Samstag, 24. Januar 2026

*Samson und das Galizische Bad* von Andrej Kurkow - erschienen im Diogenes Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 22.10.2025

INHALT/KLAPPENTEXT: Aus dem Russischen von Johanna Marx und Claudia Zecher. Mit Illustrationen von Juri Nikitin

Kiew, 1919: Ein Trupp Rotarmisten ist spurlos verschwunden, mitten in der Stadt, während eines Banjabesuchs. Als Samson im Heizofen des Badehauses Knochenreste findet, kommt er einem finsteren Komplott auf die Spur. Auch im dritten Band um den herzensguten Samson und die kluge Nadjeschda lässt der ukrainische Meister absurder Erzählkunst das Kiew der frühen Zwanzigerjahre lebendig werden. Voller politischer Turbulenzen und schräger Charaktere und spielerischer Parallelen zum Heute.

Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Seit seinem Roman ›Picknick auf dem Eis‹ gilt er als einer der wichtigsten zeitgenössischen ukrainischen Autoren. Sein Werk erscheint in 45 Sprachen. Kurkow lebt als freier Schriftsteller mit seiner Familie in der Ukraine. 2023 wurde er als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen.

Auszeichnungen

 Englische Übersetzung von Samson und Nadjeschda auf der Longlist des ›International Booker Prize‹, 2024

 Italienische Übersetzung von Samson und Nadjeschda für den ›Premio Strega Europeo‹ nominiert, 2023

 englische Übersetzung von Jimi Hendrix live in Lemberg auf der Longlist des ›International Booker Prize‹, 2023

»Andrej Kurkow hat diese gewissen Nebensätze, die so lakonisch sind, dass man von ihm sogar die Gebrauchsanweisung eines Rasenmähers lesen würde.«

Bettina Göcmener / Die Welt, Berlin

Meine Meinung zum Buch:

Diese interessante Lektüre habe ich für mich ganz persönlich als eine erhellende und humorvoll verfasste  Information zu Geschichte und Entwicklung der Ukraine verstanden. 

Wir befinden uns im Kiew des Jahres 1919 , kurz nach der Beendigung des 1. Weltkriegs und seinen Wirren des damaligen Zeitgeschehen in der Ukraine. Die Protagonist*innen des Buch wurden allesamt von Andrej Kurkow etwas skurril,  humorvoll aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck gezeichnet. Es ist eine echte Kriminalkomödie, eingebettet in einen ernsten, geschichtlichen Hintergrund, der aber auch nicht  real erscheint, sondern eher im fiktiven Erzählstil angesiedelt ist. 

Samson , ein Beamter der Sowjetmacht hat schon einiges an Schicksalsschlägen erleben müssen. Er verlor durch einen Überfall von Kosaken seinen geliebten Vater und durch  einen Säbelhieb ein  OHR. Dieses abgeschlagene Körperteil entwickelt eine erstaunliche Lebendigkeit. ES kann weiter hören und alles Gehörte an Samson weiterleiten - egal wo es sich gerade befindet , sei es in einer Tabakdose eingenäht in einen Mantelsaum, oder irgendwo anders......

 Samson, ein gutmütiger aber doch unerfahrener Millizionär und Kriminalbeamter der neuen Sowjetmacht benutzt eifrig diese übertragenen Informationen an ihn um dem Verschwinden von achtundzwanzig Rotarmisten in einem Badehaus (Banja) auf die Spur zu kommen. Nur ihre Uniformen sind noch zu finden. Samson wird unterstützt von seinem Assistenten, dem ehemaligen Priester Cholodny. Als Samson im Heizofen der Banja einen grossen Knochen entdeckt nehmen die Ermittlungen richtig Fahrt auf und wir erleben wie Samson tückische, politische Klippen, absurde Ereignisse mit Humor, Bauernschläue und Gutmütigkeit umschifft, immer darauf bedacht trotzdem als guter, rechtschaffener Staatsbediensteter aufzutreten........... 

Das Buch ist eine absolute Leseempfehlung, dem ich gerne FÜNF ***** Sterne gebe.

Herzlichen Dank an den Autor und den Diogenes Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar !

