen. 

Danke dafür Sebastian Würdinger! 

Meine Bewertung: Vier **** Sterne für dieses emotionale Leseerlebnis. 


Montag, 30. März 2020

*UNSERE GLÜCKLICHEN TAGE* von JULIA HOLBE, erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Link zur Verlagsseite

Inhalt / Klappentext: Lenica, Marie, Fanny und Elsa verbringen einen nicht enden wollenden Sommer an der französischen Atlantikküste. Wie ein Versprechen liegt die Zukunft vor ihnen, so ausgelassen und unbeschwert sind sie, dass sie gar nicht merken, wie das Leben seine Weichen stellt. Als sie sich viele Jahre später wiedersehen, erkennen sie, dass ihre Träume sie noch immer wie eine schicksalhafte Kraft verbinden. Trotz allem, was geschehen ist, seit jenem Abend, als Lenica ihren Freund Sean mitbrachte. Und die unaufhaltbare Geschichte ihren Lauf nahm...

Die Autorin Julia Holbe, Jahrgang 1969, ist Luxemburgerin. Sie lebt in Frankfurt am Main und in der Bretagne. Zwanzig Jahre arbeitete sie als Lektorin für internationale Literatur im S. Fischer Verlag. »Unsere glücklichen Tage« ist ihr erster Roman.


Meine Meinung: Endlich habe ich wieder einen neuen Liebesroman entdeckt, der anspruchsvoll, voller Sehnsucht nach der Liebe und nach einem guten und erfülltem Leben daherkommt. Die Professionalität der Autorin ist dem Werk sofort anzumerken. Schon nach den ersten Seiten habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt.  Die Autorin hat zwanzig Jahre als Lektorin in einem grossen deutschen Buchverlag gearbeitet und ihrem wunderbaren Debütroman kommt das sehr zugute. Ihr Schreibstil besticht durch klare Formulierungen und Aussagen, unverschachtelte Sätze, wunderbar nacherzählten Empfindungen und Emotionen, sowie durch ganz viel Lebensweisheit und Erfahrung in Bezug auf (Liebes)-Beziehungen.


Atmosphärisch dicht in einem alten Ferienhaus am Atlantik, einem grossen, verwildertem  Garten, immer mit einer  frischen, salzigen Meeres Brise  in der Luft, bezaubert und vermittelt der Roman sommerliche Ferienstimmung. Durch die Darstellung unbeschwerter junger Mädchenfreundschaften hat mich dieses Buch begeistert und in seinen Bann gezogen. Gleichzeitig vermitteln die Zeilen der Autorin aber auch oft Wehmut und Trauer, sowie Sehnsucht nach der vergangenen Jugendzeit, den verpassten Chancen des Lebens und der Liebe. Denn nur drei Freundinnen treffen sich nach zwei Jahrzehnten der Funkstille wieder im Ferienhaus am Meer. Eine Frau fehlt, die charismatische Lenica, geliebt und bewundert von allen, hauptsächlich aber von ihrem Seelenverwandten, dem irisch stämmigen Sean und besonders von Elsa. Elsa und Lenica waren in ihrer Jugend eng miteinander verbunden, unzertrennlich, haben sich oft Zimmer und Bett während der Zeit am Meer geteilt. Beim Radeln zum Felsen am Meer, beim Picknick mit kühlem Weisswein am Strand, im wilden Garten und bei tiefsinnigen Gesprächen und Fantasien über ihre persönliche Zukunft, tauschen sich die jungen Freundinnen herzlich und liebevoll untereinander aus. Wünsche und Vorstellungen an das Leben lagen damals verdeckt, geheimnisvoll verborgen, wie unter einem weissen Leintuch versteckt, vor ihnen.  


Sean spielt eine grosse Rolle im Leben jeder dieser vier jungen Frauen, für jede allerdings auf einer persönlich anderen Ebene. Diese Beziehungen und Verbindungen aus dem Blickwinkel von aussen als Leser*in zu verfolgen war ungemein interessant und in keinem Moment langweilig.

