Dienstag, 30. Juni 2020

*Heilkraft der Alpen* von Arnulf Hartl und Christina Geyer, erschienen im Bergwelten Verlag bei Benevento Publishing Salzburg-München

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink

Inhalt /Klappentext: Wandern für die Gesundheit: Berge helfen heilen
Frische Luft und Bergpanorama sind eine Wohltat: Für viele Menschen gehören Ausflüge in die Natur und Wanderurlaube in den Bergen zum festen Bestandteil ihrer Freizeitgestaltung. Doch wussten Sie, dass sich die positive Wirkung der Alpen auf Geist und Körper auch wissenschaftlich nachweisen lässt? Arnulf Hartl, Leiter des Instituts für Ökomedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg und die Journalistin Christina Geyer präsentieren in ihrem Buch die wichtigsten Fakten zu diesem Thema:
- Die Bedeutung der Natur für die Medizin: Wie schon die Ärzte des Altertums mit den Gaben der Natur arbeiteten
- Auszeit in den Bergen: Aus der Sommerfrische von einst entwickelte sich der moderne Wellnessurlaub
- Die Kraft des Wassers: Linderung asthmatischer und allergischer Beschwerden durch Wasserfälle und Heilbäder
- Gesunder Körper, gesunder Geist: Die positive Wirkung von Urlaub in den Alpen auf die Psyche
Hinaus aus der Stadt, hinaus aus der Erschöpfung: so tun uns die Alpen gut.
Arnulf Hartl plädiert kenntnisreich für Aufenthalte in den Alpen als alternative Form der Medizin – nicht nur heilend, sondern vor allem vorbeugend! Die von ihm vorgestellten wissenschaftlichen Erkenntnisse belegen, was Spaziergänger und Wanderbegeisterte schon lange wussten: Eine Auszeit in den Alpen ist gut für Körper und Seele – Naturheilkunde zu Fuß!


Die Autoren: 

Arnulf Hartl ist Leiter des Instituts für Ökomedizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg und forscht an der medizinischen und psychologischen Wirkung der Natur auf die Gesundheit des Menschen.

Christina Geyer, gebürtige Wienerin, lebt und arbeitet als freie Journalistin in der steirischen Nationalpark Region Gesäuse.


Mein Leseeindruck: Das wunderschöne  und ästhetisch ansprechend gestaltete Cover des Buches hat mich sofort beim Betrachten angesprochen und mein Wunsch es genauer zu lesen, wurde immer grösser. Freundlicherweise hat mir der Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken!

Persönliche Heilung erfahren von vielen psychischen und physischen Störungen und Zivilisationserkrankungen in einer ganz besonders schönen Umgebung haben die Autoren eindrucksvoll mit wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen, vielen Diagrammen und statistischen Ausführungen in ihrem Buch vermittelt. In elf  Sinn führenden Kapiteln mit folgenden Überschriften wird der Leser sanft und populärwissenschaftlich verständlich in die Problematik von Krankheit und Heilung durch die alpine Bergwelt eingeführt.  Einem Vorwort folgen diese Kapitel-Titel:

WIESO WANDERN GLÜCKLICH MACHT

DIE WURZELN DER NATURMEDIZIN

URLAUB FÜR DIE GESUNDHEIT

AUS DER HÖHLE IN DIE STADT

HEIMWEH NACH DRAUSSEN

DAS *BAMBI SYNDROM* ODER ZURÜCK ZUR NATUR

DOKTOR DARWIN

DER WIRKSTOFF NATUR

BEIPACKZETTEL WISSENSCHAFT

JEDE WANDERUNG BEGINNT MIT EINEM ERSTEN SCHRITT

Zu Beginn der Lektüre und beim ersten Durchblättern fühlte ich mich fast entmutigt durch die vielen Diagramme und die anscheinend sehr wissenschaftlichen Ausführungen. Dieses Gefühl verflog völlig, denn beide Autoren schreiben sehr verständlich, flüssig und angenehm zu erlesen. Ich habe viel Neues über die Wurzeln der Naturmedizin erfahren, den Einfluss unterschiedlicher Naturwirkstoffe auf Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen,Allergien,Asthma,Stress und auch Depressionen. Diese körperliche und geistige Bewusstseinserfahrung durch Bewegung,Wandern, Entspannen und Nachdenken in der alpinen Landschaft, könnte auch mit dem modernen Begriff *Waldbaden* bezeichnet werden. Das Wandern und Bewegen in der Natur kann in jeder Wald - und Wiesen Landschaft wertvolle Impulse geben, nicht nur in den Alpen. Darauf weist der Autor auch ausdrücklich hin. Die Seele und der Geist kommen zur Ruhe, können neue Kraft tanken und der Mensch fühlt sich auch körperlich einfach wohl. Herrliche Landschaftsbilder im Buch runden das Bild von Harmonie und sanfter Heilung in und durch die Naturlandschaft ab. 


Das Buch ist eine wunderbare Einstimmung auf einen Wanderurlaub, eine Wellnesskur in den Bergen oder ähnlichen Aufenthalten im alpinen Raum.Diese Lektüre ist eine hochwertige Einführung in die Ökomedizin und vermittelt einfach Spass, Vorfreude und ganz viel fundiertes Wissen beim Lesen.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne.     