Mittwoch, 14. Januar 2026

*Unser kleiner Hof in den Hügeln* von James Rebanks - erschienen im Penguin Verlag


 *unbezahlte Werbung*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: 

Als Junge lernte James Rebanks von seinem Großvater, das Land auf traditionelle Weise zu bewirtschaften. Der Familienbauernhof in den Hügeln des Lake District war Teil einer uralten Agrarlandschaft: ein Flickenteppich aus Äckern und Wiesen, Weiden und Hecken, in denen es von Wildtieren wimmelte. Doch als James den Hof erbte, war er kaum noch wiederzuerkennen. Die alten Steinscheunen waren verfallen, und am Himmel fehlten die Vögel und ihr vom Wind verwehter Gesang.

Dieses Buch erzählt davon, was es bedeutet, an einem Ort wirklich verwurzelt zu sein und für ihn Verantwortung zu übernehmen. Es handelt von jahrhundertealten Traditionen, die verloren zu gehen drohen, vom Arbeiten im Rhythmus der Jahreszeiten und der Witterung, vom Zusammenleben mit der Natur und von der Gemeinschaft der Menschen auf dem Land. Es ist die hoffnungsvolle Geschichte eines jungen Farmers, der beschließt, der Zerstörung der Landschaft etwas entgegenzusetzen und eine winzige Ecke Englands zu retten.

James Rebanks wurde 1974 auf einer Farm im englischen Lake District geboren, die seine Familie seit über sechshundert Jahren bewirtschaftet. Er studierte Geschichte in Oxford, bevor er die Farm von seinem Vater übernahm. Sein erstes Buch, der eindrucksvolle autobiografische Bericht »Mein Leben als Schäfer«, wurde zum internationalen Bestseller und verschaffte ihm in England Kultstatus. Sein zweites Buch »Mein englisches Bauernleben« wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. als Sunday Times Nature Book of the Year 2020 und mit dem Wainwright Prize for Nature Writing 2021. Es erschien 2025 unter dem Titel »Unser kleiner Hof in den Hügeln« als Taschenbuch bei Penguin. Einblicke in sein Leben gibt James Rebanks auf X und Instagram (@herdyshepherd1).


Maria Andreas lebt und arbeitet seit über dreißig Jahren als freie Übersetzerin in München. Unter anderem hat sie Penelope Lively, Julian Fellows und Rachel Joyce ins Deutsche übertragen.

Meine Meinung zum Buch: 

Hinter dem verspielten Titel und dem idyllischen Cover von James Rebanks' Werk verbirgt sich eine schonungslose Analyse der Agrarwirtschaft. Der Autor schildert realistisch den Wandel der europäischen Landwirtschaft über die letzten sieben Jahrzehnte . Die Gliederung des Buches spiegelt diesen Weg wider:

1. Der Pflug und die Möwen 

2. Nostalgie 

3. Fortschritt 

4. Utopie 

Die Würdigung der Vergangenheit

Dieses Buch ist eine tiefe Verbeugung vor der Lebensweise unserer Großeltern auf den kleinsten Höfen Englands und Europas. Rebanks beschreibt seine Kindheit auf der Farm seines Großvaters als eine prägende Zeit voller Tierbegegnungen  und Naturerlebnisse in Wäldern und Wiesen . Diese Erinnerungen sind heute sein innerer Kompass: Auf seiner eigenen Farm setzt er sich für ökologische Veränderungen ein – selbst wenn dies wirtschaftliche Einbußen bedeutet.

Der globale Blick und die industrielle Realität

Rebanks beschreibt die Entwicklung der Landwirtschaft nicht nur als lokales Ereignis, sondern als globale, oft erschreckende Transformation. Besonders seine Reisen nach Australien und in die USA (Iowa)  scheinen ihn tief erschüttert zu haben. Er skizziert das Bild einer Branche, die sich von der Natur entfremdet hat. Ein  Zitat  auf Seite 183 verdeutlicht den massiven wirtschaftlichen Druck:

" Der amerikanische Durchschnittsverdiener gab 1950 etwa 22 Prozent seines Einkommens für Nahrungsmittel aus; dieser Anteil ist heute auf 6,4 Prozent gesunken. Gewinn machen eine Handvoll riesiger Konzerne, die etliche Politiker und Abgeordnete aller Parteien in der Tasche haben. "

Dieser Wandel hin zu einem rein auf Produktivität getrimmten Industriezweig führt zu immer größeren Höfen, riesigen Monokulturen und extremer Massentierhaltung  – eine Entwicklung, die Rebanks zutiefst enttäuscht.