Mit der Charakterdarstellung von Elsa hatte ich allerdings ein kleines, emphatisches Problem. Ich empfand sie als besessen, überbordend in ihrem Gefühls - und Liebesleben, anstrengend  - und sie hat geklammert, strebte immer nach Kontrolle und Bestätigung durch ihre Liebespartner. Aber so ist das Leben und sie durchstand auch diesen schmerzhaften Lernprozess und versuchte sich zu mässigen. Das Alter und die verfliegende Lebens-Zeit schützen vor Torheit nicht - auch nicht in der Liebe. Das erfährt sie auf tragische Art und Weise. Das Thema Altern, Neubeginn einer Beziehung  in dieser Lebensphase nehmen einen grossen Raum in diesem wunderbaren Roman ein.  


Dieses Buch war eine absoluter Lesegenuss für mich und ich empfehle es gerne mit FÜNF ***** Sternen.

Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für das Rezensionsexemplar!










 

 

Samstag, 28. März 2020

*Kryonium* Die Experimente der Erinnerung, erschienen im Kadmos Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagsseite Kulturverlag Kadmos

Erschienen im OKTOBER 2019
324 SEITEN, 15 X 23 CM, GEBUNDEN
ISBN 978-3-86599-444-8

Inhalt /Klappentext: Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne. Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschwert das Vorhaben. Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen. Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt.

Der All-Age-Roman ist ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt und die Frage aufwirft, was Erinnerungen sind und was sie bedeuten. Nichts ist so, wie es scheint in der Geschichte und die Frage, was Realität ist, muss immer wieder neu überdacht werden.

Matthias A. K. Zimmermann (Matthias Alexander Kristian Zimmermann) wurde 1981 in Basel (Schweiz) geboren. Er ist Schriftsteller, Maler und Medienkünstler. Sein Werk erfuhr eine breite Rezension und befindet sich in Sammlungen und Archiven diverser Museen und Institutionen. Er studierte musikalische Komposition, Kunst & Vermittlung, Game Design, Art Education und Pädagogik.


Meine Meinung: 

Das oben gezeigte Buch wurde mir freundlicherweise vom Berliner Kulturverlag Kadmos als Rezensionsexemplar angeboten und ich möchte mich sehr herzlich beim Autor und Verlag für dieses ausserordentliche und wahnsinnig spannende Leseerlebnis bedanken.

Unter dem Begriff  * technoides Märchen * konnte ich mir nicht viel vorstellen, aber sofort war meine Neugier geweckt. Ich hoffte auf eine spannende Fantasy Geschichte und bald hatte mich der Autor mit seinem eindringlichem, interessantem und anspruchsvollen Schreibstil in den Bann gezogen und ich war gefangen in diesem ungewöhnlichem Roman - ebenso wie der unbenannte Protagonist, der verzweifelt aus einer Märchenwelt voller Gnome, Fabelwesen mit gefährliche Drachen und Hexen fliehen möchte. Alle befinden sich zusammen in einem unheimlichen und gefährlichem Schloss inmitten einer wunderschönen Schneewelt . 


Der ICH_Erzähler und Protagonist hat vollständig seine Identität verloren, seine Erinnerungen an ein voriges Leben, sowie seine Orientierung was Raum und Zeit betreffen. Er besitzt allerdings ausserordentliche Mathematik - und Physik Kenntnisse, die mich an fordernde und anstrengende Schulstunden unangenehm erinnert haben. Es fällt mir sehr schwer dieses Leseerlebnis auf  die übliche Art und Weise zu beschreiben, da ich nicht zu viel Spoilern möchte und dem Leser dieser Kurz-Rezension damit nicht die Freude am Lesen und Buch verderben möchte. 