Mittwoch, 24. Juni 2020

*Die Köchin von Castamar*, von Fernando J. Múñez, erschienen bei C.Bertelsmann

*Werbung, unbezahlt. Rezensionsexemplar*

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Spanischen von Anja Rüdiger
Originaltitel: La cocinera de Castamar
Originalverlag: Planeta
Paperback , Klappenbroschur, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-10392-0
Erschienen am  11. Mai 2020

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Inhalt/Klappentext: Verführerische Speisen, verbotene Liebschaften und Ränkespiele am Hofe des Herzogs

Spanien im 18. Jahrhundert: Clara, frisch angestellt als Hilfsköchin am Hof von Castamar, weckt durch ihre raffinierten Köstlichkeiten schon bald das Interesse des verwitweten Herzogs. Da es für beide nicht möglich ist, miteinander in Kontakt zu treten, entwickeln sie anhand von in Kochbüchern versteckten Notizen und außergewöhnlichen Gerichten eine ›Geheimsprache‹. Doch schon bald kursieren am Hof erste Gerüchte. Und mit den Gerüchten wächst auch die Zahl der Widersacher, welche die ganz und gar nicht standesgemäße Annäherung zwischen dem Herzog und seiner Köching argwöhnisch beobachten ...

Fernando J. Múñez, geboren 1972 in Madrid, studierte Philosophie und Filmwissenschaften. Er verfasste Drehbücher und Jugendliteratur, bevor er die historische Saga »Die Köchin von Castamar« schrieb, die in Spanien sofort zum Bestseller wurde. Eine TV-Verfilmung ist bereits in Vorbereitung.


Mein Leseeindruck: Den Schreibstil des Autors Fernando J. Múñez habe ich nun als gute, flüssige und angenehm zu lesende Sommer- und Wohlfühllektüre im Kopf abgespeichert. 

Er entführt den Leser in eine bunte und opulente Historienwelt des 18. Jahrhundert nach Spanien, in der es voller Intrigen, Ränke , Liebschaften und politischen Entwicklungen aufregend zugeht. Clara als Protagonistin, die junge hübsche Tochter einer adeligen und gebildeten Arzt-Familie der damaligen Zeit , vermittelt Liebreiz, Wissen und ein perfektes Können in ihrem Beruf als Köchin. Sie kocht aus Leidenschaft, hat es von ihrer Mutter erlernt und kann dadurch relativ unabhängig in grossen Häusern ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen. Sie leidet allerdings unter Agoraphobie  (Angst vor z.B. öffentlichen Plätzen oder bestimmten Situationen), kann dieses unangenehme  Handicap aber oft sehr geschickt vor ihrem Umfeld verbergen. 


Eine Liebesgeschichte darf natürlich in diesem Genre nicht fehlen und der attraktive und liebenswerte Herzog Diego von Castamar, der vor über neun Jahren seine geliebte Ehefrau Alba durch einen tragischen Reitunfall verlor, spielt plötzlich eine Rolle im Leben der neu eingestellten Chefköchin Clara, die das Adels-Haus mit ihren Gaumen-Köstlichkeiten verwöhnt und erstaunt. Beim Lesen ihrer exzellenten Rezeptideen ist mir öfter das Wasser im Mund zusammengelaufen  und meine Gedanken wurden automatisch auf eigene, neu zu erprobende Kochprojekte der spanischen Küche gelenkt. 

Etwas anstrengend waren für mich  nur die vielen spanischen Nebenprotagonisten mit ihren komplizierten Namensgebungen , die mir  sehr fremd und  fast exotisch erschienen. Auch die spanische Geschichte erschien mir in grossen Teilen unbekannt, doch konnte ich einige interessante Fakten neu erfahren und erlernen! 

 Zu meiner Freude geht die *Castamar Saga* weiter und ich bin sehr gespannt auf den Fortsetzungsband mit dem Untertitel *Auf Liebe und Tod* !


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen schönen Historien- und Liebesroman !

Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für dieses Rezensionsexemplar !

Mandelcreme à la Castamar

Zutaten:


1 Vanilleschote


1 Becher Sahne


5 EL Agaven-Dicksaft


4 EL Puddingpulver mit Vanillegeschmack


500 ml Mandelmilch


Zubereitung:


400 ml Mandelmilch in einen Topf geben. Vanilleschote mit einem Messer der Länge nach aufschneiden und das Vanillemark herauskratzen, zur Mandelmilch geben und einmal aufkochen lassen. Die restlichen 100 ml Mandelmilch mit dem Puddingpulver in einer Schüssel gut verrühren. Agaven-Dicksaft hinzufügen. Den Topf von der Kochstelle nehmen und die angerührte Flüssigkeit mit einem Schneebesen in die heiße Mandelmilch einrühren. Unter Rühren erneut kurz aufkochen, den Pudding abkühlen lassen, anschließend 30 Min. kühl stellen. Sahne steif schlagen und löffelweise unter den Pudding heben. Die Creme auf vier Schälchen verteilen und ca. 1 Stunde kühl stellen. Gerne mit Fruchtsoße genießen.

Mittwoch, 10. Juni 2020

*Emily Eternal* von M.G. Wheaton, erschienen bei Heyne

*Werbung, unbezahlt. Rezensionsexemplar*

Verlagsinfo

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Amerikanischen von Charlotte Lungstrass-Kapfer
Originaltitel: Emily Eternal
Originalverlag: Grand Central Publishing
Paperback , Broschur, 384 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-31996-7
Erschienen am  11. Mai 2020

Inhalt / Klappentext: Emily ist eine KI. Sie wurde designt und programmiert, um den Menschen in allen Lebenslagen zu helfen. Und obwohl das eigentlich gar nicht möglich sein sollte, liebt Emily die Menschen. Aber als die Sonne zu erlöschen droht, hat auch sie kein Programm, um das zu verhindern. Dennoch fasst sie einen Plan, um die Welt zu retten. Doch nicht jeder glaubt an ihre guten Absichten, und so wird Emilys Liebe zu den Menschen auf eine harte Probe gestellt ...

M. G. Wheaton wurde in Texas geboren und arbeitete zunächst in der IT-Branche, bevor er sich als freischaffender Journalist und Autor selbstständig machte. Seine Artikel erschienen unter anderem im »Hollywood Reporter«, im »SFX Magazine« und in der Zeitschrift »Total Film«. Er schreibt außerdem Drehbücher und plottet Videospiele. M. G. Wheaton ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Los Angeles.