Zwischen harter Arbeit und familiärer Bindung

Trotz der harten Kritik bleibt das Buch zutiefst menschlich. Rebanks erzählt schnörkellos von körperlicher Schwerstarbeit und existenziellen Sorgen. Doch dem gegenüber stehen die Momente puren Glücks: die Geburt eines Lammes  oder die Dankbarkeit über eine gute Ernte . In diesen Zeilen spürt man eine liebevolle Würdigung seines Vaters und Großvaters. Auch seine eigene Familie bildet das emotionale Rückgrat und unterstreicht die Verbundenheit, die das bäuerliche Leben trotz aller Widrigkeiten ausmacht.

Poetische Schönheit als Hoffnungsträger

Rebanks' Schreibstil wechselt oft in schwärmerische, fast poetische Formen . Diese Momente der schlichten Schönheit belohnen die Leser*innen mit einem harmonischen „Kopfkino“ von Wald und Wiese .

Sein Buch ist jedoch mehr als eine bloße Rückschau. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Wertschätzung unserer ländlichen Umwelt und für den Konsum ehrlicher, gesunder Lebensmittel . Inspiriert von den Ideen seiner Vorbilder Rachel Carson und Jane Jacobs, fordert er uns auf, unser Verhältnis zur Natur grundlegend zu überdenken. Denn unsere Nahrung sollte von gesunden Böden erzeugt werden, wie es Menschen seit Jahrtausenden getan haben.

FÜNF ***** Sterne.

 



Dienstag, 6. Januar 2026

*Der Mädchenname* von Aurora Tamigio - erschienen im btb-Verlag

 

*unbezahlte Werbung, Rezensionsexemplar*

Erschienen am 8.10.25

INHALT/KLAPPENTEXT: Anfang des 20. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in den sizilianischen Bergen: Früh zeigt sich, dass die kleine Rosa aus dem Stoff der Pflanze gemacht zu sein scheint, deren Namen sie trägt: Blüten, die immer wieder zum Leben erwachen, das Holz stark und widerstandsfähig. Als Frau gilt sie wenig, doch ihrem Vater und ihren Brüdern, beugt sie sich nie ganz. Als sie Sebastiano Quaranta kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. Rosa brennt mit ihm durch, sie heiraten und eröffnen gemeinsam ein Gasthaus, das zum begehrten Anlaufpunkt wird. Kurz darauf werden ihnen der hübsche Fernando, Donato, der Priester werden wird, und schließlich Selma geboren, deren Hände so zart sind wie die Stickereien, mit denen sie Stoffe schmückt. Selma heiratet gegen Rosas Rat und besseren Wissens, ihre unglückliche Ehe hat Auswirkungen auf ihre eigenen Töchter. Patrizia, die kämpferischste der drei Schwestern, Lavinia, die das Kino liebt, und Nesthäkchen Marinella, die davon träumt, Italien zu verlassen.

Aurora Tamigio wurde 1988 in Palermo geboren und wuchs in Mailand auf. Sie studierte Kunstgeschichte und Drehbuchschreiben für Filme. Sie hat als freie Autorin für das Kino gearbeitet sowie als Texterin in einer Werbeagentur. Sie ist Chefredakteurin des Filmmagazins Silenzioinsala.com. »Der Mädchenname« ist ihr erster Roman, der in Italien alle Verkaufsrekorde gebrochen hat und monatelang auf der Bestsellerliste stand. Aurora Tamigio wurde mit dem Literaturpreis IO Donna - Heldinnen von heute (2023) und dem renommierten Premio Bancarella (2024) ausgezeichnet.