Ich hatte das Gefühl, dass der Ich-Erzähler an einer tiefsitzenden Paranoia litt. Rätselhafte Ereignisse, die mit nummerierten Schneekugeln zusammenhingen, bringen ihn an den Rand des Wahnsinns und an seine psychische sowie physische Belastungsgrenze. Mit dieser Vermutung lag ich sehr richtig, wie sich am Ende des Buches bei der verständlichen und guten Auflösung der Ereignisse für den Leser, herausstellen sollte. Diese Lektüre war für mich ein Lesehöhepunkt des Jahres, obwohl mein mathematisches Verständnis sehr gefordert wurde - mich letztlich am Lesegenuss aber nicht behindert hat. Vielleicht liegt ein noch besseres Erfassen der Thematik im nochmaligem Studium des Buches -  und der Mathematik. Wie schön, dass es immer wieder ungewöhnliche Leseüberraschungen gibt. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses sehr anspruchsvolle, ungewöhnlich spannende Buch. 

Dienstag, 24. März 2020

*Ich bin Circe* von Madeline Miller, erschienen in der Random House Group / Hörbuch

*Werbung, unbezahlt*

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext:

Circe, Tochter des Sonnengotts Helios, ist anders: Denn sie besitzt Zauberkräfte. Von ihrer Familie missachtet und von Zeus verbannt, führt sie ein zurückgezogenes Leben auf der Insel Aiaia unter wilden Tieren, die sie gezähmt hat. In der Abgeschiedenheit entwickelt sie ihre magischen Fährigkeiten weiter, bis sie sich wahrhaftig eine Hexe nennen kann. Doch sie bleibt nicht lange allein: Als Hermes, Daidalos, Odysseus, Iason, Medea und die mächtige Athene ihre Wege kreuzen, muss sich Circe die Frage stellen: Will sie zu den Göttern gehören oder zu den Sterblichen, die sie lieben gelernt hat?

Ann Vielhaben, geboren 1975 in Hamburg, studierte Schauspiel und spielte an verschiedenen deutschen Theatern, bevor sie sich als Synchron- und Hörbuchsprecherin einen Namen machte. Sie ist u. a. die Synchronstimme von Deborah Ann Woll (bekannt aus der Serie „True Blood“ und aus dem Marvel-Universum „Daredevil“, „Punisher“, „Crime”). Mit ihrer warmen und atmosphärischen Art zu lesen, erweckt sie v. a. Fantasyhörbücher zum Leben.



Meine Meinung: Zum Glück hatte ich in meiner Schulzeit einen Geschichtslehrer, der mir die griechische Mythologie sehr lebendig nahe gebracht hat. Dieser Titel hatte mich sofort nach Erscheinen begeistert und ich habe die MP3 CD freundlicherweise von der Random House Group als Rezensionsexemplar zugeschickt bekommen. Vielen herzlichen Dank dafür an dieser Stelle!


Meine Erwartungen betreffs Auffrischung der Geschichtskentnisse wurden beim Hören dieser  MP3-CD wunderbar erfüllt. Die griechische alte Götterwelt - und Mythologie entstand in Begleitung der sympathischen und ansprechenden Stimme von Ann Vielhaben, die alles anschaulich schnell wieder in meinem Inneren entstehen lässt. Zusätzlich habe ich eine neue Erkenntnis durch die Beschreibung der Autorin Madeline Miller dazu gewonnen. 

Circe war eine ungewöhnliche , starke und leidenschaftliche Halbgöttin und Frau, ich würde sogar behaupten eine Kräuterfrau, die den Menschen oft gütlich zugetan war und  mitgelitten hat über deren teilweise bitteren Schicksalsschläge und Lebenswege.  