Mein Leseeindruck:

Bücher aus dem Sci-Fi Genre lese ich relativ selten und bin zu Beginn recht schnell und begeistert durch das Buch geflogen. Das interessant gestaltete Cover mit dem ebenmässigen Gesicht und den ungewöhnlichen Augen hatte mich sehr angezogen und beeindruckt. Der flüssige und angenehme Schreibstil des Autors überraschte mich und hat mir Spass gemacht. Allerdings haben mich zu viele technische Beschreibungen und Ausführungen am Ende des Romans teilweise gelangweilt und die Freude am Lesen etwas eingeschränkt. Das Buch erschien mir dadurch auch etwas zu sehr in die Länge gezogen. Das war schade und ich blieb etwas enttäuscht zum Ende der Lektüre zurück. 


Der programmierten,  künstlichen Intelligenz  Emily wurden sehr viele menschlich anmutende Bewusstseinszüge mitgegeben und das hat sie sehr sympathisch gemacht. Emily hat die Menschheit freundlich betrachtet und ihr Vorhaben die Bevölkerung vor dem anstehenden Weltuntergang zu retten, wurde vom Autor mit Leidenschaft und sehr grossmütig dargestellt. Ihre kleine Erschaffungsgeschichte und Beziehung zu Nathan ihrem Programmierer , sowie zu ihrem geliebten und von ihr umschwärmten Jason wurde mitfühlend erzählt und hat mein Herz berührt. Auch der umgebende Freundeskreis und deren unterschiedliche Beziehungen zur menschlich auftretenden Emily hat der Autor gut herausgearbeitet.  Ich hatte beim Lesen aber oft das Gefühl , dass das eigentliche Problem des Buches, die erlöschende Sonne als Gefahr und Bedrohung für die Erde und ihre Bevölkerung, nicht ausdrücklich genug vom Autor in den Vordergrund gestellt wurde. Das Entsetzen der Menschen hielt sich in Grenzen, sie haben ihr Schicksal ruhig hingenommen. Nur Emily hat unermüdlich an einer Lösung gearbeitet. Dank ihres Vermögens sich in die Gedanken und Gefühle jedes Menschen  voll  hinein zu versetzen und sie in ihren Handlungen zu lenken , erschien sie mir menschlicher und verständnisvoller als ihr Programmierer, die Freunde und der Rest der Weltpopulation. Diese Darstellung ist dem Autor recht gut gelungen. 

Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt und gebe dem Buch gern DREI gute *** STERNE. 

Vielen Dank an den Autor und den Verlag für das Rezensionsexemplar ! 

Mittwoch, 27. Mai 2020

*Labyrinth* von Burhan Sönmez, erschienen im btb Verlag

*Werbung, unbezahlt. Rezensionsexemplar*
DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe
Originaltitel: Labirent
Originalverlag: İletişim Yayınları
Hardcover mit Schutzumschlag, 160 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75838-8
Erschienen am  02. März 2020

Inhalt /Klappentext:

Boratin, ein junger Musiker öffnet nach einem Selbstmordversuch in einem Istanbuler Krankenhaus die Augen. Er kann sich an nichts erinnern, nicht einmal an seine eigenen Lieder. Für ihn besteht kein Zweifel daran, dass die einzige Wahrheit sein geschundener Körper ist. Nicht wissend, ob das Vergessen nun Fluch oder Segen ist, begibt er sich nach draußen, auf die Suche nach sich und seiner Geschichte, mitten hinein in die flirrende Metropole am Bosporus, die ihm in ihrer Gebrochenheit und ihrer Geschichtsvergessenheit zum Erschrecken ähnlich ist. Wir folgen Boratin auf seiner Suche, und wissen dabei nie mehr, als er selbst. Seine unbeantworteten Fragen werden zu Fragen, nach deren Beantwortung wir selbst suchen.

Burhan Sönmez wurde 1965 in Zentralanatolien geboren und wuchs sowohl mit der kurdischen als auch der türkischen Sprache auf. Er studierte Jura in Istanbul. Sönmez war Mitglied des türkischen Menschenrechtsvereins IHD und Gründungsmitglied der demokratischen Stiftung TAKSAV. Bei einem Übergriff durch die Polizei wurde er 1996 in der Türkei schwer verletzt und anschließend dank der Freedom-from-Torture-Stiftung in England medizinisch versorgt. Er unterrichtet an der Middle East Technical University in Ankara, schreibt für verschiedene unabhängige Medien und ist aktives Mitglied des türkischen und englischen PEN. Burhan Sönmez lebt mit seiner Familie in Istanbul und Cambridge. Seine preisgekrönten Romane erscheinen inzwischen in über zwanzig Ländern.



Meine Meinung: Es war eine packende Reise durch die MEGA CITY ISTANBUL, erlebt durch eine Ich-Erzählung, die Gedanken, Erinnerungen und Begegnungen mit Menschen des früheren Lebens eines jungen Musikers. Er erinnert sich NICHT an seine Persönlichkeit und Erlebnisse, wachte im Krankenhaus auf, wo ihm gesagt wurde, dass er von der Bosporus-Brücke, mit ausgebreiteten Armen, freiwillig und gedankenverloren in die tiefe Dunkelheit des Wassers geflogen ist. Ich bin teilweise in den Worten des Autors versunken, habe jeden Satz genossen, der poetisch und melancholisch, mit einer spürbar tiefen inneren Trauer erzählt. Philosophische Gedanken treiben den jungen Musiker um, während seiner Suche nach der Vergangenheit seines Lebens und dem Gedächtnis. Einige Menschen bieten ihm Halt in seiner Verlorenheit. Da ist sein Freund Bek und die Schwester aus der fernen Heimat auf dem Land, die er drei Jahre nicht besucht hat. Sagt sie zumindest, nach einigen Telefonaten. Boratin kann es kaum glauben, hört aufmerksam ihren Erzählungen aus seiner Kindheit auf dem Dorf zu. Auf Seite 115 kommt mir allerdings der Verdacht, dass seine Trauer und der versuchte Suizid auch noch andere Gründe hat, die im Buch nur unterschwellig und vorsichtig genannt, eher angedeutet werden. 