REZENSION: Eine Reise nach Sizilien mit Aurora Tamigio

Zum Jahresbeginn hat es mich literarisch in eines meiner absoluten Lieblingsländer gezogen: Italien. Genauer gesagt nach Sizilien. Die Autorin Aurora Tamigio ist dort längst kein Geheimtipp mehr – ihr Debüt wurde von den Buchhändlern zum Lieblingsbuch gekürt und stürmte die Bestsellerlisten. Nachdem ich es gelesen habe, verstehe ich absolut, warum!

Drei Generationen, ein Schicksal

Der Roman spannt einen weiten Bogen über drei Generationen sizilianischer Frauen. Alles beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts mit der zärtlichen, fast schon magischen Liebe zwischen Rosa und Sebastiano Quaranta. Doch das Buch ist weit mehr als eine Romanze; es ist ein packendes historisches Zeitzeugnis über das Leben und Überleben in einer patriarchalischen Gesellschaft.

Rosa: Der Ursprung der Stärke

Rosa hat es nicht leicht. In den Bergen aufgewachsen, geprägt von einem gewalttätigen Vater und dominanten Brüdern, gelingt ihr mit Sebastiano die Flucht in ein neues Leben. Gemeinsam eröffnen sie ein Gasthaus – ein Projekt, in das Rosa all ihr Herzblut steckt. Trotz aller Widerstände kämpft sie mit weiblichem Geschick und unbeugsamem Willen für das Glück ihrer drei Kinder Fernando, Donato und Selma.

Das Erbe der Frauen

Im weiteren Verlauf begleiten wir Selma, die zwar in ihrer Ehe unglücklich ist, aber drei völlig unterschiedliche Töchter großzieht: Patrizia, Lavinia und Marinella. So verschieden die Charaktere auch sein mögen, eines zieht sich wie ein roter Faden durch die Generationen:

• Die bedingungslose Liebe zur Familie.

• Der unstillbare Drang nach Selbstbestimmung.

• Die Suche nach einem eigenen Weg abseits starrer Traditionen.

Mein Fazit:

Dieser wunderschöne Wohlfühlroman schenkt emotionale und teils aufwühlende Lesestunden. Besonders toll fand ich, wie die Autorin die Balance zwischen familiärer Harmonie, tief verwurzelten Traditionen und dem jeweiligen Zeitgeschehen hält.

Ein atmosphärischer Schmöker, der Fernweh nach dem Süden weckt!

Vier Sterne !


Dienstag, 23. Dezember 2025

* FRÖHLICHE WEIHNACHTEN *

 


UND EINE SCHÖNE ZEIT ZUM LESEN UND DEM GENIESSEN DER ZEIT MIT EUREN LIEBEN WÜNSCHT EUCH 


ANGELA 




Dienstag, 9. Dezember 2025

*Was wir wissen können* von Ian McEwan - erschienen im Diogenes Verlag


                                                                                                                                

*Werbung, unbezahlt* 


Der Autor Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller, viele sind verfilmt, zuletzt ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson). Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts, der American Academy of Arts and Sciences und Träger der Goethe-Medaille.


INHALT/KLAPPENTEXT: 

Aus dem Englischen von Bernhard Robben

Im Jahr 2119: Die Welt ist überschwemmt, Europa eine Insellandschaft, Freiheit und Reichtum unserer Gegenwart – ein ferner Traum. Der Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe sucht ein verschollenes Gedicht von Weltrang. Der Dichter Francis Blundy hat es 2014 seiner Frau Vivien gewidmet und nur ein einziges Mal vorgetragen. In all den Spuren, die das berühmte Paar hinterlassen hat, stößt Thomas auf eine geheime Liebe, aber auch auf ein Verbrechen. Ian McEwan entwirft meisterhaft eine zukünftige Welt, in der nicht alles verloren ist.

2014: Bei einem Abendessen mit engen Freunden trägt der Dichter Francis Blundy ein Gedicht zu Ehren seiner Frau Vivien vor. Niemand am kerzenbeleuchteten Tisch ahnt, dass noch Generationen später über dieses Gedicht spekuliert werden wird, denn die einzige Niederschrift bleibt unauffindbar. 2119: Ein Großteil der westlichen Welt ist überflutet, England nur noch ein Archipel. Der Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe forscht über das frühe 21. Jahrhundert, insbesondere über Blundys Gedicht für Vivien. Fasziniert von den Möglichkeiten und der Freiheit der damaligen Zeit stößt er auf eine große Liebe und ein Verbrechen, das seine Vorstellung davon, was wir wissen können, völlig auf den Kopf stellt.