Sie war etwas anders als ihre Eltern , der Sonnengott Helios und die Nymphe Perse, erwartet und erhofft hatten. Sie galt auch im Kreis ihrer vielen Geschwister wie Pasiphae, Aietes und Perses als hässlich, verschroben und unfähig. Wer allerdings als Hörer die vielen Gottheiten auf Grund ihrer Herkunft und Namen auseinander halten möchte, hat ohne fundamentale Grundkenntnisse der griechischen Mythologie einige Schwierigkeiten, zumal es beim Hörbuch kein Glossar oder ähnliches gibt. Durch das Erzählen in der ICH-FORM entsteht für die Hörer*rinnen eine enge Verbindung zu dieser Halbgöttin, die zu Beginn ihres Lebens in der Kindheit als ängstlich und unsicher dargestellt wird. Gebannt habe ich ihre Verwandlung zu einer selbstsicheren, oft gerechten und eigensinnigen Frau verfolgen können, die Menschen mochte. Ihre Verbannung auf eine einsame Insel muss sie bis zu ihrem Lebensende ertragen und so zog sie ihre Kraft und ihren Lebenssinn aus dem Erkunden und Erforschen von Tier, Pflanze und Natur auf ihrer abgeschiedenen Insel. Über all diese Interpretationen, genährt von der Autorin, darf man eines nicht vergessen. Diese Geschichten gehören alle in das Reich der Fabeln, der Mythologie und religiösen Vorstellungen. Und vor allem: sie sind tausende von Jahren alt, verzaubern die Menschen aber immer noch mit ihren Ereignissen, vermittelten Wertvorstellungen und Lebenslehren.   


Diese gekürzte Lesung hat immerhin auch zwölf Stunden Hörzeit beansprucht und mich sehr gut und informativ unterhalten. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Hörbuch!


Dienstag, 17. März 2020

*Muldental* von Daniela Krien, erschienen im Diogenes Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext: Jeder Umbruch fordert Opfer. Auch eine friedliche Revolution. Daniela Krien erzählt von Menschen, deren Leben an einem Kontrapunkt der Geschichte ins Wanken gerieten. Sie erzählt von Orientierungslosigkeit und tiefer Verzweiflung. Doch diese Romanminiaturen gehen über das Schicksal des Einzelnen hinaus; sie zeichnen ein Bild des Menschen von heute. Ein Buch über das Trotzdem-den-Kopf-über-Wasser-Halten, über das Trotzdem-Weitermachen, über das Es-trotzdem-Schaffen.

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin, 2011 erschien ihr Roman ›Irgendwann werden wir uns alles erzählen‹, der in 14 Sprachen übersetzt wurde. Ihr letzter Roman ›Die Liebe im Ernstfall‹ erschien 2019 bei Diogenes. Daniela Krien lebt mit ihren zwei Töchtern in Leipzig.


Meine Meinung: Zehn Geschichten an zehn Tagen. Eine Erzählung täglich in Ruhe am Abend. So habe ich mir dieses Buch der talentierten und jungen Autorin eingeteilt. Nachdem ich *Die Liebe im Ernstfall*  begeistert gelesen hatte, bin ich mit grossen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und wurde auch nicht enttäuscht. Storys mit teilweise tragischem Inhaltsgeschehen verpackt die Autorin in einen wunderbaren, emotionalen,  leicht lesbaren und doch tiefsinnigen Schreibstil. 

In *Plan B* verfolgte ich gespannt die Entscheidungen  und Empfindungen zweier junger Freundinnen, die aus Geldnot während der Wendezeit in kurzer Zeit durch Prostitution ihr Einkommen verbessern möchten. 

Auch die erste Geschichte *Muldental* hat mich sehr beeindruckt. Voller Verständnis und Traurigkeit habe ich eine vergangene Situation vieler Menschen der neuen Bundesländer anhand des Schicksals von Heinz und Marie verfolgt. Heinz, ein DDR-Künstler wurde von seiner Frau Marie heimlich  bespitzelt, da sie unter den Druck und Einfluss der Stasi geriet. Seine Rache kommt - später nach der Wende und trifft voll und bösartig seine Ehefrau Marie. 