ZITAT Seite 115 "Was hat das A auf den Plakaten zu bedeuten, fragte ich. Ich meine, warum ist es auf das Gesicht eines Sultans gemalt, der vor hundert Jahren gelebt hat? Sie brechen in Gelächter aus. Glauben, ich hätte einen guten Scherz gemacht. Sie haben recht, sagen sie, der Mann steht JETZT an der Spitze des Staates, aber er trägt den Kopf von vor hundert Jahren. Deshalb haben wir seinen Kopf übermalt. Ihr habt das getan? Ja, letzte Woche bei den PROTESTEN." 

Dieses Buch und das obige Zitat haben mich überrascht durch die wunderbar poetische Ausdrucksweise des Autors.  Und zwar durch seine leisen Zwischentönen und die fesselnden, atmosphärischen Schilderungen einer Millionenstadt mit der Buntheit und Lebenslust ihrer teilweise sehr jungen Bevölkerung.

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses Buch im grossartigen Schreibstil und in atmosphärischer Dichte verfasst.

Herzlichen Dank an den Autor und den Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  





Dienstag, 19. Mai 2020

*Zwei Wochen im Juni* von Anne Müller, erschienen im Penguin Verlag

*Werbung, unbezahlt, Rezensionsexemplar*

ISBN: 978-3-328-60109-8
Erschienen am  27. April 2020

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Inhalt/Klappentext: Wenn das geliebte Elternhaus verkauft werden muss - und die eigenen Träume zu leben beginnen

Ada liebt ihr Elternhaus an der Ostsee mit dem herrlichen Bauerngarten, doch nun heißt es, Abschied nehmen. Nach dem Tod der Mutter muss Gragaard verkauft werden. Zusammen mit ihrer Schwester Toni räumt sie Haus und Bootsschuppen aus, und eine Reise in die Vergangenheit beginnt: Da sind die Abendkleider der Mutter, die die rauschenden Sommerfeste wiederaufleben lassen und die glücklichen Tage, bevor der Vater die Familie verließ. Und da sind die Ölporträts, die der russische Maler Maxim, um dessen Aufmerksamkeit die Mädchen buhlten, einst von ihnen angefertigt hat. Als sie im Sekretär einen Brief der Mutter an sie beide finden, fasst Ada endlich den Mut, sich ihren Sehnsüchten zu stellen, und aus dem Abschied wird Aufbruch.


Anne Müller wuchs in Schleswig-Holstein auf und lebt heute in Berlin. Nach dem Studium der Theater- und Literaturwissenschaften arbeitete sie zunächst als Radiojournalistin, dann als Drehbuchautorin. »Sommer in Super 8« ist ihr erster literarischer Roman, der viele begeisterte Leserinnen und Leser gefunden hat.


Meine Meinung: 

Das wunderschön illustrierte Cover, im herrlichen Himmelblau und Orange gestaltet,  fällt sofort ins Auge und verspricht ein traumhaftes und romantisches Lesevergnügen, welches auch eingehalten wurde. Das blaue Cover, mit weißen Blütenständen verziert, mit festem Einband und in angenehmer Lesegrösse, stellt eine gelungene Beziehung zur künstlerisch begabten Ada, dem Meer und Himmel dar. Als Malerin liebt sie diese Farbkombination und stellt sie gerne in ihren Bildern dar. 

Zitat Seite 9 " Ich habe was, was du nicht hast. Ihr Spiel auf Autofahrten. Toni, die immer hinter dem Beifahrersitz und der Mutter saß, gehörte die rechte Hälfte der Welt, ihr, Ada, die linke. "

 Die Geschichte von Toni, Ada und ihren Eltern, wird in Gegenwart und mit  Rückblicken in das Kindheitserleben der Schwestern erzählt. Die Autorin lässt die jüngere Ada eindrucksvoll aus ihren Erinnerungen in zwei Ebenen aus der Ich-Erzählweise sprechen. Dies gelingt ihr mit einem ganz besonders zauberhaften und klarem Schreibstil, der berührt und viele Emotionen bei den Leser*rinnen weckt. Eigentlich ist es eine ganz unromantische Angelegenheit,  zu der sich die inzwischen erwachsenen Geschwister im Elternhaus an der Ostsee treffen. Die Mutter ist plötzlich verstorben und der Haushalt muss aufgelöst werden.  Die lebhafte, ältere Toni ( Antonia) , mitten im Leben stehend als Lehrerin , Ehefrau und Mutter einer pubertierenden Tochter perlt mit ihren aktiven Ideen und  stürmischen Handlungen durch das Buch. Im Gegensatz dazu steht die stillere, künstlerisch begabte jüngere Schwester Ada, die als Single in einer Grossstadt lebt. Beide Geschwister verbindet eine enge Beziehung an die Erinnerung von Familienleben und Kindheit im Ostseeort Gragaard. 


Die vierzehntägige Zeit, die sich die jungen Frauen  zum Aufräumen und Auflösen des Hausstandes genommen haben, wird auch eine Zeit des Aufarbeitens der vergangenen Tage und eine Reflexion ihrer jetzigen Lebenssituationen werden. Die Beziehung der Schwestern zueinander und das Verständnis füreinander vertiefen sich und führen die beiden in ganz neue Lebens-Ansichten und zu neuen Handlungswegen. Behutsam öffnet die Autorin mit ihrer bildhaften Schreibweise die Erinnerungen der vergangenen Jahre und auch Schmerz und so manche  Verletzung aller Familienmitglieder  treten zu Tage, bedingt durch die Trennung des Vaters von der Mutter nach 17 Ehejahren. Erschüttert begreifen die Geschwister, dass auch ihre Mutter nicht immer so glücklich war, wie sie geglaubt hatten als Kinder und Jugendliche. Sie kommen einem Geheimnis auf die Spur und sehen ihre Mutter nun auch klarer in ihrer Ganzheit einer weiblichen Persönlichkeit, die zugunsten der Familie und Ehe ihre künstlerische Laufbahn als Musikerin aufgegeben hatte.  Die Autorin erzählt all das in leisen Tönen und  tiefgründigen Ausführungen, die den/die Leser*rinnen zu eigenen Gedanken und Emotionen führt. 

