Dienstag, 10. September 2024

*Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland* von Sarah Brooks - erschienen im C.Bertelsmann Verlag

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am:

24.07.2024

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INHALT/KLAPPENTEXT: Es ist das Ende des 19. Jahrhunderts, und nichts fasziniert die Menschen so sehr wie die geheimnisvollen und angsteinflößenden Wunder des Ödlands. Nichts berührt diese riesige, verlassene Wildnis zwischen China und Russland außer dem Transsibirien-Express, der jeden befördert, der es wagt, das Ödland zu durchqueren. Es gibt jedoch Gerüchte, dass der Zug nicht mehr sicher ist. Wer sich nun auf diese Reise begibt, hat seine ganz eigenen, verborgenen Gründe dafür: eine trauernde Frau mit fremdem Namen, ein Kind, das im Zug geboren wurde, und ein in Ungnade gefallener Naturforscher. Doch mehr und mehr scheint es, als würden die Gefahren des Ödlands ihren Weg ins Innere finden … 

Sarah Brooks hat in China, Japan und Italien gearbeitet und ist nun an der Universität von Leeds tätig. Für ihren Debütroman »Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland«, der schon vor Veröffentlichung für große Begeisterung gesorgt hat, wurde sie mit dem Lucy Cavendish Fiction Prize ausgezeichnet. Der Roman erscheint in über 15 Ländern.


Meine Meinung zum Buch: 

Die ungewöhnlich schöne Ausstattung des Covers und auch die Abbildung des interessanten Zuges im Innenteil  des gebundenen Buches hatten mich sofort begeistert und ich wollte das Buch unbedingt lesen. Ich hoffte auf einen spannenden Reisebericht, vielleicht eingebunden in einen aufregenden Roman. 

Doch es kam beim Lesen ganz anders wie erhofft. Ich fand mich wieder in einer fiktiven Fantasy Geschichte mit  unheimlichen Horrorphasen, oder war es ein Abenteuerroman oder gar ein Kriminalroman? Ich kann es immer noch nicht sagen, denn es war eine obskure Mischung aus allen drei Gattungen, die mich nicht vom Schreibstil der Autorin in ihrem Debüt Roman überzeugen konnten. Der Text lässt sich zwar ganz flott lesen, doch die Erzähl Perspektiven von drei wichtigen Reisenden wechseln laufend und verwirren immens. Der Roman lebt von unheimlichen Gerüchten, Angstvorstellungen vom Tod auf der Reise, den man erleidet, sobald man den Zug verlässt, der übrigens hermetisch nach der Abfahrt verschlossen wird.  Der Zug darf nie halten! Niemand kann und darf nach der Abreise im Ödland ein- oder aussteigen. Imaginäre *schwarze Krähen* als Wächter der Eisenbahngesellschaft eingestellt,  spionieren jedes Geschehen und das Verhalten aller  mitfahrenden Personen aus.  Und das auf einer Strecke von China bis Moskau im Jahr 1899. Die Zuggäste fahren in drei Klassen, wobei die Gäste der dritten Klasse dahinvegetieren und kaum einen Raum in der Geschichte einnehmen. 

Sympathisch erscheint WEIWEI, ein sogenanntes Zugkind, dessen Mutter bei der Geburt im Zug verstarb. WEIWEI hat den Zug nie verlassen wuchs dort auf, vom Zugpersonal verhätschelt und verwöhnt. Sie weiss alles, kennt alles im Zug und beobachtet alles.  Ihre beste Freundin ist eine echte Bewohnerin und mysteriöse Gestaltwandlerin des Ödlandes mit Namen Elena, die sich in den Zug geschmuggelt hat. Wir lernen Henry Grey kennen, ein Wissenschaftler, der den Geheimnissen des Zuges auf die Spur kommen möchte, allein schon um sich und seine verkannten Forschungen zu rehabilitieren. Und da ist noch die trauernde Marya Petrovna, die sich heimlich eine neue Identität verschafft hat. 

Das Entsetzen steigt bei allen Reisenden, als sie merken, dass der Zug auch Einfluss auf ihre Psyche nimmt und jeden verändert. Mystische Halluzinationen und Ohnmachtsanfälle befallen die Reisenden wie eine Pandemie. Die Aussenwelt hinter den Scheiben stellt sich immer bedrohlicher dar, zum Beispiel mit wechselnden schaurigen Tierhorden und Fantasymonstern, die neben dem Zug daherjagen. Die Landschaft verändert sich unheimlich, unvorhersehbar. Sie liegt öde und verlassen oder auch mit einer unbekannten Pflanzenwelt dar vor den Augen der Reisenden. Ein Trinkwassermangel bringt alle Reisenden an den Rand der Verzweiflung, den auch die Zugführerin *CAPTAIN* gennant,  mit ihren Bemühungen kaum beheben kann. Eine Katastrophe jagt die nächste,,,,,,

Für mich war es kein traumhaftes Lesevergnügen, sondern eher ein wirrer Albtraum, den ich zum Glück immer wieder mit Lesepausen an die Seite schieben konnte. 

MEINE BEWERTUNG : DREI *** STERNE für dieses ungewöhnliche Buch. 

Vielen Dank an die Autorin und den Verlag für das äusserlich schöne, aber ansonsten unheimliche und ungewöhnlich geschriebene  Rezensionsexemplar.