Meine Meinung zum Buch: 

Seit einiger Zeit habe ich nun schon diesen Leseeindruck im Kopf und es fällt mir sehr schwer meine ehrliche Meinung in einen vernünftigen und für mich zutreffenden Beitrag umzusetzen. Ich habe eigentlich ein aufregendes und spannendes Buch zu dem brisanten Thema Überschwemmung von Europa, hervorgerufen durch einen Atomschlag im Atlantik, erwartet. Doch beim Lesen ist mir dieses Schreckenszenario immer wieder entfallen und die teilweise langatmigen und sehr persönlichen Ausführungen der Gedankenwelt des Literaturwissenschaftler Thomas Metcalfe haben sich stark in den Vordergrund gedrängt. Eigentlich ist das ja ein Glücksfall, dass der Autor McEwan die Literaturwelt und deren Forschungsergebnisse in den Vordergrund des Buches gestellt hat. Trotzdem haben mich die immer wieder kehrenden Schilderungen von langweiligen Abendessen, die Diskussionen mit unzähligen Personen und ihren komplizierten Charakteren  nicht wirklich gefesselt, beeindruckt und /oder neugierig gemacht auf den Dichter Francis Blundy.  

Zwei Botschaften des Buches haben mich allerdings beeindruckt und zwar dass Wissenschaft,  Lehre und Forschung auch in einer für mich aus meiner jetzigen  Sicht schrecklichen Zeit in der Zukunft überleben. Doch leider gibt es in dieser fiktiven Zukunft des Jahres 2119 immer wieder schreckliche Kriege und Naturkatastrophen sind etwas Alltägliches geworden. 

Die Menschheit hat sich zahlenmässig halbiert !

Mein Fazit: Es ist ein langatmiges , oft ein wenig langweiliges Buch , welches aber trotzdem mit einer tiefen Ernsthaftigkeit der bestehenden Literatur und seinen Autoren ein Denkmal setzt und die Hoffnung auf eine positive Weiterentwicklung von Forschung und Lehre in allen Wissenschaftsbereichen der Zukunft nicht aufgibt.   





Freitag, 14. November 2025

*Deine Wille wohnt in den Wäldern* von Mattias Timander - erschienen im Allee Verlag

*unbezahlte Werbung*

Erschienen am 15.September 2025 im Allee Verlag

INHALT: Ein Dorf am Ende der Welt, ein junger Mann, der bleibt, während alle anderen gehen: In seinem Debüt entwirft Mattias Timander ein eindringliches Porträt des Lebens in einem abgelegenen nordschwedischen Dorf. Die karge Landschaft wirkt zugleich faszinierend und bedrohlich, die Menschen sind eng verwoben und doch voller unergründlicher Risse – eine Welt, in der schweigende Geheimnisse lauern und die Wahrheit sich nur schemenhaft offenbart.

Erst als der Protagonist zu lesen beginnt, eröffnet sich ihm eine neue, faszinierende Wirklichkeit. Die Literatur wird zum Strom, der seine Gedanken mitreißt und ihn schließlich in die große Stadt trägt. Dort begegnet er einer manischen Literatin und taucht ein in das pulsierende Leben der Bohème. Doch die Antworten, nach denen er sucht, bleiben vage – bis ein unvorhergesehenes Ereignis die Weichen neu stellt und ihn zum Handeln zwingt.

Dein Wille wohnt in den Wäldern ist eine stille, unerschrockene Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und der Sprache als Grenze und Brücke. Der Roman ist zugleich eine fiktionale Verarbeitung der Geschichte von Timanders verstorbenen Großeltern und ihrer tornedalischen Herkunft.

Im Original ist das Werk ein faszinierendes Geflecht aus nordschwedischem und tornedalischem Dialekt sowie der Minderheitensprache Meänkieli, das die Vielschichtigkeit von Herkunft und Identität lebendig widerspiegelt. Hanna Granz hat diese sprachliche Vielfalt mit großer Sensibilität und sprachlichem Feingefühl ins Deutsche übertragen – wobei ihr insbesondere die Wiedergabe des eindringlichen Schweigens, das im Roman eine zentrale Rolle spielt, hervorragend gelungen ist.


Mattias Timander (* 1998 in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens) gehört der ethnischen Minderheit der Tornedaler an. Heute lebt er in Stockholm, wo er als Kulturjournalist und freier Autor tätig ist. Er studierte Literaturwissenschaft in Stockholm und war zwischen 2018 und 2020 mit 20 Jahren der jüngste Bürgermeister in der Geschichte Schwedens. Anschließend arbeitete er bis 2022 für die Bonnier Verlagsgruppe, wo er Autorengespräche moderierte.

Auszeichnungen & Nominierungen:

De-Nios-Jul-Preis (2024)

Nominierung Katapult-Preis (2024)

Nominierung Adlibris-Preis für das Debüt des Jahres (2024)

Nominierung Norrlands Literaturpreis (2025)

Nominierung Borås-Tidnings-Preis (2025)


Meine Meinung zum Buch: 

Die ruhige Waldlandschaft Nordschwedens mit seinen dörflich geprägten Menschen hat mich für lange und schöne Lesestunden in seinen Bann gezogen. Doch auch das perlende und quirlige Grosstadtleben mit seiner vielfältigen Bevölkerungsstruktur kam in diesem ruhig verfassten Roman nicht zu kurz. 

Ein junger Mann, der nach seiner Identität sucht, spielt in diesem Debüt Roman von Mattias Timander die Hauptrolle. Er ist in der abgeschiedenen Dorf - und Familiengemeinschaft Nordschwedens zeitweise aufgewachsen, hat seine Eltern verloren und nun das Ferienanwesen, eine kleine, gemütliche Hütte geerbt. Die Menschen dort sind schweigsam und leben zurückgezogen. Ein aktiver Lebensmittelpunkt besteht für den jungen Menschen aus den Kaffeestunden  und Gesprächen mit den Freund*inen Tage und Viola in der Storstuga. Er schläft viel, beobachtet die Natur, spaltet fleissig das Holz für die kalte Jahreszeit und entdeckt für sich das LESEN und eine vielfältige Literatur, die ihn fasziniert und tatsächlich auch zu einem zeitweisen Leben in der Grossstadt führt. Dort beginnt er einen lebhaften Austausch mit Buchmenschen, Verlagen, Zeitungen und begegnet sogar der Liebe zu einer Frau. 

Dieser unbedingt leidenschaftlich zu nennende Drang  des Protagonisten und Ich-Erzählers zur Literatur wird vom Autor sanft und stetig  gesteigert und erinnert an eigene Leseabenteuer - Erlebnisse, die sich im Lauf eines Lebens von seiner Struktur und den Inhalten natürlich verändert haben. Bekannte Autorennamen tauchen auf und stärken diese AHA-Momente für den Lesenden.  Der junge Mann möchte sich mit anderen Leser*innen austauschen - schafft es auch in der Grossstadt und dennoch vermisst er irgendwann seine kleine Hütte. 

Ist es die Suche nach Heimat, Geborgenheit, sicheren menschlichen Bindungen und Beziehungen die ihn wieder spontan der Stadt den Rücken kehren lässt?   Ist es seine enge Verbundenheit mit der Natur, die grosse Sehnsucht nach Frieden, Ruhe und Beständigkeit des dörflichen Lebens? Sind es seine familiären Wurzeln, die er glaubt dort wiederzufinden?

Die Antwort muss sich jeder Leser*in nach der Lektüre dieses Textes selber geben , finden und auf sich wirken lassen. Der Roman regt zum Nachdenken über verlorene und/oder neu zu findende Lebenswege an und ist ein kleines Schatzbüchlein. Er ist eine absolute Leseempfehlung !

Meine Bewertung: FÜNF ***** STERNE.

Mein Dank gilt dem Autor, dem Allee Verlag und Birgit Böllinger für die Vermittlung der Lektüre !



