Es ist eine stille, feine Lektüre der leisen Töne, in der nicht viel passiert, die aber dennoch voller Lebensweisheit und Klugheit steckt. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE !

Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das schöne, gebundene Rezensionsexemplar!


Mittwoch, 13. Mai 2020

*Die Insel der Leuchttürme* von Lily Graham, erschienen im Diana Verlag

*Werbung, unbezahlt*

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Inhalt/Klappentext:

 Ein altes Haus im warmen, mediterranen Licht auf einer balearischen Insel. Ein Ort, von der Zeit vergessen, der von lange vergangenen Sommern, sonnengeküssten Erinnerungen und einem schrecklichen Verrat erzählt … 

Ihr verstorbener Mann James hinterlässt Charlotte ein unerwartetes Geschenk auf Formentera: das wunderschöne alte Haus mit dem klingenden Namen Marisal, das einst ihrer Großmutter gehörte. Als Charlotte dorthin reist, kommt sie der verborgenen Geschichte ihrer Familie, die eng mit dem dunklen Geheimnis der Insel verwoben ist, auf die Spur. Und sie erfährt von einer verhängnisvollen Liebe, die viele Leben in Gefahr brachte und von zwei Schwestern, die ein tragischer Verlust entzweite …


Lily Graham wurde in Johannesburg, Südafrika geboren. Daher stammt wahrscheinlich auch ihre Sehnsucht nach dem Meer, die sie immer begleitet. Heute lebt sie mit ihrem Mann und der Bulldogge Fudge in England und lässt ihre Liebe zum Meer in ihre Bücher einfließen. »Die Insel der Leuchttürme« ist ihr erstes Buch im Diana Verlag.

Meine Meinung: 

Das wunderschön gestaltete Cover weist sofort auf einen Wohlfühl-Roman hin, der Sommer, Sonne und Meer verspricht. So liest sich diese Geschichte auch zu Beginn. Schnell, beschwingt, mit viel Esprit. Gebannt bin ich durch die Seiten geflogen und wurde  durch den einfachen und bildhaften Schreibstil der Autorin in meiner Annahme bestätigt. Der Roman beginnt sehr traurig und bleibt auch lange deprimierend, denn die englische Hauptprotagonistin Charlotte, hat ihren geliebten Ehemann zu früh durch eine Krebserkrankung verloren. Aber er hat etwas Wunderbares für sie erstanden und ihr ein altes Haus, gelegen auf der Insel Formentera mit dem romantischen Namen Marisal, überschrieben. Sie lernt neue , auf der Insel ansässige Menschen kennen  und da ist natürlich noch ihre heutige Familie.  Ihr Bruder Alex und ihre Tochter Stage stehen ihr tapfer nach dem Verlust von Ehemann James zur Seite. 


Das Buch spielt in zwei Zeitsträngen , der Gegenwart und im 18. Jahrhundert , beginnend im Jahr 1718 auf Formentera. Das Thema ist sehr interessant gewählt und erzählt eine spannende Familientragödie. Es geht vor allem auch um eine geheime jüdische Gemeinschaft der damaligen Zeit, die sich  auf diese kleine Insel zurückgezogen hat und sogar zum Schein zum Christentum konvertiert ist. Die jüdische Gemeinde schottet sich stark ab, besucht  den christlichen Gottesdienst und besitzt sogar geheime Räume unter der Kirche, nämlich eine eigene Synagoge. 


Leider hat mir der zweite wichtige Teil aus dem 18. Jahrhundert, geprägt von einem unscheinbaren und plötzlich langweiligen  Schreibstil der Autorin gar nicht gefallen. Ihre Protagonist*innen dieser Zeit bleiben seltsam uninteressant. Sie benutzt die gleiche moderne Ausdrucks- und Schreibweise wie im beginnenden Teil des Buches und grenzt die beiden Erzähl Stränge in keiner Weise schreibtechnisch voneinander ab.  Der ganze Roman wirkt durch diesen  Schreibstil-Fehler (in meinen Augen)  plötzlich oberflächlich und nichts sagend, langweilig und ist überhaupt nicht mehr ausdrucksstark. Das ist sehr schade, vor allem um das spannende Thema der Judenverfolgung auf den Balearen, von dem ich bisher nicht viel gewußt hatte. Ich war doch sehr enttäuscht und meine anfängliche Lesefreude plätscherte leise dahin und verflog mehr und mehr von Seite zu Seite.


 Aus diesem Grunde möchte ich dem Roman mit diesem eigentlich wichtigen  Themenansatz , aber der atmosphärisch verfehlten Beschreibung einer  Historien Zeit leider nur DREI *** STERNE geben. 

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar!  

Montag, 4. Mai 2020

*Im Zeichen des Löwen* von Daniel Wolf, erschienen im Goldmann Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Historischer Roman
Friesen-Saga 1
Erscheinungstermin: 17. Februar 2020

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext: 

Friesland 1351: Schiffe zu bauen – das war schon immer der Traum des junge Zimmermanns Jann Wilken. Mit seinen genialen Ideen will er die Seefahrt revolutionieren und sich in den Häfen der Hanse einen Namen machen. Aber Jann hat es nicht leicht. Er ist der uneheliche Sohn des mächtigen Wilke Tammen Osinga, der den Bastard verabscheut und täglich erniedrigt. Der jähzornige Wilke führt eine Blutfehde gegen seinen Erzfeind Enne Rycken und zieht seine Söhne in den Konflikt hinein. Jann ist seit langem heimlich in seine Jugendfreundin Jorien verliebt. Doch als er ihr endlich seine Gefühle gestehen will, wird sein Dorf von Enne angegriffen, und es kommt zur Katastrophe ...


Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen »Das Salz der Erde«, »Das Licht der Welt«, »Das Gold des Meeres« und »Die Gabe des Himmels« gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer.


Meine Meinung: Dieser fast eintausend (1000) lange Seiten verfasste historische Roman hat mich lange in seinen magischen und spannenden Bann gezogen und gefesselt. Ein ungewöhnliches und für mich relativ neues Thema hat der begabte und junge Autor Daniel Wolf damit aufgegriffen. Es handelt sich um die ersten Anfänge der Hanse-Bewegung im 13. Jahrhundert. Er verfolgt in seinem Buch die Entwicklung eines germanischen Volksstammes an der Nordseeküste gelegen, FRIESEN genannt. Von den heutigen Niederlanden bis Dänemark am Meer beheimatet, hat er diese Volksgruppe mit seinem nie langweiligen, vielfältigen und packendem Schreibstil mitsamt einer hervorragenden Recherche-Arbeit, dem interessierten Leser*rinnen zur Information und vergnüglichem Geschichtsunterricht beim Lesen geschenkt. Karten des Ortes Warfstede , im heutigen Haarlinger Land gelegen, ein fachlich sehr kompetentes Glossar über Schiffbau sowie damalige friesische und maritime Ausdrucksweisen, vervollständigen das Buch aus dem Wissen vom faszinierenden und schwierigen Handwerk der Zimmerleute rund um den Bau der Holzkoggen. 


Die Protagonisten heben sich durch charaktervolle und sehr typische Denkweisen der damaligen Zeit hervor und beeindrucken zusätzlich durch gesunden Menschenverstand und Herzenswärme. Aber der Autor erzählt  auch von unnachgiebiger Härte gegen Natur und Mitmensch, die von den harten und oft bedrohlichen Lebensumständen an der rauen  und unberechenbaren Nordseeküste gefordert wurde. Die Friesen waren immer souverän und fühlten sich frei von Autoritäten, hatten keine Könige, sondern Häuptlinge, die im kleinen Kreis ihre Regierungsgeschäfte führten. 


Diese opulente und farbige Familiensaga entführt den Leser in eine vergangene Welt, die von den Anfängen des Hansebundes geprägt wurde. Vom Handel der Kaufleute und der weiteren Entwicklung der Hanse erfahren wir zwar nicht allzuviel, doch die Familienfehden, Liebes - und Hassgeschichten füllen den Roman mit ausreichendem Leben und spannenden Wendungen. 


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen historischen Roman über die Friesen und das Leben an der stürmischen und unberechenbaren Nordseeküste. 


Herzlichen Dank an den Autor und den Goldmann Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar.

Mittwoch, 29. April 2020

*Leben* von Uwe Laub, erschienen im Heyne Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Heyne Verlag; Auflage: Originalausgabe (13. April 2020)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453439635
ISBN-13: 978-3453439634

Verlagsinfo

Inhalt/Klappentext:

Antilopenherden in Südafrika und Fledermauskolonien auf der Schwäbischen Alb: Weltweit verenden innerhalb kürzester Zeit große Tierpopulationen, ganze Arten sterben in erschreckendem Tempo aus. Experten schlagen Alarm, denn das mysteriöse Massensterben scheint vor keiner Spezies Halt zu machen. Der junge Pharmareferent Fabian Nowack stößt auf Hinweise, dass selbst der Fortbestand der Menschheit unmittelbar bedroht ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, an dessen Ende unsere Erde nie wieder so sein wird wie zuvor.

Uwe Laub wurde 1971 geboren, arbeitete zunächst als Market Maker an der Deutschen Terminbörse, danach mehrere Jahre im Pharma-Außendienst, bevor er 2010 schließlich den Schritt in die Selbständigkeit wagte. Heute hat er eine erwachsene Tochter und lebt mit seiner Frau und seinem Labrador "Marley" in München und Fort Myers/USA. 2013 erschien "BLOW OUT". Der Thriller entwickelte sich zu einem Überraschungserfolg, der es zum Buchtipp im SAT1-Frühstücksfernsehen brachte. Laubs zweiter Roman "STURM" erschien 2018 im Heyne-Verlag, kletterte bis auf Platz 14 der SPIEGEL-Bestseller Liste, wurde von der ZDF heute-Redaktion als einer von zehn lesenswerten Romanen für 2018 ausgewählt und für den Deutschen Phantastikpreis 2019 in der Kategorie "Bester deutscher Roman" nominiert. Laub ist Mitglied im Club der fetten Dichter, einer illustren Runde erfolgreicher Autoren, für die er einen Teil der Mysteryserie "THE WALL" geschrieben hat. Laubs dritter Roman "LEBEN" wurde am 13. April 2020 veröffentlicht, ebenfalls bei Heyne.


Meine Meinung: 

Eine Phiole *Leben* überreicht uns der Autor mit Hilfe einer spannenden und fiktiven Story, so dass es den Leser oft gruselt und er unweigerlich Parallelen zu unserer derzeitigen Realität in der Corona Krise ziehen kann. Der Roman erzählt von folgenden Protagonisten und gliedert sich in drei Teile. Da wären:

Fabian Nowack, der Pharmareferent, der von der neuen Gelbaugen-Krankheit, einer weltweiten Pandemie betroffen ist.