 

Montag, 9. September 2024

*Irish Love - vom Glück geküsst* von Josie Donovan - erschienen im Heyne Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*


Erschienen am 10.7.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Allie Malone ist die einzige Tochter des letzten Matchmakers von Irland. Sie arbeitet in London und steht kurz davor, mit ihrem Freund Giles in die USA auszuwandern. Ihrem idyllischen Heimatdorf im County Clare und dem dort jährlich stattfindenden Matchmaking-Festival hat sie schon seit einiger Zeit den Rücken gekehrt. Als ihr Vater einen Herzinfarkt erleidet, ist Allie jedoch gezwungen, seine Rolle als Matchmaker einzunehmen. Die Rückkehr in den kleinen Ort an der irischen Küste, in dem jeder jeden kennt, zwingt Allie dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Begegnung mit dem attraktiven Landarzt Jake wirbelt ihre Gefühle zusätzlich durcheinander, und plötzlich stellt Allie alles infrage: ihre Beziehung zu Giles, ihre Arbeit und ihre Zukunft. Und sie fragt sich, was Liebe eigentlich bedeutet ...

Josie Donovan schreibt Wohlfühlromane voller Herz und Humor. Sie lebt in den österreichischen Alpen, nutzt aber jede erdenkliche Gelegenheit, um auf die Britischen Inseln zu reisen und dort nach inspirierenden Orten und neuen Geschichten Ausschau zu halten.

Meine Meinung zum Buch: Cover und Titel halten das, was sie versprechen! Eine  Liebelei, sowie unbeschwerte und leichte Lesestunden zum Eintauchen und Abschalten in die stimmig beschriebene Landschaft von Irland's Westküste. 

Ja, was ist ein Matchmaker? Vielleicht habt ihr euch das gefragt beim Lesen des Klappentextes. Das werdet ihr sehr schnell herausfinden ;-) . Diese alte Tradition gibt es tatsächlich schon sehr lange auf der grünen Insel. Ich erkläre es in kurzen Worten. Eine markante und allwissende Persönlichkeit ( hier ist es Allie Malone , eine Frau) und ein Buch mit Adressen und Telefonnummer gespickt,  geben Hinweise zum Kennenlernen passender Ehe und/oder Liebespartner. 

Die Autorin hat ein typisch irisches Flair in ihrem Wohlfühlroman erschaffen. Es gibt salzige Seeluft, Wind und Wellen,  Klippen, jede Menge Schafe, niedliche Cottages und sehr freundliche und hilfsbereite Menschen , die ihr Dorf auf dieses alljährlich stattfindende Festival vorbereiten. 

Der lockere Schreibstil der österreichischen Autorin zeugt von viel Kenntnis der irischen Verhältnisse und ist mit netten,  humorvollen Anekdoten gespickt. Viel mehr möchte ich gar nicht verraten um nicht zu Spoilern. Einzig die blass und leidenschaftslos gezeichnete Figur des Tier- und Menschenarztes Jake hat mir nicht zugesagt, sowie einige Unstimmigkeiten beim Bezeichnen der Meere, die das grüne Inselparadies IRLAND umgeben. 

Meine Bewertung für diesen Wohlfühl Roman aus dem Genre *Liebe* möchte ich mit guten DREI *** Sternen kennzeichnen.  

Herzlichen Dank an die Autorin und den Heyne Verlag für die Zusendung des TB Rezensionsexemplars. 

Dienstag, 3. September 2024

*Café Royal* von Marco Balzano - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

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Hardcover Leinen 192 Seiten 

erschienen am 21. August 2024 

978-3-257-07302-7 

INHALT/KLAPPENTEXT: Mailand im Sommer 2020: Die sonst so lebendige Via Marghera wirkt wie ausgestorben. Nur das Café Royal ist geöffnet. Man trifft sich vorsichtig, auf Abstand – und ist doch so froh, dass menschliche Begegnungen wieder möglich sind. Auch der Schriftsteller Michele hebt den Blick vom Bildschirm, verlässt das Haus und findet Gesellschaft, die seine Fantasie entfacht. Langsam kehrt wieder Leben in das Café Royal ein. Und in die Menschen, die es besuchen.

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Mit seinem Roman ›Das Leben wartet nicht‹ gewann er den Premio Campiello. Mit ›Ich bleibe hier‹ war er nominiert für den Premio Strega, in Italien und im deutschsprachigen Raum war das Buch ein großer Bestseller. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

Auszeichnungen
 Ich bleibe hier für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2020
 ›Prix Méditerranée étranger‹ für Je reste ici (Resto qui), 2019
 ›Premio Bagutta‹ für Resto qui, 2019
 2. Platz des ›Premio Strega‹ für Resto qui, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix Femina‹, 2018
 Je reste ici (Resto qui) in Frankreich auf der Shortlist des ›Prix du roman FNAC‹, 2018
 ›Premio Asti d’Appello‹ für Resto qui, 2018
 ›Premio Campiello‹ für L’ultimo arrivato, 2015

Meine Meinung zum Buch: Das *Café Royal* ist nicht mein erstes Buch des interessanten und begabten Schriftsteller Marco Balzano und  diese Lektüre als Roman zu bezeichnen ist etwas ungewöhnlich. Denn es sind achtzehn Kurzgeschichten die uns der Autor schenkt, die auf verschiedene Art und Weise miteinander verbunden sind. Die Titel der achtzehn Geschichten sind auf Namen  von Personen beschränkt, die durch Erlebnisse, Bindungen, Besuche im *Café Royal* miteinander verwoben sind. Diese leichte *Romanentwicklung* erschließt sich dem aufmerksamen Leser*in allerdings erst nach und nach beim Lesen. Trotzdem kann man jede dieser Kurzgeschichten auch für sich allein gesehen geniessen. Das hat mir gut gefallen.

Der Schreibstil des Autors liest sich sehr angenehm , gefällig und er versteht es den Leser schnell und sehr bildhaft in seine Welt der Geschichten und Gedanken unterschiedlichster Protagonist*innen hineinzuziehen. Er beschreibt einen aktuellen Zeitgeist, geprägt durch die Corona Pandemie, der sich in diesem Café in Mailand perfekt zwischen den Menschen spiegelt und die Stimmung in einer  Grossstadt wiedergibt. 

Meine Bewertung: FÜNF***** Sterne für diesen Roman aus dem Genre Gegenwartsliteratur. 

Vielen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplars.      

Mittwoch, 28. August 2024

*Mein drittes Leben* von Daniela Krien - erschienen im Diogenes Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erschienen am 21.8.24

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024!

Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten – die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.

Daniela Krien, geboren 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommunikations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 2010 ist sie freie Autorin. Ihre Romane ›Die Liebe im Ernstfall‹ und ›Der Brand‹ standen monatelang auf der Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Daniela Krien hat zwei Töchter und lebt in Leipzig.


Auszeichnungen

 Englische Übersetzung von Der Brand auf der Longlist des ›Dublin Literary Award‹, 2024

 Irgendwann werden wir uns alles erzählen für den ›Deutschen Drehbuchpreis‹ nominiert, 2022

 Der Brand für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2021

 Die Liebe im Ernstfall auf der Shortlist für den Literaturpreis ›Text & Sprache‹ des Kulturkreises deutsche Wirtschaft, 2020

 ›Sächsischer Literaturpreis‹ für ihre bisherigen Prosawerke, 2020

 Die Liebe im Ernstfall für ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2019

 ›Nicolas-Born-Debütpreis‹ für Muldental (Erzählband), 2015


Vorsicht, Spoiler- und Triggerwarnung! Die Themen TOD EINES KINDES, TRAUER, WERDEN AUSFÜHRLICH UND SEHR BERÜHREND BESCHRIEBEN IM BUCH. 

Meine Meinung zum Buch:
*Wie verletzlich ist doch unser Leben*, Dieser Satz  kam mir beim Lesen dieser Lektüre immer wieder in den Sinn. Als ich begriff worum es in diesem Buch ging , musste ich weinen. Aus Trauer um ein junges Leben , aus Mitgefühl mit den Eltern und Freunden. Das passiert mir nicht oft beim Lesen, aber diesmal war mein Kopfkino zu plastisch , zu real.
Es lag  natürlich an der Thematik und am für mich perfekten und ausgereiftem  Schreibstil der Autorin. Sie beschreibt Gefühle sehr intensiv und bildhaft,  so dass ich in einen wilden  Strudel von Trauer und Leiden mit in diese Geschichte hineingerissen wurde. 

ZITAT Seite 29 : " Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. ( Guy de Maupassant) . Aber hier, in meinem dritten Leben, sind es nicht die Menschen. Es sind die Tiere und Pflanzen und der Wind und die Bilder der Toten an den Wänden. " 

Linda, die nun kinderlose Mutter und Ehefrau erträgt niemanden mehr in ihrer Umgebung. Auch nicht ihren Ehemann Richard, der eigentlich doch die innigste Verbindung zu ihrer gemeinsamen  verunglückten Tochter für sie ist. Linda zieht sich zurück, verlässt Leipzig, die gemeinsame Wohnung dort und zieht in das Haus einer alten verstorbenen Frau auf einem Dorf.  Sie übernimmt sogar den Hund Kaja der Frau Adomeit , bewirtschaftet einen Garten und züchtet Hühner. Kurze notwendige Kontakte zu Nachbarn erträgt sie gezwungenermassen. Doch plötzlich treten Natascha und ihre behinderte reizende Tochter Nine singend und fröhlich in ihr Leben. Langsam entsteht eine neue Freundschaft zwischen den Frauen , die Linda langsam aus ihrer Trauer ausgräbt. Es spielen natürlich noch viele andere Personen aus Linda's früherem Leben eine Rolle im Buch, massgeblich auch für ihr persönliches neues Empfinden  gegenüber ihrem Beruf im künstlerischen Bereich, ihren Freundschaften, all den kleinen äusserlichen Freuden des Lebens beim Einkaufen, Essen, Kontakten und Beziehungen.  Auch die Beziehung zur eigenen  Mutter, ihr früheres Handeln wird milder und verständlicher für Linda. 

Richard versucht immer wieder seiner Frau beizustehen, erreicht sie seelisch immer seltener und findet in einer neuen Beziehung zu Brida ein neues kleines Glück. Doch die Zuneigung und  jahrzehntelange Liebe von Linda und Richard übersteht auch dieses ausergewöhnliche Zwischenspiel. Mehr möchte ich hier nicht preisgeben,,,,,

Dieses grossartige  Buch ist eine  absolute  Leseempfehlung mit FÜNF ***** Bewertungssternchen. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Diogenes Verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

Montag, 26. August 2024

*AM SEE* von MARIA BARBAL - erschienen im Blessing Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

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Erschienen am 3.4.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Für die zwölfjährige Nora gibt es nichts Herrlicheres, als die Sommersonntage an einem See in den katalanischen Pyrenäen zu verbringen. Schwimmen ist ihr größtes Vergnügen und sie liebt die ruhige Weite des Wassers mit seinem ständig wechselnden Farbspiel. Außer Quim, der quirlige fünf Jahre alt ist, sind alle in der Gruppe, die sie begleitet, erwachsen. Sie alle bergen Sehnsüchte und Verletzungen in sich, die sich wie in einem Brennglas an diesem friedlichen Ort bündeln. Nora versteht längst nicht alles, was sie beobachtet, doch das, was an einem dieser Sommertage geschieht, wird für sie das Erwachen aus der Kindheit bedeuten.

Maria Barbal ist eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Stimmen der katalanischen Literaturszene. Geboren 1949 in den Pyrenäen, lebt und schreibt die mehrfach preisgekrönte Autorin heute in Barcelona. Ihr Debüt »Wie ein Stein im Geröll« wurde in 16 Sprachen übersetzt und gilt als moderner Klassiker. Auch ihr zuletzt erschienener Roman »Die Zeit, die vor uns liegt« begeisterte Leser*innen und Presse.

Meine Meinung zum Buch: 

Der Höhepunkt der Woche für die zwölfjährige Nora ist der sonntägliche Ausflug mit der kleinen Bahn zum herrlich gelegenen Stausee in den Pyrenäen. Ausser dem fünfjährigen Quim ist sie das einzige Kind in einer Gruppe von Erwachsenen. Es sind Freunde, Verwandte, die gemeinsam einen ruhigen Nachmittag in der Hitze des Sommers am See geniessen möchten. Nora lebt noch in ihrer Kinder-Welt, schaut aber schon genau auf die Erwachsenen, beobachtet ihr Verhalten und ihre Unterhaltungen. Der quengelnde Quim nervt und stört sie insgeheim. Eifersüchtig versucht sie ihn zu ignorieren.

Die Autorin hat einen ganz leisen, ruhigen und in wunderschöner klarer Sprache gehaltenen  Roman geschrieben, der ehrlich  die Beziehungen der Gruppe und ihrer Menschen mehr und mehr untereinander aufzeigt . Poetische Naturbeschreibungen des Sees mit seinem  ursprünglichem Uferbewuchs von Pappeln, Brombeersträuchern, Zürgelbäumen , kleinen Feigenbäumen und dem Schilfrohr verzaubern und schaffen eine einmalige Sommeratmosphäre. 

 Die Zwanzig Kapitel vermitteln einen wunderbar stimmigen Eindruck vom Erleben eines Kindes, schon ausgestattet mit einem scharfen Blick auf die Welt der Erwachsenen, deren unausgesprochenen Sorgen , Nöten, Erwartungen und Freuden an das Leben. Zu Beginn jeden Kapitels berichtet Nora als Ich-Erzählerin kurz - in Kursivschrift gehalten -  von ihren Beobachtungen und eigenen Gedanken über das Geschehen am See und innerhalb der Gruppe. Je weiter man in den Kapiteln voranschreitet, desto klarer zeigen sich für die Leser*in Gefühle, Beziehungen und daraus folgende Handlungsweisen der Erwachsenen aus drei Generationen untereinander. Auch für die junge Nora ist das eine neue und aufregende Erfahrung. Sie lernt sich selber besser kennen wie auch die Bedeutung von Schuld und Scham, welche in so jungen Jahren schon plötzlich sichtbar werden für sie. Die Freundschaft mit der attraktiven Lídia empfindet Nora als besonderes Geschenk, denn sie hat ihr das Schwimmen beigebracht..... 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diese berührende und wunderbare Geschichte. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Blessing Verlag für das gebundene Print-Rezensionsexemplar. 

Samstag, 24. August 2024

*Genau so, wie es immer war* von Claire Lombardo - erschienen im dtv -Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

ISBN : 978-3-423-28417-2

Erscheinungsdatum: 15.08.2024 

1. Auflage

720 Seiten

Format : 12,8 x 21,0 cm

Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Sylvia Spatz

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INHALT/KLAPPENTEXT: Manchmal kann Julia Ames es gar nicht fassen, was für ein unwahrscheinlich schönes Leben sie führt. Mit Mark hat sie seit Jahrzehnten einen liebenden Ehemann an ihrer Seite, zusammen haben sie zwei Kinder in die Welt gesetzt, auf die sie stolzer nicht sein könnte. Doch Glück ist nur ein vorübergehender Zustand, wie Julia schnell feststellen muss – Familie bleibt einem hingegen ein Leben lang erhalten.

Sohn Ben schockiert seine Eltern bei einem Besuch mit einer folgenschweren Nachricht. Tochter Alma ist kurz davor, aufs College zu gehen, was eine ungewohnte Angst vor dem leeren Nest in Julia weckt. Und beim Einkaufen trifft Julia zufällig auf eine Frau, die sie seit fast 20 Jahren nicht mehr gesehen hat – einst war die mütterliche Freundin ihre Rettung, bevor sie einer Katastrophe den Weg ebnete. Gefangen zwischen ihrer bewegten Vergangenheit und der chaotischen Gegenwart verliert Julia zunehmend die Kontrolle.

Claire Lombardo, 1989 geboren in Oak Park, Illinois, arbeitete als Sozialarbeiterin und PR-Agentin, bevor sie am renommierten Iowa Writers' Workshop studierte. Ihr Debütroman ›Der größte Spaß, den wir je hatten‹ war ein New York Times-Bestseller, wurde für den Women's Prize for Fiction nominiert und in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Sie lebt in Iowa City.

Meine Meinung zum Buch: 

Die siebenhundert Seiten dieses Romans haben meinen Lesefleiss - und Fluss ganz schön gefordert. Ich bin der jungen Julia und der gereiften  Ehefrau und Mutter der späten Jahre  in vielen Rückblicken auf ihr Leben mit ihren für mich oft zwiespältigen  und unverständlichen Gefühlen und Gedanken interessiert begegnet. 

Beim Lesen des Klappentextes vermutet man nicht diese kühle und komplizierte, oft zerbrochene, toxische,  ja sogar fast bösartige Persönlichkeit von Julia Ames, deren Charakter  Claire Lombardi mit viel psychologischem Fingerspitzengefühl für die Leser*in erschaffen hat. Fünfhundert Seiten erklären zwar viele Handlungen und Gegebenheiten aus dem Leben und der Ehe der Julia aus Jugendzeiten und Alter, doch es war in meinen Augen einfach zu langatmig beschrieben. Immer wieder versinkt die Protagonistin  in Selbstmitleid, jammert laufend über die kalte Beziehung zu ihrer alkoholkranken Mutter. Sie verknüpft und entschuldigt zu viele ihrer in meinen Augen merkwürdigen Entscheidungen und mentalen Empfindungen mit den Erlebnissen aus der toxischen Beziehung zur Mutter. 

Die letzten zweihundert Seiten hätten nach meinem persönlichem Empfinden an den Anfang der Erzählung gehört und so diese umfangreichen und umständlichen Erklärungen und Suchen nach Gründen für bestimmte Verhaltensweisen in fünfhundert Seiten ein schnelleres und klareres Ende bereiten können. Der Roman hat zwar eine unterhaltende und flüssige Erzählweise , aber er ist einfach zu lang. Die Autorin hat sich aus meiner Sicht zu sehr in den psychologischen Erklärungen von Julias Verhalten verloren. 

Depression und Schuld haben Julias Leben geprägt und auch die Leser*in in diese unglückliche Spirale hineingerissen. Das Aufflackern der immer wiederkehrenden mütterlichen Liebe und Zuneigung zu ihren Kindern und Ehemann Mark kann diesen Aspekt im Roman kaum heilen. Leider. Denn das Familienleben kann schön, erfüllend und auch im Alter noch befriedigend sein, trotz aller Widrigkeiten mit Familienangehörigen und der eigenen Psyche.  

Meine Bewertung: DREI *** gute Sterne für diese zu lange Ausführung eines komplizierten Frauen - und Familienleben.  

Vielen herzlichen Dank an die Autorin und den dtv-Verlag für die schnelle Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar. 

 


Mittwoch, 14. August 2024

*Malnata* von Beatrice Salvioni - erschienen im Penguin Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

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Erschienen am 15.5.24

INHALT/KLAPPENTEXT: Unter der sengenden Sonne der Lombardei im Jahr 1935 begegnet Francesca zum ersten Mal Maddalena, die von allen im Ort nur »Malnata« genannt wird: »Die Unheilbringende«. Francesca – zu Konformität und Gehorsam erzogen – ist sofort fasziniert von dem barfüßigen Mädchen, dessen Hände immer schmutzig sind, die Augen voller Trotz. Entgegen allen Warnungen freundet sich Francesca mit Maddalena an und lernt mit der Zeit, den Lügen der Erwachsenen zu misstrauen. Doch in einer Gesellschaft, die keinen Platz hat für weibliches Freiheitsdenken, ist jedes falsche Wort und jede unfolgsame Tat eine Gefahr …

Beatrice Salvioni, geboren 1995, studierte Literatur an der Universität Mailand und besuchte dann in Turin die renommierte Schreibschule Holden, gegründet von Alessandro Baricco. Sie hat bereits mehrere Erzählungen geschrieben, von denen eine mit dem Premio Calvino ausgezeichnet wurde. 2021 erregte das literarische Debüt der jungen Autorin große internationale Aufmerksamkeit. La Malnata wurde noch vor Erscheinen in Italien zu einem literarischen Ereignis und verkaufte sich innerhalb weniger Wochen in 20 Länder; inzwischen sind es 35.


Meine Meinung zum Buch:

 So finster wie die junge Frau auf dem Cover schaut ist auch die Thematik des Romans.  Das Bild zeigt wohl   *die Unheilbringende* (ital. Malnata) Maddalena Merlini oder vielleicht doch die beobachtende brave Freundin Francesca Strada , Tochter eines Hutfabrikanten, aus einem *guten und wohlhabenden* Hause stammend ? Diese Interpretation des Covers sei jedem Leser*in selbst überlassen. 

Wir tauchen ein in eine dunkle Zeit Italiens und schreiben das Jahr 1935. Der aufkommende, immer stärker werdende Faschismus ist allgegenwärtig und  streckt seine Hand in alle Schichten der Gesellschaft aus. Zwei junge Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsklassen begegnen sich. Die zwölfjährige Francesca sucht sehnsuchtsvoll den Kontakt zur armen, unbändigen und anscheinend frei lebenden Maddalena, die in Monza von einem grossen Teil der Bevölkerung verachtet und gemieden wird. Der Aberglaube an *das Böse* in *Unglücksbringerinnen* wie der jungen Malnata ist allgegenwärtig , die Macht der katholischen Kirche  ist ungebrochen. Konservative Regeln engen Familien und auch Kinder streng ein. Francesca verfängt sich in grässlichen Schuldgefühlen und ängstlicher Schüchternheit, wenn sie nur ein Bild von Jesus irgendwo sieht, wie es zum Beispiel im Schlafzimmer ihrer Eltern hängt. Doch Maddalena widersetzt sich allen, speziell für Mädchen erschaffenen Regeln der Erwachsenen. Sie spielt unbefangen mit Jungen barfuss am Fluss und lehnt die Schulbildung ab. Francesca beobachtet und  bewundert die *Malnata* und kämpft um deren Zuneigung und Freundschaft. 

Zitat Seite 62: " In der Welt der Malanta wetteiferte man darum, von Katzen gekratzt zu werden. Schmerz leckte man sich einfach zusammen mit dem Blut von der Haut. Eine Welt, in der man nicht spielen konnte , jemand anders zu sein, und in der man Männern und Jungs in die Augen sah, wenn man mit ihnen sprach. "

Der Erzählstil von Beatrice Salvioni ist flüssig, kraftvoll und erzeugt beim Lesen ein buntes und klares Kopfkino. Man wird gefesselt von den Aktivitäten der beiden Mädchen und erlebt sehr direkt die Entwicklung einer warmen und herzlichen Freundschaft zwischen den Kindern. Doch es sind fast keine Kinder mehr, sie stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden und beobachten kritisch und hinterfragend ihre heuchlerischen Eltern und Erzieher*innen. Salvioni gibt den beiden Mädchen im Roman eine fast feministische Denkweise . Sie sehen scharf die Klassenunterschiede in ihrer Stadt und die Werkzeuge der politischen Unterdrückung des Faschismus. Die Autorin hat es geschafft historische Ereignisse und persönliche Schicksale in diesem Roman eng zu verknüpfen und vermittelt dadurch eine unbedingte Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit. Die Familien Strada und Merlini leiden durch den Krieg, die allgemeine Verarmung und dem Verbiegen ihrer eigentlichen Gesinnung und Menschenwürde, durch ihre Anpassung an das faschistische Regime.  

Maddalena und Francesca bestimmen letztendlich durch tragische Geschehnisse ihrer Familien , ausgelöst auch durch den Krieg in Abessinien, ihren persönlichen Weg. Ihre innere Haltung wird gefestigt und so treten sie selbstbewusst  ihren weiteren, sicher schweren Lebensweg an.... 

Ich gebe dem Buch gern eine Leseempfehlung von FÜNF ***** Sternen und bedanke mich bei der Autorin und der Penguin Randomhouse Verlagsgruppe für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar.  


Dienstag, 13. August 2024

*Die Zeit der Zikaden* von Moritz Heger - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Hardcover Leinen

304 Seiten 

erschienen am 26. Juni 2024 

978-3-257-07274-7 


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Inhalt/Klappentext: Für Alex beginnt der Ruhestand. Doch statt Ruhe plant sie den Aufbruch ins Ungewisse: Mit einem Tinyhouse auf Rädern will sie alles Gewohnte hinter sich lassen. Johann, Mitte fünfzig, sucht den Ausbruch aus einem fragwürdig gewordenen Beruf und einer erkalteten Ehe. Ein ererbtes Steinhaus in Ligurien scheint ein guter Ort dafür zu sein. Alex folgt Johanns Einladung: Zwei nicht mehr junge und sehr verschiedene Menschen wollen an diesem Sehnsuchtsort die nächste Lebensetappe angehen.

Moritz Heger, geboren 1971 in Stuttgart, studierte Germanistik, evangelische Theologie und Theaterwissenschaft in Mainz, erhielt 2007 den MDR-Literaturpreis und den zugehörigen Publikumspreis. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer an einem Stuttgarter Gymnasium. 2021 erschien sein Debüt beim Diogenes Verlag, ›Aus der Mitte des Sees‹.


Auszeichnungen ›MDR-Literaturpreis‹ mitsamt Publikumspreis, 2007


Mein Leseeindruck zum Buch: Das handlich gebundene Buch von ca. dreihundert Seiten habe ich gerne und schnell durchgelesen, da mich die Thematik des *Altern im Ruhestand* magisch angezogen hat. 

Zitat , Seite 114 : "Was will sie sein? Sie wollte raus sein, will es noch, und leidet doch darunter. Bei Lichte betrachtet, ist es bei ihr kaum weniger vertrackt als bei den jungen Leuten. Mit dem einen Unterschied, sie ist nicht mehr jung. 

Mit dem Tinyhaus hat sie, wie ihr immer klarer wird ein Paket geschnürt, um sich in die Zukunft zu senden. "

Und so schickt sich die allein lebende Lehrerin i.R.  Alex in einen neuen Lebensabschnitt. Sie war beliebt bei den Schülern, anerkannt von Kollegen und Eltern. Auf einer Hochzeit der Schülerin Wiebke lernt sie deren neuen Schwiegervater Johann kennen. Sympathie und Verständnis zwischen den beiden Protagonist*innen entwickeln sich stetig. Johann ist verheiratet, Bestatter von Beruf, malt in seiner Freizeit gern. Er hat ein Steinhaus in Ligurien geerbt und lädt die ledige Alex mit ihrem rollenden Tinyhaus spontan dorthin ein. 

Das Buch hat der Autor in zwei Abschnitte eingeteilt. Der erste Teil nennt sich *LICHTEN* , der zweite Teil heisst *ANKERN*. Der Schreibstil des Autor hat mich im ersten Teil ein wenig angestrengt, da er oft in verschiedenen Situationen hin und her springt , den Leser*in zwar in die Eigenschaften der  Charaktere von Alex und Johann, sowie deren Lebenssituationen einführt - und doch hat mir ein wenig der konstante berühmte *rote Faden* gefehlt.

Im zweiten Teil *ANKERN* habe ich mich sofort wohl gefühlt und auch zurecht gefunden. Die bunte und schöne  Beschreibung von Land und Menschen Liguriens haben mich mit der anstrengenden Einführung des ersten Teil  versöhnt und ich konnte die stimmige Atmosphäre Italiens voll geniessen. Eine stetige und warme Freundschaft zwischen Alex und dem stillen Johann entwickelt sich, er bewundert ihre Unabhängigkeit und Lebenslust, malt sie. Sie träumt in ihrem Tinyhaus , welches im Garten von Johann steht von neuen Theaterprojekten. Bis sie eine Initiative ergreift, die massiv  in Johanns Familienleben eingreift. 

Mehr möchte ich nicht verraten, ich habe das Buch genossen und kann es mit 

VIER **** Sternen zum Lesen an entspannten Sommertagen nur empfehlen. 


Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar mit dem hübschen Cover im bekannten Diogenes-Stil.   



Sonntag, 11. August 2024

*Bleib* von Adeline Dieudonné - erschienen im dtv - Verlag

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

ISBN : 978-3-423-28394-6

Erscheinungsdatum: 13.06.2024 

1. Auflage

256 Seiten

Format : 11,8 x 19,5 cm

INHALT/KLAPPENTEXT: Eine Frau und ihr Geliebter verbringen das Wochenende in einem Chalet in den französischen Alpen. Doch mit einem Mal ist er tot. Außer sich vor Schmerz bleibt die Erzählerin mit seinem Körper zurück. In den Tagen, die folgen, weicht sie ihm nicht von der Seite. Schläft bei ihm, spricht mit ihm, fährt mit ihm auf dem Rücksitz durch die Berge. Und sie beginnt, seiner Ehefrau zu schreiben. In den Briefen erzählt sie die Geschichte einer großen Liebe – und die Geschichte einer Frau, die lernt, selbstbestimmt zu leben.

Adeline Dieudonné, geboren 1982, lebt mit ihren Töchtern in Brüssel. Nach mehreren preisgekrönten Erzählungen und einem erfolgreichen One-Woman-Theaterstück entwickelte sich ihr Romandebüt ›Das wirkliche Leben‹ zu einem großen internationalen Bestseller. Sie wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, ihre Bücher in über zwanzig Sprachen übersetzt. Seitdem erschienen bei dtv der Text ›Bonobo Moussaka‹ sowie der Roman ›23 Uhr 12‹.

MEIN LESEEINDRUCK: Eine grosse Liebe zwischen zwei Menschen wird jäh durch den Tod des Geliebten getrennt und endet plötzlich und unerwartet. Die zurückbleibende Frau ist ausser sich vor Kummer und will sich mit dem Tod ihres Geliebten nicht abfinden. Er ist verheiratet und die Erzählerin der packenden Geschichte vertraut der Ehefrau des Geliebten ihre bislang geheim gehaltene Affäre in einer Art Briefroman an. Sie wechselt in ihren Briefen laufend zwischen ihren  eigenen Erinnerungen und der aktuellen Realität.

Die Autorin hat mit ihrer fesselnden Erzählweise einen packenden und fast fiktiv erscheinenden Roman erschaffen, der mich das Gruseln, aber auch die Annahme des Todes eines geliebten Menschen gelehrt hat. 

Unglaublich und geschickt auf die fast krank erscheinende Psyche der Erzählerin eingehend, sowie ihre Verschleierungstaktiken gegenüber ihrer realen Umwelt bin ich der Autorin fassungslos  gefolgt und konnte kaum glauben, dass eine Frau so mit einem Leichnam umgehen könnte. Das erscheint mir sehr unwahrscheinlich und gibt dem Roman einen grossen Schubs in die fiktive Fantasyliteratur. Trotzdem war es eine spannende und sehr ungewöhnliche Lektüre. Mit einem Leichnam in einem Roadtrip zu Reisen ist nicht wirklich annehmbar - aber doch eine originelle und erschreckende Idee. Teilweise haben mich einige Beschreibungen  wirklich geekelt und mein Verständnis für diese Erzähl-Thematik mit einem Leichnam ist nicht unbedingt gewachsen. 

Im Lauf des Briefromans erfahren wir als Leser*in immer mehr von der Beziehung zwischen ihr und dem toten Geliebten. Die Ehefrau bleibt erstaunlich blass und im Hintergrund, denn die Geliebte kennt sie gar nicht persönlich....

Die eigene Befindlichkeit der Protagonistin rückt immer mehr in den Vordergrund der Geschichte und hat viele Facetten. Wir lernen sie immer besser kennen je länger sie ihre Zeit mit dem Toten verbringt. Irgendwie schafft sie es sich von dem Leichnam  zu trennen - und das ist endlich die Erlösung vom Buch. 

Der Schreibstil der Autorin ist ungewöhnlich geschickt , einnehmend und flüssig zu erlesen. Die Thematik ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. 

Meine Bewertung: VIER **** Sterne für dieses ungewöhnliche Werk.

Herzlichen Dank an die Autorin und den dtv-verlag für die Zusendung des gebundenen Rezensionsexemplar mit einem Lesebändchen. 


 

Mittwoch, 24. Juli 2024

*Bonjour Agneta* von Emma Hamberg - erschienen bei dtv

 

*unbezahlte Werbung*

Verlagslink

SBN : 978-3-423-26386-3

Erscheinungsdatum: 16.05.2024 

3. Auflage

416 Seiten

Format : 13,6 x 21,0 cm

Sprache: Deutsch, Übersetzung: Übersetzt von Wibke Kuhn

INHALT/KLAPPENTEXT: Agneta reicht es. Sie ist 49 und fühlt sich, als ob das Leben an ihr vorbeizieht. Ihre Kinder melden sich nur, wenn sie Geld brauchen, für die Kollegen ist sie unsichtbar und ihren Mann Magnus sieht sie neuerdings nur noch in Radlershorts oder Neoprenanzug. Weißbrot, Käse, Wein – strengstens VERBOTEN. Also alles, was Agneta liebt – und seit Neuestem hinter dem Kühlschrank versteckt. Wenn man sich einfach ins Leben fallen lässt: Emma Hamberg gelingt ein leichtes Buch über eine Heldin, die sich neu erfindet. 

Als sie eines Tages eine seltsame Zeitungsanzeige entdeckt, fasst sie einen Entschluss. Kurz darauf findet Agneta sich in einem malerischen Städtchen in der Provence wieder.Es beginnt ein Abenteuer, in dem sie endlich die Liebe zu sich selbst entdeckt – und vielleicht auch die zu einem anderen Mann.

In Schweden ist Emma Hamberg eine gefeierte Bestseller-Autorin. Zudem verfasst sie Drehbücher für Film und Fernsehen und arbeitet als Illustratorin. Emma Hamberg lebt mit ihrer Familie in Schweden und schreibt bereits an der Fortsetzung zu ›Bonjour Agneta‹.

Mein Leseeindruck: Agneta steht in der Mitte ihres Lebens, glaubt glücklich verheiratet zu sein, hat erwachsene Kinder, die sich meist nur melden wenn sie sich in Geldnöten befinden. Die Beziehung zu ihrem Mann Magnus ist nicht ohne Probleme, denn er lebt sehr diszipliniert, zum Beispiel mit gesundem, leider kaltem  Haferbrei zum Frühstück. Kein Alkohol, nur gesundes Essen und viele sportliche Aktivitäten sind sein Lebensinhalt. Immer wieder versucht er Agneta mitzureißen, doch sie entzieht sich seinen Aktivitäten, frönt heimlich dem Weingenuss mit Käse und anderen Leckereien. Sie lebt und träumt gern in ihrer eigenen Genusswelt und zieht sich oft zurück.  Dadurch steht sie  in einem ständigen Gewissens- und Stresskonflikt bis sie eines Tages einen mutigen Entschluss fasst, angeregt durch eine Zeitungsanzeige. Sie wird ihren  Ehemann Magnus und ihren Job für einige Zeit verlassen und als Au-Pair in Südfrankreich arbeiten. Auf was sie sich dort wirklich eingelassen hat wird ihr erst langsam nach ihrer Ankunft im kleinen Städtchen Saint Carelle in der Provence klar.....


Emma Hamberg hat ein leicht und locker zu lesendes Wohlfühlbuch geschrieben, welches sicher vom flüssigen und oft lustigem Schreibstil lebt und der  stimmigen französischen Atmosphäre eines kleinen Provence-Städtchen.  Agneta mag man (FRAU) - oder auch nicht so unbedingt ohne verschiedene Vorbehalte. Die Autorin hat in ihrem unterhaltsamen Roman eine starke Charakterfigur erschaffen, die das Leben geniessen möchte - auch in vielen bunten, neuen prickelnden Facetten, die ihr erst allmählich bewusst werden. Sie ist eingesperrt in ihrem eigenem Kopfkino, welches nur so strotzt voller Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und einem traurigen Minderwertigkeitsgefühl sich selbst gegenüber. Agneta bricht während ihrer Zeit als AU-PAIR zumindest zeitweise aus ihrem bekanntem Lebensgefühl aus und geniest das Gefühl von Freiheit und Selbstbestimmung.   Selbstverwirklichung, Lebenslust-und Freude, sexuelle Anziehung, Liebe und Homosexualität sind die Themen mit denen die Autorin zwischen Agneta und ihrer neuen französischen, charmanten Umwelt agiert.

Doch wen betreut sie da eigentlich so voller Enthusiasmus und plötzlich aufkommendem Elan ? Sein Name ist Einar, eine gebürtiger Schwede, dessen Lebensmittelpunkt aber in der Provence lag und liegt bei seinem verstorbenen Partner, inmitten eines prächtig renovierten alten Kloster und Anwesen,,,,

Lasst euch von Agneta und Einar in eine Welt voller Fantasie, Freude, Lebenslust und französischem Charme entführen.  Aber ihr werdet auch Kummer, den Schmerz und die Verzweiflung alternder Menschen miterleben! 

Meine Bewertung : FÜNF ***** Sterne für diese unterhaltsame Wohlfühl Lektüre!

Herzlichen Dank an die Autorin und den dtv Verlag für das Paperback-Rezensionsexemplar!