Sonntag, 9. November 2025

*Meine Seele ist eine Insel * - von Gertrud Carey

 

*Werbung, unbezahlt*  

*selbstgekauft*

*BuchtipohneRezension*

Die Autorin

Inhalt: Wunderschöne Gedanken und Geschichten von der grünen Insel Irland - gesammelt und geschrieben von GERTRUD CAREY !

Dienstag, 28. Oktober 2025

*Moscow Mule* von Maya Rosa - erschienen im Penguin Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 13. August 2025 

INHALT / KLAPPENTEXT: Karina und Tonya teilen alles — ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen ›Für immer‹ klang, wird plötzlich brüchig 

Maya Rosa, Jahrgang 1987, ist in Russland geboren und aufgewachsen. Sie hat in Moskau und Berlin studiert und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. »Moscow Mule« ist ihr Debutroman. Maya Rosa lebt mit ihrer              Familie in Berlin.

Meine Meinung zum Buch: 

In diesem interessanten Roman begegnen wir Tonya und Karina, zwei jungen russischen Studentinnen im Moskau vor ca. zwanzig Jahren. Es ist die Zeit in der die Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2006  vor ihrem Haus durch mehrere Schüsse getötet wurde. Es ist auch die Zeit der Luxusautos im Strassenbild  und der armen, älteren Mütterchen , die mit Strassenverkäufen ihre dürftige Rente aufbessern.

 Karina und Tonya geniessen ihre Studienzeit an der Universität, nehmen jede Party, jedes Vergnügen und viele Männerbekanntschaften mit in ihr Leben. Tonyas Lebenstraum besteht aus einem seriösen Leben mit Familie, Haus und Garten. Karina weiss es nicht genau , ist unstet, schlägt sich in Moskau durch mit Übernachtungen bei Freund*innen und zufälligen Bekanntschaften, da sie in einem Vorort mit ihrer geliebten Großmuter lebt. Zwei Stunden Fahrzeit für eine Tour bis zur Universität sind ihr einfach zu lang. 

Der spritzige und und sehr oft witzige Schreibstil der Autorin, geschrieben in der Ich-Form aus Karina's Sicht hat mir sehr gut gefallen. Das Buch war unterhaltsam zu lesen, hat mir viele  Einblicke in die Jugend  und Denkweise einer Generation der jetzt ungefähr 40 jährigen Frauen und Männer gegeben. Vor allem aber auch Einblicke in die Atmosphäre der damaligen Zeit in Moskau, für mich ein Eindruck, der von Kälte, grauem Schnee,  heissen Banjas auf dem Land, unkomplizierten und offenen Beziehungen, sowie herzlichen Familienfeiern mit Wodka  geprägt wurde. Europa und Deutschland erschienen  der jungen Generation wahnsinnig weit weg, aber  eben doch das erstrebenswerte Reiseziel für viele junge Menschen dort;  ein Studium und Aufenthalt im europäischem Ausland an einer Universität.  

Die innige Freundschaft und deren Entwicklung  zwischen den beiden jungen Frauen, die sich seit Kindertagen sehr nahe stehen, ist auch ein emotional sehr berührendes Thema in dieser Geschichte, welches die Autorin in ihrem Debüt Roman dargestellt hat.  

Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und einen tiefen Einblick in das damalige Land mit seinen liebenswerten  und herzlichen Menschen bekommen.  Die Themen Freundschaft, und das Streben nach persönlicher Freiheit nehmen einen grossen Raum im Buch ein. Danke dafür !

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für diesen Debüt Roman von Maya Rosa. 

Herzlichen Dank an die Autorin und den Penguin Verlag für das gebundene Rezensionsexemplar. 


 



Donnerstag, 23. Oktober 2025

*Das Deutschland Backbuch* von Jürgen Krauss - erschienen im Südwest Verlag

 

*Werbung, unbezahlt*

Erschienen am 10. September 2025  

INHALT/KLAPPENTEXT: Die zauberhafte Welt der deutschen Backkunst, in der der Duft von frischem Gebäck die Seele umarmt.


In seinem märchenhaft bebilderten Backbuch stellt Jürgen Krauss die Klassiker aus deutschen Backstuben vor. Dazu gehören unwiderstehliche Köstlichkeiten wie Schwarzwälder Kirschtorte, Bienenstich, Streuselkuchen und Käsesahne, aber auch Festtagsgebäck von Lebkuchen, Stollen über Plätzchen bis hin zu Osterbrot und Neujahrsbrezen. Und für alle, die herzhaftes Gebäck bevorzugen, hat er aus seiner Schwarzwälder Rezept-Schatztruhe tolle Rezepte für knusprige Brezen, hauchdünne Flammkuchen, schwäbische Seelen und einen saftigen Zwiebelkuchen gezaubert. 

Die Zubereitungen reichen von einfach bis komplex, und viele der Einzelkomponenten (Teige, Cremes und Glasuren) lassen sich miteinander kombinieren, um etwas Neues zu kreieren. »Es ist ein sehr persönliches Buch mit allem, was ich als Kind gerne gegessen habe«, sagt er. »Ein Querschnitt der köstlichen Backwaren, die weit über Deutschland hinaus bekannt sind und einfach jeden begeistern.« In dem Buch finden sich Rezepte für jeden Geschmack und Anlass mit zahlreichen Fotos und einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Als Autodidakt begann Krauss' Liebe zum Backen im Haus seiner Eltern, wo er seiner Mutter in der Küche half, vor allem in der Weihnachtszeit. Als Teenager backte er gelegentlich mal einen Käsekuchen oder eine Linzer Torte, aber erst zehn Jahre nach seinem Umzug nach England wurde das Backen wieder ein wichtiger Teil seines Lebens. »Ich vermisste deutsches Brot und beschäftigte mich mit der Herstellung von gutem Brot.« Er wagte sich nach und nach an verschiedene Brotsorten und diverse Kuchen. Die immer köstlicheren Ergebnisse überzeugten Freunde und Familie, die ihn ermutigten, sich für die Sendung The Great British Bakeoff zu bewerben. Und der Rest ist Geschichte ...


Meine Meinung zum Buch:

Der aus Freiburg im Breisgau stammende Autor Jürgen Krauss hat ein hübsch bebildertes Standard Backbuch gängiger Rezepte  traditioneller deutscher Herkunft geschrieben . „Es ist ein sehr persönliches Buch mit allem, was ich als Kind gerne gegessen habe“, sagt er. Beigefügte private Bilder aus seiner Kindheit in den 50er Jahren geben diesen gesammelten süßen und herzhaften Köstlichkeiten eine  besondere Bedeutung und erinnern an Heimat , Familie, emotionale Wärme und Geborgenheit. 

Der Autor hat sein Buch wie folgend gegliedert : 
EINLEITUNG,
WAFFELN, KÜCHLE UND DAMPFNUDELN, 
BLECHKUCHEN, 
KUCHEN UND TORTEN, 
SÜSSE UND HERZHAFTE BROTE UND BRÖTCHEN, 
FESTLICHES GEBÄCK, 
GRUNDREZEPTE, 
REGISTER, 
DANK. 

Merkwürdigerweise werden viele Rezepte für eine 23 cm große Springform angegeben  und nicht für eine übliche Größe von 26-28 cm . Geübte Bäcker*innen passen die
Rezeptmengen an , doch für Anfänger*innen kann das in einem Desaster enden. Es gibt traditionsreiche und familienerprobte Anleitungen für Apfelkuchen, Käsekuchen, Marmorkuchen, Waffeln, Schwarzwälder Kirschtorte und vieles mehr. Auch wird die Herstellung von Laugenbrezeln, Zwiebelkuchen , Butterhörnchen und weihnachtlichem Kleingebäck genau beschrieben. Die schönen Fotos der fertigen Köstlichkeiten sprechen sofort an , doch leider gibt es nicht zu jedem Rezept ein Bild. Die Rezepte sind den vier Jahreszeiten angepasst und werden zusätzlich durch erprobte GRUNDREZEPTE bestens erklärt.

Insgesamt ist es ein sehr persönliches und informatives Backbuch , welches man gern backbegeisterten Anfänger*innen empfehlen und/oder verschenken kann. 

Meine Bewertung: FÜNF ***** Sterne für dieses schön bebilderte Backbuch!

Herzlichen Dank an den Autor und den Südwest Verlag für das tolle gebundene Rezensionsexemplar !