 Mark Brenner,  ein undurchsichtiger Charakter, erledigt diverse Aufträge für Philipp von Cronberg

Philipp von Cronberg,  der Vorsitzender von VC-Pharma

Davina De Boni,  eine Botanikerin und Pharmakologin 

Im ersten 'Teil des Buches wird der erschreckende Ausbruch einer weltweiten Pandemie geschildert, die millionenfaches Sterben von Tieren und Menschen zur Folge hat. Im zweiten Teil begleiten wir Davina de Boni, eine taffe Wissenschaftlerin , bei ihren Erlebnissen im südamerikanischen Dschungel. Und der dritte Teil des Romans bringt uns wieder zurück nach Deutschland in erschreckende Lebenssituationen. 

Ich bin durch das Buch geflogen , angetrieben und angelockt vom sehr gut zu folgendem und flüssigen  Schreibstil des Autors. Manchmal empfand ich seine Beschreibungen als fast zu reißerisch, dann hat er mich wiederum  mit seiner nüchternen und realen Sicht - und Schreibweise gefesselt und überzeugt. Erst erfolgt ein langsames Artensterben, die Natur kapituliert und zieht sich zurück, verändert sich. Dann, im heutigen Zeitalter des Menschen stirbt auch dieser, verliert die Grundlagen zum Überleben auf unserem Planeten. 

Dieser Wissenschaftsthriller ermöglicht kein gemütliches Abtauchen in eine ferne Lesewelt, sondern rüttelt auf, öffnet dem Leser die Augen und lässt eine unheimliche Uhr im Kopf ticken. Es ist fünf Minuten vor 12 Uhr. Ein Wandel des Lebens für alle Erdenbewohner kommt unweigerlich auf uns zu. 


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen  und aufrüttelnden Wissenschaftsthriller. 


Danke an den Autor und den Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplar. 

 


Mittwoch, 8. April 2020

*Wild Game - Meine Mutter, ihr Liebhaber und ich * von Adrienne Brodeur, erschienen im Droemer Verlag

*Werbung, unbezahlt*

Verlagslink
Erschienen am 1. April 2020

Inhalt / Klappentext:

Adrienne / Rennie  hat eine umwerfende, strahlende Mutter, die der Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft ist. Schon ihr Name Malabar strömt reine Exotik aus. Doch Malabar ist auch eine große Egozentrikerin, und als sie sich in den besten Freund ihres Mannes verliebt, macht sie ihre Tochter zu ihrer engsten Vertrauten und stellt auf diese Weise das Mutter-Tochter-Verhältnis auf den Kopf. Bald schon lebt Adrienne ganz für die aufregende Liebesgeschichte ihrer Mutter, statt ihre eigene Jugend auszukosten. Erst als erwachsene Frau ist sie in der Lage, die Mechanismen zu erkennen, die ihr Leben geprägt haben. Und es gelingt ihr, sich mit ihrer Mutter auszusöhnen, die ihr die Jugend gestohlen hat.

Adrienne Brodeur hat acht Jahre als Lektorin bei dem renommierten New Yorker Verlag Harcourt Houghton Mifflin gearbeitet und leitet jetzt ein Programm zur Förderung schriftstellerischen Nachwuchses. Zusammen mit Francis Ford Coppola gründete sie das Magazin Zoeptrope: All story. Adrienne Brodeur ist Autorin des Romans "Man Camp" und schreibt nebenbei für die New York Times. Sie lebt in New York und auf Cape Cod.



Meine Meinung zum Buch: 

Der ungewöhnliche Titel des Buch hat mich sofort magisch angezogen und mein Interesse geweckt. Zudem habe ich in der letzten Zeit immer gute Erfahrungen mit Büchern gemacht, die von einem Lektor*rin verfasst wurden. Adrienne Brodeur hat einen ausgereiften, klaren und fesselnden Schreibstil. Das Buch erzählt autobiografisch, beginnt in einem leichten, ansprechend charmanten Schreibstil, fast in Jugendsprache verfasst, und endet mit einer psychologisch sehr tiefen, bedrückenden und ergreifenden Selbstanalyse des Lebensverlaufes der Autorin. Adrienne Brodeur beschreibt mit offener Ehrlichkeit ihre Mitbeteiligung an einem Betrug. Ihre exzentrische Mutter Malabar betrügt ihren kranken, zweiten Ehemann Charles jahrelang mit seinem Freund Ben. Er ist ein Vertrauter der Familie. Ben und Charles sind seit Jahrzehnten durch eine innige Freundschaft eng miteinander verbunden. 


Die verschiedenen Charaktere der Hauptprotagonisten wurden schlüssig, realistisch und sehr anschaulich dargestellt. Da ist die schillernde, in der Öffentlichkeit stehende Mutter Malabar, egoistisch, und fast kindlich naiv dargestellt in ihrem Wesen. Sie wurde ihrerseits geschädigt durch eine schwierige Kindheit im Dunst einer exotischen Familie und ähnlich geprägten Mutter, die im Indien der Kolonialzeit gelebt hat. Diese Vorstellung nährt Malabar mit Schilderungen ihrer Kindheit gegenüber ihrer Tochter. Der Besitz eines wertvollen Schmuckstückes aus diesem exotischem Land spielt eine grosse Rolle in der ungesunden Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Rennie bewundert kritiklos, verzückt und unreflektiert die Geschichten der Mutter um dieses Collier. Lebenslang.

   

Mit einem Kuss zwischen Ben und Malabar beginnt diese Affäre. Malabar vertraut sich sofort ihrer jungen 14 jährigen Tochter ohne Hemmungen an und macht sie bewusst zur Mitwisserin. Malabar missbraucht das Vertrauen, die Bewunderung sowie die absolute Liebe ihres Kindes Adrienne/Rennie, indem sie die pubertierende Rennie zur Vertrauten und Mitspielerin ihres Betruges verführt. Anstatt ihre Jugend und ihr eigenes Liebesleben zu er-leben, tut Rennie alles um die Affäre ihrer Mutter zu be-schützen. Sie dient freiwillig mit persönlichen Alibifunktionen für Ben und Malabar, obwohl sie ihren Stiefvater Charles sehr liebt. Gewissensbisse ihm gegenüber spült sie mit ihrer Schwärmerei für die romantische, neue Liebe ihrer Mutter hinweg. 