Alle acht weiteren Sorys sind absolut lesenswert und behandeln die Themen Wendezeit, Einflussnahmen des Staates auf die Menschen und viele persönlich erschütternd geprägte Schicksale durch diese Situation. Sogenannte Wohlfühl-Lektüre liest sich sicher anders. Aber die Realität vieler Menschen in unserer Gesellschaft nach und während der Wende in den neunziger Jahren  wird hervorragend analysiert. 

Meine Bewertung und Leseeindruck: FÜNF ***** Sterne für diese grossartige Lektüre .

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar ! 

Dienstag, 10. März 2020

*Zweimal im Leben* von Clare Empson erschienen im Blanvalet Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Inhalt / Klappentext: Es begann alles damit, dass sie ihn traf – ihn, die Liebe ihres Lebens. Als Catherine damals als Studentin Lucian zum ersten Mal sah, war ihr gleich klar: Das ist für immer. Er ist ihr Seelenverwandter, nichts wird sie auseinanderbringen. Doch dann geschah etwas, das alles änderte. Catherine verließ Lucian, heiratete jemand anderen, gründete eine Familie. Und trotzdem kann sie Lucian nicht vergessen. Als sie ihn 15 Jahre später wiedertrifft, ist alles wieder da, die Vertrautheit von damals, das Gefühl, endlich wieder ganz zu sein, sich selbst in dem anderen wiedergefunden zu haben. Aber manchmal kann man nicht mehr anfangen, wo man aufgehört hat. Und manchmal holt einen die Vergangenheit mit solcher Macht ein, dass sie droht die Gegenwart zu zerstören und damit alles, was man liebt …

Clare Empson ist Journalistin und arbeitete für überregionale Zeitungen, für die sie so ziemlich über alles berichtete: vom Kollaps der großen Investmentbanken bis hin zu »Tee mit Barbara Cartland« (ganz in pink natürlich, inklusive des Kuchens). Vor acht Jahren zog sie dann aufs Land und gründete den Kultur- und Lifestyle-Blog Countrycalling. Die idyllische Landschaft inspirierte sie zu ihrem ersten Roman, der die dunkle Seite des Paradieses beschreibt. Clare lebt mit ihrem Mann und drei Kindern an der Grenze zwischen Wiltshire und Dorset in England.

Meine Meinung: Der Baum des Lebens

Am Anfang und Ende dieses traurigen, berührenden und beeindruckendem Roman steht jeweils ein Baum . Der Baum des Lebens, der erblüht, erlischt und wohl wieder neu ausschlagen wird im hellen Sonnenschein. Diese Metapher fiel mir sofort nach  dem Beenden des Romanes ein. 


Die Geschichte wird in mehreren Zeiten und in mehreren Erzähl Strängen für den Leser aufbereitet. Eigentlich hatte ich eine bittersüße und charmante  Liebesgeschichte erwartet. Doch diese Einschätzung  traf nur bedingt zu und im letzten Drittel war alles sehr vorhersehbar. Der Roman wurde von der Autorin leider unnötig in die Länge gezogen. Die vorherrschenden Themen, wie therapeutische Sitzungen der Protagonistin Catherine zur Heilung eines Traumas , Alkohol Exszesse und Beziehungsprobleme einer jungen, freundschaftlich sehr verbundenen Clique  aus dem Umfeld der englischen Oberschicht prägen den Roman. 

Melancholische und traurige Sequenzen haben mich völlig in einen etwas Unheilvollen Sog gezogen und meine persönliche Stimmung beeinflusst. 


Nichts desto trotz liegt alldem eine leidenschaftliche Liebesbeziehung zugrunde, die mich teilweise berührt hat, aber auch viele komplizierte Fragen in meinem Kopf zu *Liebe im Allgemeinen* aufgeworfen haben.

Von der Thematik her würde ich das Buch eher in das Genre Beziehungsprobleme einordnen…… 


Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses Buch mit kleinen Schwächen. 


Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Zusendung des Leseexemplar.