Charles erscheint dem Leser lange Zeit unwissend über dieses Geschehen. doch im Rückblick als erwachsene, reife Frau sieht Rennie sein Leben und Verhalten schon aus einer anderen Sichtweise. Alles was nicht ausgesprochen wurde - erschien ihr nun im Rückblick als unterschwellig, schwer benennbare unheilvolle Schwingung im Familienleben. Je älter Rennie wird, desto mehr belasten sie diese alten Geheimnisse,  zumal sie nun zunehmend ihr Verhältnis zur Mutter differenzierter und objektiver sehen kann. Das ist eine sehr interessante Entwicklung für den Leser und baut sich immer stärker auf.  Interessante und genau beschriebene Nebenprotagonisten wie Ben's Ehefrau Lilli, Ben selber und Rennie's Bruder runden das Bild der beteiligten Personen  in diesem Familiendrama gut ab. Alkoholexzesse im Familienleben, die Lage des gemeinsamen Heimes am Meer,  sowie eine Feinschmecker Küche geben dem Buch Esprit und Atmosphäre, da Malabar auch auf diesem Fachgebiet absolut brilliert. 

Die Lektüre ist unglaublich spannend, wandelt sich und hat mich in einen enormen starken Lesesog gezogen. Nach dem Beenden fühlte ich mich angestrengt, ausgelaugt aber trotz allem sehr gut unterhalten - fast wie in einem Krimi. So muss Belletristik sein: ehrlich, unterhaltend und spannend - eben aus unserem reichen und buntem Leben mit allen Schattierungen, Höhen und Tiefen versehen!


Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen grossartigen Roman!

Vielen Dank für diesen absoluten Lesegenuss an die Autorin und den Droemer Verlag.      


 


Montag, 6. April 2020

*Ausgemustert* von Susanne Fröhlich, erschienen im Knaur Verlag

*Werbung, unbezahlt*
Infolink zum Verlag

Erscheinungstermin: 03.02.2020

Inhalt/Klappentext: Was tun, wenn der Mann nach zwanzig Ehejahren plötzlich für eine viel Jüngere das gemeinsame Leben verlässt? Wenn einem mit Ende Vierzig, einer halbwüchsigen Tochter und einem Teilzeitjob ein Single-Dasein aufgedrängt wird, das man sich so ganz sicher nicht freiwillig ausgesucht hätte? Wenn Nachbarinnen plötzlich auf Distanz gehen, weil man als Venusfliegenfalle für brave Ehemänner gilt? Und nicht mal die eigenen Eltern Mitleid haben? Da hilft nur der Kaltstart in ein neues Leben und den Zumutungen des alten die Stirn zu bieten. Mit einem Tinder-Account und Männern, die die Suche nach dem Glück auch noch nicht aufgegeben haben.

Susanne Fröhlich ist eine der bekanntesten Autorinnen Deutschlands. Die Schriftstellerin, Journalistin und Moderatorin arbeitet unter anderem für den hessischen Rundfunk. Seit 2005 moderiert sie die MDR-Literatursendung „Fröhlich lesen“. Sowohl ihre Sachbücher wie "Fröhlich fasten" und Romane, zuletzt "Verzogen", wurden alle zu Bestsellern, darunter das „Moppel-Ich“ mit über 1 Million verkauften Exemplaren. Susanne Fröhlich lebt in der Nähe von Frankfurt am Main.



Meine Meinung zum Buch: 

Kann ich ein Buch ausmustern , welches mir nicht besonders gut gefallen hat, welches mich nicht begeistert oder gar berührt hat? 

Ich kann!  Denn diese vielen Fragen, die auf jeder Seite des Buches auftauchen, in denen die Hauptprotagonistin Uli Vorwürfe an sich, die Welt im Allgemeinen und an ihren Ehemann stellt, sind sicher berechtigt, aber sie haben mich auf Dauer irritiert, meinen Lesefluss gestört und haben dem Schreibstil der bekannten Autorin in meinen Augen nicht gut getan. Das Buch liest sich trotz diesem Kritikpunkt locker, flockig, schnell und gefällig in kurzen und einfachen Satzgebilden. Es stellt keine schwierigen Anforderungen an den Leser, ausser dass es vielleicht einiges an Geduld fordert. Der Jammerton, indem Uli von ihrem Ungemach, dem plötzlichen und unerwarteten Ausbruch ihres Mannes aus ihrer Ehe berichtet, ist sehr verständlich,  appelliert voll an das Mitgefühl und die Solidarität aller Frauen (und Männer). Sie hat mir sehr leid getan und ich konnte ihre ungestümen Zornesausbrüche und Alkohol Exzesse in der Öffentlichkeit gut nachvollziehen. 


Zum Glück für den Leser und die Protagonistin, befreit sie sich von dem Einfluss und  Forderungen ihres dominanten Ehegatten, findet langsam aus ihrem Dilemma heraus, wobei die schöne Insel Mallorca sowie neue Bekanntschaften, die sie dort knüpft, ihr aus ihrem Stimmungstief hoch helfen. Ein bekanntes Dating Portal  im Internet eröffnet ihr eine ganz neue Sicht auf die Partnerfindung und sie (er)lebt so halbwegs immer mehr ein freies , aber eben doch ungewohntes Single-Dasein. Ihre psychisch sehr labile Gemütsverfassung und das verletzte Gefühl in das Vertrauen und die Sicherheit einer Ehe werden durch diese neuen Erfahrungen etwas abgemildert und geheilt. 

  

Ich habe mich mit dieser Lektüre ganz nett amüsiert und gebe diesem guten und humorvollen Buch eine Leseempfehlung von  DREI *** Sternen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Knaur Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar.